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Februar 2010                                        Rezension


Manfred Keller/Jens Murken (Hg.): Das Erbe des Theologen Hans Ehrenberg. Eine Zwischenbilanz, Bd. 4 der Schriftenreihe Zeitansage, LIT Verlag Berlin 2009, 272 S., 29.90 Euro.

Das Jahr 2008 war ein Ehrenberg-Jahr. Gleich zwei Gedenktage – der 125. Geburtstag und der 50. Todestag – gaben Anlass, an das außergewöhnlich reiche, äußerlich und innerlich bewegte Leben dieses Philosophen und Theologen zu erinnern. Am 4. Juni 1883 als Kind einer liberalen jüdischen Familie geboren, entschied sich Hans Ehrenberg in einer langen philosophisch-theologischen Auseinandersetzung mit seinem Vetter Franz Rosenzweig für den christlichen Glauben. Er wurde als „Judenchrist“ einer der bedeutendsten Theologen der Bekennenden Kirche. Am 31. März 1958 starb der mutige Protestant, der seiner Kirche – die ihn unter dem Druck der Nazi-Diktatur im Stich gelassen hatte und auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht angemessen einzusetzen wusste (wie die beiden Herausgeber betonen) – bis zum Schluss engagiert diente.

Die beiden Gedenktage führten im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen zu einer Reihe von Veranstaltungen, deren Erträge Eingang in dieses Buch gefunden haben. Insbesondere zwei Tagungen des Evangelischen Forums Westfalen in Schwerte und Bielefeld sind in diesem Band dokumentiert.

Der Theologe und Philosoph Ehrenberg war ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Praxis: Sozialethiker, Gesellschaftskritiker, Kirchengeschichtler, Ökumeniker, Praktischer Theologe, Gemeindepfarrer, Homiletiker und Dialogiker.

Das Buch ist ein bedeutsamer Beitrag zu einer theologischen Biographie, indem es pointierte und engagierte Querschnitte liefert zu seinem Leben, Denken und Wirken, stets mit dem Ziel, dessen theologische Grundlagen und Impulse aufzuzeigen in seiner Zeit, aber auch und gerade für die Jetztzeit.

Die Herausgeber wollten nämlich kein (historisches) „Gedenkbuch“, sondern vielmehr ein aktuelles „Denk- und Arbeitsbuch“ vorlegen, das beispielhaft dazu beiträgt, Ehrenberg für Theologie und Kirche, Bildungsarbeit und Pädagogik wiederzuentdecken und zu nutzen. Ehrenbergs Anfragen und Antworten, Ansätze und Anstöße sind überraschend zeitgenössisch und zukunftsweisend. Ein Erbe, das es zu erschließen und umzusetzen gilt. Es bietet in der „Erinnerung“ reichhaltige Erkenntnisse.

Walter Schmidt

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