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	<title>evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Ahmad Mansour: Generation Allah</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:31:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Religionen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ahmad Mansour schlägt Alarm. Hoffentlich ergeht es ihm nicht wie der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig (Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter), die Ursachen von Straftaten gerade auch im religiös-kulturellen Milieu junger Täter ausmacht. Das Buch blieb ohne Folgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-1971 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mansour_Generation-Allah-184x300.jpg" alt="" width="184" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mansour_Generation-Allah-184x300.jpg 184w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mansour_Generation-Allah.jpg 300w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" />S. Fischer Verlag, 2. Auflage 2015, 272 S., 19,99 EUR.</strong></p>
<p>Ahmad Mansour schlägt Alarm. Hoffentlich ergeht es ihm nicht wie der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig (<em>Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter</em>), die Ursachen von Straftaten gerade auch im religiös-kulturellen Milieu junger Täter ausmacht. Das Buch blieb ohne Folgen.</p>
<p>Mansour warnt vor dem Einschwenken „viele(r) Tausende(r) junger Menschen“ (mit und ohne Migrationshintergrund) auf einen Pfad der Radikalisierung und Ablehnung demokratischer Werte im Namen des Islam. Er registriert in Politik und Öffentlichkeit „Verharmlosung“ oder „Panikmache“ als problemverschlimmernde Reaktionen. Er entlarvt den Druck auf muslimische Mädchen, „weil sie kein Kopftuch tragen, weil ihre Schminke ›haram‹, also ›sündhaft‹ ist, weil ihre Jeans zu eng anliegen“.</p>
<p>Mit seiner Kritik schont Mansour auch die islamischen Verbände in Deutschland nicht, die islamistischen Terror zwar verurteilen, aber an einem traditionell-muslimischen patriarchalischen Familienbild festhielten mit autoritärer und sexuell verklemmter, gegen die Frauenemanzipation gerichteter und ein Gewaltpotenzial erzeugender Erziehung. Unterstützt werde dies durch ein strenges und strafendes Gottesbild und buchstabengläubige Koranauslegung: „hinnehmen, annehmen“ sei die „fromme Haltung“, die den gehorsamen, ideologisch leicht verführbaren Untertan hervorbringe: die Generation Allah.</p>
<p>Mansour ist Sozialarbeiter, Psychologe, arabischer Israeli und war selber radikaler Islamist. Für ein erfolgreiches Einwirken auf die „Generation Allah“ fordert er das Erlernen von Kritik, Argumentieren und autonomem Denken. Unumgänglich sei die Arbeit mit muslimischen Eltern.</p>
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		<title>Karl-Heinz Meier-Braun: Einwanderung und Asyl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:30:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
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					<description><![CDATA[Die politische Debatte in Deutschland zu Flüchtlingsfragen ist in den vergangenen Monaten immer hitziger geworden. In Deutschland wurden 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge registriert. Das bringt Bundesländer, Landkreise und Kommunen bei der Unterbringung an die Grenze ihrer Belastbarkeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" class="alignleft wp-image-1967 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Meier-Braun_Einwanderung-192x300.jpg" alt="" width="192" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Meier-Braun_Einwanderung-192x300.jpg 192w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Meier-Braun_Einwanderung.jpg 300w" sizes="(max-width: 192px) 100vw, 192px" />Verlag C.H.Beck, München 2015, 159 Seiten, 10,95 EUR, E-Book 8,99 EUR</strong></p>
<p>Die politische Debatte in Deutschland zu Flüchtlingsfragen ist in den vergangenen Monaten immer hitziger geworden. In Deutschland wurden 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge registriert. Das bringt Bundesländer, Landkreise und Kommunen bei der Unterbringung an die Grenze ihrer Belastbarkeit.</p>
<p>Die schiere Zahl von Asylbewerbern empfindet mancher als Bedrohung. Vor diesem Hintergrund fühlen sich viele Bundesbürger verunsichert. Das ist ein guter Nährboden für populistische Thesen zur Asylpolitik.</p>
<p>In dieser aufgeheizten Atmosphäre tut es gut, auf einen Ratgeber zurückgreifen zu können, der die wesentlichen Themen zu Einwanderung und Asyl in übersichtlicher Weise behandelt. Der frühere SWR-Integrationsbeauftrage gibt in seinem Buch Antworten auf die „101 wichtigsten Fragen“. Dabei wird deutlich, dass Migration viele Facetten hat.</p>
<p>In dem Band werden verbreitete Vorurteile aufgenommen und widerlegt. So kann von einer Unterwanderung Deutschlands durch Muslime keine Rede sein. Genauso wenig sind Ausländer krimineller oder wollen nur die Sozialsysteme ausnutzen.</p>
<p>Auch die Geschichte der Einwanderung kommt in den Blick. So erfährt man, dass die ersten Gastarbeiter aus Italien kamen. Das entsprechende Anwerbeabkommen wurde vor 60 Jahren unterzeichnet. Erschreckende Parallelen zeigt Meier-Braun zwischen der Wahrnehmung von Flüchtlingen heute und früher auf. Damals strömten die Heimatvertriebenen ins Land. Diese wurden 1949 als primitiv, unehrlich, schmutzig, faul und streitsüchtig bezeichnet. Vielerorts wird auch heute so über Flüchtlinge gesprochen. Gegen Klischees setzt der Ratgeber differenziertes Wissen und ausgewogene Information.</p>
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		<title>Schlüsse aus Geschichten ziehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:29:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Historiker]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Kann man aus Geschichte lernen? Jedenfalls kann man aus Geschichten Schlüsse ziehen, meint Manfred Schütz und stellt zugleich die Konzeption der Artikelserie „Theologie und...“ vor.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Kann man aus Geschichte lernen? Jedenfalls kann man aus Geschichten Schlüsse ziehen, meint Manfred Schütz und stellt zugleich die Konzeption der Artikelserie „Theologie und&#8230;“ vor.</p></blockquote></div>
<p>Der Historiker Johann Gustav Droysen beschreibt die Methoden der Geschichtswissenschaft mit drei Schritten. Erstens gehe es darum, das vorhandene historische Material in den Blick zu nehmen. Also Denkmäler und weitere Überreste, Aussagen von Zeitzeugen&#8230; Zweitens sei dieses kritisch zu sichten und zu prüfen – hinsichtlich der Echtheit, der Abfolge zwischen Früherem und Späterem&#8230;. An dritter Stelle stehe dann die Interpretation.</p>
<p>Droysens „Historik“ gilt als ein Klassiker seines Fachs. Was auffällt: So logisch und so nachvollziehbar das Vorgehen ist, ein detailliertes Methodenideal bietet es nicht. So mangelt es auch nicht an Kritteleien am „unwissenschaftlichen Charakter“ und Anwürfen, dass mangels festgelegter Prinzipien ja jeder beliebige Schriftsteller sich zum Geschichtsschreiber aufwerfen könne. Droysen geht verschiedentlich und ausdrücklich darauf ein. Die Frage steht im Raum, was die Geschichte „ist“, was sie für uns bedeutet.</p>
<h2>Steine zum Sprechen bringen</h2>
<p>Als Droysens Grundlagenwerk 1868 als Buch erscheint, ist die Geschichtswissenschaft noch eine junge Disziplin. Als eigenständiges Fach wurde sie tatsächlich erst im 19. Jahrhundert an den Universitäten etabliert. Zwar hat sich seither etliches getan. Die Sozialwissenschaften haben ihre Forschungsansätze geltend gemacht. Es wurden stärker als bisher Konstanten in der Anthropologie thematisiert. Doch auch heutige Einführungen in „die Geschichte“ bieten hinsichtlich vorgegebener Methodik nicht allzu viel. Flapsig formuliert: Geschichte hat eigentlich nur Quellen und Überliefertes (davon unzählig viel), doch kaum ausgearbeitete Methoden.</p>
<p>Die Aufgabe des Historikers ist buchstäblich und oft: Steine zum Sprechen bringen. Über ganze Epochen der Erdgeschichte gibt es nur „unsprachliches“ Material. Die „steinernen Überlieferungen“ aus der Vergangenheit gelten in vieler Hinsicht gar als besonders zuverlässig – wie etwa bei Grenzstreitigkeiten zwischen Gutsbesitzern nicht so sehr darauf geachtet wird, was Bauer A oder Bauer B dazu sagt. Zur Urteilsfällung begibt man sich stattdessen lieber ins Gelände, direkt vor Ort, um zu sehen, wo der Grenzstein liegt. Ist dieses festgestellt, dann kann es nur noch um die Frage gehen, ob er immer schon hier stand, heimlich verlegt wurde, ob er rechtmäßig hier aufgestellt ist, etc. Der aufgesuchte Stein spricht eine klare Sprache. Das gilt sogar dann, wenn er <em>nicht </em>vorzufinden ist.</p>
<h2>Theologie und Geschichte</h2>
<p>Auch für die Theologie zählt der Umgang mit Überliefertem zum festen Grundbestand. Schon deshalb gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der Geschichtswissenschaft. Gemeinsam ist das Interesse an dem, was vordem war. Gemeinsam das Interesse, wie das Überlieferte ins Heute kommt, wie es wirkt und wirken soll.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Cicero: Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens?</p></blockquote></div>
<p>Aber hat die Geschichte uns überhaupt etwas zu sagen? Betrifft mich das? War das nicht alles eine andere Zeit? Für die Altvorderen hieß es „<em>Historia magistra vitae</em>“, Geschichte die Lehrmeisterin des Lebens (Cicero). Demnach ergibt sich aus der Geschichte Bedeutungsvolles für die Gegenwart und Zukunft. In diesem Sinn treten sowohl die Theologen als auch die Historiker mit einer positiven Erwartungshaltung an die Historie(n) heran.</p>
<h2>Geschichte oder Geschichten?</h2>
<p>Wie die „Profangeschichte“ kennt dabei auch die Theologie „sprechende Steine“. Interessanterweise wird es ja stets dann lebendig, wenn bei Ausgrabungen ein neuer Fund zu Tage kommt. Wie kürzlich, als in Wittenberg über die Überreste aus Martin Luthers mutmaßlicher Küche berichtet wurde. Nun habe man endlich einen authentischen Einblick und Zugang auf die wahre Persönlichkeit des Reformators…</p>
<p>Bezeichnenderweise scheint der Historiker gerade hier, bei den „unsprachlichen“ Rahmendaten, die präzisesten Methoden zu besitzen. Etwa die C14-Methode zur Radiokarbondatierung aus der Archäologie. Oder wenn mit quantitativen Auswertungen die ausschlaggebenden Bevölkerungsstrukturen für Entwicklungen in der Geschichte erhoben werden.</p>
<p>Zwischenfrage: <em>Die Geschichte</em>? Gibt es <em>die </em>Geschichte überhaupt? Ist nicht vielmehr von <em>den</em> Geschichten zu reden, den vielen verschiedenen, die immer subjektiv sind und subjektiv bleiben? Erst in der Neuzeit kommt ja die Singularvokabel „die Geschichte“ in qualifizierter Weise auf. Vormals sprach man im Plural von „Geschichten“. In postmodernen Zeiten wird wiederum die Zersplitterung in die vielen verschiedenen Einzelgeschichten herausgestellt.</p>
<h2>Wort und Wissenschaft</h2>
<p>Besondere Nähe zwischen Theologie und Geschichte gibt es schließlich bei sprachlichen Überlieferungen. Für beide Wissenschaften bilden diese Textquellen den größten Anteil. Berichte, Briefe, offizielle Verlautbarungen, Verhandlungen&#8230; Nur, welche mündlichen und schriftlichen Quellen sind als Geschichtsquelle heranzuziehen? Hier treten Fragen nach der Echtheit auf. Fragen nach der Richtigkeit und Wahrheit (vgl. Droysen). Und zwar sowohl, was die Richtigkeit der Quellen anbetrifft, als auch die Richtigkeit und Angemessenheit der sekundären Auswertung und Darstellung. Wort und Wissenschaft, könnte man leicht abstrahierend sagen, sind hier das Thema.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Wie kommt der Geist in die Geschichte?</p></blockquote></div>
<p>Hier, an dieser Stelle, hat die Theologie der Geschichtswissenschaft sogar etliches voraus. Denn vom frühesten Beginn an existiert das Christentum ja als Erzählgemeinschaft, die auf ihre eigene Ursprungsgeschichte kontinuierlich reflektiert. Im Umgang mit Überlieferungen ist die Theologie geübt. Durch eine jahrhundertelange Tradition der Auslegungsgeschichte kennt sie sich aus mit Textauslegung, mit mündlichen und schriftlichen Quellen sowie deren aktueller Zu- und Aneignung.</p>
<h2>Aus Geschichten Schlüsse ziehen</h2>
<p>Schon die neutestamentlichen Autoren legen Wert darauf, &#8216;nur das weiterzugeben, was sie selbst empfangen haben&#8217; (1. Kor 15,3). Tradition kommt schließlich von <em>tradere</em> (lat.: Weitergeben, überliefern). Auf die Frage, was begründet uns historisch, worin gründet unsere (historische und soziale) Identität, wird andauernd und ausdrücklich rekurriert.</p>
<p>Wenn man so will, ist dies schon durch den Stifter selbst der Theologie in die Wiege gelegt. Als Wanderprediger erzählt er hintergründige Geschichten, vom barmherzigen Samariter, vom gütigen Vater, vom Reich Gottes, usw. Und schon alsbald wird sein eigenes Ergehen, seine eigene Geschichte zum Hauptinhalt, siehe Evangelien. Hier wie da kreist vieles um die Frage, was die Geschichte sagt und „ist“, was sie den Nachfolgenden bedeutet: Welche Schlüsse nun daraus zu ziehen sind.</p>
<h2>Geschichte als Lernwissenschaft</h2>
<p>Wie also kommt der Geist in die Geschichte? Indem sich die Geschichtswissenschaft damit beschäftigt, was Geschichte „ist“ und was sie uns bedeutet, ist sie (Achtung, jetzt wird es theoretisch) vielleicht am besten als eine <em>kritische Lernwissenschaft</em> zu charakterisieren. Sie lehrt zu unterscheiden zwischen dem, was die Geschichte von sich aus sagt, was andere über sie sagen, interpretiert beides aus ihrer eigenen Sicht – und wird so selbst Geschichte. Geschichtswissenschaft lehrt und lenkt den Blick darauf, wie Geschichte auf Geschichte folgt&#8230;</p>
<p>So weit, so gut. Doch kann man aus Geschichten lernen? Können Geschichten <em>Magistra</em> <em>Vitae</em>, Lehrmeisterin des Lebens sein („Lernt von mir“)? These: Lernen, ja. In gewisser Weise viel (etwa über die eigene Herkunft sowie Prägungen). Vor allem aber kann man daraus Schlüsse ziehen, wo man selber steht – Selbsterkenntnis in Zustimmung und Differenz.</p>
<h2>Theologie als kritische Lernwissenschaft</h2>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Wie die Geschichte ist Theologie als Lernwissenschaft zu kennzeichnen.</p></blockquote></div>
<p>Denn wie die Geschichtswissenschaften zieht die Theologie 1. konkrete Schlüsse aus Geschichten. Hier ist etwas zu lernen, was man vorher noch nicht weiß. Die Theologie lernt dabei 2. substantiell von anderen Wissenschaften. Aus inneren Gründen arbeitet sie interdisziplinär. Das macht ihre Vielschichtigkeit aus, bietet aber auch eine Gefahr des permanenten Abdriftens. Plötzlich ist Theologie dann <em>nur noch </em>Geschichte. Oder <em>nur noch </em>Philosophie. <em>Nur noch </em>Psychologie. Oder nur noch eine Mischung aus diesem allem… Hier gilt es dann das jeweils Eigene der Theologie ins “Spiel“ zu bringen. 3. Die Theologie ist schließlich auch in diesem Sinne eine Lernwissenschaft, als sie dazu anleiten will, in welcher Weise (und in welcher nicht) Theologie unter wissenschaftlichen Ansprüchen &#8216;gelehrt&#8217; werden kann.</p>
<p>In diesem Rahmen – „das Wort und die Wissenschaften“ – bewegt sich unsere Beitragsreihe insgesamt. Sie ist an der „Scharnierstelle“ verortet und sucht exemplarisch Brückenschläge zwischen den Wissenschaften auf ihre Belastbarkeit hin zu erproben, auf Übereinstimmungen und Differenzen. Doch keine Sorge, bei alledem bleiben wir stets mit einem Augenzwinkern unterwegs, wohl wissend, wo wir uns befinden: In der Theologischen <em>Werkstatt</em> – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit in diesem Rahmen oder gar auf ein ultimatives „Non-Plus-Ultra“ der Artikel. Wir machen einfach Probewerkstücke und Experimente…</p>
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		<title>Zwischen Wiedergutmachung und Repression</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/christen-in-der-tuerkei/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Volker Keller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:28:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Antakya]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Minderheit]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich mir die Sängerinnen und Sänger des „Chores der Zivilisationen“ aus Antakya ansah, erkannte ich den Priester der syrisch-orthodoxen Kirche in Antakya und einen Mitarbeiter des Obermuftis wieder. Christen, Muslime, Alewiten, Türken, Juden und Armenier singen gemeinsam. Das ist möglich – in Antakya, im Süden der Türkei.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Als ich mir die Sängerinnen und Sänger des „Chores der Zivilisationen“ aus Antakya ansah, erkannte ich den Priester der syrisch-orthodoxen Kirche in Antakya und einen Mitarbeiter des Obermuftis wieder. Christen, Muslime, Alewiten, Türken, Juden und Armenier singen gemeinsam. Das ist möglich – in Antakya, im Süden der Türkei.</p></blockquote></div>
<p>Wenige Monate vor dem Konzert in Bremen hatte ich die Türkei mit einer Gruppe von badischen Kirchenleuten besucht, die alle Erfahrungen im interreligiösen Dialog hatten. Unsere Rundreise begannen wir in Antakya, dem ehemaligen Antiochia. Die Stadt sollte unser Ausgangspunkt sein, um der Frage nach zu gehen, wie das Land mit seiner christlichen Minderheit umgeht.</p>
<h2>„Nachbarschaft ohne Grenzen“ in Antakya</h2>
<p>Im „Haus Pax“ der katholischen Kirche begrüßt uns Ordensschwester Barbara Kallasch. Ihr Gästehaus liegt genau im „Dreieck Abrahams“ zwischen einer katholischen Kirche, einer Moschee und einer Synagoge. „Zu unseren Festen besuchen wir uns“, erzählt sie und beschreibt eine Nachbarschaft ohne Grenzen. Seit 1400 Jahren leben Muslime, Juden und Christen in der Türkei zusammen; als muslimische Eroberer im 7. Jahrhundert kamen, waren die Christen schon dort. Die erste Kirche der Welt, die St. Peters -Kirche, liegt auf einem Stadthügel von Antakya. Sie ist eine unscheinbare Grotte, eine verborgene Höhle, die man nur zu Fuß erreichen kann. Noch heute feiern Christen in der Kirche Gottesdienste.</p>
<p>Zurück in der Altstadt Antakyas präsentiert uns der Pfarrer der syrisch-orthodoxen Kirche ein Originaldokument aus der Zeit osmanischer Herrschaft. Muslime hatten sich beim Sultan über Glockenläuten und christliche Prozessionen beschwert. Der Herrscher wies den Bürgermeister an, für die Gewährleistung der christlichen Gottesdienste zu sorgen. „Durch Toleranz sollte das multiethnische und multireligiöse osmanische Reich zusammengehalten werden“, urteilt der Priester. So weit so gut! Wie passt dazu die Begegnung mit einem Geschäftsbesitzer in der Stadt? Er schloss hinter uns die Tür und erzählte von Schwierigkeiten: Manche Muslime würden nicht mehr bei Christen einkaufen. Anderswo im Lande, besonders im Osten, sei es allerdings schlimmer als in Antakya. Dorthin wollen wir.</p>
<h2>Die armenischen Christen in Vakifli</h2>
<p>Unser nächster Halt ist Vakifli – das letzte Dorf der Armenier in der Türkei. Noch ungefähr 60.000 christliche Armenier leben im Land, vor hundert Jahren – vor dem Völkermord der türkischen Republik an ihnen –  zählten sie noch 1,7 Millionen. 150 zumeist alte Leute bilden die Gemeinde in Vakifli. Die 110 Jahre alte kleine Mutter-Maria-Kirche mit Glockenturm und sichtbarem Kreuz ist von einem Zaun umstellt. Das Gebäude aus hellen Sandsteinquadern ist in bestem Zustand. Der Staat kommt für die Unterhaltung auf und unterstützt auch die Dorfbewohner. Etwas Geld verdienen die Bewohner durch Landwirtschaft und durch Likörverkauf.</p>
<p>Beim Verkosten kommen wir ins Gespräch: Für türkische Nationalisten sei „Du Armenier!“ ein Schimpfwort, erfahren wir. Durch die AKP-Regierung von Tayyip Erdogan sei die politische Lage allerdings besser geworden. Liegenschaften, die unrechtmäßig enteignet wurden, würden zurückgegeben und es dürften wieder Gottesdienste gehalten werden. Wir hören heraus, dass es am besten ist für Armenier, sich unauffällig zu verhalten. Nur zu gut ist den Menschen noch der Mord 2007 am armenischen Journalisten Hrant Dink in Erinnerung. Er hatte öffentlich von „Völkermord an den Armeniern“ gesprochen und sich damit Anklagen und Verurteilungen wegen „Beleidigung des Türkentums“ zugezogen.</p>
<p>Zum Abschluss unseres Besuches kommen unsere Gastgeber auf Antakya zu sprechen. Einige singen dort mit. Der Chor ist ihnen ein Vorbild für die ganze Türkei: So sollten überall Mehrheit und Minderheiten zueinander finden.</p>
<h2>Bei den orthodoxen Christen in Iskenderun</h2>
<p>Im orthodoxen Gottesdienst der Kirche St. Nikolaus in Iskenderun singt ein Chor stundenlang – ohne instrumentale Begleitung. Die Kirche quillt über mit Ikonen. Einer der Gemeindeleiter erklärt uns den orthodoxen Glauben und unversehens verändert sich seine Stimmung von süß auf sauer: Er berichtet, dass nachts ein Sicherheitsdienst gebraucht wird und neun Überwachungskameras – immer wieder komme es zu Brandbombenanschlägen auf orthodoxe Kirchen und Friedhöfe. Teile des eigenen Grundstückes sind für ein Parkhaus und Straßenbau ohne Entschädigung enteignet worden, Baugenehmigungen erhält die Gemeinde nur mit vielen Einschränkungen. Es gebe ja nicht mehr viele Christen in der Türkei und die beiden Töchter des Priesters würden auch weggehen. Sie hätten beste Hochschulabschlüsse und bekämen trotzdem keine Anstellung – weil sie Christen seien, schimpft er. Feste feiern die Christen in Iskenderun gerne zusammen mit den Alewiten, einer anderen Minderheit, nicht mit Muslimen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Christen sind Bürger zweiter Klasse.</p></blockquote></div>
<p>Iskenderun ist überall! Minderheiten machen anderswo gleich bittere Erfahrungen mit dem Staat. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte stellt fest, dass der fehlende Rechtsstatus als Körperschaft öffentlichen Rechts unsichere Besitzverhältnisse begründet. Und nicht nur das: „Christen sind Bürger zweiter Klasse, bürokratischen Schikanen und körperlicher Bedrohung ausgesetzt.“  Nach mehreren Klagen vor internationalen Gerichten, bei denen die Kläger Recht bekamen, bekundete die Regierung Erdogan erstmals 2011, dass enteignete Immobilien zurückgegeben oder Entschädigungen gezahlt werden sollen. Wir fragen den Gemeindeleiter, was er dazu sagt. Ihm fehlt der Glaube. Eine rechtliche Anerkennung bekomme man trotzdem nicht. Erdogan habe ja auch angekündigt, dass bald wieder orthodoxe Priester in der Türkei ausgebildet werden dürfen – wann denn endlich?</p>
<p>Die Begegnung wühlt uns auf. An der sechs Kilometer langen Meerespromenade von Iskenderun suchen wir Entspannung, eine leichte Brise kühlt uns ab. Wir sind angestrengt – und den Osten haben wir noch vor uns.</p>
<h2>Im Kloster Mor Gabriel in Ostanatolien</h2>
<p>Der Weg ist weit zum berühmten Kloster Mor Gabriel in Ostanatolien. Wir passieren Diyarbakir. In Antakya trugen die wenigsten Frauen Kopftuch – hier tragen sie es alle. Diese Region tickt offenbar konservativ – und explosiv: Polizeiwagen ähneln Panzerwagen – wir sind im Kurdengebiet unterwegs.</p>
<p>Hohe Steinmauern umgeben Mor Gabriel, ein im vierten Jahrhundert gegründetes Kloster, eines der ältesten der Welt. In der Berglandschaft des Tur Abdin residiert Metropolit Timotheos Aktas. Tee in Tulpengläsern lässt er anbieten und kommt gleich zur Sache. Wir erfahren, dass viel Zeit aufgewendet werden muss für Prozesse gegen den türkischen Staat, um sich gegen Enteignungen zu wehren. Machtlos ist der Bischoff gegen das Verbot Aramäisch zu sprechen: Die syrisch-orthodoxen Mönche und Priester sprechen die Sprache Jesu, die Verkehrssprache der damaligen Welt am Mittelmeer, aber es ist ihnen untersagt, Religionsunterricht auf Aramäisch zu halten. Die Sprache soll sterben. Es stellt sich mir ein deja-vu-Erlebnis ein: Die gleichen Schilderungen von Enteignungen und Diskriminierung wie in Iskenderun, die gleiche Verbitterung.</p>
<p>Der Metropolit berichtet dann von Morden an Christen in jüngster Zeit. Er habe Angst. Vor ihm sei schon ausgespuckt worden – man habe ihm seine Verachtung zeigen wollen. „Christsein bedeutet Leiden“, resümierte der alte Mann mit weißem langem Bart. Der Bischof beklagt, dass nationalistische Politiker Druck auf Christen ausüben, um sie zur Auswanderung zu treiben.</p>
<p>Timotheos Aktas steht nicht allein da gegen den türkischen Staat – das deutsche Parlament unterstützt ihn. 2012 haben alle Fraktionen zugesagt, sich für den Fortbestand des in seiner Existenz bedrohten Klosters einzusetzen. Zwar erkennen die Parlamentarier das Bemühen der AKP-Regierung um mehr Religionsfreiheit an, erklären aber gerade das Umgehen mit dem Kloster zum Gradmesser für die Ernsthaftigkeit toleranter Politik.</p>
<h2>Ein Kampf der Religionen?</h2>
<p>Vielleicht kann das Kloster geschützt werden, aber die Auswanderung der Christen dürfte sich fortsetzen. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten sie noch 25 Prozent der Gesamtbevölkerung, heute sind sie geschrumpft auf 0,2 Prozent. Findet hier ein Kampf der Religionen statt, fragen wir nach unserer Rückkehr nach Antakya den Obermufti der Provinz Hattay. Er streitet den Zusammenhang ab. Ethnische Probleme, nicht religiöse stünden im Hintergrund. Der Islam sei tolerant, wie man an Antakya sehe.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Nicht militanter Islamismus, sondern aggressiver Nationalismus ist das Problem.</p></blockquote></div>
<p>Die vielen Eindrücke auf der Reise lassen sich nicht einfach auf einen Nenner bringen. Tatsächlich gibt es keinen offenen militanten Islamismus in der Türkei. Die Religionsbehörde Diyanet wacht streng über die Moscheen und unterbindet jede Radikalisierung – ganz im Sinne der Bevölkerung: Männer tragen nicht Vollbart – sie wollen auf keinen Fall für Islamisten gehalten werden. Mit der Andeutung von „ethnischen Problemen“ gibt der Obermufti der Suche nach Erklärungen eine andere Richtung. Nach Auskunft einheimischer Christen wiederholen sich in Drohbriefen Formulierungen wie diese: „Die Türkei gehört allein den Türken“. Offenbar erkennt man Christen nicht als Türken an. Der Türke hat Muslim zu sein und stolz auf die glorreiche Vergangenheit des muslimischen Osmanischen Reiches. Und der muslimische Türke erwartet von den Fremden Assimilation oder Abgang. Das Problem scheint ein aggressiver Nationalismus zu sein.</p>
<h2>Die Türkei auf dem Weg in die EU</h2>
<p>Welche Rolle spielt Präsident Tayyip Erdogan? Zu Beginn des Beitrittsprozesses zur Europäischen Union hat er den Minderheitenschutz noch einmal ausdrücklich bestätigt und entsprechende Wiedergutmachungen gegenüber den Kirchen angekündigt. Der Wille zu einer Anpassung an europäische Standards scheint sich allerdings abzuschwächen, seit die EU einen Beitritt auf den Sankt-Nimmerleinstag hinausgeschoben hat. Die Verpflichtung zum Laizismus interessiert den Präsidenten nicht mehr. Das bringt seit Mai 2013 in Istanbul und in anderen Städten immer wieder hunderttausende Demonstranten auf die Straße: Sie protestieren gegen eine Islamisierung der Gesellschaft.</p>
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		<title>Umdenken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-J. Girock]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:26:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreligionen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Novemberereignisse von Paris und ihre Folgeerscheinungen haben nicht nur in Frankreich Erschütterung und Verunsicherung ausgelöst, sondern weltweit. Die Frage nach der Verantwortung der Religionen drängt sich auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Novemberereignisse von Paris und ihre Folgeerscheinungen haben nicht nur in Frankreich Erschütterung und Verunsicherung ausgelöst, sondern weltweit. Die Frage nach der Verantwortung der Religionen drängt sich auf.</p></blockquote></div>
<p>Damals – „Nine-eleven“ 2001 – ist erstmals die systematische und freiwillige Selbsttötung von Menschen als Strategie im Terror gegen unerwünschte Denk- und Lebensweisen geplant und erfolgreich eingesetzt worden. Es war nicht allzu schwer zu erkennen, dass damit die Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung weitgehend untauglich geworden ist. Denn Selbstmordattentäter – ob einzeln oder organisiert – sind mit Bomben allenfalls zu hindern, aber nicht zu verhindern.</p>
<p>Trotz unüberhörbarer Warnungen haben sich die damals Mächtigen für Reaktionen der Gewalt entschieden. Und damit wesentlich zur Vermehrung fanatisierter Hirne und zur unkontrollierbaren Bedrohung der Menschheit beigetragen. Mit inzwischen unabsehbaren Folgen. Die globale Hilf- und Ratlosigkeit der Regierenden ebenso wie die Sorgen und Ängste der Regierten waren vermutlich nie zuvor so offenkundig wie im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Wie es weitergehen könnte, weiß derzeit wohl niemand.</p>
<h2>Alte Frage – neue Bedeutung</h2>
<p>Wie steht es um die Zuständigkeit der Religionen für die Dinge dieser Welt? Geht es da – mit oder ohne Gottesbezug – vornehmlich oder ausschließlich um die „übergeordneten“ Themen, um „Transzendenz“, ums „Jenseits“, um das, was „danach“ kommen könnte? Oder gibt es daneben nicht doch auch Mitverantwortung, Aufgaben schon für hier und heute?</p>
<p>Die Frage scheint de facto längst beantwortet. Immer schon waren religiöse Überzeugungen verknüpft mit Vorschriften und Regeln für irdisches Verhalten. Leider allzu häufig auch mit dem Anspruch, Andersdenkende – am liebsten den jeweils „ungläubigen“ Rest der Welt – den eigenen Maßstäben zu unterwerfen. Daran hat sich auch in unseren global-digitalen, blindwütig „fortschrittlichen“ Zeiten wenig geändert. Die großen Religionen, die drei „monotheistischen“ voran, trennen sich nur zögerlich von ihren tradierten Alleinvertretungsansprüchen und können deshalb leicht missbraucht werden. Ihr Angebot ausschließlicher göttlicher „Wahrheiten“ wird in Zeiten wachsender Orientierungsverluste zum verführerischen Argument und rechtfertigt bei Bedarf auch Mord und Totschlag. Damit sind die Religionen zu einem wesentlichen, womöglich zum wichtigsten Teil der aktuellen Probleme geworden. Doch sie könnten auch zu einer Lösung beitragen.</p>
<h2>Das ethische Potenzial der Religionen</h2>
<p>Erstens: Die „Goldene Regel“ steht, wenn auch in unterschiedlichen Formulierungen, bei fast allen hoch im Kurs. Sie gilt – meist unter Bezug auf eine höhere Ordnung – als Voraussetzung für gelingendes Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft. Im Christentum heißt das Gebot: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst“. Vergleichbare Grundaussagen finden sich im Judentum und im Islam und modifiziert auch in religiösen Gemeinschaften des Ostens. Sie könnten – freilich nur noch im Zusammenwirken (!) – tragfähige Voraussetzung sein für die Abwehr unmenschlicher und lebensfeindlicher Tendenzen, die sich scheinbar unaufhaltsam ausbreiten. Ein allseits akzeptiertes ethisches Fundament könnte die Religionen befähigen, sich unbeschadet ihrer theologischen, geistig-geistlichen, spirituellen und sonstigen Unterschiede einzusetzen für ein Denken und Verhalten, dessen Grundlage und Ziel die Menschen sind, mit ihren Bedürfnissen und ihrer Würde.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Würden sie sich zusammentun, wäre die Breitenwirkung der Religionen kaum zu übertreffen.</p></blockquote></div>
<p>Zweitens: Die Breitenwirkung der Religionen wäre, auch wenn nicht alle „mitmachen“, weltweit (noch!) unüberhörbar für gemeinsame Voten. Gefährliche politische Fehlentwicklungen könnten ebenso hinterfragt werden wie die Macht- und Monopolansprüche der Konzerne und Finanzmärkte. Gewalt und Unmenschlichkeit ließen sich eindämmen und womöglich austrocknen. Wenn die Religionen imstande wären, in einigen (über)lebenswichtigen Fragen zusammen zu wirken, könnten sie sehr wohl die Welt verändern.</p>
<h2>Religionsfriede und Völkerfriede</h2>
<ul>
<li>Die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (1948) zielte nicht nur auf innerchristliche Annäherungen, sondern ausdrücklich auch – vielleicht sogar in erster Linie – auf die Mitwirkung der Christenheit bei der Gestaltung einer „verantwortlichen Gesellschaft“. Der ökumenische Dreiklang „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ gilt bis heute als wichtigste Forderung weit über kirchliche Grenzen hinaus.</li>
<li>Der hartnäckige Einsatz des katholischen Theologen Hans Küng für ein umfassendes „Weltethos“ hat weltweite Beachtung und Anerkennung gefunden. Küngs Mahnung: „Ohne Frieden zwischen den Religionen kein Frieden zwischen den Nationen“ ist unbestritten. Viele Gruppen und prominente Einzelne unterstützen die zugrunde liegenden Ziele; eine Stiftung sichert den Bestand, die internationale Aufmerksamkeit und die Weiterarbeit.</li>
<li>Hundertachtunddreißig angesehene islamische Gelehrte haben 2007 einen offenen Brief an alle führenden Vertreter der christlichen Kirchen geschickt, in dem sie unter Verweis auf das „Doppelgebot der Liebe“ um Überwindung wechselseitiger Feindseligkeit werben und um Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen. „Gemeinsam machen wir 55% der Welt-bevölkerung aus,“ heißt es darin, „und damit ist die Beziehung zwischen diesen beiden Religionsgemeinschaften ein wichtiger Faktor, um zu einem bedeutungsvollen Frieden auf der ganzen Welt beizutragen. Lasst uns einander respektieren, lasst uns fair, gerecht und freundlich zueinander sein, lasst uns einen echten Frieden in Harmonie und gegenseitigem Wohlwollen miteinander leben …“.</li>
<li>Die Forderungen nach interreligiösem Dialog sind nicht immer, aber immer häufiger verknüpft mit dem Wunsch nach Aktivierung und Durchsetzung ethischer Maßstäbe.</li>
</ul>
<h2>Hemmender Streit über theologische Differenzen aussetzen</h2>
<p>Diese Beispiele könnten leicht vermehrt werden. Aber sie kommen viel zu langsam voran. Weil auch ihre Protagonisten sich immer noch vorrangig in theologische Unterschiede verbeißen, statt sich über gemeinsame weltpolitische Aufgaben zu verständigen. Bislang sind alle Bemühungen in dieser Richtung gescheitert oder nach ein paar Schritten versandet. An Beifall fehlt(e) es nirgends. Aber die Angst vor dem Verlust der jeweils eigenen Identität, der dogmatischen Festlegungen und womöglich gar des eigenständigen Gottesbildes hat bisher unüberwindliche Hürden aufgebaut. Hinzu kommt die Zersplitterung in (häufig besonders ideologieanfällige) Gruppierungen und Konfessionen. Rechnet man dazu noch die Sorge um den jeweiligen Machterhalt und den von allgemeinen Verunsicherungen genährten, allenthalben unduldsam wuchernden Fundamentalismus, dann ist die Hoffnung auf weitreichendes Umdenken sehr gering.</p>
<p>Hartnäckig hält sich dagegen die Abwehr unbequemer „Hirngespinste“ und realitätsferner „Utopien“. Wer wollte auch, bei einiger Sachkenntnis und mit nüchternem Blick auf die Welt darauf setzen, dass die disparaten und eifrig einander bekämpfenden Glaubensrichtungen ihre Unterschiede außen vor lassen und sich zusammenfinden, um ein ihnen gemeinsames Bild des Menschen zu verteidigen? Soviel neues Denken gilt als unmöglich. Die Erfahrung lehrt stattdessen, dass die Bereitschaft, „notwendige Abschiede“ (K-P. Jörns) von Althergebrachtem zuzulassen, in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Solange aber die Mehrheit der jeweils Tonangebenden die Bewahrung ihrer Botschaften für wichtiger hält als ihre Bewährung, haben wirksame Korrekturen des Bestehenden keine Chance.</p>
<h2>Zweckbündnisse schmieden, das heute Mögliche schrittweise umsetzen</h2>
<p>Aber muss deshalb die Idee als solche verworfen werden? Darf angesichts zunehmender Gefährdungen die Hoffnung auf ein Zusammenwirken der Religionen zum Segen der Menschheit abgeschrieben werden, nur weil sie derzeit noch unerfüllbar erscheint? Wahrscheinlich wird der Einsatz aller Religionen und religiösen Gruppierungen für gemeinsame ethische Ziele immer eine Utopie bleiben. Es ist aber weder verboten noch undenkbar, dass einzelne Kirchen und Religionsgemeinschaften Zweckbündnisse eingehen, um einem als richtig und notwendig erkannten Ziel wenigstens in einzelnen Schritten näher zu kommen. Beispielhaft und in der Zuversicht, dass andere sich anschließen und so eine Breitenwirkung entsteht, die nicht übersehen werden kann.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Deutschland wäre ein besonders geeignetes „Experimentierfeld“ für ein Zweckbündnis der Religionen.</p></blockquote></div>
<p>Deutschland wäre dafür ein besonders geeignetes „Experimentierfeld“. Eine Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten könnte leicht intensiviert werden, zumal die derzeitigen „Chefs“ – der Vorsitzende der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz und der EKD-Ratsvorsitzende – bereits gute einschlägige Kontakte pflegen. Kardinal Marx gehört überdies zum engen Mitarbeiterstab von Papst Franziskus, der sich bekanntermaßen für die hier anstehenden Themen energisch und unmissverständlich einsetzt.</p>
<p>Auch für die Zusammenarbeit mit anderen Religionen wären die Voraussetzungen nicht schlecht. Die christlich-jüdischen Beziehungen sind intakt, und wichtige Gruppen des Islam sind gesprächsbereit. Sie werden außerdem ergänzt durch namhafte islamische Wissenschaftler, Politiker und Publizisten, die vielbeachtete Beiträge leisten zum Verständnis des Islam als einer auch für zeitgemäßes Denken und Handeln wichtigen Religion.</p>
<h2>Zusammenarbeiten und Vertrauen bilden</h2>
<p>Organisierte Zusammenarbeit der Religionen könnte zur Bewältigung der akuten Probleme effektiv und hilfreich sein, z.B. ein systematisches Angebot von unentgeltlichem Sprachunterricht durch Menschen unterschiedlichen Glaubens in Flüchtlingsunterkünften oder -heimen. Das würde den Behörden Geld und den Asylsuchenden viel Zeit sparen bei der Integration, könnte Türen öffnen und Vertrauen schaffen. Ebenso wichtig wäre auch, dass z.B. Jugendgruppen sich gezielt öffnen für anders- oder „nichtgläubige“ Mitglieder.</p>
<p>Und jenseits des Zauns brauchen die Machtkämpfe zwischen Riad und Teheran sowie die äußert schwierigen Verhältnisse in den „Herkunftsländern“ (wie Syrien) sehr viel deutlicher als bisher ideelle und „glaubens“-politische Vermittlung und Hilfe von den „vernünftigen“ Mehrheiten der streitenden Religionen, – gemeinsam und über Grenzen hinweg.</p>
<p>Das alles und einiges mehr wird längst in den Führungsgremien fast aller Seiten bedacht, gefordert und immer neu beschworen. Zur Umsetzung freilich ist mehr nötig. Da braucht es zuerst den Mut zum Umdenken und dann die Bereitschaft, die Energie und die Fähigkeit, alte Strukturen zu durchbrechen und neue Methoden des Umgangs zu entwickeln.</p>
<h2>Handeln jetzt</h2>
<p>Bleiben also doch nur Wunschträume – unrealistisch und ein bisschen naiv, und deshalb nicht bedenkenswert? Die Vergeblichkeit der vielen Überlegungen und Forderungen, die es dazu schon gegeben hat und gibt, erlaubt wenig Hoffnung auf wirksame Korrekturen und auf die Überprüfung derzeitiger Prioritäten. Beides wären aber unabdingbare Voraussetzungen dafür, dass die Religionen ihre Aufgaben an und in der Welt von heute erkennen – und wahrzunehmen wenigstens versuchen.</p>
<p>Dass unsere Welt in allen Fugen knirscht, ist nicht neu, und die dramatischen Zuspitzungen der jüngsten Zeit überraschen nicht. Auch die Fragen nach dem Auftrag der Religionen sind nicht neu. Aber es ist höchste Zeit, sich ihnen – endlich – ernsthaft zu stellen.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<p>Hans-Joachim Girock: <em>Sind die Kirchen noch zukunftsfähig? Bestandsaufnahme und Herausforderung. Ein journalistischer Diskussionsbeitrag.</em> BoD 2015, 194 S.</p>
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		<title>Eine Welt – in Zahlen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:06:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Stalking]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hinsichtlich der Möglichkeiten elektronischer Kommunikation gibt es sie bereits: die eine Welt. Der offene Austausch von Informationen eröffnet rasanten Fortschritt. Und Stalking.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Hinsichtlich der Möglichkeiten elektronischer Kommunikation gibt es sie bereits: die eine Welt. Der offene Austausch von Informationen eröffnet rasanten Fortschritt. Und Stalking.</p></blockquote></div>
<p>In seiner Oktoberausgabe erforschte das Monatsmagazin <em>Zeitzeichen</em> die Folgen digitalen Wandels („Das entgrenzte Ich“, zeitzeichen 10/2015). Vom revolutionären Ausmaß einer epochalen Wende ist da die Rede. Als sich die EKD-Synode im Herbst 2014 der digitalen Gesellschaft widmete, hieß es gar: „Ein Leben außerhalb des Digitalen ist in Zukunft nicht mehr denkbar.“ Ob dabei die Risiken oder die Chancen überwiegen?</p>
<h2>Chancen der Digitalisierung</h2>
<p>Für Viele in der sogenannten „Dritten Welt“ bringt der digitale Wandel wahre Segnungen mit sich. Wer ein Handy hat, dem steht selbst in der afrikanischen Wüste alles offen. Smartphones helfen signifikant bei der Alphabetisierung, sagt das Kinderhilfswerk UNICEF. Gerade für Entwicklungsarbeit bietet das „World Wide Web“ ungeheures Potenzial. Indische Handwerker verkaufen ihre Waren überregional, und wenn es gut läuft global. Der Umsatz im weltweiten Online-Handel erreichte 2015 wieder neue Rekorde. In Zahlen: 780 Milliarden Euro.</p>
<p>Auch hierzulande schätzt man die Vorteile der Digitalisierung, schnelle E-Mail-Kommunikation, Kurznachrichten, Online-Banking. Wie bequem es doch ist, sich per Navigationstool zum gewünschten Ziel lotsen zu lassen. Im elektronisch erfassten Kartenmaterial ist ja schließlich alle Welt vermessen. Die GPS-Ortung zeigt die nächste Tankstelle genauso wie die Abkürzung zum Stadtcafé. Das digitale Potenzial in Zahlen angedeutet: 62 Millionen Handynutzer gibt es derzeit in Deutschland.</p>
<h2>Risiken der Digitalen Welt</h2>
<p>Doch alles hat zwei Seiten, wissen wir, seit das Brot stets auf die Marmeladenseite fällt: Leider sind die angehäuften Datenberge nicht sicher. Schon eine kleine Liste bekannt gewordener Datenhacks mag das illustrieren: Die Hotelkette Hilton musste im September 2015 einräumen, dass zahlreiche Zahlungsdaten von Hotelgästen entwendet wurden. Wenig später widerfuhr der Hotelkette Hyatt Ähnliches. Auch die Lernsoftware VTech wurde gehackt: Dadurch gelangten 6,4 Millionen Kinderprofile und nochmals 4,8 Millionen Eltern-Accounts in die Hände von unbekannten Hackern. Rund um Weihnachten war es bei der Spieleplattform Steam durch einen technischen Fehler möglich, dass Kunden untereinander die Accounts einsehen konnten (Steam hat weltweit 125 Millionen Nutzer). Gehackt wurden zudem: mehrfach die Sparkassen-App, wochenlang die komplette IT des Deutschen Bundestages, der Konzern Sony, die US-Personalverwaltung. Es gab sogar jemand, den die Website der Feuerwehr in Zwettler (Niederösterreich) als Hackerziel interessierte.</p>
<p>Oft bleibt dabei unbekannt, wer wie viele Datensätze erbeutet und was er damit beabsichtigt. In einem Fall in den USA wurde versucht, die persönlichen Daten von 130 Prominenten inklusive Sozialversicherungsnummer meistbietend zu verhökern. Wenn, wie neulich bei Apples iPhone-Hack, hunderttausende Smartphones betroffen sind, bietet sich ein breites Anwendungsspektrum. Mit dem Smartphone wird heutzutage ja nicht nur die Suchmaschine bedient, sondern auch eingekauft, der Urlaub geplant und das Berufliche organisiert. Quasi nebenbei gelangt bei einem Zugriff auf das Smartphone zudem das persönliche Bewegungsprofil, das jedes Gerät automatisch anlegt, in die Hände von – wem auch immer.</p>
<h2>Eine Welt zwischen Komfortgewinn und umfassendem Stalking</h2>
<p>Insofern wirkt es zweischneidig, wenn das neue PC-Betriebssystem Windows 10 kontinuierlich und konsequent Nutzungsdaten an Hersteller Microsoft übermittelt. Viele Nutzer begrüßen allerdings die Vorteile, weil dadurch der Anwendungskomfort gesteigert wird. Windows 10 zeichnet standardmäßig Informationen wie Adresse und Kalenderdaten, aufgerufene Internetseiten, Spracheingaben (z.B. für die Sprachassistentin „Cortana“), Tastatureingaben inkl. Tippgeschwindigkeit, aktuelle sowie vorherige Gerätestandorte auf und sendet sie an Microsoft. Webcam- und Mikrofoneinstellungen werden automatisiert für Apps freigegeben.</p>
<p>Damit zieht Windows lediglich mit dem Mobilbetriebssystem „Android“ gleich, das bei rund drei Viertel der Smartphones im Einsatz ist. Übrigens: Auch jedes normale Handy übermittelt alle paar Sekunden per Einwahl in die Funkzelle den Standort an den Provider (vgl. oben iPhone).</p>
<h2>Der richtige Mix macht&#8217;s</h2>
<p>Werden Sie jetzt Ihr Handy wegwerfen? Sollten wir alle den Strom abschalten und wieder über Buschtrommeln kommunizieren? Man zögert und guckt etwas unschlüssig in die Luft.<br />
Vielleicht findet sich ja doch noch irgendwie ein Trick, wie die Digitale Welt zu retten ist?</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Vielleicht findet sich ein Trick, wie die Digitale Welt zu retten ist?</p></blockquote></div>
<p>Einfach wird das nicht. Das ist schon daran zu ersehen, dass die klugen Deutschen zur allgemeinen Sicherung ihrer Gesellschaft auf die Idee gekommen sind, am besten einen großen – Datensatz (!) anzulegen. Monate- und wochenlang werden durch die gesetzlich eingeführte „Vorratsdatenspeicherung“ sämtliche Handy-Verbindungsdaten sowie sämtliche Handy-Standorte zentral erfasst und an einem bestimmt sicheren Ort verwahrt.</p>
<h2>Annotation</h2>
<p>Wie es sich anfühlt, wenn jemand Unbekanntes plötzlich zu verstehen gibt, dass er Zugriff auf persönliche E-Mail-Daten hat, weiß der Verfasser dieser Zeilen aus persönlicher Anschauung. Und wie schwer sich Ermittlungsbehörden dabei tun, mit Derartigem umzugehen. (In diesem Fall besteht seit über einem Jahr ein Ermittlungsverfahren, ohne dass sich bis jetzt zielführende Ermittlungsansätze abzeichnen. Somit ist offen, ob es sich um eine Art von Stalking handelt, schlicht um einen Wirrkopf oder irgendeinen Scherzkeks, der seine Technikfähigkeiten testet.)</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Die Digitalisierung bietet tolle Möglichkeiten und manche Abgründe. Wie ein verantwortungsvolles digitales Leben in der Einen Welt aussehen könnte, gilt es erst noch auszumachen.</p>
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		<title>Gott schickt nicht in Rente</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Cornelia Coenen-Marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:04:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Altersbilder]]></category>
		<category><![CDATA[dritter Lebensabschnitt]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
		<category><![CDATA[Rentensystem]]></category>
		<category><![CDATA[Senioren]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Schritt aus der Berufsarbeit, der Übergang in den dritten Lebensabschnitt, ruft ganz offenbar die unterschiedlichsten Altersbilder in uns wach. Doch scheint durch das Rentensystem nicht erst mal alles eindeutig vorgegeben zu sein?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Schritt aus der Berufsarbeit, der Übergang in den dritten Lebensabschnitt, ruft ganz offenbar die unterschiedlichsten Altersbilder in uns wach. Doch scheint durch das Rentensystem nicht erst mal alles eindeutig vorgegeben zu sein?</p></blockquote></div>
<p>In einer Ausstellung über die sozialen Sicherungssyteme fand ich dazu Folgendes: „Die soziale Absicherung soll bewirken, dass wir keine Angst vor dem Alter, vor Verarmung und Pflegebedürftigkeit haben müssen. Solange wir gesund und fit sind, können wir im Alter noch viel Positives erleben und auch noch viel tun; für unsere Familie, für unser Umfeld, die Gemeinschaft. Irgendwann werden wir von Gebenden zu Nehmenden. Das ist für viele nicht leicht. In einer solidarischen Gesellschaft können wir uns darauf verlassen, dass für unser Alter gesorgt ist.“</p>
<h2>Ältere haben mehr im Kopf als Freizeit</h2>
<p>Das soll beruhigen, vielleicht auch ermutigen, aber ein Satz hat mich doch irritiert: „Irgendwann werden wir von Gebenden zu Nehmenden.“ Diese Erfahrung ist doch nicht dem Alter vorbehalten! Der Satz zeichnet das Bild einer Erwerbsgesellschaft, die das Geben den Starken und Fitten, eben den Erwerbsfähigen vorbehält – und das Nehmen entsprechend den Kindern, Kranken und Alten. Ich bin sicher, auch Sie wissen, dass Sie, wenn Sie jung sind, keinesfalls nur geben, sondern auch oft nehmen – das Glück, das Ihnen Ihre Kinder geben, aber auch die Unterstützung, die Ihnen Ältere, Ihre Eltern vielleicht oder auch andere, schenken. Und als Ältere wissen Sie, welchen Beitrag Sie leisten, in der Familie oft völlig selbstverständlich und kaum thematisiert, häufig auch im Freundeskreis, in der Gemeinde oder in anderen Zusammenhängen, ganz egal, wie fit Sie sich fühlen.</p>
<p>Statistisch gesehen haben wir in den letzten hundert Jahren 10 gesunde Jahre dazu gewonnen. Das hat Konsequenzen für die Gestaltung unseres persönlichen Lebens, aber eben auch für die Sicherungssysteme und unsere Vorstellung vom Arbeiten. Schon ist mit Blick auf die 68er-Generation, die jetzt in Rente geht, von „Power-Agern“ die Rede. Und die Vorstellung, die nächsten zwanzig Jahre mit Freizeitgestaltung zu verbringen, finde nicht nur ich persönlich schwierig. Sie ist auch gesellschaftspolitisch fragwürdig – wegen des demografischen Wandels, der die Erwerbsarbeit verändern muss, aber auch weil bei den älteren Menschen in der Dritten Lebensphase enorme zivilgesellschaftliche Potentiale schlummern.</p>
<h2>Träume für eine bessere Welt</h2>
<p>So sehr wir stolz sein können auf die solidarische Rentenversicherung – historisch ist sie sehr jung. In der Bibel spielt lediglich die Aufforderung eine Rolle, die alt gewordenen Eltern zu ehren und zu versorgen („Du sollst Vater und Mutter ehren…“). Ganz selbstverständlich nehmen die Alten in biblischer Zeit intensiv teil am Leben der Gemeinschaft. Als Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn zur Beschneidung in den Tempel bringen, begegnen sie Hannah und Simeon. Einer alt gewordenen, kinderlosen Frau und einem Propheten, der damit leben muss, dass seine Kämpfe umsonst gewesen waren, dass seine Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Nicht Armut und auch nicht Pflegebedürftigkeit sind hier das Thema, sondern die Fragen nach Lebenssinn, nach Erfüllung und Enttäuschungen. Simeon sieht das Jesuskind und findet in ihm, wonach er Ausschau gehalten hat: ein Hoffnungszeichen. Er nimmt Marias Sohn auf den Arm wie ein eigenes, lang erwartetes Kind; ich sehe ihn vor mir in dem Bild von Rembrandt, in dem das Licht von diesem Kind ausstrahlt. „Jetzt also kann ich in Frieden gehen“, sagt Simeon, „denn ich habe den Erlöser gesehen – mit meinen eigenen Augen.“ Es gibt sie auch in der Bibel, diese alten Menschen, diese glücklichen alten Menschen, die noch Träume haben. Nicht nur für sich selbst – sondern eben auch für diese Welt!</p>
<p>Anteil zu nehmen am Leben der Jüngeren und etwas weiterzugeben, das ist für die allermeisten alten – und auch für die sehr alten Menschen ein zentraler Lebensinhalt. Dieses Ergebnis der Hochaltrigenstudie der Universität Heidelberg wird nur diejenigen überraschen, bei denen der demografische Wandel vor allem mit Bildern von Alter als Belastung verbunden ist. Oft ist dann auch das eigene Altwerden negativ belegt. Tatsächlich aber empfinden 76 Prozent der befragten 80- bis 99-Jährigen Freude und Erfüllung in emotional tieferen Begegnungen mit anderen Menschen, 61 Prozent im Engagement für andere Menschen. Und 60 Prozent haben das Bedürfnis, auch weiterhin gebraucht und geachtet zu werden – vor allem von den jüngeren Generationen. 85 Prozent beschäftigen sich intensiv mit den Lebenswegen der nachfolgenden Generationen in der eigenen Familie. Übrigens liegt – allen Vorurteilen und Ängsten zum Trotz – das Risiko, pflegebedürftig zu werden, selbst bei den 80- bis 99-Jährigen nur bei 28,8 Prozent.</p>
<h2>Über das persönliche Leben hinausdenken</h2>
<p>Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift „Psychologie heute“, Heiko Ernst, spricht in diesem Zusammenhang von Generativität und sagt, sie sei „unser Zukunftssinn. Wir richten das Denken über die eigene Existenz hinaus. Generativität ist die Fähigkeit, von sich selbst abzusehen, für andere da zu sein, Wissen und die eigenen Erfahrungen in die Gesellschaft einzubringen und etwas weiter zu geben“ – und sie hängt nicht davon ab, ob wir eigene Kinder zur Welt bringen. Generativität gibt Antwort auf zwei Fragen: Wie geht es mit mir weiter? Und: wie geht es mit meinem Umfeld weiter?</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Generativität könnte die Schlüsseltugend für das 21. Jahrhundert werden.</p></blockquote></div>
<p>Generativität, so Ernst, könnte die Schlüsseltugend für das 21. Jahrhundert werden. Schon heute sind Großeltern nach Aussage der Jüngeren eine wichtige Stütze für junge Familien, sie springen mit Geld, aber auch viel mit praktischer Hilfe ein, wenn die Belastungen aus Arbeit und Familie die mittlere Generation an den Rand ihrer Kräfte bringen. Die unmittelbaren Beziehungen zwischen den Generationen sind jenseits von Rente und Hartz IV eine wesentliche Ressource zur Sicherung von Lebensrisiken und Lebensqualität – nicht nur der alten, sondern eben auch und gerade der jungen Generation. Denn das materielle und das immaterielle Generationenerbe, das Ältere einzubringen haben, ist erheblich.</p>
<p>Der Franziskanerpater Richard Rohr hat ein Buch über die spirituelle Reise der zweiten Lebenshälfte geschrieben (<em>Reifes Leben. </em>Herder Verlag, 2. Aufl. 2015): „Wir sind hier, um das, was uns gegeben wurde, vollständig und freiwillig zurück zu geben“, sagt er. Mit Carl Gustav Jung erinnert er daran, dass es in der ersten Lebenshälfte darum geht, ein Heim und eine Familie aufzubauen, ein sicheres Fundament für das Leben. Dann aber sei die Herausforderung, noch einmal frei zu werden, frei von Zwängen, frei für andere. Wissend frei, weil wir ein neues Gefühl für Grenzen und Begrenztheit auch unserer Zeit haben.</p>
<h2>Eine neue Lebenschance: Frei werden von Rollen</h2>
<p>Für die Älteren selbst steckt darin auch ein eigenes Lebenspotential: Älterwerden hält noch einmal neue Entwicklungs- und Veränderungschancen bereit. Wir müssen nicht mehr funktionieren. Jetzt kommt es nicht mehr darauf an, sich in Organisationen einzupassen oder sich mit Rollen zu identifizieren, jetzt geht es darum, ganz Person zu sein, wir selbst zu werden. Um diese Aufgabe zu verstehen, brauchen wir einen erweiterten Produktivitätsbegriff. Nicht nur der Erfolg gebiert den Erfolg, auch die Auseinandersetzung mit Verlusten, mit Scheitern und Endlichkeit macht produktiv. Das verlangt allerdings, dass wir unseren Charakterpanzer ablegen und uns zu unseren Verletzungen und Grenzen bekennen. Es geht jetzt nicht nur um das, was ich nicht mehr kann, sondern auch um das, was ich nicht mehr will – und was vielleicht für uns alle nicht gut ist.</p>
<p>Das ist die Botschaft, die gerade die weitergeben können, die in Rente sind: „Gott schickt nicht in Rente.“ Das Leben schickt uns in neue, offene Räume – endlich heraus aus den alten Käfigen.</p>
<h2>Unseren Panzer aufbrechen</h2>
<p>Mit solcher Ehrlichkeit, die leichter fällt, wenn man schon viel Leben hinter sich hat, können ältere Menschen – wie die ganz Jungen – Pioniere der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um ein gutes Leben und nachhaltiges Wirtschaften sein. Davon profitieren alle – nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen und Freunde. Viele Menschen suchen Mentoren und Ratgeber, die Lebenserfahrung einbringen, aber keine eigenen Aktien und Interessen mehr im Spiel haben, die frei von Loyalitäts- und Konformitätsdruck auf das Ganze sehen können, die sich mit den eigenen Fehlern und Umwegen ausgesöhnt haben und deswegen auch andere vorurteilsfrei begleiten können. Die Frage, wohin wir letztlich unterwegs sind, lässt sich gerade in Aufbrüchen nicht ausklammern.</p>
<p>In dem bekannten Gedicht von Hermann Hesse klingt das so:</p>
<p><em>Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde<br />
</em><em>Uns neuen Räumen jung entgegensenden,<br />
</em><em>Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.<br />
</em><em>Wohlan denn Herz, nimmt Abschied und gesunde.</em></p>
<p>Vielleicht ist es gerade die bewusste Wahrnehmung unserer Endlichkeit, die Glauben und Leben Tiefe gibt.</p>
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		<title>So viel Widerstandskraft, wie wir brauchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Wilhelm Otto Deutsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Mar 2018 12:03:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 1, Februar 2016]]></category>
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					<description><![CDATA[Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret! (Psalm 31,25)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret! (Psalm 31,25)</p></blockquote></div>
<p>Ein westafrikanisches Sprichwort sagt:  „Wenn Gott Menschen bestrafen will, dann gibt er ihnen alles, was sie sich wünschen!“ Was natürlich nichts speziell mit Afrika zu tun hat. Wenn man uns fragen würde, würden wir alle uns ein schmerzfreies, enttäuschungsfreies Leben wünschen – und wissen doch aus Erfahrung, dass Reifer-Werden nur möglich ist, wenn wir unsere Täuschungen verlieren, also ent-täuscht werden. Und dass, wenn unsere Zähne nicht schmerzen würden, wir kein Warnsignal hätten, das uns davor behütet, dass unser ganzer Körper vergiftet wird.</p>
<p>Der Psalm 31, der in der Aufforderung „Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harrt!“ gipfelt, ist durchzogen von Erfahrungen schmerzlicher Realität – Verfolgung, Krankheit, Einsamkeit –, von dem Gebet, doch daraus befreit zu werden, und der Zuversicht, dass Gott den Beter damit nicht allein lässt. Dieser Psalm enthält solche wundervollen Sätze wie:  „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ und „Meine Zeit steht in deinen Händen“ – Ausdruck von Urvertrauen, das man sich nicht selbst schaffen kann.</p>
<p>Damit sagt er nicht: „Egal, was passiert, es ist alles letztlich zu unserem Besten!“ Diese abgeklärte Schlussfolgerung mag man am Ende eines Lebens ziehen. Psalm 31 tut das nicht. Er bringt zur Sprache, was wehtut, was fehlt, was belastet: er klagt. Und hält doch zugleich immer die Möglichkeit offen, dass auch dann, wenn wir uns verlassen fühlen, Gott uns auf eine andere Weise begleitet, als wir uns träumen lassen. Gott bewahrt auch die, die ihm vertrauen, nicht vor dem Leiden, aber er kann Menschen im Leiden vor der Verzweiflung bewahren. Das ist unsere Zuversicht.</p>
<p>Auf unser eigenes Leben bezogen kann „des Herrn harren“ nicht heißen, die Hände in den Schoß zu legen. „Unverzagt sein“ heißt auch, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen! Im eigenen Lebensbereich und in der gesellschaftlichen Verantwortung. Angesichts dessen, was in diesem Jahr vermutlich auf uns zukommt bzw. uns seit dem vergangenen Jahr begleitet – die Europa-Krise, der Krieg in Syrien und der daraus resultierende Andrang von Flüchtlingen, die Zunahme rechtspopulistischer Bewegungen in ganz Europa, um nur einige überpersönliche Problembereiche zu nennen – mag einen schon der Mut verlassen. Angela Merkels „Wir schaffen das!“ ist ja längst der Devise gewichen, die Anzahl von Asylbewerbern vor allem zu reduzieren. Was heißt da „unverzagt sein“?</p>
<p>Dietrich Bonhoeffer schrieb 1942: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“ Da leuchtet auch die Möglichkeit auf, dass uns Kräfte zuwachsen, von denen wir vorher nichts ahnten. Und die vielleicht ganz unwahrscheinlich waren: wie die Kraft des zarten jungen Löwenzahns der durch den sonst von schweren LKWs überrollten Asphalt bricht – was man nicht glauben würde, wenn man es nicht selbst gesehen hat.</p>
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