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Weltkulturerbe auf der Schwäbischen Alb

Sechs Höhlen mit Eiszeitkunst sind nun international anerkannt

Von Rainer Lang

Die Vogelherdhöhle ist Teil des Archäoparks im Lonetal (Foto: Rainer Lang)

2017 war es endlich so weit. Die UNESCO erklärte die Höhlen auf der Schwäbischen Alb, in denen einzigartige Kunstwerke aus der Eiszeit entdeckt worden waren, zum Weltkulturerbe.

Viele Jahrtausende sind die Schätze unentdeckt geblieben. Was unter der Erde schlummerte, haben Forscher erst in jüngster Zeit entdeckt. Es sind mit rund 40.000 Jahren die ältesten bekanntesten Kunstwerke und Musikinstrumente der Menschheit aus der Eiszeit, die in den Höhlen am Südrand der Schwäbischen Alb gefunden wurden.

Trotzdem hatten diese Höhlen im Ach-, Blau- und Lonetal eher den Status eines „hidden champion“. In diesem Jahr wurde ihre Bedeutung endlich international gebührend gewürdigt. Die UNESCO, als Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig, erklärte sechs Höhlen der Schwäbischen Alb wegen der weltweit einzigartigen Funde der Eiszeitkunst zum 42. deutschen Weltkulturerbe.

Ausstellung der Fundstücke in Blaubeuren und Ulm

Die meisten Fundstücke sind im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt. Dazu zählen unter anderem die Venus vom Hohle Fels sowie Flöten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein der Eiszeit.

Blaubeuren ist ohnehin ein kultur- und kirchengeschichtlich interessanter Ort. Im Kloster ist das evangelisch-theologische Seminar untergebracht, ein altsprachliches Gymnasium mit kirchlichem Internat. Die Einrichtung hat eine lange Tradition. Auch der bekannte schwäbische Dichter Wilhelm Hauff besuchte ab 1817 die Klosterschule. Seine Märchen und Sagen werden bis heute gelesen.

In der Nachbarschaft des Klosters ist der Blautopf, den Eduard Mörike weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat mit der „Historie von der schönen Lau“. Der schwäbische Dichter und Pfarrer erzählt darin, wie eine Wassernixe am Blautopf das Lachen wieder lernt. Eine Steinskulptur am Ufer erinnert daran. Unter der Erde erstreckt sich ein weitverzweigtes Höhlensystem.

Der Löwenmensch – eine Figur mit Löwenkopf und Menschenkörper ist dagegen nicht in Blaubeuren, sondern im Ulmer Museum zu sehen. Der Tübinger Archäologe Professor Nicholas Conard spricht von idealen Bedingungen in den Höhlen als Voraussetzung dafür, dass so viele Gegenstände aus der Eiszeit erhalten geblieben sind.

Höhlenerlebniswelt im Lonetal

Bei einem Besuch im Lonetal eröffnen sich faszinierende Blicke auf das Leben in der Eiszeit. Als Ausgangspunkt für eine Erkundungstour bietet sich die Charlottenhöhle in Hürben an. In dem Ortsteil von Giengen an der Brenz wurde eine Höhlenerlebniswelt aufgebaut, in der die geologischen Besonderheiten auf der Alb so erklärt sind, dass es für alle Altersgruppen spannend und unterhaltsam ist.

Ein Stück oberhalb ist eine der schönsten Höhlen auf der Alb: die Charlottenhöhle. Mit insgesamt 587 Metern ist sie eine der längsten begehbaren Schauhöhlen Süddeutschlands. Bei den Führungen erlebt man ein regelrechtes Tropfsteinparadies und erhält interessante Einblicke in die Karstlandschaft der Region. Eine LED-Beleuchtung wurde installiert, die die Felsen bizarr und unheimlich wirken lässt.

Das interaktive Erlebnismusem „HöhlenSchauLand“ am Fuß der Höhle steht unter dem Motto „Faszination Höhle Mensch Natur“. Präsentiert wird eine Zeitreise bis zurück in die Urzeit. Archäologische Forschung ist hier zum Greifen nah. Das gegenüberliegende „HöhlenHaus“ informiert über Entstehung, Entdeckung und Eröffnung der Höhle. Die Exponate zeigen Saurier, Mammuts, Höhlenlöwen, Neandertaler und die Anfänge der menschlichen Kultur vor fast 40.000 Jahren. Anfassen ist übrigens ausdrücklich erlaubt.

Das Leben der Eiszeitmenschen im Archäopark

Nicht weit ist es von hier bis nach Stetten ob Lontal. Hier ist der Archäopark angesiedelt, in den die Vogelherdhöhle integriert ist. Er gehört zu Niederstotzingen. Hier wird auf Themenplätzen das Leben der Eiszeitmenschen nachgebildet. Seit den Ausgrabungen im Juli 1931 von Professor Gustav Riek hat sich die Stadt damit beschäftigt, wie sie am besten mit den einzigartigen eiszeitlichen Funden aus der Vogelherdhöhle umgeht, weil die Tierfiguren und Musikinstrumente von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind. Immer wieder erschien die Realisierung eines Archäoparks am Vogelherd und die Aufarbeitung dieses Themas mit Präsentationsräumen in greifbarer Nähe. Schließlich beschloss der Gemeinderat 2011 die Umsetzung dieses Projekts.

Am 1. Mai 2013 wurde das Besucher- und Informationszentrum eröffnet. Es zeigt die Lebenswelt der Eiszeitjäger und mit dem kleinen Mammut und dem Höhlenlöwen die ältesten figürlichen, vollständig erhaltenen Kunstwerke der Menschheit am originalen und authentischen Fundort. Elf Figuren fand bereits Gustav Riek 1931. Fünf weitere und zahlreiche Fragmente konnten in den Nachgrabungen von 2005 bis 2012 unter der Leitung von Nicholas Conard hinzugefügt werden. Es sind 40.000 Jahre alte, überaus aufwändig gefertigte Kunstwerke, die keine alltagspraktischen Funktionen hatten.

Im Freigelände mit der Vogelherdhöhle gibt es Aktionsplätze, eine informative Dauerpräsentation und  Erlebnisangebote. Hier können die Besucher mit geführten Begehungen, in betreuten Aktionen oder auf selbständiger Entdeckungstour in die Welt der Steinzeit eintauchen.

UNESCO-Biosphärenreservat im Geopark

Eine weitere Auszeichnung der Schwäbischen Alb durch die UNESCO liegt schon ein paar Jahre zurück. Ein erdgeschichtlich sehr interessantes Gebiet ist der Geopark. Er erstreckt sich zwischen Aalen und Tuttlingen, in seinem Innern oder direkt an der Grenze liegen die Städte Ulm, Tübingen, Göppingen, Reutlingen und Schwäbisch Gmünd.

Der Geopark bietet eine beeindruckende geologische und paläontologische Vielfalt, auch in ökologischer Hinsicht. Deshalb erfolgte im Jahr 2009 die Auszeichnung eines Teils des Geoparks als UNESCO-Biosphärenreservat. Das Gebiet können Besucher auf Lehrpfaden selbst erkunden, aber auch an geführten Touren teilnehmen.

Informationen zum Geopark unter www.geopark-alb.de und zum Museum in Blaubeuren www.urmu.de

Rainer Lang

Redakteur beim evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt" und Mitglied in der Redaktion der "evangelischen aspekte".

Foto: Matthew Bowden, stock xchng

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