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	<title>evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Dave Eggers: Der Circle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Karin Richter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 16:02:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Weltmächte]]></category>
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					<description><![CDATA[ „Du und deine Leute beim Circle… ihr werdet alle Seelen retten. Ihr werdet sie alle sammeln, ihr werdet sie alle das Gleiche lehren. Es wird eine einzige Moral geben, ein einziges Regelwerk… Jetzt werden alle Menschen die Augen Gottes haben… Jetzt sind wir alle Gott.“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-1688 size-medium wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Circle-184x300.jpg" alt="" width="184" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Circle-184x300.jpg 184w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Circle.jpg 275w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" data-smartcrop-focus="[48,28]" />Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, 560 S., 10,99 EUR, E-Book 9,99 EUR</strong></p>
<p>„Du und deine Leute beim Circle… ihr werdet alle Seelen retten. Ihr werdet sie alle sammeln, ihr werdet sie alle das Gleiche lehren. Es wird eine einzige Moral geben, ein einziges Regelwerk… Jetzt werden alle Menschen die Augen Gottes haben… Jetzt sind wir alle Gott.“</p>
<p>So zollt ein älterer Ex-Priester der jungen Hauptperson Mae Holland in Dave Eggers Roman Respekt: Das, was der Theologie nie gelungen sei, verwirkliche jetzt das globale Unternehmen Circle mit seinem Ziel der völligen Transparenz jedes seiner Nutzer – bereits ein Großteil der Weltbevölkerung.</p>
<p>Thema und These des Romans: Selbstoptimierung durch Datentransparenz. Das fiktive Unternehmen Circle in Kalifornien ist die utopische Zusammenführung und logische Weiterentwicklung von Datengiganten wie Google, Facebook und Co. Die Elite-Uni-Absolventin Mae Holland macht Karriere beim Circle. Sie hilft dabei, dass der Circle immer mehr ein totalitäres System der absoluten Überwachung – „Transparenz“ genannt – aufbaut. Vor Milliarden Augen und Ohren live zugeschalteter Nutzer prägt sie die Leitsätze des Unternehmens: 1. Geheimnisse sind Lügen, 2. Teilen ist Heilen und 3. Alles Private ist Diebstahl.</p>
<p>Dass die Vermeidung von sozialen und politischen Verbrechen durch weltweite Kameraüberwachung im Totalitarismus enden wird, ahnt der Leser; lässt aber die Protagonistin unberührt. Die Optimierung („Erlösung)“ der Welt durch Technologie – die Fortschrittsgläubigkeit wird hier auf die Spitze getrieben: „Ich bin von der Fähigkeit der Menschen zur Vollkommenheit überzeugt… Wir können jedes Problem lösen.“</p>
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		<title>Das brandneue Testament</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Mühlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 16:01:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Testament]]></category>
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					<description><![CDATA[Gott existiert. Er lebt in Brüssel. Dort sitzt er, ein unrasierter, whiskeytrinkender, cholerischer Mann im Frotteemorgenmantel, und denkt sich laufend neue Gesetze aus, mit denen er den Menschen das Leben schwer machen kann. Bis eines Tages die zehnjährige Tochter Ea ins Büro des Vaters schleicht und dort vom Computer aus per SMS die Todesdaten der gesamten Menschheit den Menschen auf ihre Handys schickt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" class="alignleft wp-image-1694 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S43_Cover_Brandneues-Testament-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S43_Cover_Brandneues-Testament-212x300.jpg 212w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S43_Cover_Brandneues-Testament.jpg 500w" sizes="(max-width: 212px) 100vw, 212px" />114 Min., auf DVD ab 12,99 EUR</strong></p>
<p>Gott existiert. Er lebt in Brüssel. Dort sitzt er, ein unrasierter, whiskeytrinkender, cholerischer Mann im Frotteemorgenmantel, und denkt sich laufend neue Gesetze aus, mit denen er den Menschen das Leben schwer machen kann. Bis eines Tages die zehnjährige Tochter Ea ins Büro des Vaters schleicht und dort vom Computer aus per SMS die Todesdaten der gesamten Menschheit den Menschen auf ihre Handys schickt.</p>
<p>Als Gott bemerkt, was passiert ist, verprügelt er seine Tochter, und Ea muss fliehen. Aus den Zettelkästen der Menschheitskartei nimmt sie sechs Karten mit, um sich sechs Jüngerinnen und Jünger zu suchen. Deren Lebensgeschichten bilden die Mitte des Films. Alle verbindet ein körperliches, psychisches, seelisches Handicap – eine biographische Amputation ihres bisher im Fragment gefangenen Lebens. Durch Ea und durch das Bewusstsein ihres Todesdatums ereignet sich für sie ein eigenartiges „Heilungswunder“. Sie begegnen ihrem „Gegenüber, das zu ihnen passt“ (1. Mose 2,18).</p>
<p>Zuletzt findet auch Ea ihr Gegenüber. Die vom Vater geplagte Gottestochter begegnet einem Jungen, dessen Körper durch die Überfürsorge seiner psychisch kranken Mutter vergiftet ist. Das bevorstehende Organversagen lässt ihm nur noch wenige Tage Zeit, in denen Ea ihm hilft, einen Lebenstraum zu verwirklichen.</p>
<p>Zum Schluss wird alles gut. Nur einer bekommt seine gerechte Strafe. Gott wird in seiner Strafkolonie täglich hundertfach daran erinnert, dass es für ihn keinen Weg zurück gibt.</p>
<p>Doch um das zu verstehen, muss man den Film schon selbst bis zum Ende anschauen. Mindestens einmal. Seit April gibt es dafür jetzt auch eine DVD.</p>
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		<title>Yvonne Hofstetter: Sie wissen alles</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Mühlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 16:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[Yvonne Hofstetters Buch über die Bedrohung unserer Freiheit durch intelligente Maschinen ist breit angelegt und hat doch eine Kernthema: Big Data. Persönliche Daten als Rohstoff für künstliche Intelligenz und digitale Ökonomie: „Bis heute war die menschliche Arbeit das einzige persönliche Gut des Menschen, mit dem er am ökonomischen Prozess teilnehmen konnte. Mit der digitalen Revolution ist erstmals in der Menschheitsgeschichte ein weiteres Gut hinzugekommen. Es sind die persönlichen Daten des Menschen.“ (233)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" class="alignleft wp-image-1691 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Hofstetter-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Hofstetter-188x300.jpg 188w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S42_Cover-Hofstetter.jpg 500w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" />Verlag C. Bertelsmann, Köln 2014, 352 S., 19,99 EUR, E-Book 15,99 EUR</strong></p>
<p>Yvonne Hofstetters Buch über die Bedrohung unserer Freiheit durch intelligente Maschinen ist breit angelegt und hat doch eine Kernthema: Big Data. Persönliche Daten als Rohstoff für künstliche Intelligenz und digitale Ökonomie: „Bis heute war die menschliche Arbeit das einzige persönliche Gut des Menschen, mit dem er am ökonomischen Prozess teilnehmen konnte. Mit der digitalen Revolution ist erstmals in der Menschheitsgeschichte ein weiteres Gut hinzugekommen. Es sind die persönlichen Daten des Menschen.“ (233)</p>
<p>Gegen eine Big-Data-Diktatur fordert Hofstetter das Recht, Geheimnisse zu haben, und gibt damit dem manchen unverständlich gewordenen Begriff der „Privatsphäre“ seine konkrete Bedeutung zurück. Das menschliche Gewissen darf weder durch Überwachung kontrolliert, noch in seiner Entscheidungsbefugnis durch Technik verdrängt werden. Und es geht in diesem Zusammenhang auch um das Recht auf Vergessen: Wer einmal damit zu tun hatte, Bilder oder Gerüchte wieder aus dem Netz zu tilgen, hat wohl eine Ahnung davon, dass hier nicht nur der Umgang mit ›Jugendsünden‹ zur Debatte steht, sondern die persönliche Würde des Menschen.</p>
<p>Angesichts dieser Bedrohungen fordert das Buch die Entschlossenheit und die Entscheidungen der Leser. Es ist also ein politisches Buch, das mit einem Appell an die mündigen Bürger der Zivilgesellschaft und an die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft endet: Der menschliche Schatz persönlicher Daten darf nicht einem ausschließlich kapitalorientierten Marktmechanismus überlassen werden.</p>
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		<title>Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 15:59:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Jaron Lanier]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[„Als ob es eine polyglotte künstliche Intelligenz gäbe, die da oben in der großen Serverfarmen-Cloud residiert“ und chinesisch-englisch, hin und her, übersetzt –, deren Besitzer allein den Gewinn einstreicht, als hätte kein Mensch sonst diese Leistung ermöglicht…]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-1670 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover-Lanier-192x300.jpg" alt="" width="192" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover-Lanier-192x300.jpg 192w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover-Lanier.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px" />Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2. Auflage 2014. 480 Seiten. 24,90 EUR.</strong></p>
<p>„Als ob es eine polyglotte künstliche Intelligenz gäbe, die da oben in der großen Serverfarmen-Cloud residiert“ und chinesisch-englisch, hin und her, übersetzt –, deren Besitzer allein den Gewinn einstreicht, als hätte kein Mensch sonst diese Leistung ermöglicht…</p>
<p>Jaron Lanier hat Rastalocken, grinst, wenn er von manchen als Hippie eingestuft wird, und ist, 1960 in New York geboren, ein „Kind“ des Silicon Valley, einem der bedeutendsten IT- und High-Tech-Standorte weltweit. Als Computerwissenschaftler beschäftigt er sich u.a. mit der Architektur der digitalen Technologie und ihrer Verbindung und ihrem Einfluss auf die Wirtschaft.</p>
<p>In seinem Buch <em>Wem gehört die Zukunft?</em> skizziert er umfassend die „Informationsökonomie“, wie er die Basis unserer Wirtschaft charakterisiert, ihren Rohstoff, also riesige Datenmengen, die man mit mittlerweile dank recht günstig verfügbaren Rechnerleistungen sozusagen zusammenrechnet, um daraus Gewinn zu schlagen. Und genau hier hakt Lanier ein: „Allein die Tatsache, dass man Big Data braucht, zeigt, dass die Algorithmen nur eine andere Form menschlicher Tätigkeit sind – eine anonyme Form menschlicher Tätigkeit, bei der die tätigen Menschen nicht gewürdigt oder bezahlt werden. Big Data und die künstliche Intelligenz sind wirtschaftliche und politische Konstruktionen, die die meisten Menschen entrechten.“ (S. 16)</p>
<figure id="attachment_1669" aria-describedby="caption-attachment-1669" style="width: 290px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1669 size-medium" src="http://wordpress.p436630.webspaceconfig.de/wp-content/uploads/494px-Jaron_Lanier_1-300x291.jpg" alt="" width="300" height="291" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/494px-Jaron_Lanier_1-300x291.jpg 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/494px-Jaron_Lanier_1.jpg 494w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-1669" class="wp-caption-text">Jaron Lanier (Foto: vanz, Flickr über Wikipedia.de, CC-BY-SA)</figcaption></figure>
<h2>Ein  weltweites Vergütungssystem für die Auswertung von persönlichen Daten</h2>
<p>Werden z.B. Pflegeroboter konstruiert und eingesetzt, so sei deren praktisches Können vielen pflegenden Menschen abgeschaut, deren Wissen in zahlreichen Informationen gebündelt und zu einem Super-Ergebnis hochgerechnet und dann software-basiert im Roboter angewandt werde. Gerecht wäre es, pflegenden Menschen, deren Informationen man benutzt, Zahlungen – proportional zum Wert ihrer Informationen – zukommen zu lassen. Unsere Informationen, die „jedermann auf der ganzen Welt &#8230; Rechnern anvertraut“ (S. 18) – oft kritisiert Lanier die Tendenz zum Überwachungsstaat und zur Überwachungsindustrie! –, sollten in einer software-basierten Technologie der Zukunft durch ein Abrechnungssystem („Nanozahlungen“) sauber abgerechnet werden. Dazu gehört auch die allgemeine Einsicht, dass es im Internet nicht so viele Dienste wie bis bisher „umsonst“ (d.h. faktisch um den Preis des Ausspioniert Werdens!) geben kann. Lanier spricht von der „Versuchung der ‚Umsonst-Kultur‘ im World Wide Web“. Die Kleinstzahlungen würden sich summieren und die Menschen motivieren, „substantielle Beiträge zur Informationsökonomie zu leisten“ (S. 47). Darauf beruhe eine „Welt der digitalen Würde“, in der jeder Mensch „der kommerzielle Eigentümer aller seiner Daten, die sich aus seiner Situation oder seinem Verhalten ermitteln lassen“ (S. 46), bleibe.</p>
<h2>Gegen Fortschrittsgläubigkeit, für eine humanistische Ökonomie</h2>
<p>Lanier arbeitet erfolgreich und mit viel Spaß, wie er sagt, bei Microsoft – z.B. an der Entwicklung direkter Schnittstellen zwischen Computern und dem menschlichen Nervensystem.  Auch in einer „humanistischen Ökonomie“ (S. 362) der Zukunft hält er Konzerne als „Schwungräder“ und „Ballast einer Marktwirtschaft“ für nötig, weil sie „für ein gewisses Maß an Stabilität“ (S. 341) sorgen. Was er nicht will: dass Sirenenserver die Beiträge anderer zur Informationsökonomie sich kostenlos aneignen; dass eine breite Mittelschicht als – wie er sagt – „Gegengewicht“ zu den Sirenenservern verschwindet.  Er ist Humanist. Darum setzt er sich in seinen Büchern und Vorträgen unermüdlich für die Achtung des Menschen ein. Es dürfe keine Gesellschaft entstehen, die „das individuelle menschliche Tun ausblendet“ (S. 411).</p>
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		<title>Den Freiraum entdecken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reiner Zeyher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 15:59:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[Gebote]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetze]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Psalm]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich gab ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält. (Hesekiel 20,11)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Ich gab ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält. (Hesekiel 20,11)</p></blockquote></div>
<p>Gebote und Gesetze – von Gott gegeben als lebensdienlicher Rahmen für uns Menschen. Wenn ich den Blick auf unsere gesellschaftliche Wirklichkeit richte, dann nehme ich eine spürbare Differenz zu diesem lebensdienlichen Ziel wahr. Ein immer mehr an Gesetzen und Verordnungen erwecken den Eindruck, nicht wirklich dem Leben zu dienen, sondern es vielmehr im Keim zu ersticken. Mit einer wahren Gesetzesflut wird versucht, die immer komplexer werdenden gesellschaftlichen Prozesse zu regeln und zu ordnen.</p>
<p>Das Ergebnis ist vielfach nicht mehr Klarheit und Sicherheit, sondern eher Verunsicherung und Frustration. Die Angst, am Ende könnte ich für meine getroffene Entscheidung oder mein beherztes Handeln gerichtlich belangt werden, ist groß und wächst merklich an. Und diejenigen, die in Leitungsverantwortung stehen, haben das Gefühl, in der Umsetzung von neuen Datenschutzrichtlinien und Sicherheitsbestimmungen oder dem Abfassen von Stellungnahmen neuer Durchführungsverordnungen und Gesetzesänderungen nicht mehr wirklich zu dem zu kommen, was ihr Kerngeschäft ist.</p>
<p>Um es gleich zu sagen: Mir geht es in allem nicht darum, die Notwendigkeit eines Rechtsrahmens in Frage zu stellen. Gerade eine ausdifferenzierte und plurale Gesellschaft ist darauf angewiesen, sich einen Ordnungsrahmen zu geben, der das Miteinander verlässlich und für alle transparent regelt. So ist es im ethischen Bereich unerlässlich, genau hinzuschauen, wo die Grenze verläuft, um die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen zu garantieren. Im Kontext des demographischen Wandels hin zu einer Alternsgesellschaft des langen Lebens wird das sehr konkret. Es verbirgt sich unter dem inzwischen geflügelten Wort vieler Vorträge: „In Würde altern“ so, als ob dem Menschen mit und im Alter die Würde abhanden oder verloren gehen könnte. Eher umgekehrt ist es wichtig, sich um des Menschen willen dafür einzusetzen, dass die Würde auch für Menschen im hohen Alter – und seien diese noch so dement – unverlierbar und zu schützen ist.</p>
<p>Ich plädiere für ein Umdenken im Sinne des Bibelworts aus Hesekiel. Nicht die Summe der Gesetze steht für ihre Lebensdienlichkeit. Im Gegenteil: sie bringt uns in ihrer Fülle eher weiter weg vom Ziel. Sondern die innere Haltung ist es, die nicht beim bloßen Gesetz stehen bleibt, sondern die weiter und tiefer sieht ganz im Sinne des Jesusworts aus dem Markusevangelium: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen“. Nicht ohne Grund heißt es deshalb bei Hesekiel: Meine Gebote und meine Gesetze. Das Possessivum gibt die Richtung an. In ihm wird diese lebensdienliche Haltung explizit zum Ausdruck gebracht und zugleich jeder Gesetzlichkeit widersprochen so, als ob der Mensch, wir selbst, durch das strikte und rechtschaffene Halten der Gebote und Gesetze leben würden. Und als ob es das ist, was Gott von uns im Letzten fordert um des Lebens willen.</p>
<p>Von Martin Luther stammt das geflügelte Wort: Pecca fortiter! – sündige tapfer!“ Im Kontext des Reformationsjubiläums 2017 ist es gut, sich daran erinnern zu lassen. Luther wollte – ganz im Sinne seiner Rechtfertigungslehre – deutlich machen, sich ganz auf Gott zu verlassen und aus seinem Erbarmen heraus zu leben. Um diese Haltung des Erbarmens geht es. Sie lebt gerade nicht daraus, den Gesetzen und Geboten das letzte Wort zu geben und auch zu lassen, sondern das vorletzte. So dienen sie letztlich dem Leben, weil sie uns einen freien Raum eröffnen – wohl gemerkt: keinen rechtsfreien, aber einen Raum innerer Freiheit im Umgang mit den Gesetzen und Vorschriften dieser Tage, die so erbarmungslos daher zu kommen scheinen. Und des Herrn Wort geschah zu mir: „Ich gab ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält“.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Menschen verbinden, Orientierung geben</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/20-jahre-stiftung-weltethos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Schlensog]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 15:58:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Küng]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftung Weltethos]]></category>
		<category><![CDATA[Weltethos]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreligionen]]></category>
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					<description><![CDATA[„Diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“ Dieses Zitat des Theologen Hans Küng umreißt die Mission der von ihm 1995 gegründeten „Stiftung Weltethos“. Wo steht das Projekt heute?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“ Dieses Zitat des Theologen Hans Küng umreißt die Mission der von ihm 1995 gegründeten „Stiftung Weltethos“. Wo steht das Projekt heute?</p></blockquote></div>
<p>Es geht der Stiftung nicht – wie in manchen uninformierten Kreisen bis heute kolportiert – um Vereinheitlichung oder Gleichmacherei zwischen den Religionen, sondern es geht um interreligiösen Dialog als Voraussetzung für Verständigung und Frieden. Und es geht um Werte, die in allen großen religiösen und humanistischen Traditionen seit Jahrtausenden im Mittelpunkt stehen und die bis heute Voraussetzung gelingenden Miteinanders sind – ob in einer Familie, einem Kindergarten, einer Schule, einem Unternehmen oder in der Zivilgesellschaft überhaupt.</p>
<h2>Von der Idee zur Stiftung</h2>
<p>Was zunächst als Arbeitshypothese des in Tübingen lebenden Schweizer Theologen Hans Küng formuliert wurde  – erstmals vorgestellt 1990 in seinem Buch <em>Projekt Weltethos</em> –, erhielt schon kurze Zeit später internationale Anerkennung über die Grenzen der Religionen und Kulturen hinweg: 1993 verabschiedete das „Parlament der Weltreligionen“ in Chicago die „Erklärung zum Weltethos“, in der – inspiriert von Hans Küngs „Projekt Weltethos“ – jene Prinzipien und Werte als Kern einen „Weltethos“ formuliert wurden, die religiöse wie nichtreligiöse Menschen verbinden und die bis heute nichts von ihrer Relevanz eingebüßt haben: die Prinzipien „Menschlichkeit“ und die erstmals vom chinesischen Weisen Konfuzius formulierte „Goldene Regel“ (oft verwechselt mit Kants „kategorischem Imperativ“) und – daraus abgeleitet – die Werte „Gewaltlosigkeit“, „Gerechtigkeit“, „Wahrhaftigkeit“ und „Partnerschaft“.</p>
<p>Zwei Jahre später konnte dank des Engagements des Baden-Badener Unternehmers Karl Konrad Graf von der Groeben die Tübinger Stiftung Weltethos gegründet werden (vgl. <a href="http://www.weltethos.org">www.weltethos.org</a>). Die Stiftung ist der mit obigem Küng-Zitat skizzierten Programmatik verpflichtet: Vermittlung von Werten und interkultureller Kompetenz auf Grundlage eines gemeinsamen Menschheitsethos, eines Weltethos. Angesichts der Vielzahl globaler und lokaler politischer, religiöser und wirtschaftlicher Herausforderungen, vor denen unsere Weltgesellschaft heute steht, und angesichts von fast täglich aufgedeckten Skandalen mit explizit ethischer Dimension werden Notwendigkeit und Relevanz dieses Stiftungsauftrags heutzutage kaum zu bezweifeln sein. Die Frage ist, inwieweit die Stiftung Weltethos diesen Auftrag auch tatsächlich erfüllt.</p>
<h2>Kleine Stiftung mit großem Programm</h2>
<p>Eines vorweg: Im internationalen Maßstab ist die Stiftung Weltethos eine winzige NGO mit sehr überschaubaren Mitteln. In Tübingen arbeiten derzeit an zwei Standorten acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Deputaten, zudem einige Hilfskräfte und Praktikanten; in Berlin betreibt die Stiftung ein Büro mit einer Teilzeitstelle. 2012 konnte dank der Unterstützung der Aichtaler Karl Schlecht Stiftung zudem das Weltethos-Institut an der Universität Tübingen gegründet werden, wo ebenfalls fünf Festangestellte und einige studentische Hilfskräfte tätig sind. Während man sich im Weltethos-Institut auf Fragen der Wirtschafts- und Globalisierungsethik konzentriert, ist die Stiftung Weltethos – neben Forschung, Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit – in vier Arbeitsfeldern operativ tätig: ethische Bildung, Gewaltprävention, interreligiöse Bildungsarbeit, internationale Verbreitung. Innerhalb dieser Arbeitsfelder entwickelt die Stiftung eine Fülle von Aktivitäten und Projekten – teils allein, teils mit unterschiedlichen nationalen wie internationalen Kooperationspartnern.</p>
<p>Der Frieden beginnt im Kleinen, und die Grundlagen für ein Miteinander in gegenseitigem Respekt sollten schon möglichst früh gelegt werden. Deshalb ist ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Stiftung seit jeher die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Aber auch in der „Erwachsenenwelt“ gibt es zahllose Bereiche und Zielgruppen, für welche die Stiftung Initiativen und Projekte konzipiert und durchführt. Dabei kommt dem interreligiösen Dialog auf unterschiedlichen Ebenen und der internationalen Kooperation herausragende Bedeutung zu.</p>
<p>Folgende knappe Übersicht aktueller Initiativen und Projekte gibt einen ersten Eindruck vom vielfältigen Engagement:</p>
<h2>Weltethos in der Pädagogik</h2>
<p>Dieses zentrale Arbeitsfeld der Stiftung spielt sich faktisch auf zwei Ebenen ab: in den Schulen vor Ort und auf der Ebene der Schulbehörden.</p>
<ul>
<li>Für Schulen und Lehrkräfte vor Ort entwickelt und vertreibt die Stiftung Lernmedien, führt Lehrkräftefortbildungen und Schülerveranstaltungen durch und begleitet Weltethos-Projekte, die oft in Zusammenhang mit der Weltethos-Ausstellung (s.u.) an Schulen stattfinden.</li>
<li>Kontinuierlich kooperiert die Stiftung mit Schulbehörden bis hin zum Kultusministerium und entwickelt mit diesen Institutionen Projekte und Initiativen – unter anderem mit der Polizeidirektion Ludwigsburg ein Projekt zur Extremismus-Prävention an Schulen. Herausragend sind die Konzeption und der Start eines Projekts zur Extremismus-Prävention an Schulen, gemeinsam mit der Polizeidirektion Ludwigsburg, dem Verfassungsschutz und anderen Partnern, das zunächst an vier Schulen beginnen und dann auf weitere zehn Schulen ausgedehnt werden soll.</li>
</ul>
<h2>Weltethos-Schulen</h2>
<p>Weltethos-Schulen sind Schulen, die ihr pädagogisches Profil an der Weltethos-Programmatik ausrichten und eine Schulkultur im Sinne des Weltethos entwickeln wollen. Dieses 2014 begonnene Projekt entwickelt sich zu einem großen Erfolg:</p>
<p>Schon im ersten Projektjahr konnten 4 Schulen ausgezeichnet werden, im Folgejahr 2015 kamen – ohne Werbeanstrengung – 7 Schulen hinzu. Ende 2015 hat der Baden-Württembergische Kultusminister Stoch ausdrücklich den Erfolg und die Bedeutung dieses Projekts anerkannt. Die Stiftung berät diese Schulen auf ihrem Weg zur Auszeichnung, begleitet sie danach und vernetzt sie zum Erfahrungsaustausch und zur Verstetigung des Erfolgs. Im Rahmen ihrer personellen und finanziellen Möglichkeiten wird die Stiftung das Projekt weiter ausweiten.</p>
<h2>Weltethos und frühe Bildung</h2>
<p>Nicht zuletzt aufgrund zunehmender Migration entwickeln sich Kindergärten und Tagesstätten zu wichtigen Handlungsfeldern für die Stiftung Weltethos: Betreuungspersonal muss interkulturell qualifiziert und geschult werden, und die Weltethos-Programmatik erweist sich als praktikabler Ansatz, Kindern und deren Eltern kulturübergreifend Werte zu vermitteln und damit aktiv frühe Gewaltprophylaxe zu betreiben.</p>
<p>Gemeinsam mit dem Caritasverband Stuttgart und der St. Elisabeth Stiftung ist zudem ein Projekt in Arbeit, in dessen Rahmen zunächst vier interkulturelle Tagesstätten auf Grundlage der Weltethos-Programmatik entstehen sollen; später ist die Ausweitung auf zehn Tagesstätten geplant.</p>
<h2>Weltethos und Sport</h2>
<p>Seit 2013 ist die Stiftung Weltethos Partnerin des Deutschen Fußballbundes (DFB) und wirkt mit bei der Entwicklung von Konzepten zur Prävention von Gewalt und u.a. kulturell bedingter Diskriminierung unter Spielern wie Fans. Mit diesen Maßnahmen werden letztlich insgesamt 25.500 Vereine (mit 165.000 Mannschaften!) in Deutschland erreicht.</p>
<h2>Interreligiöser Dialog</h2>
<p>Im Rahmen der interreligiösen Bildungsarbeit ist der interreligiöse Dialog unverzichtbares Instrument zur Information, zum Abbau von Ressentiments und Vorurteilen und damit zum gesellschaftlichen Frieden. Dazu initiiert die Stiftung Begegnungstreffen der Religionen vor Ort, arbeitet an einem Projekt zur Initiierung von „Interreligiösen Räten“ in Städten und kooperiert mit nationalen und internationalen interreligiösen Organisationen.</p>
<p>Gesellschaftspolitisch immer wichtiger wird die Auseinandersetzung mit dem Islam als der größten in Deutschland ansässigen nichtchristlichen Religionsgemeinschaft. Dazu betreibt die Stiftung Bildungsarbeit mit Moscheegemeinden und islamischen Organisationen, führt Elternarbeit mit Muslimen im schulischen Bereich durch und kooperiert mit den universitären Islamzentren bundesweit.</p>
<p>In interkulturellen Fragen wird die Stiftung zudem von Bundes- und Landesministerien und anderen Behörden zu Rate gezogen. auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und vom Kultusministerium Baden-Württemberg geschätzt und zu Rate gezogen. Gute Kontakte bestehen zum Bundespräsidialamt und zum Ministerpräsidenten von Baden Württemberg sowie zum Innenministerium, Integrationsministerium und Justizministerium Baden-Württemberg</p>
<h2>Allgemeine Bildungsarbeit</h2>
<p>Für das allgemeine und das fachlich interessierte Publikum bietet die Stiftung kontinuierlich unterschiedlichste Bildungsformate zu verschiedenen Aspekten der Weltethos-Thematik an. Dabei erweist sich die von der Stiftung vor vielen Jahren konzipierte Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ als bewährtes didaktisches Medium. 2015 wurden insgesamt 282 Bildungsveranstaltungen durchgeführt und die Weltethos-Ausstellung wurde an 39 Orten gezeigt; sie kann bei der Stiftung in unterschiedlichen Formaten erworben oder ausgeliehen werden.</p>
<h2>Internationale Kooperationen</h2>
<p>Herausragende Beispiele internationaler Kooperation sind derzeit zwei pädagogische Weltethos-Projekte in Hong Kong (mit dem „Institute for Sino-Christian Studies“ und mit Schulbehörden) und in Indien (mit der „SREI Foundation“ in Kalkutta). In beiden Fällen geht es um die Adaption und die Implementierung von Lernmedien der Stiftung Weltethos für den jeweiligen nationalen und kulturellen Kontext. Die Erfahrungen aus diesen multireligiösen Kontexten geben wichtige Hinweise auf Praktikabilität und Potenzial des Weltethos-Konzepts und helfen der Stiftung, andernorts und vor allem bei uns in Deutschland entsprechende Projekte effizient und wirksam zu entwickeln. Zudem begleitet und unterstützt die Stiftung Weltethos-Initiativen und -Organisationen in mehreren Ländern: in der Schweiz, in Österreich, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Italien, Luxemburg, Kolumbien und Mexiko.</p>
<h2>Zum Schluss</h2>
<p>Diese wenigen holzschnittartigen Ausführungen müssen hier genügen, um zumindest einen Eindruck davon zu vermitteln, wohin sich die Stiftung Weltethos in den zwanzig Jahren ihres Bestehens entwickelt hat, was sie will und was ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute tun. 18 Jahre hat Hans Küng die Stiftung erfolgreich als Präsident geleitet, bis er sich schließlich 2013 mit 85 Jahren aus Gründen seines Alters und seiner eingeschränkten Gesundheit zurückziehen musste und wollte. Sein Nachfolger, der Jurist Eberhard Stilz, Präsident des Verfassungsgerichtshofs Baden-Württemberg, setzt diese Arbeit ebenso erfolgreich im Geiste von Hans Küng fort.</p>
<p>Viele Menschen fragen, ob und wie sie an unserer Arbeit teilhaben oder wie sie uns unterstützen können. Teilhaben kann man zunächst, indem man sich für uns und unsere Arbeit interessiert: Besuchen Sie unsere Website <a href="http://www.weltethos.org">www.weltethos.org</a> (dort auch ein Online-Shop mit Medien und Materialien) oder besuchen Sie uns auf Facebook (<a href="http://www.facebook.com/stiftungweltethos">www.facebook.com/stiftungweltethos</a>). Besuchen Sie außerdem unsere Veranstaltungen, soweit möglich auch die des Weltethos-Instituts in Tübingen, und überlegen Sie vor allem, ob und wie Sie das Thema „Weltethos“ in ihrem persönlichen Umfeld, in Schulen, Kirchengemeinden und anderswo aufgreifen, verbreiten und umsetzen können.</p>
<p>Was die konkrete Unterstützung betrifft, so möchte ich in erster Linie auf unsere finanzielle Situation verweisen: Unsere Stiftung hat mit gut 4 Mio. EUR ein für eine so aktive Stiftung sehr überschaubares Kapital, von dem sie zudem nur die Erträge verwenden darf. Zur Aufrechterhaltung unseres Betriebs und zur Realisierung des Großteils unserer Projekte sind wir zudem auf Spenden und Projektsponsoring angewiesen. Jede auch noch so kleine Spende ist uns eine Hilfe! Für Nachlässe versprechen wir eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung mit unserem Einsatz für Wertevermittlung sowie Verständigung und Frieden zwischen den Religionen und Kulturen.</p>
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		<title>Von Bibelschmugglern und Geheimprotestanten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 15:57:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Ausflüge]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Jahr 2008 hat die evangelische Kirche in Österreich den „Weg des Buches“ eröffnet. Wanderer und Pilger können auf ihm eine abenteuerliche Seite der Reformationsgeschichte entdecken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Jahr 2008 hat die evangelische Kirche in Österreich den „Weg des Buches“ eröffnet. Wanderer und Pilger können auf ihm eine abenteuerliche Seite der Reformationsgeschichte entdecken.</p></blockquote></div>
<p>Neun Mal im Sommer nimmt Jakob Forstnig, Hotelier des Trattlerhofs in Kärnten, seine Gäste auf die Sonnenaufgangswanderung mit. Als ein „super Erlebnis“ beschreibt er die Tour, die von Bad Kleinkirchheim auf die nahegelegene Falkertspitze führt. Was die TeilnehmerInnen dabei erleben, das beinhaltet alles, was für den Hotelier zu einem gelungenen Urlaub gehört: neben der Erholung in der Natur sollte nämlich auch die spirituelle Erfahrung nicht zu kurz kommen.</p>
<p>Gelegenheit dazu bietet sich im Herzen von Kärnten reichlich. Auf der Tour zur Falkertspitze kreuzt man auch den „Weg des Buches“. Und für den interessieren sich vor dem Reformationsjubiläum im Jahr 2017 immer mehr Menschen. Dabei geht es nämlich um die Bibel, die Martin Luther ins Deutsche übersetzt hatte. Und dieses Buch selber zu lesen, das galt im 16. Jahrhundert in Zeiten der Gegenreformation in Österreich als revolutionär. Denn viele Menschen lernten durch die Bibellektüre das Lesen und wurden darüber auch zu Protestanten. Das war nicht im Sinne der katholischen Obrigkeit. Wer in Österreich nicht wieder katholisch werden wollte, musste seinen Glauben im Geheimen praktizieren oder emigrieren. Auf abenteuerlichen Wegen wurden Lutherbibeln, Gesang- und Gebetsbücher nach Österreich auch in entlegene Bergtäler geschmuggelt. Wer erwischt wurde, musste mit harter Strafe rechnen.</p>
<p>Im Jahr 2008 hat die evangelische Kirche in Österreich den „Weg des Buches“ eröffnet. Er führt auf den Spuren der Bibelschmuggler und Geheimprotestanten von Schärding an der bayerischen Grenze über das Salzkammergut, den Dachstein und die Kärntner Nockberge bis an die slowenische Grenze. Eine Station auf den traditionellen Handelswegen ist seit jeher der Trattlerhof, der eine fast 500-jährige Geschichte als Unterkunft sowie als Pilgerherberge hat. Dieser Tradition der Gastfreundschaft fühlt sich Hotelier Jakob Forstnig verpflichtet. Vor mehr als 130 Jahren hat die Familie Forstnig das einfache Wirtshaus „Trattlerkeusche“ zu einem Vier-Sterne-Hotel entwickelt. Jakob und seine Frau Birgit sind die fünfte Generation der Hoteliersfamilie.</p>
<p>„Auch wenn wir ein traditionelles Haus sind, wollen wir Vorreiter sein“, sagt Jakob Forstnig. Dazu gehört Nachhaltigkeit. Das österreichische Umweltsiegel hat der Trattlerhof schon, der Blaue Engel kommt dazu. Als einziges Hotel in Österreich stellt der Trattlerhof seinen Gästen ein CO2-Zertifikat aus für die CO2-Einsparung während ihres Urlaubs. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, so der Hotelier.</p>
<p>Das will er auch mit seiner monatlichen Vortragsreihe „Impuls am Berg“, die bald zum 50. Mal stattfindet, und den regelmäßigen Weinverkostungen. Einen eigenen Reitstall mit Pony-Farm bietet das Hotel seinen Gästen ebenfalls. Und neben seinem Hüttenrestaurant „Einkehr“ will Forstnig Hof-Chalets im Kärtner-Stil bauen, ein Art Feriendorf im Ort.</p>
<p>Im vergangenen Jahr wurde der Trattlerhof zur Pilgerherberge beim ökumenischen österreichischen Pilgersymposion. Die Gäste kamen aus Österreich und Deutschland, darunter auch etwa ein Dutzend Pfarrerinnen und Pfarrer aus Hessen-Nassau. Unter dem Motto „Pilgern – Gesundheit für Körper und Seele“ wurde auch der „Weg des Buches“ erkundet. Für kommenden Herbst ist ein weiteres Symposion geplant.</p>
<p>Eine führende Rolle dabei hat Jakob Forstnigs Freund Robert Graimann. Der passionierte Wanderer hat nicht nur ein Wanderbuch für Körper und Seele mit dem Titel „Wandern fürs Gemüt“ verfasst, sondern ist in Österreich Ansprechpartner für den „Weg des Buches“. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Pilgerangebote für 2016 mit geführten Wanderungen.</p>
<p>Anfragen aus Deutschland für Wandertouren auf dem „Weg des Buches“ liegen schon für 2017 vor. Das nächste Pilgersymposium ist vom 27. bis 30. Oktober 2016. Wanderungen zum Weg des Buches werden ab Mai angeboten. Ein Ausgangspunkt ist dabei der Trattlerhof.</p>
<p>Informationen unter <a href="http://www.trattlerhof.at"><em>www.trattlerhof.at</em></a> und <a href="http://www.wegdesbuches.at"><em>www.wegdesbuches.at</em></a> sowie <a href="http://www.spirituell-wandern.at"><em>www.spirituell-wandern.at</em></a></p>
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		<title>Theologie und Mathematik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 15:57:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 26. Jahrgang, Heft 2, Mai 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Axiome]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Mathematik]]></category>
		<category><![CDATA[Rechnen]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Statistik und weltanschaulicher Glaube haben mehr gemeinsam als weithin gedacht. Dass dem so ist, zeigt sich in den Grundlagenproblemen und in den Anwendungen der Mathematik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Statistik und weltanschaulicher Glaube haben mehr gemeinsam als weithin gedacht. Dass dem so ist, zeigt sich in den Grundlagenproblemen und in den Anwendungen der Mathematik.</p></blockquote></div>
<p>Zwei und zwei ist vier. Das lernt man in der Schule. Das Interessante ist allerdings, dass in der Mathematik so vieles Glaubenssache ist. Neben axiomatisch, begründungslos vorgefügte Sätze treten Konventionen, Übereinkünfte, Gewohnheiten. Und die „Kunst des Ratens“ und Vorhersagens.</p>
<p>1) Woher ist zu wissen, dass jemand richtig rechnet? Dass jemand verstanden hat, was Addieren ist? Die Frage stellt sich nicht erst, wenn es um die Berechnung eines stabilen Brückenpfeilers geht.</p>
<h2>A. Das Vorgehen in der Mathematik</h2>
<p>„Löse das folgende Rechenexempel: Zähle ab tausend immer zwei hinzu [1000 + 2 + 2 …]. – Ein Kinderspiel! – Notiere die Reihe, die du erhältst. Nun, wie wahrscheinlich ist es, dass deine Reihe mit meiner übereinstimmt? An welcher Stelle können wir mit dem Vergleichen abbrechen?“</p>
<p>„Mathe mochte ich nie“, lautet vielleicht die Antwort, „aber fangen wir einfach an.“ Wir kommen bis 1030, bis das Blatt zu Ende ist. Das Gegenüber schaut auf meine Zahlenreihe. Alles gleich. „Okay, ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Reihe genau gleich aussehen wird.“</p>
<h2>Mathematische Schlussketten</h2>
<p>Mathematisches Vorgehen ist wesentlich durch Schlussketten bestimmt. Aus eins folgt zwei. Zwei und zwei ist vier. Tausend plus zwei macht 1002. [Usw. usf.] Zählen und Addieren, Ableiten und Abgleichen sind zentrale Vorgänge. Man legt das eine zum Grunde, aus dem das andere folgt. Mathematik gilt wohl nicht von ungefähr als Grundlagenmethode der Naturwissenschaft. Sie wird sogar zum Brötchenholen beim Bäcker irgendwie gebraucht.</p>
<p>2) Es heißt: Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das schließt das Rechnen mit Unbekannten jedoch nicht aus. Im Gegenteil. Zur Mathematik gehört neben Arithmetik (Rechnen mit Zahlen) ja ebenso das Rechnen mit Variablen (Rechnen mit Buchstaben) in der Algebra; asymmetrische Figuren in der Geometrie, Mengenlehre, Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Stochastik…</p>
<p>„1030, 1032, 1034.“ Man kann sich Mathematiker vorstellen, die beim obigen Rechenexempel noch nicht zufrieden sind und weiter zählen. Wer weiß, ob man der Sache trauen darf… Ein anderer dagegen hätte vielleicht schon bei 1014 aufgehört. Ob es genügen würde nur bis 1002 zu zählen? Oder ist es notwendig bis, sagen wir, zumindest 1070 abzuzählen, bis 4002 oder nicht eigentlich bis man wenigstens über die 7037 hinausgekommen ist?</p>
<p>Nun denn, ich würde sagen, ab 1020 ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. „Wie hoch?“ – Ich mustere scharf mein Gegenüber…</p>
<h2>Mathematik als Regelfolgen</h2>
<p>3) Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) hat mit derartigen Gedankenspielen die Regeln der Mathematik herauszuarbeiten versucht. Er kam zu erstaunlichen Ergebnissen. Wie in den Texten, die aus dem Nachlass als <em>Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik </em>(BGM) erschienen sind. Die Überlegungen stehen am Übergang von Wittgensteins Frühphilosophie zu seinem Spätwerk. Sie bereiten seine „Sprachspiel“-Konzeption und die weiteren Entscheidungen der späteren <em>Philosophischen Untersuchungen </em>vor.</p>
<p>„‘[…] willst du sagen, dass der Ausdruck ‘+2‘ es für dich zweifelhaft lässt, was du, nach 2004 z.B., schreiben sollst?‘ – Nein“; „ich weiß doch auch, dass, welche Zahl immer man mir geben wird, ich die folgende gleich mit Sicherheit werde angeben können.“ (BGM I,3) Der „Schüler“ kennt also die Regelhaftigkeit, die mit dem Ausdruck „+2“ verbunden ist. Wann immer ihm dies unterkommt, wird er so verfahren. <em>Er weiß, was zu tun ist.</em></p>
<p>Dieses Regelwissen ist schlicht aus Ableitung und Nachahmung gewonnen. „Was heißt es nun, dass sich ein Satz aus einem andern, vermittels einer Regel, ableiten <em>lässt?“, </em>fragt Wittgenstein (BGM I,7) und gibt die Antwort: „Wenn wir das Tun eines Menschen, z.B. durch eine Regel beschreiben, so wollen wir, dass der, dem wir die Beschreibung geben, durch Anwendung der Regel wisse, was im besonderen Fall geschieht.“ (BGM III,8) In diesem Sinne legen dann etwa die Grundrechenarten (Addieren, Dividieren, …) bestimmte Anwendungen fest. Mathematik besteht ganz wesentlich aus Regelfolgen.</p>
<h2>Mathematische Sätze sind grammatische Sätze (Wittgenstein)</h2>
<p>4) Eines der erstaunlichen Ergebnisse Wittgensteins lautet daher, dass mathematische Sätze den Rang von grammatischen Aussagen haben. Wittgenstein stellt sich damit gegen die landläufige Vorstellung, dass mathematische Sätze aus sich selbst heraus feststünden und wahr wären, sich aus sich selbst heraus ohne Vorannahmen als richtig erweisen ließen. Grammatische Sätze werden vielmehr, wie Anja Weiberg (in dem Aufsatzband „Ein Netz von Normen“, Wittgenstein und die Mathematik, herausgegeben von M. Kroß, Berlin 2008) darstellt, in letzter Hinsicht nicht eigentlich als wahr erwiesen, sondern einfach als wahr und treffend <em>angenommen</em>. Sie gelten als die – unhinterfragte – „Basis eines Wissenskörpers“. Dass das für die Mathematik der Fall ist, wird schon am Beispiel des schlichten Rechenunterrichts erkennbar. Weiberg zitiert die einschlägige Wittgenstein-Passage: „Bedenken wir, wir werden in der Mathematik von <em>grammatischen </em>Sätzen überzeugt; der Ausdruck, das Ergebnis, dieser Überzeugtheit ist […], dass wir <em>eine Regel annehmen.“ (BGM II,26) </em></p>
<p>Das stimmt, erläutert Wittgenstein, indem er auf die paradigmatische Situation hinweist, in der jemand zum Zählen angeleitet wird. In Europa wird dabei heute meist das Dezimalsystem verwendet (mit den Ziffern 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9), statt etwa des alten römischen Zahlensystems (I, V, X, L, C, D, M). Mathematische Notwendigkeiten hierfür gibt es nicht. Eher Gründe der Pragmatik: „Zählen (und das heißt: <em>so </em>zählen) ist eine Technik, die täglich in den mannigfachsten Verrichtungen unseres Lebens verwendet wird. Und darum lernen wir zählen, wie wir es lernen: mit endlosem Üben, mit erbarmungsloser Genauigkeit; darum wird unerbittlich darauf gedrungen, dass wir Alle auf ‘eins‘ ‘zwei‘, auf ‘zwei‘ ‘drei‘ sagen, u.s.f. – ‘Aber ist dieses Zählen also nur ein <em>Gebrauch; </em>entspricht dieser Folge nicht auch eine Wahrheit? ‘ Die <em>Wahrheit </em>ist, dass das Zählen sich bewährt hat.“ (BGM I,4)</p>
<h2>Mathematik gleicht der Theologie</h2>
<p>5) Im Hintergrund steht bei Wittgenstein auch die Auseinandersetzung mit dem berühmten  <em>Unvollständigkeitssatz</em> Kurt Gödels von 1931, der besagt, dass es in einem hinreichend komplexen Satzsystem stets Aussagen gibt, die aus dem System selbst heraus nicht zu beweisen sind.</p>
<p>6) Indem Wittgenstein nun also feststellt, dass mathematische Sätze <em>grammatische</em> Sätze sind, wird zugleich deutlich, dass mathematische Sätze denselben Status wie <em>theologische</em> Sätze aufweisen. Das gilt, weil Mathematik wie Theologie eine Art Regelwerk für ihr Wissensgebiet bereitstellt. Grammatik ist ein Set von Regeln. – Falls Wittgenstein damit recht hat, und da er an anderer Stelle <em>Theologie als Grammatik</em> charakterisiert (vgl. aspekte 1/2015), lässt sich aus dieser Perspektive (Mathematik ist Grammatik; Theologie ist Grammatik) in einem einfachen Schlussverfahren folgern: Mathematik ist Theologie. Durchaus erstaunlich!</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Gemeinsamkeit von Theologie und Mathematik liegt darin, dass beide wie in einer Schulgrammatik Regeln formulieren.</p></blockquote></div>
<h2>Theologie ist Mathematik</h2>
<p>Dass Mathematik der Theologie gleicht, meint nun freilich nicht die Inhalte, sondern die <em>Funktion der Sätze</em>. Mathematische Sätze stellen Regeln auf. Zum Beispiel, zwei und zwei gibt vier. Auch theologische Sätze stellen Regeln auf. Zum Beispiel, es ist gut und richtig, andern Menschen beizustehen (vgl. Mt 7,12 par). <em>Die Gemeinsamkeit von Theologie und Mathematik liegt darin, dass beide wie in einer Schulgrammatik Regeln formulieren.</em> Und es ergibt sich aus der Feststellung ‘Mathematik ist Theologie‘ sogleich der direkte Umkehrschluss: Theologie ist wie Mathematik. Das ist vielleicht auch bedenkenswert…</p>
<h2>Rechne so!</h2>
<p>7) Der mathematische Grundsatz lautet: Rechne so! Das unterscheidet ihn in keiner Weise von einem Theologischen. „Rechne so!“, heißt: „Befolge diese Regel“, wenn du dies oder das erreichen willst. Es enthält zugleich die Folge: Rechne mit diesem Ergebnis, wenn du jene Aufgabe auf solche Weise angehen wirst. „In der Mathematik gibt es keine Überraschungen“, sagt Wittgenstein. Und wenn man richtig rechnet, behält er natürlich Recht.</p>
<h2>B. Damit ist zu rechnen – Anwendungen</h2>
<p>Wie wir bereits bemerkt haben, findet Mathematik nicht nur auf dem Papier, sondern in den mannigfaltigsten Tätigkeiten des Lebens statt. Wittgenstein nennt das Beispiel von Dampfkesseln, deren Konstruktion man in der Regel lieber berechnet, damit nichts explodiert. Heutzutage aber lässt man meistens rechnen, mit Computern, mit ausgeklügelten Algorithmen. Zum Beispiel um zu wissen, wann der Junior als Mitversicherter der KFZ-Police voraussichtlich den ersten Kratzer im Autolack oder einen Totalschaden fabriziert. Um den Tarif rechtzeitig anzupassen. (So rechnen Algorithmen der Versicherungen und Assekuranzen.)</p>
<p>Die Berechenbarkeit der Dinge steigt mit Algorithmen beinah ins Unermessliche, erst recht bei den heutigen Rechnerleistungen. Ein Ausflug in Stochastik und Analysis mag zum Abschluss dafür einige Anwendungen zeigen. Ein Algorithmus ist dabei im Wesentlichen nichts anderes als eine festgelegte Abfolge von Einzelschritten einer Rechnung, mit anderen Worten, eine Regel: Eine – ausdifferenzierte – Regel zum Vorausberechnen beliebig gestellter Aufgaben.</p>
<h2>Vorhersehung durch Multiplikation?</h2>
<p>1) Endlos lange Zahlenkolonnen: Neben Arithmetik oder Algebra behandelt Mathematik Ableitungen, Funktionen sowie Grenzwerte in der <em>Analysis</em>. (Hier werden nebenbei so ungewöhnliche Tätigkeiten wie „Rechnen mit Null“ oder „Rechnen mit Unendlichkeit“ in großer Ausführlichkeit gelehrt und praktiziert.) Die Analysis hat es insbesondere mit Änderungen im Verlauf, Reihen und dem Errechnen von Grenzwerten zu tun: Wie etwas unter welchen Bedingungen verläuft und bis wohin, das lässt sich durchaus ausrechnen.</p>
<p>2) Ist damit der leistungsstarke Computer durch pures „Hochrechnen“ in der Lage, mehr zu wissen als der Mensch? Kann er in die Zukunft schauen? Durch einfaches Vorausberechnen? Entwickelt sich durch fortgesetztes Addieren, Multiplizieren, Potenzieren … höhere Intelligenz? Und: Wenn Mathematik als Grammatik aufzufassen ist (zeitweise spricht der Logiker Wittgenstein anstelle von Grammatik von „Kalkül“), können Computer dann auch sprachlich denken? Und wie wollte man entscheiden, ob das stimmt?</p>
<h2>Statistik und die Kunst des Ratens</h2>
<p>3) Im Rechenexempel der Zahlenreihe 1000, 1002, 1004 [1000 +2 +2 …] hatten wir gesehen, dass die Lösung einer mathematischen Aufgabe manchmal von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängt. Wenn ich wissen möchte, ob jemand richtig rechnet, ob er die Formel oder das Exempel verstanden hat, die Regel also richtig anwendet, vergleiche ich die Ergebnisse. Wenn zwei sich gut kennen, würde da vielleicht ein Vergleich der Reihe bis 1004 genügen. „Gut, ich sehe, du weißt, was ich meine, wenn ich sage: ‘Addiere zu tausend immer zwei‘“. Womöglich hätte man nicht einmal mit Abgleichen begonnen. (Man denke an zwei studierte Mathematiker.) Doch wie steht es beim Lehrer und dem Schüler; bei Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen (wo evtl. nur auf 0 und 1 gezählt wird), die sich erst seit kurzem oder gar nicht kennen; beim Polizisten, der den Autofahrer mit Alkoholfahne anspricht… Antwort: Es ist eine Frage der statistischen Bewertung.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Mit Bohnen darf man Zählen lernen. Mit Quarks hingegen nicht.</p></blockquote></div>
<p>4) Die beiden Teilgebiete der Wahrscheinlichkeit und der Statistik behandelt die Mathematik in der <em>Stochastik</em>. Der Begriff Stochastik kommt aus dem Griechischen und meint „die Kunst des Ratens“. Es geht hier also um das Vorhersagen. Wahrscheinlichkeitsrechnung ist beispielsweise für die moderne Quantenwelt wichtig. Denn Elementarteilchen lassen sich gerade nicht so einfach zählen, sondern oft nur nach Wahrscheinlichkeit voraussagen.</p>
<h2>Statistik: Eins und eins zusammenzählen</h2>
<p>„Lege 2 Äpfel auf die leere Tischplatte, schau dass niemand in ihre Nähe kommt und der Tisch nicht erschüttert wird; nun lege noch 2 Äpfel auf die Tischplatte; […] das Ergebnis der Zählung ist wahrscheinlich 4. […] – So lernen ja die Kinder bei uns rechnen, denn man lässt sie 3 Bohnen hinlegen und noch 3 Bohnen und dann zählen, was da liegt. Käme dabei einmal 5, einmal 7 heraus (etwa darum, weil, <em>wie wir jetzt sagen würden,</em> einmal von selbst eine dazu-, einmal eine wegkäme), so würden wir zunächst Bohnen als für den Rechenunterricht ungeeignet erklären.“ (BGM I,37; zitiert nach Weiberg). Meistens ist der Rechenunterricht – sogar wenn Kinder beteiligt sind – mit Bohnen aber durchaus zielführend. Dasselbe gilt mit kleinen Einschränkungen für Äpfel und mit noch weiteren kleinen Einschränkungen für Bonbons.</p>
<p>5) Mit Bohnen darf man also zählen. Mit Quarks, Elektronen und anderen Elementarteilchen hingegen nicht, sagt uns die moderne Physik – jedenfalls nicht ohne die Kunst des Ratens und Vorhersagens. „Göttliche Vorsehung“ und Mathematik…</p>
<h2>Vorsehung und Mathematik</h2>
<p>6) Apropos Gottesattribute in der Mathematik: Von den großen Suchmaschinen wird häufiger gesagt, dass sie gottähnliches Wissen anhäufen. Der Aufsichtsratschef des US-Konzerns Alphabet (vormals Google) sagt: Wir wissen ziemlich genau, was unsere Nutzer gerade denken. Und Suchmaschinen werden von einem Großteil der Bevölkerung genutzt. Doch nicht nur in der Internetkommunikation wird fleißig hochgerechnet. Es geht viel einfacher: Auch in den Neurowissenschaften wird den Leuten in den Kopf geschaut. Die Max-Planck-Gesellschaft meldete 2015: „Der Weg zum Schaltplan des Gehirns ist frei.“ Nach der Entschlüsselung des Genoms ist die Entschlüsselung des Konnektoms („Schaltplan des Gehirns“) nicht mehr in weiter Ferne. An der Universität Berkeley wurden 2012 in einem Experiment die menschlichen Gedanken durch Computermessung „hörbar“ und damit rekonstruierbar gemacht. Ein Mix solcher Forschungen (zu Hirnforschung und Big Data vgl. Klaus Müller in: concilium Heft 4, 2015) ermöglicht dann vielleicht auch weitere Verfeinerungen der vorhandenen Instrumente in der Optogenetik (Steuerung von Hirnzellen per Licht, „Methode des Jahres“ 2010) oder der Sonogenetik (Steuerung per Ultraschall).</p>
<p>Mit den entsprechenden Rechenoperationen und der dazugehörigen Technik ist daher davon auszugehen, dass Folgendes schon heutzutage möglich ist:</p>
<ul>
<li>mit hoher Wahrscheinlichkeit „raten“, was jemand beliebiges gerade denkt</li>
<li>daraus folgern, was jemand als nächstes tut</li>
<li>und manches mehr</li>
</ul>
<p>Es ist damit zu rechnen, dass diese lustigen Rechenoperationen gelegentlich angewandt werden.</p>
<h2>Schluss</h2>
<p>7028, 7030, 7032, … Wie wahrscheinlich es wohl ist, dass deine Zahlenreihe (bei „+2“) genau so aussehen wird?</p>
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