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	<title>evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Ingrid Strobl: Vermessene Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 12:19:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Das neuste Buch von Ingrid Strobl ist der Versuch, sich selbst zu erkennen, ihren ehemaligen Unterstützer*innen die Wahrheit über einen Wecker einzugestehen und den Leser*innen den verschlossenen Kosmos Knast transparent zu machen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Strobl_Zeit.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-5770 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Strobl_Zeit-180x300.jpg" alt="" width="180" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Strobl_Zeit-180x300.jpg 180w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Strobl_Zeit.jpg 300w" sizes="(max-width: 180px) 100vw, 180px" /></a>Edition Nautilus 2020, 192 S., 18,00 EUR</strong></p>
<p>Das neuste Buch von Ingrid Strobl ist der Versuch, sich selbst zu erkennen, ihren ehemaligen Unterstützer*innen die Wahrheit über einen Wecker einzugestehen und den Leser*innen den verschlossenen Kosmos Knast transparent zu machen, in dem die Zeit eine „vermessene“, weil bis in die persönlichsten Verrichtungen hinein von den Taktvorgaben anderer bestimmte ist. Wo, möchte man alttestamentarisch sarkastisch sagen, „alles seine Zeit hat“, von der Erlaubnis, ein Fenster für frische Luft zu öffnen bis zur Körperdusche zusammen mit und unter der strengen Aufsicht anderer. Aber ihre Absicht ist nicht die späte Abrechnung mit der „Klassenjustiz“ einer vermeintlich „postfaschistischen Bundesrepublik“ der 1980er Jahre, in der sie, ganz zu Unrecht linksradikalen Terrors und enger Verbindung zur RAF verdächtigt, von 1987 bis 1990 in U-Haft war.</p>
<p>30 Jahre danach schrieb sie u.a. eine höchst sensible, mitfühlende Annäherung an die Menschen wie sie sind, mit ihren Stärken, Merkwürdigkeiten und Schwächen. Z.B. an mitgefangene Frauen, eine Mörderin, die ihren gewalttätigen und ihre Tochter missbrauchenden Ehemann erstach; an Frauenjunkies und Prostituierte, die im Gefängnis eine kurzfristige Befreiung aus ihrer Sucht und der sklavischen Abhängigkeit von ihren Zuhältern erlebten. Strobl, Feministin und Journalistin (<em>taz, Emma</em>), die gegen Verhältnisse anschrieb, in denen es möglich ist, dass sich Männer Frauen aus dem Katalog in armen Ländern bestellten oder im Billigflug mit „Bumsbombern“ als Sextouristen nach Thailand flogen, erkannte fast demütig, dass engagiertes Eintreten für die Menschenwürde von Frauen diese nicht selbst automatisch dazu bringt, ihre Fesseln abzuwerfen. Zu tief sitzt der Invasor in der Seele. Sie sei als „Möchtegern-Revolutionärin“ in den Knast hinein- und als „verhinderte Streetworkerin“ herausgegangen. Strobl wurde 1990 wegen Beihilfe zu einem Sprengstoffanschlag der Revolutionären Zellen zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie nahezu schon abgesessen hatte. Sie hatte den Wecker gekauft, der als Zeitzünder bei einem Anschlag auf ein Lufthansa-Gebäude in Köln verwendet wurde. Das Eingeständnis, dass sie wusste, wozu der Wecker gedacht war, macht sie erst in ihrem Buch.</p>
<p>Strobl schrieb im Knast über „Frauen im Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung“. Deren Zeugnis habe sie gelehrt, dass man selbst unter keinen Umständen unmenschlich handeln dürfe und die Verpflichtung zur Wahrheit im Sinne einer besseren Moral unaufgebbar sei.</p>
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		<title>Vivian Dittmar: Echter Wohlstand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 12:16:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensqualität]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn]]></category>
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					<description><![CDATA[Dittmar sieht das einseitige Streben nach materiellem Wohlstand als Wurzel des Übels. Sie plädiert für einen Kurswechsel zu mehr Lebensqualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Echter-Wohlstand.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-5767 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Echter-Wohlstand-184x300.jpg" alt="" width="184" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Echter-Wohlstand-184x300.jpg 184w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Echter-Wohlstand.jpg 300w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a>Goldmann-Kailash Verlag, 220 S., geb. 20,00 EUR, E-Book 17,99 EUR</strong></p>
<p>Psychologen schlagen Alarm. Sie stellen unter anderem fest, dass latente psychische Probleme im Zuge der Corona-Pandemie in akute umschlagen. Vermehrt wird die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens gestellt. Da kommt Vivian Dittmars im Münchner Kailash-Verlag erschienenes Buch genau zur rechten Zeit. Sie hält ein „Plädoyer für neue Werte“.</p>
<p>„Wir sind eingesperrt in einen goldenen Käfig und finden den Schlüssel nicht mehr“, heißt es. Das Fazit der Autorin lautet: „Wir ersticken an Dingen und haben keinen Raum mehr zu atmen. Wir sind angewiesen auf einen nie abreißenden Strom an Konsum und Unterhaltung, um den inneren Mangel in Schach zu halten“. Dittmar sieht das einseitige Streben nach materiellem Wohlstand als Wurzel des Übels. Sie plädiert für einen Kurswechsel zu mehr Lebensqualität.</p>
<p>Die Corona-Krise könnte ein Anlass dafür sein, nach anderen Formen des Wohlstands zu suchen, die zu mehr Zufriedenheit führen. Vieles von dem, was Dittmar beschreibt, ist schon bekannt. Das Buch führt die unterschiedlichen Aspekte zusammen, bleibt aber oft vage. Mehr Beachtung schenken sollen jede und jeder der Zeit, den Beziehungen, der Kreativität, der Spiritualität und der Untrennbarkeit des Menschen mit der Natur. Das ist alles wichtig. Aber die Autorin bleibt auf der individuellen Ebene anstatt strukturelle Zusammenhänge herauszuarbeiten. Führen ihre Ratschläge wirklich zu mehr Glück? „Verwende einen Teil deines Einkommens, um Bäume zu pflanzen, um Ökosysteme zu heilen und dadurch der Erde etwas zurückzugeben“, heißt es einmal.</p>
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		<title>Noam Chomsky: Rebellion oder Untergang!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 12:14:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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					<description><![CDATA[Chomsky diskutiert in seiner Streitschrift neben dem möglichen Niedergang der Demokratie(n) die unübersehbaren Gefahren des Klimawandels und eines Atomkrieges als unsere beiden weiteren existenziellen Herausforderungen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Chomsky-Rebellion.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-5764 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Chomsky-Rebellion-190x300.jpg" alt="" width="190" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Chomsky-Rebellion-190x300.jpg 190w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Chomsky-Rebellion.jpg 300w" sizes="(max-width: 190px) 100vw, 190px" /></a>Westend Verlag 2021, 128 S., 15,00 EUR</strong></p>
<p>Chomsky (*1928) hat als Wissenschaftler in Massachusetts (am MIT) die Entstehung und Entwicklung der Sprache erforscht. Zum politischen Aktivisten wurde er während des Vietnamkrieges. Regierungskritiker ist er bis heute, wie auch sein „Aufruf“ zeigt. Die Trump-Jahre beschreibt er als forcierte Aushöhlung der Demokratie. Die womöglich „gefährlichste Organisation der Geschichte“ (S. 26), die Republikanische Partei, sieht er in einer Reihe mit „der AfD und andere(n) rechte(n) Parteien mit neofaschistischen Wurzeln“ (S. 112). Die Demokratische Partei mit ihrer Affinität zur Wall Street biete zwar lediglich das „kleinere Übel“, was er dennoch als Chance versteht. Um der Welt Hoffnung zu geben, kämpft er für ein Bündnis aller Gruppen mit emanzipativen, klima-, friedens- und sozialpolitischen Zielen. Zusammen mit der „<em>Basis</em>“ der Demokraten und durch den Druck der Bevölkerung könnte die (amerikanische als global einflussreiche) Politik noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Denn die Weltuntergangsuhr des Bulletin of Atomic Scientists ist 2019 „auf zwei Minuten vor Mitternacht“ vorgestellt worden. Chomsky diskutiert in seiner Streitschrift neben dem möglichen Niedergang der Demokratie(n) die unübersehbaren Gefahren des Klimawandels und eines Atomkrieges als unsere beiden weiteren existenziellen Herausforderungen. Zeitgleich mit dem Atomzeitalter, schrecklich manifestiert in der Bombe auf Hiroshima 1945, begann auch eine neue geologische Epoche, in der die Aktivitäten des Menschen das „sechste Massenaussterben“ eingeläutet haben. Fazit: Notwendig sind Aufklärung und die Schärfung des Bewusstseins (S. 29) – nicht nur in den USA.</p>
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		<title>Respekt und Wertschätzung für die Schwächsten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 11:40:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfsbereitschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Tschernobyl]]></category>
		<category><![CDATA[Weißrussland]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt zahllose Ferienangebote für junge Menschen in Deutschland. Davon können Gleichaltrige anderswo nur träumen. Mit deutscher Hilfe bietet in Weißrussland das Kinderzentrum Nadeshda Freizeiten an für junge Gäste aus strahlenbelasteten Gebieten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Es gibt zahllose Ferienangebote für junge Menschen in Deutschland. Davon können Gleichaltrige anderswo nur träumen. Mit deutscher Hilfe bietet in Weißrussland das Kinderzentrum Nadeshda Freizeiten an für junge Gäste aus strahlenbelasteten Gebieten.</p></blockquote></div>
<p>Zum 35. Mal jährt sich in diesem Jahr die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Diese hat sich bis weit über die Grenzen der Ukraine ausgewirkt. Große Teile im benachbarten Weißrussland rund um die Stadt Gomel wurden verstrahlt. In der Folge sind Leukämie- und Schilddrüsenerkrankungen besonders bei Kinder und Jugendlichen in die Höhe geschnellt. Der Verein „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ erinnert zum Jahrestag daran, dass die Menschen in Weißrussland bis heute unter der Strahlenbelastung leiden, und ruft zu weiterer Hilfe auf.</p>
<h2>Ehrenamtliche Hilfe unter dem Dach der Kirche</h2>
<p>Die unter dem Dach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg entstandene Gruppe hilft seit knapp 30 Jahren. Nach einem Jahr coronabedingter Zwangspause laufen die Hilfsleistungen nun wieder an. Die Lieferung von Medikamenten an die Kinderkrebsstation in Gomel wird wieder aufgenommen. Die „action medeor – die Notapotheke der Welt“ bereitet gerade eine Tranche im Wert von 30.000 Euro vor.</p>
<p>Die mehr als zwei Dutzend ehrenamtlich tätigen Mitglieder haben seit der Gründung des Vereins 1994 Spenden im Wert von weit mehr als fünf Millionen Euro gesammelt. Seit Sommer 2015 sind die „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ Mitglied des bundesweit aktiven Vereins „Freunde von Nadeshda“, dem deutschen Träger des Kindererholungszentrums Nadeshda (<a href="http://www.nadeshda.by/de"><em>www.nadeshda.by/de</em></a><em>)</em>. Zu den Gründungsmitgliedern der „Freunde von Nadeshda“ zählen die Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie der Sozialdienst evangelischer Männer.</p>
<h2>Erholungszeiten in sauberer Umgebung</h2>
<p>Der Name des Kindererholungszentrums „Nadeschda“ bedeutet auf Deutsch Hoffnung. Es liegt am Wilejkasee bei Wilejka in Weißrussland (Belarus) und wurde im September 1994 gegründet. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen, die in Tschernobyl-verseuchten Gegenden Weißrusslands leben, Erholungszeiten in sauberer Umgebung im eigenen Land zu bieten. Träger des Zentrums ist eine Belarussisch-deutsche gemeinsame Gesellschaft.</p>
<figure id="attachment_5738" aria-describedby="caption-attachment-5738" style="width: 290px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/KW-DKurs_IMG_9346.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5738 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/KW-DKurs_IMG_9346-300x175.jpg" alt="" width="300" height="175" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/KW-DKurs_IMG_9346-300x175.jpg 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/KW-DKurs_IMG_9346.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-5738" class="wp-caption-text">Jugendliche aus der Kleinstadt Wetka bei Gomel werden auch in Deutsch unterrichtet.</figcaption></figure>
<p>Nadeshda ist ein Projekt internationaler Zusammenarbeit: Außer den deutschen Vereinen gibt es auch Unterstützer in Europa und in Japan. Die „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ haben seit 1994 für das Freizeitzentrum rund 800 000 Euro aufgewandt. Mit weit mehr als der Hälfte dieser Summe wurden Freizeiten und Reha-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche finanziert. Unterstützt wird auch die psychosoziale Arbeit mit Eltern und jungen Patienten vor Ort. Und „die Hilfe für das Kinderzentrum Nadeshda ist wichtiger denn je und geht weiter“, heißt es in einer Mitteilung. Für Klaus Wagner, Sprecher des Vereins (<a href="http://www.tschernobyl-kinder-stuttgart.de"><em>www.tschernobyl-kinder-stuttgart.de</em></a><u>)</u>, ist die Hilfe Ausdruck von Wertschätzung und Respekt für die Schwächsten, die am meisten Unterstützung benötigen.</p>
<p>Zu den letzten drei großen Investitionen, an denen sich der Verein beteiligte, gehören eine Solarstromanlage, mit der man umweltfreundlichen Strom erzeugt und die laufenden Betriebskosten senken kann. Außerdem ein Neubau, das „Medizinhaus“, das alle diagnostischen und therapeutischen Abteilungen in modernen Räumen zusammenfasst. Und in einem Sommer-Ferienlager beim Zentrum werden alte Holzhäuschen ersetzt unter Beteiligung des Vereins. Der erste Bauabschnitt ist jetzt eingeweiht worden. Zwei von fünf Häuschen stammen vom Verein.</p>
<h2>Bleibende Folgen der Verstrahlung</h2>
<figure id="attachment_5736" aria-describedby="caption-attachment-5736" style="width: 290px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/az-26__Gomel_18.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5736 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/az-26__Gomel_18-300x176.jpg" alt="" width="300" height="176" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/az-26__Gomel_18-300x176.jpg 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/az-26__Gomel_18.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-5736" class="wp-caption-text">Krebskranke Kinder und ihre Eltern schöpfen im Erholungszentrum neue Kraft</figcaption></figure>
<p>Rund 6000 Kinder aus den verstrahlten Gebieten erholen sich dort pro Jahr. Gerade Kinder und Jugendliche, die tagtäglich Strahlung ausgesetzt sind, leiden den Angaben zufolge unter gesundheitlichen Folgen. Viele haben ein schwaches Immunsystem, Erkrankungen der Atmungsorgane, des Verdauungstraktes, der Augen, des Herzens oder eine Unterfunktion der Schilddrüse und Diabetes. Dazu kommen unterschiedliche Krebsformen. Der Vorsitzende der „Freunde der Kinder von Tschernobyl“, Heinrich Korn, erinnert auch an die Verwüstungen im Zweiten Weltkrieg in Weißrussland durch deutsche Truppen. „Es steht uns gut an, etwas zurückzugeben“, sagt er.</p>
<p>Die Hälfte der Mittel des Vereins fließt in die medizinische Hilfe, dorthin, „wo Leben gerettet wird“, so Wagner. Dazu zählt die Leukämiestation für Kinder und Jugendliche in Gomel, die einzige im Südosten Weißrusslands. Der Erfolg des Engagements ist für den Journalisten unverkennbar. In 25 Jahren sei die Heilungsrate bei Leukämie fast auf westeuropäisches Niveau von etwa 80 Prozent gestiegen. Neben kleineren sozialen Projekten wie einer Selbsthilfegruppe von Eltern krebskranker Kinder ist ein weiterer Schwerpunkt der Hilfe das Kinderzentrum Nadeshda bei Minsk. Auch Urlauber aus dem In- und Ausland sind dort übrigens willkommen. Um die zusätzlichen Kosten für die ganzheitlichen Angebote des Zentrums zu finanzieren, nimmt Nadeshda selbst zahlende Gäste zur Erholung auf.</p>
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		<title>Kirche und Theologie in den Nachrichten?</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/kirche-und-theologie-in-den-nachrichten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gundula Gause]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 11:30:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Basisbibel]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltgebetstag]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ZDF-Journalistin Gundula Gause über Kaffeetrinken mit Carmen Miosga, die Identität Europas, sowie Ausbildung und Gemeinschaftsgeist im Journalismus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die ZDF-Journalistin Gundula Gause über Kaffeetrinken mit Caren Miosga, die Identität Europas, sowie Ausbildung und Gemeinschaftsgeist im Journalismus.</p></blockquote></div>
<p>In<em> evangelische aspekte </em>3/2017 schrieb Jan Hofer, der damalige Chefsprecher der ARD-Tagesschau, über Lügen im Journalismus. Doch gibt es <em>zwei</em> öffentlich-rechtliche Sender. Was also lag näher, schon „aus Proporzgründen“ in Mainz zu fragen, ob es nicht gut und richtig wäre, „auch einmal jemanden vom ZDF“ bei uns im Heft zu haben? Daraus ergab sich folgendes Gespräch.</p>
<p><strong>1. Frau Gause, haben Sie sich schon einmal mit Claus Kleber gestritten?</strong></p>
<p>Abgesehen davon, dass ich meine, dass man schon über den Begriff des Streitens streiten könnte, liegt es mir zunächst am Herzen zu betonen, dass wir grundsätzlich ein gutes Team und in den meisten Fragen auf einer Wellenlänge sind. Redaktionsarbeit bietet aber auch immer wieder Anlass zu differenzierten Betrachtungen und damit zu Meinungsverschiedenheiten. Einfaches Beispiel: die Meldung der allmonatlichen Arbeitslosenzahlen. Claus möchte den Vergleich zum Vorjahr gezogen haben, um die große Entwicklung ins Auge zu nehmen. Ich plädiere dafür, darüber hinaus die Entwicklung vom Vormonat einzubinden, weil ich meine, dass auch aktuelle Trends zum Verständnis der Zahlen beitragen. Wir „streiten“ im Kreis der Redaktion bei vielen Themen um die Sache. Diese Diskussionen führen aber immer zu einem Ergebnis, das wir alle vertreten können.</p>
<p><strong>1.1. Gilt das auch hin zur <em>heute.de</em>-Redaktion? Von manchem Medienhaus war zu hören, dass es bei der Zusammenarbeit oder Zusammenlegung von bisheriger (z.B. Print-) Hauptredaktion und Online-Angebot auch schon mal kräftig knirschte.</strong></p>
<p>Nein, bei uns im ZDF hat es, soweit ich das mitbekommen habe, tatsächlich nicht geknirscht. Wir erleben ja allesamt den umfassenden digitalen Wandel, den Medienunternehmen aus dem Kern ihrer Geschäfte quasi subkutan mitgestalten. Fernsehen ist ins Netz gewachsen, ist Basis und originärer Bestandteil unseres Online-Angebotes. Wir wissen, dass junge Leute nur noch online Fernsehinhalte konsumieren – und da wollen wir als ZDF wahrgenommen werden. Also haben wir den Wandel mit einer gewissen Selbstverständlichkeit umgesetzt, natürlich nicht ohne das eine oder andere Mal auch über Mehrarbeit oder die Bewältigung neuer digitaler Herausforderungen zu meckern. Ohne Schweiß, kein…</p>
<p><strong>1.2. Als ich einmal die Verleihung eines Journalistenpreises guckte, schien mir bemerkbar, dass es nicht nur eine Art Corpsgeist unter Journalisten gibt, sondern durchaus Konkurrenz, sogar Sticheleien! Würden Sie auch einen Kaffee mit Caren Miosga trinken?</strong></p>
<p>Na klar! Darüber würde mich sogar sehr freuen! Sie bringen mich richtiggehend auf eine Idee! Neben aller sportlichen Konkurrenz empfinde ich in unserer Community eher Corpsgeist als Neid und Missgunst.</p>
<p><strong>2. Eine streitige Frage ist immer wieder, ob und wie kirchliche Themen in den Nachrichten angemessen vorkommen. Nach welchen Kriterien geht die Redaktion im heute-journal vor?</strong></p>
<p>Grundsätzlich beachten wir die üblichen Nachrichtenkriterien der Aktualität in Beantwortung folgender Fragen: was ist wie, wo und wann geschehen, unter Beteiligung von wem? Entscheidend für die Berichterstattung ist die Relevanz des Geschehens für Individuum und Gesellschaft. Zudem gilt die alte Regel: only bad news are good news. So ist das nun einmal. Das gut gelandete Flugzeug ist ebenso wenig eine Meldung wie das segensreiche Wirken der Kirchen. Dagegen sind Flugzeugabstürze und eben das Thema „Sexualisierte Gewalt in Kirchen“ Unglücke und Missstände, über die es unsere Aufgabe ist, zu berichten. Journalismus fokussiert sich nun mal eher auf Probleme und Spektakuläres als auf eine Beschreibung des Schönen und Guten.</p>
<p><strong>2.1. Es gibt ja die Beobachtung, dass viele Journalisten, wenn nicht aus einer bestimmten „Sozialisation“, so doch aus einem ähnlichen „Mentalitäts-Spektrum“ kommen – das bestimmte Sachverhalte gern ausblendet. Schaut man sich die Ausbildung für Journalisten an, fällt auf, dass es neben einer vielleicht erhöhten Allgemeinbildung und dem technisch-methodischen Handwerkszeug eigentlich wenig Verbindliches gibt. Doch: Kann man ohne z.B. tiefere Kenntnis der Geschichte, in Deutschland wie anderswo also auch der „Religion“, in einer Gesellschaft ernsthaft dauerhaft „Gatekeeper“ sein wollen?</strong></p>
<p>Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an: die Voraussetzungen für kompetente Berichterstattung in einer immer komplexeren Welt. Für den Bereich der allgemeinen Politik, wie z.B. gesellschaftspolitische Fragen oder auswärtige Beziehungen, sehe ich die Mehrzahl von uns Journalisten diesbezüglich durchaus gut aufgestellt. Dabei gebe ich Ihnen ausdrücklich Recht: politische Einordnung ohne adäquates historisches Wissen ist unzureichend bis unmöglich. Dem wird aber die Ausbildung von Journalisten durch ein Studium meist geisteswissenschaftlicher Fächer, häufig in Fachkombination mit Geschichte, und die darauf aufbauenden Volontariate in Medienhäusern fraglos gerecht. Grundsätzlich anders sieht es in Bereichen aus, die spezifisches Fachwissen voraussetzen. Da kann es in der Breite der journalistischen Berufe tatsächlich an der einen oder anderen Stelle fehlen und das kann zu Defiziten im journalistischen Transfer von hochkomplexen Themen führen. Dazu zählen nicht zuletzt theologische und kirchenrechtliche Hintergründe aktueller Fragen.</p>
<p><strong>3. 1700 Jahre Judentum sind aktuell ein Thema, im Mai steht der 3. Ökumenische Kirchentag an, dann Pfingsten, im Herbst die Wahl eines oder einer neuen EKD-Ratsvorsitzenden. Wer entscheidet, wie viel Sendezeit etwas bekommt?</strong></p>
<p>Diese Entscheidungen fallen im ZDF auf mehreren Ebenen: die Redaktionen planen, die Reporter recherchieren, drehen und suchen Gesprächspartner, die Sendeteams müssen dann aus dem Tag heraus entscheiden, wie viel Raum sie welchen Themen geben wollen und können – und auf jeder Ebene wird neu entschieden. Gerade in der Aktualität gibt es eine große Themenkonkurrenz: Entwicklungen überstürzen sich, unabsehbare Geschehen erfordern Berichterstattung. Sehr oft sind wir redaktionell in bedauerlichen Zwickmühlen. Geplante Hintergrundberichte müssen hinter aktuellen Großereignissen zurückstehen. Die von Ihnen genannten Themen allerdings verlangen allesamt nach vertiefender Berichterstattung, bis auf Pfingsten… „Alle Jahre wieder-Themen“ haben es in den Nachrichten schwer, nicht nur in dieser Zeit. Zugleich ist grundsätzlich zu beachten, dass das ZDF gemäß seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag seit gut 40 Jahren Gottesdienste überträgt, – seit 1986 jeden Sonntag im Wechsel aus evangelischen und katholischen Kirchen. Da freut sich das Haus über ein stabil hohes Zuschauerinteresse.</p>
<p><strong>3.1. Im März 2020 hat sich die Zuschauerzahl allein der ZDF-Fernsehgottesdienste von durchschnittlich 700 000 bis 800 000 sogar auf 1,4 Millionen quasi verdoppelt. Die These von der Entkirchlichung kann man auch bestreiten. Es gibt Leute, die aus der Kirche austreten, weil es ihnen da <em>zu wenig</em> „kirchlich“ zugeht…</strong></p>
<p>Grundsätzlich glaube ich nicht, dass der Kern der kirchlichen Probleme in einem zu Viel oder zu Wenig von Kirchlichkeit liegt. Dazu ist schon der Begriff zu diffus. Davon abgesehen: die christlichen Kirchen gehören zur Identität Europas und sind damit auch unverzichtbarer Bestandteil unserer gesellschaftlichen Realität. Diese mitzugestalten gehört zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Systems, das in gewachsenen Strukturen auch die Kirchen in Deutschland repräsentiert. So gehört zu unserem Programmauftrag auch die Vermittlung von Religion und Glauben.</p>
<p><strong>3.2 Ich möchte Ihnen zwei Themen vorlegen, die viele beschäftigen, aber bei den Öffentlich-Rechtlichen kaum vorkommen. Schon lange bevor der „Internationale Frauentag“ bei uns medial nach vorne gerückt wurde, gab es den internationalen und interkonfessionellen Welt(gebets)tag der Frauen, seit über 70 Jahren in über 120 Ländern begangen. Hier geht es um Gerechtigkeitsfragen, Nord-Süd Balance, u.a.m. Gebe ich aber Anfang April bei tagesschau.de oder <em>heute.de</em> „Weltgebetstag“ ein, finde ich dazu keine einzige Meldung. Dasselbe zum Stichwort „Basisbibel“. Es gibt ja heimliche Dauer-Bestseller, die <em>wegen ihres Erfolgs</em> aus Statistiken genommen werden. So die Bibel. Mit der „Basisbibel“ ist im Januar nach 17 Jahren Arbeit hier nun eine vollständige Übersetzung des NT und AT erschienen, die ihre Stärken und ihre Schwächen haben mag, aber durchaus ein „einmaliges“ Ereignis ist, das viele (s.o.) Kirchenaffine interessiert. Wie kann es sein – jetzt komme ich sogar ins Schimpfen – dass all sowas unter den Tisch fällt?</strong></p>
<p>Ob Weltgebetstag und Basisbibel in den Medien nicht ausreichend Berücksichtigung finden, kann ich nicht wirklich beurteilen. Aber natürlich unterliegen auch dieses Ereignis oder diese Publikation der erwähnten Themenkonkurrenz in der aktuellen Berichterstattung.</p>
<p><strong>3.3. Ulrich Wickert (ARD) durfte ungescholten dicke Bücher über Werte schreiben, Ihr Kollege Wolf von Lojewski verriet, dass ihn Bibeltexte sehr faszinierten, <em>heute</em>-Moderator Steffen Seibert (bevor er aus dem Journalismus in den politischen Betrieb als Regierungssprecher wechselte), dass ihm Gottesdienstbesuche immer gut täten. Und Ihre ZDF-Kollegin Petra Gerster ist sogar mit einem Theologen verheiratet. – Kann es sein, dass die tägliche Beschäftigung mit der „Nachrichtenlage“ offener für Transzendentes macht?</strong></p>
<p>Das wäre sehr schön. Bei aller Freude über die genannten Beispiele und meine eigene, persönliche religiöse Affinität glaube ich das allerdings nicht. Die von Ihnen eben angesprochene Attraktion einer für alle verständlichen Bibelversion ist jedoch verdienstvollerweise aus dem Kreis der Vorgenannten heraus ganz hervorragend veröffentlicht worden. Der neuen<em> Keine Bibel</em> von Christian Nürnberger, dem Ehemann von Petra Gerster, ist das Kunststück gelungen, Kerninhalte des Buches der Bücher ins Moderne zu tragen.</p>
<p><strong>3.4. Als Beispiel für Kirche in den Medien einmal die Osterausgabe der ZEIT, ja immerhin ein Presseerzeugnis, das man alle paar Tage noch in die Hand nehmen kann. Auf der Titelseite steht, dass für „einen Großteil“ der Menschen Religion irgendwie perdu wäre. Liest man im Text, erfährt man, dass in Westdeutschland 63 Prozent rundheraus angeben, dass sie an Gott glauben. Nun muss ich Sie nicht auffordern zu recherchieren, dass das nach Adam Riese mehr als eine „absolute Mehrheit“ ist. Was kann man dazu sagen?</strong></p>
<p>Dass die unsere Kultur mitprägenden christlichen Glaubensgemeinschaften dringend aufgefordert sind, die Realitäten anzuerkennen. Es ist fünf vor 12! In Frankfurt am Main beträgt die Zahl der katholischen und evangelischen Christen zusammen nur noch etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung und die von Ihnen aufgerufene deutlich höhere Zahl beschreibt das Problem und nicht die Lösung. Natürlich glauben noch große Teile der Bevölkerung an Gott. Für viele heißt das aber nur noch Hinwendung zu esoterischen, spirituellen Antworten. Die Bindungskräfte nicht nur der Kirchen, sondern auch der traditionellen Gottesbilder gehen dramatisch zurück. Ein schrecklicher, aber leider realistischer Befund. Den Weckruf haben viele schon gehört und arbeiten an dem notwendigen Wandel. Der Weg aber ist noch lang.</p>
<p><em>Das Interview führte Manfred Schütz auf schriftlichem Weg.</em></p>
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		<title>Diversität ermöglichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johanna J. Klee]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 11:25:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Diversität]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Teilhabe]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Liebe Kirche, wir haben ein Problem! Während Diversität in gesellschaftlichen Diskursen zunehmend zum Thema wird, hinken wir diesen Diskursen in kirchlichen Zusammenhängen hinterher. Wie jedoch können unsere kirchlichen Räume diversitätssensibler werden?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Kirche, wir haben ein Problem! Während Diversität in gesellschaftlichen Diskursen zunehmend zum Thema wird, hinken wir diesen Diskursen in kirchlichen Zusammenhängen hinterher. Wie jedoch können unsere kirchlichen Räume diversitätssensibler werden? Kirchliche Veranstaltungen richten sich nämlich in der Regel an bestimmte Zielgruppen. Eine Gruppe ehrenamtlicher Teamer:innen in der Konfi-Arbeit besteht vermutlich vorrangig aus weißen, heterosexuellen, bildungsbürgerlichen Jugendlichen ohne Beeinträchtigungen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie sich auf ein christliches Gottesverständnis beziehen – in Differenz zu anderen Jugendgruppen, von denen sie sich abgrenzen.</p>
<p>Bei der Frage nach Diversität geht es vor allem darum, Menschen Teilhabe zu ermöglichen. Menschen, die aufgrund ihres Alters, ihres Milieus, ihrer kulturell-ethnischen Zugehörigkeit, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer kognitiven, körperlichen oder psychischen Befähigung benachteiligt werden. Nicht selten kommt es vor, dass bestimmte Personen zudem von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Ursprünglich ist die Diversitäts-Debatte im Zuge der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre in den USA entstanden, sie thematisierte zunächst die Chancengleichheit für People of Color. Seit 2006 ist die Diversität auch in Deutschland, im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, verankert. Neben feministischen sind dabei auch intersektionale und postkoloniale Ansätze eingeflossen.</p>
<p>Nicht nur aus den naheliegenden Gründen der Gleichberechtigung aller Menschen ist Diversität auch für kirchliche Einrichtungen ein wichtiges Thema. Denn Diversität entspricht unserem kirchlichen Selbstverständnis (Gal 3,28) und ermöglicht in ihrer Konsequenz eine Vielfalt der Gaben (1. Kor 12). Ja, Diversität fordert heraus, da sie bestehende Machtverhältnisse hinterfragt, die Sensibilität für gesellschaftspolitische Fragestellungen erhöht und zur Reflexion der eigenen Privilegien führt. Doch darin liegt auch ihr Potential, da uneingeschränkt allen Menschen die Teilhabe ermöglicht wird.</p>
<p>Wie jedoch können wir dies umsetzen? Zunächst beginnt dies mit der schonungslosen Reflexion der eigenen Situation. Wer wird angesprochen? Wer wird ausgeschlossen? Welche Privilegien hat wer? Wie wird Macht konstituiert? Im Anschluss kann überlegt werden, wie Zugangsbarrieren abgebaut werden können. Welche Rahmenbedingungen sind zu erfüllen, damit z.B. das KU-Team auch für Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern interessant wird? Müssen die Zeiten verändert werden, ist auf sprachliche Formulierungen zu achten? Wie können Jugendliche mit Beeinträchtigungen teilnehmen? Sind die Räume wirklich für alle zugänglich? Wie ist es mit der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität? Wird die Offenheit gegenüber LGBTIAQ* reflektiert, kommuniziert und signalisiert?</p>
<p>Oft liegt es bisher an den Betroffenen selbst, sich ihre Rechte zu erstreiten und Teilhabe einzufordern. Besteht der Wunsch oder die Möglichkeit jedoch nicht, bleiben sie kirchlichen Räumen fern. Daher hilft langfristig nur die Förderung von Diversität, um die Gleichberechtigung aller Menschen zu ermöglichen.</p>
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		<title>Unterwegs zum Frieden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gerd Theißen und Sylvie Thonak]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 11:11:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensethik]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Militärseelsorge]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Haltungen der Gewaltlosigkeit und der Wehrhaftigkeit sollten nicht nur in ihrer Gegensätzlichkeit, sondern auch in ihrer Vereinbarkeit analysiert werden. Eine immer wieder neu zu befriedende Welt braucht Pazifisten und Soldaten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Haltungen der Gewaltlosigkeit und der Wehrhaftigkeit sollten nicht nur in ihrer Gegensätzlichkeit, sondern auch in ihrer Vereinbarkeit analysiert werden. Eine immer wieder neu zu befriedende Welt braucht Pazifisten und Soldaten.</p></blockquote></div>
<p>Der deutsche Protestantismus setzt in seiner Friedensethik eine internationale Zusammenarbeit in UNO und NATO voraus, die durch den Nationalpopulismus in Demokratien und den Imperialismus autoritärer Großmächte erodiert, aber nach wie vor unersetzlich ist. Deshalb sollte er seiner „komplementären Friedensethik“, wie sie in den Heidelberger Thesen 1959 formuliert wurde, treu bleiben. Danach sind für den Weg zum Frieden einander entgegengesetzte Haltungen notwendig: Gewaltlosigkeit als das deutlichere Zeichen, Verteidigungsbereitschaft als unverzichtbar zur Abschreckung, beides zusammen als Botschaft nach innen und außen: „Wir wollen den Frieden!“ Die komplementäre Friedensethik ließ Abschreckungsbefürworter und Pazifisten kooperieren. So wie in der Innenpolitik der Gegensatz von Regierungspartei und Opposition die Freiheit sichert, so stabilisiert der Gegensatz von Soldaten und Pazifisten in der Außenpolitik den Frieden.</p>
<p>Seit den Heidelberger Thesen hat sich die Situation verändert. Zwar wurde aus dem Gleichgewicht des atomaren Schreckens ein Gleichgewicht ohne Schrecken, aber es muss viel getan werden, um diesen Zustand zu erhalten. Seit 1945 gab es zwar keine offiziell erklärten zwischenstaatlichen Kriege, dafür vermehrt asymmetrische Kriege in instabilen Gebieten, in denen oft Großmächte ihre Konflikte stellvertretend austragen. Das verändert die Tätigkeit von Soldaten und Friedensarbeitern.</p>
<h2>Das Ideal: Soldaten beenden Gefechte, Zivilisten entwickeln Versöhnung</h2>
<p>Das „Komplementaritätsprinzip“ verbindet heute weniger militärische Abschreckung und Pazifismus, als militärische Friedenseinsätze und zivile Friedensarbeit. Soldaten beenden in Friedenseinsätzen Kämpfe und schaffen Raum für politische Verhandlungen, sind aber auf Dauer nur erfolgreich, wenn zivile Friedensarbeit den Frieden stabilisiert. Diese ist oft nur wirksam, wenn Konflikte militärisch eingedämmt werden. Zivile Entwicklungshilfe ist z.T. auf den Schutz „rechtsdurchsetzender Gewalt“ angewiesen. Hier zielt die Komplementarität von Verteidigungsbereitschaft und Pazifismus also nicht mehr darauf, Atomkriege zu vermeiden, sondern lokale Kriege einzuhegen, die sich andernfalls zu weltumfassenden Konflikten ausweiten können.</p>
<p>Eigentlich sollten in dieser Situation Befürworter des Militärdienstes und die Militärseelsorge leichter den Wert pazifistischer Friedensarbeit anerkennen und umgekehrt Pazifisten leichter die Notwendigkeit von Militäreinsätzen akzeptieren. Das Gegenteil ist z.T. der Fall. Wer militärische Verteidigungsbereitschaft für notwendig hält, beansprucht oft exklusiv für sich eine realitätsnahe „Verantwortungsethik“ und kritisiert mitunter Friedensarbeiter als realitätsferne „Gesinnungsethiker“, „Pazifisten und Spinner“. Der Einsatz von Soldaten in Friedenseinsätzen bestärkt Militärgeistliche z.T. darin, dass Vorbehalte gegenüber einer einsatzbereiten Armee überholt sind. Umgekehrt befürchten Pazifisten nicht ohne Grund eine schleichende Remilitarisierung der Politik durch sich häufende Militäreinsätze. Katalysator für diese Polarisierung war der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, der mit Recht kontrovers beurteilt wird. Protestantischer Friedensethik fällt es schwer, heute beide Seiten komplementär zu vereinen. Beide entwickeln eine je eigene Binnenwelt von Überzeugungen und kommunizieren oft wenig miteinander.</p>
<h2>Gottes Ziel einer kriegsfreien Welt und das menschliche Handeln in ihr</h2>
<p>Unser Buch <em>Militärseelsorge – das ungeliebte Kind protestantischer Friedensethik?</em> macht den Versuch, die komplementäre Friedensethik des Protestantismus biblisch neu zu begründen und beide Seiten zusammenzuführen. Es vertritt die These, dass Teile einer komplementären Friedensethik in beiden Testamenten der Bibel entwickelt, aber erst in der Neuzeit kombiniert wurden: Im AT entstand der politische Friedenstraum einer durch Gott herbeigeführten gewaltfreien Welt mit einer verlässlichen Rechtsordnung. Der Friede kommt ohne militärische Siege. Offen bleibt, was Menschen zu ihm beitragen können. Im NT wird dagegen eine Ethik der Gewaltfreiheit für Menschen entwickelt. Offen bleibt, wie sie politisch wirksam werden kann.</p>
<p>Diese Ethik der Gewaltfreiheit ist Vorschein einer neuen Welt; die Tätigkeit von Soldaten widerspricht ihr nicht, solange die alte Welt besteht. Das AT formuliert somit das politische Ziel jeder Friedensethik: eine von Kriegen freie Welt; das NT konkretisiert einen möglichen Weg dorthin, lässt aber kein politisch realisierbares Ziel erkennen. Es akzeptiert Soldaten in der Gegenwart und hofft auf ein gewaltfreies Reich Gottes in einer schon jetzt beginnenden Zukunft. Beide Ansätze wurden erst in der Gegenwart kombiniert, als der gewaltfreie Weg zum Frieden Teil einer komplementären Friedensethik wurde. Diese bejaht zur Erhaltung des Friedens eine defensive militärische Abschreckung, aber ebenso den Pazifismus. Erst die Gefahr eines atomaren Kriegs hat beide Seiten zusammengeführt.</p>
<h2>Friedensethik bei Jesus und Paulus</h2>
<p>Das NT entstand in der vergleichsweise friedlichen Zeit der <em>pax romana</em>, ist aber durch politische Spannungen und besonders den Jüdisch-Römischen Krieg geprägt. Jesu Ethik des demonstrativen Gewaltverzichts hat eine politische Dimension: Gewaltverzicht wurde zu seiner Zeit erfolgreich von Juden gegen Pilatus (ca. 26 n.Chr.) eingesetzt und kurze Zeit nach Jesus gegen den syrischen Statthalter Petronius (39/40 n.Chr.). Im zweiten Fall wurde ein Krieg verhindert. Ebenso verwarf Jesus eine Kampagne zur Steuerverweigerung, die zu einem Aufstand gegen Rom anstachelte. Wir finden schon bei ihm eine komplementäre Friedensethik. Sie erkennt den Staat an, auch dessen Recht auf Steuern als „Zwangsabgaben“. Aber sie ist demonstrativ gewaltfrei. Jesu Verkündigung hatte politische Relevanz. Das Lukasevangelium sagt: Hätte man auf sie gehört, wäre der Jüdische Krieg vermieden worden (Lk 19,41–44).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Jesu Ethik erkennt den Staat an, ist aber demonstrativ gewaltfrei.</p></blockquote></div>
<p>Paulus formuliert seine Gedanken zu Gewalt und Frieden im Brief an die römische Gemeinde, in dem er von allen Menschen fordert, dass sie sich „übergeordneten Instanzen“ (Röm 13,1) unterordnen, die legitim Gewalt ausüben. Er schweigt unüberhörbarer vom Kaiser, der in Rom residierte. Die „übergeordneten Instanzen“ sind republikanische Ämter, das Kaiseramt war eine Kombination dieser Ämter. Legitim ist für Paulus die Gewalt, die republikanisch kontrolliert ist. Sie wurde in Rom durch Prätorianer ausgeübt, deren Polizeiaufgaben in Rom von den militärischen Aufgaben der Legionen in den Provinzen getrennt wurden. Wer sich der Ordnung in Rom widersetzt (hier denkt Paulus auch an Kaiser wie Gaius Caligula, der die republikanische Ordnung verletzte), zieht sich selbst das Gericht zu: Gaius wurde durch einen Präfekten der Prätorianer getötet. Mit Röm 13 kann man rechtsdurchsetzende Gewalt der Polizei legitimieren, nicht aber Kriege.</p>
<h2>Staatsethos der Macht und Gemeindeethos der Liebe</h2>
<p>Das NT kennt neben dieser staatlichen Gewalt, die es akzeptiert, auch staatliche Gewalt, die es ablehnt: In der Johannesapokalypse ist der Staat ein widergöttliches Tier, das sich von einem zweiten Tier im Kaiserkult propagandistisch legitimieren lässt (Apk 13). Hier wird staatliche Gewalt nur von einer einzigen Person kontrolliert. Daher gibt uns das NT indirekt ein Kriterium zur Beurteilung staatlicher Gewalt: Sofern sie durch mehrere Instanzen kontrolliert und an das Recht gebunden bleibt, kann sie legitim sein. Sofern sie absolutistisch von Einzelherrschern ausgeübt wird, ist sie verwerflich.</p>
<p>Auch bei Paulus finden wir im Übrigen eine komplementäre Ethik: Er umgibt die Staatsparänese mit Mahnungen zur Liebe. Christen sollen auf „Rache“ verzichten, da sie allein Gott vorbehalten sei (Röm 12,19–21). Der Staat muss dagegen „Rache“ an Übeltätern üben (Röm 13,4). Das Staatsethos der Macht und das Gemeindeethos der Liebe stehen in Spannung zueinander. Beide arbeiten komplementär. Gewaltverzicht wirkt nur dort als Botschaft, wo das Gute durch Gewalt durchgesetzt werden könnte, aber auf diese Möglichkeit demonstrativ verzichtet wird.</p>
<h2>Verteidigungsbereitschaft und Pazifismus – zwei Seiten der Medaille Frieden</h2>
<p>Das biblische Nebeneinander von kontrollierter Gewaltausübung und demonstrativem Gewaltverzicht blieb in der Kirchengeschichte erhalten. Hin und wieder begegnet sogar die Erkenntnis, dass beide komplementär aufeinander angewiesen sind. Gewaltverzicht wurde freilich nur in kleinen Gruppen praktiziert, in katholischen Mönchsorden und protestantischen Freikirchen. Vorübergehend errichteten die Quäker in Pennsylvanien 1681–1756 eine staatliche Ordnung, die pazifistisch den Krieg ablehnte. In der Gegenwart aber wurde dieses gewaltfreie Ethos Teil der komplementären Friedensethik des Protestantismus und die militärische Verteidigungs- und Einsatzbereitschaft der ergänzende Teil, weil man nur so die Gefahr eines atomaren Kriegs reduzieren konnte.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Die Gefahr ist, dass sich Befürworter und Gegner des Militärdienstes gegeneinander verbarrikadieren.</p></blockquote></div>
<p>Der gegenwärtige Protestantismus sollte dieser biblisch inspirierten komplementären Friedensethik in einer veränderten Situation treu bleiben. Die Gefahr ist heute, dass sich die beiden „Lager“ im Protestantismus in ihren Überzeugungen gegeneinander verbarrikadieren: Die Militärseelsorge ist schon jetzt eine <em>ecclesiola in ecclesia,</em> steht aber in Gefahr, eine <em>ecclesiola extra ecclesiam </em>zu werden – mit z.T. wenig Verständnis für Pazifisten. Ein „Radikalpazifismus“ ohne komplementäre Bejahung der Bundeswehr ist derzeit auch keine Lösung. Denn wir können in unserer Welt auf rechtsdurchsetzende Gewalt – bis auf Weiteres auch in Form militärischer Einsätze – leider nicht verzichten.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<p>Thonak/G. Theißen: <em>Militärseelsorge – das ungeliebte Kind protestantischer Friedensethik. </em>Heidelberger Studien zur Praktischen Theologie 25, Münster: LIT 2020, 261 S.</p>
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		<title>Geschlechtergerechtigkeit im Islam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hamideh Mohagheghi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 11:06:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 2, Mai 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerchtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Koran]]></category>
		<category><![CDATA[Muslime]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Zusammenhang mit Geschlechtergerechtigkeit ist der Islam seit Jahren im Blickfeld der Debatten und der Kritik. Die Autorin stellt das Thema aus der Sicht moderner muslimischer Frauen dar – eine Sichtweise, die oft zu kurz kommt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Zusammenhang mit Geschlechtergerechtigkeit ist der Islam seit Jahren im Blickfeld der Debatten und der Kritik. Die Autorin stellt das Thema aus der Sicht moderner muslimischer Frauen dar – eine Sichtweise, die oft zu kurz kommt.</p></blockquote></div>
<p>Eine verbreitete Meinung schreibt dem Islam Unzulänglichkeit zu, sich für die Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen, weil die Frauen im Islam eine untergeordnete Stellung haben, die im göttlichen Plan für die Schöpfung verankert und damit unbestreitbar ist. Dabei findet die Stimme des Koran und der muslimischen Frauen, die sich für die Frauenrechte und Gleichberechtigung aus dem Glauben heraus einsetzen, wenig Beachtung.</p>
<p>Der Koran ist ein prophetisches Zeugnis, verankert in der göttlichen Ankündigung aus dem siebten Jahrhundert. Eine aus mündlicher Überlieferung entstandene Schrift, die in den Weltbildern der Spätantike und gesellschaftlichen Strukturen einer Stammesgesellschaft eingebettet ist. Der Koran ist in einer Zeit entstanden, in der die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie Geschlechtergerechtigkeit kaum eine Rolle spielten und diese kein Schlüsselthema für die Gesellschaften war. Patriarchale Strukturen waren nicht nur auf der arabischen Halbinsel, sondern auch in anderen Gebieten der Welt vorherrschend.</p>
<h2>Die Botschaft des Koran</h2>
<p>Es gibt eine große Bandbreite unterschiedlicher Koraninterpretationen und Deutungen, die über Jahrhunderte entwickelte Auslegungsmethoden, philosophische und juristische Anfragen sowie unterschiedliche Machtkonstellationen widerspiegeln.</p>
<p>In Arabisch, der Originalsprache des Koran, gibt es grammatikalisch die Maskulin- und Feminin-Form. Wenn es um Kollektive mit mindestens einem männlichen Mitglied geht, wird die Maskulin-Form verwendet. Demnach sind alle Menschen angesprochen, wenn die männliche Form im Koran verwendet wird. Bezeichnend ist, dass in einigen Stellen im Koran beide Formen nebeneinander benannt werden: „Gott hält Vergebung und reichen Lohn bereit für: gottergebene Männer und Frauen, gläubige Männer und Frauen, fromme Männer und Frauen, rechtschaffene Männer und Frauen, geduldige Männer und Frauen, demütige Männer und Frauen, wohltätige Männer und Frauen, fastende Männer und Frauen, treue Männer und Frauen, und Gottes oft gedenkende Männer und Frauen“ (Koran, 33:34). Nach einigen Überlieferungen ist dieser Vers infolge von kritischen Fragen der Frauen offenbart. Sie fühlten sich ausgeschlossen und fragten den Propheten Muhammad, warum Gott sie in seiner Offenbarung nicht explizit benennt. In einer Überlieferung war Umm Salama, einer der Ehefrauen des Propheten Muhammad, die sich beschwerte und Gerechtigkeit von Gott erwartete. Der Vers 33:34 stellt Männer und Frauen auf eine Stufe und zeichnet auf, dass <em>alle</em> Menschen die Verantwortung für die Schöpfung und für ihre individuelle Handlungsweise tragen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Koran stellt Männer und Frauen auf eine Stufe.</p></blockquote></div>
<p>Der Ursprung aller Menschen ist im Koran eine Seele (<em>nafs</em>), die sich evolutionär zu Männern und Frauen entwickelt hat (Koran, 4:1). Die Ansicht, dass der erste Mensch ein Mann und aus seiner Rippe die Frau erschaffen ist, ist nicht mit dem Koran zu begründen. Der gleiche Ursprung – eine Seele, eine <em>nafs</em> – charakterisiert die Gleichheit der Nachkommen aus dieser einen Seele.</p>
<p>Im Vers 9:71 heißt es, dass gläubige Männer und gläubige Frauen sich einander Vertraute sind und gemeinsam zu gutem Wirken aufrufen und vom schlechten Wirken abmahnen. Die Beziehung zwischen gläubigen Männern und gläubigen Frauen in diesem Vers besteht in Vertrauen zueinander und im paritätischen Wirken in der Gesellschaft.</p>
<p>Nach koranischer Mitteilung sind Verschiedenheit und Vielfalt der Geschlechter, Ethnien, Hautfarben, Völker und Traditionen die Zeichen, die auf Gott hinweisen (Koran, 30:20-25). Bei den Geschlechtern heißt es, dass Gott sie aus <em>einer</em> Wesensart erschaffen hat, damit sie beieinander Ruhe finden und die Grundlage ihrer Beziehung Liebe und Barmherzigkeit sind (Koran, 30:21). Wie in zahlreichen Versen im Koran enden die Verse, die auf Vielfalt hinweisen, mit dem Appell „Hören, Nachdenken und Vernunft einsetzen“. In Verbindung mit anderen Stellen im Koran wird geschlussfolgert, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und dass Gott von niemandem mehr erwartet als diese Person leisten kann (Koran, 2:286).</p>
<h2>Koranische Prinzipien und ihre Anwendung</h2>
<p>Auch wenn im Koran keine direkte Rede von Gleichberechtigung vorhanden ist, was nicht von einer Lektüre des siebten Jahrhunderts zu erwarten ist, sind in ihm die Fundamente für Gerechtigkeit allgemein fest verankert. Der Einsatz für eine gerechte Gesellschaftsordnung gehört zum Hauptverantwortungsbereich der Menschen. Die Veränderungen, die der Koran und Prophet Muhammad für die Frauen auf der arabischen Halbinsel des siebten Jahrhunderts bewirkt haben, sind Wegweiser für notwendige Änderungen, wenn Ungerechtigkeit herrscht.</p>
<figure id="attachment_5748" aria-describedby="caption-attachment-5748" style="width: 390px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Pixabay_pexels-mentatdgt-1568342.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5748" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Pixabay_pexels-mentatdgt-1568342-1024x400.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Pixabay_pexels-mentatdgt-1568342-300x200.jpg 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Pixabay_pexels-mentatdgt-1568342.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption id="caption-attachment-5748" class="wp-caption-text">Muslimische Frauen wollen ein selbstbestimmtes Leben, mit oder ohne Hijab. (Foto: mentatdgt, <a href="http://Pexels.com" class="autohyperlink">Pexels.com</a>, CC0)</figcaption></figure>
<p>Gerechtigkeit als Rechtsprinzip setzt die Verschiedenheit der Menschen voraus. Rechtliche Gleichheit meint nicht „Gleichheit der Identitäten“, vielmehr fordert sie Selbstbestimmung und gleiche Rechte für <em>alle</em> Menschen. Trotz allgemeiner Erklärung der Menschenrechte (1948) und Gleichstellung der Männer und Frauen in den Verfassungen der westlichen Staaten ist die Geschlechtergerechtigkeit auch in diesen Staaten ein Recht, das weiterhin und immer wieder erstritten werden muss.</p>
<p>In den meisten muslimisch geprägten Gesellschaften herrschen patriarchale Gesinnungen, die die Gesellschaftsordnung bestimmen. Die koranische rechtlich-materielle Ungleichheit zwischen Mann und Frau (Erbrecht, Zeugenaussage und angebliche Überlegenheit des Mannes in der Verantwortung für die Familie) – wenn sie nicht im Kontext der Offenbarungszeit gedeutet werden – bieten die Grundlage für eine von Gott bestimmte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Das Bemühen um eine zeitgemäße Geschlechtergerechtigkeit aus islamischer Perspektive verlangt eine Hermeneutik, die den Koran als historisches Zeugnis versteht, das seiner Universalität kontinuierliches Verstehen und Auslegen abverlangt.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Loyalität zum Koran bedeutet nicht, alte Denkmuster unreflektiert zu übernehmen.</p></blockquote></div>
<p>Hierfür setzen sich muslimische Frauen ein, die davon überzeugt sind, dass Gott sie als gleichwertige Geschöpfe erschaffen hat. Die Loyalität zum Koran und zur Tradition bedeutet nicht, die alten Denkmuster und Riten unreflektiert zu übernehmen. Die Treue zur Tradition verlangt, die koranischen Bestimmungen vernünftig und entwicklungsoffen zu deuten, wie der Koran selbst stets an Nachdenken und Einsatz der Vernunft appelliert.</p>
<p>Die religiös geprägten Frauenbewegungen verstehen den Glauben als wichtige Komponente der Identitätsbildung; für sie ist die Vereinbarkeit des Glaubens mit der Partizipation in der modernen Welt eine Selbstverständlichkeit. Es wäre wünschenswert, die Stimme dieser Frauen zu hören, die beides miteinander verbinden können und dafür eigene Wege und Möglichkeiten entdecken. Ma`sume Ebtekar, die frühere Leiterin der Frauen NGOs und die Beraterin des Präsidenten Khatami sagte einst in einem Interview über das Thema „Die Frauen im Aufbruch – Die Erfahrungen in Vergangenheit und Visionen von Morgen“ folgendermaßen: „Heute gibt es zahlreiche gebildete muslimische Frauen, die sich der Tradition verbunden fühlen, sich aber von strengen und engen Sichtweisen distanzieren. Es ist nicht mehr möglich, dass die Frauen sich mit den Jahrhunderte alten Traditionen zufriedengeben, die auf ihre Wünsche und Bedürfnisse entsprechend der Realitäten der Zeit keine Rücksicht nehmen. Die religiösen und moralischen Werte sind wichtig, aber mit Stagnation kann man die Werte nicht schützen. Stillstand im Namen der Bewahrung der religiösen Werte steht in Widerspruch zum Islam, der die Entwicklung und Bewegung als Wesen des Daseins versteht. Es ist nicht möglich aus Sicht des &lt;Gestern&gt; den Herausforderungen des &lt;Morgen&gt; gerecht zu werden“ (Zeitschrift <em>payame zan</em>, Die Botschaft der Frau, Sonderausgabe, Nr. 11, 2004, S. 69).</p>
<p>Im Koran heißt es, dass Gott die Situation eines Volkes nicht ändert, bevor es seine Gesinnung und seinen Zustand selbst ändert (Koran, 13:11). Die Verantwortung liegt in den Händen der Menschen, die sich mit bestem Wissen und Gewissen den Herausforderungen stellen und bedacht und vernünftig nach Lösungen und Auswegen suchen.</p>
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