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	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Hannah Bethke: Vom Glauben abgefallen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 10:12:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Protestantismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer (wie ich selbst) die weitgehende Geistlosigkeit der evangelischen Kirche nicht mehr erträgt, wer an und in dieser Kirche aufrichtig leidet oder sie bereits wegen ihrer zunehmenden Banalität und Infantilität resigniert verlassen hat – für diejenigen Christenmenschen ist Hannah Bethkes gut recherchiertes Buch zumindest eine (weitere) Bestätigung dafür, dass sie mit ihrer Wahrnehmung und ihren Erfahrungen nicht allein sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Bethke.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8688 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Bethke-189x300.jpg" alt="" width="189" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Bethke-189x300.jpg 189w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Bethke.jpg 350w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" data-smartcrop-focus="[49,25]" /></a>Kösel, München 2025, 208 S., 20 EUR, E-Book 12,99 EUR</strong></p>
<p>Wer (wie ich selbst) die weitgehende Geistlosigkeit der evangelischen Kirche nicht mehr erträgt, wer an und in dieser Kirche aufrichtig leidet oder sie bereits wegen ihrer zunehmenden Banalität und Infantilität resigniert verlassen hat – für diejenigen Christenmenschen ist Hannah Bethkes gut recherchiertes Buch zumindest eine (weitere) Bestätigung dafür, dass sie mit ihrer Wahrnehmung und ihren Erfahrungen nicht allein sind. Kirchenleitungen werden voraussichtlich auch diesen kritischen Beitrag einer gebildeten Protestantin ignorieren, selbstzufriedene Kirchenmitglieder sowie die kirchenferne Mehrheitsgesellschaft sich nicht für ihn interessieren. Schade für die Kirche, schade für die Mehrheitsgesellschaft! Der erste Satz des Buches: „Die Kirche in Deutschland ist am Ende.“ Im letzten Kapitel verortet die Autorin die evangelische Kirche dann doch noch „an einem Scheideweg“. In drei Teilen mit jeweils drei Kapiteln analysiert sie ihren gegenwärtigen Zustand, dabei stets die ultimative Alternative im Blick:</p>
<p>Entweder agiert die evangelische Kirche weiter so wie bisher mit „seichten Botschaften des Trostes“, die menschliche Verfehlungen, Schrecken und Trauer zukleistern, als eine „Lehranstalt für politische Korrektheit nebst Unterweisung in christlich angehauchtem Wohlfühlglauben“, als eine politisch tendenziell linke Nichtregierungsorganisation ohne Glaubenstiefe („Vom Glauben abgefallen“) und somit gesellschaftlich bedeutungslos. Das wäre „der sicherste Weg in ihren Untergang.“</p>
<p>Oder aber sie vollzieht die Umkehr zu einer glaubenden, theologisch fundiert predigenden, Transzendenz ermöglichenden, in ihrer Eigenart die Gesellschaft störenden, dabei selbstkritischen Institution, deren Mitglieder religiös gebildet sind und im Rahmen des demokratischen Spektrums unterschiedliche und auch gegensätzliche politische Ansichten vertreten (dürfen). Diese Institution würde sich nicht mehr als „Volkskirche“ verstehen, wäre aber als relativ kleine stabile Glaubensgemeinschaft eine gesellschaftlich ernst zu nehmende Größe.</p>
<p>Hannah Bethke ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Ihr Buch ist reich an Zitaten, auch von namhaften Theologen. Dass sie deren gedanklicher Tiefe dabei nicht immer gerecht wird, ist durch ihr aufrichtiges Anliegen entschuldigt.</p>
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		<title>Bernd Janowski: Konfliktgespräche mit Gott</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 10:09:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Altes Testament]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Psalmen]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Bereits dass dieser Band in 7. Auflage erscheint, spricht für sich. Die gelehrte Einführung in die Welt der Psalmen handelt von typischen Grundformen und -erfahrungen alttestamentlicher Poesie, wie Dankbarkeit und Gottklage, auch Sinn des Lebens und Lebensglück.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Konlfiktgespraeche.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8686 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Konlfiktgespraeche-198x300.jpg" alt="" width="198" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Konlfiktgespraeche-198x300.jpg 198w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Konlfiktgespraeche.jpg 395w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" /></a>V&amp;R, 7. Aufl. Göttingen 2025, 478 S., 49 EUR</strong></p>
<p>Bereits dass dieser Band in 7. Auflage erscheint, spricht für sich. Die gelehrte Einführung in die Welt der Psalmen handelt von typischen Grundformen und -erfahrungen alttestamentlicher Poesie, wie Dankbarkeit und Gottklage, auch Sinn des Lebens und Lebensglück.</p>
<p>Sie enthält nichts, was ein einfacher Psalmbeter nicht weiß oder wissen könnte. Nur wissenschaftlich belegt. Was der Mensch sei, fragt der Psalter in vielschichtigen Begriffen, die informativ konturiert werden. Etwa dass <em>näfäsch, </em>meist übersetzt mit Seele, vor allem Lebendigkeit meint. Hilfreich die Hinweise zur Besonderheit im Hebräischen (heute sehr plausibel), Sachverhalte mehr-perspektivisch von zwei und mehr Seiten aus zu beschreiben. Wodurch ihre komplementäre „Vollständigkeit“ erst deutlich wird! Es entsteht ein Raum sich ergänzender Bedeutungen, in dem das eigene Verstehen sich einstellt. Der kunstvolle Aufbau vollzieht dies in der Bewegung der Psalmen vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben nach und empfiehlt sie als täglich zu übende „Schule des Betens“. Nicht fehlt, ein oft gehörtes „Nörgeln“ an Psalmen durch die pünktliche Exegese zu relativieren.</p>
<p>Der Autor ist sichtlich begeisterter Mitsprecher der alten Texte. Und reiht sich so in die imposante zweieinhalb Jahrtausende währende Wirkungsgeschichte des Psalters selbst mit ein. Eingeflochten sind weitere Beispiele aus Kunst und Literatur, etwa die Notiz Rilkes: Die Psalmen seien „eines der wenigen Bücher, in denen man sich restlos unterbringt“.</p>
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		<title>Michael Gerhardt: Firmament und Kosmos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Winfried Dressler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 10:06:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Astrophysik Astrophysik]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmos]]></category>
		<category><![CDATA[Naturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Physik]]></category>
		<category><![CDATA[Schöpfung]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie kann ein Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft gelingen – jenseits von Lückenbüßer-Gott und Intelligent Design? Der Physikingenieur und Theologe Gerhardt schlägt in seiner Dissertation ein Modell vor, das auf Verständigung über ein gemeinsames Dialogobjekt zielt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Firmament_Kosmos.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8684 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Firmament_Kosmos-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Firmament_Kosmos-200x300.jpg 200w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Firmament_Kosmos.jpg 400w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" data-smartcrop-focus="[49,17]" /></a>V&amp;R, Göttingen 2023, 323 S., 130 EUR</strong></p>
<p>Wie kann ein Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft gelingen – jenseits von Lückenbüßer-Gott und <em>Intelligent Design</em>? Der Physikingenieur und Theologe Gerhardt schlägt in seiner Dissertation ein Modell vor, das auf Verständigung über ein gemeinsames Dialogobjekt zielt: Der „Geschichte der kosmischen Entstehung des Lebensraums Erde als Teil des Sonnensystems“.</p>
<p>Als Ausgangspunkt dient die babylonische Dialogsituation: Ein geteiltes Weltbild, in dem das Firmament – die „Feste“ zwischen Lebenswelt und Chaos – eine tragende Rolle spielt, wird monotheistisch neu interpretiert. Daraus entwickelt er ein Modell, das als Planspiel auch für heutige Dialoge inspirierend werden kann.</p>
<p>Die Disziplinen bringen dazu ihre je eigenen „Sprachspiele“ ein und durchlaufen einen vierstufigen hermeneutischen Zirkel: Zunächst stellen beide Seiten ihre Perspektive transparent dar. Danach prüfen sie kritisch, wie tragfähig ihre Begründungen im Licht der Sicht des anderen sind. Anschließend versuchen sie,  zentrale Motive der eigenen Sicht in die Sprache des Gegenübers zu übersetzen. Am Ende steht ein kreativer Schritt: Wo zeigt sich ein neuer Blick, eine überraschende Anschlussmöglichkeit, ein noch unbekannter Horizont?</p>
<p>Die große Stärke des Buchs: Es verbindet philosophische Diskurse, systematische und biblische Theologie zu einem überzeugenden Vorschlag für interdisziplinäre Verständigung. Noch bleibt der Beispiel-Dialog offen – doch dieses Buch bietet einen klugen und gehaltvollen Entwurf.</p>
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		<title>Wie Architektur den Lebensraum gestaltet</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/wie-architektur-den-lebensraum-gestaltet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:25:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bauausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[IBA27]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensraum]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Sobeck]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Internationale Bauausstellung 2027 will Beispiele für das Wohnen und Arbeiten in einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt schaffen. Dabei muss sich nach Ansicht von Stararchitekt Werner Sobek Ästhetik und Nachhaltigkeit verbinden. Kultur bringt der Würth-Konzern mit seinen Museumsbauten den Menschen nahe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Internationale Bauausstellung 2027 will Beispiele für das Wohnen und Arbeiten in einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt schaffen. Dabei muss sich nach Ansicht von Stararchitekt Werner Sobek Ästhetik und Nachhaltigkeit verbinden. Kultur bringt der Würth-Konzern mit seinen Museumsbauten den Menschen nahe.</p></blockquote></div>
<p>Ein idyllischer Ort in Baden-Württemberg zwischen Weinbergen und Wäldern. Der Weg ins historische Zentrum führt über die Neubauviertel am Stadtrand. Sie machen einen eher trostlosen Eindruck. Dicht an dicht stehen sterile moderne Mehrfamilien-Wohnblocks. Die Ästhetik scheint über der pragmatischen Form verloren gegangen zu sein. Und ob das alles nachhaltig ist, bezweifeln Experten inzwischen. Angesichts von Klimawandel und von ungeheuren Mengen an Bauschutt, die täglich anfallen und einen enormen CO<sub>2</sub>-Ausstoß zur Folge haben, ist die Frage nach zukunftsfähigen Wohnformen ohnehin aktueller denn je. Wie kann die Stadt in einen lebenswerten und zukunftsfähigen Raum verwandelt werden? Diese Frage stellt sich die IBA’27. Die internationale Bauausstellung will „mit vielfältigen experimentellen Projekten Antworten geben“ (<em>www.iba27.de</em>).</p>
<h2>Vorbild Weissenhofsiedlung – Architektur als Gestalterin des Lebensraums</h2>
<p>Die IBA’27 in der Region Stuttgart kann an die Tradition anknüpfen. Vor 100 Jahren ist in Baden-Württembergs Landeshauptstadt die Weissenhofsiedlung entstanden, die bis heute Interessierte aus aller Welt anzieht. Sie gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des Neuen Bauens. Sie war Teil einer Bauausstellung, die der Deutsche Werkbund 1927 mit der Stadt Stuttgart ausrichtete. Damit war eine Vision verbunden, nämlich die radikale Abkehr von althergebrachten Wohnformen. Ziel war zeitgemäßes Wohnen für berufstätige, mobile und gesundheitsbewusste Großstadtmenschen.</p>
<p>Die damalige Architektur-Avantgarde unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe wollte mit neuen Ansätzen kostengünstigen Wohnraum durch industriell gefertigte Materialien, typologische Bauteile und modulare Konstruktionen schaffen. Der Bau des Weissenhof-Forums als Besucher- und Informationszentrums ist eines der zentralen Projekte der IBA’27. Bauingenieur Nathanael Over plädiert angesichts explodierender Preise in seinem Buch <em>Die Wohnwende</em> für bezahlbare und nachhaltige Wohnlösungen. Dazu zählen die serielle Bauweise genauso wie gemeinschaftliches Wohnen, wie im Projekt Annagarten in Oranienburg nördlich von Berlin.</p>
<h2>Innovative ökologische Baukonzepte</h2>
<figure id="attachment_8681" aria-describedby="caption-attachment-8681" style="width: 205px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8681 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg-215x300.jpg" alt="Werner Sobeck" width="215" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg-215x300.jpg 215w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8681" class="wp-caption-text">Stararchitekt Werner Sobeck (Foto: © Andreas Balon, Altenberg)</figcaption></figure>
<p>Mit klugen und mutigen Bauprojekten will auch die Internationale Bauausstellung zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukünftig funktioniert. Die Architektur gilt als Gestalterin des menschlichen Lebensraums. Der international renommierte und preisgekrönte Stuttgarter Architekt Werner Sobek, der auch IBA-Projekte mit auf den Weg gebracht hat, bezieht sich auf Ernst Bloch. „Architektur ist der Produktionsversuch menschlicher Heimat“, sagte der frühere Tübinger Philosoph. Im Anschluss an ihn fordert Sobek, dass zum Beispiel auch industrielle Zweckbauten ästhetischen Anforderungen genügen müssen, weil „diese Umwelt uns prägt“.</p>
<p>Die Angabe der Internationalen Energieagentur, dass der Beitrag des Bauwesens zu den klimaschädlichen CO<sub>2</sub>-Emissionen etwa 40 Prozent beträgt, hält Sobek für zu niedrig. Er geht von bis zu 53 Prozent aus. Deshalb hält er ökologische Konzepte für unabdingbar. Vor allem müssen alle Materialien recycelbar sein. Dafür dürfen sie aber nicht so verbaut werden, dass man sie später nicht mehr auseinander bekommt, wie auf Hauswände geklebte Styroporplatten zur Dämmung oder alle unter Putz verlegten Leitungen. Ziel sei die Wiederverwertung. Dafür müsse man jedoch die gesamte Bautechnik ändern, so Sobek im Juli 2025 in der Radiosendung <em>SWR Leute</em>.</p>
<h2>Die Abschaffung des Schornsteins?</h2>
<p>Der Architekt und Bauingenieur fordert „die Abschaffung aller Schornsteine“. Trotz energetischer Maßnahmen von 500 Milliarden Euro von 2012 bis 2022 in Gebäuden ist der Energieverbrauch laut Sobek konstant geblieben, obwohl auch die Winter wärmer waren. Als Experimentalgebäude hat er ein komplettes Glashaus geschaffen, das ohne Schornstein auskommt. In Stuttgart-Bad Cannstatt hat er ein Wohnheim für Ärzte und Schwestern geplant, das zu 90 Prozent recyclebar und dazu ein Plus-Energiehaus ist.</p>
<p>International bekannt ist Sobek auch durch Projekte wie den Testturm für ThyssenKrupp Elevators in Rottweil oder die Experimentaleinheit UMAR (Urban Mining and Recycling) im Schweizerischen Dübendorf.</p>
<h2>Innovationszentrum im Hohenlohischen</h2>
<p>Ein vorbildliches Innovationszentrum hat auch der Weltmarktführer für Montage- und Befestigungstechnik Würth in Künzelsau errichtet. Die Arbeitsplätze wurden so gestaltet, dass sie sich zur Natur hin und in die Landschaft Hohenlohes öffnen. Ohnehin hat sich Unternehmerlegende Reinhold Würth, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden ist, zum Ziel gesetzt, die Arbeits- und Lebenswelt für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Menschen in der Umgebung mit architektonisch ansprechend gestalteten Gebäuden und viel Kultur zu bereichern. Mit dem Carmen-Würth-Forum am Stammsitz in Hohenlohe ist ein in seiner Form einmaliges Kultur- und Kongresszentrum entstanden, in dem die Würth Philharmoniker mit Stardirigenten aus aller Welt gefeierte Konzerte geben.</p>
<figure id="attachment_8694" aria-describedby="caption-attachment-8694" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8694 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg" alt="Blick auf das Museum Würth 2, das mit dem Carmen Würth Forum verbunden ist." width="1024" height="479" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth-300x140.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8694" class="wp-caption-text">Blick auf das Museum Würth 2, das mit dem Carmen Würth Forum verbunden ist. Der Bereich wird jedes Jahr beim Würth Opne Air zum Festival-Gelände für 10.000 Menschen. (Foto: Rainer Lang)</figcaption></figure>
<p>Würth ist auch beteiligt am Kocherwerk in Forchtenberg-Ernsbach. Das historische Gebäude-Ensemble beheimatet seit 2021 eine Dauerausstellung, die am Kocher- und Jagst-Radweg liegt. So können auch viele Urlauberinnen und Urlauber die besondere (Industrie-)Geschichte der Region kennenlernen.</p>
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		<title>Katholische Lösungen</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/katholische-loesungen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:15:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Einigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Friede]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus Christus]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausgehend von der biblischen Friedensbotschaft stellt sich immer neu die Frage, wie das Verhältnis von Politik und Kirche sich gestalten soll. Auf Weltebene und in weltkirchlicher Perspektive tun sich interessante Möglichkeiten auf. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Ausgehend von der biblischen Friedensbotschaft stellt sich immer neu die Frage, wie das Verhältnis von Politik und Kirche sich gestalten soll. Auf Weltebene und in weltkirchlicher Perspektive tun sich interessante Möglichkeiten auf. </p></blockquote></div>
<p>Der Friede sei mit euch!“ Was für ein schöner Gruß. Und was für ein sprechendes Motto. Ein Wort wie ein Programm. Eine Ansage, die wie eine Überschrift über dem Folgenden steht. Die ihm eine inhaltliche Kontur gibt, es von Beginn an prägt.</p>
<p>Immer wieder hat es in der Geschichte solche programmatischen Worte gegeben, die Generationen geprägt haben: Eine bestimmte Losung wird ausgegeben, an der sich das Weitere orientiert. Erkennungsformeln, kurze Parolen, mit denen sich Inhalte verbinden, mit denen Anhänger sich identifizieren: die stilbildend wirken.</p>
<h2>Der Friede Gottes als Leitkategorie</h2>
<p>Dass es der Friede Gottes ist, der in der Kirche die erste Stelle einnimmt, leuchtet sicher ein. Wer das Wort Friede hört, wird an vieles denken – im Kirchenraum ist der Frieden von und mit Gott immer mit gedacht. Äußerlich Frieden halten kann letztlich nur, wer innerlich mit sich „im Reinen“ ist.</p>
<p>Die beste Friedensarbeit hat daher immer Menschen zum Ausgangspunkt und als Ziel, <em>die in sich solchen Frieden haben</em>. Mit dem Menschen innerer Unruhe und inneren Streits ist es auf Dauer schwierig, in Frieden zu leben und zu sein. Es muss dann äußere Barrieren geben, Grenzsetzungen und Gesetze, die die Streitsucht dämmen und verhindern. Ein wirklicher Friedenszustand sieht anders aus.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Einheit ist daher weder Aufgabe noch fernes Ziel: Sie liegt schon vor.</p></blockquote></div>
<p>Genauer betrachtet, lautet das Leitwort daher im kirchlichen Raum: Der Frieden Christi. Denn es ist der Frieden gemeint, der den Menschen von innen heraus <em>zufrieden</em> stellt, die wabernde Unruhe nimmt und echte Ruhe schenkt. Der Friede, der dem Menschen zeigt, dass er in Gott schon alles hat und haben könnte. <em>Unser Herz ist unruhig, oh Gott, bis es ruht in dir.</em></p>
<h2><em>In illo uno unum –</em> in diesem einen: Einigkeit</h2>
<p>Gerade in weltkirchlicher Sicht kann und dürfte es daher kaum einen schöneren und besseren Leitspruch geben als <em>in illo uno unum</em>: In diesem sind die (vielleicht äußerlich verstreuten und zerstreuten) Kinder Gottes schon jetzt ganz eins. Scheinen auch äußere Hindernisse und Einwände dagegen zu sprechen, der wahre Hirte kennt doch seine Schäflein, und die Schäflein kennen ihn. Einheit in diesem Sinne ist daher weder Aufgabe noch fernes Ziel: <em>Sie liegt schon vor</em>. Sie muss auch nicht erst deklariert werden, weil ihr Grund und ihre Begründung in ihrem Stifter liegt, nicht umgekehrt.</p>
<p>Was nun genauer heißt: <em>In illo uno unum</em>? Die prägnante, kurze Formel stammt von Augustin, aus einer Auslegung zu Psalm 127, in der der afrikanische Kirchenvater formuliert: <em>Selbst wenn es viele sind, sie sind in diesem einen eins.</em></p>
<h2>Wer ist Jesus Christus für uns heute?</h2>
<p>Wenn somit stimmt, dass in <em>diesem</em> eine Einheit und Gemeinsamkeit bereits gegeben ist, ergibt sich umso dringlicher die Frage: Wer war und ist denn <em>dieser</em>? Wer ist Jesus Christus für uns heute? – Das ist gut gefragt.</p>
<p>Wenn die Kirche nach ihrer Sache fragt, wird es daher selten an erster Stelle um politische Programme gehen, um die berühmte Tagespolitik. Für die Politik gibt es (ja) die Politiker. Die großen Staatsmänner und -frauen. Die großen Staatenlenker. Für die Kirche aber gibt es die Kirchenleute, das berühmte „göttliche“ Bodenpersonal.</p>
<h2>Exegese! Frische Paulusauslegung hilft</h2>
<p>Gut gefragt also. Und wo ließen sich die Antworten darauf besser und ursprünglicher finden als in einer frischen, gegenwartsbezogenen Paulusexegese! Schon für einen Denker wie Augustin war die Auslegung der Paulusbriefe eine wichtige Inspiration. Und natürlich auch – wie schon gesehen – die Auslegung der Psalmen, wie insgesamt die Schriften des alten und des neuen Testaments.</p>
<p>Ansatzpunkte dafür gibt es viele. Paulusleser und -experten werden vielleicht an die kräftige Betonung und den starken Einsatz des Apostels mit „So haben wir also Frieden mit Gott!“ denken (im Römerbrief). Was der Frieden alles bedeutet und bedeuten kann, zieht sich durch viele Kapitel des Neuen Testaments. Und schon von Beginn an, von den Tagen der Urgeschichte und der Erzeltern her ist er vielfach ausgesprochen, abgeschritten, ausgedeutet. Um nicht zu sagen: bereits vollumfänglich anwesend und existent. Jedenfalls angekündigt, anklingend, in Grundzügen erkennbar, wenigstens graduell angedeutet („prae-existent“). Man wird vielleicht schwanken und manchmal sagen: Hier oder da ist er mehr geheimnisvoll ahnend versprochen oder angekündigt. Und manchmal: Hier ist er schon ganz da.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Das Charisma der Kirchen</p></blockquote></div>
<p>Und von da aus ergibt sich dann auch vieles für die unterschiedlichen Lebens-, Existenz-, und Sinnfragen des Menschen. Dass die menschliche Existenz nicht anonymes Zufallsprodukt ist, gehört gewiss zum Grundbestand der Theologie im Kirchenraum. Der Mensch ist (von Gott) so geschaffen, dass er eine Aufgabe und einen Platz im weiten Erdenrund hat und für sich finden kann. Das Verständnis und die Auslegung der überlieferten Glaubenswelten und Schrifttraditionen wollen dabei eine Hilfe sein.</p>
<h2>Die Unterscheidung von Geist und Buchstaben</h2>
<p>Einen instruktiven und sachdienlichen Einstieg stellt dabei die einflussreiche und wirkmächtige Distinktion von Geist und Buchstabe dar, wie sie der Gamaliel-Schüler Paulus präsentiert, bzw. die von schriftlich vorliegender Überlieferung und der diese begleitenden, erläuternden mündlichen Tradition. <em>De spiritu et littera</em> („Von Geist und Buchstabe“) wird schließlich dann auch Augustinus eines seiner besonders weitläufig rezipierten Werke nennen. Hier gibt es noch manchen Schatz zu heben! Oder zumindest einige Münzen zu versilbern, d.h. gewinnbringend einzutauschen – im weltkirchlichen Maßstab wie für das ökumenische Gespräch.</p>
<p>Unmittelbare Gegenwartsrelevanz hat die Unterscheidung in der rund um den Globus täglich anstehenden Frage und Herausforderung einer überlieferungsgetreuen <em>Inkulturation</em> der Ausgangsbotschaft. Wozu sich der Bogen zu der Frage, wer Jesus Christus für uns heute ist, bündig fügt. Jede Kultur und jedes Land hat eigene Besonderheiten. Was schon bei der wirtschaftlichen Lage, der Geschichte und der gesellschaftlichen Ordnung beginnt, und bei der heutigen Staatsverfassung noch längst nicht endet.</p>
<p>Liegt hier auch eine Verbindungsstelle zwischen Staat und Kirche, zwischen Gottes Volk und Politik? So kann man fragen, denn beiden Größen geht es ja im letzten Sinne um den konkreten vorfindlichen Menschen, um sein Ergehen oder Wohlergehen im weitesten Verständnis. Wofür sie beide in der einen oder anderen Weise tätig werden, ihre Zuständigkeiten sehen und manchmal auch in Zielkonflikt geraten. Was hat Vorrang? Wer hat das Sagen? Und für die Kirche: Welche Prioritäten gelten in welchen Situationen. Nach außen hin zur Politik, aber zuerst nach innen hin, zum Kirchenvolk?</p>
<p>„Praedicate evangelium“ – nach der guten alten Vulgata-Übersetzung gesagt („Verkündigt das Evangelium“) – heißt innerkirchlich ja nichts anderes als immer und überall eben <em>jenen einen</em> an die Spitze zu stellen, seine Botschaft in den Vordergrund zu rücken und seinen Frieden zuzusprechen.</p>
<h2>Sinnstiftung als erstes Charisma der Kirchenrede</h2>
<p>Die erste Gabe kirchlicher und biblischer Rede ist daher stets die Sinnstiftung. Also das Erkennen lehren, worin jener Friede liegt und besteht. Wie er sich auswirkt. Wie er das Hier und Heute schon bestimmt und immer mehr bestimmen will. Der Sinn (christlicher) Existenz ist ja nicht immer sofort evident und klar. Darum muss er immer neu ausgelegt, übersetzt, erinnert und in Aktualität gesetzt werden. Das ist das Charisma der Kirchen.</p>
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		<title>Leuchtturm der Verbundenheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Vecera]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:10:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Menschlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ubuntu]]></category>
		<category><![CDATA[Verbundenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[„Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie.” (1. Korinther 12,12-13)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie.” (1. Korinther 12,12-13)</p></blockquote></div>
<p>Der rot-weiße Leuchtturm auf Ameland steht für mich wie ein alter Freund in der Dünenlandschaft der niederländischen Nordseeküste. Seit meiner Kindheit zieht er mich magisch an – damals an der Hand meiner Großeltern, heute mit meinen eigenen Kindern. Dieser Ort ist mehr als ein Urlaubsziel; er ist ein Ort der Verbundenheit, der mich an eine schöne Kindheit und an geliebte Menschen erinnert, die heute nicht mehr da sind.</p>
<p>Wenn ich den Leuchtturm betrachte, denke ich auch an die afrikanische Philosophie des Ubuntu: „Ich bin, weil wir sind.” Diese Weisheit durfte ich in Südafrika erleben, einem Land, das mich mit seiner Geschichte tief berührt hat. Dort traf ich Menschen, die Ubuntu lebten. Es bedeutet Menschlichkeit und ist die Erfahrung, dass wir alle Teil eines Ganzen sind. Dabei ist mir bewusst, dass diese Verbindung zwischen einem niederländischen Leuchtturm und südafrikanischer Philosophie nicht unproblematisch ist. Die Niederlande waren Kolonialmacht am Kap, und die Geschichte der Apartheid ist auch eine Geschichte europäischer Unterdrückung. Ubuntu als Widerstandsphilosophie gegen genau diese koloniale Gewalt zu romantisieren, wäre ignorant. Vielmehr fordert mich diese Spannung heraus: Wie kann ein Symbol aus einem Land, das historisch an Unterdrückung beteiligt war, zu einem Zeichen der Befreiung werden?</p>
<p>Der Leuchtturm verkörpert dieses Ubuntu-Prinzip auf wunderbare Weise – und vielleicht gerade deshalb, weil er uns zur Umkehr einlädt. Er steht nicht isoliert, sondern dient der Gemeinschaft. Sein Licht unterscheidet nicht zwischen den Schiffen – es leuchtet für alle gleich, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität. Wie eine mütterliche Beschützerin ist er bedingungslos für alle da. In dieser radikalen Inklusivität liegt seine Kraft: Er wird zum Symbol einer Gesellschaft und Kirche, die Ubuntu nicht nur predigt, sondern lebt.</p>
<p>Paulus’ Worte über den Leib Christi spiegeln diese Ubuntu-Spiritualität wider. Für den Leuchtturm sind wir alle verschieden und dennoch verbunden. Das wünsche ich mir im Prinzip auch für die Kirche, als Ort, wo Ubuntu gelebt wird: verwurzelt in der Gemeinschaft und Licht für alle spendend. In einer Zeit, in der Spaltungen und Vorurteile zunehmen, brauchen wir diese Vision der Verbundenheit. Der Leuchtturm von Ameland erinnert mich daran, dass wahre Kirche wie Ubuntu funktioniert – als Gemeinschaft, die teilt, zusammen weint und lacht. Aber er mahnt auch zur Ehrlichkeit über die Schatten der Vergangenheit. Nur wer die kolonialen Verstrickungen anerkennt, kann authentisch von Befreiung sprechen. So wird der Leuchtturm zum Zeichen der Umkehr: von der Herrschaft zur Geschwisterlichkeit, von der Ausgrenzung zur radikalen Inklusion. Er wird zum Licht für alle – nicht trotz, sondern wegen seiner komplexen Geschichte. Und er lädt uns ein, es ihm gleich zu tun.</p>
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		<title>DDR: Aufarbeitung Fehlanzeige?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Aufarbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
		<category><![CDATA[Unrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Die juristische wie auch die gesellschaftliche Aufarbeitung staatlich begangenen Unrechts in der DDR gelang nur äußerst unzureichend. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die juristische wie auch die gesellschaftliche Aufarbeitung staatlich begangenen Unrechts in der DDR gelang nur äußerst unzureichend. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.</p></blockquote></div>
<p>Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Deutschland kann rückblickend als eine der großen Errungenschaften der bundesrepublikanischen Gesellschaft angesehen werden. Danach sah es in den ersten Jahren nach dem Ende dieses Regimes kaum aus: Weiterhin aktive Netzwerke in den Funktionseliten verhinderten oftmals, dass Programme der Entnazifizierung wirklich greifen konnten. „Persilscheine“ wurden massenhaft ausgestellt, selbst schwer belastete Personen gelangten schnell wieder in einflussreiche Positionen. Im Taumel des Wirtschaftswunders wandten sich zudem viele lieber den schönen Dingen des Lebens zu – statt der eigenen Vergangenheit.</p>
<p>Es ist mutigen Menschen wie dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu verdanken, dass es letztlich doch noch zur juristischen Aufarbeitung vieler Nazi-Verbrechen kam. Zudem trug die 68er-Bewegung dazu bei, dass nicht nur gesellschaftlich, sondern auch innerhalb der Familien hartnäckiger die Frage gestellt wurde, wer für die Gräuel der NS-Zeit verantwortlich war. 1985 war man immerhin so weit, dem Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zuzustimmen, dass der 8. Mai 1945 auch für Deutschland ein „Tag der Befreiung“ gewesen ist. Heute ist eine vielgestaltige Erinnerungskultur lebendig: KZ-Gedenkstätten, Stolpersteine, Zeitzeugengespräche und ein entsprechender Stellenwert in der Schulbildung. Das zeigt, dass wir es in beispielhafter Weise gelernt haben, mit der eigenen (beispiellosen) Schuld in Hinsicht auf die Verantwortung für die Zukunft umzugehen.</p>
<p>Doch haben wir aus der Geschichte gelernt? Leider nur bedingt. Denn im Umgang mit dem zweiten deutschen totalitären Unrechtsstaat, der DDR, scheinen sich dieselben Versäumnisse zu wiederholen. Ein Staat, der Menschen über Jahrzehnte in seinen Mauern einsperrte und unterdrückte. Überwacht von einem perfiden Spitzelsystem namens Stasi, das Menschen körperlich und seelisch folterte und viele in den Suizid trieb. Ungerechtfertigte Verurteilungen, bis hin zur Todesstrafe, unmenschliche Straflager und Umerziehungsanstalten – all das gab es in der DDR. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.</p>
<p>Doch leider gelang sowohl die juristische als auch die gesellschaftliche Aufarbeitung nur äußerst unzureichend. Mich hat es nachhaltig schockiert, als ich neulich gelesen habe, dass von den damals angeklagten hauptamtlichen und inoffiziellen Stasi-Mitarbeitern nicht einmal 1 Prozent (!) verurteilt worden ist. Selbst Erich Mielke wurde lediglich wegen eines Verbrechens in der NS-Zeit, nicht aber für sein Wirken als Hauptverantwortlicher der Stasi zur Rechenschaft gezogen.</p>
<p>Bald wird die DDR genauso lange vergangen sein, wie sie existiert hat: 40 Jahre. Vieles gerät zunehmend in Vergessenheit, und auch an Schulen scheint die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit keine zentrale Rolle zu spielen. Kaum ein heutiger Schüler weiß noch, wer Erich Honecker war. Nicht zuletzt angesichts aktueller politischer Entwicklungen – warum sind gerade die sogenannten neuen Bundesländer so anfällig für Radikalisierung? – halte ich es für dringend geboten, die Aufarbeitung dieser Vergangenheit deutlich zu intensivieren. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe – von Bildungseinrichtungen, Wissenschaft, Justiz, Politik und der gesamten Gesellschaft.</p>
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		<title>Frieden versus Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ines-Jacqueline Werkner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 08:55:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Pazifismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rüstung]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Die politischen und öffentlichen Debatten zum Ukrainekrieg sind stark polarisiert, häufig verbunden mit eindimensionalen Forderungen für oder gegen Waffenlieferungen und Aufrüstung. Dahinter stehen vielfach verkürzte Sichtweisen auf das Verhältnis von Frieden und Freiheit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die politischen und öffentlichen Debatten zum Ukrainekrieg sind stark polarisiert, häufig verbunden mit eindimensionalen Forderungen für oder gegen Waffenlieferungen und Aufrüstung. Dahinter stehen vielfach verkürzte Sichtweisen auf das Verhältnis von Frieden und Freiheit.</p></blockquote></div>
<p>Frieden und Freiheit stellen zentrale Werte dar und gelten als untrennbar miteinander verbunden. In der Politik werden beide Termini häufig in einem Atemzug genannt, sei es in politischen Statements, in Grundsatzprogrammen von Parteien oder in Regierungsprogrammen. Auch die gegenwärtige Regierung von CDU, CSU und SPD setzt sich in ihrem Koalitionsvertrag zum Ziel, „Freiheit und Frieden zu sichern“. Dieser enge Zusammenhang beider Begriffe findet sich zugleich in kirchlichen Stellungnahmen und Dokumenten. Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ von 2007 (<em>www.ekd.de/friedensdenkschrift.htm</em>) geht in ihrem Leitbild des gerechten Friedens von vier Dimensionen des Friedens aus, charakterisiert durch den Schutz vor Gewalt, die Förderung der Freiheit, den Abbau von Not und die Anerkennung kultureller Verschiedenheit. Das heißt, auch hier werden Frieden und Freiheit in einem engen Kontext gedacht.</p>
<h2>Was aber, wenn beides – Frieden und Freiheit – nicht zusammengeht?</h2>
<p>Frieden und Freiheit können auch in Widerspruch zueinander geraten. Das zeigt sich aktuell am Ukrainekrieg, bei dem Hunderttausende von Ukrainerinnen und Ukrainern im Kampf gegen die russische Invasion ihr Leben riskieren und auch verlieren, um ihre Freiheit – ihre politische und nationale, aber auch, so ein häufiges Argument in der politischen Debatte, die Freiheit Europas – zu verteidigen. Das gilt nicht nur für die internationale Politik. Ein innenpolitisches Beispiel stellt – ohne es an dieser Stelle weiter ausführen zu können – die Covid-19-Pandemie dar, in der sich ebenfalls ein Spannungsverhältnis zwischen Leben, Gesundheit und Freiheit auftat. Offen bleibt jeweils das Bedingungsverhältnis beider Werte – was genau dann virulent wird, wenn der Wunsch nach Frieden beziehungsweise Leben und der Wunsch nach Freiheit kollidieren. Was sind in solchen Konstellationen die Bedingungen, unter denen der Vorrang des Friedens/des Lebens beziehungsweise der Freiheit zu rechtfertigen ist? Oder wie es Klaus Günther und Uwe Volkmann in ihrem Buch <em>Freiheit oder Leben? </em>(Frankfurt/Main, 2022) formulieren: „Wie viele Tote oder […] welche Risiken für Leben und Gesundheit ist die Gesellschaft bereit in Kauf zu nehmen, um zu einem freiheitlichen Gesamtzustand im Sinne der früheren Normalität zurückzukehren?“</p>
<h2>Das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Frieden und Freiheit</h2>
<p>Freiheit bedeutet zunächst einmal Selbstbestimmung, dass „man selbst seinem Tun den bestimmten Inhalt gibt“ (Otfried Höffe in seinem <em>Lexikon der Ethik</em>). Das umfasst die Fähigkeit, Vorstellungen von den Zielen und Wegen seines Lebens zu entwickeln (das heißt: etwas zu wollen), und die Möglichkeit, demgemäß – ohne äußeren Zwang – zu handeln. Im sozialen Kontext ist die individuelle Freiheit aber auch begrenzt: Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit Anderer beeinträchtigt. Dieses gesellschaftliche Grundprinzip der Freiheit ist gebunden an einen Rechtszustand. Das beinhaltet die Akzeptanz, ohne Gewalt den Ausgleich zu suchen. Rechtsverhältnisse dieser Art können nur unter Bedingungen des Friedens verwirklicht werden. Erst Frieden schafft den Raum für Freiheit, Selbstbestimmung und Rechtsstaatlichkeit. Das gilt aber auch umgekehrt: Der Frieden, der auf die Verhinderung des Krieges (einschließlich der Bereitschaft zum Krieg) setzt – und zwar dauerhaft –, fußt auf verschiedenen Voraussetzungen. Dazu gehört – neben anderen Dimensionen – der Schutz der Freiheit. So heißt es auch in der Friedensdenkschrift der EKD von 2007:</p>
<p>„Der gerechte Friede umfasst nicht nur das faktische Überleben, sondern eine bestimmte Qualität menschlichen Lebens, ein Leben in Würde; er erfordert deshalb die Förderung der Freiheit. […] Friede in Freiheit ist die Chance, ein gegen Gewalt und Unterdrückung geschütztes Zusammenleben zu führen, in dem Menschen von ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten kraft eigener Entscheidung gemeinschaftlichen Gebrauch machen können“ (Ziffer 82).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Frieden und Freiheit bedingen sich wechselseitig.</p></blockquote></div>
<p>In diesem Sinne setzt Frieden Freiheit voraus. Bei beiden Termini – Frieden und Freiheit – handelt es sich also um ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis. Kommt es zwischen ihnen zu Zielkonflikten, muss abgewogen werden, welcher Wert in der konkreten Situation als fundamentaler und ethisch dringlicher angesehen wird, ohne aber den anderen aus dem Blick zu verlieren.</p>
<h2>Polarisierte Debatten</h2>
<p>In den aktuellen Debatten um den Ukrainekrieg – in der Öffentlichkeit, in den Medien wie in der Politik – sind solche differenzierten Abwägungsüberlegungen eher selten anzutreffen; stattdessen dominieren Positionierungen an den beiden Polen: Auf der einen Seite sind es die pazifistischen Stimmen mit der Tendenz, den Frieden absolut zu setzen. Kann – so die sich unmittelbar aufdrängende Frage – etwas daran verkehrt sein, sich gerade in Kriegszeiten für den Frieden einzusetzen? Stellt nicht bereits der negative Frieden, das heißt die Abwesenheit von Krieg, angesichts der gegenwärtigen weltpolitischen Lage einen Wert an sich dar? Schon Willy Brandt konstatierte: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts“ (<em><a href="https://willy-brandt.de/willy-brandt/reden-zitate-und-stimmen/zitate" class="autohyperlink">willy-brandt.de/willy-brandt/reden-zitate-und-stimmen/zitate</a></em>).</p>
<p>Die Gefahr dieser Position liegt letztlich in dem Versuch, das Bedingungsverhältnis einseitig auflösen zu wollen. Dann wird der Wert der Freiheit sekundär; die bloße Existenz sichert aber weder ein Leben in Freiheit noch einen dauerhaften Frieden. Genau hier setzt die entgegengesetzte Position an: So würden beispielsweise Waffenlieferungen zwar das Töten und Sterben verlängern, aber: „Wenn man das ablehnt, muss man sich […] im Klaren sein, dass der Preis dafür wahrscheinlich Unfreiheit ist“ (Thomas De Maizière, <em>www.sonntagsblatt.de/artikel/kirche/kirchentags-praesident-de-maiziere-ist-freiheit-wichtiger-als-frieden</em>). „Keine Waffen zu liefern, das würde darauf hinauslaufen, dass die Diktatoren, die Krieg als Mittel der Politik einsetzen, letztlich die Welt regieren können“ (Sönke Neitzel, <em><a href="https://zeitzeichen.net/node/10647" class="autohyperlink">zeitzeichen.net/node/10647</a></em>). Die Vertreterinnen und Vertreter dieser Argumentation sind bereit, um der Freiheit willen auch die Existenz zu riskieren. Hier besteht die Gefahr, die Freiheit absolut zu setzen. Dagegen wendet sich beispielsweise Jürgen Habermas, wenn er konstatiert: „Man kann nicht die Würde einer Person schützen wollen und deren Physis versehren lassen.“  (<em>www.blaetter.de/ausgabe/2021/september/corona-und-der-schutz-des-lebens</em>).</p>
<h2>Die Notwendigkeit differenzierter Abwägungsprozesse</h2>
<p>Die Notwendigkeit des Abwägens „ergibt sich aus dem Umstand, dass es mehr als ein Grundrecht gibt und kein Grundrecht grenzenlos gilt“ (<em>www.zeit.de/2020/20/grundrechte-lebensschutz-freiheit-juergen-habermas-klaus-guenther</em>). Dabei lässt sich kein Wert oder Grundrecht absolut setzen. Einseitige Vorrangordnungen zwischen Frieden und Freiheit werden ihrem Bedingungsverhältnis nicht gerecht. Friedensethisch bedeutet es, die Spannung zwischen Frieden und Freiheit ernst zu nehmen und diese auszuhalten – auflösen lässt sie sich nicht. Vielmehr kommt es darauf an, den jeweils anderen Wert stets mitzudenken und in das Handeln einzubeziehen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Kein Wert oder Grundrecht lässt sich absolut setzen.</p></blockquote></div>
<p>Historisch steht hierfür beispielsweise der NATO-Doppelbeschluss, der zwei Aspekte – Aufrüstung und Verhandlungen zur Rüstungskontrolle – enthielt, die einander ergänzten. Zu verhindern ist letztlich sowohl ein moralisierender wie auch ein realpolitischer Dogmatismus. Hier kommt auch den Kirchen eine wichtige Aufgabe zu. Indem sie Raum für gesellschaftliche Dialoge sind, können sie der Polarisierung entgegentreten und eine differenzierte Sicht auf das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Frieden und Freiheit befördern.</p>
<p>Was hieße es beispielsweise, die jeweiligen Argumentationsstränge – in die eine wie auch in die andere Richtung – weiterzudenken? Was ist uns die Freiheit wert? Wie weit sind wir bereit, diese in der Ukraine zu verteidigen? Würden wir dafür nicht nur Waffen liefern, sondern auch eigene Soldatinnen und Soldaten dorthin entsenden? Oder: Inwieweit ist es legitim und verantwortbar, um des Friedens willen auf Freiheitsrechte zu verzichten und das auch den Ukrainerinnen und Ukrainern abzuverlangen? Wie nachhaltig wäre ein solcher Frieden? Was sind die jeweiligen Bedingungen und Kriterien, die zum Tragen kommen müssen? Unverzichtbar ist eine gemeinsame Debatte, die die jeweils andere Position wahr- und ernst nimmt.</p>
<p>Zudem sind Prima-Facie-Plausibilitäten kritisch zu hinterfragen. So erweist es sich beispielsweise als einseitig, wenn man es als gesetzt sieht, dass Wladimir Putin nach der Ukraine auch das NATO-Gebiet angreifen wird und wir uns voraussichtlich ab 2029 mit Russland im Krieg befinden werden. Solche Argumentationen verkennen, dass Handlungen und Entwicklungen auch Kalküle verändern können. Es geht um einen Transformationsimperativ: Putin wird sich nicht zu einem Friedensengel transformieren lassen, aber es können Konstellationen entstehen, die seine Interessen verändern.</p>
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