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	<title>evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Michael Grüttner: Talar und Hakenkreuz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Hauschildt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:42:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[Was haben unsere Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus getan? Wie standen sie zu diesem verbrecherischen Regime? – Diese Fragen beschäftigen im übertragenen Sinne auch viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Für den Wissenschaftsbetrieb gewährt der Berliner Historiker Michael Grüttner nun tiefe Einblicke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Gruettner-Talar-und-Hakenkreuz.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8337 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Gruettner-Talar-und-Hakenkreuz-195x300.jpeg" alt="" width="195" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Gruettner-Talar-und-Hakenkreuz-195x300.jpeg 195w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Gruettner-Talar-und-Hakenkreuz.jpeg 390w" sizes="(max-width: 195px) 100vw, 195px" data-smartcrop-focus="[50,20]" /></a>C.H.Beck, München 2024, 704 S., 44,00 EUR</strong></p>
<p>Was haben unsere Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus getan? Wie standen sie zu diesem verbrecherischen Regime? – Diese Fragen beschäftigen im übertragenen Sinne auch viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Für den Wissenschaftsbetrieb gewährt der Berliner Historiker Michael Grüttner nun tiefe Einblicke.</p>
<p>Zunächst geht er dabei chronologisch vor, indem er die Vorgeschichte der Universitäten in der Weimarer Republik und die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Wissenschaftssystem behandelt. Anschließend zeigt er dann stärker systematisch orientiert auf, wodurch sich die NS‑Hochschulpolitik auszeichnete und was für Auswirkungen mit Blick auf die Universitäten als Institutionen, die dort Tätigen und einzelne Fächer(gruppen) zu beobachten sind. Die Ergebnisse bündelt er in einem prägnanten Schlusskapitel, dem noch ein Epilog zum Umgang der Wissenschaft mit ihrer eigenen NS-Vergangenheit seit 1945 folgt.</p>
<p>Für einen ersten Überblick zum Thema ist die über 700-seitige Monographie wohl etwas zu ausführlich. Sie tut damit aber letztlich genau das, was sie verspricht, nämlich als – sehr angenehm zu lesende – Gesamtdarstellung das Thema sowohl in seiner ganzen Breite als auch einiger Tiefe zu erkunden und so ein verlässliches Bild vom großen Ganzen zu zeichnen. Das fördert viel Spannendes zutage, z.B. über die Abgründe der Vertreibung v.a. jüdischer Gelehrter, deren Nutznießer und Kritiker, über die Widersprüchlichkeit von politischen und wissenschaftlichen Zielen, über das Ideal des Führertums und die Realität endloser Kompetenzrangeleien.</p>
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		<title>Michael Haspel: &#8220;Wer nicht liebt, steht vor dem Nichts!&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Moritz Arndt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:40:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther King]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Buch geht Michael Haspel dieser theologischen und spirituellen Dimension nach und zeichnet von King und seinem Wirken ein Bild, das ihn als profilierten, innovativen Theologen und engagierten Pastor erkennbar werden lässt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Haspel_Wer-nicht-liebt.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8334 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Haspel_Wer-nicht-liebt-198x300.jpg" alt="" width="198" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Haspel_Wer-nicht-liebt-198x300.jpg 198w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Haspel_Wer-nicht-liebt.jpg 396w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" /></a>Gütersloher Verlagshaus 2024, 288 S., 28 EUR</strong></p>
<p>Martin Luther King hat als Friedensnobelpreisträger und Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA einen bleibenden Platz in den Geschichtsbüchern und unserem kollektiven Gedächtnis gefunden. Als evangelischer Theologe und Baptistenpastor wird er dagegen in Deutschland nur selten erinnert und rezipiert. Dabei ist die theologische und spirituelle Dimension seines Wirkens in seinen Reden und Texten eigentlich kaum zu übersehen.</p>
<p>In seinem Buch geht Michael Haspel dieser theologischen und spirituellen Dimension nach und zeichnet von King und seinem Wirken ein Bild, das ihn als profilierten, innovativen Theologen und engagierten Pastor erkennbar werden lässt. Er verschränkt dabei gleichermaßen spannende wie kritische biografische Darstellung, systematisch-theologische Analyse und historische Einordnung miteinander. Auf diese Weise gewinnt Haspels Darstellung eine beeindruckende Tiefe.</p>
<p>Das Buch bietet der deutschsprachigen Leserschaft endlich eine kompakte und dennoch ausführliche Möglichkeit, die Theologie Martin Luther Kings und King als Theologen kennenzulernen. Es lädt dazu ein, den theologischen Blick über den weißen und deutschen Horizont hinauszurichten und sich von Kings Erbe inspirieren, aber auch herausfordern zu lassen.</p>
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		<title>Christoph Levin/Reinhard Müller: Die Psalmen in ihrer Urgestalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marcel Krusche]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:34:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gebet]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Psalmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die biblischen Psalmen erfreuen sich in Judentum und Christentum großer Beliebtheit und haben so auch die Kulturgeschichte des Westens mitgeprägt. Doch obwohl sie noch heute Menschen zum Nachbeten anregen, liegen ihre Wurzeln in einer längst vergangenen Lebens- und Denkwelt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueller-Psalmen.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8329 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueller-Psalmen-179x300.jpg" alt="" width="179" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueller-Psalmen-179x300.jpg 179w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueller-Psalmen.jpg 358w" sizes="(max-width: 179px) 100vw, 179px" /></a>C.H. Beck, München 2024, 215 S., 26,00 EUR</strong></p>
<p>Die biblischen Psalmen erfreuen sich in Judentum und Christentum großer Beliebtheit und haben so auch die Kulturgeschichte des Westens mitgeprägt. Doch obwohl sie noch heute Menschen zum Nachbeten anregen, liegen ihre Wurzeln in einer längst vergangenen Lebens- und Denkwelt.</p>
<p>Auf diese fremdartigen religiösen Hintergründe der Psalmen wollen die beiden Autoren neugierig machen. Anhand von 36 biblischen Psalmen rekonstruieren sie deren ursprüngliche Textfassungen, erläutern sie in ihren geschichtlichen und religiösen Kontexten, zeigen Parallelen zu Texten und bildlichen Zeugnissen aus den Nachbarkulturen des alten Israel auf und zeichnen die Entwicklung bis zu ihrer jeweiligen Endgestalt nach. Damit graben sie die altorientalischen Fundamente der altisraelitischen Religion aus und beschreiben gleichzeitig, wie sich religiöse Vorstellungen im Laufe der Entstehungsgeschichte der Psalmen gewandelt haben.</p>
<p>Die vorangestellte Einführung hebt vorab entscheidende Punkte hervor, die in den anschließenden Textauslegungen immer wieder zur Sprache kommen: Die Vorstellung vom Gott Jahwe ist ursprünglich die eines Wettergottes. Dem entsprechend werden Naturphänomene wie Regen, Gewitter oder Erdbeben als göttliche Erscheinungen gedeutet. Die Verehrung Jahwes im Tempelkult bildet den Hintergrund für die Aufführung der ältesten Psalmen. Sie hat zudem eine erhebliche politische Bedeutung: Religion dient nicht zuletzt auch der Stabilisierung königlicher Macht. Daher identifizieren die beiden Autoren in vielen Psalmen hinter dem sprechenden „Ich“ (wie etwa in Psalm 23) ursprünglich einen anonymen König. Doch weil die einstigen Staaten Israel und Juda ihr Königtum verloren haben, veränderten sich infolgedessen auch die religiösen Vorstellungen, Hoffnungen und Praktiken, was sich in der Geschichte der Psalmen widerspiegelt.</p>
<p>Über viele der Rekonstruktionen und Einordnungen, die Levin und Müller vornehmen, lässt sich trefflich streiten. Dennoch wird anschaulich vor Augen geführt, dass die Psalmen in ihrer Endfassung lebendige Zeugnisse einer langen und sich wandelnden Religionsgeschichte sind.</p>
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		<title>Osterlachen und das Wort vom Kreuz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:27:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Freude]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Botschaft des Gekreuzigten atmet stille Freude. Für Paulus und das neue Testament ist das Kreuz Symbol erfüllter Lebenszugewandtheit und Grund für einen veränderten Umgang mit der Mitwelt; von dösiger Langeweile hört man wenig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Botschaft des Gekreuzigten atmet stille Freude. Für Paulus und das neue Testament ist das Kreuz Symbol erfüllter Lebenszugewandtheit und Grund für einen veränderten Umgang mit der Mitwelt; von dösiger Langeweile hört man wenig.</p></blockquote></div>
<p>Das Osterlachen ist eine schöne Tradition. Es animiert dazu, am Ostermorgen den Widerwärtigkeiten der Welt ins Gesicht zu lachen: Ärger, Jammer, leere Zahnpasta – ihr könnt mir gar nichts. Selbst schweres Leiden, Not und Tod: Ihr seid überwunden! Ostern feiern wir den Sieg des Lebens. Wer sollte da nicht lachen…</p>
<p>Auch der Apostel Paulus hat daran helle Freude, den Übeln der Zeit eine lange Nase zu drehen. Sie feierlich zu Spott zu machen. „Tod, wo ist dein Stachel? Tod, wo ist dein Sieg?“ (1Kor 15,55). Leiden und Tod ist der Stachel gezogen: Es hat nichts mehr auf die Waagschale zu legen.</p>
<h2>Freude und das Wort vom Kreuz</h2>
<p>Tatsächlich geht von der Nachricht vom Kreuz in den Urgemeinden eine wirkliche Dynamik aus. Für Paulus ist sie eine Kraft: griechisch <em>dynamis</em>. Zu ihrer Dynamik gehört nicht nur Freude, weltüberwindende Gewissheit, innere Geborgenheit und Hoffnung. Sondern sie bringt auch im Handeln, in der aktiven Weltgestaltung eine Verhaltensänderung mit sich. Wie wir noch sehen werden, ist diese freudevolle Wesensänderung typisch für das Wirken des Paulus von den ersten Anfängen seiner Aposteltätigkeit. Es gehört zum innersten Kern paulinischer Theologie.</p>
<p>Freude ist ein Kennzeichen des Glaubens! Nach Paulus <em>ist</em> das Reich Gottes Freude. So schreibt er am Schluss des Römerbriefes. Kreuzestheologie wirkt aufmunternd, durchaus <em>gute Laune</em>, jedenfalls Fröhlichkeit verbreitend: Sie ist von Grund auf frohmachend und schon dadurch weltverändernd.</p>
<h2>Eine besondere Dynamik</h2>
<p>Weil das Wort vom Kreuz eine Kraft Gottes ist (1Kor 1,18), enthält es nach Paulus die Fähigkeit, vieles von Grund auf umzuwälzen. Wir kennen den Begriff vom Dynamit… Worin besteht diese Fähigkeit? Darin zu zeigen: <em>Wie</em> Gott in der Welt wirkt; darin zu zeigen: <em>Dass</em> Gott in der Welt wirkt. Und sie besteht darin zu zeigen, dass beides, das Wie und das Dass, für uns zum Besten dient.</p>
<p>Die Nachricht vom Kreuz, das Kreuzesgeschehen, macht alles zunichte, „was etwas ist“, schreibt Paulus. Das Imponieren-wollen, das sich künstlich Aufplustern hat Gott nicht nötig. Gott wählt, Gott genügt schon, das was nichts ist (Vers 28). Darin zeigt und erweist er sich als Gott. Darin besteht sein (schöpferisches) Gott-Sein.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das Kreuz gibt etwas zu erkennen.</p></blockquote></div>
<p>Alles, was etwas ist oder (auch nur) etwas sein will, zerschellt für Paulus an diesem „Stein des Anstoßes“. Die üblichen Gottesbilder zerbrechen. Die gehegten Erwartungen; die eigenmächtigen Deutungen, dass Gott doch so oder so sein müsse; das Gott-Vorgaben-machen-wollen, wie er jetzt wirken oder dann handeln solle. All dies erfüllt sich nicht&#8230;</p>
<h2>Weisheit und Kreuz</h2>
<p>Auch deshalb ist das Wort vom Kreuz für Paulus eine theologisch kaum auslotbare Weisheit. Denn sie zeigt dem Menschen, wie Gott in Wahrheit ist, wie er in dieser Welt wirkt. Sie leitet zur Erkenntnis Gottes an, lehrt Gottes Wirkweise zu kennen. Sie führt in Gottes Innerstes, sein Wesen.</p>
<p>Das theologische Reden vom Kreuz führt in die Tiefen von Gottes Wesen. Es ist eine „verborgene Weisheit“. Eine Weisheit, die nur zu sehen und zu erkennen ist, indem die Augen auf eine geistvolle Weise (neu) geöffnet werden. Sie ist darum immer mit dem Empfang von Gottes Geist verbunden. Schaut man auf das Irdische, auf das, was vor Augen ist, bleibt sie verborgen und verschlossen. („Der irdische Mensch erkennt davon nichts“ – und kann es auch nicht.) Wer auf das Irdische sieht, wird auch nur Irdisches erkennen. Für das theologisch sehende Auge aber ist es echte Weisheit, bedeutet es Erlösung (von so vielen Fragen), Freude, inneren Frieden und löst folglich herzliches Osterlachen aus. Beim Kreuz allein ist es (ja) nicht geblieben. Es folgt etwas darauf&#8230;</p>
<h2>Die Chronologie der Paulusbriefe als eine Einleitung</h2>
<p>Doch bleiben wir noch einen Moment bei der Botschaft des Kreuzes. Eine Hilfe, um der Theologie des Kreuzes nachzuspüren, kann es sein, der Chronologie der Paulusbriefe nachzugehen. Im Großen und Ganzen ist die Reihenfolge der wichtigsten Briefe klar und unumstritten: Der zeitlich früheste ist der 1. Thessalonicherbrief, um das Jahr 50. Nach diesem entstanden sind der 1. und der 2. Korintherbrief ab ca. 53. Als der reifste und zeitlich späte ragt – auch im Umfang – der Römerbrief heraus, um 55/56. Zwischen diesen ist der Galaterbrief anzusiedeln. Und wohl ebenso der Philipperbrief (oder dieser <em>nach</em> dem Römerbrief).</p>
<p>Folgt man der Chronologie, fällt auf: Der starke Einsatz mit dem Wort vom Kreuz im 1. Kapitel des 1. Korintherbriefes, steht schwergewichtig schon am Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit des Apostels Paulus. Bereits das zeitlich zweite Dokument, das wir von ihm haben, führt die Thematik in den vier Eingangskapiteln (1Kor 1-4) ausführlich aus. Sie ist ebenso namhaft präsent im zeitlich benachbarten Galaterbrief (z.B. Gal 3). Und natürlich krönend im theologischen Vermächtnis seines Römerbriefs.</p>
<p>Sachlich entspricht dies exakt der Beobachtung, dass man die Evangelien als „Passionsgeschichten mit langer Einleitung“ – so die oft zitierte Charakterisierung Martin Kählers – ansehen kann: Alle vier Evangelien gipfeln in der Beschreibung von Tod und Auferstehung (auf die sie mehr oder weniger deutlich von Beginn an zulaufen und vorausweisen); vorgeschaltet ist jeweils die Beschreibung des Lebens und der Wirksamkeit des Protagonisten.</p>
<h2>Das Wort des Gekreuzigten</h2>
<p>Spannend ist nun zu sehen, dass sogar die ersten Zeilen des Christentums: das erste schriftliche Zeugnis überhaupt, das wir von der Christenheit haben (!), voll ist von Osterlachen, voll von angewandter Kreuzestheologie, voller „Wort vom Kreuz“ und voller Wort-Dynamik. Denn schon der 1. Thessalonicherbrief, der ja nicht nur der erste Brief des Paulus ist, sondern eben auch die früheste Schrift im Neuen Testament und so das erste schriftliche Zeugnis christlicher Existenz insgesamt, beginnt im 1. Kapitel mit Hinweis auf die Auferweckung und den Ostertag, – nebenbei begegnet schon hier der später prominent ausgearbeitete Dreiklang von „Glaube, Hoffnung, Liebe“ (Vers 3) –, und ausdrücklich und betont wird auf die <em>Freude </em>(!) abgehoben, die der von Osterfreude erfüllte Geist den Thessalonichern bei der Gemeindegründung durch Paulus kraftvoll mitteilte und gibt. Nicht zufällig kann Paulus die Angesprochenen am Briefende dann entlassen mit einem Hinweis auf den „Gott des Friedens“.</p>
<p>Und auch dies entspricht exakt der sachlichen und inhaltlichen Struktur der Evangelien, wenn dort das Wort des Gekreuzigten am Ostermorgen heißt: „Friede sei mit euch“ und „Fürchtet euch nicht“&#8230;</p>
<h2>Das Kreuz ist etwas Positives</h2>
<p>Manche denken beim Wort vom Kreuz (gr.: <em>logos tou staurou</em>) zuerst an Negatives, etwas, das Ärger macht. Das ist es in mancher Hinsicht auch, und soll es sein. Paulus aber ist es zugleich etwas durch und durch Positives! (Wenn und) weil es von dessen Ende her betrachtet wird&#8230; Weil es theologisch gedeutet: Friede bedeutet, und voller Hoffnung ist. Weil es Symbol für den Sieg des Lebens über die Todeswelt ist – weil es zur Osterfreude führt.</p>
<p>Neutestamentlich steht das Kreuz nicht zuletzt, oft aber zu wenig bedacht, für Frieden und für Gerechtigkeit. Was sich in vielerlei Hinsicht theologisch, exegetisch aber auch ganz lebenspraktisch-ethisch aufzeigen lässt. Theologisch-systematisch gesehen steht es natürlich auch für Freiheit: Weil der Mensch dadurch frei wird von so vielem – das ist aber schon indirekt und abgeleitet; gewissermaßen eine sekundäre Konsequenz.</p>
<p>Das Wort vom Kreuz begründet eine neue Existenz. Es findet ganz real und realistisch eine Wesensänderung statt. Ist jemand in diesem Ereignis, „ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“, sagt Paulus, „das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ Beim erneuerten Menschen wird daher nicht mehr nach Herkunft gefragt (Jude oder Grieche), nach Status (versklavt oder frei), nach männlich oder weiblich (Gal 3,28; 1Kor 12,13), sondern es gilt: eine „neue Schöpfung“ (Gal 6,14f).</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Die Botschaft des Kreuzes ist: Friede sei mit euch.</p></blockquote></div>
<p>Gerade auch im Philipperbrief, den manche als den Schlusspunkt paulinischen Schreibens sehen, oder der zeitlich in die Nähe der Korintherbriefe gehört, begegnet beides: Betonung der Freude, und die theologische Thematisierung, sogar hymnologische Rede vom Kreuz. Paulus demonstriert darin seiner Gemeinde, dass Gott in der Welt wirkt: Die Wirkweise des Kreuzes zeigt, <em>wie</em> dies geschieht, und dass dies in einer auf diese Weise erneuerten Existenz nur wohltuend sein kann und innere Freude stiftend ist. Und so taucht im Philipperbrief auch der „Gott des Friedens“ wieder auf. Selbst an allem Irdischen und an der Welt in bestimmter Weise zu verzweifeln, ist demnach etwas Positives, es ist heilsam und ernüchternd; es ist notwendig, und setzt den Blick für Gottes Wesen frei. „Alles Irdische vergehet“:<em> Sollt ich mich bemühn um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind? Nein, ich will nach Gütern ringen, die mir wahre Ruhe bringen, die man in der Welt find’t, </em>meint ein bekanntes Kirchenlied.</p>
<h2>Symbolik des Kreuzes</h2>
<p>Als in einem Bundesland über das Aufhängen des Kreuzes in öffentlichen Gebäuden debattiert wurde (56 Prozent der Befragten waren damals laut Umfragen dafür), erschien in einer überregional erscheinenden Zeitung eine Bilder-Serie ausgesuchter Kruzifixe – manche waren der Ansicht, schon allein dafür habe die Debatte sich gelohnt. Der Variantenreichtum in den Darstellungen, die künstlerisch vielseitigsten Bearbeitungen: Das Kreuz hat zahllose auch ästhetisch anspruchsvolle Auseinandersetzungen mit einem der zentralen Themen menschlicher Existenz hervorgebracht. Über die Jahrhunderte hat sich dabei das Symbol des Kreuzes mit einer Vielzahl an Bedeutungskomponenten weiter angereichert. Neben den zahlreichen Aspekten, die heute mit der Kreuz-Symbolik verbunden sind, wie die Beschäftigung mit der Verletzlichkeit des Menschen („Ecce Homo“), die Auseinandersetzung mit seiner Hinfälligkeit, mit Tod und Leiden, die auch philosophisch und unter juristischen Gesichtspunkten geführt werden kann, steht auch die theologische Füllung als Zeichen des Friedens, sich hingebender Liebe, der Todes-Überwindung und – der Freude.</p>
<h2>Das Wort vom Kreuz in der Theologie</h2>
<p>Theologisch gesehen ist das Kreuz (u.a.) ein Erkenntnisprinzip der Gottheit Gottes: Gott ist darin Gott, dass er „nichts braucht“, um etwas zu schaffen. Das Wort vom Kreuz kann in der Theologie immer wieder dazu führen und dazu anleiten, kritisch zu hinterfragen, wo etwas etwas sein will, das eigentlich: gar nichts ist; nichts sein sollte, oder das zumindest mal wieder über sich lachen lernen sollte.</p>
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		<title>Tauferinnerung</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/tauferinnerung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Berger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:20:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Jordantaufe]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>
		<category><![CDATA[Tauferinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Taufstelle Jesu]]></category>
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					<description><![CDATA[An der Taufstelle „Yardenit“ am Jordan nahe des See Genezareth erinnern sich täglich Pilgerinnen und Pilger an ihre Taufe oder lassen sich taufen. Es ist eine idyllische Anlage. Ein Fluss, der je nach Jahreszeit mehr oder weniger Wasser führt, die Hänge bepflanzt mit bunten Blumen und allerlei schattenspendenden Bäumen. Für die Tauferinnerungsfeste und die Taufen sind kleine Bereiche abgeteilt, mit je eigenem Zugang zum Fluss.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20)</p></blockquote></div>
<p>Mit Erinnerungen ist es so eine Sache. Wir erinnern viel Schönes, aber oftmals auch vieles, was uns gar nicht gut tut. Was dieser damals sagte und wie jene uns damals nicht beachtete. Wie jene Situation eskalierte und wie enttäuscht wir damals waren. Viele Erinnerungen tragen wir als Ballast mit uns herum und obwohl wir wissen, dass uns diese Erinnerungen gar nicht gut tun, werden wir sie nicht los. Heilsam ist es da, wo wir verzeihen und vergessen können, weil dann ein Neuanfang möglich ist und Wunden heilen können.</p>
<p>An der Taufstelle „Yardenit“ am Jordan nahe des See Genezareth erinnern sich täglich Pilgerinnen und Pilger an ihre Taufe oder lassen sich taufen. Es ist eine idyllische Anlage. Ein Fluss, der je nach Jahreszeit mehr oder weniger Wasser führt, die Hänge bepflanzt mit bunten Blumen und allerlei schattenspendenden Bäumen. Für die Tauferinnerungsfeste und die Taufen sind kleine Bereiche abgeteilt, mit je eigenem Zugang zum Fluss. Ein gut durchdachter Laden, in dem sich allerlei als Mitbringsel und Erinnerungsstück kaufen lässt.</p>
<p>Natürlich ein großer Kontrast zu der Taufstelle an der Jesus sich vor 2000 Jahren von Johannes dem Täufer taufen ließ und doch ist da etwas, was das damals und das heute verbindet.</p>
<p>Wir taufen, gleich an welchem Ort auf der Welt, weil das Taufen eine lange Tradition hat. Jesus wurde selbst getauft und dann hat er uns dazu aufgefordert auch zu taufen. So heißt es im Taufbefehl, wie ihn Matthäus aufgeschrieben hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“</p>
<p>Und dann kommt das, woran wir uns als Getaufte immer erinnern können und sollen: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Was für eine Zusage, was für ein Versprechen.</p>
<p>Das ist es, worauf es ankommt. Dass unser Dreieiniger Gott immer bei uns ist. Alle Tage. Täglich, stündlich, minütlich, sekündlich. Immer. Und sogar dann, wenn die Welt einmal zu Ende geht. Wenn wir uns daran erinnern, in den guten und den schweren Momenten unseres Lebens, dann können wir alles in einem anderen Licht betrachten. Mit seiner Hilfe, ist es auch möglich, dass wir schlechte Erinnerungen verarbeiten und dann vergessen können. Weil seine Liebe und Zuwendung zu uns alles andere relativiert.</p>
<p>Wir müssen nicht bis zum Jordan reisen, um uns an unsere Taufe zu erinnern. Das geht immer und überall. Vielleicht auch mit den Zeilen des Lieds von Johann Jakob Rambach:</p>
<p>„Ich bin getauft auf deinen Namen,<br />
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;<br />
ich bin gezählt zu deinem Samen,<br />
zum Volk, das dir geheiligt heißt;<br />
Ich bin in Christus eingesenkt,<br />
ich bin mit seinem Geist beschenkt.“</p>
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		<title>Ok Boomer?!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:06:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Generationen]]></category>
		<category><![CDATA[Generationenkonflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ok Boomer“, diese Phrase gewinnt im Wortschatz der Generationen Y und Z (ca. Jahrgänge von 1981 bis 2009) in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Meist wird sie verwendet, um auf eine Aussage von eine*r Babyboomer*in (ca. die Jahrgänge von ca. 1955 bis 1968) ablehnend und oft auch abwertend zu reagieren. Damit steht diese Phrase sinnbildlich für den Konflikt der Generationen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Ok Boomer“, diese Phrase gewinnt im Wortschatz der Generationen Y und Z (Jahrgänge von ca. 1981 bis 2009) in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Meist wird sie verwendet, um auf eine Aussage von eine*r Babyboomer*in (die Jahrgänge von ca. 1955 bis 1968) ablehnend und oft auch abwertend zu reagieren. Damit steht diese Phrase sinnbildlich für den Konflikt der Generationen. </p></blockquote></div>
<p>Die Themen, entlang denen sich Generationenkonflikte erstrecken, sind u.a. Klimaschutz, Rente, Ehrenamt und vor allem die Arbeitswelt. Als jemand, dessen Geburtsjahr an der Grenze der Generationen Y und Z liegt, erlebe ich den Generationenkonflikt häufig. Beide Seiten machen einander Vorwürfe. So heißt es z.B., den Babyboomern sei das Klima egal und die Jungen wollten sich nicht mehr engagieren. Dabei versuchen auch viele Babyboomer, mehr Rad statt Auto zu fahren. Und die junge Generation engagiert sich, ist aber zahlenmäßig viel kleiner und bis zur Familiengründung oft sehr mobil. Temporäre Ehrenämter sind für sie daher deutlich attraktiver als eine Verpflichtung auf mehrere Jahre. Mir persönlich ermöglichen hybride Arbeitsweisen übrigens, dass ich seit zehn Jahren im Vorstand eines Vereins tätig sein kann.</p>
<p>In der Arbeitswelt wissen wir Jungen, dass wir dringend gebraucht werden. Die Worte „Fachkräftemangel“ und „Transformation“ begleiten uns meist schon seit der Schulzeit. Ob Rechtschreibreform, Umstellung auf G8, die Einführung des Euros und 9/11, bei manchen der Mauerfall – all diese Veränderungen passierten, als wir sehr jung waren, und waren dadurch für uns „normal“. Das prägt wahrscheinlich den Blick auf Veränderungen. Veränderung ist die Normalität der jungen Generation. Zumindest legen verschiedene Studien nahe, dass die Generationen Y und Z Veränderungen offen gegenüberstehen, während etwa die Hälfte der Babyboomer Angst vor Veränderungen hat. In der Arbeitswelt fordern junge Menschen oft Veränderungen vehement ein. Ihre Haltung zu den Arbeitszeiten ist hier besonders auffällig. Die junge Generation arbeitet öfter Teilzeit und gilt daher bei den Babyboomern als faul. Warum? Meine These ist, wir haben die Generationen vor uns bis zur Erschöpfung arbeiten sehen und wünschen uns mehr Zeit für uns und die Familie. In kirchlichen Berufen ist der Konflikt in der Arbeitswelt besonders stark, weil die Nachwuchszahlen nicht nur aufgrund der niedrigeren Geburtenrate, sondern auch durch die geringere religiöse Sozialisation weiter gesunken sind. Da gehen Pfarrer*innen und Kantor*innen in den Ruhestand, die froh waren, wenn sie damals wenigstens eine halbe Stelle bekamen oder die sich als Ehepaar eine Stelle teilen mussten – während jetzt eine Generation kommt, deren Seminare an den Universitäten hin und wieder ausfallen, weil sich zu wenige Teilnehmer*innen gefunden haben.</p>
<p>Wie können wir den Kreislauf an gegenseitigen Vorwürfen beenden? Ich rate zu einem offenen Dialog. Wenn die Generationen die Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der anderen verstehen, kann die Zusammenarbeit viel besser funktionieren. Das geht am besten ohne Phrasen wie „Ok Boomer“ oder „Stell dich nicht so an! Du kannst froh sein, überhaupt einen Job zu haben“. Wir können viel voneinander lernen und Gemeinsamkeiten entdecken. Die Teilzeit wird gerade z.B. bei der jungen Generation und bei den Babyboomern (oft als Altersteilzeit) immer beliebter. Ich persönlich bin froh über meine Freundschaften mit Menschen unterschiedlichster Generationen.</p>
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		<title>Die Bibel: Mutter aller Krimis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bertram Salzmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 14:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalroman]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Strafe]]></category>
		<category><![CDATA[Sühne]]></category>
		<category><![CDATA[Verbrechen]]></category>
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					<description><![CDATA[Krimileser sind immer indirekt auch Bibelleser. Ein Gang durch die moderne Krimiliteratur macht das eindrucksvoll deutlich. Choral und Krimi teilen das gleiche theologische Erbe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Krimileser sind immer indirekt auch Bibelleser. Ein Gang durch die moderne Krimiliteratur macht das eindrucksvoll deutlich. Choral und Krimi teilen das gleiche theologische Erbe.</p></blockquote></div>
<p>Bibel und Krimi treffen sich nicht nur in der <em>Beschreibung</em> von Untaten, sondern vor allem in deren <em>Deutung</em>: Ebenso wie die Bibel erzählen ja auch Krimis unserer Tage (zumindest, wenn es sich nicht um reine Trivialliteratur handelt) ihre Geschichten nicht einfach um ihrer selbst willen. Sie reihen sich damit vielmehr in einen langen Strom von dichterischen Deutungen zu immer denselben Fragen ein – die ewigen Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit, nach Gut und Böse, nach Sühne und Erlösung. Die Bibel ist also vor allem deshalb die „Mutter aller Krimis“, weil sie die Essenz der menschlichen Auseinandersetzung mit diesen Themen in so prägnanter Form entfaltet, dass viele ihrer Geschichten wie Blaupausen auch für heutige Kriminalliteratur wirken. Keine andere literarische Gattung – ausgenommen Kirchenlieder – ist deshalb so stark von biblischen Traditionen geprägt, wie der Kriminalroman. Dies sei im Folgenden anhand von drei biblischen Themenfeldern mit modernen Krimi-Beispielen illustriert:</p>
<h2>1. Die Frage nach Schuld, Strafe und Sühne</h2>
<p>Bekanntlich geht es in der Kriminalliteratur fast immer darum, dass Menschen schuldig werden, indem sie das Gesetz brechen – sei es durch Mord, Diebstahl oder Betrug. Diese „rechtsverletzende Handlung“ (Grimmsches Wörterbuch, Art. „Verbrechen“) ist der Kern jeder Krimihandlung. Während Schuld in der Bibel in der Regel durch den Bruch göttlicher Gebote definiert ist, wird sie im neuzeitlichen Krimi an den jeweils gültigen Normen und Gesetzen der Gesellschaft gemessen. Trotzdem sind die psychologischen und moralischen Dimensionen ähnlich. Viele moderne Krimis fragen ebenso wie die biblischen Texte danach, was Menschen dazu bringt, schuldig zu werden und wie mit dieser Schuld umzugehen ist. Besonders prominent verfolgt dieses Thema in der Krimi-Literatur unserer Tage z.B. der Strafverteidiger und Schriftsteller <strong>Ferdinand von Schirach</strong>. In seinen beiden Erzähl-Bänden <strong><em>Verbrechen</em> </strong>(2009) und<strong> <em>Schuld</em> </strong>(2019) greift er Fälle aus seiner anwaltlichen Praxis auf und gibt ihnen eine literarische Form. Sein Interesse gilt dabei dem Spannungsverhältnis zwischen individueller Motivation des Täters, gesellschaftlichem Urteil über die Tat und moralischer Bewertung, letztlich auch durch Leserin oder Leser.</p>
<p>In der Bibel folgt – siehe z.B. die Geschichte von Kain und Abel – auf Schuld oft eine Form der Strafe, sei es durch Gott selbst oder durch menschliche Akteure. Strafe ist dabei nicht nur eine Bestrafung im engeren Sinne, sondern wird als eine notwendige Konsequenz und Korrektur verstanden. Sie hat eine reinigende und warnende Funktion und soll die Menschen auf den rechten Weg zurückführen. Wie im Krimi unserer Tage ist sie somit eine Maßnahme zur Wiederherstellung von Ordnung und Gerechtigkeit. Auch Krimis zielen ja in der Regel darauf ab, dass der Verbrecher am Ende gefasst und seiner gerechten Strafe zugeführt wird – sei es durch die Polizei, das Gericht oder durch eine Form von Selbstjustiz. Gleichzeitig experimentieren sie oft mit der Vorstellung von Strafe, indem sie die Grenze zwischen Täter und Opfer, Schuld und Unschuld verschwimmen lassen. Dies zeigt sich beispielhaft schon in der Erzählung <strong><em>Der Verbrecher aus verlorener Ehre</em></strong> (1786/1792) von<strong> Friedrich Schiller</strong>, nach dem Urteil des  Literaturwissenschaftler Stefan Neuhaus der „erste bedeutende moderne Krimi“ der deutschen Literatur. Schillers Text erzählt – nach einer wahren Begebenheit – die Geschichte des sogenannten „Sonnenwirts“ Christian Wolf, der nach dem frühen Fehltritt der Wilderei immer tiefer in das Verbrechen abrutscht und schließlich als Mörder hingerichtet wird. Die Strafe für seine ersten Vergehen bringt ihn nicht wieder auf den „rechten Weg“ zurück, sondern hat einen gegenteiligen Effekt. Wolf wird nicht resozialisiert, sondern als Gesetzesbrecher stigmatisiert. Die gesellschaftliche Ächtung führt dazu, dass er jegliche Möglichkeit auf eine Rückkehr in ein ehrbares Leben verliert.</p>
<p>Das Thema der Sühne schließlich scheint dem neuzeitlichen Krimi ferner zu liegen. Biblisch betrachtet geht es beim Begriff der „Sühne“ nicht nur um die Bestrafung eines Täters, sondern auch um Wiedergutmachung und Versöhnung mit dem Opfer, vor allem aber auch mit Gott. Im Alten Testament wird Sühne für die Sünden des Volkes Israel durch Opferhandlungen vollzogen. Das Neue Testament gibt mit Wirken, Verkündigung und Passion Jesu dem Gedanken der Sühne dann eine neue Deutung. Nicht nur, dass an die Stelle von gerechtfertigter Vergeltung die gebotene Vergebung tritt; auch das Konzept von Schuld, Strafe und Sühne an sich wird überholt: Begangene Schuld, so die Botschaft des Neuen Testaments, trennt Menschen nicht mehr ewig von Gott, sondern kann auch ohne menschlich geleistete Sühne durch Gott selbst überwunden werden, ja, <em>ist</em> in Jesus ein für allemal überwunden.</p>
<p>Viele moderne Krimis enden zwar mit einer Bestrafung des Täters, aber nicht mit einer Sühne im biblischen Sinn. Gleichwohl setzen sich viele moderne Kriminalgeschichten mit der Frage auseinander, ob und wie ein Täter für seine Verbrechen büßen kann. Ein Beispiel hierfür ist der Gerichtsroman <strong><em>Der Vorleser</em></strong> (1995) aus der Feder des Jura-Professors und Verfassungsrichters<strong> Bernhard Schlink </strong>– einer der international erfolgreichsten Romane der deutschen Literatur. Die Täterin, eine KZ-Aufseherin in Auschwitz, kann zwar ihre Schuld nicht ungeschehen machen. Aber der Roman wirft die Frage auf, inwieweit sie durch Verurteilung und Strafe, durch Einsicht und Reue, oder durch ihre Selbsttötung am Ende des Romans moralische Sühne leisten kann. Auch wenn es sich dabei nicht unbedingt um eine Sühne im christlichen Sinn handelt, ist ohne das theologische Konzept der Sühne dieser Aspekt des Romans nicht zu verstehen.</p>
<h2>2. Die Suche nach Gerechtigkeit</h2>
<p>Wie an den bisherigen Beispielen bereits gezeigt, ist auch das Streben nach Gerechtigkeit ein Kernthema des Kriminalromans. So stellt sich in Krimis nicht selten die Frage, inwieweit menschliche Justiz tatsächlich in der Lage ist, Gerechtigkeit herzustellen. Vom moralischen Standpunkt aus betrachtet, fällt das Urteil dabei oft ganz anders aus als von der Richterbank. Und aus der Sicht einer göttlichen Gerechtigkeit erscheint der Fall vielleicht nochmals in einem anderen Licht.</p>
<p>Am prominentesten wird die Frage nach Gerechtigkeit in Gerichtskrimis verhandelt. Denn darin wird ein begangenes Verbrechen vor den Augen der Leserschaft rekonstruiert und einer juristischen, nicht selten aber auch einer moralischen und sogar einer metaphysischen Bewertung unterzogen. Das zeigt sich nicht nur in den bereits erwähnten Kriminalfällen, von denen Ferdinand von Schirach erzählt, sondern beispielsweise auch in dem 1997 erschienene Roman <strong><em>Die Hauswaffe</em></strong> der südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgerin <strong>Nadine Gordimer</strong>. Gegenstand des Romans ist die Mordtat des jungen Duncan Lindgard. Er hat seinen Mitbewohner Carl erschossen, nachdem er diesen mit seiner Freundin in flagranti ertappt hatte. Die im Zuge der Gerichtsverhandlung zu klärende Frage nach der Schuld ist im Roman allerdings nicht auf den Täter begrenzt. Sie bezieht vielmehr sein familiäres und gesellschaftliches Umfeld mit ein. Beispielhaft dafür steht die titelgebende „Hauswaffe“ – eine Pistole, die zum Schutz gegen Einbrecher ungesichert in der Wohnung des Opfers lag. Durch sie ist die scheinbar private Gewalttat in den von Gewalt geprägten Alltag im Südafrika der 90er-Jahre eingebettet. Unter Berücksichtigung mildernder Umstände lässt der Richter am Ende des Prozesses „ein gewisses Maß an Gnade walten“ (S. 341) und verurteilt den Angeklagten am Ende zu sieben Jahren Gefängnis, nach Einschätzung seines Verteidigers das „denkbar mildeste Urteil“ (S. 342).</p>
<p>Das Wort „Gnade“ ist ein Hinweis darauf, dass bei der Urteilsfindung die Frage der Gerechtigkeit nicht nur aus einer juristischen und moralischen Perspektive, sondern auch vor einem theologischen Hintergrund beleuchtet wird. So erscheint der vorsitzende Richter dem Vater des Täters auch schon während der Verhandlung wie ein „Stellvertreter des Gottes der Gerechtigkeit“ (S. 325), ja, als eine „Richter-Gottheit“ (S. 306). Im Gerichtsgebäude, das im Roman als „weltliche Kathedrale“ eingeführt wird, findet somit nicht nur ein juristischer Prozess, sondern auch eine Verhandlung über Gerechtigkeit überhaupt statt. Nach biblischem Verständnis ist Gott der gerechte Richter, der unabhängig von allen menschlichen Verurteilungen seine Urteile fällt und damit Gerechtigkeit in einem Sinne herstellt, wie sie von Menschen nicht zu schaffen ist. In der Perspektive von Duncans Vater wird die Szene im Gerichtssaal mit dem „gnädigen“ Urteil auf diese transzendente Wirklichkeit hin durchsichtig.</p>
<p>Allerdings – und das darf nicht übersehen werden: Gordimers Roman liefert diese Sichtweise als Interpretation aus dem Blickwinkel <em>eines</em> Protagonisten und stellt sie im gleichen Atemzug auch wieder in Frage: Denn für Duncans Vater ist der Gerichtsprozess, den er verfolgt, zugleich eine Inszenierung, die aufgeführt wird wie „ein Drama“ (S. 316), eine „Theateraufführung“ (S. 298). Folglich kann man in dem gnädigen Richter am Ende nicht nur einen Vorschein göttlicher Gerechtigkeit sehen, sondern auch einen bloßen „deus ex machina“, also das plötzliche Auftauchen einer rettenden Theater-Gottheit, das sich nicht einer metaphysischen Macht, sondern nur einer ausgefeilten Romanmaschinerie verdankt.</p>
<h2>3. Der Kampf zwischen Gut und Böse</h2>
<p>Das dritte große Thema, das Bibel und Krimi verbindet, ist der Kampf zwischen Gut und Böse, im Fall des Krimis: der Kampf eines „guten“ Ermittlers gegen das „böse“ Verbrechen. Dieser Antagonismus verweist auf einen metaphysischen Kampf, wie er in vielen religiösen Narrativen zu finden ist. In der Bibel findet er auf einer kosmischen Ebene statt: Der Satan tritt als Gegenspieler Gottes auf, der die Menschen zur Sünde verleitet. In der Offenbarung des Johannes wird dieser Kampf am Ende des Neuen Testaments auf die Spitze getrieben: Die apokalyptischen Visionen erzählen von einem letzten Gefecht zwischen Christus und dem Antichristen, zwischen den Mächten des Lichts und den Mächten der Finsternis. In gewissem Sinne ist dies der ultimative Krimi: Es geht um das größte aller Verbrechen – die Rebellion gegen Gott – und das endgültige Gericht, das alles in eine ewige Ordnung bringt. Die biblische Erzählung ist dabei radikaler als viele Krimis, weil es nicht nur um individuelle Schuld geht, sondern um die Grundsatzfrage: Wird das Gute siegen?</p>
<p>Ähnlich drastisch tobt der Kampf zwischen Gut und Böse in <strong>Volker Kutschers</strong> Krimiserie um den Kommissar Gereon Rath im Berlin der 30er Jahre. Die Verfilmung der Bücher trägt nicht zufällig den Titel <strong><em>Babylon Berlin</em>.</strong> Dies stellt Berlin in einer Reihe mit dem biblischen „Sündenbabel“, der antiken Stadt Babylon, die in der Offenbarung des Johannes auch die „Hure Babylon“ genannt wird. „Dieses Berlin ist ein Moloch; Sünde, Korruption und Gewalt lauern, wie im Mythos um die biblische Stadt, hinter jeder Ecke“, deutet Jens Balkenborg in seiner Filmrezension die biblische Anspielung (Jens Balkenborg: <em>Babylon Berlin: Tanz auf dem Vulkan</em>. In: <em>epd Film,</em> 4. Oktober 2017). In dieser Situation steht die Berliner Polizei der Berliner Unterwelt wie in einem kosmischen Kampf gegenüber. Noch deutlicher zeichnet sich das Böse aber von Band zu Band der Romanreihe in Gestalt des heraufziehenden Nationalsozialismus ab. Recht und Gerechtigkeit, die im Romanzyklus durch die Preußische Polizei und das Preußische Justizwesen verkörpert werden (so ambivalent auch deren Protagonist Gereon Rath als einzelne Person erscheint), werden dadurch immer mehr geschwächt. Hier spielt sich ebenfalls ein fast apokalyptischer Kampf zwischen Gut und Böse auf gesellschaftlicher und politischer Ebene ab.</p>
<p>In einigen Kriminalromanen wird der Kampf zwischen Gut und Böse auf einzelne Protagonisten zugespitzt, wie z.B. mit Sherlock Holmes und seinem Gegenspieler Moriarty in den Erzählungen von Arthur Conan Doyle. In der deutschsprachigen Literatur ist dafür der Roman <strong><em>Der Richter und sein Henker</em></strong> (1952) von <strong>Friedrich Dürrenmatt </strong>ein besonders gutes Beispiel. In diesem Klassiker des modernen Krimis treffen wir den sterbenskranken Kommissar Bärlach, der den Verbrecher Gastmann zur Strecke bringen will. Er wird vorgestellt als Polizist, den „das Böse immer wieder in seinen Bann gezogen“ hat, als „das große Rätsel, das zu lösen ihn immer wieder aufs Neue verlockte“. Sein Antagonist Gastmann hingegen verkörpert den Typus des skrupellosen Spielers, der das Böse nicht aus einer bestimmten Absicht, sondern aus einer zufälligen Laune und intellektueller Arroganz heraus verübt: In einer mehr als vierzig Jahre zurückliegenden Nacht hat er in mephistophelischer Manier Bärlach eine Wette angeboten – nämlich dass er in der Lage sei, „Verbrechen zu begehen, die nicht erkannt werden können“. Seither verübt er immer kühnere, wildere, blasphemischere Untaten, ohne dass Bärlach ihm diese nachweisen könnte. Diese langjährige Rivalität zwischen den beiden Hauptpersonen wird im Laufe der Romanhandlung mehr und mehr symbolisch aufgeladen. Gastmann erscheint als der „Teufel in Menschengestalt“, während Bärlach zum titelgebenden „Richter“ wird, der als Kämpfer für die Idee der Gerechtigkeit seinen Gegner zur Rechenschaft ziehen will. Aber auch er überschreitet moralische Grenzen, indem er einen anderen Polizisten als „Henker“ missbraucht und Gastmann am Ende ironischerweise für ein Verbrechen büßten lässt, das dieser gar nicht begangen hat.</p>
<p>Dürrenmatt inszeniert in seinem Roman somit nun nicht nur die Macht des Bösen, sondern stellt auch in Frage, ob das Böse durch menschliche Gerechtigkeit tatsächlich besiegt werden kann. Der Konflikt zwischen moralischem Gesetz und Nihilismus wird in der Auseinandersetzung der beiden Protagonisten so symbolisiert, dass darin der große „übermenschliche“ Kampf zwischen Gut und Böse durchscheint.</p>
<h2>Conclusio</h2>
<p>Die Beispiele haben gezeigt, dass Kriminalgeschichten bis zum heutigen Tage vielfach von biblischen Motiven durchzogen sind, ob es sich dabei nun um bewusste Anspielungen oder unbewusst übernommene Traditionen handelt. Auch wenn diese von einer immer „bibelferneren“ Leserschaft nicht mehr durchgehend erkannt werden, bleiben sie gleichwohl prägend. So scheint in der Kriminalliteratur unserer Tage das biblische Erbe weiterhin durch.</p>
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		<title>Teils topmodern, teils angestaubt</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/zur-lage-der-weltlaeden-in-deutschland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christoph Albuschkat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 14:45:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Dritte Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Dritte-Welt-Läden]]></category>
		<category><![CDATA[Eine-Welt-Läden]]></category>
		<category><![CDATA[Fairer Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltläden]]></category>
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					<description><![CDATA[Im vergangenen Jahr konnten die Weltläden in Deutschland ihren 50. Geburtstag feiern. Dass es heute bundesweit mehr als 930 Weltläden gibt, ist eine grandiose Erfolgsgeschichte. Doch als eine in die Jahre gekommene Organisation haben die Weltläden auch mit Herausforderungen zu kämpfen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im vergangenen Jahr konnten die Weltläden in Deutschland ihren 50. Geburtstag feiern. Dass es heute bundesweit mehr als 930 Weltläden gibt, ist eine grandiose Erfolgsgeschichte. Doch als eine in die Jahre gekommene Organisation haben die Weltläden auch mit Herausforderungen zu kämpfen.</p></blockquote></div>
<p>Die Weltläden sind die größte und älteste entwicklungspolitische Bewegung in Deutschland. Diese ist allerdings in der jüngeren Zeit ein Stück weit aus dem Licht der Öffentlichkeit gerückt. Um dem entgegenzuwirken hat der Weltladen-Dachverband vor zwei Jahren das Projekt „Weltläden neu erzählen“ ins Leben gerufen. Es hat zum Ziel, den Markenkern der Weltläden inhaltlich und optisch prägnanter zu gestalten und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu stärken. Rainer Lang sprach mit Christoph Albuschkat von der Öffentlichkeitsarbeit des Weltladen-Dachverbandes über den Fortschritt des Projekts sowie über Herausforderungen und Zukunft der Weltladen-Bewegung.</p>
<p><strong>Die Weltläden haben vor einem Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert. Wie sieht ihre Zukunft aus?</strong></p>
<p>Albuschkat: Wir leben in Zeiten von schweren Krisen, was sicherlich Auswirkungen auf den Fairen Handel und die Weltläden hat. Aber unsere Wahrnehmung ist, dass die Weltläden erstaunlich gut durch diese Krisen kommen. Während der Coronapandemie befürchteten wir, dass viele Weltläden schließen müssen, weil hier vor allem ältere Menschen arbeiten. Aber sie haben sich mit viel Kreativität erstaunlich schnell auf die neuen Bedingungen eingestellt und auch den notwendigen Schritt zur Digitalisierung während der Kontaktsperren schnell gemacht.</p>
<p><strong>Dann brauchen Sie sich jetzt keine Sorgen zu machen?</strong></p>
<p>C.A.: Es machen immer wieder Weltläden zu, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel wurden jetzt dem Geschäft in Wiesbaden die Räumlichkeiten gekündigt. Aber uns stimmt optimistisch, dass laut den Zahlen, die uns vorliegen und bei denen wir davon ausgehen, dass sie repräsentativ sind, es in den letzten zehn Jahren mehr Eröffnungen als Schließungen gab. So stehen 64 Eröffnungen nur 40 Schließungen gegenüber. Der konventionelle Einzelhandel ist von der Krise unserer Beobachtung nach wesentlich stärker betroffen.</p>
<p><strong>Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?</strong></p>
<p>C.A.: Ein Grund ist sicher, dass die Menschen, die in Weltläden arbeiten, viel Leidenschaft und Herzblut mitbringen. Rund 90 Prozent der Menschen arbeiten ehrenamtlich dort, viele engagieren sich seit Jahrzehnten. Ein Beispiel für das Engagement ist Aachen. Dort musste der Weltladen Anfang des Jahres schließen, weil sich die Besucherströme verändert hatten. Vor kurzem gab es eine Neueröffnung in der Fußgängerzone. Die Menschen lassen sich nicht unterkriegen. Das ist ein starkes Pfund der Weltladen-Bewegung und Ausdruck von Herzblut und Kreativität.</p>
<p><strong>Der erste Weltladen wurde übrigens in Stuttgart gegründet. In der City ist dort schon vor einigen Jahren ein neuer attraktiver Laden entstanden mit einem modisch ansprechenden und zeitgemäßen Angebot. Dagegen wirkt in den Vororten oder in ländlichen Regionen mancher Weltladen doch etwas angestaubt.</strong></p>
<p>C.A.: Diese Beobachtung ist durchaus zutreffend. Es gibt mehr als 930 Weltläden in Deutschland. Alle sind sehr unterschiedlich. Manche scheinen in den 80er Jahren stehen geblieben zu sein, andere sind super modern, mit ganz normalen Öffnungszeiten und tollen Produkten. Die Spannbreite ist sehr groß.</p>
<p><strong>Was tun Sie, um Weltläden auf dem Weg der Modernisierung zu unterstützen?</strong></p>
<p>C.A.: Schon Ende der 90er Jahre haben wir begonnen, den Prozess der Modernisierung und Professionalisierung einzuleiten. Es gab um 2005 auch ein großes von der Bundesregierung gefördertes Modernisierungsprojekt. Es ging dabei um ein einheitliches Logo, einheitliche Farbe und Schrift sowie eine attraktive Ladengestaltung. Das waren wichtige Impulse. Seit diesem Jahr bieten wir Weltläden unter dem Namen „Weltläden neu erzählen“ Kommunikationshilfen an, mit denen sie die Öffentlichkeit besser erreichen können – gerade auch junge Menschen. Wir ermutigen Weltläden auch, mehr hauptamtliche Stellen einzurichten. Es ist eine Wende, die man hinbekommen muss.</p>
<p><strong>Wie sieht diese konkret aus?</strong></p>
<p>C.A.: Es geht um einen Bewusstseinswandel – sowohl bei den Mitarbeitenden, aber auch bei der Kundschaft. Im Fairen Handel geht es nicht um Mildtätigkeit oder Hilfe, sondern schlicht und einfach um Gerechtigkeit. Mit ihren tollen Produkten müssen sich Weltläden auch nicht verstecken, sondern sich als attraktive Fachgeschäfte für Fairen Handel präsentieren. Das nutzt letztlich auch den Produzenten, ihre Produkte besser zu verkaufen.</p>
<p><strong>Und wie ist es mit dem Personal? Im Weltladen arbeiten vor allem ältere Menschen.</strong></p>
<p>C.A.: Das hohe Durchschnittsalter ist wohl die größte Herausforderung für die Weltladen-Bewegung. Wir haben das im Dachverband auf dem Schirm. Wir bieten Fortbildungen an, um Weltläden bei der Suche nach neuen und jüngeren Mitarbeiter*innen zu begleiten.</p>
<p><strong>Sind nicht auch Supermärkte und Discounter, die immer mehr Produkte aus Fairem Handel anbieten, eine große Konkurrenz?</strong></p>
<p>C.A.: Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor mehr als 30 Jahren hat diese eingesetzt. Das trägt eher dazu bei, faire Produkte bekannter zu machen. Zwischen 30.000 und 40.000 Supermärkte und Discounter bieten inzwischen ein eingeschränktes Sortiment fair gehandelter Waren an. Problematisch wird es nur, wenn dort die Angebote wesentlich günstiger sind als im Weltladen. Denn es steckt eine andere Philosophie dahinter. Weltläden bieten die breiteste Auswahl fair gehandelter Produkte und leisten außerdem noch Bildungsarbeit und politische Arbeit.</p>
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