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	<title>evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Otfried Höffe: Ist Gott demokratisch?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:35:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe geht in seinem gut lesbaren Essay der Frage nach, ob Religion(en) und säkulare Demokratie(n) sich gegenseitig ausschließen oder ob sie sich in ein vernünftiges, dem Gemeinwohl dienendes Verhältnis bringen lassen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Hoeffe-Gott.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-7195 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Hoeffe-Gott-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Hoeffe-Gott-200x300.jpg 200w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Hoeffe-Gott.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Hirzel Verlag, Stuttgart 2022, 232 S., 24,00 EUR</strong></p>
<p>Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe geht in seinem gut lesbaren Essay der Frage nach, ob Religion(en) und säkulare Demokratie(n) sich gegenseitig ausschließen oder ob sie sich in ein vernünftiges, dem Gemeinwohl dienendes Verhältnis bringen lassen.</p>
<p>In einem ideengeschichtlichen ersten Hauptteil rekonstruiert Höffe das Verhältnis zwischen Religion und Staaten. Dabei widerlegt er die „Große Erzählung“, wonach die Moral zu Beginn der Menschheitsgeschichte religiös begründet war und erst sekundär von dieser Verbindung gelöst wurde. Anhand des Konfuzianismus und der Philosophie des Aristoteles, aber auch des Dekalogs des Alten Testaments untermauert Höffe seine These, dass Religion in vielen Kulturen für die Begründung von Moral, Recht und Staatsformen nahezu belanglos war. Erst auf diesem Hintergrund sei es zu einer „Entsäkularisierung“ etwa durch christliche Denker wie Augustinus gekommen. Im weiteren Verlauf zeichnet Höffe kenntnisreich und spannend geschrieben Verhältnisbestimmungen von Religion und säkularem Staat vom Mittelalter bis zur Gegenwart nach – wobei er radikale Religionskritiker ebenso zu Wort kommen lässt wie „neuere Verteidiger der Religion“.</p>
<p>Auch wenn die meisten westlichen Staaten heute weitgehend säkularisiert auftreten, spielt Religion in vielen gesellschaftlichen Debatten und politischen Konfliktlagen eine wesentliche Rolle – darin zeigt sich die Aktualität des Essays. Im zweiten Hauptteil geht Höffe der Frage nach, welchen Sinn und Wert Religion(en) für ein Zusammenleben in Demokratien, aber auch für das gelingende Leben des Einzelnen haben können. Dabei wird ein breiter Horizont von der Sprache über die Architektur, die Kunst, die Musik, den Jahreskreis, die Wirtschaft bis hin zu Gefühlen und Tugenden eröffnet. Auf der anderen Seite zeigt Höffe auch schonungslos die Gefahren auf, die von Religionen für Demokratien ausgehen können. Dabei greift er Argumente von der antiken Religionskritik bis zur Moderne auf und betrachtet auch jüngste Phänomene wie etwa den „Neuen Atheismus“ oder den „politischen Islam“.</p>
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		<title>Johannes Eurich, Dieter Kaufmann, Urs Keller, Gerhard Wegner (Hrsg.): Ambivalenzen der Nächstenliebe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bertram Salzmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:33:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Nächstenliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtfertigung]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation]]></category>
		<category><![CDATA[Werke]]></category>
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					<description><![CDATA[Zu den revolutionären theologischen Veränderungen der Reformation gehörte auch ein neues Verständnis von Nächstenliebe. Martin Luther hat dies programmatisch in seiner Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen 1520 entfaltet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Eurich_Wegner.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-7194 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Eurich_Wegner-202x300.jpg" alt="" width="202" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Eurich_Wegner-202x300.jpg 202w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Eurich_Wegner.jpg 300w" sizes="(max-width: 202px) 100vw, 202px" /></a>Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2019, 214 S., broschiert 34,00 EUR</strong></p>
<p>Zu den revolutionären theologischen Veränderungen der Reformation gehörte auch ein neues Verständnis von Nächstenliebe. Martin Luther hat dies programmatisch in seiner Schrift <em>Von der Freiheit eines Christenmenschen</em> 1520 entfaltet. Statt aus einer Hoffnung auf himmlische Belohnung soll die Praxis der Nächstenliebe nach seinem Verständnis aus der erfahrenen Rechtfertigung und geschenkten Anerkennung durch Gott wachsen. Luther hat dies nicht nur theologisch begründet, sondern daraus auch eine neue Praxis der sozialen Verantwortung, z.B. der Armenfürsorge, abgeleitet, die bis in die Begründung modernen sozialstaatlichen Handelns nachwirkt.</p>
<p>Der Band <em>Ambivalenzen der Nächstenliebe</em> zeichnet diese Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven nach. Insgesamt enthält er 14 Beiträge einer Tagung, die im Februar 2018 in Heidelberg stattfand. Der erste Teil ist den historischen Entwicklungen gewidmet, darauf folgen Artikel zu Ressourcen diakonischen Handelns heute und schließlich Beiträge mit Blick auf die Praxisrelevanz der reformatorischen Botschaft der Nächstenliebe heute. Als „ambivalent“ werden die Auswirkungen der Reformation insofern beschrieben, als es dadurch z.T. auch zu einer Verschärfung des Umgangs mit Bedürftigen und Armen kam. So wurde zwischen guten und schlechten (=faulen) Armen unterschieden und zur Armenfürsorge gehörte auch die strenge Disziplinierung mit dem Ziel einer „Verfleißigung“ – Hartz IV lässt grüßen.</p>
<p>In solider wissenschaftlicher Aufarbeitung bietet der Band immer wieder überraschende Einblicke, wie z.B. auch die Erkenntnis, dass sich Christen nach empirischen Studien tatsächlich sozialer verhalten als der/die Durchschnittsbürger/in. Nächstenliebe scheint also durchaus noch aktuell zu sein.</p>
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		<title>Sebastian Kleinschmidt: Kleine Theologie des Als Ob</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Brand]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:31:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht welchen Sinn es hat, sondern wie es heute möglich ist, von Gott zu reden bzw. sich Gott anzunähern, fragt Sebastian Kleinschmidt und antwortet auf 123 Seiten mit seiner „Kleinen Theologie des Als Ob“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Theologie-als-ob.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-7193 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Theologie-als-ob-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Theologie-als-ob-200x300.jpg 200w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Theologie-als-ob.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Claudius Verlag, München 2023, 123 S., 20,00 EUR</strong></p>
<p>Nicht welchen Sinn es hat, sondern wie es heute möglich ist, von Gott zu reden bzw. sich Gott anzunähern, fragt Sebastian Kleinschmidt und antwortet auf 123 Seiten mit seiner „Kleinen Theologie des Als Ob“. Bei diesem Modus des „Als Ob“ handelt es sich nach Kleinschmidt um „eine Art Gottestreue in Zeiten von Anfechtung und Glaubensferne“ (S. 30). Für ihn ist dieser Modus der Annahme eine Möglichkeit zwischen Glauben und Unglaube.</p>
<p>Seine Theologie des „Als Ob“ ist Ergebnis einerseits der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte und Ereignissen in der Weltgeschichte, andererseits eines kritischen Nachdenkens über Theorien unterschiedlicher Disziplinen. Dabei sind sowohl philosophische, insbesondere religionskritische, politische, sozial- und naturwissenschaftliche als auch theologische Perspektiven im Blick. Kleinschmidt lässt seine Leser*innen an diesen Auseinandersetzungen in den ersten Kapiteln seines Buches teilhaben. Er lädt sie zugleich dazu ein, mit über das Verständnis von Religion und das Verhältnis von Glauben und Unglaube nachzudenken.</p>
<p>In den folgenden Kapiteln nähert er sich dann komplexen theologischen Konzepten, die er zur Veranschaulichung seiner Argumentation mit Beispielen aus Kunst und Literatur, Philosophie und Geschichte verbindet. Abschließend zeigt Kleinschmidt auf, inwiefern seine „Kleine Theologie des Als Ob“ einen veränderten Blick auf die Welt ermöglicht und dabei Hoffnungsperspektiven erschließt.</p>
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		<title>Kunst von besonderen Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Hockney]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
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		<category><![CDATA[Kunstwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch in einer Kunstsammlung kann sich integratives Engagement niederschlagen. Deshalb lohnt sich ein Ausflug nach Hohenlohe. Mit den Würth-Museen in Künzelsau und Schwäbisch Hall verfügt die Region über Attraktionen und kann mit besonderen Ausstellungen aufwarten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Auch in einer Kunstsammlung kann sich integratives Engagement niederschlagen. Deshalb lohnt sich ein Ausflug nach Hohenlohe. Mit den Würth-Museen in Künzelsau und Schwäbisch Hall verfügt die Region über Attraktionen und kann mit besonderen Ausstellungen aufwarten.</p></blockquote></div>
<p>Das hat es noch nie gegeben: Rund 1400 Besucherinnen und Besucher bei einer Ausstellungseröffnung. Überrannt wurde das Museum Würth 2 in Künzelsau im Hohenlohekreis des weltweit agierenden Schraubenhändlers. Der Blick von ganz Deutschland, zumindest des kunstinteressierten Teils, richtet sich zurzeit nach Baden-Württemberg. Alle wollen die Ausstellung mit Werken von David Hockney sehen.</p>
<p>Zum ersten Mal in Deutschland wird hier das spektakuläre 90 Meter lange, auf einem iPad entstandene Fries unter dem Motto „A Year in Normandie“ gezeigt. Ein Jahr lang hat der britische Künstler die Natur beobachtet und auf aneinander gefügten Blättern in leuchtenden Farben die jahreszeitlichen Veränderungen festgehalten. Die Schau ist bis zum 3. September zu sehen. Im Foyer werden zeitgleich Bilder von Georg Baselitz aus Anlass des 85. Geburtstags des Künstlers gezeigt.</p>
<h2>Integratives Konzept</h2>
<p>Parallel dazu sind im nebenan liegenden Museum bis zum 17. September im Verwaltungsgebäude Werke zu sehen, die bisher nicht im Fokus des Kunstgeschehens standen. Sie gehen vielmehr auf das Engagement von Carmen Würth für behinderte Menschen zurück. Deren Integration ist für Carmen Würth, die Frau des Schraubenmilliardärs Reinhold Würth, eine Herzensangelegenheit.</p>
<p>Aufgrund von Erfahrungen in der eigenen Familie betreibt sie in Künzelsau ein Hotel mit integrativem Konzept, in dem Menschen mit und ohne Behinderung seit Jahren zusammenarbeiten. Es ist ein Konzept, das über die Landesgrenzen hinaus Interessierte nach Künzelsau lockt. Zur Kunstsammlung Würth gehören Werke von Menschen mit Behinderung, die regelmäßig gezeigt werden.</p>
<p>Neben der Intensität der Farben ist es die unbändige Kreativität, die in den Werken der aktuellen Ausstellung im Museum Würth in Künzelsau zum Ausdruck kommt. Die Originalität der künstlerischen Ideen führt in der Schau mit dem Titel „Fähigkeiten! Kunst von besonderen Menschen in der Sammlung Würth“ zu frappierenden Ergebnissen. So benötigt Ronald Saladin nur einen Kugelschreiber, um mit einem verwirrenden Geflecht Assoziationen wachzurufen an eine immer unübersichtlicher werdende Welt.</p>
<p>Mit etwa 140 Bildern, Zeichnungen und Objekten von rund 50 Künstlerinnen und Künstler zeigt das Museum Würth die bislang größte Präsentation von Menschen mit Assistenzbedarf. Die meisten Arbeiten sind nach Angaben von Kuratorin Kirsten Fiege in kreativen Werkstätten unter dem Dach von Einrichtungen wie der Diakonie Stetten oder der Bruderhaus Diakonie in Baden-Württemberg entstanden. Zu den Vorreitern gehört laut Fiege das Frankfurter Atelier Goldstein, dessen Konzept auf der Überzeugung beruht, dass Menschen mit Beeinträchtigung in der Lage sind, bedeutende Werke der zeitgenössischen Kunst zu schaffen.</p>
<h2>Mehr als 450 Werke von über 125 Kunstschaffenden</h2>
<p>Mit der 2019 verstorbenen Christa Sauer ist eine der renommiertesten Künstlerinnen des Ateliers in der Ausstellung vertreten. In großformatigen Arbeiten verwebt sie bunte Kreise zu faszinierenden Bildteppichen. Genauso wie Pedro Gonzales mit seiner kuhartigen Skulptur entführt sie in phantastische Welten. Uwe Kächele schafft leuchtende, lebensfrohe Bilder mit impressionistischen Anklängen, in denen er mit farbigen Fingerabdrücken einen besonderen Raumeindruck hervorruft.</p>
<p>Zu Weltruhm hat es Roland Kappel als Chef der fiktiven Firma „RK Baumission“ gebracht. Er baut aus Metallresten funktionierende Baumaschinen aus dem Gedächtnis nach als Miniatur, wie den in der Schau ausgestellten Baukran. Mit den Materialcollagen von Marcus Weber sind auch Werke eines Künzelsauer Künstlers vertreten, der im von Würth betriebenen Restaurant Handicap beschäftigt ist.</p>
<p>Immer noch werde den Menschen mit Beeinträchtigung im „normalen“ Kunstbetrieb eine Sonderrolle zugeschrieben, bedauert Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur bei Würth. Die Ausstellung hebt auf deren Fähigkeiten ab und leistet einen Beitrag dazu, Menschen mit Handicap künftig gleichberechtigt zu integrieren. Die Kunst von besonderen Menschen ist auf Initiative von Carmen und Reinhold Würth seit den 90er Jahren selbstverständlicher Teil der Sammlung Würth mit inzwischen mehr als 450 Werken von über 125 Kunstschaffenden.</p>
<h2>Blumenkunst und Pflanzengeheimnisse</h2>
<p>Im nahegelegenen Schwäbisch Hall ist in der Kunsthalle Würth eine weitere spannende Ausstellung zu sehen. Hier blüht es nicht nur auf den Leinwänden, sondern auch in der Realität. In einer Vitrine wachsen Gewürze, und der Japaner Azuma Makoto hat eine Pflanzenskulptur aus frischen Blumen und Samen geschaffen, die sich während der Laufzeit der Ausstellung ständig verändert. Der Blumenkünstler macht mit seinen ungewöhnlichen Kreationen weltweit Furore.</p>
<figure id="attachment_7189" aria-describedby="caption-attachment-7189" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Wuerth_Katz_Lang.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7189 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Wuerth_Katz_Lang.jpg" alt="Hommage a Monet von Alex Katz und traditionelle japanische Korbflechterei" width="1024" height="600" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Wuerth_Katz_Lang.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Wuerth_Katz_Lang-300x176.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7189" class="wp-caption-text">Kontraste: Hommage a Monet von Alex Katz und traditionelle japanische Korbflechterei (Foto: Rainer Lang)</figcaption></figure>
<p>Die antike Göttin Flora ist die Leitfigur der aktuellen Ausstellung. Die Darstellung der jungen Frau mit Blumen und Blüten im Haar ist der Ausgangspunkt für eine phantastische Reise durch die „Pflanzengeheimnisse in der Sammlung Würth“. Unter dem Motto „Rosenrot, Grasgrün, Quittengelb“ sind bis zum 5. November rund 170 Werke von rund 70 modernen und zeitgenössischen Künstlern zu sehen.</p>
<p>Da die Ausstellungen ständig wechseln, lohnt sich immer ein Besuch. Die Museen sind ganzjährig bei freiem Eintritt täglich geöffnet. Diesen niederschwelligen Ansatz, der jedem einen Museumsbesuch ermöglicht, hat auch der baden-württembergische Kunststaatssekretär Arne Braun bei seinem Besuch vor kurzem als bemerkenswert bezeichnet. Für den Grünen ist dies für die Region auch aus touristischem Blickwinkel ein Gewinn: Urlauber entscheiden sich nicht zuletzt wegen der attraktiven Museen von Würth verbunden mit einer reizvollen Landschaft für Hohenlohe. Das Unternehmen zeigt auch alte Meister und die Geschichte der Schraubenproduktion im Kochertal. Weitere Informationen unter <em><a href="http://www.kunst.wuerth.com" class="autohyperlink">www.kunst.wuerth.com</a></em>.</p>
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		<title>Theologie der Auferstehung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:20:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Auferstehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Die theologische Rede vom Kreuz (theologia crucis) erschließt sich nur von Ostern her. Karfreitag und Auferstehung gehören zusammen und legen sich gegenseitig aus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die theologische Rede vom Kreuz (theologia crucis) erschließt sich nur von Ostern her. Karfreitag und Auferstehung gehören zusammen und legen sich gegenseitig aus.</p></blockquote></div>
<p>„Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst.“ Diese Aufforderung, die an der 8. Statio eines jeden Kreuzweges zu vernehmen ist, kann für jeden und jede exemplarisch gelten. „Weint nicht über mich“, sagt der sein Kreuz tragende Nazoräer auf seinen letzten Metern. Er trägt schwer an seinem Kreuz. Eine Volksmenge säumt den Weg und begafft das Spektakel. Etliche, die so große Hoffnung in ihn gesetzt haben, stehen klagend und weinend dabei. „Weint nicht über mich“, sagt er zu diesen, „sondern über euch selbst.“</p>
<h2>Trauer</h2>
<p>Weinen ist Ausdruck von Trauer, von Klage, auch von Verzweiflung. In der Trauerforschung wird den Wirkungen von Weinen und Trauern nachgedacht. Dass auf dem Kreuzweg, der bitteren Via Crucis, geweint wird, kann kaum überraschen. Und wie viel ist in unseren Tagen von Verzweiflung zu hören. Viele weinen um fragmentarisch gebliebene Existenzen, Enttäuschungen, im Hier und Jetzt Unvollendetes, Unverstandenes, echten oder manchmal auch oberflächlichen Weltschmerz, menschliche Grausamkeiten, trauern um unergründliche Schicksale.</p>
<p>In der Klage- und Trauerliteratur gibt es ein einprägsames Bild für den Weg des Trauerns: Trauer sei wie ein großer, schwarzer Kloß, der wie eingeschweißt ein diesen umgebenden Behälter fast vollständig ausfüllt. Für den individuellen Trauerprozess ist nun kennzeichnend: Der große Trauerbrocken bleibt. Er wird keinesfalls kleiner, leichter, heller. Was aber größer wird, ist das Behältnis darum herum. Es weitet sich. Die Trauerzeit muss den Brocken weder zertrümmern, noch zum Schrumpfen bringen oder hell anstreichen. Der Brocken bleibt, aber die Welt darum herum wird anders.</p>
<p>Die Stationen des Kreuzwegs beginnen mit einer unschuldigen Verurteilung. Schuldlos angeklagt und schuldlos abgeurteilt macht sich der Leidende auf seinen letzten Weg. Ja: Leid kann auch ohne Schuld und ohne Ursache über jemand hereinbrechen. So voraussetzungslos und unverdient wie das Leben gegeben ist, kann es auch wieder zurückgefordert werden. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, sagt dazu fast stoisch die weisheitliche Spiritualität Israels (bleibt dabei aber nicht stehen). „Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?“, beginnt der seitdem vielzitierte Vertrauens- und Passionspsalm 22, den Jesus am Kreuz schreit.</p>
<p>Ist hier Gott unsichtbar? Ist er weit weg? Von einer Verborgenheit Gottes wird bis heute viel geredet. Unsere Klage- und Trauerliteratur dazu ist lang. Verborgenheit bezieht sich dabei nicht nur auf unerklärliche Zeitläufte. Auch dass Gott schweige, dass sein Reden bei den Menschen nicht ankomme, wird des Öfteren beklagt.</p>
<p>Diese alte paulinisch-johanneische Einsicht „Gott ist da, aber keiner beachtet es“ (Joh 1,10f; Röm 1,19-21), begegnet sinngleich in den synoptischen Evangelien, etwa wenn der Gleichnis-Erzähler Jesus feststellt (mit einem Zitat des Propheten Jesaja), dass viele sehen und doch nicht verstehen, hören, aber nichts daraus folgern (Mt 13; vgl. Ps 19,3f). Es ist also weder neu, noch ungewöhnlich, insofern auch nicht beunruhigend, sondern Bestandteil geschichtlicher Kontinuität: seit hunderten und tausenden von Jahren. Es stimmt jedoch auch: Damit ist – längst – nicht alles gesagt, was zu sagen ist oder wäre. (Es bildet nur den immerwährenden Ausgangspunkt!) Denn: Es wird ja gehört. Und: Es wird ja verstanden. – Wie geht das zu?</p>
<p>„Die Schädelstätte wurde zum Paradies“, sagt provozierend in Bezug zum Karfreitag die orthodoxe Liturgie. Zum Kreuz als Symbol finden sich schon früh Darstellungen als Lebensbaum. Denn zum Bericht von diesem Tod gehört auch der Bericht von Leben. Manchmal heißt es ja, Tod und Sterben seien tabuisiert und an den Rand gedrängt. Für das Christentum stimmt es jedenfalls nicht. Wie neben Kreuzwegen und Kreuzesdarstellungen z.B. die alljährliche Karwoche zeigt: Von Palmsonntag über Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag hin zu Osternacht und Ostern. Mit der Karwoche ist gleich ein Weiteres angezeigt und ausgesagt: Eines ist ohne das andere theologisch nicht zu fassen! Das Kreuz nie ohne Ostern, und umgekehrt. Beides gehört zusammen (Holger Kaffka: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Art. <em>Kreuzestheologie. Ostkirche</em>).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Ohne das Kreuz wäre Ostern leer.</p></blockquote></div>
<p>Ohne Ostern bliebe Karfreitag ein ewiges Fragezeichen. Ohne das Kreuz wäre Ostern leer. Theologisch ist damit festgehalten, dass Gott (wie folglich unser Gottesbild und -begriff) auch Unsinn, Verzweiflung, das blanke Nichts, tiefste Trauer und den Tod aushält und integrieren kann. Hierher passt der Satz, dass Gott mit „Möglichkeiten“ zusammenhänge – der für Schriftkundige ja ebenfalls nichts Ungewöhnliches besagt (Lk 1,37; Mk 10,27: denn „bei Gott ist nichts unmöglich“; „alles ist möglich bei Gott“).</p>
<h2>Österliche Menschen</h2>
<p>„Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“, ertönt es im Ostergottesdienst der Orthodoxie. „Er hat den Tod durch den Tod überwunden und denen, die im Grabe sind, das Leben geschenkt.“ Österliche Menschen dürfen wir Christen sein. Es kann dabei offen bleiben, wie genau man sich die Auferstehungszukunft vorzustellen habe. Es ist eine leibliche Auferstehung, ja.  Wie genau, dazu machen bewusst Paulus und alle biblischen Osteraussagen nur ungefähre Angaben (1. Kor 15,35ff). Auferstehung sprengt nicht nur die Todeswelt. Sie sprengt auch unsere Vorstellungen. Das kann kaum anders sein. Bedeutet sie doch den Übergang in einen anderen Äon.</p>
<p>Das feierliche Nicaenum sagt: Gott schuf den Himmel und die Erde, „die sichtbare und die unsichtbare Welt.“ Sogar dort, wo der Mensch nichts sieht, kann Gott sehr wohl am Werk sein. Selbst dort, wo wir keinen Sinn erkennen, kann Gott in seinen Möglichkeiten neu ans Werk gehen. Sogar im Unsinn (setze hier testweise als Chiffre: „Kreuz“), kann Gott sehr wohl Sinn stiften. Tatsächlich ist der Kreuzigungspsalm 22 ein Vertrauenspsalm (Vers 5f, 20, 22b, 32). Wenn immer wieder von Imitatio Christi zu hören ist, von Nachahmung oder Nachfolge (auch in den <em>evangelischen aspekten</em>), dann mag das auch für das Sprechen von Psalm 22 gelten.</p>
<p>In österlicher Nachfolge werden wir mit dem „Weint!“ zu einer besonderen Art von Selbsterkenntnis angeleitet. Der Aufforderung ist noch eine Begründung mitgegeben: Denn „wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?“ (Lk 23,31) Jeder Mensch mit seinen dürren Nachfolgeversuchen wird kaum an Kreuz- und Trauererfahrungen vorbeikommen, wenn schon das so hoffnungsgrüne Leben Jesu von Nazareth dem nicht entgeht.</p>
<p>Auch österliche Menschen kennen Trauer. Ein Theologe der Auferstehung muss Leiden weder aktiv suchen noch künstlich überspielen. Sie können aber wissen, dass Weinen die Weinenden verändert. Als Jesus die Aufforderung zum Weinen an seine sporadisch, fast wegelagerisch versammelte Trauergemeinschaft spricht, hat er sein Kreuz bereits ein Stück weit abgelegt, weitergegeben: Der am Wegesrand der Via Crucis stehende Simon von Kyrene tritt für ihn ein und schleppt den Kreuzesbalken für ihn weiter.</p>
<h2>Theologie der Auferstehung</h2>
<p>„Weint – weint nicht“, jede und jeder trauert anders, aber das Betrauern unter Osterlicht bewirkt auch Ablösung von falschen Fixierungen. Noch einmal: Löscht Ostern die Kreuzeserfahrung und das Kreuzesgeschehen aus? Nein. Erst recht nicht das so wichtige Trauern. Trauern bleibt wichtig, weil der Verlust real ist. Aber das Bestimmende darf die Osterfreude werden. Das Behältnis um den Trauergegenstand herum kann sich weiten und noch viele weitere Welt- und Gotteserfahrungen in sich fassen.</p>
<p>Hören wir also nur für heute ein letztes Mal die Forderung: „Weint und trauert über euch“. Denn Trauer, sofern sie nicht in <em>self-pity</em>, in Selbstmitleid verharrt, ermöglicht einen „erwachsenen“ Abschied von um sich selbst kreisenden Subjekten. Theologie der Auferstehung ist Wahrnehmungserweiterung. Das Kreuz nie ohne Ostern denken und Ostern nie ohne Kreuz, heißt: Auch der Satz vom dürren Holz ist mit Osteraugen zu lesen und ändert sich dabei. Denn mit Blick auf die Auferstehung gilt auch umgekehrt: „Was am grünen Holz geschieht, kann auch am dürren Holz geschehen.“</p>
<p>Dass viele sehen und (zuerst) doch nichts erkennen, muss nicht das letzte Wort sein. Der Theologe der Auferstehung weiß immer mehr, als aktuell zu sehen ist. Ausgerechnet die Zeit der Glaubensunterdrückung hat dazu geführt, so das apokryphe biblische Buch Tobit, dass man in aller Welt, über sämtliche Länder verstreut, Bekenner zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs findet. Gerade in Zeiten von Infragestellung kann Glaubenstrost seine Kraft beweisen. Und sei es nur in einem wackeligen Schrei oder Gebet wie Mk 9,24 „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Das Hauptgewicht liegt auf dem Osterjubel.</p></blockquote></div>
<p>Theologie der Auferstehung denkt von Ostern, von einer Umkehrung der Todeslogik her. Golgatha ist (nur) dann und insoweit „paradiesisch“, denn die ursprüngliche, gute Schöpfung ist dann wiederhergestellt. Österliche Menschen leben so im „Vorgarten“ der Ewigkeit, in welcher Gottes <em>doxa</em> leuchtet, Gottes Licht und Herrlichkeit. Schon Hier und Jetzt scheint Österliches Licht, gibt Trauerzeiten einen Vorschein und macht sie heller. „Sie zählten dich unter die Missetäter / sie beschlossen deinen Tod / sie gruben dich ein“, schrieb Lothar Zenetti. „&#8230; Sie wollten dich unter die Erde bringen / aber / sie brachten dich [gerade damit] unter die Leute“.</p>
<h2>Drei Anwendungsbeispiele</h2>
<ol>
<li>Schon lange hat nach schönem Brauch fast jedes Kirchengebäude einen integrierten Kreuzweg, mit meist 14 Stationen. Wenn stimmt, dass Ostern beim Kreuz stets mitzudenken ist, wäre das von jeder Einzelstation aufzuweisen… (Los geht’s!)</li>
<li>Das bisher Gesagte lässt sich ausnahmslos und auf hohem theologischen Niveau reflektiert in Luthers Beschreibungen der <em>theologia crucis </em> Man muss nicht, kann aber aus dieser reich gefüllten Vorratskammer schöpfen. Man findet dort ebenso die Aussage, dass Gott, wie es seiner Art entspricht, nie darauf angewiesen ist, etwas vorzufinden. Sondern letztlich immer erst erschafft, was bleibend gut und liebenswert ist (<em>deus non invenit, sed creat</em>, Heidelberger Disputation). Was auch der Formel Röm 4,17 entspricht, wo Gottes Schöpferhandeln aus dem Nichts und die Auferstehung parallelisiert werden. Klassisch die Bestimmung des <em>deus absconditus</em> (verborgener Gott – der für uns immer unzugänglich ist und bleibt). Eine zeitüberlegen schöne und allgemeinverständliche Zusammenfassung bietet die Erläuterung zu Luthers Wappensiegel, die Lutherrose (Summe und „Merkzeichen meiner Theologie“), mit dem güldenen Ring, der das schwarze Kreuz und die blühende Rose umgibt und himmlisch überwölbt. Übrigens gibt es ausdrucksstarke Osterlieder von Luther, aber kein Passionslied. Was untermauern könnte, dass – sofern denn stärker auf einer der beiden Seiten – das theologische Hauptgewicht, wenn schon, auf dem Osterjubel liegt.</li>
<li>Weil und wenn es stimmt, dass die biblischen Schriften die „Grammatik des Heiligen Geistes“ darbieten, bieten Kreuz und Auferstehung die zugehörigen Konjugations- und Deklinationstabellen für Nomina und Verben. Von hier erhalten so gut wie alle theologischen Begriffe ihre typische im Alten und Neuen Testament geprägte und gesättigte Bedeutung und ihre richtige Verwendung!</li>
</ol>
<p>Was heißt Hingabe (z.B. Lebenshingabe). Was stellvertretendes Handeln. Was Gerechtigkeit und Treue (jeweils von Ostern her gedacht!). Stellvertretung ist dann etwas, in dem auch stellvertretendes Leiden mit inbegriffen sein kann (aber nicht muss). So wie sich etwa Eltern stellvertretend für ihre Kinder für eine gute Schulbildung und Berufsaussichten auch gegen Widerstände einsetzen, sich manches vom Munde absparen oder anderweitig auf eigene Wünsche verzichten.</p>
<p>Sinn und göttliche Weisheit erschließen sich im von Ostern her gedeuteten  Karfreitag als Wort vom Kreuz, das eine Kraft Gottes ist, deren man sich nicht schämen muss: sondern das österliches Menschsein in allen seinen Dimensionen schon im Hier und Jetzt möglich macht.</p>
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		<title>Unermüdlich auf der Suche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Eberhard Cherdron]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 11:11:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Feindesliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bibel-Bild_Friedhelm-Schneider.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-7179 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bibel-Bild_Friedhelm-Schneider.jpg" alt="" width="1024" height="1024" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bibel-Bild_Friedhelm-Schneider.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bibel-Bild_Friedhelm-Schneider-300x300.jpg 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bibel-Bild_Friedhelm-Schneider-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)</p></blockquote></div>
<p>Ein guter Freund ist unermüdlich auf der Suche nach Bildern vom Frieden. Jedes Jahr schickt er uns einen Kalender mit Friedensbildern und lässt uns so an seiner Suche teilnehmen. In diesem Jahr findet sich darin auch ein Bild aus einer Bäckerei in Speyer, das unverkennbar im vergangenen Jahr aufgenommen wurde, aber schrecklicherweise immer noch aktuell ist. „Brot statt Bomben“ hat der Freund als Titel dem Bild beigegeben.</p>
<p>Dieses Suchen des Freundes nach Friedensbildern hat mir den Vers aus Psalm 34 in Erinnerung gerufen. 2019 war er auch Jahreslosung. In der Bibel steht er nicht nur im AT, auch in 1. Petrus 3,11 ist er zu finden, verbindet Altes und Neues Testament, als sollte er uns damit noch eindrücklicher werden.</p>
<p>Der Psalmvers ist eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Leben, den guten Tagen. Er steht im Zusammenhang mit andern Antworten auf diese Frage, wie Leben gelingen kann: Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.</p>
<p>Im Kontext dieses Heftes und der Frage nach der Nächstenliebe steht nun natürlich auch der Zusammenhang von Nächstenliebe und Feindesliebe in der Diskussion. Kann man oder muss man nun doch auch sogar in Kriegszeiten von Feindesliebe sprechen?</p>
<p>Jenseits aller theoretischen Abstraktionen ist dies wahrscheinlich notwendig, damit noch ein letztes Maß an Menschlichkeit gewahrt bleibt. Angesichts so vieler Hasstiraden in der Welt, die ja nicht nur den persönlichen Umgang betreffen, sondern geradezu zur Signatur politischen Redens geworden sind, ist die Erinnerung an das Doppelgebot der Liebe, das zur Feindesliebe noch erweitert wird, ein wirklicher Anstoß zum „Jagen nach dem Frieden“. Dabei ist das kein Rezept zum Frieden schaffen. Aber es ist eine bleibende Erinnerung, die heute nötiger denn je ist.</p>
<p>Diese Erinnerung müsste eigentlich die Signatur des Christseins in unsrer Gegenwart werden. Unerbittlich hält sie uns vor, was zum das Christentum Auszeichnenden gehört: die Ablehnung und Überwindung der Feindbilder, wo immer sie auftreten. Zweifellos ist das das Schwierigste, wenn die Fronten verhärtet sind. Ob im gesellschaftlichen Diskurs, wie wir das gerade bei der Klimafrage erleben oder gar im festgefahrenen Stellungs-Krieg mit den schrecklichen Folgen des unablässigen Tötens.</p>
<p>Die Banderole um das Brot mit den Farben der Ukraine macht ja nur Sinn mit der Abbildung der Friedenstaube, dem Symbol der schutzlosen Feindesliebe. Wie gefährdet ist der Flug dieses Friedenssymbols? Hat es überhaupt eine Chance angesichts der tödlichen Waffen, die von allen Seiten drohen?</p>
<p>Christen halten aus in solcher Gefährdung, unermüdlich auf der Suche nach dem Frieden. Weil sie in Jesus Christus selbst solches Aushalten in größter Gefährdung sehen: sein Weg bis ans Kreuz war allezeit für die Christen ein Bild des Sieges über die tödliche Drohung menschlicher Schuldverstrickungen. Die Feindesliebe wird zum wahrhaften Zeugnis in der Nachfolge Jesu Christi. Und das hat unsre Zeit nötiger denn je.</p>
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		<title>Die Befreiung Gottes zur Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Falkenstörfer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 10:58:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Jenseits]]></category>
		<category><![CDATA[Opfertod]]></category>
		<category><![CDATA[Sterben]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Vergänglichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Von der „heiligen Vergänglichkeit“ spricht der Schweizer Theologe Kurt Marti. Der Mensch ist auf dem Wege der Evolution endlich geschaffen, vergänglich geschaffen. Er ist aber nicht irgendein Ding und auch nicht irgendein Lebewesen. Er weiß um seine Endlichkeit und macht sich Bilder von deren Rand.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Von der „heiligen Vergänglichkeit“ spricht der Schweizer Theologe Kurt Marti. Der Mensch ist auf dem Wege der Evolution endlich geschaffen, vergänglich geschaffen. Er ist aber nicht irgendein Ding und auch nicht irgendein Lebewesen. Er weiß um seine Endlichkeit und macht sich Bilder von deren Rand.</p></blockquote></div>
<p>Ist dieser Schritt zur Endlichkeit ein Defizit, ein Verfall, der letzte Schritt vor dem Ende des Glaubens? Nicht notwendig. Es kann auch der Anfang eines neuen Gottesverhältnisses sein. Gott kann präsent sein, so wie er oder sie ist. Gott wird nicht festgenagelt und verpflichtet auf eine objektive Tat nach dem Tode. Nein, da wissen wir nichts und müssen nichts glauben. Wir haben nur Bilder, nur Produkte unserer Phantasie, die es uns ermöglichen, das was außerhalb unseres Seins ist, nicht als leeres Nichts zu denken.</p>
<h2>Erlaubnis zur Endlichkeit</h2>
<p>Äußerungen dieser Art finden sich vereinzelt in der evangelische Theologie ausdrücklich, aber vermutlich denken viele Theologinnen und Theologen in diese Richtung, ganz zu schweigen von vielen Kirchenmitgliedern. Eine evangelisch sehr engagierte Dame schrieb mir, sie fände den Gedanken an ein Weiterleben beängstigend. Man muss nicht so denken, und es ist jedem unbenommen, mehr zu denken und zu glauben. Aber man kann es, und wer glaubt, dass der Mensch eine Erlaubnis zur Endlichkeit hat, stellt sich damit nicht außerhalb der Gemeinschaft der Glaubenden. Und ganz falsch ist die Verbindung von Gott und Weiterleben in dem gelegentlich gehörten Satz „Ich glaube nicht an Gott: mit dem Tode ist alles aus“.</p>
<p>Es ist christlich durchaus möglich, im Rahmen der Erlaubnis zur Endlichkeit, so zu denken und zu glauben. Die kirchliche Sprache lässt auch vieles offen. In seiner Enzyklika SPES SALVI &#8211; Durch Hoffnung gerettet &#8211; schreibt Papst Benedikt XVI., eine einfache Fortsetzung des Lebens nach dem Tod sei eigentlich langweilig und auf die Dauer unerträglich, wenn nicht „die Gnade hineinschiene“. Und die Gnade kann alles sein. Sie bleibt unanschaulich. Sie kann, wenn man sie anschaulich machen will, einfach auch die Befreiung von den Mühen des Lebens sein. Die gängige Inschrift, „requiescat in pace“ (er/sie ruhe in Frieden) lässt alles offen. Der Satz lässt eher an einen ewigen Schlaf denken als an eine ewige Bewegtheit. Und den in Trauerpredigten gern gebrauchten Satz, man könne nicht tiefer fallen als in die Hand Gottes, kann man leicht so verstehen, dass die Hand Gottes ein Gleichnis für das ruhende Nichts ist.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das Leben &#8211; ein Spaziergang in die Zeit.</p></blockquote></div>
<p>Die bekenntnisoffizielle Formulierung von der Auferstehung am jüngsten Tage wirkt in ihrer extremen Konkretheit so, dass man sich an die heitere Anekdote von der Kammerfrau erinnert, die nahe bei ihrer Herrin begraben sein möchte, damit sie ihr bei der Auferstehung behilflich sein kann. Der Tübinger systematische Theologe Friedrich Hermanni schreibt in seinem Buch <em>Metaphysik</em>, der Mensch lebe im Gedächtnis Gottes weiter. Gut, man kann das sagen. Aber es scheint doch mehr wie ein letztes mythologisches Rückzugsgefecht zumal ein Leben im Gedächtnis doch eine recht passive Angelegenheit ist. Anregend ist Ernst Jüngers Formulierung, das Leben sei ein Spaziergang in die Zeit. Voll Menschlichkeit der Satz des katholischen Schriftstellers Reinhold Schneider, Gott könne nicht so grausam sein, einen endlich eingeschlafenen Kranken, aufzuwecken. Oder, ganz alltäglich, man darf einschlafen, ohne aufwachen oder gar aufstehen zu müssen. Alle Bilder deckt der Satz eines pensionierten Oberkirchenrats ab, er gebe sein Leben Gott zurück.</p>
<h2>Gott ist eine Möglichkeit</h2>
<p>Natürlich kann man sich Gott denken als den Geist des Universums, der im Universum so vorhanden ist, wie das Bewusstsein in unserem Gehirn. Aber das ist nicht der Gott, der den Menschen begegnet. Menschen begegnen Gott nicht zuerst in Dogmen und Schriften, sondern an einer Quelle wie in Delphi, bei einem brennenden Dornbusch (wahrscheinlich eine brennende Ölquelle) wie Moses, in Geschichten, Worten und Gleichnissen. Wie im Psalm, wo es heißt „meine Seele harret des Herrn, wie der Wächter auf den Morgen“. Er ist so präsent, wie er sich zeigt. Im Wort, im Bild, in der Musik. Er ist eine Möglichkeit, die wir wahrnehmen können.</p>
<p>Mein Vater sagte einmal, der Pfarrer mache in seiner Predigt eine Voraussetzung, die er nicht teile. Nämlich die Existenz Gottes. Nein, diese Verbindung muss nicht sein. Gott muss in jeder Predigt, jedem Gebet, jeder Geschichte neu hervorgerufen, geradezu neu geschaffen werden. Er erscheint, sprichwörtlich, in der Matthäuspassion, bei der Messe oder beim Abendmahl oder für den ganz Außenstehenden, im Geläut der Glocken oder in der Geste des Segnens. Und in unserer Gesellschaft fast unentrinnbar, im Weihnachtsfest, das durch alle Kommerzialisierung hindurch, fast jeden fühlen lässt, dass die Alltäglichkeit nicht alles ist.</p>
<p>Aber weiten wir den Blick auf das ganze Feld heute möglicher Gottesbegegnung jenseits von Dogma und Kirchenmitgliedschaft. Wir beschränken uns dabei auf die Bibel, obwohl anderen Gott eher im Ruf des Muezzins begegnet oder im Gewölbe der Moschee. Da ist zuerst die Gestalt Jesu selbst. Seine Taten, seine Gleichnisse, die Bergpredigt. Da ist im Johannesevangelium das große Gleichnis vom Licht, welches in der Finsternis scheint. Da geht es um das jedem Menschen präsente Gegenüber, von Gut und Böse, von Streit und Frieden in der Geschichte, wie im Einzelnen. Licht und Finsternis bleiben immer nebeneinander bestehen und ringen miteinander. Anders als das auch im kirchlichen Raum gern zitierte Adorno Wort sagt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno:<br />
<em>Minima Moralia</em>. Ffm. 1951).). Adorno hat das im Übrigen gar nicht so umfassend gemeint, wie es oft verstanden wird. Der Satz steht in einem kurzen Text über das Wohnen. Vielmehr gibt es Richtiges nur im ständigen Gegenüber und in ständiger Auseinandersetzung mit dem Falschen. Ein Impuls kommt aus der Vorstellung vom künftigen Reich Gottes. Entmythologisiert ist diese Vorstellung eine ständige Erinnerung daran, dass die Menschheit an der Vermehrung von Frieden und Gerechtigkeit arbeiten muss, auch wenn sie damit nie an ein Ende kommt.</p>
<h2>Freiheit von der Vergangenheit</h2>
<p>Der Mythos ist ein Teil der sprachlichen und psychischen Welt. Das gilt in hohem Maße für den Mythos vom Opfertod Christi für alle. Der Ritus des Opfers ist eine der stärksten und elementarsten Kräfte menschlicher Existenz. Hier bringt sich der Mensch mit sich selbst, seinen Widersprüchen und seiner Vergangenheit ins Reine.</p>
<p>Aktualisiert und ins Universale gewandt ist dies in der Vorstellung vom Opfertod Christi. Und das geht weit hinaus über Sündenvergebung im religiösen Sinne. Es reicht bis zur Schließung der Brüche und Lücken im Leben. Es gibt Freiheit von der Vergangenheit. Von dem, was Menschen aus der Vergangenheit belastet: Schuld, Versäumnisse, Fehlentscheidungen. Das Leben wird neu und jung und frei, nach vorne zu blicken. Es eröffnet neue Sichtweisen. Und hier kommt ein Gedanke ins Spiel, den die Berliner Theologin Kristina Kristinova in der Zeitschrift <em>evangelische aspekte</em> (Ausgabe 4/22) zur Sprache gebracht hat: Gott als Möglichkeit. Gott ist eine Möglichkeit unseres Weltverständnisses und er eröffnet unserem Selbstverständnis neue Möglichkeiten. Hier eben Freiheit von der Vergangenheit.</p>
<p>Natürlich kommen Vergebung und Neuanfang in der kirchlichen Praxis vielfach vor. Aber vielleicht sollte die Predigt auf diesen umfassenden Punkt mehr Wert legen und so neue Möglichkeiten eröffnen.</p>
<p>Es ist ein Gemeinplatz, dass Gott, was immer er oder sie sei, den Menschen nicht greifbar ist. Trotzdem formuliert der Mensch seine Fragen und versucht mit irgendwelchen Antworten zu leben. Die Gottesbegegnung findet in der Sprache und deren Dialog mit dem Unterbewusstsein auf den Feldern der Ethik und der Ästhetik statt und ist nicht immer eindeutig. Ganz außerhalb professioneller Theologie redet davon Jürgen Habermas auf der letzten Seite seiner 2019 erschienenen Philosophiegeschichte: „Die säkulare Moderne hat sich aus guten Gründen vom Transzendenten abgewendet, aber die Vernunft würde mit dem Verschwinden jedes Gedankens, der das in der Welt Seiende im Ganzen transzendiert, selber verkümmern“ (J.H.: <em>Auch eine Geschichte der Philosophie.</em> Berlin 2019, Band 2, S. 809).  Man kann es auch so sagen: Der Mensch hat eine offene Seite, die ein Gegenüber, manchmal Offenbarung genannt, sucht. Das ist die Grundlage aller Religionen. Von da aus hat sich entwickelt und lebt heute die Vielfalt der Formen von Religion, die Lehren, die Dogmen, die heiligen Texte, die Riten und letztlich auch die Bestreitung der Religion in Gleichgültigkeit und Atheismus. Das alles ist immer in Gefahr der Entartung und bedarf des ständigen Dialogs mit einer Vernunft, die ihrerseits selbstkritisch und offen ist.</p>
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		<title>Schäm dich!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Angela Rinn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 10:46:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 2, Mai 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Fehler]]></category>
		<category><![CDATA[Scham]]></category>
		<category><![CDATA[Scheitern]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Mensch ist ein soziales Wesen, das sich erst in und durch Kommunikation mit anderen Menschen und in der sozialen Gruppe entwickeln und seine Fähigkeiten ausbilden kann. Empathiefähigkeit ist im Gehirn angelegt und ermöglicht es, das soziale Miteinander zu gestalten und zu sichern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Mensch ist ein soziales Wesen, das sich erst in und durch Kommunikation mit anderen Menschen und in der sozialen Gruppe entwickeln und seine Fähigkeiten ausbilden kann. Empathiefähigkeit ist im Gehirn angelegt und ermöglicht es, das soziale Miteinander zu gestalten und zu sichern.</p></blockquote></div>
<p>Allerdings kann Empathiefähigkeit auch blockiert werden. Interessanterweise ist es gerade das biologische und soziale Angewiesensein des Menschen auf die Gruppe, das zu Blockaden von Mitgefühl führen kann. Wenn ein anderer Mensch als „Feind“ eingeschätzt wird, sind Menschen sogar in der Lage, schlimmsten Bestrafungen ungerührt zuzusehen.</p>
<p>Zu den traditionell schlimmsten Strafen gehört die soziale Beschämung des Artgenossen. Sie stellt an den Pranger. Solche Erfahrungen können noch nach Jahrzehnten erinnert werden und sich in das Leibgedächtnis von Menschen förmlich eingraben.</p>
<p>Seitdem Texte von mir im Netz publiziert werden, kann ich auch persönlich interessante Beobachtungen zum Thema machen. Ich nutze das inzwischen in der Ausbildung, um das Thema Beschämung zu illustrieren und um Wege aufzuzeigen, wie man sinnvoll mit solchen Angriffen umgehen kann.</p>
<p>Konkret: Im Frühjahr dieses Jahres ist mir ein Fehler unterlaufen. In einer meiner Kolumnen habe ich statt „Katheder“ „Katheter“ geschrieben. Zwei User, die meine Texte schon öfter abfällig kommentiert hatten, wiesen die Community explizit auf meinen Patzer hin, wörtlich: „immer wieder unfreiwillig komisch, diese Kolumne“. Diese Kommentare hatten keinerlei inhaltlichen Bezug zu meinen Thesen. Sie waren dezidiert verfasst worden, um mich zu beschämen.</p>
<p>Natürlich war ich erst einmal betroffen. Jedoch: Mit Fehlern ist man selten allein. In meinem Fall kam mir ein leibhaftiger Kardinal zur Hilfe. Walter Kasper schrieb in der ZEIT von einem „Wechsel vom Katheter des Professors auf die Cathedra des Bischofs“. Auch größeren Geistern als mir unterlaufen offenbar Korrekturpannen. Beschämende Situationen kann man einordnen. War der Fehler wirklich so schlimm? Niemand ist daran gestorben, dass ich ein „d“ und ein „t“ verwechselt habe.</p>
<p>Dann hilft es, wenn Zeugen von Beschämungsaktionen bewusst in die Solidarität gehen. Dafür müssen sich diese oft einen innerlichen Ruck geben, denn intuitiv scheuen Menschen davor zurück, Beschämten beizustehen, um nicht selbst am Pranger zu landen. Das ist das Perfide an der Dynamik von Beschämung. Dagegen trägt jede solidarische Intervention dazu bei, Isolation zu durchbrechen.</p>
<p>Schließlich rege ich in der Ausbildung dazu an, beschämende Aggressionen mit Humor zu nehmen. Humor ist grundsätzlich ein wunderbarer Resilienzfaktor. Die komischen Aspekte von Fehlern wahrzunehmen, ist entlastend. Manchmal entlarvt sich dann die Irrelevanz der angeprangerten Situation von selbst.</p>
<p>„Warum machen Menschen so was mit Ihnen?“ fragen mich die Vikarinnen und Vikare. Ob es daran liegt, dass ich eine Frau bin, beruflich erfolgreicher als manche Männer? Ob hier Gefühle eigener Beschämung und Unzulänglichkeit eine Erklärung bieten? Ich kann nur spekulieren. Was ich in meinem Fall festhalten kann: Theologisches Wissen um das Gebot der Nächstenliebe hilft leider nicht immer, Blockaden von Empathie und Freude an Beschämung zu verhindern. Einer der beiden Herren ist Pfarrer, der andere systematischer Theologe.</p>
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