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November 2009


Etsi Deus non daretur?

Religion im 21. Jahrhundert zwischen Apologie und Beliebigkeit

von Sybille C. Fritsch-Oppermann

Der Mensch ist heute herausgefordert, in einer Welt Halt zu finden, die immer in Bewegung ist. Die Autorin plädiert dafür, Gott nicht romantisch in bewährten, fest gefügten Systemen zu verlieren, sondern ihn im vorbehaltlosen Hören auf Erfahrungen auch von Atheisten zu finden.

Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann ist Mitglied im Redaktionsteam der evangelischen aspekte.

Nun ist sie also wieder salonfähig, die Religion. Habermas hat ihr attestiert: Sie ist zurückgekehrt. Und in Talkshows reden Prominente wie solche, die es noch werden wollen, gern und lange, zuweilen gerührt, über ihren eigenen Glauben.

Das Tremendum et Faszinosum Rudolph Ottos ist zum schönen Nervenkitzel verkommen. Und die dunkle und verborgene Seite Gottes ist sicher, wenn wir es nur lange genug versuchen, auch zu googlen oder in Wikipedia zu finden.

Wir leben in einer globalen, hochtechnologisierten und immer virtueller werdenden Welt. Und mit uns Gott. Wir können das beklagen und bedauern. Doch es gilt: “Vielleicht gibt es schönere Zeiten – aber dies ist die unsere.”

Wir können versuchen, gegenläufige Trends und alles, was gut war und immer noch ist an der Moderne, zu stärken, auch Inseln der Idylle zu schützen. Wir müssen versuchen, aus der Vergangenheit zu lernen und Gutes zu bewahren. Andererseits haben wir uns in verantworteter Vorläufigkeit dem Hier und Heute zu stellen und unseren Glauben daran zu messen, zu bewahren, zu schärfen, zu stärken, weiterzuentwickeln – und wenn’s nicht anders geht: zu verlieren.

Dann hätten wir immer noch in der bewährten und immer etwas paradoxen “Freiheit eines Christenmenschen” zu beten oder zu dichten: “Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.” Und nur das Ergebnis würde uns zeigen, ob und wie das funktioniert. Wir würden es spüren, die Welt würde es sehen: Wir würden unsere Imagination realisieren und Berge versetzen, wir würden eine tröstliche Inszenierung vollbringen und der Ästhetik das letzte Wort und Zeichen lassen.

Gleichwohl, weiter kommen wir nicht in der Zeit, in der wir leben. Keine melancholische Moderne hält uns auf immer in Façon; keine bürgerliche Pflicht und Tugend hält sie an, die Zeit. Und auch die ist relativ, wie wir seit Einstein wissen. Mag das nun trösten oder beschweren. Kein Geld, keine Macht, kein Stand sind auf Dauer “ein bisschen näher zu Gott”.


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