<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
	<atom:link href="https://www.evangelische-aspekte.de/category/2-2025/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.evangelische-aspekte.de</link>
	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
	<lastBuildDate>Sun, 01 Jun 2025 17:26:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/cropped-ea-Logo_web-1-32x32.png</url>
	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
	<link>https://www.evangelische-aspekte.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Alois Prinz: Albert Schweitzer</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/alois-prinz-albert-schweitzer/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/alois-prinz-albert-schweitzer/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Schmidt-Langer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:42:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Schweitzer]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Menschlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8566</guid>

					<description><![CDATA[Von manchen wurde er als Heiliger mystifiziert, andere begegneten ihm mit Vorurteilen. Wer aber war der Mensch Albert Schweitzer?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8559" aria-describedby="caption-attachment-8559" style="width: 178px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Prinz.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8559 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Prinz-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Prinz-188x300.jpg 188w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Prinz.jpg 300w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8559" class="wp-caption-text">Cover-Abbildung: Illustration Irmela Schautz, © Thienemann Verlage</figcaption></figure>
<p><strong>Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart 2024, 272 S., 18,00 EUR</strong></p>
<p>Von manchen wurde er als Heiliger mystifiziert, andere begegneten ihm mit Vorurteilen. Wer aber war der Mensch Albert Schweitzer? Alois Prinz begibt sich auf Spurensuche und stellt das Leben des Urwalddoktors in all seiner Widersprüchlichkeit und seiner Vielfalt dar, seine Visionen, seine Größe, Akribie und seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Er lässt uns die Gründe des jungen Theologen nachvollziehen, zusätzlich Medizin zu studieren und schließlich sein Leben in Sicherheit und Wohlstand aufzugeben, um nach Afrika<strong> </strong>zu gehen.</p>
<p>Ein beeindruckendes Leben, das in seiner Fülle auch für mehrere Menschen gereicht hätte. Ein beeindruckender Mensch, der seine Vorstellungen nicht nur als Theorie formuliert hat, sondern auch radikal danach gelebt hat. Aber eben ein Mensch und kein Heiliger.</p>
<p>Auch das Zusammenspiel der öffentlichen Wahrnehmung von Schweitzers „guten Taten“ in Afrika bei gleichzeitiger kollektiver Verdrängung der Verbrechen des Kolonialismus wird reflektiert.</p>
<p>Alois Prinz ist bekannt als hochkarätiger Biograf und hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk. Die Altersempfehlung des Verlags für dieses Buch lautet 12–99 – es ist so spannend zu lesen, dass es alle gleichermaßen fesseln dürfte und weist im Mittelteil einige Bilder auf, die das Leben (nicht nur) im Urwald gut veranschaulichen.</p>
<p>Was hat uns Albert Schweitzer heute noch zu sagen? Etwas sehr Wichtiges: menschlich bleiben, Leben achten und aus einer Haltung der Liebe heraus ins Tun kommen!</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/alois-prinz-albert-schweitzer/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Claudia Filker / Hanna Schott / Konstanze Ebel / Almut Schweitzer-Herbold (Hg.): Talk Box Vol. 21: Bibel</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-filker-hanna-schott-konstanze-ebel-almut-schweitzer-herbold-hg-talk-box-vol-21-bibel/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-filker-hanna-schott-konstanze-ebel-almut-schweitzer-herbold-hg-talk-box-vol-21-bibel/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Dierks]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:36:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gespräch]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Heilige Schrift]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8561</guid>

					<description><![CDATA[Den bewährten Autorinnen der Talk-Boxen, Hanna Schott und Claudia Filker und der neu hinzugekommenen, als @dichtungsding bekannten Autorin Konstanze Ebel, ist eine ganz unbetuliche, intelligente Talk-Box gelungen, die geeignet ist, Gespräche in Gang zu bringen und zu inneren Klärungen zu führen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Talk-Box_Bibel.png"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8565 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Talk-Box_Bibel-300x252.png" alt="" width="300" height="252" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Talk-Box_Bibel-300x252.png 300w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Talk-Box_Bibel.png 600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Neukirchener Verlagsgesellschaft, </strong><strong>Deutsche Bibelgesellschaft 2024, 120 Karten, 18,50 EUR</strong></p>
<p>Eine Bibel-Talk-Box? Erinnerungen an betuliche Bibel-Quiz-Versuche aus der Jugendgruppe in den Achtzigern werden wach. Aber den bewährten Autorinnen der Talk-Boxen, Hanna Schott und Claudia Filker und der neu hinzugekommenen, als @dichtungsding bekannten Autorin Konstanze Ebel, ist eine ganz unbetuliche, intelligente Talk-Box gelungen, die geeignet ist, Gespräche in Gang zu bringen und zu inneren Klärungen zu führen.</p>
<p>Die Box enthält 120 Impulskarten in 13 Kategorien, z.B. „Beziehungsstatus Bibel und ich“, „Schwer zu glauben?“ oder „Heilige Schrift?“. Wo einzelne Bibelverse zitiert werden, führt oft ein hilfreicher QR-Code direkt zum biblischen Zusammenhang.</p>
<p>Besonders gelungen ist die Kategorie „Perspektivwechsel“, in der auf den Karten, jeweils gegenüber gedruckt, zwei gegensätzliche Aussagen stehen, z.B. „Die Bibel ist ein heiliges Buch, denn sie ist Gottes Wort“ versus „Die Bibel ist ein Buch wie andere große Werke der Weltliteratur“. Das macht Lust zu diskutieren.</p>
<p>Die gediegene Optik, die satten Farben und die angenehme Haptik der Karten kennt man von früheren Talk-Boxen. Allerdings ist diese Bibel-Talk-Box dann doch nicht ganz so voraussetzungslos einsetzbar wie ihre Vorgänger, was angesichts des expliziten Bezugs auf die Bibel auch nicht überrascht. Gedacht ist diese Talk-Box offenbar für Gruppen, die mit der Bibel zumindest eine gewisse Bekanntschaft geschlossen haben. Für solche dürfte sie sehr hilfreich und anregend sein, um miteinander gut ins Gespräch zu kommen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-filker-hanna-schott-konstanze-ebel-almut-schweitzer-herbold-hg-talk-box-vol-21-bibel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Claudia Währisch-Oblau (Hg.): Mission – Geht’s noch?</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-waehrisch-oblau-hg-mission-gehts-noch/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-waehrisch-oblau-hg-mission-gehts-noch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joscha Quade]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mission]]></category>
		<category><![CDATA[Missionsbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Missionsfelder]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8556</guid>

					<description><![CDATA[Die langjährige Leiterin der Abteilung Evangelisation der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) möchte mit diesem Buch dem christlichen Missionsbegriff in der Gegenwart neue Plausibilität verleihen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mission.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8558 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mission-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mission-188x300.jpg 188w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mission.jpg 300w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" /></a>Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2024, 216 S., 20,00 EUR</strong></p>
<p>Die langjährige Leiterin der Abteilung Evangelisation der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) möchte mit diesem Buch dem christlichen Missionsbegriff in der Gegenwart neue Plausibilität verleihen. Denn Mission im kirchlichen Kontext erscheint gemeinhin als ein aus der Zeit gefallenes Konzept, das durch die Verwobenheit mit dem europäischen Kolonialismus diskreditiert ist. Dieser Hürde für ein positives Verständnis der Mission widmen sich daher auch die ersten beiden Kapitel des Buches. Dabei weist die Autorin darauf hin, dass eine Missionsgeschichte ohne die Erwähnung ihrer kolonialen Verstrickung ebenso unvollständig ist, wie eine Missionsgeschichte, die die vielen spontanen, marginalen oder marginalisierten Aufbrüche unberücksichtigt lässt, die sich über die gesamte Geschichte des Christentums hinweg ereigneten. Aufbrüche, die oft abseits von Institutionen und politischen Überlegungen geschahen und geschehen.</p>
<p>Das zweite Kapitel zeigt die Ambivalenz missionarischer Aktivitäten im Kontext des Kolonialismus, vorgetragen von Autoren aus dem globalen Süden. Kurze Beiträge weiterer (internationaler) Autor*innen – insgesamt 16 – prägen die folgenden Kapitel, die nach dem geschichtlichen Problemaufriss wie Podien einer Tagung zur Diskussion von zukünftigen, postkolonialen Missionspraxen wirken. Die Herausgeberin leitet diese Diskussionen im dritten Kapitel mit einer gemeinsam mit ihrem Mann verfassten, dem eigenen Anspruch nach „postkolonialen Lektüre des ‚Missionsbefehls‘“ ein. Im Einklang mit dem ersten Kapitel empfiehlt diese Exegese im Ergebnis eine Missionspraxis von den Rändern mit dem Ziel einer egalitären Lerngemeinschaft. Daran schließt eine kritische Diskussion bestehender Machtverhältnisse im globalen Christentum an, in denen koloniale Strukturen weiterleben.</p>
<p>Der Beitrag der Herausgeberin beschränkt sich nun häufig auf kurze Einleitungen und Zwischenkommentare. Die Ko-Autor*innen beschäftigen sich mit dem „Missionsfeld Europa“, dem Spannungsfeld von Mission und religiöser Pluralität sowie der Verbreitung des Glaubens durch Krankenheilung und Gebetserhörung. Die Herausgeberin begleitet dies berechtigterweise mit dem Hinweis, die Beiträge könnten die Leser*innen „herausfordern“. Da ist der deutsche Gemeindereferent, der ganz unbeschwert von der Missionsarbeit unter iranischen Geflüchteten berichtet oder der Pfarrer in Sri Lanka, der von wachsenden Gemeinden aufgrund von Krankenheilungen schreibt.</p>
<p>Alle Texte enthalten interessante Beobachtungen – die Texte zur „Mission im multireligiösen Kontext“ ragen dabei besonders hervor –  doch können die Schlussfolgerungen nicht immer überzeugen. Insgesamt neigen die Autor*innen und auch die Herausgeberin eher evangelikalen bis pentekostalen Strömungen im Christentum zu – diese bilden in der Regel das positive Gegenbild zu recht schematisch als hierarchisch, unflexibel und tendenziell rassistisch beschriebenen „protestantischen“ Kirchen in Deutschland oder allgemein im globalen Norden. Im Zentrum des theologischen Denkens steht das Ideal einer individuellen, lebendigen Jesusbeziehung und ein praktisch grenzenloses Vertrauen in die Wirkmacht des Heiligen Geistes. Kontemplative Elemente sind von untergeordneter Bedeutung. So findet man im letzten Kapitel, das wieder überwiegend aus der Feder der Herausgeberin stammt und die thesenförmige Zusammenfassung des Buches bietet, den anfechtbaren Satz: „Eine Spiritualität, die nicht missionarisch ist, ist nicht christlich.“ In einem Buch, das Offenheit gegenüber herausfordernden Praxen und Positionen verlangt, überraschen derartige Festlegungen ebenso wie die zahlreichen Ausrufezeichen, die im Text begegnen.</p>
<p>Das Buch verlangt kein theologisches Vorwissen, wird nichtreligiöse Leser*innen durch seinen evangelikalen Einschlag aber wahrscheinlich befremden. Gemeindlichen Lesekreisen könnte es aber guten Diskussionsstoff zur Frage liefern, ob Mission noch geht.</p>
<p><em>In der gedruckten Ausgabe erschien eine gekürzte Fassung dieser Rezension.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/claudia-waehrisch-oblau-hg-mission-gehts-noch/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Luther das Genie</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/luther-das-genie/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/luther-das-genie/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:15:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsethik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8551</guid>

					<description><![CDATA[Viele rechtliche und politische Errungenschaften der Reformation sind bis heute gültig und bedeutsam.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Viele rechtliche und politische Errungenschaften der Reformation sind bis heute wichtig.</p></blockquote></div>
<ol>
<li>Jede Zeit hat ihr Lutherbild. Der Aufklärungszeit war er der große<em> Befreier. </em>Die Jahre davor sahen den Wittenberger Reformator mehr noch als <em>Bibelausleger</em>. Dem 20. Jahrhundert galt Luther als eindrücklicher <em>Lehrer</em> (Karol Wojtyla). Und <em>2017</em> suchte sein ökumenisches Potenzial für die Gegenwart zu heben. Was und wie viel davon Bestand hat, bleibt eine stets neue Aufgabe der Forschung.</li>
<li>Während zuletzt die theologischen Einsichten gewürdigt wurden, traten die gesellschaftsethischen Folgen und Errungenschaften fast in den Hintergrund. Doch deren gibt es viele, die ins Gedächtnis zu rufen sich lohnt.</li>
</ol>
<h2>Das freie Wort</h2>
<ol start="3">
<li>Luther vertritt das freie Wort. Denn Überzeugungen sind ohne äußere Gewaltanwendung zu vertreten. Kaum oft genug kann betont werden, dass es die Medieninnovationen der Zeit waren (Buchdruck mit beweglichen Lettern – dann z.B. auch im Notensatz), die bei Reformen halfen.</li>
<li>Luther ist ein Freund der Debatte und Diskussion: Schon der Auslöser der <em>causa lutheri</em>, der sog. Luthersache, ist schlicht der Vorschlag einer offenen Disputation (‘Aus Liebe zur Wahrheit‘ sollen Thesen diskutiert werden). Bis in die späten Jahre bleiben Diskurs und Abwägen von Argumenten z.B. in Disputationen eine von Luther viel und gern genutzte Form. Dass es am Anfang die Debatte einer rechtlich noch gar nicht festgelegten Frage war, die den Stein ins Rollen brachte – und einen Strafprozess in Gang setzte –, wirft auch gleich ein Licht auf die Verfasstheit jener Zeit.</li>
<li>Luthers Vorgehen hat einen freiheitlich-diskursfreundlichen Zug: Das bessere Argument soll den Zuschlag erhalten. Der Wettbewerb um die beste Lösung ist eröffnet. Beispielhaft!</li>
<li>Es ist deshalb auch die Geburt einer kritischen Öffentlichkeit (lange bevor das dann die Aufklärer des 18. Jhs. für sich beanspruchten). Luther schreibt. Jemand antwortet. Luther widmet diesem wieder eine Schrift: Literarische Debattenkultur im besten Sinne. Denn Luther will das „Wort allein wirken lassen“. Warum? Weil ich in meiner „Hand die Herzen der Menschen nicht habe…“: „Ich kann nicht weiter kommen als bis zu den Ohren, ins Herz kann ich nicht kommen“ (1522).</li>
</ol>
<ol start="7">
<li>Dabei geht es aber nicht um beliebige Mehrheitsbildung. Sondern um eine von festgelegten, benennbaren Kriterien geleitete Abwägung.</li>
</ol>
<h2>Am Anfang war die Stadt</h2>
<ol start="8">
<li>Weil sich der Erfolg der Wittenberger Bewegung dem freien Wirken des Wortes verdankt, erklärt sich schnell, dass es maßgeblich eine Reformbewegung „von unten“ war. Es sind zuerst die kleinen und die freien Reichsstädte, in denen das Gedankengut Fuß fasste. Von vielen sei nur beispielhaft erwähnt: Dortmund ab 1523, Bremen beginnend 1522, Magdeburg 1524, Stralsund 1525. Im Süden: ab 1523 Straßburg (mit eigenen Akzenten). 1524 Reutlingen und Memmingen.</li>
<li>Indes war nicht nur der Wittenberger reformerisch aktiv. Es ist eine breitere Reform- und Reformationsbewegung, die auf vielen Schultern ruhte. Schon 1518 hatte Luther eine ganze Reihe späterer Mitstreiter gewonnen wie Johannes Brenz (Schwäbisch Hall, u.a.) oder Martin Bucer (Straßburg, Ulm, u.a.). Häufig wurde in Rats- oder bei Bürgerversammlungen über das Vorgehen beraten (Reutlinger Markteid, Straßburger Rat); auch hier geht es nicht um Wahrheitsfindung durch Mehrheitsbeschluss, sondern um die an ein klares Kriterium gebundene Mehrheitsfindung (das schon vorliegende Wort). Die „örtliche Reformation von unten“ wurde von Luther durch Briefe, Gutachten und Ratschläge wo es ging nach Kräften unterstützt. Und, nicht zu vergessen: Auch Wittenberg ist eine Stadt.</li>
</ol>
<h2>Luthers Bildungsprogramm</h2>
<ol start="10">
<li>Keiner hat mehr (im 16. Jahrhundert, und darüber hinaus) für die Gleichstellung von Mann und Frau getan als Martin Luther. „Und wollte Gott, jede Stadt hätte auch eine Mädchenschule“, schreibt Luther 1520 und empfiehlt 1524, „die allerbesten Schulen für Knaben und Mädchen einzurichten.“ – Indem er also von Beginn an den Zugang zu Bildung gleichberechtigt denkt. – Mit den 1523 konzipierten, kommunal verwalteten Gemeindekassen, aus der eben u.a. die Schulen finanziert werden könnten, erhält zudem die Bauernschaft „uffm Lande“ einen Schlüssel zur finanziellen Mitbestimmung. Schulbildung, Ämterbesetzungen, Wohlfahrtspflege: Einmal pro Woche sollen darüber Bauern, Bürger, Stadtbewohner beraten und beschließen (so die Leisniger Musterordnung 1523).</li>
<li>Luthers Hochschätzung der Sprache, auch der „schönen Künste“, seine Empfehlung Stadtbibliotheken einzurichten (1524), tun ein Weiteres. Er warnte früh vor Aufruhr („mit den Bilderstürmern halte ich es nicht“!, 1522), ließ sich dabei auch unbefangen auf die rhetorischen Gepflogenheiten, Idealvorstellungen, ja zeitgenössischen Erwartungen bei literarischen Kontroversen ein. (Bekanntes Beispiel: der „schwäbische Gruß“ des Götz von Berlichingen.)</li>
<li>An der Bildung sollen alle teilhaben, nicht nur Adel oder Geistliche. Daraus resultieren reale Aufstiegschancen (für viele ein Traum). Wie Luther denn 1530 schreibt: „Gott will’s nicht haben, dass geborene Könige, Fürsten, Herren und Adel allein regieren&#8230; er will auch seine Bettler dabei haben. Sie dächten sonst, die edle Geburt allein mache Herren und Regenten“: Die Möglichkeiten ständeübergreifender Durchlässigkeit sind damit klar benannt – da wirst du viele finden, die „sich durch die Feder so emporgeschwungen haben und aufgestiegen sind.“</li>
</ol>
<h2>Die Geburt Amerikas aus dem Geiste Wittenbergs (Sachsen)</h2>
<ol start="13">
<li>Bevor die geistigen Ahnen und Pilgerväter mit Schiffen wie der „Mayflower“ an der Ostküste (Amerikas) anlanden konnten, mussten sie an der Westküste (Englands) losgefahren sein. Was sie von dort mitbrachten, war u.a. viel protestantisches Gedankengut.</li>
<li>Und bevor es aus England nach Amerika gelangen konnte, war viel davon vom europäischen Kontinent auf die Insel gelangt. So in der Person Martin Bucers, der 1549 von Straßburg nach Cambridge ging und (gewiss nicht als einziger, aber an manchen Punkten) an der Gestaltung einer reformiert-lutherischen Church of England, der Anglikanischen Kirche, mitwirkte. (Ein anderes Beispiel ist die von Wittenberg inspirierte Bibelübersetzung Tyndales.)</li>
<li>Teilweise war die Fahrt dann nach Amerika eine Ausweichbewegung vor zu beengenden, zwänglerischen Kirchenelementen.</li>
<li>Nicht nur die inhaltliche Symbolik der Freiheitsstatue, auch der Geist der Verfassungsgrundsätze Amerikas stammt aus Wittenberg.</li>
</ol>
<h2>Zuordnung und Unterscheidungen: Politische Ethik</h2>
<ol start="17">
<li>Schon die Tatsache, dass einmal beklagt wird, Luther habe zu sehr das Gewissen und die Verantwortung betont, ein andermal, er sei zu sehr auf Ordnungsfunktionen staatlicher Verfasstheiten und ökonomischer Abläufe eingegangen, lässt erkennen, dass da genau hingeschaut und genauer unterschieden werden muss. <em>Unterscheiden, ohne zu trennen</em>, ist ohnehin in jedem Fall ein wichtiges Stichwort im Bereich der politischen Ethik.</li>
<li>Im Mittelalter besteht die Forderung und Lehre der <em>Überordnung</em> der Kirche über die weltlichen Instanzen. Luther bestreitet das und setzt dem langfristig ein Ende. Sicher kein geringes Gut, das heute viele schätzen.</li>
<li>Gab es schon das mittelalterliche Denkmodell von „Zwei Schwertern“ – kirchlich/weltlich –, setzte der Wittenberger die Akzente ein wenig, aber doch entscheidend anders (Lehre von den zwei Bereichen):</li>
<li>Die Geistlichkeit und geistliche Fragen sollen „mit dem Schwert“ überhaupt nichts zu tun haben. Im Reich des Geistes herrsche: der Geist. Die Zuständigkeiten sind klar zu unterscheiden. Die Kirche trage Sorge für die geistige Erbauung. Der Staat für den äußeren Frieden und das Recht.</li>
<li>Dass aber dennoch eine enge Verbindung von Staat und Kirche nie ungewöhnlich war (von beiden Seiten meist ausdrücklich erwünscht – bei teils variierenden Motiven, z.B.: <em>man traut der anderen Seite nicht über den Weg</em>, oder: <em>die andere Seite könnte unabhängig zu mächtig werden und in eine ungute Frontstellung geraten</em>, oder <em>man kann oder will nicht der Vorteile der anderen Seite ganz verlustig gehen</em>, usw.), dürfte dies nicht leicht zu belegen sein? Schon allein durch bloße Nennung der Nationalkirchen Englands, Frankreichs, Spaniens z.B. im 15./16. Jh., „Theokratisches“ in Byzanz, nationale Kirchen der Orthodoxie, die Existenz von Fürstbischöfen (Bischöfe, die gleichzeitig Fürsten waren) oder bis heute vor Augen: der Kirchenstaat Vatikan!? (Die wechselnden Lösungen im Luthertum sind also kein Spezifikum.)</li>
</ol>
<h2>Luthers Wirtschaftsethik</h2>
<ol start="22">
<li>Dass es auffällig viele protestantisch geprägte Staaten sind, in denen ein hohes Maß allgemeiner Wohlfahrt und wirtschaftlichem Erfolgs anzutreffen sind, ist schon oft bemerkt worden. Ob Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland, natürlich Deutschland selbst, ob Großbritannien und USA: Es braucht kaum einen Nachweis, um einen ursächlichen Zusammenhang anzunehmen.</li>
<li>Einen Sprachwissenschaftler wie J.R. Tolkien beschäftigte der Umstand, dass im indogermanischen Sprachbereich z.B. Altsachsens westlich von Magdeburg, wo der historische Ursprung der Angeln, Jüten und Sachsen vermutet wird – die späteren Angel-Sachsen – bis hinein in die Jahrtausendwende um 900-1200 n.Chr. fast keine eigenen literarischen Zeugnisse nachweisbar sind. Während dann Heinrich Heine wenige Jahrhunderte später blühende literarische Geistesfreiheit feststellt. Für die je variablen „Lutherbilder“ (A. Geck) z.B. das eines Sprachphilosophen wie J.G. Herder ist es nicht zuletzt das ‘Sprach-Ereignis’ Luther, das ihn den Reformator dann in die Riege von historischen „Genies“ einreihen lässt (H. Bornkamm: <em>Luther im Spiegel der deutschen Geistesgeschichte</em>, ²1970). Heine meint, mit Luthers wortschöpferischen Texten werde für die deutsche Sprache „die schöne Literatur“ „eröffnet“. Zugleich dürfte es die von Luther beförderte breite Schulbildung sein, die den Grundstein dafür legte, dass aus der sprachlichen Ödnis noch des 13. Jh. dann ab dem 16. Jh. die Gegenden um Weimar (östliche Seite von Magdeburg und im Süden und Norden) zu Kerngebieten für das hoch gelobte <em>Land der Dichter und der Denker</em> geworden war.</li>
</ol>
<h2>Das Recht in seiner Schutzfunktion</h2>
<ol start="24">
<li>Den Ersten der berühmten <em>Zwölf Artikel</em> der streitbaren Bauernpetition von Memmingen setzte Luther – bzw. die lutherische Reformation – ab 1525 großflächig in Sachsen um. (Ohne dass dafür auch nur ein Schuss abgegeben werden musste: Allein aufgrund Luthers beharrlicher Überzeugungsarbeit.) Die flächige Einführung war in vielem bereits angelegt und vorbereitet (neben Kursachsen schon Hessen u.a.), und nicht erst Folge des Jahres 1525. Dabei sind die Übergänge zudem fließend und organisch: Die Abtuung eingerissener Missstände wird nicht abrupt von einem auf den andern Tag herbei- und durchgeführt.</li>
<li>Auch im Folgenden schließen sich noch nach 1525 große und kleine Städte der Reformationsbewegung an wie Frankfurt, Lübeck, Weil der Stadt. Die besonnene Vorgehensweise erwies sich insoweit als zielführend und richtig. Gerade die Bedeutung und Einhaltung des Rechts ist dabei einer der Gründe, warum sich Luther den Versuchen einer gewalttätigen Herbeiführung von Reformmaßnahmen (z.B. Bauern-Aufstände) nicht anschließen konnte und nicht wollte. Denn:</li>
<li>Vermutlich gab es auch im Mittelalter Tage, an denen die Sonne schien – aber es gibt eben wirklich Gründe, warum die Rede vom finsteren Mittelalter existiert. Beispiel: In manchen Städten wurde schon für geringfügigste Delikte gegen das Gemeinwesen die Todesstrafe verhängt. Auch ein Blick in die als fortschrittlich geltende <em>Carolina</em> von 1530/32 (’vielleicht das bedeutendste Gesetzeswerk des Heiligen Römischen Reiches’), belehrt darüber, was für die damalige Zeit als fortschrittlich bezeichnet werden konnte. Sprechendes Exempel für das Finstere der Zeit sind die Bauernkriegswirren und ihre Folgen um 1525. – Für Luther gilt hingegen konsequent auch hier: allein das Wort. Er setzt auf friedliche Rechtsentwicklung.</li>
<li>So bewirkte die Verkündung des „Ewigen Landfriedens“ 1495 nicht nur eine Begrenzung gewaltträchtiger Fehden, sondern war auch – beim damaligen Flickenteppich der Zuständigkeiten – ein Markstein der juristischen Maxime, dass gegebenes Recht „haimlich und offenlich“ („heimlich und öffentlich“, Art. 12) im persönlichen wie im öffentlichen Raum von allen Reichsbewohnern zu beherzigen und zu befolgen sei. Die Bauernunruhen 1525 waren vehement&#8230; Doch gibt es Reformationshistoriker mit der Ansicht, dass das Jahr 1525 (bezogen gerade auf die Bürgerkriegswirren) den Gesamtgang der Geschichte kaum merklich beeinflusste (U. Köpf). Und es war eben 1525 auf friedliche Weise auch viel schon auf dem Weg. – 1525 hat Luther, wie einige andere Reformatoren vor ihm, geheiratet und damit dem Protestantismus eine 500-jährige Institution auf Dauer eingestiftet.</li>
<li>Gerade der Vergleich der „turbulenten“ und gewaltreichen Umwälzungen in England, (Amerika), Frankreich zeigt die großen Vorzüge der friedlichen Reformationen Martin Luthers. Wer möchte, kann Wirkungen bis hin zur friedlichen Wende 1989 ziehen.</li>
<li>Weil Frankreich großteils von der Reformation des 16. Jahrhunderts ausgenommen blieb, darf in mancher Hinsicht (nicht in jeder) die Französische Revolution Ende des 18. Jhs. realiter als eine verspätete, nachgeholte Reformation bezeichnet werden. Das gilt z.B. für besagte klarere Unterscheidung zwischen weltlichem und kirchlichem Bereich (vgl. Prien 1992; Pawlas 2000). Auch für die lutherischen Forderungen nach Redefreiheit, Meinungsfreiheit, Gewissensentscheid, freie Öffentlichkeit, Recht auf Eigentum – deren Begründung bei Luther zugleich rückgebunden bleiben an eine höhere Instanz. In etlichen Punkten ist die Französische Revolution über die Reformation hinaus gegangen, teils dahinter zurückgeblieben. Sie blieb z.B. in vielem eine dem Bürgertum vorbehaltene Besserstellung (was aber hier nicht Thema ist). Was ihr folgte, war ein Zeitalter des Absolutismus.</li>
</ol>
<h2>Der Mensch als <em>cooperator</em></h2>
<ol start="30">
<li>Selbstverständlich galt die Freiheit, die Luther meint, nicht nur im geistigen Bereich, sondern gestaltet das ganze Leben. Schon mit der ersten seiner vier Hauptschriften von 1520 hatte Luther eine gründlich ausgearbeitete <em>Ethik</em> vorgelegt (WA 6,196-276; <em>Von den guten Werken</em>).</li>
<li>Dass die Welt mit Entschiedenheit vom Menschen zu gestalten ist (O. Bayer: <em>Freiheit als Antwort</em>, 1995), dem widmet Luther seine in vieler Hinsicht gewichtigste Abhandlung: Seine Schrift von 1525 über den dienenden Willen (<em>de servo arbitrio</em>) zeigt, wie der Mensch zum Mitarbeiter (<em>cooperator</em>) in der Schöpfung wird. Mit ihrer entschiedenen <em>Wort-Theologie</em> prägte die Reformation ihre Zeit. (Auch indem sie etwa die entscheidenden Worte im Messgottesdienst nicht magisch auffasst und bestimmt, sondern ganz auf die – sprachaufklärerische – Wirksamkeit des Wortes selbst abstellt, vgl. die Erklärung im Kleinen Katechismus).</li>
</ol>
<h2>Weltgestaltung</h2>
<ol start="32">
<li>Ob für die Musik (vgl. <em>evangelische aspekte</em>, Heft 2/2024), für das Sprachschöpferische in Literatur und Übersetzung oder mit dem Einfluss auf Wirtschaft, Arbeit und Beruf (vgl. Heft 1/2025) sowie der Fähigkeit, vieles davon nicht nur zu denken, sondern <em>auch politisch</em> umzusetzen, dürfte Luther weniger als feinsinnig-vergeistigtes Genie gelten, denn als schlichter Impulsgeber und als Gestalter mit dem Wort. Weltgestaltung mit dem Wort wäre ein schönes Motto für lutherisches Wirken.</li>
</ol>
<p><em>In der Druckausgabe erschien eine gekürzte Fassung dieses Beitrags.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/luther-das-genie/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sich-Festmachen an Gott</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/sich-festmachen-an-gott/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/sich-festmachen-an-gott/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Brand]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:10:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Halt]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Klettern]]></category>
		<category><![CDATA[Zuversicht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8549</guid>

					<description><![CDATA[Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. (Ps 63,9)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. (Ps 63,9)</p></blockquote></div>
<p>Wer klettert, weiß, wie herausfordernd es sein kann, sich an einer steilen Felswand nach oben zu bewegen. Der Blick nach unten kann Angst machen. Der Weg nach oben verlangt Mut, Kraft und Vertrauen. Halt ist nicht immer sofort sichtbar und ebenso wenig spürbar. Man tastet sich langsam voran, sucht nach kleinen Vorsprüngen in der Felswand, an denen man sich festhalten und hochziehen oder auf die man sich stützen und hochdrücken kann. Jeder Tritt, jeder Griff ist ein Wagnis. Doch an bestimmten Punkten auf der Kletterroute gibt es Sicherungen. Es sind kleine Metallringe, an denen man einen Karabinerhaken befestigen kann. Und wer sich dort mit einem Karabinerhaken eingehängt hat, weiß: „Jetzt bin ich sicher. Auch wenn ich stürze, stürze ich nicht ab, sondern bin gehalten.“ Diese Gewissheit schenkt neue Zuversicht und neuen Mut, weiter zu klettern, nach oben zu schauen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.</p>
<p>Dieses Bild vom Karabinerhaken beim Klettern lässt sich auch auf den Glauben übertragen. Auch der Glaube schenkt Halt – manchmal gerade dann, wenn der Boden unter unseren Füßen brüchig wird und wir zu fallen drohen. Wenn Lebenswege steil und unübersichtlich werden, wenn wir uns in Unsicherheit verlieren oder keinen festen Griff mehr finden, gerade dann kann der Glaube Halt geben. Der Glaube trägt durch Zeiten der Angst, durch Täler der Erschöpfung und durch Phasen, in denen wir nicht weiterwissen. Der Glaube trägt aber auch in Zeiten der Freude und des Gelingens. Im Glauben mache ich mich fest an Gott: nicht nur in einem bestimmten Aspekt, sondern in meinem ganzen Dasein. Ich verlasse mich darauf, dass Gottes Hand hält. In dieser Verbindung liegt eine Kraft, die trägt, auch wenn eigene Kräfte schwinden. Es ist ein Gehaltensein, das nicht von meiner eigenen Stärke oder Schwäche abhängt.</p>
<p>In Psalm 63 heißt es: „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Ps 63,9). Glaube ist nicht nur ein Fürwahrhalten, sondern ein Sich-Festmachen. Glauben heißt, Gott vertrauen und auf ihn seine Zuversicht setzen. Martin Luther hat es so ausgedrückt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Im Vertrauen gleicht das Herz einem Karabinerhaken, das sich fest an Gott macht. Dieses <em>extra nos</em> des Glaubens, das Sich-Herauswagen aus sich selbst hin zu Gott, verhilft dazu, sich selbst neu zu spüren und neue Kraft zu erfahren.</p>
<p>Glauben bedeutet aber nicht, dass es keine Zweifel oder Sorgen mehr gibt. Oft genug scheint die eigene Lebenserfahrung der Zuversicht des Glaubens zu widersprechen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen wir nach Orientierung und Halt suchen, in denen wir nicht weiterwissen oder ins Leere greifen. Der Glaube ist dann nicht die Abwesenheit von Zweifeln, sondern das Vertrauen darauf, dass Gott trotz allem bei mir ist. Auch wenn ich kraftlos bin, trägt mich seine starke Hand: „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Ps 63,9).</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/sich-festmachen-an-gott/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Perfekte Plastikwelten</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/perfekte-plastikwelten/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/perfekte-plastikwelten/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Yasmin Vetter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 13:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Perfektionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstwert]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8545</guid>

					<description><![CDATA[Geschichten von Held:innen, die ihre eigene Stimme entdecken und sich gegen den konventionellen Perfektionismus ihrer Gesellschaft stellen, haben schon immer für große Faszination gesorgt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Geschichten von Held:innen, die ihre eigene Stimme entdecken und sich gegen den konventionellen Perfektionismus ihrer Gesellschaft stellen, haben schon immer für große Faszination gesorgt.</p></blockquote></div>
<p>In den letzten Jahren haben Filme wie <em>Barbie</em> oder das Musical <em>Wicked</em> ihr Publikum begeistert. Dass dem so ist, ist gerade im Anbetracht des immer größer werdenden Perfektionsdrangs – vor allem in den sozialen Netzwerken – keine Überraschung. Den Narrativen, Bildern und Videos der sozialen Medien folgend, ist ein Großteil der Menschen dort äußerst schön, erfolgreich und vor allem perfekt. Die dort dargestellten Welten erinnern an die perfekte rosa Welt von <em>Barbie</em> oder die glänzende Smaragdstadt in <em>Wicked</em>. Schlechte Tage und Misserfolge scheint es kaum zu geben.</p>
<p>Dass die sozialen Netzwerke so funktionieren, ist keine große Neuigkeit. Schon lange ist bekannt, wie schädlich der ständige Vergleich mit scheinbar perfekten Menschen auch für die psychische Gesundheit ist. Er führt zu Neid und dazu, dass man sich für seine Schwächen schämt. Manche Menschen ziehen sich deshalb regelrecht aus der Gesellschaft zurück, vereinsamen oder/und entwickeln Depressionen.</p>
<p>Dabei ist den meisten Menschen bewusst, dass es sich dabei in der Regel um eine aufgesetzte Fassade handelt. Vieles versteckt sich so hinter Filtern wie der Zauberer von Oz hinter seinem mechanischen Kopf. Kein Mensch ist perfekt. Wir Menschen sind keine Barbiepuppen aus Plastik, die immer das perfekte Lächeln auf den Lippen haben und immer erfolgreich sind. Dennoch spiegeln diese perfekten Selbstdarstellungen uns unsere eigenen Verfehlungen wider. Vielleicht ist der Perfektionsdrang der sozialen Netzwerke aber weniger eine narzisstische Selbstdarstellung als vielmehr ein Versuch, von der eigenen Fehlbarkeit abzulenken. Verpackt in erfolgreichem Storytelling. Denn der Wunsch nach Perfektion und der äußerliche Druck sind groß. Er hat eigentlich schon immer existiert. Aber in unserer medialen Gesellschaft ist es schwer, sich dem zu entziehen.</p>
<p>In Momenten, in denen ich an mir selbst und meinen eigenen bisherigen Erfolgen zweifle, hilft es mir, mich an die befreiende Erkenntnis, dass Gott uns bedingungslos liebt, zu erinnern. Nicht umsonst hat Martin Luther dies als Tor zum Paradies bezeichnet. Ähnlich geht es mir mit dem Gebot der Nächstenliebe. Häufig bringen wir es nur mit der Liebe zum Nächsten in Verbindung und vergessen: „wie dich selbst“. Das schließt ja auch die Liebe zu mir ein. Ich selbst bin ein geliebtes Geschöpf Gottes. Ein Teil der Schöpfung, die Gott als „gut“ bezeichnet hat, und ich soll mich als dieses lieben. Ich selbst erwarte auch von anderen Menschen keinen Perfektionismus. Warum sollte ich mich dann nicht selbst so lieben, wie ich bin? Warum kann ich mit mir selbst nicht etwas nachsichtiger sein? Die Erkenntnis, dass ich selbst einen Wert habe, ist wie ein riesengroßer Befreiungsschlag. Deswegen werden auch popkulturelle Lieder wie „Defying Gravity“ aus dem Musical <em>Wicked</em> geradezu zu Hymnen.</p>
<p>Gott erwartet keinen Perfektionismus. Er blickt durch jede noch so geschickt aufgebaute Scheinwelt und sieht unser wahres Ich. Durch die christliche Botschaft haben wir eine Möglichkeit, uns und andere immer wieder daran zu erinnern, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind, die keinen Perfektionismus braucht. Stattdessen hilft sie uns, unsere eigenen Held:innen zu werden und uns von dem Drang des ständigen Perfektionismus der medialen Plastikwelt zu befreien.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/perfekte-plastikwelten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Leben nach der Einladung Gottes</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/ein-leben-nach-der-einladung-gottes/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/ein-leben-nach-der-einladung-gottes/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bertram Salzmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 13:39:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Gnade]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenbild]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Sünde]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergebung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8542</guid>

					<description><![CDATA[Im Gegensatz zur unter Christen weit verbreiteten Auffassung ist der christliche Glaube gerade nicht das Naheliegende und Selbstverständliche. Doch dass biblische Botschaften für Menschen unserer Zeit als absurd und als Zumutung erscheinen, sollte nicht dazu verleiten, sie zu verstecken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Gegensatz zur unter Christen weit verbreiteten Auffassung ist der christliche Glaube gerade nicht das Naheliegende und Selbstverständliche. Doch dass biblische Botschaften für Menschen unserer Zeit als absurd und als Zumutung erscheinen, sollte nicht dazu verleiten, sie zu verstecken.</p></blockquote></div>
<p>Christliche Verkündigung versucht, die biblische Botschaft meist wie einen roten Teppich vor ihrer Zuhörerschaft auszurollen: attraktiv und einladend. Wie bei einer guten Werbebotschaft soll auch die Botschaft des Evangeliums direkt verständlich und unmittelbar eingängig sein, um ihre segensreiche Wirkung zu entfalten. Und in der Tat: Dass Gott alle Menschen liebt, wir nach seinen Geboten leben sollen, er uns unsere Verfehlungen vergibt und uns ein Leben nach dem Tod schenkt – das sind gute Botschaften, die eigentlich kaum Widerspruch hervorrufen können. Was sollte man gegen ein derartiges Angebot dauerhafter Beziehungshygiene mit dem Allerhöchsten vorbringen, vorausgesetzt dass man überhaupt die Existenz eines Gottes zugesteht?</p>
<p>Offensichtlich geht christliche Verkündigung heute weithin davon aus, mit diesen Basis-Wahrheiten aus der Kinderkirche ebenso gut noch bei erwachsenem Predigtpublikum und kirchlicher Laufkundschaft punkten zu können. Also besser keine theologischen Hürden aufbauen, die den Zugang erschweren oder Adressaten abschrecken könnten! Von klassischen theologischen Begriffen wie Sünde, Gericht oder Rechtfertigung, die heutigen Zeitgenossen sauer aufstoßen könnten, solle sich christliche Verkündigung deshalb lieber verabschieden, hört man aus manchen, sich selbst als „progressiv“ verstehenden Kreisen. Weil sie ›der Deutung des Lebens heute‹ nicht mehr dienen oder ›einfach nicht mehr verstanden‹ werden, gehörten sie auf den Alteisenhaufen der Theologie.</p>
<h2>Die Mär vom mangelnden Verstehen</h2>
<p>Diese Forderungen sind absurd. Wenn man ihnen recht geben würde, dann müsste auch die bundesdeutsche Gesellschaft Begriffe wie Demokratie, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit auf den Müllhaufen der Geschichte werfen, nur weil eine zunehmende Anzahl von Menschen (siehe die wachsende Wählerschaft der AfD) anscheinend nichts mehr damit anzufangen weiß. Ebenso wenig wie die Eckpfeiler der deutschen Verfassung dürfen tragende Säulen christlicher Theologie einfach eingerissen werden, nur weil es scheinbar immer mehr Menschen gibt, die Probleme damit haben.</p>
<p>Denn wenn Menschen heute Probleme mit Begriffen wie Sünde und Gericht, Gnade und Rechtfertigung haben, dann liegt es nicht daran, dass sie sie nicht verstehen. Im Gegenteil: Die Probleme beginnen gerade dort, <em>wo</em> sie sie verstehen. Denn dann wird klar, dass die biblischen Glaubenssätze im Konflikt mit eigenen zentralen Glaubenssätzen stehen. So kommt es zu existenziellen Zumutungen, denen man sich lieber nicht mehr aussetzen will. Und auch dies kann niemanden, der die Bibel einigermaßen kennt, auch nur im Ansatz überraschen.</p>
<h2>1. Der Mensch, ein Sünder vs. „Ich bin gut, das findet sogar Gott!“</h2>
<p>Wer die Bibel aufschlägt, erlebt gleich am Anfang eine erste massive Kränkung: Der Mensch, wie er uns dort als unser Spiegelbild vor Augen tritt, ist zwar von Gott gut geschaffen – er taugt aber trotzdem nicht zum Guten. Kaum in der Welt, begehrt er gegen seinen Schöpfer auf (Adam und Eva) und bringt seinen Nächsten um (Kain und Abel). In ihrer Darstellung lässt die Bibel keinen Zweifel daran, dass sie diesen Hang zum Bösen als typisch für alle Menschen ansieht. Dass der Mensch permanent zum Schlechten ausschlägt, erklärt sie mit seinem ureigensten Hang, sich eigene Götter zu schaffen und sich zugleich selbst an die Stelle Gottes zu setzen (vgl. 1. Mose 11,4): Wir schwingen uns selbst zum Herrn (oder zur Herrin) über Gut und Böse, über Leben und Tod auf, weil wir autonom sein und uns nicht als ein von Gott abhängiges Geschöpf verstehen wollen. Diesen Aufstand gegen Gott nennt die Bibel „Sünde“ (vgl. Römer 1,21-23; 3,9ff). Das Böse ist demnach nicht etwas, was uns äußerlich anhängt (wie einzelne schlechte Taten), sondern was uns innerlich durchdringt und beherrscht (vgl. Johannes 8,34).</p>
<p>Die Vorstellung, dass alle Menschen unter der Macht der Sünde stehen und der göttlichen Gnade bedürfen, widerspricht dem modernen Ideal des selbstbestimmten und im Wesentlichen guten Individuums. Eine emanzipatorische und auf Wertschätzung bedachte Pädagogik hat uns gelehrt, dass der Mensch im Kern ein gutes Wesen sei, das allenfalls durch schlechte soziale Einflüsse verderbt wird. Auch wenn wir uns manchmal schlecht benehmen, halten wir uns doch eigentlich für ganz in Ordnung und gerade als Menschen für liebenswerte und mit entsprechender Achtung zu behandelnde Kreaturen. Dieses Selbstbild lässt die Bibel in tausend Stücke zerspringen.</p>
<h2>2. Der Mensch als sein eigener Totengräber vs. „Ich bin mein eigener Boss!“</h2>
<p>Der Mensch bringt es also nicht fertig, in Frieden mit Gott und seinen Mitmenschen zu leben. Obwohl Gott doch genau dies von ihm erwartet, daran lassen die biblischen Gebote keinen Zweifel. So sieht er sich einem unüberwindlichen Dilemma gegenüber: Er <em>soll</em> gut sein, <em>kann </em>und<em> will</em> aber nicht gut sein – weil er durch und durch böse ist. Wie kann er aus dieser Situation herauskommen?</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Mensch bringt es nicht fertig, in Frieden mit Gott und seinen Mitmenschen zu leben.</p></blockquote></div>
<p>Die Antwort der Bibel ist eindeutig: Er selber kann das gar nicht! Das Gefängnis der Sünde ist vielmehr ein so tiefes Verlies, dass es aus menschlicher Macht keinen Ausweg daraus gibt, sondern dass man darin eigentlich nur verrotten kann (Römer 2,1). Auch diese biblische Zumutung steht offensichtlich quer zu heutigen Idealen wie Autonomie, Resilienz oder Ich-Stärke, die auf den Menschen als aktive Kraft der eigenen Lebensgestaltung setzen. Er selbst soll es sein, der positive Energien entwickelt, um seinem Leben die richtige Richtung zu geben. Aber nach biblischem Verständnis ist der Mensch eben nicht „seines Glückes Schmied“, sondern vielmehr sein eigener Totengräber. Und mit jedem Versuch, sich selbst zum Herrn seines eigenen Lebens aufzuschwingen, statt Gott als dessen Herrn anzuerkennen, gräbt er sein Grab ein kleines Stückchen tiefer.</p>
<h2>3. Gott als strafender Richter vs. „Alles nicht so schlimm!“</h2>
<p>Das Alte Testament erzählt in weiten Teilen von Gottes Versuchen, die Menschen ihrem Widerstand zum Trotz auf einen guten Weg zurückzubringen. Das zeigt sich daran, wie er seinem erwählten Volk Israel immer wieder nachgeht: Er schickt Mahner und Mentoren in Gestalt der Propheten, auf dass sie umkehren mögen, er bestraft das Volk aber auch, z.T. mit harter Hand. Das Judentum hat dieses Strafhandeln in seinen heiligen Schriften als Folge des eigenen Aufruhrs gegen Gott interpretiert. Gerade weil der an seinem Bund mit Israel festhält und sein erwähltes Volk <em>nicht</em> aufgibt, muss er auch auf den fortgesetzten Abfall zu anderen Göttern reagieren. Dass er menschliche Verfehlungen nicht ignoriert, sondern anhand seiner guten Weisungen gerecht be- und ggf. auch verurteilt, macht seine Macht und Autorität als Richter aus.</p>
<p>Ein Gott, der wie in der Bibel zürnt, richtet, straft und züchtigt, gerät heute freilich in die dunkle Ecke einer „schwarzen Pädagogik“. Dass Gott auch eine solche Seite haben kann, vielleicht haben muss, ist für viele Grund, sich umso mehr von ihm abzuwenden. Wenn Gott, dann möchte man ihn bitte ausschließlich in der Schmuse-Version, als geduldigen Zuhörer und Alles-Versteher, wie eine perfekte Mami oder ein Super-Paps. Aber das Bild, das die Bibel von der „Elternschaft“ Gottes zeichnet, ist gerade nicht das einer „heilen Familie“. Hier begehrt vielmehr das Kind gegen die Eltern in einem Maße auf, dass es selbst den Platz als Familienoberhaupt einnehmen will und danach trachtet, sie dafür aus dem Weg zu räumen. Weil auch der Mensch im Zustand einer solchen permanenten „Kriegserklärung“ gegen Gott lebt, bedarf es der ganzen göttlichen und richterlichen Autorität, ihn vor den schrecklichen Konsequenzen seines eigenen Tuns zu bewahren.</p>
<h2>4. Gottes Gerechtigkeit ist seine Gnade vs. „Jedem das, was er verdient!“</h2>
<p>Mit dem Auftreten Jesu im Neuen Testament erreicht das biblische Drama einen entscheidenden Wendepunkt: Jesus verkündigt und verkörpert die befreiende Botschaft, dass sich Gott dem Menschen <em>gerade in seiner Rolle als Richter</em> so zuwendet, dass er die vom Menschen zerstörte Gemeinschaft mit seinem Urteil selbst nicht aufkündigt, sondern sie aus eigener Kraft wiederherstellt. Dies zeigt sich beispielhaft in Jesu Gemeinschaft mit den Menschen, die zu seiner Zeit als „Sünder“ abgestempelt waren, wie z.B. Zöllner und Prostituierte (vgl. Markus 2,13-17; Lukas 19; Johannes 8). Jesus wendet sich ihnen bedingungslos zu, verschließt die Augen aber auch nicht vor ihrer Sünde, sondern bringt sie so ans Licht, dass sie auch vom betroffenen Menschen selbst kritisch und selbstkritisch angeschaut werden kann. Nach genau diesem Muster wird die menschliche Sünde nach biblischem Verständnis auch im göttlichen Gericht ans Licht gebracht und von Gott in seinem Richterspruch verurteilt, der Mensch <em>als Sünder</em> aber gleichwohl vor ihren vernichtenden Folgen bewahrt (vgl. 1. Korinther 3,12-15). Die von Gott so geübte Gerechtigkeit ist: seine Gnade (vgl. Römer 3,21ff)! Sie führt – gegen alle menschliche Logik – nicht zu Schuldspruch und Verdammnis, sondern zu einem befreiten Leben als von Gott gerechtfertigter Mensch.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Unser eigenes Selbstverständnis ist, dass wir der Gnade nicht bedürfen.</p></blockquote></div>
<p>Schon für die Zeitgenossen Jesu war es eine Zumutung, dass seine Zuwendung in demonstrativer Weise den gesellschaftlich Stigmatisierten galt und nicht denen, die sich durch irgendwelche Ehrenurkunden oder tadellose Führungszeugnisse ausweisen konnten – zumal er diese Menschen gerade <em>als Sünder </em>annahm und nicht als solche, die zuvor schon irgendwie von ihrer Sünde „gereinigt“ worden wären. Auch unser heutiges Verständnis von Gerechtigkeit wird dadurch unterlaufen: Gilt dann Gottes Vergebung für den Mafia-Killer genauso wie für den gefolterten Märtyrer? Noch schlimmer ist allerdings die Zumutung, dass wir uns nun gerade in diesen Menschen nach Jesu Willen selbst vor Gott als Sünder und damit als angewiesen auf seine Vergebung wiedererkennen sollen. Denn unser eigenes Selbstverständnis ist ja gerade, dass wir solcher Gnade gar nicht bedürfen – oder allenfalls als kosmetische Reinigung von einzelnen verzeihlichen Verfehlungen, aber nicht als Erlösung unserer ganzen Existenz. Und genau in diesem Sinne haben wir auch Anteil an der Kreuzigung Jesu. Denn das letzte Mittel, der Gnade Gottes nicht zu bedürfen, besteht darin, diese(n) selbst auszulöschen.</p>
<h2>5. Das Heil liegt im Kreuz vs. „Gott hat’s verkackt!“</h2>
<p>Die Passion Jesu ist eine Geschichte des dramatischen Scheiterns Gottes. Denn wenn Gott sich vorgenommen haben sollte, in Jesus einen neuen Anfang mit den Menschen auf Erden zu machen, dann ist das so gründlich schief gegangen, wie es nur konnte: Sein Messias wird hinter verschlossenen Türen als schändlicher Gotteslästerer angeklagt und als politischer Aufrührer öffentlich hingerichtet – die Welt will von seiner Vergebungsbotschaft nichts wissen. Ein gut gemeinter Versöhnungsversuch Gottes, der im Fiasko endete! Das kann auch die spätere Auferweckung Jesu, wie sie die Evangelien berichten, nicht überdecken. Sie mag eine Rehabilitierung des göttlichen Gesandten und ein Hoffnungszeichen an seine Anhängerschaft sein – am desaströsen Ausgang seiner Mission ändert das nichts. In Jesus ist Gott mit seinem Angebot der Gnade für die Menschen zugrunde gegangen.</p>
<p>Bis heute ist es die größte Zumutung des Christentums, genau in diesem desaströsen Ende das entscheidende Heilsereignis für die ganze Menschheit zu sehen. Wie soll man das verstehen? – Die prägendste Deutung dafür hat der Apostel Paulus geliefert. Er hat als erster den entscheidenden „Kippmoment“ beschrieben, durch den Gottes Scheitern am Kreuz – wie beim Wechsel der Perspektive auf ein Vexierbild – beim erneuten Betrachten plötzlich einen ganz anderen Sinn ergibt: Gottes Gerechtigkeit kann über das Böse im Menschen nicht einfach hinwegsehen und hinweggehen. Er will den Menschen aber auch nicht die tödlichen Folgen seiner Verfallenheit an das Böse spüren lassen. Also bleibt ihm nur ein Weg: Er muss diese tödlichen Folgen selbst auf sich nehmen, um den Menschen davon zu befreien. Sein Scheitern im Tod Jesu am Kreuz erweist sich in dieser Perspektive plötzlich als Bedingung dafür, dass die von Jesus verkündigte Vergebung auch im göttlichen Gericht gewährt werden kann. Denn für die gnädig vergebene Schuld des Menschen hat Gott selbst bereits bezahlt (vgl. Römer 3,25-26; 2. Korinther 5,19).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die christliche Deutung des Kreuzes ist keineswegs ein Selbstläufer.</p></blockquote></div>
<p>Schon der Apostel Paulus musste allerdings feststellen, dass diese Deutung des Kreuzes keineswegs ein Selbstläufer ist, sondern vielmehr für die einen (nämlich die Juden) „ein Ärgernis“ und für die anderen (nämlich die Heiden) „eine Torheit“ bedeutete (1. Korinther 1,23). Ganz ähnlich betrachten es Menschen auch heute noch entweder als Beleidigung oder als Blödsinn, dass Gott sich selbst in den Abgrund stürzt, um sie aus ihrem Sünderdasein zu erlösen. Eine Zumutung ist es in beiden Fällen.</p>
<h2>6. Allein im/aus Glauben vs. „Ich schaffe das selbst!“</h2>
<p>Aus biblischer Sicht kann es nicht überraschen, dass die Menschen über die Botschaft vom Kreuz den Kopf schütteln. Denn weder erschließt sie sich von alleine noch durch emsiges Nachdenken. Auch für den Apostel Paulus war sie kein Ergebnis theologischer Studien, sondern der Begegnung mit dem Auferstandenen selbst (vgl. Apostelgeschichte 9). In ihr kippte seine Perspektive auf alle Dinge, sodass seine eigene Existenz und sein Verhältnis zu Gott plötzlich in einem anderen Licht erschienen und sich ihm der Sinn des Kreuzesgeschehens blitzartig erschloss. Und nur so geht es nach biblischem Verständnis auch heute: Nur in der direkten Begegnung mit Gott, in dem <em>von Gott geschenkten Glauben </em>wird der Mensch in die Lage versetzt, das Kreuzesgeschehen so zu verstehen, dass sich sein Heilssinn für ihn selbst erschließt – und dass er sich anschließend selbst als Sünder Gott in die Arme werfen kann. Denn von da aus erkennt er, was er zuvor nicht wahrhaben wollte: seinen eigenen Aufruhr gegen Gott und die damit auf ihm lastende Sünde. Und zugleich im Lichte der Gnade Gottes, dass diese Sünde ihn nicht mehr von Gott trennt und deshalb auch nicht mehr niederdrücken kann.</p>
<p>Die Zumutung in diesem Zusammenhang besteht darin, dass der Mensch zu seinem eigenen Heil nichts beitragen kann, weder durch gute Taten noch durch theologische Schläue (vgl. Römer 3,28). Auch das Geheimnis der Erlösung, wie sie im Kreuz geschehen ist, muss ihm zwangsläufig verborgen bleiben, solange er nicht vom Licht des Glaubens erleuchtet wird. Dieses Glaubenslicht wiederum kann er aber nicht selbst anzünden. Wann und bei wem dies geschieht, liegt vielmehr in Gottes Unverfügbarkeit. Für Menschen unserer Tage, für die Selbstwirksamkeit und Autonomie zu den kostbarsten Kronjuwelen gehören, könnte eine Zumutung kaum größer ausfallen.</p>
<h2>7. Du musst dein Leben ändern vs. „Ist doch alles bingo!“</h2>
<p>Die letzte Zumutung, die die symbolische Siebenerzahl voll macht, besteht darin, dass sich für Christenmenschen im Licht des Glaubens zwar die ganze Welt verändert, sie jedoch zugleich Bürger:innen der vorhandenen Welt bleiben. Als solche sind auch sie nicht vor dem täglichen Rückfall in den Wahn gefeit, doch eigentlich schon aus eigener Kraft ganz prima Typen zu sein. Denn auch als Gerechtfertigte sind sie keine besseren Menschen, sondern bleiben allzumal Sünder. So ist auch der Glaube nichts, was Christenmenschen ein für allemal festhalten könnten, sondern etwas, was auch sie sich täglich neu schenken lassen müssen. Das Geheimnis der göttlichen Gnade muss auch von ihnen immer neu entdeckt werden. <em>Wer</em> es erfährt, der weiß sich freilich aufgefordert, dies auch in seinem Leben<em> in dieser Welt</em> wirksam werden zu lassen. Wo Christenmenschen im Lichte des Glaubens auf diese Welt und ihren Platz darin blicken, vernehmen sie deshalb immer neu den Aufruf Jesu: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,15).</p>
<h2>Conclusio</h2>
<p>Es gibt Formen der Elementarisierung, die eher zur Entstellung als zur Erhellung beitragen. Dies gilt auch für jene Teile der christlichen Verkündigung, die lieber weichgespülte Wohlfühlbotschaften unter die Leute bringen, als sich an gedanklichen und existenziellen Herausforderungen des christlichen Glaubens abzuarbeiten. Wer sich ernsthaft mit der Bibel auseinandersetzt und ihrer Botschaft nachspürt, weiß allerdings: Ein Leben mit Gott nach ihrer Einladung zu führen, ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Zwar ist das biblische Evangelium zweifellos eine ermutigende und frohmachende Botschaft. Diese erschließt sich gerade in ihrer befreienden Wirkung aber nur, wenn man bereit ist, auch ihre herausfordernden und verstörenden Seiten an- und ernst zu nehmen. Dabei soll nicht übersehen werden, dass das Bild des Menschen als Sünder über Jahrhunderte hinweg zur Machtausübung missbraucht wurde und viele Menschen klein gemacht und klein gehalten hat. Das ändert aber nichts daran, dass es für jede christliche Theologie maßgeblich bleiben muss.</p>
<p>Dass Essentials der christlichen Verkündigung bei Menschen von heute auf Ablehnung stoßen, kann ob der zahlreichen Zumutungen, die sie bereithalten, nicht überraschen. Statt die Botschaft der Bibel in wenigen glattgebügelten Sätzen zu banalisieren, sollte christliche Verkündigung sich trotzdem gerade damit auseinandersetzen – selbst wenn dies vielleicht eher einer anstrengenden Gebirgswanderung gleicht als einem Tanz auf dem roten Teppich.</p>
<p><em>In der Druckausgabe erschien eine gekürzte Fassung dieses Beitrags.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/ein-leben-nach-der-einladung-gottes/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wort und Wahrheit</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/kirche-religion-medien-journalismus/</link>
					<comments>https://www.evangelische-aspekte.de/kirche-religion-medien-journalismus/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 13:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchentag]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.evangelische-aspekte.de/?p=8538</guid>

					<description><![CDATA[Von einer Rückkehr des Religiösen sprechen derzeit viele, wie etwa Hans Joas – und ein Hinweis auf die USA, Russland oder Israel mag diese Analyse stützen. Wie sieht ein routinierter Medienprofi den Umgang mit Religion und kirchlichen Themen im Journalismus?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Von einer Rückkehr des Religiösen sprechen derzeit viele, wie etwa Hans Joas – und ein Hinweis auf die USA, Russland oder Israel mag diese Analyse stützen. Wie sieht ein routinierter Medienprofi den Umgang mit Religion und kirchlichen Themen im Journalismus?</p></blockquote></div>
<p>Nach E. Shannon und W. Weaver besteht Kommunikation zuerst aus nichts als undeutlichem Rauschen. Dass von A zu B qualifizierter Inhalt übermittelt wird, ist nicht einfach zu erwarten. Es ist stets das Ungewöhnliche, etwas Besonderes. Viele Schriftsteller würden dem in Hinblick auf Literaturkritiker wohl unumwunden zustimmen; ebenso Eltern mit Teenagern im Haus. Und selbst Journalisten könnten geneigt sein, diesem Interaktionsmodell zu folgen.</p>
<figure id="attachment_8540" aria-describedby="caption-attachment-8540" style="width: 224px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Peter_Linden_Foto_Moritz-Linden_kl.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8540 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Peter_Linden_Foto_Moritz-Linden_kl-234x300.jpg" alt="Portraitfoto Peter Linden" width="234" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Peter_Linden_Foto_Moritz-Linden_kl-234x300.jpg 234w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Peter_Linden_Foto_Moritz-Linden_kl.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8540" class="wp-caption-text">Peter Linden (Foto: Moritz Linden)</figcaption></figure>
<p>Ein Journalist und Mediendozent, der den garstigen Graben zwischen Aussender und Rezipient überbrücken helfen möchte, ist Peter Linden. Der Münchner Autor hat zahlreiche Fachbücher, Journalistik-Werkstätten und Ratgeber zu Textanalyse und Sprachwirkung, zu verschiedensten Medienformaten veröffentlicht, so das viel beachtete Stilhandbuch im Dudenverlag. Linden ist außerdem Erfinder des Tisch-Eis-Hockey: Eine Sportart – Weltmeisterschaften fanden schon in Graz, Edinburgh und weiteren internationalen Austragungsorten statt –, die leicht zu erlernen ist (aber schwierig zu gewinnen).</p>
<p>In seinen Büchern beschreibt Linden, dass Sekundärimpulse wie epochale Umbrüche oder Seuchen bei Lesern viel Interesse finden; ebenso, dass mit Primärimpulsen wie Familie, Tod, Religion und Spiritualität, auch Vermögen und Berühmtheiten, viele Zeitschriften ein Millionenpublikum erreichten. Was läge also näher, als für die <em>evangelischen aspekte</em> einmal in München anzuklopfen und nachzufragen, ob die Christenheit mit ihrer lebensweisen und gelösten Zuversicht nicht ein Publikumsmagnet sein könnte?</p>
<h2>Journalismus in der Kritik</h2>
<p>Nun stehen Medien nicht erst seit gestern in der Kritik, einzelne Fragen oder Themen auszublenden. Spätestens seit den wütenden Leserkonferenzen von ZEIT und SPIEGEL (im Jahr 2018), dürfte auch in Journalisten-Kreisen Bewusstsein dafür da sein, dass teils erhebliches Misstrauen vorhanden ist. Es steht nicht weniger im Raum als die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit der Medien.</p>
<p>Auch Journalisten haben doch ihre Lieblingsthemen (teils auch eingeschliffene Vorurteile?) sowie bevorzugte Methoden, um Meinungstrends zu befeuern. Dass etliche Redaktionen quasi festgelegt sind, wie sie einzelne Themen bewerten und behandeln, ist kein Geheimnis. Mit der Wahl eines „konservativen“ Mediums oder eines „progressiven“ legen sich Abonnenten hierin manchmal ja durchaus selbst ganz bewusst fest.</p>
<p>Gern genutzte Methoden medialer Aufbereitung sind laut Kommunikationswissenschaftlern 1. das Weglassen von Informationen, z.B. zu Kontext und Entstehung („<em>Verschweigen</em>“), 2. das Aufbauschen einzelner Ereignisse und Inhalte durch Übertreibung oder Verallgemeinern („<em>Dramatisieren</em>“), sowie 3. „<em>Framing</em>“, also das gezielte Abstecken des Rahmens, innerhalb dessen die Behandlung der Thematik bitteschön abzulaufen hat.</p>
<p>Und die Kirchen? Sicher gilt, dass Kanzelrede nicht die erste journalistische Aufgabe abgeben muss. Die allgemeinen Medien sind kein Kirchenfunk. Aber Medien sind doch unbedingt mitverantwortlich für die gesellschaftliche Entwicklung. Warum sollten sie also nicht daran interessiert sein – beinahe dazu verpflichtet –, an einer verlässlichen, vertrauenswürdigen Bildung religiöser Kompetenzen mitzuwirken, respektive dieser Raum zu lassen?! Daran, dass Kirchen in einem gesunden Klima vertrauensbildend <em>ihrer</em> Aufgabe nachgehen? Ja, wer wäre mehr und besser dazu prädestiniert als Zeitungen und Verlage, die das Handwerk können und etablierte Kanäle dafür besitzen.</p>
<p><strong>1. Herr Linden, ist es wirklich schwer, Theologisches in Zeitungen und Medien zu thematisieren?</strong></p>
<p>Dem Wort „wirklich“ entnehme ich, dass andere dies behaupten. Da würde ich gerne zurückfragen, wer dies unbedingt möchte und wer dies angeblich verhindert. Meine Erfahrung als Coach zahlreicher Redaktionen sagt mir, dass es keine prinzipielle Ablehnung kirchlicher Themen gibt. Ich würde sagen, dass alles thematisiert wird, was von den Redaktionen als ausreichend relevant und aktuell wahrgenommen wird. Aber hier liegt vielleicht das Problem: Sobald kirchliche Kreise rein theologische Inhalte platzieren möchten, sind bestimmte Zeitungen und Medien sicherlich besser geeignet als andere.</p>
<p><strong>1.1. Wann sind Tod und Geburt, Spiritualität, Grundvertrauen ins Leben als Primärimpulse relevant und aktuell?</strong></p>
<p>Ich denke immer dann, wenn sie den Raum des Privaten verlassen. Wenn es etwa um das Recht auf begleiteten Freitod geht oder um ungewöhnliche Formen der Bestattung. Beim Thema Grundvertrauen gibt es Schnittmengen. Denn heute mangelt es ja nicht nur an Gottvertrauen, das die Kirchen einfordern, sondern auch an Vertrauen in die Mitmenschlichkeit und gewisse Institutionen wie die Wissenschaften. Unfassbar, mit welcher Nonchalance etwa ein Donald Trump seine kruden, persönlichen Ansichten über gesichertes Datenmaterial stellt.</p>
<p><strong>1.2. Welchen Rat geben Sie Redaktionen am häufigsten?</strong></p>
<p>Den, dass sauberes Handwerk in Recherche und Sprache am ehesten hilft, dem unerträglichen, weil pauschalen und fast immer falschen Vorwurf der Lügenpresse zu begegnen. Und dass Empathie der beste Storyteller überhaupt ist.</p>
<p><strong>2. In der Kirche wie im Journalismus gibt es eine Aufmerksamkeit für die Worte und das Wort – bestehen weitere Gemeinsamkeiten, z.B.: die „Suche nach Wahrheit“ oder die Zugewandtheit und Fokussierung auf (einzelne) Menschen und ihr Ergehen?</strong></p>
<p>Im ersten Punkt stimme ich Ihnen vollkommen zu, wenngleich es bei uns Journalisten wohl eher um die Worte und bei der Kirche das Wort geht. Auch die Wahrheitssuche findet wohl an verschiedenen Orten statt, die Presse sucht im irdischen, die Kirche eher im spirituellen Raum. Was das dritte Stichwort betrifft, ist die Kirche eindeutig besser unterwegs. „Zugewandtheit“, ein ehrliches Fokussieren auf den Einzelnen, vermisse ich bei vielen Medienschaffenden. Zuweilen steht Eitelkeit im Wege, zuweilen der Stress oder schieres Desinteresse. Ihre Frage erreicht mich übrigens an einem besonderen Tag: Heute, wir unterhalten uns Ende Februar, habe ich das Manuskript für eine Medium Magazin-Werkstatt mit dem Titel „Sensible Sprache“ ins Layout gegeben. Im Herbst werde ich im Engadin erstmals einen Texter-Workshop mit dem Schwerpunkt „Sensibilität“ geben.</p>
<p><strong>2.1. (Wie) hängen Wort und Wahrheit zusammen?</strong></p>
<p>Aus sprachwissenschaftlicher Sicht würde ich sagen, dass Worte „Wahrheit“ konstituieren oder zumindest modellieren können. Wer etwa „Grüß Gott“ sagt, hat ja nicht nur jemanden gegrüßt, sondern beinahe beiläufig die Existenz Gottes betont. Aber auch auf viel profanerer Ebene geschieht es, dass Worte ganz spezielle Wahrheiten kreieren. Nehmen Sie den Begriff „Steuersünder“, den wirtschaftsliberale Kreise gerne verwenden. Er verlagert ein Delikt, das häufig mit Betrug einhergeht, ins Private, ausschließlich Moralische. Da werden die mildernden Umstände sozusagen über das Wort mitgeliefert. Das wäre bei „Steuerkriminelle“ schon ganz anders.</p>
<p><strong>2.2. Wie groß ist die Macht der Chefredaktionen? Von manchen Medien ist eine Art Transatlantik-Klausel bekannt.</strong></p>
<p>Sie spielen vermutlich auf den Axel-Springer-Verlag an. Grundsätzlich haben Chefredakteure und Chefredakteurinnen natürlich die Macht, eine Art Richtung vorzugeben. Das ist ihr Job, und sie müssen dafür immer wieder in den Redaktionen den Kopf hinhalten. Viel bedenklicher finde ich, wenn, wie vor wenigen Tagen geschehen, Verlagsbesitzer wie Jeff Bezos einer an sich liberalen Zeitung wie der <em>Washington Post </em>verbieten, sich kritisch über die freie Marktwirtschaft zu äußern. Wenn es also nicht mehr nur um eine Richtung geht, sondern um eine ideologische Festlegung. Das ist dann das Ende der Pressefreiheit. Der Wahrheit ist es am Ende egal, ob ein Staat oder ein reicher Privatmensch sie unterdrücken lässt.</p>
<p><strong>2.3. Wenn dieses Interview erscheint, ist gerade der Kirchentag 2025 vorbei, traditionell ein diskussionsfreundliches Forum. Woran liegt es, dass in Medien oft nur oberflächliche Highlight-Debatten davon wahrgenommen werden?</strong></p>
<p>Vermutlich liegt es auch an der Fülle der Themen und am beschränkten Platz an jedem einzelnen Tag. Dasselbe Problem haben Industriemessen, aber auch das Weltwirtschaftsforum oder andere Kongresse. Es gibt an jedem beliebigen Tag nur eine bestimmte Kapazität x für ein Thema y – egal wie wichtig dieses sein mag.</p>
<p><strong>3. Es waren ja durchaus prominente Medienschaffende und Aktivposten des journalistischen Geschäfts, die sich gegen die Schließung der Evangelischen Journalistenschule EJS engagiert haben.</strong></p>
<p>Dazu zählte auch ich. Denn das war immer ein großer Vorzug der dort Studierenden: Sie hatten einen moralischen Kompass, keine politische Agenda, sie waren zugewandt, nicht zynisch. Bitte nicht falsch verstehen, solche Menschen sind auch an den anderen Journalistenschulen selten. Aber an der EJS habe ich niemanden unterrichtet, der nicht ein wirkliches Interesse mitbrachte, dazu beizutragen, dass diese Welt ein besserer Ort wird.</p>
<p><strong>3.1. Welche Inhalte konnten Sie an der EJS unterrichten und vermitteln?</strong></p>
<p>Rezeptionsforschung und Storytelling in Porträt und Reportage. Gerade bei Letzterem haben wir viel gerungen um einen respektvollen und adäquaten Umgang mit Menschen und Themen.</p>
<p><strong>3.2. Von der ZEIT, taz, Tagesspiegel über Focus bis zum SPIEGEL gibt es viele Redakteure, die aus einer gewissen Kirchenaffinität oder kirchlichen Herkunft keinen Hehl machen. Warum verstecken sie diese?</strong></p>
<p>Vielleicht steckt die Scheu dahinter, sich als „parteiisch“ zu outen – es ist ja vielerorts auch unerwünscht, dass sich Presseleute als Parteimitglieder oder Klimaaktivisten betätigen. Allenfalls im Sport habe ich eine gewisse Toleranz gegenüber Fans festgestellt, da gehört es sogar zum guten Ton, einen Verein oder zumindest die eigenen Nationalmannschaften zu präferieren. Vielleicht sollten wir im Journalismus da eine grundsätzliche Debatte führen. Nicht die Mitgliedschaft ist ja das Problem (eine versteckte Mitgliedschaft ist ja auch eine), sondern der heuchlerische Umgang damit. Warum soll unter einem Text nicht stehen: Autorin x ist Mitglied der Evangelischen Kirche oder Autor y ist Mitglied der SPD? Umso authentischer käme doch eine kritische Auseinandersetzung zur Geltung.</p>
<p><em>Das Interview führte Manfred Schütz Ende Februar 2025 auf schriftlichem Weg.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.evangelische-aspekte.de/kirche-religion-medien-journalismus/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
