<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
	<atom:link href="https://www.evangelische-aspekte.de/category/1-2025/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.evangelische-aspekte.de</link>
	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
	<lastBuildDate>Sun, 16 Feb 2025 13:19:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/cropped-ea-Logo_web-1-32x32.png</url>
	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
	<link>https://www.evangelische-aspekte.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Wilfried Engemann: Der Mensch ist anders</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/wilfried-engemann-der-mensch-ist-anders/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/wilfried-engemann-der-mensch-ist-anders/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sarah Hilmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 13:05:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Pfarramt]]></category>
		<category><![CDATA[Pfarrberuf]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8458</guid>

					<description><![CDATA[Dem Band liegt die Annahme zugrunde, dass religiöse Reflexion eng mit Anthropologie verzahnt ist: Nur wer das Menschsein reflektiert, kann sein Menschsein in Beziehung zu Gott bedenken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/eva_cover_07607_Engemann_Der_Mensch_ist_anders.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-8456 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/eva_cover_07607_Engemann_Der_Mensch_ist_anders-202x300.jpg" alt="Cover-Abbildung: Wilfried Engemann: Der Mensch ist anders" width="202" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/eva_cover_07607_Engemann_Der_Mensch_ist_anders-202x300.jpg 202w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/eva_cover_07607_Engemann_Der_Mensch_ist_anders.jpg 300w" sizes="(max-width: 202px) 100vw, 202px" /></a>Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2024, 233 S., 45,00 EUR</strong></p>
<p>Anlässlich des 65. Geburtstags des Verfassers erschien diese Aufsatzsammlung von bereits veröffentlichten Aufsätzen aus dem Zeitraum 2006–2023. Dem Band liegt die Annahme zugrunde, dass religiöse Reflexion eng mit Anthropologie verzahnt ist: Nur wer das Menschsein reflektiert, kann sein Menschsein in Beziehung zu Gott bedenken. Da eine einheitliche Anthropologie, die alle Bereiche kirchlicher Praxis (Seelsorge, Didaktik, Liturgie, Homiletik) kohärent verbindet, bisher Desiderat ist, ist die Sammlung nach diesen Praxisbereichen gegliedert.</p>
<p>Unter Einbezug religionswissenschaftlicher Einsichten diagnostiziert Engemann den Zweck der Religion darin, lebensdienlich für den Menschen zu sein. Christlich gewendet heißt dies, dass religiöse Vollzüge und Glauben nicht um der Gottheit willen erfolgen, sondern dem Leben des Menschen – positiv – dienen sollen. Das Neue Testament sei eine „Lebenskunde“, die sich nicht nur in der Ethik Jesu erschöpfe, sondern Leben mit Ewigkeitswert qualifiziere. In der Praxis hadere die protestantische Kirche v.a. in liturgischen Vollzügen damit, Anthropologie von der Sündenlehre zu befreien und ein ›gesundes‹ Menschenbild zu kommunizieren. Plausibel macht Engemann Vorschläge, wie Predigt und Gottesdienst in Zeiten von Individualisierung Menschen in ihren identitären Fragen unterstützend begleiten können und wie Freiheit als Chance der „Lebenskunst“ wahrgenommen werden könnte. Abgesehen davon, dass der Verfasser kirchlichen Akteuren zuweilen selbst mit mehr Optimismus begegnen könnte, vereint der Band in anregender und lesenswerter Weise die Forschungsschwerpunkte Engemanns.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/wilfried-engemann-der-mensch-ist-anders/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chaim Be’er: Rückkehr aus dem Refa’im Tal</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/chaim-beer-rueckkehr-aus-dem-refaim-tal/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/chaim-beer-rueckkehr-aus-dem-refaim-tal/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rolf Freudenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 13:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8457</guid>

					<description><![CDATA[Ein spannender Roman, der Einblicke in gesellschaftliche Entwicklungen Israels, die Medienwelt und in besondere Merkmale von jüdischen Lebensweisen bietet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Rueckkehr-Refaim.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-8454 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Rueckkehr-Refaim-197x300.jpg" alt="Cover-Abbildung Chaim Be’er: Rückkehr aus dem Refa’im Tal" width="197" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Rueckkehr-Refaim-197x300.jpg 197w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Rueckkehr-Refaim.jpg 300w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /></a>epubli, Berlin, 2024, 379 S., 17,99 EUR</strong></p>
<p>Der Roman bietet über 379 Seiten hinweg Einblicke in hierzulande eher unbekannte Facetten des zeitgenössischen Judentums in Israel.</p>
<p>Der öffentlich gefeierte jüdische Schriftsteller Elisha Milgroim nähert sich christlichen Kreisen in Jerusalem und schwankt sein Leben lang zwischen Christentum und Judentum – ohne allerdings zu konvertieren. Seine Lebensgefährtin Naomi Salkinson ahnt davon und erwirbt aus Liebe eine Grabstätte für ihn – auf dem christlichen Friedhof in Jerusalem. Im Alter wendet sich Elisha Milgroim schließlich wieder ganz dem jüdischen Glauben zu. So scheint für die Öffentlichkeit alles wieder in Ordnung zu sein.</p>
<p>Als er während eines Aufenthaltes in Polen unerwartet verstirbt, beginnen dramatische Entwicklungen. Denn er wird – den Eigentumsverhältnissen entsprechend – in seinem Grab auf dem christlichen Friedhof von Jerusalem beigesetzt. Die Beerdigung dieses berühmten Juden in christlich gesegneter Erde bewirkt einen Aufschrei in der Öffentlichkeit und es rumort erheblich in den Medien, in Familie und Freundeskreis. Ein Jahr später spitzen sich die Debatten derart zu, dass eine Handvoll Freunde beabsichtigt, seinen Leichnam zu exhumieren und in den jüdischen Friedhof zu transferieren – wegen der generell gebotenen Totenruhe ein problematisches Unternehmen. Ob der Plan umgesetzt wird?</p>
<p>Ein spannender Roman, der Einblicke in gesellschaftliche Entwicklungen Israels, die Medienwelt und in besondere Merkmale von jüdischen Lebensweisen bietet. Meisterhaft wird von familiären und amourösen Verwicklungen des Protagonisten erzählt – gestaltet in Gesprächen, die dicht und nahezu atemlos aufeinander folgen und die Spannung auf das weitere Geschehen erhöhen.</p>
<p>Der Autor Chaim Be’er, Jahrgang 1945, lehrte hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität im Negev in Be’er Sheva und hat zahlreiche Romane, Gedichte und Essays veröffentlicht. Ins Deutsche übertragen wurde der Roman von Daniel Maoz, wohnhaft im Saarpfalzkreis.<strong>                </strong></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/chaim-beer-rueckkehr-aus-dem-refaim-tal/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bernd Stegemann: Was vom Glauben bleibt</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/bernd-stegemann-was-vom-glauben-bleibt/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/bernd-stegemann-was-vom-glauben-bleibt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Reinhold Münster]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 13:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Säkularisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Transzendenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8453</guid>

					<description><![CDATA[Stegemann schlägt als Ausweg aus der säkularen Apokalypse vor, die Sackgasse leeren religiösen Sprechens zu verlassen, damit das Gefühl für das Unverfügbare wieder möglich werde. Sein konkretes Rezept: Demut erlernen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Stegemann.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8455 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Stegemann-183x300.jpg" alt="" width="183" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Stegemann-183x300.jpg 183w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Stegemann.jpg 300w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a>Klett-Cotta, Stuttgart, 2024, 279 S., 25,00 EUR</strong></p>
<p>Während gegenwärtig heftige Debatten um Strukturreformen innerhalb der Kirchen ablaufen, fragen bedeutende Vertreter der Geisteswissenschaften nach der Relevanz des Glaubens (Charles Taylor, Hans Joas, Bruno Latour, Jürgen Habermas, Gianni Vattimo). Für Stegemann entstand im Prozess der Säkularisierung eine Zerfaserung des Glaubens in winzige Partikel, die gespenstisch in der Gesellschaft wirkten, verhärtet im Normalfall als innerweltliches Bescheidwissen (Identitätspolitik) oder in einer Verharmlosung zur Privatreligion (Vergötterung des Individuums). Heute existiere ein Verlust der Wahrnehmung des Transzendenten. Religiöse Gefühle schweben frei umher und vergrößern subjektive Ängste zu einer säkularen Apokalypse.</p>
<p>Die neuen Formen des Glaubens erschienen in unterschiedlicher Gestalt: als gnostisch-manichäische Praxis, im religiösen Fanatismus, als Nihilismus, als unfehlbarer Protest und Ressentiment, in der Glaubenshärte einer lieblosen Vernunft. Wichtigster Vertreter dieser Entwicklung heute sei eine religiös aufgeladene Politik: Sie bekenne sich zur innerweltlichen Gnosis mit ihrem Einsatz des säkularen Glaubens als ideologische Waffe. Wir lebten, so die Diagnose, in Zeiten einer religiösen Hoffnungslosigkeit, einer polarisierenden Bekenntniskultur. Der Glaube sei zum öffentlichen Diskurs verkommen.</p>
<p>Stegemann schlägt als Ausweg aus der säkularen Apokalypse vor, die Sackgasse leeren religiösen Sprechens zu verlassen, damit das Gefühl für das Unverfügbare wieder möglich werde. Sein konkretes Rezept: Demut erlernen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/bernd-stegemann-was-vom-glauben-bleibt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Biblische Entdeckungen</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/biblische-entdeckungen/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/biblische-entdeckungen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 12:51:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Exegese]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftauslegung]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8450</guid>

					<description><![CDATA[Wenn es stimmt, dass Theologie die Rede von Gott zum Thema hat und buchstabiert, dann sind dafür die biblischen Schriften ein hervorragender Ort. Von der ersten bis zur letzten Seite ist hier die Rede von Gott. Ja, es ist gesagt, dass hier Gott selber zu uns redet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Wenn es stimmt, dass Theologie die Rede von Gott zum Thema hat und buchstabiert, dann sind dafür die biblischen Schriften ein hervorragender Ort. Von der ersten bis zur letzten Seite ist hier die Rede von Gott. Ja, es ist gesagt, dass hier Gott selber zu uns redet.</p></blockquote></div>
<ol>
<li>Gottes Volk lebt nicht davon, was es ist; sondern von dem, was ihm gesagt ist. Weil das seit Urzeiten das Maß ist, haben die Gottesworte immer gebührende Beachtung gefunden. Für hebräisches Denken ist es gerade der Gottesglaube, der aus dem überlieferten Wort erwächst und hier seine Nahrung findet: Entsprechend groß ist die Hochschätzung der Schrift.</li>
<li>Die Worte Gottes wurden von Generation zu Generation weitergegeben, sinngebend gehört und als hilfreich erfahren. Sie reden von der Welt anders, als manche gewohnt sind. Und mehr noch: sie wollen zeigen, dass sie noch eine andere sein könnte, als sie derzeit ist. Die Gottesworte motivieren, stiften Gemeinschaft, helfen bei Fragen und Sorgen, geben dem Leben Werte und eine Richtung. Wir wollen im Folgenden u.a. besonders darauf achten, in welcher Weise die Gottesworte als eine <em>Hilfe</em> erfahren und beschrieben werden.</li>
</ol>
<h2>„Ich werde da sein“ (Namenstheologie)</h2>
<ol start="3">
<li>Ein erster Hinweis auf die Dimension der Hilfe findet sich in den Namen, die Gott mit sich führt. Wer Gott anruft, sich betend an ihn wendet, erhofft natürlich <em>Hilfe</em> von ihm: „Er ist unsere Hilfe“, sagt der Psalmbeter (Ps 33,20).</li>
<li>Schon im JHWH-Namen wird deutlich: „Gott ist für dich da“ – das ist sein Name. Als Mose, dem großen Gottesmann, der Name offenbart wird, hört er zuerst „Ich bin mit dir“ und dann auf Nachfrage, was das „Ich“ heiße: die schwebende Auskunft „Ich bin, der ich bin“. Oder mit anderem Akzent „Ich werde sein, der ich sein werde“. Wobei semantisch-philologisch vom Wortumfeld noch mitklingt (Warte es ab, denn…/ Frage nicht weiter, aber): „Ich werde da sein.“</li>
<li><em>Harren</em> auf Gott, wie in Psalm 33,20 geschrieben ist: Unsere Seele harrt auf JHWH. Das bedeutet, wir verlassen uns auf ihn. Vertrauen auf ihn (JHWH-Vertrauen). Drei klassische Bestimmungen des Glaubens&#8230; zu denen sich so für den Glaubens-Begriff und Gottes-Namen eine weitere Dimension erschließen lässt: Dass es dabei um eine Existenz- und Lebensweise geht, die wirklich in etwas Neues, Unbekanntes, Ungefähres aufbricht, unterwegs ist – und der Glaube wie der Gottesfürchtige nichts weiter hat als einzig und alleine die von Gott gegebene Zusage, sein Wort.</li>
</ol>
<ol start="6">
<li>„Er ist mein Gott“, betet das Judentum täglich mit dem Tanach (Schacharit/ Psalter). Und so gilt es in besonderer Weise gerade als <em>Gebetsreligion</em> und als <em>Schriftreligion.</em> Wort und Gebet sind die beiden Größen, die von Beginn an und durchgehend die jüdische Seins- und Denkweise kennzeichnen und charakterisieren.</li>
</ol>
<h2>Verheißung: Reich Gottes</h2>
<ol start="7">
<li>Für <em>Abraham</em> wird die Verheißung JHWHs <em>Ich bin mit dir und werde dich in eine blühende Zukunft führen</em> zum Grunddatum der Existenz. Die doppelte Zusage „Du wirst ein großes Volk“ und „In dir sollen auch alle anderen Völker Segen empfangen“ erlangt Abraham gegen allen Augenschein und wird damit zum Vorbild und Stammvater aller Glaubenden.</li>
<li>Für <em>David</em> ist das Wort Gottes nicht weniger bedeutsam. Er ist der ideale und idealisierte König Israels / des Gottesvolks. Er ist von JHWH „Gesalbter“. Insbesondere ist er der exemplarische und idealisierte Psalmenbeter. Auch ihm wird dauerhafte Nachkommenschaft verheißen. Ein Sohn Davids setzt – wie in den Psalmen Davids besungen – die Worte, Weisungen und Verheißungen Gottes in Kraft.</li>
<li>Und so besteht im Gottesvolk auch die Erwartung, dass das Königtum Gottes, anders gesagt: dass das <em>Reich Gottes</em> zu gegebener Zeit sich überall wirksam und dauerhaft einstellen wird.</li>
</ol>
<h2>Unser Umgang mit der Schrift</h2>
<ol start="10">
<li>Was sich hier abzeichnet, sind durchaus die „großen Linien“ in den biblischen Schriften, in der Geschichte Israels (und darüber hinaus). Und gewiss sind diese eine Hilfe für unseren Umgang mit der Schrift, für die Einordnung von Texten, für das richtige Hören und Verstehen. Wer aber würde die Bibel so hören oder lesen?</li>
<li>Wer etwa würde nur eines der biblischen Bücher an einem Stück lesen? Wer könnte es auch? Schon eine Schrift mit 10 oder 20 Kapiteln ist kaum an einem Mittag zu bewältigen. Liest man gründlich und sucht das Verstehen, verringert sich das Tempo erst recht. Hat man nur drei Bücher mit 10-15 Kapiteln und setzt sie in einen Zusammenhang, wird es komplex &#8230;</li>
<li>Noch dazu sind es Schriften verschiedenster Zeiten, verschiedenster Art in der Textgattung und der Zielsetzung, in Form und Zweck.</li>
<li>Eine Erzählung folgt anderen formgebenden Mustern als ein Gebet. Ein Brief ist anders geschrieben als eine Chronik. So ergibt sich die Erkenntnis, dass im Umgang mit der Schrift stets auf die <em>Form</em> des Textes mit achtzugeben ist.</li>
</ol>
<h2>Welche Adressaten?</h2>
<ol start="14">
<li>Nun sollte man nicht denken, dies wäre den Verfassern der biblischen Schriften nicht selbst bewusst. Wer einen poetischen Text wie einen Liedpsalm niederschreibt, weiß, dass es etwas anderes ist als ein genealogischer Stammbaum oder eine Ahnentafel. Wobei: Warum sollten Elemente davon nicht in Psalmen vorkommen und aufgenommen sein?</li>
<li>Wir sehen, wie die Schriften immerzu Bezug nehmen auf Früheres, und es mit der Gegenwart verbinden.</li>
<li>Biblische Texte sind nicht fertig vom Himmel gefallen&#8230; Das wussten ihre Schreiber mit am besten. Und nicht selten teilen sie es den Lesern <em>expressis verbis</em> mit. Klassisch der Anfang des Evangeliums des Lukas. Schon im ersten Vers betont er, wie er als historisch versierter Geschichtsschreiber die Dinge genau erkundet hat, über die er schreibt (Lk 1,1-4). Lukas verfasst den Evangeliumstext wie ein sein Tun reflektierender Historiker. Das mindert nicht die Bedeutung, das theologische Gewicht und den Gehalt des Textes, es steigert sie.</li>
<li>Auch Paulus weiß von alledem in seinen Briefen. Er verwendet ja, wie an vielen Stellen deutlich, vorgeprägte Wendungen, Hymnen und Bekenntnisse der Urgemeinde: Worte, die er seinerseits schon fertig vorgefunden („empfangen“) hat und die er nun weitergibt. Er greift auf Erlebtes und geschichtliche Ereignisse, auf Gehörtes wie auf selbst Erfahrenes zurück. Das alles setzt er in seinen Briefen in Bezug zum Gotteswort des Ersten Testaments, wie es sämtliche Schriften des Neuen Testaments tun. (Erst) in dieser Verbindung und Kombination entsteht, was uns heute vorliegt, als die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments.</li>
<li>„Heilige Schrift“ war für die Autoren des Neuen Testaments all das, was in der Hebräischen Bibel zu finden ist. Nie wäre es den neutestamentlichen Autoren in den Sinn gekommen, einen Bruch zum „Alten“ hebräischen Text zu sehen oder zu konstruieren. Sie sahen sich vielmehr in Kontinuität, im Modus adaptierender Aufnahme. Sie sahen das Eintreffen der alten Gottesreich-Verheißungen.</li>
<li>Besonders bei Propheten wie Jesaja (aber auch anderswo, s.o.) ist die Erwartung Israels ausgedrückt, dass alle Völker Anteil an den JHWH-Verheißungen erhalten. Als Beispiel siehe nur den kurzen Psalm 117.</li>
</ol>
<h2>Biblische Aussagen als Topos</h2>
<ol start="20">
<li>Zugegeben, der häufigste Gebrauch der Schrift bei uns heute entspricht reichlich genau dem Vorgehen der Altvorderen. Wann hätten Sie je nur <em>ein</em> Evangelium am Stück gelesen – und damit die Texte in ihrem ursprünglichen Zusammenhang (Seien Sie ehrlich)? Vielleicht einmal einen der kürzeren Briefe, ja, aber selbst da bleibt man schnell an einem Abschnitt, an einer Stelle, hängen, die einem vielleicht gerade etwas sagt: Die für das, womit man sich beschäftigt, Bedeutsames enthält… Obwohl wir oft nur abschnittsweise lesen, ist das ausreichend und kohärent, sofern dabei die Gesamtperspektive nicht aus dem Blick gerät; sondern eben <em>ein</em> Aspekt gerade besonders vor Augen ist.</li>
<li>Biblische Aussagen werden so zu einem Topos, auf den man immer wieder rekurriert.</li>
<li>So ist es etwa mit der Aussage über Gottes Hilfe: In Psalmen wird die Hilfe Gottes und das Helfen Gottes häufig thematisiert (Ps 121,2; 146,5; u.ö.), JHWH erhält dort auch den Namen „Helfer“ (Ps 70,6). „Um seines Namens willen“ wird JHWH im Tanach um Hilfe angerufen (Ps 23).</li>
<li>Der <em>Name </em>Gottes ist schließlich ein Topos (unter vielen), der unmittelbar Altes und Neues Testament verbindet und verknüpft. Wie der Beginn des Vaterunsers belegt.</li>
<li>Ein Beispiel, wie toposartige biblische Aussagen durch deren Übertragung ganze Sprachen und Sprachfamilien prägten, ist die Bibel-Übersetzung William Tyndales von 1525/26 (1535 gebessert), die über die Coverdale-Bibel, Matthew Bibel und King-James-Bibel (1611) bis heute wesentliche Grundlage englischer Bibel-Übersetzungen ist. Ähnlich wie bei den frühen ursprachlichen deutschen Übersetzungen wurde durch sie die <em>englische </em>Sprache einflussreich geformt.</li>
<li>Beispiel für einen solchen sprachprägenden Topos ist „Beruf“ – eine Begriffsbildung, die aus der Übersetzung einer Sirach-Stelle („Halte aus in deinem Beruf“ / an deinem Ort bzw. Platz) Eingang in weiteste Zusammenhänge der Sprach- und Sozialgeschichte fand (so Max Weber).</li>
</ol>
<h2>Die Schrift als Gottes Wort</h2>
<ol start="26">
<li>Dass die Schriften der hebräischen Bibel sich als Gottes Wort verstanden wissen wollen, ist offenkundig. „So spricht JHWH“, lesen wir unzählige Mal ausdrücklich. Doch auch in indirektem Geschichtsbericht ist deutlich, dass die Schriften des Alten/Ersten Testaments in der Absicht und Gewissheit sprechen, darin den Willen Gottes mitzuteilen: eine Kundgabe des Willen Gottes zu sein.</li>
<li>Die Bezeichnung Altes Testament hat übrigens für die Altvorderen keinen abwertenden Nebenklang: Das Alte ist zunächst das Ehrwürdige, das Bewährte und hat schon durch sein Alter und die zeitliche Reihenfolge den Ehrenvorrang. (Vielmehr wird alles Neue zuerst mit einer ordentlichen Portion Skepsis beäugt &#8230;).</li>
<li>Die Schriften des Neuen Testaments sind mit nicht kleinerer Anspruchshaltung und Autorität geschrieben wie das Alte. Schon aus der Aufnahme der alten ersten Texte wird dies klar. Ausgangspunkt aber der Auslegung ist stets die heute vorliegende Endgestalt des Textes – nur diese hat kanonischen Rang.</li>
<li>Auch die jahrhundertlange intensive historische Textforschung hatte als Ergebnis, dass die Schriften des Alten und Neuen Testaments nur kanonisch gelesen und ihrer Intention gemäß verstanden werden können: Wenn sie als Zeugnis von Gottes Wort aufgefasst sind und immer wieder werden. Es sind Glaubenszeugnisse, Zeugnisse von Kundgaben des Gotteswillens, von Gottes Wort und Worten Gottes. Sie zielen darauf ab, als eben solche aufgenommen zu werden und ihrerseits Glauben zu evozieren. Auch dies teilen die Verfasser zuweilen ihren Lesern <em>expressis verbis </em>mit (etwa bei Johannes: „diese sind geschrieben, damit ihr glaubt&#8230;“).</li>
</ol>
<h2>Biblische Leitworte</h2>
<ol start="30">
<li>Theologie als eine Denkbemühung, die ihrem Gegenstand gerecht werden möchte, muss dies in Rechnung stellen – oder sie verfehlt ihr Thema.</li>
<li>Die Form der Texte will beachtet, und gewahrt sein: Damit die Texte sagen können, was sie sagen wollen.</li>
<li>Bei einer solchen theologischen Betrachtung lassen sich, wie gesehen, thematische Einheiten und Leitworte identifizieren, die sich oft in mehreren Schriften oder Textsorten finden.</li>
<li>Ein zentrales Leitwort, das in unzähligen Textschichten wiederkehrt, ist Glaube. <em>So wie Abraham glaubte</em>, auch im Zugehen auf Ungefähres, werden später Glaubende „Abrahams Kinder“ sein.</li>
<li>Ein weiteres Leitwort ist die Hilfe Gottes (z.B. Ps 124,8).</li>
<li>Wichtiges Leitwort ist zudem Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Treue Gottes. Ein Wortfeld, das in manchen Kontexten fast identisch ist (Ps 116,5; u.a.), das aber auch gewichtende Akzentuierungen möglich macht.</li>
<li>Schalom ist ein Leitwort, das sowohl in den Schriften des Alten wie des Neuen Testaments vorkommt.</li>
<li>William Tyndale nennt die Verheißungen und Zusagen Gottes ein zentrales Leitmotiv in den biblischen Schriften.</li>
</ol>
<h2>Lehrmäßige Entfaltung</h2>
<ol start="38">
<li>Um diese Leitworte, Topoi, „die großen Linien“ zu sammeln und im Zusammenhang zu sehen: Dafür ist die theologisch lehrmäßige Entfaltung da. Dies ist auch der Ort, wo dogmatische Klärungen guten Sinn erhalten und eine echte Hilfe sind – gesetzt, dass sie den biblischen Zusammenhang in Ehren halten und auf hilfreiche Weise zur Sprache bringen.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/biblische-entdeckungen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Michael – Wer ist wie Gott?</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/michael-wer-ist-wie-gott/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/michael-wer-ist-wie-gott/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Reinhard Schmidt-Rost]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 12:45:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Allmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Engel]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8447</guid>

					<description><![CDATA[Der Erzengel Michael wird sicher auch weiterhin als Sinnbild für den Kampf gegen das Chaos, gegen die vielen Differenzen, die unser Leben beschweren, gesehen werden. Aber gerade seine gewaltige Rüstung lässt erkennen, dass solche Gewalt dem Leben nicht dient.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.“ (1. Johannes 4,8)</p></blockquote></div>
<p>Wer Darstellungen des Erzengel Michael betrachtet, etwa die mächtige Skulptur im Hauptgebäude der Bonner Universität und die Nachbildung auf dem Koblenzer Tor, wie der gerüstete Ritter den gewaltigen Drachen bezwingt, der erfährt wenig vom tieferen Sinn des Christentums, aber er ahnt einiges von der Gewalt, der sich die Menschen in früheren Zeiten ausgeliefert fühlten. Ob die äußere Natur, Stürme und wilde Tiere, ob das eigene Gefühlsleben, nirgends konnte sich der Mensch in seinem Leben sicher fühlen. Deshalb wünschen sich die Menschen Gott als mächtigen Herrscher, als den Allmächtigen, dem kein menschlicher Herrscher gewachsen wäre, und seine Diener wären Engel, wie eben dieser als Ritter dargestellte Michael.</p>
<p>Viel weiter sind die Menschen auch heute noch nicht in ihrem Denken: Sich Gott als den mächtigsten aller Herrscher vorzustellen, das leuchtet immer noch vielen ein, ohne dass sie sich darüber groß Rechenschaft geben: Anhänger von Stammesreligionen genauso wie Juden, die ihn den Herrn der Heerscharen nennen, oder Muslime, die Allahs Allmacht anbeten. Auch die meisten Christen stellen sich Gott als allmächtige Gewalt und Machtzentrum der ganzen Welt vor und sprechen es in ihren Bekenntnissen seit der Zeit des Kaiser Konstantin aus. Dass Jesus Christus zu Pilatus gesagt hat, sein Reich sei nicht von dieser Welt, das ist auch für die Christenheit nicht leicht zu verstehen.<br />
Allmachtsvorstellungen scheinen zwar den modernen, aufgeklärten Menschen nicht mehr zu befriedigen, aber trotzdem stellen sich die meisten Menschen Gott weiterhin wie einen Kaiser vor, oder lehnen Gott ab, weil sie diese autoritäre Vorstellung in einem demokratischen Staat nicht mehr akzeptieren wollen.</p>
<p>So ist die Besonderheit des christlichen Glaubens, die größte überhaupt vorstellbare Macht, die Leben nicht nur nicht zerstört, sondern vielmehr hervorbringen und erhalten kann, in der Liebe zu erkennen. Sie ist das Gegenteil menschlicher Macht, die immer teilt, wo sie herrschen will. Die Liebe ist der Geist und die Kraft, die stets vereint; sie sieht die Gegensätze unter den Menschen, verzweifelt aber nicht daran, sondern achtet sie als Reichtum. Die Liebe ist der Geist, der für die Verbindung aller Unterschiede wirkt, weil nur so Leben entstehen und erhalten werden kann. Aber dafür braucht sie gerade keinen Einheitsstaat und keine Einheitskirche. Die Liebe beweist ihre Kraft in der Aufhebung der Gegensätze, die unser Leben doch ganz selbstverständlich bestimmen, in Entgegenkommen und Vergebung. Damit verändert sie die Welt.</p>
<p>Der Erzengel Michael wird sicher auch weiterhin als Sinnbild für den Kampf gegen das Chaos, gegen die vielen Differenzen, die unser Leben beschweren, gesehen werden. Aber gerade seine gewaltige Rüstung lässt erkennen, dass solche Gewalt dem Leben nicht dient.</p>
<p>Gewiss ist die Liebe keine ungefährliche Kraft, sondern eine heiße Flamme, an der man sich heftig verbrennen kann. Denn sie bewirkt ja auch die Verschmelzung der Kräfte, die Leben hervorbringen. Aber ohne sie kann es kein Leben geben, und ohne ihre Wärme kann kein Leben bestehen, darum sind für Christen seit Christus Gott und die Liebe eins.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/michael-wer-ist-wie-gott/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischenräume, Zwischentöne</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/zwischenraeume-zwischentoene/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/zwischenraeume-zwischentoene/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kerstin Söderblom]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 12:26:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Versöhnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8440</guid>

					<description><![CDATA[Im Jahr 2025 sind die Grenzstädte Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Das EPIC-Projekt arbeitet die Geschichte der beiden Städte aus unterschiedlichen Perspektiven auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Jahr 2025 sind die Grenzstädte Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Das EPIC-Projekt arbeitet die Geschichte der beiden Städte aus unterschiedlichen Perspektiven auf. </p></blockquote></div>
<p>Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien sind Grenzstädte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Grenze von den Besatzungsmächten 1947 mitten durch die Stadt gezogen. Sie wurden damit zu einem Symbol für die Grenze zwischen der westlich-kapitalistischen und der sozialistischen Welt. Die Stadt Nova Gorica wurde auf der slowenischen Seite neu gegründet als ein urbanes Bauprojekt des ehemaligen Jugoslawiens.</p>
<p>Im Jahr 2025 sind die beiden Nachbarstädte gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Ein zentrales Projekt der Kulturhauptstädte ist die Aufarbeitung der Geschichte der beiden Städte, die einst zusammengehörten. In einer ehemaligen Lagerhalle entsteht eine gemeinsame Ausstellung über das 20. Jahrhundert. Sie heißt <em>EPIC-Projekt</em>. Ziel der Ausstellung ist es, die einseitigen Sichtweisen auf den 1. und 2. Weltkrieg und die Zeit danach zu überwinden und eine gemeinsame vielschichtige Geschichtserzählung zu schaffen. Bisher waren die Geschichtsmuseen stets nur an den nationalen Narrativen des jeweiligen Landes orientiert. Das soll sich nun ändern. Gemeinsam soll an alle Opfer des Faschismus unter Mussolini, an alle Toten der Partisanenkämpfe und an die Verluste durch die Städteteilung gedacht werden. Das Leid, der Verlust und der Schmerz beider Seiten wird durch die Erinnerung Überlebender, durch Biografie-Darstellungen und ganz unterschiedliche Dokumente vielschichtig aufgearbeitet. Und die Besucher*innen werden eingeladen, sich den verschiedenen Interpretationen der Zeitgeschichte und den Leiderfahrungen der anderen zu öffnen und sie zu verstehen.</p>
<p>Es geht aber um mehr. Mit dem EPIC-Projekt wird ein offener Raum geschaffen für die lokale Bevölkerung und für Besucher*innen weltweit, um ganz verschiedene Sichtweisen und Deutungen nicht nur von Geschichte, sondern auch von aktuellen Entwicklungen und Ereignisse wahrzunehmen und sich darüber auszutauschen. Dafür sind Videoinstallationen, gemeinsame Konzerte, interkulturelle Veranstaltungen und interaktive Events geplant.</p>
<p>Für mich ist das EPIC-Projekt ein ermutigendes Beispiel dafür, Mehrdeutigkeiten und komplexe Zusammenhänge darzustellen und Vielschichtigkeit auszuhalten, statt sie durch einfache Schwarz-Weiß-Narrative zu verkürzen. In einem konkreten Grenzgebiet werden damit Zwischenräume und Zwischentöne erlebbar, die in zunehmend extremistisch und fundamentalistisch aufgeladenen politischen Debatten immer mehr verloren gehen. Diese Zwischenräume gilt es nicht nur in Gorizia-Nova Gorica herauszuarbeiten und zu stärken. Sie müssen überall gesucht und gestaltet werden. Fachleute nennen diese Fähigkeit Ambiguitätstoleranz. Es ist die hohe Kunst zu akzeptieren, dass es mehr gibt unter der Sonne als richtig oder falsch, gut oder böse, schuldig oder unschuldig, schwarz oder weiß. Es geht dabei aber nicht um Beliebigkeit. Im Gegenteil: Verschiedene Perspektiven respektieren heißt, die eigene Perspektive zu schärfen und ins Gespräch zu bringen, ohne den anderen ihre Positionen abzusprechen. Kontextuell und konkret verortete theologische Beiträge können genau dazu beitragen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/zwischenraeume-zwischentoene/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sozial-ökologisches Existenzminimum</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/sozial-oekologisches-existenzminimum/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/sozial-oekologisches-existenzminimum/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Held und Irene Becker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 12:07:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Existenzminimum]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8431</guid>

					<description><![CDATA[Menschen mit geringen finanziellen Mitteln sind von Folgen des Klimawandels wie von Kosten des Klimaschutzes besonders stark betroffen. Ein sozial-ökologisches Existenzminimum bietet die Chance, die Klimawende sozialverträglich auszugestalten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Menschen mit geringen finanziellen Mitteln sind von Folgen des Klimawandels wie von Kosten des Klimaschutzes besonders stark betroffen. Ein sozial-ökologisches Existenzminimum bietet die Chance, die Klimawende sozialverträglich auszugestalten.</p></blockquote></div>
<h2>Diskussion ums Existenzminimum</h2>
<p>In Deutschland – und auch darüber hinaus – werden bereits seit längerer Zeit intensive Diskussionen geführt, was für die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums notwendig ist. Das Existenzminimum ist relativ zur gesamtgesellschaftlichen Situation zu bestimmen und umfasst neben physischen Bedarfen auch die sozio-kulturelle Teilhabe – dies hat schon 2010 auch das Bundesverfassungsgericht festgestellt.</p>
<p>Kritiker wenden ein, dass sowohl die Befriedigung von Grundbedürfnissen (z.B. gesunde Ernährung) als auch sozio-kulturelle Teilhabe schon nach dem derzeitigen Bemessungsverfahren in Deutschland nicht ausreichend möglich sind. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die Überschreitung planetarer Grenzen zu weiteren Herausforderungen für die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums führt. Denn Menschen mit geringen finanziellen Mitteln sind bzw. wären besonders stark von den Folgen des Klimawandels selbst (hohe Vulnerabilität) als auch von Kosten der Klimaschutzmaßnahmen (z.B. CO<sub>2</sub>-Bepreisung) betroffen. Maßnahmen, die dies verhindern, sind umso dringlicher, als die Auswirkungen voraussichtlich immer schwerwiegender werden, je länger entschiedenes Handeln ausbleibt.</p>
<h2>Gefährdung für den Klimaschutz</h2>
<p>Die Herausforderungen des Klimawandels müssen also bei der Sicherung des Existenzminimums berücksichtigt werden. Dies erscheint nicht nur geboten, weil die Lebensqualität der Betroffenen ansonsten massiv leiden würde, sondern auch, weil durch hohe Belastungen für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln ein wirksamer und mehrheitsfähiger Klimaschutz mindestens erschwert, wenn nicht gar unmöglich wird. Denn auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln muss es z.B. ermöglicht werden, ihre CO<sub>2</sub>-Emissionen zu reduzieren. Andernfalls drohen die Klimaziele verfehlt zu werden und/oder die Wohlstandsverluste und Gefährdungen im unteren Bereich der Wohlstandsverteilung werden zu großer Unzufriedenheit, Widerstand, möglicherweise sogar zu Unruhen führen. Dadurch wäre wiederum die Umsetzung der notwendigen Klimaschutzmaßnahmen nahezu unmöglich. Unzufriedenheit und Misstrauen in die Politik und die Demokratie würden zunehmen, womit auch die extremen Ränder weiter gestärkt würden.</p>
<h2>Ein sozial-ökologisches Existenzminimum</h2>
<p>Wie kann angemessen und proaktiv auf diese Herausforderungen und Veränderungen reagiert werden? Wir schlagen im Folgenden fünf Lösungsansätze vor, die im Rahmen unseres Gutachtens „Sozial-ökologisches Existenzminimum – Herausforderungen und Lösungsansätze“ im Auftrag der Diakonie Deutschland erarbeitet wurden. Das Gutachten wird im Februar 2025 veröffentlicht und kann auf der Themenwebsite „<em>Die ökologische Transformation sozial gerecht gestalten – Teilhabe sichern</em>“ der Diakonie Deutschland kostenfrei heruntergeladen werden (<a href="https://www.diakonie.de/informieren/infothek/2025/februar/diakonie-konzept-fuer-ein-sozial-oekologisches-existenzminimum" target="_blank" rel="noopener"><em>www.diakonie.de/informieren/infothek/2025/februar/diakonie-konzept-fuer-ein-sozial-oekologisches-existenzminimum</em></a>).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln muss es ermöglicht werden, ihre CO<sub>2</sub>-Emissionen zu reduzieren.</p></blockquote></div>
<p>Die Lösungsansätze sind im Gutachten mit konkreten Maßnahmen unterlegt. Sie verbinden sich zum Konzept eines „sozial-ökologischen Existenzminimums“. Als Baustein einer sozial-ökologischen Transformation soll dieses Konzept sicherstellen, dass das menschenwürdige Existenzminimum in und nach der notwendigen Transformation gewährleistet ist. Horizont und Instrumentarium des Konzepts gehen im Unterschied zu den meisten bisherigen Untersuchungen über die reine Mindestsicherung (u.a. Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag) hinaus. Einbezogen werden auch die Bereitstellung von angemessener Infrastruktur/Daseinsvorsorge, die Stärkung unterer Einkommen insgesamt sowie Förder-, Subventions- und Verteilungsaspekte sowie Suffizienzfragen.</p>
<h2>Die fünf Lösungsansätze</h2>
<p>Die folgenden fünf Lösungsansätze können einen substanziellen Beitrag zur Sicherstellung des menschenwürdigen Existenzminimums in und nach der Transformation zur Klimaneutralität leisten und sollten deswegen bei der Verfolgung einer ambitionierten Klima- und Umweltpolitik berücksichtigt werden:</p>
<ol>
<li><strong> Stärkung unterer Einkommen:</strong> Es ist sicherzustellen, dass bei absehbar steigenden Preisen und Investitionserfordernissen Wohlfahrtsverluste bei Haushalten mit geringen finanziellen Mitteln verhindert werden und dass Klimaschutz sowie umweltverträglicher Konsum möglich sind. Entsprechende Instrumente sind beispielsweise der Mindestlohn und das Wohngeld – beide könnten angemessen erhöht werden. Zudem könnte die Einkommensteuer- und Abgabenbelastung für untere Einkommen gesenkt werden.</li>
<li><strong> Reform der sozialen Mindestsicherung:</strong> Es ist sicherzustellen, dass das menschenwürdige Existenzminimum im Zuge der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen nicht gefährdet ist (eng verbunden mit Lösungsansatz 1, um im Zusammenspiel einer ansonsten drohenden Zunahme der Ungleichheit, insbesondere der Armut und Prekarität, entgegenzuwirken). Ansatzpunkt ist insbesondere das Grundsicherungs- bzw. Bürgergeldniveau, bei dessen Bemessung absehbare Preissteigerungen und notwendige Änderungen des Konsumverhaltens – hin zu mehr Nachhaltigkeit – zu berücksichtigen sind. Nur so ist ein teilnehmendes Leben der Anspruchsberechtigten möglich.</li>
<li><strong> Ausbau der öffentlichen Infrastruktur/Daseinsvorsorge:</strong> Es ist sicherzustellen, dass grundlegende Dienstleistungen für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen und dass deren Bereitstellung kompatibel mit der Erreichung der Klimaziele bzw. insgesamt der Einhaltung planetarer Grenzen ist. Wichtige Beispiele sind die Förderung des öffentlichen Verkehrs und von Fernwärmenetzen – wobei diese nicht nur auszubauen sind, sondern für untere Einkommen auch bezahlbar sein müssen.</li>
<li><strong> Soziale Ausrichtung von Förderprogrammen/Subventionen:</strong> Es ist sicherzustellen, dass angesichts knapper Haushaltsmittel diejenigen Bürgerinnen und Bürger bei der Transformation unterstützt werden, die sich andernfalls die notwendigen Investitionen nicht leisten könnten oder über Gebühr belastet würden. So gilt es beispielsweise, den sozialen Wohnungsbau zu intensivieren und dabei eine hohe energetische Qualität umzusetzen, sowie sozial ausgerichtete Förder- und Beratungsangebote wie den Stromspar-Check (<em><a href="https://stromspar-check.de" class="autohyperlink">stromspar-check.de</a></em>) auszubauen.</li>
<li><strong> Verteilungs- und Suffizienzpolitik:</strong> Es ist eine Finanzierung für die die vielfältigen staatlichen Investitions- und Unterstützungserfordernisse sicherzustellen und es sind Rahmenbedingungen, Anreize und Regelungen zu setzen, damit im Sinne eines „Genugs“ ein gutes Leben für Alle möglich ist. Dementsprechend könnten beispielsweise verteilungspolitisch die Progression der Einkommensteuer verstärkt und die Erbschaftssteuer reformiert werden. Auf Seiten der Suffizienzpolitik könnte das Recht auf Reparatur ausgeweitet und mit Nachdruck umgesetzt sowie ein Tempolimit eingeführt werden.</li>
</ol>
<h2>Fokussierung auf den Klimawandel</h2>
<p>Die hier vorgeschlagenen Lösungsansätze fokussieren auf die Herausforderungen durch den Klimawandel. Dieser ist bei weitem nicht die einzige ökologische Krise und Herausforderung, aber sicherlich eine der zentralen. Er steht zudem in Verbindungen mit anderen Problemen wie dem Biodiversitätsverlust und der Landnutzung. Daneben hat die Eingrenzung auch pragmatische Gründe, da das untersuchte Feld ansonsten zu weit würde.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Die sozialen Folgen ökologischer Schutzmaßnahmen müssen bedacht und ausgeglichen werden.</p></blockquote></div>
<p>Dabei ist der „Anspruch“ der Lösungsansätze nicht, dass diese alleine geeignet wären, um Klimaneutralität zu erreichen. Dieses Ziel erfordert vielfältige andere Ansätze und Instrumente (z.B. eine wirksame CO<sub>2</sub>-Bepreisung, Ordnungsrecht, finanzielle Unterstützung, Industriepolitik, Infrastruktur). Wie ein solcher Politik-Mix aussehen könnte und welche zentralen Maßnahmen er enthält, beschreibt beispielsweise die Studie <em>Klimaneutrales Deutschland. Von der Zielsetzung zur Umsetzung</em> der Agora Think Tanks, 2024 (<a href="http://www.agora-energiewende.de/publikationen/klimaneutrales-deutschland-studie"><em>www.agora-energiewende.de/publikationen/klimaneutrales-deutschland-studie</em></a>).</p>
<h2>Zusammenschau von sozialen und ökologischen Aspekten</h2>
<p>Soziale und ökologische Aspekte müssen zusammengedacht werden, um zu guten Lösungen zu kommen. Das bedeutet nicht, dass eine ökologisch sinnvolle Maßnahme, die negative soziale Auswirkungen hat, automatisch ausscheidet. Es bedeutet aber, dass deren sozialen Folgen untersucht werden müssen und die Ergebnisse – falls sinnvoll möglich – in eine sozialverträgliche Ausgestaltung der ökologischen Maßnahme münden. Alternativ müsste mit ergänzenden sozialpolitischen Maßnahmen auf die durch die ökologische Maßnahme verursachten besonderen Belastungen der unteren Einkommensgruppen reagiert werden. Nur so wird es möglich, dass die ökologische Transformation nicht zu einer unsozialen, sondern zu einer sozial-ökologischen Transformation wird.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/sozial-oekologisches-existenzminimum/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Eskalationsspirale bewusst stoppen</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/die-eskalationsspirale-bewusst-stoppen/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/die-eskalationsspirale-bewusst-stoppen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Arist von Schlippe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 11:59:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Deeskalation]]></category>
		<category><![CDATA[Eskalation]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Konfliktlösung]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Mediation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8428</guid>

					<description><![CDATA[Dank der Konfliktforschung wissen wir heute, dass Konflikte über weite Strecken nach identischen, vorhersehbaren Mustern verlaufen, wenn man diesen nicht bewusst gegensteuert. Mit dem Psychologen und Konfliktforscher Arist von Schlippe sprachen wir darüber, wie sich die Eigendynamik von Konflikten durchbrechen lässt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Dank der Konfliktforschung wissen wir heute, dass Konflikte über weite Strecken nach identischen, vorhersehbaren Mustern verlaufen, wenn man diesen nicht bewusst gegensteuert. Mit dem Psychologen und Konfliktforscher Arist von Schlippe sprachen wir darüber, wie sich die Eigendynamik von Konflikten durchbrechen lässt.</p></blockquote></div>
<p>Arist von Schlippe, Diplom-Psychologe und Professor für „Führung und Dynamik von Familienunternehmen“ an der Universität Witten/Herdecke, hat umfangreiche Erfahrungen mit Konfliktdynamiken aus der Arbeit mit Unternehmerfamilien und anderen Sozialsystemen. Sein Buch <em>Das Karussell der Empörung. Konflikteskalation verstehen und begrenzen </em>stellt dar, wie Konflikte typischerweise verlaufen und wie aus systemtheoretischer Sicht die Spirale der Eskalation überwunden werden kann.</p>
<p><strong>Herr von Schlippe, in Ihrem Buch geht es um die „Eigendynamik“ von Konflikten. Was ist damit gemeint?</strong></p>
<p>A.v.S.: In einem Konflikt werden für beide Parteien die Optionen, sich zu verhalten, immer weiter eingeschränkt, ohne dass ihnen dies bewusst ist. Und dann gibt es eigentlich nur die Richtung der immer stärkeren Verschärfung: Man ist permanent dabei, mit eskalierenden Schritten auf die Schritte des anderen zu reagieren, auf die der andere dann wiederum mit bestimmten Maßnahmen antwortet. Was in solchen Situationen meistens vollkommen fehlt, ist die „Helikopter-Perspektive“, nämlich dass wir die Dinge von oben aus der Metaperspektive betrachten und uns fragen: Was ist hier eigentlich gerade los, in was für einer Dynamik befinden wir uns?</p>
<p><strong>Wie verläuft ein Konflikt nach dieser Dynamik typischerweise?</strong></p>
<p>A.v.S.: Der österreichische Friedens- und Konfliktforscher Fritz Glasl beschreibt neun typische Eskalationsstufen von Konflikten. Die Schärfe der Auseinandersetzung nimmt sukzessive zu und der Konflikt wird immer unlösbarer: Auf den ersten drei Eskalationsstufen verhärten sich die Positionen und der Ton wird zunehmend polemisch, eine Lösung ist auf der Sachebene aber noch möglich. Etwa ab den Stufen 4-6 werden die Angriffe persönlicher; sie zielen „auf das Gesicht des anderen“, auf die Desavouierung des Gegners und werden von Drohungen begleitet. Hier finden die Konfliktparteien in der Regel nicht mehr selbst aus dem Konflikt heraus. Auf den weiteren Eskalationsstufen 7-9 zielen die Maßnahmen nur noch darauf ab, den Gegner zu schädigen, selbst um den Preis eigener Nachteile bis hin zum gemeinsamen Untergang.</p>
<figure id="attachment_8429" aria-describedby="caption-attachment-8429" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S29_9_stufen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8429 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S29_9_stufen.jpg" alt="Neun Eskalationsstufen nach F. Glasl" width="1024" height="826" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S29_9_stufen.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S29_9_stufen-300x242.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8429" class="wp-caption-text">Neun Eskalationsstufen nach F. Glasl (Zeichnung: © Björn von Schlippe, entnommen aus: Arist von Schlippe: Das Karussell der Empörung, S. 171)</figcaption></figure>
<p><strong>Wie kann man einer solchen Konfliktdynamik entgegenwirken?</strong></p>
<p>A.v.S.: Zunächst müssen wir uns die Mechanismen, in die uns die Konfliktlogik hineintreibt, bewusst machen. Das Handeln in Konflikten besteht, wie gesagt, vielfach nicht aus rationalen Reaktionen auf ein Ereignis, sondern folgt in uns evolutionär angelegten Schemata. So reagieren wir etwa auf Kränkungen mit „Empörung“, die uns mit dem Gefühl der Berechtigung zur Eskalation versorgt – insbesondere, wenn es um Verletzungen unseres Gerechtigkeitsempfindens geht. In meinem Buch verwende ich die Metapher des Karussells, um die Eigendynamik dieses Prozesses zu beschreiben. Die Empörung ist der Motor dieses Karussells.</p>
<p><strong>Was kann man tun, wenn man sich schon in der Dynamik eines solchen Konflikts befindet?</strong></p>
<p>A.v.S.: Der erste Schritt ist, wie gesagt, Bewusstheit: Was passiert da in mir, wie sorgen die Mechanismen der Empörung dafür, dass wir uns sagen: „Du bist ganz und gar im Recht!“ Denn das Gefährliche daran ist: Wer sich vollständig im Recht fühlt, fühlt sich auch legitimiert zu destruktiven Handlungen: Man „kann nichts dafür“, man reagiert ja nur. Fritz Glasl spricht hier von „Dämonisierten Zonen“: auf beiden Seiten kommt es zu Eskalationshandlungen, ohne dass Verantwortung übernommen wird. Jeder legitimiert die eigene Destruktion damit, dass man durch die andere Seite dazu gezwungen wurde.</p>
<p>An Bewusstheit zu arbeiten, bedeutet in so einer Situation, sich klarzumachen: Wir stecken <em>gemeinsam</em> in einer extrem gefährlichen Dynamik, und die können wir nicht dadurch lösen, dass wir permanent das Bild von Gut und Böse reproduzieren. Die Frage muss vielmehr lauten: Wie können wir gemeinsam aus dieser Spirale aussteigen? Der „Feind“ ist der Konflikt, nicht der andere.</p>
<p><strong>In Ihrem Buch beschreiben Sie v.a. Konfliktbeispiele aus Familien und aus Unternehmen. Wenn man Ihnen zuhört, fallen einem aber natürlich auch politische Konflikte wie der Krieg gegen die Ukraine ein. Gelten hier die gleichen Regeln?</strong></p>
<p>A.v.S.: Auch globale politische Konflikte sind in hohem Maße durch emotional gefärbte Kommunikation geprägt. Wichtig ist deshalb auch hier, dass die handelnden Akteure bewusst kommunizieren. Nehmen wir ein Beispiel: Als beim G20-Gipfel im Frühjahr 2023 die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nach längerer Zeit wieder auf ihren russischen Amtskollegen Sergej Lawrow traf, forderte sie ihn auf: „Mr. Lawrow, beenden Sie diesen verbrecherischen Krieg!“ – Was für eine Art von Kommunikation ist das? Als Beziehungsbotschaft bedeutet sie: „Wir sind die Guten, und du bist der Bösewicht!“ – Sie ist ein Angriff auf das „Gesicht“ des Gegners und zugleich eher eine Kommunikation an das eigene Netzwerk, jedenfalls kein Impuls, der eine neue Dynamik anstößt.</p>
<p>Was wäre wohl gewesen, wenn sie gesagt hätte: „Herr Lawrow, ich bin sicher, wenn wir uns einmal ›off the record‹ unterhalten könnten, würden wir zu dem Schluss kommen, dass die Lage derzeit verdammt verfahren ist. Aus so einer Sackgasse kommt man nicht leicht wieder heraus. Vielleicht würden Sie mir auch zustimmen, dass es nicht der beste Weg ist, diese Sackgasse immer weiter zu vertiefen. Wäre es nicht an der Zeit, nach Auswegen zu suchen, statt die Kosten an Menschenleben und Sachwerten immer höher zu treiben? Ich kann Ihnen von mir aus nur sagen: ›Wir wären bereit, nach unseren Möglichkeiten zu helfen, Auswege zu finden‹ – außer natürlich, die Ukraine preiszugeben oder einfach ihrem Schicksal zu überlassen.“</p>
<p><strong>Und wie, meinen Sie, hätte Lawrow reagiert?</strong></p>
<p>A.v.S.: Lawrow hätte natürlich abgewunken, in Kriegslogik denkt man monolithisch, der Feind ist der Feind. Aber kommunikationstheoretisch gesehen wäre das ein Statement aus der Metaposition gewesen: ›Schauen wir die Dinge doch von oben an!‹ Und wenn das Teil der diplomatischen Kommunikationsstrategie wäre, würde man immer und immer wieder so agieren. Der Bundeskanzler könnte etwa erklären, dass die Bundesrepublik<em> als Zeichen des guten Willens </em>auf die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern verzichtet, statt nur aus Angst vor einer möglichen Eskalation. Die Chancen der versöhnlichen Stimmen im anderen Lager würden steigen, die Vielstimmigkeit auf der anderen Seite könnte zunehmen.</p>
<p>Natürlich würde es auch Widerstände geben, man würde versuchen, die Bemühungen lächerlich zu machen usw. Eine Kommunikation führt ja nicht dazu, dass sich die Verhältnisse schlagartig ändern. Aber es kann auf Dauer doch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass noch andere Optionen als nur die ständige Verschärfung des Konflikts eine Chance bekommen. Und genau um dieses „Arbeiten an Wahrscheinlichkeiten“ geht es. Kriegsparteien sind polarisiert, es gibt nur das Entweder-Oder, sie leben in affektiv-kognitiven Eigenwelten, die durch ihre jeweilige Geschichte, ihre Wertewelt und ihre strategischen Ziele geprägt sind. Die „Kriegslogik“ lässt diese Eigenwelten immer mehr verhärten. Deeskalierende Kommunikation folgt stattdessen einer „Friedenslogik“, die diese gedanklichen Blockaden aufzulösen versucht.</p>
<p><strong>Gibt es noch weitere Merkmale einer solchen „Friedenslogik“?</strong></p>
<p>A.v.S.: Im Heft 4/2024 der Zeitschrift <em>Familiendynamik</em>, das ich mit herausgegeben habe, hat Fritz Glasl in einem Aufsatz jeweils sechzehn Prinzipien einer Kriegslogik und einer Friedenslogik kontrastiert. Er zeigt, wie Konflikte durch kommunikatives Fehlverhalten ungewollt eskalieren können, und gibt Anregungen, wie man dem Verlust der Empathie in internationalen Konflikten begegnen kann und wie statt ultimativer Forderungen Bemühungen um einen Ausgleich ins Zentrum rücken können. Wichtig ist dabei: Empathie und Verständnis bedeutet nicht Einverständnis! Gesten der Wertschätzung zeigen das Interesse an der Verbesserung der Beziehungen, doch sie sind keine Signale der Nachgiebigkeit. Schwäche ermutigt die andere Seite, weiter zu eskalieren. Es geht vielmehr um die Einladung, sich im Kampf gegen den Konflikt, der ja meistens für beide Parteien hohe Kosten mit sich bringt, zu verbünden, um eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden.</p>
<p><strong>Vieles an diesen Erkenntnissen kommt mir aus der Bibel bekannt vor. Sie zitieren in Ihrem Buch selbst die Bergpredigt: ›Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin‹ (Mt 5,39). Wie stark sehen Sie sich selbst in dieser biblischen Tradition?</strong></p>
<p>A.v.S.: Ich bin evangelischer Christ, mein Vater war Pastor, ich habe zeitweise auch Theologie studiert, würde aber nicht sagen, dass ich nun besonders religiös bin. Die Grundhaltung Jesu, liebevoll auf jeden anderen Menschen zuzugehen, hat für mich etwas Faszinierendes und Vorbildliches. Und ich schätze es, dass uns die Bibel immer wieder den Spiegel vorhält, uns zeigt, wie einseitig unsere Schemata sind. Die zitierte Aufforderung aus der Bergpredigt ist keine Anleitung zum Masochismus! Aber sie stellt unsere Logik von Vergeltung in Frage und durchbricht sie. Die Bibel lädt uns so auf eine „Metaebene“ ein: Gott ist in einer ganz anderen Logik unterwegs als wir! Diese Vorstellung mache ich mir gerne zu eigen.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<p>Arist von Schlippe: <em>Das Karussell der Empörung. Konflikteskalation verstehen und begrenzen,</em> Göttingen, 2022.</p>
<p>Friedrich Glasl: <em>Wie kann Kriegslogik durch Friedenslogik überwunden werden?</em> In:<em> Familiendynamik</em>, 49. Jg., Heft 4, 2024, S. 270-283.</p>
<p><em>Das Interview führte Bertram Salzmann.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/die-eskalationsspirale-bewusst-stoppen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
