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Von Bibelschmugglern und Geheimprotestanten

Reihe: evangelisch aktiv

Tipps für Unternehmungslustige, zusammengestellt von Rainer Lang

Jakob Forstnig (links) und Robert Graimann

Im Jahr 2008 hat die evangelische Kirche in Österreich den „Weg des Buches“ eröffnet. Wanderer und Pilger können auf ihm eine abenteuerliche Seite der Reformationsgeschichte entdecken.

Neun Mal im Sommer nimmt Jakob Forstnig, Hotelier des Trattlerhofs in Kärnten, seine Gäste auf die Sonnenaufgangswanderung mit. Als ein „super Erlebnis“ beschreibt er die Tour, die von Bad Kleinkirchheim auf die nahegelegene Falkertspitze führt. Was die TeilnehmerInnen dabei erleben, das beinhaltet alles, was für den Hotelier zu einem gelungenen Urlaub gehört: neben der Erholung in der Natur sollte nämlich auch die spirituelle Erfahrung nicht zu kurz kommen.

Gelegenheit dazu bietet sich im Herzen von Kärnten reichlich. Auf der Tour zur Falkertspitze kreuzt man auch den „Weg des Buches“. Und für den interessieren sich vor dem Reformationsjubiläum im Jahr 2017 immer mehr Menschen. Dabei geht es nämlich um die Bibel, die Martin Luther ins Deutsche übersetzt hatte. Und dieses Buch selber zu lesen, das galt im 16. Jahrhundert in Zeiten der Gegenreformation in Österreich als revolutionär. Denn viele Menschen lernten durch die Bibellektüre das Lesen und wurden darüber auch zu Protestanten. Das war nicht im Sinne der katholischen Obrigkeit. Wer in Österreich nicht wieder katholisch werden wollte, musste seinen Glauben im Geheimen praktizieren oder emigrieren. Auf abenteuerlichen Wegen wurden Lutherbibeln, Gesang- und Gebetsbücher nach Österreich auch in entlegene Bergtäler geschmuggelt. Wer erwischt wurde, musste mit harter Strafe rechnen.

Im Jahr 2008 hat die evangelische Kirche in Österreich den „Weg des Buches“ eröffnet. Er führt auf den Spuren der Bibelschmuggler und Geheimprotestanten von Schärding an der bayerischen Grenze über das Salzkammergut, den Dachstein und die Kärntner Nockberge bis an die slowenische Grenze. Eine Station auf den traditionellen Handelswegen ist seit jeher der Trattlerhof, der eine fast 500-jährige Geschichte als Unterkunft sowie als Pilgerherberge hat. Dieser Tradition der Gastfreundschaft fühlt sich Hotelier Jakob Forstnig verpflichtet. Vor mehr als 130 Jahren hat die Familie Forstnig das einfache Wirtshaus „Trattlerkeusche“ zu einem Vier-Sterne-Hotel entwickelt. Jakob und seine Frau Birgit sind die fünfte Generation der Hoteliersfamilie.

 „Auch wenn wir ein traditionelles Haus sind, wollen wir Vorreiter sein“, sagt Jakob Forstnig. Dazu gehört Nachhaltigkeit. Das österreichische Umweltsiegel hat der Trattlerhof schon, der Blaue Engel kommt dazu. Als einziges Hotel in Österreich stellt der Trattlerhof seinen Gästen ein CO2-Zertifikat aus für die CO2-Einsparung während ihres Urlaubs. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, so der Hotelier.

Das will er auch mit seiner monatlichen Vortragsreihe „Impuls am Berg“, die bald zum 50. Mal stattfindet, und den regelmäßigen Weinverkostungen. Einen eigenen Reitstall mit Pony-Farm bietet das Hotel seinen Gästen ebenfalls. Und neben seinem Hüttenrestaurant „Einkehr“ will Forstnig Hof-Chalets im Kärtner-Stil bauen, ein Art Feriendorf im Ort.

Im vergangenen Jahr wurde der Trattlerhof zur Pilgerherberge beim ökumenischen österreichischen Pilgersymposion. Die Gäste kamen aus Österreich und Deutschland, darunter auch etwa ein Dutzend Pfarrerinnen und Pfarrer aus Hessen-Nassau. Unter dem Motto „Pilgern – Gesundheit für Körper und Seele“ wurde auch der „Weg des Buches“ erkundet. Für kommenden Herbst ist ein weiteres Symposion geplant.

Eine führende Rolle dabei hat Jakob Forstnigs Freund Robert Graimann. Der passionierte Wanderer hat nicht nur ein Wanderbuch für Körper und Seele mit dem Titel „Wandern fürs Gemüt“ verfasst, sondern ist in Österreich Ansprechpartner für den „Weg des Buches“. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Pilgerangebote für 2016 mit geführten Wanderungen.

Anfragen aus Deutschland für Wandertouren auf dem „Weg des Buches“ liegen schon für 2017 vor. Das nächste Pilgersymposium ist vom 27. bis 30. Oktober 2016. Wanderungen zum Weg des Buches werden ab Mai angeboten. Ein Ausgangspunkt ist dabei der Trattlerhof.

Informationen unter www.trattlerhof.at und www.wegdesbuches.at sowie www.spirituell-wandern.at

Rainer Lang

Redakteur beim evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt" und Mitglied in der Redaktion der "evangelischen aspekte".

Foto: Matthew Bowden, stock xchng

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