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	<title>evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Warum wir X den Rücken kehren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heike Schmidt-Langer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 18:19:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit bei der Übernahme des Mikroblogging-Dienstes Twitter durch Elon Musk im Oktober 2022 haben sich wichtige Rahmenbedingungen dort stark verschlechtert. Aus folgenden Gründen haben wir in der „aspekte“-Redaktion jetzt entschieden, auf dieser Plattform nicht weiter aktiv zu sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Seit der Übernahme des Mikroblogging-Dienstes Twitter durch Elon Musk im Oktober 2022 haben sich wichtige Rahmenbedingungen dort stark verschlechtert. Aus folgenden Gründen haben wir in der „aspekte“-Redaktion jetzt entschieden, auf dieser Plattform nicht weiter aktiv zu sein.</p></blockquote></div>
<p>Zunächst war in unseren Reihen vor allem Unbehagen: das Twitter-Netzwerk in den Händen eines einzelnen, der dazu auch nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt war – konnte das gut gehen? Wir beschlossen nach der Übernahme, zunächst abzuwarten und uns die Entwicklung anzusehen. Parallel bauten wir uns einen Account auf <a href="https://kirche.social/@ev_akademiker"><em>Mastodon</em></a> auf, einem dezentralen Mikroblogging-Dienst, der großen Wert auf Datenschutz legt.</p>
<p>Was wir beobachten konnten, war, dass Hass-Rede (Hate Speech) und Falschnachrichten auf X zunahmen. Twitter wurde schon vor der Übernahme durch Elon Musk dafür kritisiert, zu wenig gegen Antisemitismus, Rassismus, Mobbing und Hetze zu tun. Problematische Inhalte wurden nur selten gelöscht. Elon Musk lockerte dann die Regeln gegen Desinformation und Hetze auf der Plattform sogar noch. Die zwei folgenden Beispiele sollen das veranschaulichen:</p>
<h2>Unterstützung von Antisemitismus</h2>
<p>In einem Post (der nicht von Elon Musk selbst kam) hieß es unter anderem „jüdische Gemeinschaften“ schürten „Hass gegen Weiße“. Dahinter steht die rechtsextreme Verschwörungserzählung, die Juden verfolgten heimlich den Plan, die weiße Mehrheit zu schwächen, indem illegale Migranten in westliche Länder gebracht werden sollen.</p>
<p>„Du hast die Wahrheit gesagt,“ antwortete Musk. Mit seinen aktuell 174 Millionen Followern verschafft Musk mit so einer Antwort dem Post eine große Reichweite. Solche Stimmen dürfen nicht toleriert werden! Wir wollen gegen den weltweit erstarkenden Antisemitismus eintreten und nicht noch Reichweite generieren für ein Netzwerk, indem solche Inhalte promotet werden.</p>
<h2>Politische Einflussnahme zugunsten der AfD</h2>
<p>Musk teilte auf X einen Videoclip eines Nutzers mit dem Namen „Radio Genoa“. In dem Tweet vom 29. September 2023 behauptete letzterer, derzeit seien acht Schiffe deutscher Nichtregierungsorganisationen (die von der Bundesregierung subventioniert würden) im Mittelmeer unterwegs. Ziel sei es, „illegale Einwanderer einzusammeln und in Italien abzusetzen“. Der Tweet endete mit einer Wahlwerbung für die AfD: „Hoffen wir, dass die AfD die Wahlen gewinnt, um diesen europäischen Selbstmord zu stoppen.“ Das war eine Woche vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen.</p>
<p>Musk fragt in Bezug auf die Schiffe deutscher NGOs: “Ist die deutsche Öffentlichkeit sich dessen bewusst?“ Das Auswärtige Amt reagierte direkt: „Ja. Und man nennt es Leben retten.“ Auch aus unserer Sicht ist es ein Gebot der Nächstenliebe, dass Menschen in Seenot gerettet werden, wie es u.a. das kirchlich unterstützte Bündnis für Seenotrettung <a href="https://united4rescue.org/"><em>United4Rescue</em></a> macht. Auf einer Plattform, dessen Inhaber Wahlwerbung für die AfD unterstützt, fühlen wir uns hingegen nicht mehr zuhause.</p>
<h2>Aufruf an unsere Follower</h2>
<p>Wir wissen, dass unsere Reichweite im Vergleich mit der großer Medien klein ist. Möglicherweise ist unser Akt des Rückzugs also eher symbolisch. Dennoch: auch das bisschen Reichweite, das wir haben, soll nicht dazu verwendet werden, solches Gedankengut zu tolerieren oder zu akzeptieren. Es schmerzt uns, unsere Follower zu verlieren, aber wir sind voller Hoffnung, dass wir uns wiederfinden: auf <a href="https://kirche.social/@ev_akademiker"><em>Mastodon</em></a>, auf <a href="https://bsky.app/profile/evakademiker.bsky.social"><em>bluesky</em></a> oder auf <a href="https://www.instagram.com/ev_aspekte/?hl=de"><em>Instagram</em></a>.</p>
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		<title>Anders denken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:58:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
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					<description><![CDATA[Erneuerung des Denkens tut immer not, sagt Rabbi Jesus. „Werdet wie die Kinder. Lebt mehr im Geist. Und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert.“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Erneuerung des Denkens tut immer not, sagt Rabbi Jesus. „Werdet wie die Kinder. Lebt mehr im Geist. Und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert.“</p></blockquote></div>
<p>Die Evangelien setzen wie bekannt mit einem Sinneswandel ein:<em> Ändert die Perspektive. Denkt anders… </em>Das griechische <em>Meta-noeite</em> „Kehret um“ meint nicht so sehr den frömmelnd-religiösen Umkehr-Ruf, wie ab und an zu hören. Gemeint ist der Eintritt in eine veränderte Existenzweise. Dieser Eintritt, oder die Rückkehr dahin – auch so macht Umkehren ja Sinn –, lässt sich zwar als <em>Umkehrung</em> beschreiben. Der Umkehr-Metanoeite-Ruf lässt sich jedoch gleichfalls übersetzen: <em>Ändert euer Denken!</em></p>
<h2>Biblischer Befund</h2>
<p>Allein: Die Ansicht, dass am Beginn des Evangeliums ein Umkehr-Ruf steht, scheint bei genauer Lektüre nicht einmal ganz textsicher. Das Johannes-Evangelium zum Beispiel hat die Szene gar nicht. (An dessen Stelle steht der Nikodemus-Dialog über die „Geburt aus Geist“, Joh 3,3-8.) Auch Lukas hat sie nicht. Das Markus-Evangelium setzt am klarsten so ein. <em>Meta-Noeite!</em> lesen wir ohne Schnörkel, ohne Wenn und Aber. <em>Kehrt um!</em> Gottes Gegenwart – sein Herrschaftsbereich, sein Reich – ist nahe herbeigekommen (Mk 1,15).</p>
<p>Wobei die Begründung die Spur legt, worin der Wechsel zu sehen ist. Matthäus folgt offensichtlich dieser Spur und nennt dem Hörer den lange vorgebahnten Pfad, indem er dem Perspektiv-Wechsel die alte Israel-Prophezeiung voranstellt: <em>Das Volk, das in Finsternis wandelt, sieht ein helles Licht…</em> (Mt 4,16).</p>
<p>Grund für die Umkehr ist derselbe wie bei Markus: das anbrechende Himmelreich. Lukas vollends springt direkt in die Änderung der Perspektive. Am Anfang der Wirksamkeit sehen wir den Wanderprediger selbst, wie er den Prophetentext auslegt: <em>Dieses Wort ist heute vor euren Ohren erfüllt</em> (Lk 4,21).</p>
<h2>Allgemeiner und spezieller Gottesdienst</h2>
<p>Nach eingängiger Lehrbuch-Definition lässt sich unterscheiden zwischen einer allgemeinen und der speziellen Form des ausgeübten Gottesglaubens sowie des Gottesdiensts. Die <em>spezielle</em> Form meint die Gottesdienstfeier: Im zelebrierten Gottesdienst feiert die versammelte Gemeinschaft an einem bestimmten Ort zu bestimmter Zeit. Der <em>allgemeine</em> <em>Gottesdienst</em> findet in jeder Minute statt: Bei jeder Alltagstätigkeit, bei jedem Tun und jedem Lassen – im Denken insgesamt.</p>
<h2>Erneuerung des Denkens</h2>
<p>Zum alltagsbestimmenden Denken korreliert das „mit Herzen, Seele und Verstand“ (aus Mt 22,37). Paulus, dessen Briefe noch vor den Evangelien verschriftet vorliegen, ist da besonders aufschlussreich. Während nur einige Anklänge an einen klassisch-prophetischen Umkehr-Ruf wie beim Täufer Johannes (Mt 3,2; Mk 1,4; Lk 3,3) zu hören sind – in Röm 2 ist es die Güte Gottes, die zur Umkehr führen soll –, ist der Beginn des neuen Kapitels von Römer 12 paradigmatisch. Nach den testaments-artigen Sätzen im großen Hauptteil des Römerbriefs eröffnet der Apostel den finalen Schlusskomplex: „Nun also“ – nachdem ihr dies alles vernommen und erfahren habt – „lasst euch verändern durch die Erneuerung des Denkens.“ <em>Erneuert euer Denken</em>, wird dann auch im Epheserbrief zu lesen sein (Eph 4,23).</p>
<h2>Vernünftiger Gottesdienst</h2>
<p>Das Anders-Denken ist durch drei Merkmale gekennzeichnet:</p>
<ol>
<li>Es ist Denken „weil“, nicht ein Denken „damit“. Also ein Denken mit Begründung (das einen Grund hat), nicht ein Denken, das erst noch etwas begründen oder errichten muss. Was da bedacht wird, <em>ist schon da</em>, muss nicht erst denkend oder handelnd herbeigeholt oder herbeigeführt werden. Mit einem Evangelien-Wort: Es ist schon mitten unter uns.</li>
<li>Weil was bedacht wird, schon da ist, hat dieses Denken mehr die Form eines (existenziellen) Nachvollzugs und allmählichen Entfaltens von etwas Gegebenem als die Form einer intellektuellen Denkanstrengung.</li>
<li>Und weil es ein anders Denken ist, das vom bisherigen Denken sich unterscheidet, hat es nichtsdestoweniger die Veränderung des Denkenden zur Folge: Dem anders Denkenden erschließt sich etwas. Er erfährt den Sinn von etwas (vgl. gr. <em>logos; nous</em>), das ihm zuvor nicht deutlich war. So findet für ihn eine neue Sinngebung statt, die ihn die Existenz, seine Sicht auf Gott und diese Welt aus anderer Perspektive sehen lässt: Ihm zu einem neuen Selbstverständnis verhilft, mithin ihn in die neue Seinsweise eintreten macht.</li>
</ol>
<p>Ziel ist der <em>vernünftige Gottesdienst</em> (Röm 12,1; gr. <em>logike latreia</em>), der sich darin äußert, dass die geänderte Seinsweise im gesamten Leben auch bemerkbar wird. Ein Leben wohlgemerkt nicht den Schemata der Welt entlang (12,2ff). Man fühlt sich erinnert an die Bergpredigt, wo nach dem Referat <em>ihr wisst ja, dass zu den Alten gesagt ist… </em>Jesu Erläuterung anschließt: <em>ich indes erkläre euch dazu folgendes… </em>Der Rabbi erschließt durch seine Auslegung den ursprünglichen Sinn und bezieht die alten Texte in neuer Weise auf die Gegenwart.</p>
<h2>Jesu Sein „für uns“</h2>
<p>Ebendies gilt für die gesamte Existenz des „Menschensohnes“ Jesus aus Nazareth. Dass dieser exemplarisch und konstitutiv sein gesamtes Sein als „Pro-Existenz“ für andere verstand, ist heute kirchliches und sogar gesellschaftlich bekanntes Allgemeingut geworden. <em>Jesus predigte und bringt Gott für uns</em>. Ein Text wie das Nizänum thematisiert dieses <em>für uns </em>gleich zweimal in dem knappen Formular. Das katabatische Moment steht dabei durchgängig im Vordergrund: Gott kommt zum Menschen (von oben nach unten), und – erst – im zweiten Moment ergibt sich eine anabatische (von unten nach oben aufsteigende) Ausrichtung.</p>
<p>Was das <em>für uns</em> (Lk 22,19) alles beinhaltet, ist oft jedoch nur stückweise entfaltet. Wichtiges Moment: Die in Vielem Fragment bleibende Pro-Existenz und durchaus ja „originelle“ Seinsweise Jesu (ortlos, poetisch-gleichnishaft, von Menschen als untauglich verworfen, für unsinnig befunden und gekreuzigt, von Gott jedoch bestätigt und an Ostern zu dauerhaftem Leben auferweckt) erschließt die alte von Gott erneuerte Sinngebung von Schöpfung, menschlicher Existenzweise darin und ihre Vervollkommnung im richtigen Geist. Dabei gilt: <em>Das Senfkorn genügt</em>.</p>
<h2>Anders denken</h2>
<p>Der Inhalt des <em>Anders Denken! </em> ist etwas bereits Erfülltes: Und braucht daher nur – immer wieder neu – zugeteilt, zugemessen, immer neu nachvollzogen zu werden. Dies ist ein viertes Merkmal der Denkveränderung. Es ist ein permanent gemeinter Perspektivwechsel! Lebensgeschichtlich: Sehen, was schon alles gegeben ist (<em>Werdet wie die Kinder</em>). Lebensperspektivisch: Damit umgehen, was von Gott versprochen ist (<em>Handelt wie die Raben</em>). Spirituell: In dem auch bewusst leben, was durch die jesuanische Reich-Gottes-Ansage ja schon längst als in Kraft gesetzt gilt (das biblische <em>Schon jetzt</em>). Weil das anders Denken ein Signum christlicher Existenz darstellt, ist es auf sämtliche Tätigkeitsfelder kirchlicher Arbeit zu beziehen.</p>
<h2>Sinnstiftung im Ton</h2>
<p>Wenn auch manche fragen, ob ein neues Kirchen-Gesangbuch nötig ist („wir haben schon ein starkes“), ist aktuell eine markante Gelegenheit, gesammelte Liedschätze, speziell das Evangelische Gesangbuch, gerade auch als kirchliches Hausbuch zu würdigen; und zu explorieren. Dazu zählt etwa (Referenz ist hier das württembergische EG) die solide informative Liedkunde mit Kurzbiographien und Musikgeschichte, die Aufschlüsselung christlicher Ur-Worte (wie Freude, Gemeinschaft, Verantwortung, Gerechtigkeit, Vertrauen…), theologisch gehaltvolle Andachts-Formulare zum Kirchenjahr, die substanzielle Wahrnehmung von Bekenntnistexten als kontinuitäts-wahrende und -stiftende Vergewisserung (Stuttgarter Schulderklärung, die bisher leider nur rudimentär enthaltene, ökumenisch anschlussfähige CA, sprechende Katechismus-Stücke u.a.), der Schatz der Tagzeitengebete inkl. Komplet, und natürlich das Liedgut selbst vom altkirchlichen Hymnus bis zu<em> Go down, Moses:</em> Gesangbücher zeigen, wie durch Jahrhunderte im jeweiligen Sprachtypus das biblische Wort je und je mit- und einander zugesungen wurde!</p>
<h2>Geist &amp; Verstand: Der Logos Jesu als Sinn-Aufschließung zur Schrift</h2>
<p><em>Und Jesus erschloss ihnen das Wort (den Logos), so wie sie es hören konnten,</em> berichten die Evangelien (Mk 4,33; vgl. Lk 4,43; Mt 4,23). <em>Das Wort</em> ist hier, wie etwa gerne beim Geschichtsschreiber Lukas als absolute in sich feststehende Größe verwendet (Apg 6,7 u.ö.). Im Logos inbegriffen ist der Sinn (von etwas), das Verständnis, der Verstand – er weist für einen hebräischen Hörer stets auch auf das bereits ergangene Wort in Prophetie und den fünf Büchern der Thora zurück. Rabbi Jesus wird mit seinen <em>Midraschim</em> (kommentierende Erläuterungen) mithin als Schriftausleger in bester jüdischer Tradition vorgestellt. Als profunder Textexeget, wie das Johannes-Evangelium akzentuiert; Joh 1,18c, gr. <em>exegesato</em>: <em>das Göttliche, das niemand eigentlich sehen kann, hat jener für uns </em>ausgelegt.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Kreatives Geistgeschehen</p></blockquote></div>
<p>Die Worterschließung bringt noch ein fünftes, entscheidendes Merkmal des verändernden Denkens in Jesu Nachfolge: Das Denken dieses Logos führt in den ursprünglichen Schöpfergeist und -willen Gottes selbst zurück! (Diese Auslegungs-Tendenz ist auch daran zu erkennen, dass die Christenheit kaum eigene Schöpfungsrede formulierte: Sie übernahm schlicht die Rede von der Schöpfung aus dem biblischen Tanach.) Es ist ein kreatives Geistgeschehen <em>(„Gott ist Geist“)</em>. Ein Rück-Ruf in etwas, das von Anfang an bestand.</p>
<h2>Ökumenisch sensible Publizistik</h2>
<p>Um solches Denken „unter die Leut‘“ zu bringen, hilft eine stabil aufgestellte evangelische Publizistik ungemein. Es sind ja durchaus rege Zeiten in der Nachfrage nach Wegweisung, Sinngebung und durchgeklärten Denkweisen. Dass manche Buchhändler dazu überzugehen scheinen, klassisch-christliche Literatur tendenziell aus dem Verkaufsregal zu nehmen, ist erstklassige Chance für die vielen christlichen Buchhandlungen, auch die messe-artigen wie in Münsterschwarzach oder die Kirchentags-Buchhandlung. Soweit sie es verstehen, das Buchangebot profiliert aufzustellen, eher Niveauloses bei der Gelegenheit gerne hinter sich zu lassen und einem spirituell ausgedünnten Buchhandel ein geistreiches, fein sortiertes theologisches Angebot zu offerieren. (<em>„Seid das Salz der Erde“</em>)</p>
<h2>Beherzt wieder Gesetz predigen</h2>
<p>Die umstrittene, in Methodik und Zeitpunkt kritisierbare Mitgliederbefragung KMU (ob direkt nach einer „Jahrhundert-Pandemie“ Repräsentatives zur „durchschnittlichen Lage“ der untersuchten Gruppe erwartbar war?) hat erbracht, dass sich fast Drei-Viertel der Mitglieder als der Kirche verbunden, eng verbunden oder als Christ(in) bezeichnen – wobei die Sicht auf die Kirche selbst variieren kann. Ein eindrucksvoller Wert, der zeigt, dass ein hoher Prozentsatz eine gesunde evangelische Kirchenauffassung hat. Gemäß oben genannter Lehrbuch-Definition „zählt“ ja im übrigen keineswegs etwa „nur“ die Anzahl treuer „Kirchspringer“, die zudem viel höher ist, als oft annonciert.</p>
<p>Seit jüngsten Aufstellungen, die Ev. Kirche lebe eine allzu billige Gnade, darf man indes endlich auch wieder beherzt „Gesetz“ (!) predigen: So und so soll es in der Kirche sein – keine faulen Ausreden!</p>
<h2>Rück-Ruf in Gottes Verheißungen</h2>
<p>Systematisch gesehen ist <em>Umkehr</em> der lebenslange (Rück-)Ruf in die Taufzusage: <em>Gottes Geist erfüllt</em>, was er verspricht. Wie generell zu bedenken ist, dass der Metanoeite-Ruf historisch zuerst sich an das bereits erwählte Volk Gottes richtete. An das die Verheißungen und Gottesworte bereits „auf vielfache Weise“ ergangen sind und waren. Auch der Rückbezug auf das Reich Gottes bezieht sich ja auf eine bereits bekannte Größe (z.B. Ps 22,29).</p>
<p>Doch selbst der scharfe Umkehr-Ruf bei Markus ist in gleich zwei weiche Wattebäusche gepackt (Mk 1,14-16). Nach der vorgeschalteten Begründung: Die Zeit ist erfüllt, Gottes Reich ist nahe&#8230; lautet es ja keineswegs: Kehrt um, und quält euch mit neuen Vorschriften. Sondern: Anders Denken! Verlasst euch auf das Evangelium.</p>
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		<title>Die geistliche Kraft der Musik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Viertel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:53:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Frömmigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.“ (Mt 11,17)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.“ (Mt 11,17)</p></blockquote></div>
<p>Das Bild, das sich früher in der Chiesa di San Giobbe in Venedig befand, wirkt auf den ersten Blick wie ein Wachsfigurenkabinett. Die Figuren passen nicht zueinander, sie sind aus zweitausend Jahren zusammengewürfelt, und ihre Mienen wirken wie erstarrt. Überdies sind mir die Heiligen ganz rechts (Sebastian und Ludwig von Toulouse) als Lutheraner weniger geläufig. Trotz allem geht für mich von dem Bild des Malers Giovanni Bellini eine eigentümliche Faszination aus, und das liegt an der Kraft, die zusammenbindet, was auf den ersten Blick auseinanderfällt. Das Museale der Szenerie wird durch zwei Lichtpunkte durchbrochen: Zum einen ist es Maria mit Jesus im Zentrum, zum anderen die musizierenden Gestalten zu ihren Füßen. Sie sind es, die der angestaubten Menagerie Leben einhauchen.</p>
<p>Um die Situation besser zu verstehen, hilft die Identifikation. Ganz links Franz von Assisi, daneben Johannes der Täufer und Hiob. Das Ensemble erklärt sich historisch, denn Franziskaner hatten die Kirche als Armenhaus gegründet und es Hiob gewidmet, dem Inbegriff aller Kranken und Leidgeprüften. Auf der rechten Seite schließen sich Dominikus, der Gründer des gleichnamigen Ordens, an und die Heiligen. Aber wie kommt der prächtig im Ornat dargestellte Bischof in das Bild? Dieses Detail des Tableaus ist interessant, denn Ludwig wurde auch wegen seines Traktates über die mehrstimmige Musik gerühmt.</p>
<p>Zur Zeit Bellinis war Venedig das unbestrittene Zentrum der Musik. Die venezianischen Schulen erregten in ganz Europa großes Interesse. Wer etwas auf sich hielt, pilgerte nach Venedig oder wurde vom Fürsten geschickt, um bei Monteverdi, Gabrieli und Willaert die Kunst der mehrstimmigen Musik zu erlernen. Das Bild Bellinis ist unter dem Titel <em>Sacra Conversazione</em> bekannt geworden, für eine heilige Unterhaltung wirken die Beteiligten aber zu isoliert. Wie in einer Typologie hat der Maler die Formen der Frömmigkeit aufgereiht: Franziskus wendet sich an ein Publikum, Dominikus hat sich im Buch vertieft, befasst sich mit den Ordensregeln, Johannes konzentriert sich auf Christus, die anderen verharren im Leid, blicken abwesend oder andächtig. Und Maria hebt ihre Hand, als wolle sie um Ruhe bitten. Wenn in diesem Bild überhaupt etwas „unterhaltend“ wirkt, dann ist es die Musik.</p>
<p>Bellini hat mit diesem Bild die geistliche Kraft der Musik festgehalten, bei ihm gibt weder der Chor noch der psalmodierende Liturg den Ton an, sondern drei Instrumentalisten: Zwei Lauten und eine Rebec. Für Johannes Tinctoris, einem Musiktheoretiker dieser Zeit, war gerade die Rebec das bevorzugte Instrument, „weil durch dieselbe mein Geist zum Affekt der Frömmigkeit emporsteigt und mein Herz zur Betrachtung der himmlischen Freuden auf das intensivste“ angespornt wird. Die Musik tröstet, versöhnt, sie überwindet Grenzen, deshalb hebt Bellini sie als zentrale geistliche Kraft hervor. Deshalb stellt er sie in die Tradition der Sacra Conversazione – der heiligen Unterhaltung, die die Frommen verbindet und versöhnt.</p>
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		<item>
		<title>Philipp Greifenstein, Hanno Terbuyken: Vernetzt und zugewandt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:44:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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					<description><![CDATA[„Es ist zielführender, die Digitalisierung der Kirchengemeinde nicht als ein neues, zusätzliches Handlungsfeld zu begreifen, sondern als Unterstützung der bereits bestehenden Arbeit“ – unter diesem Motto verfolgen Philipp Greifenstein und Hanno Terbuyken mit ihrem Buch das Ziel, sowohl die Werkzeuge für gelingende Digitalisierung vorzustellen, als auch Zurüstung dafür zu bieten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Greifenstein-Vernetzt.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8008 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Greifenstein-Vernetzt-198x300.jpg" alt="" width="198" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Greifenstein-Vernetzt-198x300.jpg 198w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Greifenstein-Vernetzt.jpg 300w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" /></a>Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2024, 221 S., 24 EUR </strong></p>
<p>Die Autoren machen deutlich, dass es bei der Digitalisierung in Gemeinden um mehr geht als um eine Homepage oder eine Facebook-Seite. Sie laden dazu ein, die Digitalisierung in Kirchengemeinden auch als Kirchenentwicklung zu verstehen. Die Autoren erklären, was Digitalisierung ist, wie sie die Gemeinde verändert und gehen auf wichtige Themen wie die Gemeinde-Webseite, Social Media und Digitale Gemeindeverwaltung ein und werfen einen Blick auf das Thema Künstliche Intelligenz. Sie haben die Kirche und ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Blick und geben praktische Hinweise, zum Beispiel wie man entscheiden kann, was auf die Gemeinde-Webseite kommt und was nicht. Fachbegriffe werden erklärt oder können im Glossar nachgeschlagen werden. Für Eilige finden sich die Kernaussagen in mit # gekennzeichneten Zusammenfassungen.</p>
<p>Eine eindeutige Leseempfehlung für alle, die haupt- oder ehrenamtlich in Gemeindeleitungen oder anderen kirchlichen Leitungsgremien tätig sind, egal ob Begriffe wie Sinnfluencer*innen oder SEO zu ihrem Alltagsvokabular gehören oder nicht.</p>
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		<title>Marcus Willaschek: Kant</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Hauschildt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:43:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Immanuel Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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					<description><![CDATA[Willaschek ist hier ein Kunststück gelungen, das – egal, ob als Erst- oder Wiederbegegnung mit Kant – informiert, unterhält und zum Selbstdenken anregt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Kant.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8006 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Kant-195x300.jpg" alt="" width="195" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Kant-195x300.jpg 195w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Kant.jpg 300w" sizes="(max-width: 195px) 100vw, 195px" /></a>C.H. Beck München <sup>2</sup>2024 (<sup>1</sup>2023), 430 S., 28 EUR</strong></p>
<p>Wie es sich bei einem der wichtigsten Denker der europäischen Philosophiegeschichte gehört, wird der 300. Geburtstag von Immanuel Kant in diesem Jahr mit einer Vielzahl von Büchern, Vorträgen, Jubiläumsausgaben und Tagungen begangen. In diesen Reigen reiht sich auch dieser Band des Philosophen und ausgewiesenen Kant-Experten Marcus Willaschek ein.</p>
<p>Willascheks Vorgehen erscheint dabei zunächst ungewöhnlich. Sein Buch ist nämlich keine chronologische Biographie und auch keine lehrbuchmäßige Systematisierung der kantischen Philosophie. Stattdessen verlässt er das sichere Terrain akademischer Einführungsliteratur und unternimmt den Versuch, bisher mit Kant nicht allzu vertrauten Lesern dessen Person und Denken in Form von 30 Essays näher zu bringen. Diese sind jeweils wichtigen Themen Kants gewidmet – z.B. dem ›Ding an sich‹, der Willensfreiheit, dem kategorischen Imperativ oder der Vernunftreligion –, die Willaschek zugänglich erläutert und zugleich kunstvoll mit biographischen Details und weiterführenden Denkanstößen verknüpft.</p>
<p>Dabei gehört es zu den besonderen Stärken des Buches, dass die relativ kurzen Essays sowohl als Einzeltexte als auch im Zusammenhang miteinander gelesen werden können. Im einen Fall ermöglicht es die gezielte Auseinandersetzung mit ausgesuchten Themen und im anderen Fall entsteht nach und nach ein stimmiges Gesamtbild von Leben und Denken des Jubilars. Willaschek ist hier ein Kunststück gelungen, das – egal, ob als Erst- oder Wiederbegegnung mit Kant – informiert, unterhält und zum Selbstdenken anregt.</p>
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		<title>Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reinhold Münster]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:41:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künstler]]></category>
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					<description><![CDATA[Schwerdtfeger schlägt vor, in sein imaginäres Museum zu kommen und sich von zehn berühmten Werken provozieren zu lassen. Seine These: Kunst dieser Art könnte „schön“ sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Schwerdtfeger-Kunst.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8007 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Schwerdtfeger-Kunst-197x300.jpg" alt="" width="197" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Schwerdtfeger-Kunst-197x300.jpg 197w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Schwerdtfeger-Kunst.jpg 300w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /></a>dtv-Verlag, München 2023, 189 S., 22 EUR</strong></p>
<p>Zur Not können einige als Teppich drapierte Wurst- und Gurkenscheibchen als Kunst gelten. Die Idee, ein solches Arrangement in ein Museum zu stellen, ist schlicht bescheuert. Einerseits. Doch andererseits? Wer die elitären Reden hört, die vor solchen Kunstwerken gehalten werden, erkennt: Die Kunst heute hat ein Imageproblem.</p>
<p>Hilft ein Blickwechsel? Schwerdtfeger schlägt vor, in sein imaginäres Museum zu kommen und sich von zehn berühmten Werken provozieren zu lassen. Seine These: Kunst dieser Art könnte „schön“ sein. Der menschliche Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können, schrieb Francis Picabia.</p>
<p>Der Rezensent empfiehlt, alle Objekte in guter Laune zu studieren, und verspricht ein hohes Vergnügen. Der Autor entzaubert mit Eleganz und einem spitzen Gedanken-Florett einige Mythen der Kunst. Er fragt: Warum nervt das abgeschnittene Ohr von Vincent van Gogh? Wieso kauft jemand ein unsichtbares Kunstwerk von Salvatore Garau (2021)? Warum ist eine an die Wand genagelte Banane Kunst? Warum ist ein geschreddertes Bild (Mädchen mit Ballon, Banksy, 2018) mehr wert als das ursprüngliche?</p>
<p>Warum wird das umgedrehte und mit „R. Mutt“ signierte Pissoir von Marcel Duchamp (Fountain, 1917) gegenwärtig für 1,7 Mio. Euro gehandelt? Wurde das Sanitärmöbel zur Kunst, weil es im Museum steht? Ein Aktionskünstler pinkelte 1993 im Museum in die oben hängende Keramik. Die Provokation wurde mit einer hohen Geldstrafe sanktioniert. Der Clou an der ganzen Sache: Das Original ging kurz nach seiner Entstehung kaputt. Heute können Besucher in 15 Museen originalgetreue Abbildungen bewundern. „Wenn&#8217;s zur Malerei was zu sagen gibt, dann ist die Malerei scheiße“, kommentiert Lydia Balke die heutige Entwicklung. Gerade deshalb lohnt es, lachenden Auges den Versuch zu unternehmen, etwas zu sagen.</p>
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		<title>Wo die Musik spielt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 18:42:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Konzerte]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Musikfestivals locken an vielen Orten. Ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender belegt die Vielfalt. Genauso wie Kunstinteressierte durch Museen tingeln, können Musikliebhaber die Konzertsäle und andere Spielstätten auf einer musikalischen Reise erkunden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Musikfestivals locken an vielen Orten. Ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender belegt die Vielfalt. Genauso wie Kunstinteressierte durch Museen tingeln, können Musikliebhaber die Konzertsäle und andere Spielstätten auf einer musikalischen Reise erkunden.</p></blockquote></div>
<p>Es gibt Orte in Deutschland, die einen klingenden Namen haben. Gemeint ist dies im übertragenen Sinn. Ihre Namen stehen für Musik. Zum Wallfahrtsort für Wagner-Fans ist Bayreuth geworden. Dort trifft sich alljährlich die bundesdeutsche Prominenz (oder wer sich dafür hält) zur Eröffnung der Wagner-Festspiele.</p>
<h2>Hamburg: Musicals und Philharmonie</h2>
<p>Hamburg stand lange Zeit für ambitionierte Musical-Produktionen. Seit es die Elbphilharmonie gibt, gehört ein Besuch dieses imposanten Bauwerks zum touristischen Pflichtprogramm. Tickets für die Aussichtsplattform kann man einfach bestellen. Glücklich kann sich jedoch schätzen, wer in den Genuss einer Karte für den außergewöhnlichen Konzertsaal kommt. Wie Bayreuth und Hamburg gibt es viele Orte, bei denen sich ein musikalischer Besuch lohnt. Es sind bekannte und weniger bekannte Namen darunter.</p>
<h2>Stuttgart: Ballett und Oper</h2>
<p>Weltruhm genießt zum Beispiel das Stuttgarter Ballett. Und dies schon seit sechs Jahrzehnten. Zu einem weltweit führenden Ensemble geworden sind die Tänzerinnen und Tänzer in der baden-württembergischen Landeshauptstadt unter Ballettdirektor John Cranko, der von 1961 bis zu seinem Tod 1973 mit seinen Choreografien die Kritiker überzeugte. In der Nachfolge haben weitere bekannte Persönlichkeiten die Stuttgarter Compagnie geleitet, von Glen Tetley über Marcia Haydée und Reid Anderson bis zu Tamas Detrich. Für Ballettfans ist der Besuch der Vorstellungen ein Genuss (<em>www.stuttgarter-ballett.de</em>). Der Nachwuchs wird in der John Cranko-Schule ausgebildet, die vor wenigen Jahren einen imposanten Neubau bezogen hat. Daneben ist die Staatsoper Stuttgart ein musikalisches Aushängeschild der Stadt, die mit ihren großen Veranstaltungshallen aber auch viele internationale Popstars zu Gast hat. Und die Bach-Tage der Internationalen Bachakademie zählen inzwischen zu den musikalischen Highlights im Jahresverlauf.</p>
<h2>Leipzig: Thomanerchor und Gewandhausorchester</h2>
<p>Der musikalische Großmeister Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Figur in einer anderen sehr von Musik geprägten Stadt: Leipzig. Bach, der hier begraben ist, wirkte als Thomaskantor. Und es ist für Besucher ein erhebendes Gefühl, einen Auftritt des Thomanerchors zu erleben. Der älteste Knabenchor Deutschlands kann auf eine 800-jährige Geschichte zurückblicken. Zur Aufführung kommen Chorwerke von Bach und von weiteren Komponisten.</p>
<figure id="attachment_7997" aria-describedby="caption-attachment-7997" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7997 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor.jpg" alt="" width="1024" height="600" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor-300x176.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-7997" class="wp-caption-text">Thomanerchor (Foto: Gerda Arendt, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)</figcaption></figure>
<p>Bach ist nur einer von vielen Komponisten, die Leipzig zur Musikhauptstadt Deutschlands gemacht haben. Sie genießt auch international einen hervorragenden Ruf wegen ihrer Tradition und lebendigen Musikszene. Neben Bach haben hier bedeutende Musiker wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Edvard Grieg, Gustav Mahler, Clara und Robert Schumann gewirkt. Außerdem wurden Hanns Eisler und Richard Wagner in der sächsischen Stadt geboren, in der man sich auf den Spuren der bekannten Musiker bewegen kann.</p>
<p>Neben dem Thomanerchor ist ein weiteres international hoch angesehenes Ensemble in Leipzig beheimatet: das Gewandhausorchester. Jährlich würdigt die Stadt ihren bekanntesten Sohn und richtet ein Internationales Bachfest aus (<em>www.bachfestleipzig.de</em>). Alle zwei Jahre gibt es einen Internationalen Bach-Wettbewerb. Ebenfalls in Sachsen ist ein weiterer bekannter Musiktempel zu finden. In Dresden ist die Semper-Oper ein kultureller Mittelpunkt. Doch nicht alle Aufführungen können hier den hohen Erwartungen gerecht werden, mit denen Besucher oft anreisen.</p>
<h2>Bad Wildbad im Schwarzwald: Belcanto Opera Festival</h2>
<p>Doch nicht alle Orte, die sich zu musikalischen Zentren gemausert haben, sind auch für ein internationales Publikum solche Touristenmagnete wie Leipzig und vor allem auch Dresden, wo der Wiederaufbau der Frauenkirche ein großes internationales Echo ausgelöst hat. Bad Wildbad im Schwarzwald ist ein eher verträumtes Städtchen, das durch Attraktionen wie einen Baumwipfelpfad oder eine abenteuerliche Hängebrücke Besucher anlocken will. Aber auch die Musik spielt inzwischen eine nicht unerhebliche Rolle. Zwar hat es Diskussionen im Gemeinderat gegeben, ob angesichts hoher städtischer Zuschüsse das Musikfestival „Rossini in Wildbad“ überhaupt weitergeführt werden soll. Aber nachdem man sich auf einen Höchstzuschuss von 135.000 Euro geeinigt hat, können die Macher des Belcanto-Opernfestivals weiter planen.</p>
<p>Die Stadt freut sich, dass inzwischen Besucher aus aller Welt kommen. Schließlich ist der künstlerische Leiter Jochen Schönleber jedes Jahr auf der Suche nach neuen jungen Stimmen. Das Rossini-Festival ist den Angaben zufolge „weltweit bekannt für seine Neuentdeckungen im Belcanto-Opernrepertoire und für seine Sängerentdeckungen, die zu zahlreichen CD-Produktionen mit Referenzcharakter geführt haben“. Mit ihnen gibt es mitten im Nordschwarzwald große Oper. Die Spielstätten sind ungewöhnlich. Im Kurpark liegt nicht nur das Königliche Kurtheater, das als Schweizer Chalet mit neobarocken Elementen beschrieben wird, sondern auch die im neusachlichen Stil gebaute Trinkhalle. Weitere Spielstätten stehen noch zur Verfügung.</p>
<p>Der Grund für das Festival liegt in der Geschichte. Im Juni 1856 weilte der damals sehr erfolgreiche Opernkomponist Gioachino Rossini für mehrere Wochen in der Schwarzwaldidylle Wildbad und genoss die beruhigende Wirkung der Thermen in den fürstlichen Bädern. Der Erfolg blieb nicht aus. Schon 1857 nahm er nach jahrzehntelanger Unterbrechung das Komponieren wieder auf. So entstanden Werke, die der Komponist selbst mit Augenzwinkern als „Sünden des Alters“ bezeichnete. In Erinnerung an diesen denkwürdigen Aufenthalt werden bis heute Rossinis Werke aufgeführt, bewusst auch die weniger bekannten.</p>
<p>Das Opern- und Musikfestival wurde 1989 ins Leben gerufen. Seit 1991 steht es unter der künstlerischen Leitung von Schönleber, der seit 2000 auch Intendant ist. Nachdem es anfänglich den Untertitel „Das musikalische Sommerfest“ getragen hat, wird es heute mit dem Hinweis „Belcanto Opera Festival“ versehen. In der 2004 gegründeten Belcanto-Akademie gibt es jedes Jahr Kurse mit renommierten musikalischen Vorbildern. In europäischen Opernmetropolen wie Berlin, Florenz oder Madrid wird jedes Jahr zum Vorsingen für die Einschreibung bei der Akademie eingeladen. In diesem Jahr findet das Festival vom 18.-28. Juli statt (<a href="http://www.bad-wildbad.de"><em>www.bad-wildbad.de</em></a>).</p>
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		<title>Schwarze Löcher als Eingang zur Hölle? – oder: Wo ist eigentlich Gott?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Vogelsang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 18:18:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Diesseits]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Jenseits]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarze Löcher]]></category>
		<category><![CDATA[Weltall]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Wort „Jenseits“ ist aus der Mode gekommen. In früheren Zeiten war das Wort durchaus üblich im religiösen Sprachgebrauch. Da wurden verschiedene Sphären unterschieden, das Diesseits auf der einen Seite, das Jenseits auf der anderen. Gerne wurde das Jenseits unterteilt in Himmel und Hölle. Doch spätestens die moderne Kosmologie hat dieses Denken in Sphären unmöglich gemacht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das Wort „Jenseits“ ist aus der Mode gekommen. In früheren Zeiten war das Wort durchaus üblich im religiösen Sprachgebrauch. Da wurden verschiedene Sphären unterschieden, das Diesseits auf der einen Seite, das Jenseits auf der anderen. Gerne wurde das Jenseits unterteilt in Himmel und Hölle. Doch spätestens die moderne Kosmologie hat dieses Denken in Sphären unmöglich gemacht. </p></blockquote></div>
<p>Ein Jenseits zu dem uns bekannten physikalischen Universum ist nicht lokalisierbar. Die Vorstellung eines Universums, das aus einem Big Bang entstand, wird nicht nur unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geteilt. In der westlichen Moderne ist es zu einer alltäglichen Anschauung geworden. Die Jenseits-Diesseits-Unterscheidung basiert auf der Vorstellung einer Grenze zwischen zwei Sphären. Aber genau diese Grenze ist nicht mehr beschreibbar. Das Universum ist in den Grundzügen erforscht, es ist in sich geschlossen, nichts deutet auf eine Grenze hin.</p>
<p>Allerdings gibt es auch heute noch verzagte und unfreiwillig komische Versuche, das antike Weltbild zu verteidigen: Kürzlich hatte ich Gelegenheit, an einer astrophysikalischen Veranstaltung zum Thema „Schwarze Löcher“ teilzunehmen. Dort wurde berichtet, dass evangelikale Theologen in den USA den Ereignishorizont der Schwarzen Löcher als Eingang zur Hölle auslegen. Der Versuch einer modernen Bestimmung der Grenze wirkt tapfer, ist aber aus guten Gründen kaum überzeugend. Das Schwarze Loch ist eine physikalisch genau beschreibbare Entität, in die man nichts Religiöses hineinlesen sollte. Gleiches gilt für die Spekulation, das Jenseits existiere in Paralleluniversen. Hier gibt es viel Mutmaßungen und wenig Ertrag.</p>
<p>Da lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, was denn mit dem Jenseits in der christlichen Tradition gemeint ist. Wer heute von Gott redet, wird oft aufgefordert, die Frage zu beantworten, wo denn Gott sei. Die klassische Antwort lautet: Gott ist im Jenseits. In den biblischen Traditionen wird dieses Jenseits zumeist mit dem Himmel identifiziert. Das Jenseits ist also, wo Gott ist.</p>
<p>Nun ist aber eine entscheidende Aussage des Evangeliums, dass Gott bei den Menschen ist, dass Gott nah ist. Viele Predigten Jesu fordern dazu auf, Gottes Sphäre, das Himmelreich, das Reich Gottes, gerade im Nahen, im alltäglichen Umfeld zu entdecken. Im Zentrum der christlichen Botschaft steht die Aussage, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde und unter uns wohnte, dass wir ihm etwa in den armen Menschen, in den bedürftigen Menschen begegnen.</p>
<p>Das führt zu der Frage, ob die theologische Kosmologie mit einer göttlichen Sphäre, die sich in der Spätantike entwickelte und im Mittelalter ausgestaltet wurde, nicht nur aus moderner Perspektive, sondern auch aus biblischer Perspektive strittig ist. Wird das Jenseits als Sphäre Gottes in der Bibel durchgehend räumlich und separiert vom Rest der Welt verstanden?</p>
<p>Statt einer räumlichen Grenze zwischen Diesseits und Jenseits ist die Haltung einiger biblischer Texte, Gottes Präsenz gerade in dieser Welt zu suchen. Eine solche Auffassung kommt besonders gut in einem Vers des Lukasevangeliums zum Ausdruck: „Man wird auch nicht sagen: Siehe, Hier! oder: Da! Denn seht, das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17,21). Das Jenseits als Sphäre Gottes ist uns näher, als wir vermuten.</p>
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