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	<title>evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<item>
		<title>Arik Kershenbaum: Ein Naturführer durch den Kosmos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reinhold Münster]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 13:35:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Aliens]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmos]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraum]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie können wir uns ein zuverlässiges Bild von Aliens und fremden Tieren auf Exoplaneten machen? Gibt es universelle Gesetze der Biologie, die uns erklären, wie das Leben im Kosmos aussieht? Der Zoologe Arik Kershenbaum antwortet mit einem eindeutigen Ja.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Naturfuehrer.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-7329 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Naturfuehrer-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Naturfuehrer-188x300.jpg 188w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Naturfuehrer.jpg 600w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" /></a>Matthes &amp; Seitz, Berlin, 2023, 351 S., 28,00 EUR, E-Book 20,99 EUR</strong></p>
<p>In der Frühen Neuzeit vermaßen Galilei, Tycho Brahe und Copernicus das Weltall. Als Konsequenz mussten sich die Naturwissenschaften und die Theologie der Frage stellen: Sind die Planeten des Sonnensystems bewohnt? Die Antworten waren schon damals fantastisch, denn niemand hatte den Mond, Mars, Saturn, Jupiter oder die Venus besucht und dort Aliens oder schreckliche Ungeheuer getroffen.</p>
<p>In der Tradition steht Arik Kershenbaum, der fragt: Wie können wir uns ein zuverlässiges Bild von Aliens und fremden Tieren auf Exoplaneten machen? Gibt es universelle Gesetze der Biologie, die uns erklären, wie das Leben im Kosmos aussieht? Der Zoologe der Universität Cambridge antwortet mit einem eindeutigen Ja. Lassen sich Menschen und Aliens vergleichen; wie nahe stehen sie zueinander? Beide müssen sich mit Energie versorgen, beide müssen kommunizieren, sich bewegen, miteinander kooperieren und ihre Grundbedürfnisse befriedigen.</p>
<p>Der Reiz der Antworten liegt in der Komplexität biologischer Systeme, die Vorhersagen schwer machen. Verspeisen die Aliens Schnitzel oder konsumieren sie vegan Zucker, den sie mit Hilfe der Fotosynthese gewinnen? Haben sie Augen, solche wie die Menschen mit einer Regenbogenhaut, oder Facettenaugen wie die Insekten auf der Erde? Können die Tiere auf Exoplaneten fliegen? Mit Flügeln wie Archäopteryx, wie Vögel, wie Fledermäuse?</p>
<p>Wir leben in einem Universum, in welchem nicht alles möglich ist, in welchem nicht ein<em> Intelligent Design</em> eine Schöpfung hervorbrachte, sondern die Mechanismen der Evolution bis heute wirksam sind. Wie steht es also um die Sandwürmer in <em>Dune</em>, die Schabe in <em>Men in Black</em>, die Aliens wie Chewbacca und Ewoks in <em>Star Wars</em>? Wen interessiert, was alles an Lebewesen durch den Kosmos krabbelt, schwimmt, gleitet, hüpft, schleimt, klettert, fliegt oder düst, der nehme den Naturführer zur Hand und lese!</p>
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		<title>Andrea Karimé, Anna Lisicki-Hehn (Illustrationen): Alle-Kinder-Bibel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Hilmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 13:32:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Diversität]]></category>
		<category><![CDATA[inklusiv]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderbibel]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Alle-Kinder-Bibel macht es sich zur Aufgabe, die biblischen Geschichten vielfaltssensibel aufzubereiten. Ihr Anliegen ist es, dass Jesus und seine Umwelt realitätsgetreu – und damit im Unterschied zu anderen Kinderbibeln – nicht als weiße Personen dargestellt werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Kinderbibel.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-7326 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Kinderbibel-207x300.jpg" alt="" width="207" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Kinderbibel-207x300.jpg 207w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Kinderbibel.jpg 414w" sizes="(max-width: 207px) 100vw, 207px" /></a>Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2023, 112 S., 15,00 EUR</strong></p>
<p>Die Alle-Kinder-Bibel macht es sich zur Aufgabe, die biblischen Geschichten vielfaltssensibel aufzubereiten. Ihr Anliegen ist es, dass Jesus und seine Umwelt realitätsgetreu – und damit im Unterschied zu anderen Kinderbibeln – nicht als weiße Personen dargestellt werden. Daneben arbeitet die Bibel kritisch gegen verschiedene Formen der Diskriminierung an, berücksichtigt in den Abbildungen Menschen mit körperlichen Behinderungen, spricht in Respekt vor dem Judentum vom Ersten und Zweiten Testament und nimmt ein Gottesbild jenseits der maskulinen Norm in den Blick.</p>
<p>Nach einem Vorwort, das ebenso wie das Nachwort sachlich über die Ziele aufklärt, folgen in etwa gleichem Umfang Geschichten aus beiden biblischen Testamenten. Lobenswert ist, dass versucht wird verschiedene Kanonteile abzubilden und keine „Evangelienharmonie“ stattfindet.</p>
<p>Bild und Text nehmen in der Bibel ähnlichen Raum ein. Der Text (Verfasserin: Andrea Karimé) ist poetisch und schafft es – auch dank wunderbarer Neologismen – anschaulich zu sein. Obwohl an manchen Stellen stärkere Markierungen zwischen Bibeltext und freier Interpretation wünschenswert wären, ist der Text theologisch überlegt und für Kirchenfremde zugänglich.</p>
<p>Die Bilder von Anna Lisicki-Hehn sind detailreich ausgeschmückt, farbenfroh und kindgerecht. Dass sich in nahezu allen Bildern fremdsprachige Wortwolken finden, mag (trotz Übersetzungen im Anhang) für Kinder überfordernd wirken. Dies schmälert den Wert der Bibel jedoch nicht: Ihr gelingt es in Wort und Bild zu unterstreichen, dass in Gottes Reich jedes Kind willkommen ist.</p>
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		<title>Dietz Lange: Vertrauen: persönlich – öffentlich – religiös</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Hauschildt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 13:29:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>
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					<description><![CDATA[In unterschiedlichen Kontexten ist gegenwärtig von ›Vertrauenskrisen‹ die Rede. Diese Krisenwahrnehmung bildet den Ausgangspunkt der Überlegungen, die der emeritierte Systematische Theologe Dietz Lange im vorliegenden Buch zum Begriff des Vertrauens anstellt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Lange-Vertrauen.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-7323 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Lange-Vertrauen-189x300.jpg" alt="" width="189" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Lange-Vertrauen-189x300.jpg 189w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Cover_Lange-Vertrauen.jpg 300w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a>Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2022, 192 S., 34,00 EUR</strong></p>
<p>In unterschiedlichen Kontexten ist gegenwärtig von ›Vertrauenskrisen‹ die Rede: Das Vertrauen in die Demokratie, die Medien, die Kirchen, die Wissenschaft, die Banken und viele mehr wird von verschiedenen Stimmen in Deutschland und auch anderen westlichen Staaten als ›erschüttert‹ betrachtet. Diese Krisenwahrnehmung bildet den Ausgangspunkt der Überlegungen, die der emeritierte Systematische Theologe Dietz Lange im vorliegenden Buch zum Begriff des Vertrauens anstellt.</p>
<p>Er nimmt dabei die drei titelgebenden Bereiche von Vertrauen in den Fokus, nämlich solches Vertrauen, das er als ›persönlich‹, ›öffentlich‹ und ›religiös‹ bezeichnet, und fragt nach dem Verhältnis dieser drei zueinander. Nicht zuletzt stellt sich für ihn dabei die Frage, ob und wie im Besonderen religiöses Vertrauen helfen kann, mit schwindendem Vertrauen in der Gesellschaft umzugehen – wobei sich freilich einfache Antworten verbieten: Der Glaube sei hier sicher kein Allheilmittel. Allerdings könne das Vertrauen in Gott als eine sogar über den Tod hinausreichende lebensfreundliche Macht Menschen dazu befreien, sich überzeugt, aber nicht verbissen in das öffentliche Leben einzubringen.</p>
<p>Lange gelingt es mit seinem Buch, eine Reihe von Facetten des Vertrauensbegriffs aufzuzeigen und den Zusammenhang des Vertrauens zwischen einzelnen Personen – das er als ›Grundform‹ des Vertrauens versteht – mit dem Vertrauen im öffentlichen Bereich und dem Gottvertrauen zu entfalten. Die Überlegungen zum letzteren führen dabei auch zu einer interessanten Charakterisierung des Glaubens, der mit Symbolen versucht, in vertrauenswürdiger Art und Weise zum Ausdruck zu bringen, wovon man eigentlich kaum reden kann.</p>
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		<title>Wo ist der Regenbogen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Winter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 13:15:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Arche]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Noah]]></category>
		<category><![CDATA[Sintflut]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1.Mose/Genesis 1,31)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_7308" aria-describedby="caption-attachment-7308" style="width: 798px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Hans-Baldung-Green_Sintflut-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7308 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Hans-Baldung-Green_Sintflut-scaled.jpg" alt="" width="808" height="1024" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Hans-Baldung-Green_Sintflut-scaled.jpg 808w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads//Hans-Baldung-Green_Sintflut-237x300.jpg 237w" sizes="auto, (max-width: 808px) 100vw, 808px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7308" class="wp-caption-text">Hans Baldung Green: Die Sintflut</figcaption></figure>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1.Mose/Genesis 1,31)</p></blockquote></div>
<p>Ja, Gott hatte es gut gemeint mit seiner Schöpfung. Aber dann die große Enttäuschung: <em>Als der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den Herrn, dass er den Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmert ihn in seinem Herzen, und er sprach. Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. (Gen 6,5-7).</em></p>
<p>Und er macht Ernst damit! Um der Bosheit der Menschen willen ist er gewillt, sein ganzes Schöpfungswerk mit in den Abgrund zu reißen. Das Bild <em>Die Sintflut</em> von Hans Baldung Green aus dem Jahr 1515 führt uns das in seiner ganzen Dramatik vor Augen. Da gibt es kein Entrinnen. Ob groß, ob klein, ob Mann, ob Frau oder Tier, alle kämpfen in nackter Verzweiflung um ihr Leben. Selbst das Baby in der Wiege bleibt nicht verschont. Nur Noah fand Gnade vor dem Herrn, denn er war ein frommer Mann und ohne Tadel. Um seinetwillen gibt Gott seiner Schöpfung noch einmal eine Chance. Es sind wenige Menschen und Tiere, die das Privileg haben, die Katastrophe zu überleben. Sie haben sich in der Arche verbarrikadiert. Niemand sonst hat eine Chance, da noch hineinzukommen. Immerhin: Mit den Menschen in der Arche und ihren Nachkommen und allen Tieren, die nach der Sintflut aus der Arche gegangen sind, will Gott einen neuen Anfang machen. Er richtet mit ihnen einen Bund auf, und zwar so, <em>dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll, durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.</em> (Gen 9,11).</p>
<p>Ein erstaunlicher Sinneswandel. Sein Entschluss steht zwar fest: <em>Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen</em>, aber es bleibt dabei, <em>das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.</em> (Gen 8,21). Gott ist da illusionslos. Aber diese Erkenntnis hält ihn nicht davon ab, deshalb seine ganze Schöpfung noch einmal aufs Spiel zu setzen. Als Symbol dafür hat Gott den Regenbogen gesetzt, der dafür sorgen soll, dass er selbst sich für alle Zeiten an diese Zusage erinnert. Vieles spricht dafür, dass wir im 21. Jahrhundert das Versprechen Gottes verspielen: <em>Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze Sommer und Winter, Tag und Nacht.</em> (Gen. 8, 22).</p>
<p>Können wir ein zweites Mal auf eine Arche hoffen, wenn wir selbst es sind, die durch unsere Art zu leben und zu wirtschaften eine neue Sintflut herbeiführen, die das alles in Frage stellt? Und selbst wenn es so wäre? Kann es sein, dass die Menschen im reichen Norden der Erdhalbkugel darin einen bequemen Platz finden, während alle anderen, die draußen bleiben müssen, der Vernichtung zum Opfer fallen, zu deren Ursachen sie am wenigstens beigetragen haben?</p>
<p>Verkehrte Welt: Die Noahs dieser Welt ersaufen, die Umweltfrevler überleben. Es wird höchste Zeit, dass auch wir uns durch den Regenbogen erinnern lassen an den Bund, den Gott einst mit Noah geschlossen hat, und unserem Teil der Verantwortung für die Bewahrung der uns von Gott anvertrauten Schöpfung gerecht werden.</p>
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		<title>Urlaubsfeeling ohne Reisestress</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 13:10:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasiereisen]]></category>
		<category><![CDATA[Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Hitze]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>
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					<description><![CDATA[Hat der Urlaub am Strand oder die Reise in bekannte Städte angesichts von Hitzeperioden und Klimakrise noch eine Zukunft? Ist es da nicht besser zu Hause zu bleiben? Aber gerade dem Alltag will man ja entfliehen, ihn mit einem Highlight unterbrechen und total entspannen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Hat der Urlaub am Strand oder die Reise in bekannte Städte angesichts von Hitzeperioden und Klimakrise noch eine Zukunft? Ist es da nicht besser zu Hause zu bleiben? Aber gerade dem Alltag will man ja entfliehen, ihn mit einem Highlight unterbrechen und total entspannen.</p></blockquote></div>
<p>Die Deutschen sind nach Corona wieder im Reisefieber. Mehr als die Hälfte hat dieses Jahr eine Reise geplant, mehr als 40 Prozent mit Zielen im Ausland. Doch dort steht die Urlaubswelt in Flammen, wie erschreckende Berichte aus Griechenland oder Tunesien zeigten. Gibt es auch bei den Urlaubstrends eine „Zeitenwende“?</p>
<h2>Urlaubsziele ohne Zukunft</h2>
<p>Hitzerekorde wurden aus Italien und Spanien gemeldet. Bei Temperaturen bis zu 45 Grad wird jeder Schritt zur Qual. Im Freien kann man sich dann kaum noch aufhalten. „Wenn es so weitergeht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft mehr haben“, twitterte Karl Lauterbach aus Bologna und handelte sich damit kräftige Kritik ein. Weder die Reiseunternehmen noch die Touristen wollen sich von den bisher gewohnten Wegen verabschieden, trotz der dramatischen Bilder von Gästen, die vor Waldbränden fliehen und evakuiert werden müssen.</p>
<p>Der Süden brennt. Millionen von Touristen sind betroffen. Kann in dieser Situation die Fantasie zu einem probaten Vehikel werden, um zumindest ein Stück weit Ersatz zu schaffen. Diese lässt sich nämlich jederzeit auf dem eigenen Balkon oder im eigenen Garten aktivieren. Dazu hat jüngst die Techniker Krankenkasse unter dem Motto „Die Fantasiereise: der Zufluchtsort“ angeregt. Denn dies sei ein Ort, „der immer offensteht“, heißt es.</p>
<h2>Die Alternative: Urlaub im Kopf</h2>
<p>Dahinter steckt eine populäre Methode der Entspannungs- und Meditationstechnik: Man soll sich einen Ort vorstellen, an dem man sich zufrieden und geborgen fühlt, wie ein Zimmer, eine Landschaft, ein Ort, an den man gehen würde, wenn man ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit haben will. Oft ist dies bei einer Fantasiereise an den sonnigen Strand oder in den ruhigen Wald möglich.</p>
<p>Mit dem Schließen der Augen beginnt die Abkehr von der äußeren Welt. Dazu kann man auch Musik hören, die zu dem Land oder zu dem Ort passt, in den man sich hineinimaginieren möchte. Starten kann man mit der Vorstellung, dass das Flugzeug am Himmel seine Bahn zieht in Richtung Mittelmeer. Dort angekommen geht es direkt zum Strand, in die Hängematte unter Palmen. Man kann sich vorstellen, im Schatten der Blätter hin- und herzuschaukeln mit einem Drink in der Hand. Und so geht es weiter mit den angenehmen Vorstellungen im eigenen Kopf, was sich aber auch direkt auf das körperliche Wohlbefinden auswirkt.</p>
<p>Fantasiereisen sind imaginäre Ausflüge, bei denen man Erfahrungen macht, die man im Alltag nutzen kann. Die Reisen ermöglichen es zu entspannen. Ein Gefühl der Gelöstheit und des Wohlbefindens entsteht. Sorgen, Ängste und Probleme treten in den Hintergrund. Es ist ein angenehmer Zustand. Solche Reisen haben aber durchaus auch eine konkrete Auswirkung auf unsere Umwelt. Für den Klimaschutz sind sie ideal, wenn dadurch die eine oder andere Flugreise wegfällt.</p>
<p>In den Anleitungen für Fantasiereisen wird empfohlen, die richtige Umgebung zu wählen. Es ist wichtig, eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, zum Beispiel mit einer Matratze oder einem Kissen auf dem Boden. Dann sollten Telefone und vor allem Mobiltelefone außer Reichweite sein. Bequeme Kleidung und Entspannungsmusik gehören auch dazu. Optimal ist es, im Garten oder auf der Wiese in fantastische Welten zu Reisen. Frische Luft sei immer gut, heißt es.</p>
<h2>Auf den Flügeln der Fantasie bei einem guten Glas Wein</h2>
<p>Die Brücke zwischen den fantastischen Welten und der Realität auf ganz andere Weise geschlagen haben die Lauffener Weingärtner mit einem ihrer Vorzeigeprodukte. „Lesestoff“ haben sie einen ihrer Weine getauft. Und dazu gibt es immer auch die entsprechenden Literaturempfehlungen. Es ist der „Wein für Literaturdurstige“. In Kooperation mit Verlagen werden regelmäßig Neuerscheinungen präsentiert. Dazu gehört zum Beispiel der Familienroman „Saubere Zeiten“ von Andreas Wunn.</p>
<p>Der Autor beschreibt darin eine Art fantastische Reise: Als Jakob Auber erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, kommt er zurück an den Ort seiner Kindheit an der Mosel. Dort beschäftigt er sich mit der Vergangenheit seiner Familie und die schuldhafte Verstrickung seiner Vorfahren. Seine Spurensuche führt Jakob bis nach Rio de Janeiro, wo er die Tochter des jüdischen Besitzers der Drogerie trifft, in der der Aufstieg seines Großvaters begann.</p>
<p>Die Weingärtner im baden-württembergischen Lauffen wollen ihre Kunden mit Kreativität und Fantasie locken und damit auch die Region touristisch bekannt machen, auch wenn sie eine Persönlichkeit als „Weingenießer des Jahres“ auszeichnen. Im Jahr 2023 ist dies der Schauspieler Walter Sittler geworden.</p>
<h2>Wo Himmel und Erde sich küssen</h2>
<p>Wer eine fantastische Umgebung für einen Gottesdienst unter freiem Himmel sucht, für den lohnt sich ein Blick nach Bayern – im Sommer eine klassische Urlaubsregion, die Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland anzieht. Unter dem Motto „Dem Himmel ganz nah“ feiert hier im Sommer die evangelische Landeskirche Berggottesdienste. Das Besondere daran beschreibt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Magazin der evangelischen Kirche für Kur und Urlaub: „In Bayern bezaubert mich die Natur stets aufs Neue. Beim Anblick des betörenden Bergpanoramas, der Hügel und Täler voller skurriler Felsformationen in wunderschöner Natur stockt mir oft der Atem. Berge sind für mich ein Punkt, an dem sich Himmel und Erde küssen. Berggipfel sind Orte, an denen es höher und weiter nicht geht. Ich fühle mich dann Gott ganz besonders nahe“, schreibt der Bischof. Diese Erfahrung der Gottesnähe hat sich nach seinen Worten auch in den Geschichten der Bibel niedergeschlagen. „Die Schönheit der Natur und die Erhabenheit der Berge sind für mich ein Hinweis auf die Gegenwart Gottes. Diese Sinnes-Erfahrung darf ich genießen, tief in meinem Herzen abspeichern und mit hinein in meinen Alltag nehmen“, sagt Heinrich Bedford-Strohm.</p>
<p>Die Fantasie kennt auch keine Grenzen, wenn es um Orte für Trauungen und Taufen geht. So lassen sich Paare auf einem Floß trauen. Taufen finden inzwischen häufig an Flüssen wie der Isar oder im Fünfseenland statt.  Auch am Gebirgsbach werden Taufen abgehalten, immer öfter auch im heimischen Garten.</p>
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		<item>
		<title>Toxic Church?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 12:59:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Führungsstil]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinden]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenleitung]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Podcast „Toxic Church – Die Hillsong Story“ hat im Frühjahr dieses Jahres für viele Medienberichte und Diskussionen gesorgt. Der Podcast beschäftigt sich mit der Kritik an Hillsong Deutschland, einer Freikirche mit mehreren Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Podcast „Toxic Church – Die Hillsong Story“ hat im Frühjahr dieses Jahres für viele Medienberichte und Diskussionen gesorgt. Der Podcast beschäftigt sich mit der Kritik an Hillsong Deutschland, einer Freikirche mit mehreren Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.</p></blockquote></div>
<p>Hillsong Deutschland gehört zu der in Australien gegründeten Freikirche Hillsong, die ähnlich wie ein Franchiseunternehmen funktioniert. Hillsong wurde vor allem durch moderne Lobpreismusik, große Konferenzen und prominente Mitglieder bekannt. Im Podcast äußern ehemalige und aktuelle Mitglieder schwere Vorwürfe: Sie berichten von einer Gemeindekultur, die dazu geführt habe, dass sie für ihr Engagement in der Gemeinde regelmäßig über ihre Grenzen gegangen seien. Auch kritisieren sie mangelnde finanzielle Transparenz.</p>
<p>Jetzt kann man natürlich sagen, das sei ja eine Freikirche, das betreffe die Landeskirchen gar nicht. In Teilen ist das auch richtig, auch weil die demokratischen Strukturen in den Landeskirchen zu einer größeren Machtverteilung und mehr Transparenz führen. Das ist eine große Stärke unserer Strukturen, die wir in den Landeskirchen wahrscheinlich zu oft vergessen und in der Öffentlichkeit selten erwähnen.</p>
<p>Aber die Berichte aus dem Podcast werfen durchaus Fragen auf, die auch für Gemeinden in der Landeskirche wichtig sein können. In Hinblick auf Führung und Leitung lässt sich fragen: Erkundigen wir uns bei den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in unseren Gemeinden regelmäßig, wie es ihnen geht? Können unsere Ehrenamtlichen auch mal Pausen machen? Stehen Menschen in unserer Gemeinde unter Druck, sich besonders viel einzubringen? Haben wir eine Kultur, in der man auch Nein sagen kann? Wie gehen wir mit Konflikten um? Wissen alle, an wen sie sich im Konfliktfall wenden können?</p>
<p>Auf der Ebene konkreter Ehrenamtlicher und Pfarrpersonen in Leitungspositionen kann das heißen: Wie gehe ich mit Kritik um? Bin ich in der Lage, konstruktive Kritik auch als Form positiver Beteiligung wahrzunehmen? Wie ist die Kultur im Kirchengemeinderat bzw. Presbyterium? Gibt es einzelne, die die Sitzungen dominieren – wenn ja: Warum?</p>
<p>Wenn ich mit Menschen spreche, die sich viel ehrenamtlich in der Kirche engagieren, wird mir oft eines von drei Narrativen erzählt, wie diese Menschen zu ihrem Engagement kamen. Die einen waren so begeistert, dass sie gerne selbst mitmachen wollten, die anderen sahen viel Potential und wollten ihre Ideen einbringen und wieder andere wurden gefragt, weil dringend noch jemand für den Kirchendienst, den Kirchengemeinderat etc. gebraucht wurde. Manche Personen aus der letzten Gruppe freuten sich riesig über eine solche Frage und fanden dadurch etwas Neues, das ihnen Spaß macht. Andere wiederum sagten dann nur aus reinem Pflichtgefühl zu, fühlten sich in etwas hineingedrängt oder konnten schlicht und ergreifend nicht Nein sagen.</p>
<p>Besonders in einer älter und kleiner werdenden Kirche, in der die personellen Ressourcen abnehmen, wird es wichtig sein, dass wir Gemeinden haben, die eine gesunde Kultur des Miteinander leben. Gemeinden, in denen sich Macht und Verantwortung auf viele Schultern verteilen, Menschen durch ihr Engagement wachsen können und nicht ausgebeutet werden, und alle auch mal eine Pause machen können. Dazu sollten wir aus den Fehlern anderer lernen, damit wir am Ende nicht auch zur „Toxic Church“ werden.</p>
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		<title>Der Auftrag von Kirche ist, allen Menschen gut zu tun</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Brand]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 12:25:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Kasualagenturen]]></category>
		<category><![CDATA[Kasualien]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Segen]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>
		<category><![CDATA[Trauung]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit den Kasualagenturen wollen die Landeskirchen weitere Zugangswege zu Taufe, Trauung und Bestattung öffnen und eine passgenaue Begleitung von Menschen in Lebensübergängen anbieten. Kritiker sehen hingegen die Gefahr, dass Kirche damit zum „Dienstleistungsbetrieb“ wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Mit den Kasualagenturen wollen die Landeskirchen weitere Zugangswege zu Taufe, Trauung und Bestattung öffnen und eine passgenaue Begleitung von Menschen in Lebensübergängen anbieten. Kritiker sehen hingegen die Gefahr, dass Kirche damit zum „Dienstleistungsbetrieb“ wird.</p></blockquote></div>
<p>Kasualagenturen werden seit 2019 in verschiedenen Landeskirchen der EKD gegründet. Sie verstehen sich als Dienstleister einerseits für das kirchliche Personal und die Kirchengemeinden vor Ort, andererseits für die Menschen, „die sonst vielleicht nicht viel mit Kirche anfangen können“, so Susann Kachel vom <em>Segensbüro</em> in Berlin. Die bereits bestehenden Kasualagenturen <em>st. moment</em> in Hamburg, die <em>Segen.Servicestelle </em>in Bayern, das <em>Segensbüro</em> in Berlin und <em>segensreich</em> im Kirchenkreis Lübeck Lauenburg sind zugleich als Reaktion auf die seit Jahren rückläufige Zahl beanspruchter Kasualien zu verstehen. Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung und Bestattung sind als Übergangsrituale in den einzelnen Lebensgeschichten nicht mehr selbstverständlich. Wir haben mit den Verantwortlichen mehrerer Kasualagenturen über ihre Ziele und Erfahrungen gesprochen, um Chancen und Grenzen des neuen Angebots auszuloten.</p>
<h2>Zwischen Vermittlungsstelle und Eventbüro</h2>
<p>Als kirchliche Servicestellen sind Kasualagenturen entweder für eine Stadt oder eine ganze Region zuständig. In manchen arbeiten ausschließlich Pfarrer*innen, in anderen wiederum Teams aus Pfarrer*innen, Kirchenmusiker*innen und Marketingfachkräften. Ihre Aufgabe sehen Kasualagenturen einerseits darin, sich um konkrete Kasualanfragen zu kümmern, diese an Pfarrer*innen in den Ortsgemeinden weiterzuleiten oder die angefragten Kasualien selbst durchzuführen: „Zum Beispiel rufen Paare bei uns an oder schreiben uns eine E-Mail: ›Wir wollen auf der Winklmoos-Alm heiraten, habt ihr einen Pfarrer für uns?‹ Und dann gehen wir in Aktion“, beschreibt Karsten Schaller von der <em>Segen.Servicestelle</em> in Bayern den Alltag. Andererseits übernehmen Kasualagenturen auch eine beratende und unterstützende Funktion für Pfarrer*innen bspw. bei der Gestaltung traditioneller oder „neuer“ Kasualien: „Wenn bspw. ein Adoptionsritual ein Wunsch von einer Pfarrerin ist, dann entwickeln wir das auch, damit sie das durchführen kann.“</p>
<p>Kasualagenturen nehmen Trends zur individuellen biografiebezogenen Gestaltung nicht nur der traditionellen kirchlichen Kasualien, sondern auch „neuer“ Kasualien auf: „Dann haben wir Anfragen für ganz persönliche Segenswünsche, weil Menschen umziehen, weil ein Geburtstag ansteht, weil die Kinder ausgezogen sind, welcher Anlass auch immer im eigenen Leben wichtig ist und ein Segensritual passen würde“, so Kachel.</p>
<h2>Ist das überhaupt heilig genug?</h2>
<p>Manchen drängen sich hier Fragen auf wie: „Ist das überhaupt heilig genug? Verschleudert ihr nicht den Segen?“ Oder: Wo sind die Grenzen? Wird Kirche nicht zu einem unter vielen Dienstleistungsbetrieben, wenn sie bereitwillig jeden Wunsch erfüllt? Diesen Zweifeln hält Kachel entgegen: „Der Auftrag von Kirche ist, tatsächlich allen Menschen gut zu tun. […] Da sind wir ganz jesuanisch, da sind wir eher in der Bewegung unterwegs und nicht in der Institutionenlogik. In der biblischen Logik, die Jesus auch gelebt hat, geht es schließlich darum, zu den Menschen zu gehen und zu fragen: ›Was willst du, was ich dir Gutes tue?‹“</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Da haben wir wirklich etwas gewagt.“</p></blockquote></div>
<p>In diesem Sinne sehen Kasualagenturen ihre Aufgaben auch im Aufspüren von Bedürfnissen und Wünschen von Menschen, „die auf der Suche sind“. Ein weiterer Zuständigkeitsbereich liegt in der Planung und Organisation von „Events oder Experimenten“. „Unser größtes Event war das Pop-Up-Hochzeitsfest letztes Jahr im Mai“, berichtet Kachel: „Da haben wir wirklich etwas gewagt. Kirchliche Trauungen haben die beiden Hürden, dass das Paar schon standesamtlich getraut und einer von beiden in der Kirche ist. Deswegen haben wir uns ein Ritual für Menschen überlegt, die verantwortungsvoll und in Liebe miteinander leben, die aber keine standesamtliche Trauung haben wollen, weil es nicht ihrem Liebesverständnis entspricht. Dann haben wir dieses Festival gefeiert mit den Segenshochzeiten. Wir haben am Abend 72 Paare verheiratet und gesegnet und waren schließlich selbst überrascht über diesen großen Andrang und das Interesse.“ Durch diese Großprojekte sollen nicht nur die Hürden zu kirchlichen Kasualien gesenkt, sondern auch „positive Narrative von Kirche“ verbreitet werden, so Schaller. Es geht also bei diesen Events ebenso wie bei der Präsenz auf Messen und bei der  Öffentlichkeitsarbeit auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen auch um Marketing.</p>
<h2>Konkurrent oder Partner?</h2>
<p>Kasualagenturen verstehen sich als Innovationsprojekte innerhalb der Kirche. Sie nehmen wahr, dass es für die meisten Menschen heute nicht mehr selbstverständlich ist, „in der Kirche zu sein und sich dem zugehörig zu fühlen.“ Viele wissen nicht mehr, zu welcher Gemeinde sie gehören, wer ihr Ansprechpartner ist und wo sie Informationen herbekommen. Manche haben auch schlicht nicht mehr das Bedürfnis, in Kirchengemeinden regelmäßig Gemeinschaft zu erleben, sehnen sich aber mitunter punktuell nach Verbundenheit. Kasualagenturen versuchen, gerade für diese Menschen Angebote zu schaffen und diejenigen anzusprechen, „die gar nicht in die Gemeinde kommen würden. Das ist ein Ergänzungsangebot für ein anderes Klientel sozusagen.“</p>
<p>Insbesondere in der Gründungsphase war jedoch Skepsis in einzelnen Ortsgemeinden spürbar, so Schaller. Kasualagenturen wurden mitunter als Konkurrenten wahrgenommen: „Da kommt eine Stelle von oben, die nimmt uns etwas weg.“, schildert Schaller eine Reaktion. „Inzwischen haben die Kolleg*innen aber entdeckt: Nein, wir vermitteln ja immer in die Gemeinden hinein. Wir sind eine Art Bindeglied und machen einen Lotsendienst. Mittlerweile gibt es viele Kollegen, die uns anfragen.“</p>
<p>Um das Verhältnis zwischen Ortsgemeinden und Kasualagenturen zu beschreiben, verwendet Schaller häufig das Bild eines Sees: „Kirchengemeinden sind für mich wie ein See mit einer großen Tiefe und Ruhe. Man kann sich tragen lassen in einer Kirchengemeinde. Aber es gibt eben auch Abflüsse und Zuflüsse, die wichtig sind. Das sind wir. Wir fließen sogar ins Land hinein, um Leute zu erreichen, die man als Kirchengemeinde, als See, vielleicht nicht erreicht.“ Kasualagenturen haben nach Schaller dabei andere Möglichkeiten, sind flexibler und freier als Kirchengemeinden vor Ort.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Es ist auch schön, sich als deutschlandweite Kirche wahrzunehmen.</p></blockquote></div>
<p>Dieses „Mehr“ brauche es auch, denn Kirchen böten oft „den frischen Wein in alten Schläuchen“ an, so Schaller. Im Bild des Sees mit seinen Abflüssen und Zuflüssen wird nach Schaller aber noch ein weiterer Aspekt deutlich. Kasualagenturen vernetzen die Ortsgemeinden nicht nur in der Stadt oder in der Region, sondern über die landeskirchlichen Grenzen hinaus: „Es ist auch schön, sich als deutschlandweite Kirche wahrzunehmen. Das machen wir oft viel zu wenig.“</p>
<p>Fest steht: „Gesellschaft verändert sich und Kirche muss und sollte da mitgehen, um zeitgemäß zu bleiben.“ Dazu gehört nach Maia Nicklaus von <em>st. moment</em> auch, „Tabus auszuräumen und mit Befürchtungen zu brechen: ›Nee, du musst nicht jeden Sonntag in der Kirche gewesen sein, damit wir dein Kind taufen oder dich trauen. Wir machen die Arme weit auf und sagen: Straight oder Queer das ist uns total egal. Da musst du keine Sorge haben.‹ Es geht darum, nicht streng, sondern zugewandt zu sein. So verändert sich Kirche bzw. so muss sie sich verändern.“</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Kirche hat die Aufgabe, sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder zu orientieren und Zugänge auch für Nicht-Mitglieder zu erschließen, die es ermöglichen, mit der individuellen Religiosität punktuell anzudocken. Doch beschränkt sie sich auf ihre Dienstleistungsangebote und versteht sich Kirche zunehmend als Dienstleistungsunternehmen, droht sie nicht nur Außenwirkung auf Kosten von Inhalten zu erzielen, sondern auch die Gemeinden als „Orte für die Einübung christlicher Lebenskunst“ – so eine Formulierung der Praktischen Theologin Isolde Karle in Anlehnung an Wilfried Engemann – aus den Augen zu verlieren. Kasualagenturen können vor diesem Hintergrund vor allem dann eine Chance für Kirche sein, wenn sie mit den Gemeinden und Pfarrer*innen vor Ort kooperieren, als überregionale Ansprechpartner*innen für Kasualanfragen Präsenz zeigen, koordinierend, unterstützend und vernetzend über die parochiale Struktur hinaus agieren und dabei nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Grenzen der eigenen Praxis reflektieren.</p>
<p><em>Wir danken Susann Kachel vom Segensbüro in Berlin, Maia Nicklaus von st.moment in Hamburg und Karsten Schaller von der Segen.Servicestelle in Bayern für die zugrundeliegenden Interviews.</em></p>
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		<title>Suffizienz!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannes Vetter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Aug 2023 12:18:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 33. Jahrgang, Heft 3, August 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Genügsamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Suffizienz]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Suffizienz und Genügsamkeit sind sperrige Wörter und zugleich auch vielseitig unbeliebt. Dabei ist das Thema aktueller denn je, denn Genügsamkeit kann sowohl das eigene Leben bereichern als auch eine wichtige gesellschaftliche Strategie sein, etwa um Klimaziele zu erreichen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Suffizienz und Genügsamkeit sind sperrige Wörter und zugleich auch vielseitig unbeliebt. Dabei ist das Thema aktueller denn je, denn Genügsamkeit kann sowohl das eigene Leben bereichern als auch eine wichtige gesellschaftliche Strategie sein, etwa um Klimaziele zu erreichen.</p></blockquote></div>
<p>Weil der Begriff der „Suffizienz“ im alltäglichen Sprachgebrauch kaum vorkommt, stolpern wir schon über das Wort an sich. Dabei lässt es sich in einer ersten, sehr brauchbaren Übersetzung mit <em>Genügsamkeit</em> erklären. Suffizienz stammt vom lateinischen <em>sufficere</em>, was „ausreichen“ bedeutet. Im Anwendungsbereich der Klimapolitik könnte es z.B. mit „Energiesparen“ übersetzt werden; die Bedeutung von Suffizienz geht allerdings darüber hinaus und eine genauere Abgrenzung lohnt sich. Denn Energiesparen kann man beispielsweise auch über ein sparsameres Auto, über eine bessere Fassadendämmung oder über einen effizienteren Wasserkocher. All diese Beispiele sind jedoch nicht gemeint. Suffizienz adressiert viel mehr den Schritt davor: nämlich den Energiebedarf erst gar nicht entstehen zu lassen.</p>
<p>Auch für die Politik wäre dies ein großer Ansatzpunkt. Doch hier ist der Begriff, beziehungsweise vielmehr das Konzept, sehr unbeliebt. Grund ist, dass es nicht selten sehr kritisch gesehen wird, wenn Politik Vorschriften oder auch nur Handlungsempfehlungen für das alltägliche Verhalten der Menschen macht. Dies wird oft als Bevormundung empfunden, so dass Parteien dieses Thema gerne völlig außen vor lassen. Es wundert daher nicht, dass Suffizienz in politischen Debatten wenig vorkommt und wenn doch, sehr kontrovers darüber gestritten wird.</p>
<h2>Suffizienz kommt vor Effizienz und Konsistenz</h2>
<p>Jedoch ist Genügsamkeit in der Sache sehr wichtig. Beim Blick auf das Thema Klimaschutz im Bereich der Energie können drei Stufen unterschieden werden: erstens Suffizienz, zweitens Effizienz und drittens Konsistenz. <em>Konsistenz</em> meint die Strategie, die notwendige Energie auf eine nachhaltige Art und Weise zu produzieren. Beim Klimaschutz wäre dies die Produktion durch erneuerbare Energien. <em>Effizienz</em> dagegen meint die Bereitstellung eines bestimmten Zustandes mit möglichst geringem Einsatz von Ressourcen. Beim Klimaschutz wäre dies zum Beispiel die Erzeugung einer bestimmten Raumlufttemperatur mit möglichst wenig Einsatz von Energie. Konkret kann dies durch eine bessere Dämmung des Gebäudes erreicht werden. Die dritte Strategie ist die schon beschriebene <em>Suffizienz</em>. Hierbei ginge es im geschilderten Beispiel um die Senkung der Raumlufttemperatur oder darum, dass sich Menschen mit kleineren Räumen (beziehungsweise weniger Wohnraum pro Person) zufriedengeben. Durch Suffizienz würden schon von vornherein die Bedarfe sinken. Die Strategien haben insofern eine Hierarchie: Zunächst sollten Bedarfe verringert werden, beziehungsweise sie sollten gar nicht entstehen (Suffizienz). Dann sollte versucht werden, die vorhandenen Bedarfe mit weniger Einsatz zu erfüllen (Effizienz). Schließlich ist anzustreben, die Produktion von Energie wie zum Beispiel Wärme nachhaltig zu gestalten (Konsistenz).</p>
<p>Auf individueller Ebene fallen einem daher leicht weitere Beispiele ein, wo ein suffizienterer Lebensstil möglich wäre. Neben dem Wohnen ist zum Beispiel auch an Mobilität zu denken. Wenn man die Notwendigkeit von Fahrstrecken vorab prüft, um gegebenenfalls den ein oder anderen Weg erst gar nicht auf sich zu nehmen, kann sich der Mobilitätsbedarf reduzieren. Oder beim Thema Ernährung leuchtet es ein, dass ein seltenerer Konsum von Obst aus weit entfernten Ecken der Welt dem Klimaschutz zuträglich wäre, da der dafür benötigte Flugverkehr erst gar nicht entsteht – und jeder Flugkilometer, der nicht entsteht, ist ein guter Kilometer, wie uns die Hierarchie von oben nahelegt.</p>
<h2>Politik und Gesellschaft sind gefordert</h2>
<p>Doch es wird auch schnell klar, dass individuelle Maßnahmen ihre Grenzen haben und es wichtig ist, auch über politische Maßnahmen und Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich nachzudenken. So gibt es im kommunalen Bereich seit langem die Diskussion über eine Verringerung des Flächenverbrauchs. Auf lange Sicht kann nur eine zusätzliche Flächenversiegelung von null erstrebenswert sein, denn jede Flächenversiegelung darüber hinaus bewirkt eine Zunahme der insgesamt versiegelten Flächen. Wo das auf Dauer hinführt, ist leicht abzusehen: zu einer vollständig versiegelten Welt. Dennoch tun sich Gemeinden bei diesem Thema schwer, und selbst Flächenversiegelungsziele jenseits von (netto)null werden vielerorts nicht eingehalten. Ein anderes Beispiel aus dem wirtschaftlichen Bereich ist der Ressourcenverbrauch allgemein, den es zu verringern gilt.</p>
<h2>Suffizienz in der Ökonomie</h2>
<p>Taucht man in die Geschichte des ökonomischen Denkens ein, ist der Gedanke der Suffizienz immer wieder zu finden. Beispielsweise prognostizierte John Maynard Keynes im Jahr 1930, dass wir einmal in einer Welt leben würden, in der wir gar nicht mehr an Wachstum interessiert seien. In dem Essay „Economic Possibilities for Our Grandchildren“ führt er aus, welche ökonomischen Möglichkeiten er sich für die Zeit in 100 Jahren vorstellt und was diese für die Gesellschaft bedeuten. So schreibt einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts: „Ich sehe uns daher frei, zu einigen der sichersten und gewissesten Grundsätze der Religion und der traditionellen Tugend zurückzukehren: dass Geiz ein Laster ist, dass Wucher ein Vergehen ist und die Liebe zum Geld verabscheuungswürdig ist, dass diejenigen am wahrsten auf den Pfaden der Tugend und der gesunden Weisheit wandeln, die am wenigsten an den morgigen Tag denken.“ Eine bemerkenswerte Prognose – erst recht für einen Ökonomen. Doch trotz des heute eingetroffenen technischen Fortschritts kann man nur staunen, wie weit diese Vorstellung an der heutigen Welt vorbeigeht und wie wenig wir von Suffizienz verstehen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Der Homo Oeconomicus hat nichts von Genügsamkeit.</p></blockquote></div>
<p>Limitierungen haben es in den Wirtschaftswissenschaften allein aufgrund des herangezogenen Menschenbildes schwer. Denn in der Regel wird ein Menschbild zugrunde gelegt, das davon ausgeht, dass mehr Konsum auch besser und deshalb anzustreben ist. Ein solcher sogenannter <em>Homo Oeconomicus</em> ist glücklicher, wenn er mehr hat – so die Annahme. Genügsamkeit kennt er nicht, beziehungsweise er hat nichts davon. Warum sollte er sich also begrenzen? Nur dann, wenn er es muss. Es gibt viele Debatten allein über die Frage, ob ein solches Menschenbild zutreffend oder zeitgemäß ist, zumindest in einer Überflussgesellschaft wie der unseren. Die Frage ist, ob maximaler Konsum wirklich auch maximales Glück bedeutet. Gesellschaft, Gemeinschaft, Freundschaften, Beziehungen und Familie, Gesundheit, Religion und vieles mehr werden dabei außer Acht gelassen, sodass an einer derartigen Vereinfachung des Menschen, um ihn in ökonomischen Modelle abbilden zu können, zurecht Kritik geübt wird.</p>
<h2>Begrenzte Ressourcen zwingen zur Suffizienz</h2>
<p>Doch selbst wenn man nicht einen solchen maßlosen Menschen annimmt, gibt es weitere Gründe, wieso auch in den Wirtschaftswissenschaften über Suffizienz nachgedacht werden sollte. So ist Umwelt offensichtlich ein begrenzender Faktor. Dieser floss in der Ökonomik anfangs als „Boden“ in die Überlegungen mit ein und war zunächst eine relevante Größe. Umwelt, beziehungsweise Boden, geriet dann aber immer mehr ins Hintertreffen und verschwand zunehmend aus den Produktionsfunktionen der Modelle. Als zentrale Produktionsfaktoren der Volkswirtschaft blieben dann nur noch Kapital und Arbeit. Menschliche Arbeitsleistungen sind zwar auch begrenzt, mit Kapital war aber eine Größe gefunden, die sich scheinbar unbegrenzt steigern lässt – etwa durch mehr Maschineneinsatz oder weitere Produktionsstätten. Eine wirkliche Begrenzung des Gesamtsystems war damit entfallen und ein genügsamer Lebensstil jenseits jeglicher Notwendigkeiten.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Suffizienz kehrt in den wissenschaftlichen Diskurs zurück.</p></blockquote></div>
<p>Erst die Umweltprobleme und das wachsende Umweltbewusstsein des 20. Jahrhunderts brachten Umwelt, Klimawandel und Ressourcenverbrauch wieder zurück in die ökonomische Betrachtung. So wird heute das Wechselspiel von Wirtschaft und Umwelt beziehungsweise Klima sehr ausführlich wieder mitgedacht – zumindest bei Modellen zum Klimawandel. Auch Suffizienz kehrt in den wissenschaftlichen Diskurs zurück. Im Bericht des Weltklimarats (IPCC) wird 2022 dem Thema Suffizienz beispielsweise so viel Raum eingeräumt wie in keinem der vorherigen fünf Berichte und es wird als eigene Maßnahmenkategorie ausführlich behandelt (IPCC (Hrsg.): <em>Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change, the Working Group III contribution to the Sixth Assessment Report (Intergovernmental Panel on Climate Change)</em>, Summary for Policymakers, 2022). Das lässt hoffen.</p>
<h2>Zwischen Freiheit und Genügsamkeit</h2>
<p>Die Wissenschaften sind damit der Politik womöglich einen Schritt voraus. Vor zehn Jahren hat die Debatte um den „Veggie Day“ exemplarisch gezeigt, wie sensibel staatlich verordnete Einschnitte empfunden werden können. Eine Partei forderte im Bundestagswahlprogramm, dass öffentliche Kantinen zum Vorreiter für vegetarisches und veganes Essen werden sollten. In diesem Zuge kam die Idee auf, an einem Tag in der Woche gar kein Fleisch anzubieten. Obwohl es sich hier nur um öffentliche Kantinen handelte und nur um einen Tag in der Woche, entstand eine hitzige Debatte, die eben jene Partei viele Sympathien kostete.</p>
<p>PolitikerInnen scheinen das Thema der Suffizienz nicht erst seit dieser Kontroverse im Jahr 2013 ganz vermeiden zu wollen. Weil Suffizienz oft als Gegenspieler zur Freiheit gesehen wird, findet sie gesellschaftlich viele WidersacherInnen. Tatsächlich besteht zwischen den beiden Größen Freiheit und Genügsamkeit ein Spannungsfeld. Das bedeutet aber nicht, dass man Suffizienz-Maßnahmen als ungerechtfertigte Vorschriften abtun kann, folgt eine solche Begrenzung doch gerade aus ethischen Überlegungen: Denn die eigene Freiheit muss dort aufhören, wo die Freiheit des anderen anfängt. Und die Freiheit der nachfolgenden Generationen kann nur dann gewahrt werden, wenn diese klimatische Ausgangsbedingungen antreffen, mit denen ein gutes Leben möglich ist.</p>
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