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	<title>Bibel und Bild &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>Bibel und Bild &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Der Mond bleibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabrina Fabian]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:31:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Beständigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Mond]]></category>
		<category><![CDATA[Verlässlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>
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					<description><![CDATA[Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer. (Hebr 13,8)</p></blockquote></div>
<p>Obwohl ich jedes Mal scheitere, knipse ich immer ein Bild, wenn mich der Mond besonders beeindruckt. In dieser Juni-Nacht um 22:52 Uhr lief es wie schon so viele Male: Ich erinnere mich an das intensive Tintenblau des Himmels, den Kontrast der Wolken, die vom am Mond abprallenden Licht konturiert wurden, und an diesen klaren Himmelskörper, auf dem sich selbst die Krater abzeichneten. Auf meiner Fotografie ist nichts davon gelandet. Weder die beeindruckenden Farben noch die starken Kontraste. Wenn ich das Bild ansehe, dann frage ich mich heute, ob ich da Mond oder Sonne fotografiert habe. Das Naturschauspiel, das sich mir geboten hat, konnte ich nicht verewigen. Ich konnte es nicht einfangen für einen unbestimmten Moment in der Zukunft, in dem ich mich wieder so ergriffen fühlen möchte.</p>
<p>Eine Moment-Aufnahme muss eben im Moment passieren, ein Moment kann nicht konserviert werden für später. Und doch versuche ich immer wieder, solche Mond-Momente festzuhalten. Ertappt denke ich beim Scheitern an die Anekdote von einem Mönch, dem es gelingt, immer im Moment zu leben. Wenn er isst, isst er. Wenn er geht, geht er. Wenn er sitzt, sitzt er. Nichts anderes. Mit Blick auf seine ständig beschäftigten Zeitgenossen soll er gesagt haben: „Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr geht, seid ihr schon angekommen; wenn ihr sitzt, dann strebt ihr schon weiter; wenn ihr schlaft, dann seid ihr schon beim Erwachen; wenn ihr esst, dann seid ihr schon fertig; wenn ihr trinkt, dann kostet ihr nicht genug; wenn ihr sprecht, dann antwortet ihr schon auf Einwände; wenn ihr schweigt, dann seid ihr nicht gesammelt genug.“ Nie im Moment selbst sein und immer auf den nächsten Moment fokussiert. Darin sah der Mönch eine Gefahr: Wer sich nicht auf das Jetzt konzentriert, der ist nicht achtsam. Der erfasst weder, was seine Umwelt braucht, noch was er selbst braucht. Der kriegt nichts mit, der lebt nicht. Der empfängt nicht. Der erlebt nicht. Der speichert nur ab für später.</p>
<p>Dabei ist das gerade beim Mond besonders unnötig. Es gab ihn schon lange, bevor ein Mensch ihn bestaunen konnte, es wird ihn auch noch geben, wenn wir von der Erdoberfläche einmal verschwinden. Dieser Mond wird mir noch viele zauberhafte Sommernächte bescheren. Darauf vertrauen, den Moment genießen – das ist die Devise des Augenblicks, anstatt am Handy zu sein, zu <em>zoomen</em> und Kameraeinstellungen auszuprobieren.</p>
<p>Etwas ähnliches sagt der Hebräerbrief über Christus: „Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer.“ (Hebr 13,8) Darauf vertrauen und auf dieser Basis leben, das gelingt mir auch nicht immer. Ich mache mir Sorgen, verfolge Pläne, lege Sicherheitsnetze an, und verpasse dadurch, mich von dem Leben, das gerade stattfindet, berühren zu lassen.</p>
<p>Aber seitdem mir diese Parallele zwischen Mond und Jesus aufgefallen ist, erinnert mich auch immer mal wieder der Nachthimmel daran: Er ist derselbe, gestern und heute und für immer. Mond wie Jesus. Darauf kann ich vertrauen.</p>
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		<title>Polarlichter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sandra Golenia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 20:11:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 1, Januar 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[König David]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Polarlichter]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
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					<description><![CDATA[„Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Sam 16,7)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Sam 16,7)</p></blockquote></div>
<p>„In Teilen Deutschlands gibt es derzeit gute Bedingungen, um Polarlichter zu sehen.“, so verlauten die Nachrichten. Polarlichter, denke ich, wow! Die sieht man normalerweise nur nördlich des Polarkreises, jenseits des 66. Breitengrads. Nicht knapp über dem 53., wo ich wohne. „Es wird empfohlen, sich in ländlichen Regionen zu begeben.“, heißt es weiter. Check, ländlicher als ich kann man eigentlich kaum wohnen. Wolken? Auch keine am Himmel.</p>
<p>So ziehe ich frohen Mutes und ein wenig abenteuerlustig am späten Abend los auf die letzte Gassi-Runde. Ich schaue gespannt in den Himmel, Schritt für Schritt aufgeregter. Doch ernüchtert stelle ich fest: Nichts – und drehe um. Kurz bevor ich die letzte, dunkelste Passage beende, fällt es mir ein: Habe ich nicht irgendwo gehört, dass man durch Kameras mehr sieht von diesem Ereignis?</p>
<p>Das Bild, das ich an diesem Abend machte, erinnert mich an einen Vers aus der Bibel: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ Das sagt Gott zum Propheten Samuel. Den schickte Gott nach Bethlehem zu Isai, um dort einen neuen König zu salben. Denn der bisherige König Saul hatte sich von Gott entfremdet.</p>
<p>Samuel sieht nacheinander die älteren Söhne Isais – kräftig, stattlich, königstauglich der Erscheinung nach. Schon bei Eliab, dem Ältesten, denkt Samuel sofort: „Das muss er sein.“ Doch genau hier sagt Gott den Satz: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ Gottes Wahl richtet sich nicht nach äußeren Kriterien – Rang, Kraft, Aussehen, Alter. Gott sieht, was wir nicht mit bloßem Auge sehen können. Deshalb wählt Gott David, den jüngsten Bruder, zum König.</p>
<p>Gott sieht anders. Gott sieht uns anders. Dabei sieht Gott nichts, was nicht da ist. Im kleinen David steckte damals schon mehr, als alle dachten. Und dabei übersieht Gott nichts: David ist nicht perfekt, nicht nur Lichtfigur des Glaubens. Bei ihm strahlt Mut, Musik, Gebet – aber auch Macht, Gewalt, Begehren und Schuld. Auch das sieht Gott und salbt ihn trotzdem zum König.</p>
<p>Vielleicht ist das mit den Polarlichtern wirklich gar kein schlechtes Bild dafür. Weil unsere Augen manchmal wenig oder gar nichts sehen, manchmal Hilfsmittel brauchen. Und doch mehr da ist, als wir ahnen. Gottes Blick sieht das Ganze: Licht und Schatten, Begabung und Bruch, Stärke und Angst. Gott übergeht nicht das Dunkle – aber lässt sich davon auch nicht abhalten.</p>
<p>Weil auch Polarlichter erstmal romantisch anmuten, aber aus Kräften entstehen, die eigentlich gefährlich sein könnten. Erst durch Schutz werden sie zu Farbe und Bewegung. Auch der kleine David war später kein harmloser Held. Gott sieht beides. Und verwirft nicht das eine aufgrund des anderen.</p>
<p>Die Kamera hat mir mehr gezeigt als meine Augen sehen konnten. Beim Herzen übe ich noch. Und bin froh, dass Gottes Blick schon immer weiter reicht – und ich nichts verstecken kann und muss.</p>
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		<title>Wie ein Durchschnittstyp mit Ecken und Kanten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannah Bick]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:05:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Menschensohn]]></category>
		<category><![CDATA[Skulptur]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ (Mt 16,13)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ (Mt 16,13)</p></blockquote></div>
<p>Ich komme aus einer Kleinstadt in Nordhessen. Das schöne Bebra ist besonders als Eisenbahnerstadt bekannt und trägt seinen Namen aufgrund von hohen Biberpopulationen in vergangener Zeit. Getauft wurde ich in der Auferstehungskirche zu Bebra, von einem Pfarrer, der gerade zur Zeit meiner Taufe neu in unsere Gemeinde kam. Er war ein bisschen anders als die bisherigen Pfarrer. Er tanzte eher aus der Reihe und versuchte die Kirche als einen freien Ort für alle neu zu beleben und zu öffnen. Seine Arbeit stand unter dem Motto: „Gemeindearbeit ist etwas Gemeinsames!“ Mal spielte er in der Kirche Fußball, mal tanzte er wortwörtlich durch das große Kirchenschiff.</p>
<p>Im Laufe seiner Zeit in unserer kleinen Gemeinde schaffte er eine Jesusskulptur an. Ein Jesus aus Holz, angefertigt von einem hessischen Tischler. Dieser Jesus ist nicht glattpoliert, er hat Ecken und Kanten. Das Holz der Skulptur hat einen großen Riss, der sich durch den Kopf Jesu zieht. Er trägt Jeans und T-Shirt und saß von nun an neben unserem Altar. Er ist ein lässiger Typ, ähnlich wie unser Pfarrer. Er sitzt gemütlich auf dem Boden und wenn ich nicht wüsste, wer er ist, könnte er doch wirklich jeder sein. Jesus ein junger Mann, in einer großen Menschenmenge vielleicht gar nicht zu erkennen. Er sieht aus wie der Durchschnittstyp schlechthin und könnte mir überall begegnen. Er ist einer von uns.</p>
<p>Und Jesus fragte: „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“</p>
<p>Beim Nachdenken über „meinen persönlichen“ Jesus, hatte ich direkt das Lied von <em>Depeche Mode „Personal Jesus“</em> im Ohr. Vielleicht geht es gar nicht darum, wer die Leute sagen, dass der Menschensohn sei, vielleicht geht es mehr darum zu fragen, was der Menschensohn sei? Vielleicht geht es darum zu fragen, was Jesus für mein Leben und Handeln bedeutet.</p>
<p>Auf einer Hochzeit lerne ich nachts um halb vier Angie kennen, die Mutter des Bräutigams. Eine fränkische Frau mit einem großen Herz. Angie übt sich darin, jeden zu lieben und bei der Frage danach, wie sie das eigentlich macht, erzählt sie von dem Gottesfunken, der in jedem von uns steckt, der einen dazu befähigt, neu denken zu lernen, der einen dazu befähigt, immer wieder zu lieben und durch das erneute und neue Betrachten vom Leben und seinen Mitmenschen, Liebe zu schenken. Das geht und gilt ganz sicher nicht immer. Aber vielleicht ist es unter anderem das, was Jesus uns lehren will: Umdenken, üben, neu betrachten und lieben lernen.</p>
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		<title>Leuchtturm der Verbundenheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Vecera]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:10:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Menschlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ubuntu]]></category>
		<category><![CDATA[Verbundenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[„Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie.” (1. Korinther 12,12-13)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie.” (1. Korinther 12,12-13)</p></blockquote></div>
<p>Der rot-weiße Leuchtturm auf Ameland steht für mich wie ein alter Freund in der Dünenlandschaft der niederländischen Nordseeküste. Seit meiner Kindheit zieht er mich magisch an – damals an der Hand meiner Großeltern, heute mit meinen eigenen Kindern. Dieser Ort ist mehr als ein Urlaubsziel; er ist ein Ort der Verbundenheit, der mich an eine schöne Kindheit und an geliebte Menschen erinnert, die heute nicht mehr da sind.</p>
<p>Wenn ich den Leuchtturm betrachte, denke ich auch an die afrikanische Philosophie des Ubuntu: „Ich bin, weil wir sind.” Diese Weisheit durfte ich in Südafrika erleben, einem Land, das mich mit seiner Geschichte tief berührt hat. Dort traf ich Menschen, die Ubuntu lebten. Es bedeutet Menschlichkeit und ist die Erfahrung, dass wir alle Teil eines Ganzen sind. Dabei ist mir bewusst, dass diese Verbindung zwischen einem niederländischen Leuchtturm und südafrikanischer Philosophie nicht unproblematisch ist. Die Niederlande waren Kolonialmacht am Kap, und die Geschichte der Apartheid ist auch eine Geschichte europäischer Unterdrückung. Ubuntu als Widerstandsphilosophie gegen genau diese koloniale Gewalt zu romantisieren, wäre ignorant. Vielmehr fordert mich diese Spannung heraus: Wie kann ein Symbol aus einem Land, das historisch an Unterdrückung beteiligt war, zu einem Zeichen der Befreiung werden?</p>
<p>Der Leuchtturm verkörpert dieses Ubuntu-Prinzip auf wunderbare Weise – und vielleicht gerade deshalb, weil er uns zur Umkehr einlädt. Er steht nicht isoliert, sondern dient der Gemeinschaft. Sein Licht unterscheidet nicht zwischen den Schiffen – es leuchtet für alle gleich, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität. Wie eine mütterliche Beschützerin ist er bedingungslos für alle da. In dieser radikalen Inklusivität liegt seine Kraft: Er wird zum Symbol einer Gesellschaft und Kirche, die Ubuntu nicht nur predigt, sondern lebt.</p>
<p>Paulus’ Worte über den Leib Christi spiegeln diese Ubuntu-Spiritualität wider. Für den Leuchtturm sind wir alle verschieden und dennoch verbunden. Das wünsche ich mir im Prinzip auch für die Kirche, als Ort, wo Ubuntu gelebt wird: verwurzelt in der Gemeinschaft und Licht für alle spendend. In einer Zeit, in der Spaltungen und Vorurteile zunehmen, brauchen wir diese Vision der Verbundenheit. Der Leuchtturm von Ameland erinnert mich daran, dass wahre Kirche wie Ubuntu funktioniert – als Gemeinschaft, die teilt, zusammen weint und lacht. Aber er mahnt auch zur Ehrlichkeit über die Schatten der Vergangenheit. Nur wer die kolonialen Verstrickungen anerkennt, kann authentisch von Befreiung sprechen. So wird der Leuchtturm zum Zeichen der Umkehr: von der Herrschaft zur Geschwisterlichkeit, von der Ausgrenzung zur radikalen Inklusion. Er wird zum Licht für alle – nicht trotz, sondern wegen seiner komplexen Geschichte. Und er lädt uns ein, es ihm gleich zu tun.</p>
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		<title>Sich-Festmachen an Gott</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Brand]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 14:10:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Halt]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Klettern]]></category>
		<category><![CDATA[Zuversicht]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. (Ps 63,9)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. (Ps 63,9)</p></blockquote></div>
<p>Wer klettert, weiß, wie herausfordernd es sein kann, sich an einer steilen Felswand nach oben zu bewegen. Der Blick nach unten kann Angst machen. Der Weg nach oben verlangt Mut, Kraft und Vertrauen. Halt ist nicht immer sofort sichtbar und ebenso wenig spürbar. Man tastet sich langsam voran, sucht nach kleinen Vorsprüngen in der Felswand, an denen man sich festhalten und hochziehen oder auf die man sich stützen und hochdrücken kann. Jeder Tritt, jeder Griff ist ein Wagnis. Doch an bestimmten Punkten auf der Kletterroute gibt es Sicherungen. Es sind kleine Metallringe, an denen man einen Karabinerhaken befestigen kann. Und wer sich dort mit einem Karabinerhaken eingehängt hat, weiß: „Jetzt bin ich sicher. Auch wenn ich stürze, stürze ich nicht ab, sondern bin gehalten.“ Diese Gewissheit schenkt neue Zuversicht und neuen Mut, weiter zu klettern, nach oben zu schauen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.</p>
<p>Dieses Bild vom Karabinerhaken beim Klettern lässt sich auch auf den Glauben übertragen. Auch der Glaube schenkt Halt – manchmal gerade dann, wenn der Boden unter unseren Füßen brüchig wird und wir zu fallen drohen. Wenn Lebenswege steil und unübersichtlich werden, wenn wir uns in Unsicherheit verlieren oder keinen festen Griff mehr finden, gerade dann kann der Glaube Halt geben. Der Glaube trägt durch Zeiten der Angst, durch Täler der Erschöpfung und durch Phasen, in denen wir nicht weiterwissen. Der Glaube trägt aber auch in Zeiten der Freude und des Gelingens. Im Glauben mache ich mich fest an Gott: nicht nur in einem bestimmten Aspekt, sondern in meinem ganzen Dasein. Ich verlasse mich darauf, dass Gottes Hand hält. In dieser Verbindung liegt eine Kraft, die trägt, auch wenn eigene Kräfte schwinden. Es ist ein Gehaltensein, das nicht von meiner eigenen Stärke oder Schwäche abhängt.</p>
<p>In Psalm 63 heißt es: „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Ps 63,9). Glaube ist nicht nur ein Fürwahrhalten, sondern ein Sich-Festmachen. Glauben heißt, Gott vertrauen und auf ihn seine Zuversicht setzen. Martin Luther hat es so ausgedrückt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Im Vertrauen gleicht das Herz einem Karabinerhaken, das sich fest an Gott macht. Dieses <em>extra nos</em> des Glaubens, das Sich-Herauswagen aus sich selbst hin zu Gott, verhilft dazu, sich selbst neu zu spüren und neue Kraft zu erfahren.</p>
<p>Glauben bedeutet aber nicht, dass es keine Zweifel oder Sorgen mehr gibt. Oft genug scheint die eigene Lebenserfahrung der Zuversicht des Glaubens zu widersprechen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen wir nach Orientierung und Halt suchen, in denen wir nicht weiterwissen oder ins Leere greifen. Der Glaube ist dann nicht die Abwesenheit von Zweifeln, sondern das Vertrauen darauf, dass Gott trotz allem bei mir ist. Auch wenn ich kraftlos bin, trägt mich seine starke Hand: „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Ps 63,9).</p>
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		<title>Tauferinnerung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Berger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:20:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Jordantaufe]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>
		<category><![CDATA[Tauferinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Taufstelle Jesu]]></category>
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					<description><![CDATA[An der Taufstelle „Yardenit“ am Jordan nahe des See Genezareth erinnern sich täglich Pilgerinnen und Pilger an ihre Taufe oder lassen sich taufen. Es ist eine idyllische Anlage. Ein Fluss, der je nach Jahreszeit mehr oder weniger Wasser führt, die Hänge bepflanzt mit bunten Blumen und allerlei schattenspendenden Bäumen. Für die Tauferinnerungsfeste und die Taufen sind kleine Bereiche abgeteilt, mit je eigenem Zugang zum Fluss.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20)</p></blockquote></div>
<p>Mit Erinnerungen ist es so eine Sache. Wir erinnern viel Schönes, aber oftmals auch vieles, was uns gar nicht gut tut. Was dieser damals sagte und wie jene uns damals nicht beachtete. Wie jene Situation eskalierte und wie enttäuscht wir damals waren. Viele Erinnerungen tragen wir als Ballast mit uns herum und obwohl wir wissen, dass uns diese Erinnerungen gar nicht gut tun, werden wir sie nicht los. Heilsam ist es da, wo wir verzeihen und vergessen können, weil dann ein Neuanfang möglich ist und Wunden heilen können.</p>
<p>An der Taufstelle „Yardenit“ am Jordan nahe des See Genezareth erinnern sich täglich Pilgerinnen und Pilger an ihre Taufe oder lassen sich taufen. Es ist eine idyllische Anlage. Ein Fluss, der je nach Jahreszeit mehr oder weniger Wasser führt, die Hänge bepflanzt mit bunten Blumen und allerlei schattenspendenden Bäumen. Für die Tauferinnerungsfeste und die Taufen sind kleine Bereiche abgeteilt, mit je eigenem Zugang zum Fluss. Ein gut durchdachter Laden, in dem sich allerlei als Mitbringsel und Erinnerungsstück kaufen lässt.</p>
<p>Natürlich ein großer Kontrast zu der Taufstelle an der Jesus sich vor 2000 Jahren von Johannes dem Täufer taufen ließ und doch ist da etwas, was das damals und das heute verbindet.</p>
<p>Wir taufen, gleich an welchem Ort auf der Welt, weil das Taufen eine lange Tradition hat. Jesus wurde selbst getauft und dann hat er uns dazu aufgefordert auch zu taufen. So heißt es im Taufbefehl, wie ihn Matthäus aufgeschrieben hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“</p>
<p>Und dann kommt das, woran wir uns als Getaufte immer erinnern können und sollen: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Was für eine Zusage, was für ein Versprechen.</p>
<p>Das ist es, worauf es ankommt. Dass unser Dreieiniger Gott immer bei uns ist. Alle Tage. Täglich, stündlich, minütlich, sekündlich. Immer. Und sogar dann, wenn die Welt einmal zu Ende geht. Wenn wir uns daran erinnern, in den guten und den schweren Momenten unseres Lebens, dann können wir alles in einem anderen Licht betrachten. Mit seiner Hilfe, ist es auch möglich, dass wir schlechte Erinnerungen verarbeiten und dann vergessen können. Weil seine Liebe und Zuwendung zu uns alles andere relativiert.</p>
<p>Wir müssen nicht bis zum Jordan reisen, um uns an unsere Taufe zu erinnern. Das geht immer und überall. Vielleicht auch mit den Zeilen des Lieds von Johann Jakob Rambach:</p>
<p>„Ich bin getauft auf deinen Namen,<br />
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;<br />
ich bin gezählt zu deinem Samen,<br />
zum Volk, das dir geheiligt heißt;<br />
Ich bin in Christus eingesenkt,<br />
ich bin mit seinem Geist beschenkt.“</p>
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		<title>Gezählte Tränen</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/gezaehlte-traenen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Natascha D. Gillenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:07:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
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					<description><![CDATA[„Mein Umherirren hast du gezählt: sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du hast sie gezählt.“ (Psalm 56,9)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Mein Umherirren hast du gezählt: sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du hast sie gezählt.“ (Psalm 56,9)</p></blockquote></div>
<p>Rotz und Wasser heulen, sich die Augen aus dem Gesicht weinen, heulen wie ein Schlosshund, flennen, losplärren: Für die großen Emotionen, die sich im Weinen ausdrücken, finden sich in unserer Sprache selten schöne Worte. Weinen ist mit Scham verbunden, und oft genug auch mit Beschämung. Weinen wird in unserer westlichen Kultur nicht selten als „unmännlich“ gebrandmarkt und gilt als Zeichen emotionaler Instabilität und mangelnder Selbstbeherrschung.</p>
<p>Zwar wird zunehmend auch auf TikTok und Co öffentlich geweint – immerhin leben wir, so der Soziologe Andreas Reckwitz, in einer „radikal emotionalisierten“ Kultur –, doch Tränen werden eher im Privaten vergossen, wo niemand außer einem vertrauten Menschen sie zu sehen bekommt. Weinen ist ein intimer Moment, in dem innere emotionale Zustände plötzlich sehr körperlich nach außen auch für andere sichtbar werden. Ein Augenblick höchster Verletzlichkeit für alle Beteiligten.</p>
<p>Und an einen solchen Augenblick erinnert mich auch das Bild. Es zeigt den Ausschnitt eines Frauenantlitzes aus nächster Nähe; die Haut blass, die auffällig langen, geschwungenen Wimpern deutlich betont und in Kontrast zur blassen Haut, der Blick suchend und traurig in die Ferne gerichtet. Auf der Wange glänzt eine fließende Träne. Kunstvoll fängt sie das umgebende Licht ein und bannt den Schmerz, den das Bild ausdrückt, in einen Moment ewigen Stillhaltens. Das Weinen wird hier ästhetisiert und betont, die fließende Träne zum eigentlichen Motiv und Kunstwerk erhoben.</p>
<p>Auch die Bibel hat kein Problem mit Tränen, wie es scheint, und schon gar nicht mit weinenden Männern. In Psalm 56 soll es David selbst sein, der in einer Situation von Verfolgung, Gewalt und Todesangst Tränen der Verzweiflung vergießt. Tränen, die er vor G-tt nicht verbirgt, sondern die er von G-tt ganz ausdrücklich gesehen und anerkannt haben will: „Sammle meine Tränen in deinen Krug“ fordert David G-tt auf. Das hebräische Wort dafür ist נֹאד: ein Schlauch aus Tierhaut, in dem Trinkwasser sicher über weite Strecken transportiert werden kann. Keine Tränen aus (Blatt-)gold, aber doch unendlich wertvoll für den, der sie vergießt. Etwas, das in der gemeinsamen Beziehung zwischen David und G-tt unverzichtbar ist, und das David bei G-tt sicher aufgehoben und bewahrt weiß. „Ohne Zweifel, Du hast sie gezählt.“</p>
<p>David kann in seinem intensiven Gespräch mit G-tt seine Tränen hinhalten und mitgeben. Er weiß seine Erfahrung von Gewalt, von Verlassenheit und Perspektivlosigkeit bei G-tt in sicheren Händen. In seinen Tränen wird bei David etwas lebendig, gerät in Fluss und in Kommunikation mit G-tt. Seine Tränen werden gezählt, sein Schmerz erfährt Anerkennung – von G-tt bei der gemeinsamen Lebensreise sicher erinnert und gehütet.</p>
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		<title>Die geistliche Kraft der Musik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Viertel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 19:53:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Frömmigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.“ (Mt 11,17)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.“ (Mt 11,17)</p></blockquote></div>
<p>Das Bild, das sich früher in der Chiesa di San Giobbe in Venedig befand, wirkt auf den ersten Blick wie ein Wachsfigurenkabinett. Die Figuren passen nicht zueinander, sie sind aus zweitausend Jahren zusammengewürfelt, und ihre Mienen wirken wie erstarrt. Überdies sind mir die Heiligen ganz rechts (Sebastian und Ludwig von Toulouse) als Lutheraner weniger geläufig. Trotz allem geht für mich von dem Bild des Malers Giovanni Bellini eine eigentümliche Faszination aus, und das liegt an der Kraft, die zusammenbindet, was auf den ersten Blick auseinanderfällt. Das Museale der Szenerie wird durch zwei Lichtpunkte durchbrochen: Zum einen ist es Maria mit Jesus im Zentrum, zum anderen die musizierenden Gestalten zu ihren Füßen. Sie sind es, die der angestaubten Menagerie Leben einhauchen.</p>
<p>Um die Situation besser zu verstehen, hilft die Identifikation. Ganz links Franz von Assisi, daneben Johannes der Täufer und Hiob. Das Ensemble erklärt sich historisch, denn Franziskaner hatten die Kirche als Armenhaus gegründet und es Hiob gewidmet, dem Inbegriff aller Kranken und Leidgeprüften. Auf der rechten Seite schließen sich Dominikus, der Gründer des gleichnamigen Ordens, an und die Heiligen. Aber wie kommt der prächtig im Ornat dargestellte Bischof in das Bild? Dieses Detail des Tableaus ist interessant, denn Ludwig wurde auch wegen seines Traktates über die mehrstimmige Musik gerühmt.</p>
<p>Zur Zeit Bellinis war Venedig das unbestrittene Zentrum der Musik. Die venezianischen Schulen erregten in ganz Europa großes Interesse. Wer etwas auf sich hielt, pilgerte nach Venedig oder wurde vom Fürsten geschickt, um bei Monteverdi, Gabrieli und Willaert die Kunst der mehrstimmigen Musik zu erlernen. Das Bild Bellinis ist unter dem Titel <em>Sacra Conversazione</em> bekannt geworden, für eine heilige Unterhaltung wirken die Beteiligten aber zu isoliert. Wie in einer Typologie hat der Maler die Formen der Frömmigkeit aufgereiht: Franziskus wendet sich an ein Publikum, Dominikus hat sich im Buch vertieft, befasst sich mit den Ordensregeln, Johannes konzentriert sich auf Christus, die anderen verharren im Leid, blicken abwesend oder andächtig. Und Maria hebt ihre Hand, als wolle sie um Ruhe bitten. Wenn in diesem Bild überhaupt etwas „unterhaltend“ wirkt, dann ist es die Musik.</p>
<p>Bellini hat mit diesem Bild die geistliche Kraft der Musik festgehalten, bei ihm gibt weder der Chor noch der psalmodierende Liturg den Ton an, sondern drei Instrumentalisten: Zwei Lauten und eine Rebec. Für Johannes Tinctoris, einem Musiktheoretiker dieser Zeit, war gerade die Rebec das bevorzugte Instrument, „weil durch dieselbe mein Geist zum Affekt der Frömmigkeit emporsteigt und mein Herz zur Betrachtung der himmlischen Freuden auf das intensivste“ angespornt wird. Die Musik tröstet, versöhnt, sie überwindet Grenzen, deshalb hebt Bellini sie als zentrale geistliche Kraft hervor. Deshalb stellt er sie in die Tradition der Sacra Conversazione – der heiligen Unterhaltung, die die Frommen verbindet und versöhnt.</p>
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