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	<title>Digitalisierung &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>Digitalisierung &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Wach bleiben, digitale Kirche!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 09:58:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ich an die digitale Kirche denke, dann fällt mir die Snooze-Taste ein. Die digitale Kirche war mal wach, aufgeweckt durch die Covid-Pandemie. So viel war plötzlich möglich, was lange undenkbar war.
Doch jetzt droht sie wieder einzuschlafen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>6:15 Uhr. Unbarmherzig klingelt mein Wecker. Ich drücke auf die Snooze-Taste. Nochmal fünf Minuten Ruhe, bevor der Alltag losgeht. Nochmal kurz zurück ins Land der Träume. Doch man kann es auch übertreiben mit der Snooze-Taste. Dann ist es plötzlich viel zu spät, alles wird hektisch: kein guter Start in den Tag.</p>
<p>Wenn ich an die digitale Kirche denke, dann fällt mir die Snooze-Taste ein. Die digitale Kirche war mal wach, aufgeweckt durch die Covid-Pandemie. Äußere Zwänge haben die Kirche dazu genötigt, endlich digitaler zu werden. Gestreamte Gottesdienste, digitale Seelsorge, Vorträge und Gemeindeveranstaltungen per Zoom. Viele Haupt- und Ehrenamtliche haben Zeit und Energie investiert, technisches Equipment wurde angeschafft. So viel war plötzlich möglich, was lange undenkbar war.</p>
<p>Doch die digitale Kirche droht einzuschlafen. Wieder und wieder wird die Snooze-Taste gedrückt. Gehen Sie mal auf YouTube und suchen Sie nach aktuellen Gottesdiensten! Es gibt kaum noch Gemeinden, die ihre Gottesdienste regelmäßig streamen und digital verfügbar machen. Diese Lücke wird von anderen gefüllt: Unter den ersten zehn Suchergebnissen finde ich allein viermal den unsäglichen Hassprediger aus Bremen, Olaf Latzel.</p>
<p>Natürlich kann ich es nachvollziehen, dass durch die Gemeinden ein buchstäbliches Aufatmen ging, als man die Masken endlich abziehen konnte, wieder gemeinsam feiern, singen und sich treffen konnte. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die reale, ›analoge‹ Begegnung nicht durch digitale Formate ersetzt werden kann.</p>
<p>Doch diese Erleichterung darf nicht übergehen in ein „Alles wieder so wie früher“. Denn im Verharren im Analogen liegt m.E. einer der Gründe, warum es Kirche heute so schwer hat, Menschen zu erreichen. Hat sich doch durch die fortschreitende Digitalisierung ein erheblicher Teil gesellschaftlichen Lebens in den Raum des Digitalen verlagert. Durch die digitalen Angebote ist es den Gemeinden während der Pandemie gelungen, Menschen anzusprechen, die im analogen Gemeindeleben nicht oder nicht mehr vorkamen. Ich denke hier an die Senioren mit eingeschränkter Mobilität, die sehr dankbar waren, durch digitale Angebote wieder an ihrem vertrauten Gemeindegottesdienst teilnehmen zu können. Ich denke aber auch an die jüngere Generation, die mit digitalen Medien und in sozialen Netzwerken aufgewachsen ist. Kurzum: Ich denke an an all jene Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen gerne die digitalen Formate ihrer Gemeinden genutzt haben und dies nun nicht mehr können. Die digitale Kirche hat Barrieren abgebaut und für mehr Inklusion gesorgt.</p>
<p>Es wäre fatal, würde Kirche sich wieder aus dem digitalen Raum zurückziehen. Ich habe meine Zweifel, ob es der richtige Weg ist, nun einige Sonderstellen für digitale Kirche zu schaffen, zumindest wenn man meint, damit die Gemeinden aus ihrer Verantwortung zu entlassen, selbst digitaler zu werden. Zukunftsfähige Gemeindearbeit sollte heute hybrid sein, d.h. analoge und digitale Formate anbieten: Wir sind als Kirche dazu aufgerufen, den Menschen dort zu begegnen und mit ihnen in eine religiöse Kommunikation zu treten, wo sie sich aufhalten – und das ist heute nun mal verstärkt der digitale Raum.</p>
<p>Also, digitale Kirche: Wach bleiben! Und Finger weg von der Snooze-Taste!</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stefanie Hoffmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Nov 2022 16:07:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 32. Jahrgang, Heft 4, November 2022]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Verkündigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Spätestens als Ostern 2020 viele Kirchen für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben mussten, sind digitale Formen von Kirche in das Bewusstsein vieler Menschen getreten. Was bedeutet das für den kirchlichen Auftrag? Verändert sich dadurch, was Kirche zu sagen hat oder wie sie es tut?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Spätestens als Ostern 2020 viele Kirchen für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben mussten, sind digitale Formen von Kirche in das Bewusstsein vieler Menschen getreten. Was bedeutet das für den kirchlichen Auftrag? Verändert sich dadurch, was Kirche zu sagen hat oder wie sie es tut?</p></blockquote></div>
<p>Vor dem Altar steht ein Pfarrer. Es sieht so aus, als wäre er ganz allein in der Kirche. Die vor ihm platzierte Kamera kann ihn nicht richtig einfangen, denn das Bild ist geprägt von dem gleißenden bunten Licht, das durch die Kirchenfenster hinter ihm fällt. Er ist schlecht zu verstehen, der Ton hallt und klingt blechern. Er selbst wirkt unsicher und ein wenig übermotiviert zugleich.</p>
<p>Diese oder ähnliche Bilder haben die Passionszeit 2020 für viele geprägt. Mit COVID-19 war ein neues Virus in Deutschland und der Welt angekommen, ansteckend und potenziell tödlich, und wir sind für eine Weile auf Abstand gegangen, auch in der Kirche. Und gleichzeitig wollte niemand auf Abstand gehen. Auch nicht die Kirche, deren Aufgabe es ist, zu den Menschen zu gehen und für die Menschen da zu sein. Auch schon früher waren es Medien, die zwischen körperlicher Distanz und emotionaler Nähe vermitteln konnten: Briefe, Telefonate und eben auch digitale Medien. Für viele, die den Schritt in die digitale Verkündigung gewagt haben, war das Neuland. Zu Liturgie und Predigt, Musik und Kirchdienst kamen nun lauter technische Dinge, die bedacht, geplant und bedient werden mussten: Ton und Bild, Licht und nicht zuletzt eine stabile Internetleitung. Die Inszenierung der Verkündigung für das Medium, das sie übermittelt, war an vielen Stellen eine Überforderung für die Gemeinden. Oder andersherum gesagt: vielleicht auch zu viel erwartet. Und so prägt das Bild des mit viel Herzblut aber wenig technischer Expertise produzierten Gottesdienstes die Erinnerung an diese Zeit und möglicherweise das Bild von digitaler Verkündigung.</p>
<h2>Studien: digitale Verkündigung soll weitergehen</h2>
<p>Im späten Frühjahr 2020 gaben 75% der Befragten an, weiterhin Online-Gottesdienste besuchen zu wollen, auch wenn es keine coronabedingten Einschränkungen mehr gibt. Dies war eines der Ergebnisse einer digitalen Befragung von Besucher*innen von Online-Gottesdiensten (Rezipiententypologie evangelischer Online-Gottesdienstbesucher*innen während und nach der Corona-Krise (ReTeOG)). Ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Online-Gottesdienstes war laut Studie der Ortsbezug, also das Sehen von bekannten Gesichtern und (Kirchen-)Räumen und das Aufgreifen von regionalen Traditionen und Themen. Die technische Professionalität oder die mediale Inszenierung spielte für die meisten Befragten eine untergeordnete Rolle. Auch bei der Befragung der anbietenden Kirchengemeinden lässt sich 2020 eine große Lust an der Weiterführung digitaler Angebote feststellen. In der midi-Studie „Digitale Verkündigungsformate während der Corona-Krise“ geben 72% der Kirchengemeinden an, ihre digitalen Angebote weiterführen zu wollen. In der 2021 durchgeführten Vergleichsstudie teilten immerhin 83,3% der befragten Gemeinden mit, dass sie auch nach dem ersten Lockdown digitale Verkündigungsformate angeboten haben. Auch die Motivation der in ReTeOG<sup>2</sup> befragten Online-Gottesdienstteilnehmer*innen, weiterhin an Online-Gottesdiensten teilzunehmen, wuchs leicht auf 79% an.</p>
<p>Die kürzlich veröffentlichten Einblicke in die Studie „Churches in Times of Corona 2“ lassen jedoch befürchten, dass sich dieser Trend in digitalen Verkündigungsformaten nicht fortsetzt oder fortsetzen lässt. Führte während der ersten Befragung im Sommer 2020 noch ein großer Teil der befragten kirchlichen Mitarbeitenden einen Zugewinn an Kreativität in der eigenen Arbeit und keinen insgesamt höheren Arbeitsaufwand an, so wurde der Arbeitsaufwand im Sommer 2022 von über zwei Drittel der Befragten als etwas oder deutlich größer bezeichnet. Vor dem Hintergrund tendenziell sinkender Ressourcen kann dies als Warnsignal wahrgenommen werden.</p>
<h2>Neue Zielgruppen oder alte Bekannte?</h2>
<p>Schaut man aktuell auf die Formen digitaler Verkündigung, lässt sich eine große Bandbreite finden. Neben den gefilmten und gestreamten Gottesdiensten aus der eigenen Kirche gibt es spezielle Gottesdienste, die für eine Online-Gemeinde angeboten werden: als Livestream auf YouTube, Facebook oder Instagram oder als Videokonferenz. Auch kürzere Formen lassen sich inzwischen auf allen Social Media Plattformen oder als Podcast finden: Von kurzen geistlichen Impulsen bis zu liturgischen Andachtsformen. Vieles davon gab es schon vor dem Frühjahr 2020. Die Nutzung digitaler Medien für die Verkündigung hat jedoch durch die in der Pandemie gemachten Erfahrungen neue Zielgruppen erreicht. Allerdings sind diese neuen Zielgruppen andererseits „alte Bekannte“, also Gläubige, die nun neue Formen für sich entdeckt haben. Die geheime Hoffnung, dass Kirche mit digitalen Formaten Menschen erreicht, die bislang keinen oder kaum einen Bezug zu Kirche und christlichem Glauben hatten, lässt sich so nicht nachweisen.</p>
<p>Ist also die ganze Anstrengung umsonst und Kirche sollte Ressourcen sparen und so weitermachen wie vor 2020, auf etablierte Formen setzen und sich die Mühe der Entwicklung neuer digitaler Verkündigungsformen sparen?</p>
<h2>Mehr Gottesdienst für unterschiedliche Zielgruppen</h2>
<p>Schaut man sich die Vielzahl der inzwischen vorhandenen Verkündigungsformate an, dann stellt man vor allem fest, dass sie häufig einzelnen Zielgruppen gerechter werden als der Sonntagsgottesdienst „für alle“ in der Kirche vor Ort. Auch wenn diejenigen, die mit digitalen Verkündigungsformaten erreicht werden, in der Regel schon einen Bezug zur Kirche hatten, so werden durch neue Formen weitere Kontaktpunkte geschaffen. Dabei gibt es für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Formate:</p>
<p>Der <em>gestreamte oder aufgezeichnete Sonntagsgottesdienst</em> ist vor allem für Menschen attraktiv, die es nicht in die Kirche schaffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: körperliche oder psychische Einschränkungen, Schichtarbeit oder Familienzeit am Sonntagvormittag zum Beispiel. Mit ihnen werden Menschen erreicht, für die die bekannten Verkündigungsformen attraktiv sind, der Weg in die Kirche am Sonntagmorgen aber nicht. Digitale Medien ermöglichen hier eine Teilhabe auf anderem Weg. Die ReTeOG-Studie stellt fest: durch die vereinfachten Zugänge hat sich bei den Befragten die individuelle Gottesdienstteilnahme leicht erhöht.</p>
<p><em>Kurze Verkündigungsimpulse auf Social Media</em> erreichen hingegen andere Personenkreise. Eine aktuell von midi durchgeführte Studie versucht, mehr über diese Zielgruppen herauszufinden (<em>midi</em> ist die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung). Es deutet sich an, dass über die Verkündigung auf Social Media deutlich jüngere Menschen erreicht werden, als sie gewöhnlich in den Sonntagsgottesdiensten zu finden sind. Damit das gelingt, müssen hier die Angebote in die Sprach- und Bildwelt des jeweiligen Mediums passen. Häufig sind sie damit weit weg von bekannten liturgischen Formen. Es sind Impulse aus dem Leben: Dankgebete, christliche Deutungsangebote in schwierigen Situationen, Hoffnungsmomente aus dem eigenen Leben prägen dabei die Verkündigung stärker als das Kirchenjahr und die Perikopen-Ordnung.</p>
<h2>Online-Gemeinde für im Netz beheimatete Menschen</h2>
<p>Eine weitere Form der digitalen Verkündigung sind Online-Gemeinden. Bei ihnen finden Menschen Verkündigungsangebote, die nicht den lokalen Bezug suchen. Dafür kann es verschiede Gründe geben. Häufig jedoch handelt es sich dabei um Menschen, die bei ihrer Ortsgemeinde kein für sie passendes Angebot gefunden haben oder sich dort nicht wohl und willkommen fühlen.</p>
<p>Digitale Formen der Verkündigung sind damit in vielerlei Hinsicht zeitgemäß. Sie schaffen unterschiedliche Zugänge zur christlichen Botschaft und sind damit ein wichtiges Angebot in einer fluider werdenden Gesellschaft. Wie in anderen Bereichen des Lebens können Menschen das für sie und ihr Leben am besten passende Angebot auswählen. Mit unterschiedlichen Formen, Sprachen und Inszenierungen schafft digitale Verkündigung Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen: traditionell oder modern, liturgisch oder alltäglich, liberal oder konservativ, beteiligend oder anonym.</p>
<p>Der Weg in den digitalen Raum hat dabei vor allem sichtbar gemacht, wie vielfältig Verkündigung schon immer war. Die digitalen Räume werden dabei in unterschiedlichster Weise genutzt: mal werden die Medien dienstbar gemacht, um etablierte Formen in andere Räume zu tragen, mal lassen sich die Angebote auf den speziellen Raum des Mediums ein und schaffen dafür passende Formate.</p>
<p>Die Aufgabe für die Zukunft ist es, die Vielfalt der sichtbar gewordenen Formen wahrzunehmen und wertzuschätzen. Der nicht speziell inszenierte lokale Gottesdienst mit 30 Zuschauer*innen hat dabei die gleiche Berechtigung, wie Social Media Posts mit tausenden Likes. Denn nur mit dieser Vielfalt werden wir den vielfältigen Bedürfnissen der Menschen gerecht. Der digitale Raum fordert uns heraus, über den eigenen Kirchturm hinaus zu denken, denn aus einer einzelnen Kirchengemeinde heraus können vielfältige Zugänge zur frohen Botschaft geschaffen werden. Gemeinsam aber kann es gelingen, diese Vielfalt beizubehalten und auszubauen und situations- und lebensgerechte Zugänge zur Verkündigung zu bieten. Es bleibt alles anders.</p>
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		<title>Influencer – mediale Leitfiguren der Generation Z</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Spitzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2022 15:57:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 32. Jahrgang, Heft 3, August 2022]]></category>
		<category><![CDATA[Idole]]></category>
		<category><![CDATA[Influencer]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Als „Influencer“ werden häufig Menschen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken mit ihren Beiträgen eine große Öffentlichkeit ansprechen. Mit Spezialthemen, „Follow-me-arounds“ (gefilmtem Alltag), Schmink- und Modetipps und mehr erreichen sie ein Millionenpublikum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Als „Influencer“ werden häufig Menschen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken mit ihren Beiträgen eine große Öffentlichkeit ansprechen. Mit Spezialthemen, „Follow-me-arounds“ (gefilmtem Alltag), Schmink- und Modetipps und mehr erreichen sie ein Millionenpublikum.</p></blockquote></div>
<h3>Frau Professorin Spitzer, welche Vorbilder gab es zu Ihrer Jugendzeit?</h3>
<p>Meine Jugendzeit lag in den späten 80ern und 90er Jahren. „Vorbilder“ fand man da eher in analogen Medien – ich denke da an die Poster in Jugendzeitschriften wie bspw. <em>Bravo,</em> Starschnitte von bekannten Persönlichkeiten aus Musik, Sport, Film und Fernsehen – die US-amerikanische Serie „Beverly Hills“ fällt mir hier gerade spontan ein. Viele haben sich Plakate dieser Stars in ihr Zimmer gehängt und sie vielleicht als Vorbilder gesehen. Der zentrale Unterschied zu heutigen Influencer*innen ist aber, dass diese Vorbilder durch die Medien vorausgewählt wurden und somit auch ihre Anzahl deutlich geringer war.</p>
<h3>Was genau ist denn ein*e Influencer*in?</h3>
<p>Influencer*in kann grundsätzlich sein, wer aufgrund der Reichweite eine gewisse Gruppe/Community, meistens im digitalen Raum, beeinflusst. Oft wird man Influencer*in dadurch, dass man für ein Thema einsteht oder seinen Alltag auf Social Media teilt. Gruppen, die sich mit diesen Themen oder Alltagswelten identifizieren, vielleicht auch mit bestimmten Werten, folgen diesen Menschen.</p>
<h3>Wie unterscheidet sich die Beeinflussung durch einen Star wie Steffi Graf von der durch eine*n Influencer*in über Social Media?</h3>
<p>Sie unterscheidet sich durch den Rahmen, den diese Influencer*innen haben. Stars einer gewissen Prominenz und Reichweite haben in den meisten Fällen ein Management, das im Vorfeld prüft, was sie von sich geben. Da ist oft schon in der Entwicklungsphase ein großes Verantwortungsbewusstsein da. Wenn jemand Musiker*in werden will oder Schauspieler*in, ist von vornherein bekannt: Ziel ist es, ein gewisses Publikum zu erreichen.</p>
<p>Gerade bei den Influencer*innen der ersten Generation ist das nicht so. Viele davon sind eher zufällig zu ihrer Rolle gekommen. Auch jetzt ist es ja noch so, dass die Markteintrittsbarrieren eher gering sind. Subjektiv kann jeder Influencer*in werden, aber es findet nicht immer eine Beratung oder gezielte Auswahl von Inhalten und Themen statt, sondern teilweise auch ein sorgloser Umgang mit dem was da veröffentlicht wird.</p>
<h3>Das klingt problematisch, wenn Jugendliche im Netz auf solche Personen stoßen, die sich wenig Gedanken machen, was sie so von sich geben. Was sind die Risiken dieser Influencer-Maschinerie?</h3>
<p>Das ist sicher nicht per se problematisch oder schlecht. Wir sprechen immer von „den Influencer*innen“, dahinter steht jedoch eine extreme Bandbreite von Persönlichkeiten. Das für sich genommen ist aus meiner Sicht auch eine Chance! Wenn wir uns die Starschnitte aus der <em>Bravo</em> anschauen, so waren die in gewisser Form standardisiert, einheitlich und ganz bestimmt weniger divers.</p>
<p>Das Positive heute ist die Vielfalt derjenigen, die sich online tummeln. Das zeigt ja auch erst einmal, dass die Welt bunt ist. Aber natürlich ist es eine Herausforderung für Erziehungsberechtigte nachzuvollziehen, wer gerade die Heranwachsenden beeinflusst. Und definitiv gibt es unter den erfolgreichen Influencer*innen einige, die Werte vertreten, Schönheitsideale repräsentieren oder Welten zeigen, die für Heranwachsende oder auch eine Gesellschaft insgesamt problematisch sind. Andererseits war auch nicht jeder Rockstar aus den Achtzigern als Vorbild geeignet und auch der eine oder die andere Schauspieler*in hat zweifelhafte Drogenkarrieren hingelegt&#8230;</p>
<p>Ein großes Thema bei den „Risiken“ ist jedoch die „Filterbubble“. Diese Filterblase entsteht, weil Soziale Netzwerke Inhalte basierend auf unserem Nutzungsverhalten auswählen und anzeigen. Es werden zunehmend ähnliche Themen ausgewählt, so dass sich die Sicht auf die Welt verengen kann. Wenn ein großer Teil der Bilder bei Instagram ein bestimmtes Schönheitsideal widerspiegelt, kann sich die eigene Wahrnehmung von  Schönheit verzerren. Wenn jemand im Internet zehn Momfluencern folgt – also Influencerinnen, die online über ihr Familienleben und ihren Alltag berichten – dann baut dies vermutlich einen hohen Druck mit Blick auf den perfekten Familienalltag auf. Zudem umgibt sich der oder die Follower*in nicht nur mit immer denselben Themen und verpasst möglicherweise andere gesellschaftsrelevante Debatten – er oder sie verbringt dann eventuell auch einfach viel Zeit damit, anderen beim Leben zuzuschauen, statt selbst sozial zu interagieren.</p>
<p>Es ist aber zu einfach, daraus zu folgern: Schafft diese Inhalte ab, dann ist das Problem gelöst – denn diese Person wird sich vermutlich trotzdem nicht über relevante Themen informieren oder plötzlich den Politik-Teil der Zeitung lesen, sondern andere Wege der Zerstreuung finden. Demzufolge ist das kritische Thema nicht ursächlich die Influencer-Maschinerie, sondern eher die Medienkompetenz im Umgang mit digitalen und Influencer-Inhalten.</p>
<h3>Wie unterscheidet sich, ob Steffi Graf oder ein*e Influencer*in Werbung für Tee macht?</h3>
<p>Der Unterschied ist, dass Steffi Graf oder ein anderer Star, der oder die gezielt als Marke aufgebaut wird, Produkte und Kooperationen anders auswählt, und dass diese Werbung einen geringeren Anteil am Geschäftsmodell hat. Steffi Graf hat vermutlich zumindest in ihrer aktiven Karriere den größten Anteil ihrer Einnahmen aus ihrer sportlichen Aktivität gezogen, Schauspieler*innen aus dem Schauspielern und Musiker*innen aus der Musik.</p>
<p>Bei vielen Influencer*innen sind hingegen Product-Placement und die Beeinflussung über Werbung der zentrale Teil ihres Geschäftsmodells. Das heißt, sie trinken nicht nur einen Tee oder stehen für ein Produkt, sondern für sehr viele Produkte, die auch eine ziemliche Dynamik haben in der Auswahl.</p>
<h3>Laut einer Studie vom Digitalverband bitkom kann jede*r zweite Social-Media-Nutzer*in Werbung von redaktionellen Inhalten nur schwer unterscheiden. Warum ist das so?</h3>
<p>Wenn man sich die Rechtsprechung rund um Cathy Hummels aus den vergangenen Monaten anschaut, ahnt man, wie komplex das Thema ist. Ist jede Erwähnung Werbung? Auch wenn das Produkt selbst gekauft wurde? Was passiert, wenn jede Erwähnung als Werbung gekennzeichnet werden muss – eventuell auch ohne die Zustimmung und nicht immer zur Freude der jeweiligen Marke?</p>
<p>Ich denke, potenziell erkennt man durch die aktuellen Regelungen Werbung über Influencer*innen mindestens genauso gut wie Werbung in klassischen Formen. Es gibt genauso Studien, dass gerade Jugendliche und Kinder nicht in der Lage sind, Werbebotschaften von Sachbotschaften zu unterscheiden. Das hat also weniger mit dem Medium als vielmehr mit den Nutzer*innen zu tun.</p>
<h3>Was ist das Positive an der Entwicklung, dass Influencer*innen vielfach klassische Vorbilder ersetzen?</h3>
<p>Jugendliche nutzen kaum mehr klassische Medien. Daher kann man mit Hilfe von Influencern*innen Themen auf ihre Agenda bringen, die sie sonst nicht mehr erreichen. Wenn Luisa Neubauer sich entscheidet, Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit anzusprechen und da auch viel faktisches Wissen vermittelt, erreicht dieses Wissen eine Zielgruppe, die sich von anderen Informationskanälen abgewendet hat.</p>
<p>Oder wenn Influencer*innen sich in Wahlkämpfen zu Politik oder Meinungsbildung äußern, wie Rezo es u.a. vor der Bundestagswahl getan hat. In seinen Videos ordnet er unter anderem politische Vorgänge ein, klärt auf und bemüht sich dabei durch Quellenangaben und umfassende Erläuterungen um Transparenz. Wenn diese Beiträge mehrere Millionen Aufrufe erzielen, sind sie im besten Wortsinne beeinflussend.</p>
<p>Der Journalismus hat für sich lange in Anspruch genommen, dass er durch die Gatekeeping-Funktion und den Qualitätsanspruch seine Berechtigung hat. Digitalisierung hat hier einen Demokratisierungsprozess in Gang gesetzt, bei dem jetzt auch durch Influencer*innen Bewegung ins Spiel kommt. Es entsteht Druck, gewisse Standards einzuhalten oder Dinge stärker zu hinterfragen. Das ist ein positiver Effekt. Und natürlich das Thema Diversität an Themen und Perspektiven – da gewinnen wir manchmal durch den Online-Dialog!</p>
<h3>Frau Professorin Spitzer, warum können wir auf Influencer*innen nicht mehr verzichten?</h3>
<p>Um die Zielgruppe der Generation Z zu erreichen, ist es wichtig, auf den entsprechenden Plattformen präsent zu sein. Die <em>Tagesschau</em> macht das zum Beispiel sehr erfolgreich. Influencer*innen sind sehr nah an ihren Nutzer*innen. Sie können Meinungen verändern, deshalb lassen sich zunehmend auch Politiker*innen auf Interviews mit Influencern*innen ein oder werden selbst aktiv, wie z.B. Kevin Kühnert.</p>
<p>Mit Blick auf die Bandbreite denke ich, dass es wichtig ist, nicht alle Influencer*innen über einen Kamm zu scheren. Wenn es gelingt, über Persönlichkeiten in diesem Bereich ernsthafte Themen zu platzieren, denke ich, dass wir nicht auf sie verzichten sollten. Bei Mode-, Beauty- und anderen Unterhaltungs-Influencer*innen könnte es sich auch einfach um eine Modeerscheinung handeln, deren Unterhaltungscharakter von anderen Moden abgelöst wird.</p>
<p><em>Das Interview führte Heike Schmidt-Langer.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Über die Aufgabe, das Digitale zu demokratisieren</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/ueber-die-aufgabe-das-digitale-zu-demokratisieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Aug 2021 14:59:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 31. Jahrgang, Heft 3, August 2021]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[Dass die Erschaffung einer Superintelligenz unausweichlich sei, um die Welt definitiv zu retten, glauben die Propagandisten der „kalifornischen Ideologie“. Der Mensch, wie wir ihn kennen, ein Auslaufmodell. Das Buch „Prinzip Mensch“ ist ein Versuch, vom Gegenteil zu überzeugen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Nicht um die Digitalisierung der Demokratie müssen wir uns zuerst kümmern,<br />
sondern um die Demokratisierung des Digitalen. (Frank-Walter Steinmeier)</em></p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Dass die Erschaffung einer Superintelligenz unausweichlich sei, um die Welt definitiv zu retten, glauben die Propagandisten der „kalifornischen Ideologie“. Der Mensch, wie wir ihn kennen, ein Auslaufmodell. Das Buch „Prinzip Mensch“ ist ein Versuch, vom Gegenteil zu überzeugen.</p></blockquote></div>
<p>Tom Hillenbrand ist Journalist. Und schreibt spannende und in Sachen Künstliche Intelligenz, Big Data und digitale Netzinfrastruktur kenntnisreiche Sciencefiction und Kriminalromane. Sie spielen in nicht allzu ferner Zukunft, was ihren besonderen Reiz ausmacht für jüngere und mittelalte Leser*innen. Denn diese haben die Chance, den möglichen Genuss bzw. die Unannehmlichkeiten einer hochentwickelten technischen Zivilisation noch an sich selbst zu erfahren, für die die ideologischen, wissenschaftlich-theoretischen und technologisch-praktischen Grundlagen bereits heute erdacht sind, erprobt und weiter erforscht werden. Stichworte: Silicon Valley, Internet, Quantencomputer, KI. Hillenbrands aufeinander aufbauende SciFi-Romane <em>Hologrammatica</em> und <em>Qube</em> nehmen ihren Lauf infolge eines Vorfalls mit der Künstlichen Intelligenz (KI) im Jahr 2048, die die Menschheit eingesetzt hat, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Da der von der KI eingeschlagene (Aus-)Weg aber aus ethischen Gründen nicht akzeptabel erscheint, beginnt eine Auseinandersetzung mit einer aus der Kontrolle geratenen Maschinenintelligenz. Die technischen Abläufe verselbständigen sich und werden undurchsichtig…</p>
<h2>Das Auftreten der Singularität</h2>
<p>2045 ist das Jahr, in dem es so weit sein soll, in dem nach der Theorie von Ray Kurzweil (US-amerikanischer Futurist und Chefentwickler von Google) die „Singularität“ eintritt: Von da an soll eine starke Künstliche Intelligenz auf den Plan treten, die der Intelligenz des Menschen sowohl in allen Belangen überlegen sei als auch sich selbst verbessern und erzeugen könne. Der Traum der Erlösung des Menschen durch überragende technologische Macht werde Wirklichkeit, ein Transhumanismus zeichne sich ab, der sich auf die Schlüsseltechnologien Genetik, Nanotechnik und Robotik gründe und schließlich die Sterblichkeit des Menschen überwinde. Denn alle Probleme seien – schon in naher Zukunft – durch Technik und den heutigen Computern weit überlegene Quantencomputer lösbar.</p>
<p>Hillenbrand hat sich ganz offenkundig von den Ideen der Forscher aus dem Silicon Valley für seine Romane inspirieren lassen, ohne ihnen belletristisch zu verfallen. Denn bei ihm hat die Menschheit immer wieder ein Ass im Ärmel. Dass es erst gar nicht so weit kommen möge, ist das Ziel von Paul Nemitz und Matthias Pfeiffer in ihrem Buch <em>Prinzip Mensch. Macht, Freiheit und Demokratie im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.</em> Die beiden Autoren setzen sich mit den „schrecklichen Fünf“, den hinter diesen Entwicklungen stehenden digitalen Giganten Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (kurz GAFAM) auseinander und unterziehen die „kalifornische Ideologie“ einer fundamentalen Kritik (alle folgende Seitenangaben in Klammern beziehen sich auf dieses Buch).</p>
<h2>Aus der Technologieentwicklung soll sich der Gesetzgeber raushalten</h2>
<p>Nemitz, Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung und leitend an der Erarbeitung der EU-Datenschutzgrundverordnung beteiligt, und Pfeiffer, Philosoph und Journalist sowie Entwickler von TV-Wissenschaftsformaten, warnen eindringlich vor einem rechtlich nicht oder kaum regulierten, nur an seine immanenten Gesetzmäßigkeiten gebundenen digitalen Fortschritt. Nach dem Willen der Entwickler, Unternehmer und Ideengeber des Silicon Valley sollen sich Cyberspace und Internet selbst regulieren dürfen, weil nur so Innovationen und die mit ihnen erhofften paradiesischen Verhältnisse schnell Wirklichkeit werden könnten. Um ihre Interessen durchzusetzen, unterhalten die superreichen GAFAM-Unternehmen in den USA und Europa ein Heer von Lobbyisten, die auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen, und finanzieren Thinktanks, die auf den intellektuellen Diskurs und die öffentliche Meinungsbildung einwirken. Einer der einflussreichsten Apologeten dieser Selbstregulierung ist John Perry Barlow: „Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft …: Lasst uns in Ruhe! … Wir glauben, dass unsere Regierungsweise sich aus Ethik, aufgeklärtem Eigeninteresse und Gemeinwohl eigenständig entwickeln wird“ (S. 102).</p>
<p>Gegen diese techno-libertäre Grundhaltung, die für sich systemtheoretische, kybernetische und neoliberale Argumente ins Feld führt, plädieren die beiden Autoren für eine Technologie, deren Algorithmen und Programmierungen so zu gestalten seien, dass Menschenwürde, individuelle Selbstbestimmung, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und eine sozial eigehegte Marktwirtschaft der technologischen Macht Grenzen setzen. Denn die Grundtendenz von GAFAM läuft auf den Versuch hinaus, einen einseitigen Freiheitsbegriff im profit- und herrschaftsorientierten Eigeninteresse zu etablieren. Wohin der allein gewollte ökonomische <em>free flow</em> führt, ist bereits heute zu beobachten: „Ein guter Teil des Cyberspace … besteht aus E-Commerce“ und einem „Sumpf aus Hate Speech, Fake News und Blasenbildung“ (S. 108), das ursprüngliche Ideal einer freien Meinungsbildung hat sich weitgehend erledigt. Bei dem Silicon Valley-Großinvestor Peter Thiel liest sich die Reduktion der Freiheit auf unternehmerische Handlungsfreiheit so: „Vor allem aber glaube ich nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie vereinbar sind“ (S. 109). Mit dem Aufstieg von GAFAM ist aus dem Internet in erster Linie ein Geschäftsmodell geworden, das dem „Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ (so das gleichnamige Buch der amerikanischen Wirtschaftsprofessorin Shoshana Zuboff) zugrunde liegt. Dessen Rohstoff ist menschliches Verhalten. Aus den digitalen Spuren, die wir als Nutzer im Netz hinterlassen, werden Daten, aus denen wiederum Persönlichkeitsprofile und voraussagbares Verhalten errechnet werden. Eine dafür entwickelte und eingesetzte KI würde erst recht eine „Asymmetrie von Wissen und Macht im Verhältnis Mensch-Konzern“ herbeiführen, „was schließlich bei den Konzernen zu gewaltigen Profiten führt, aber auch das Ende von Freiheit und Demokratie bedeuten kann“ (S. 73).</p>
<h2>Dataismus und Spanner-Ökonomie</h2>
<p>Big Data als das Sammeln aller erreichbaren persönlichen Daten ist sozusagen die Futterstelle für das Machine Learning, das eine Grundlage von KI darstellt. Es ist dadurch definiert, „schwierige Probleme… ohne eindeutige Vorgaben zu lösen“, während herkömmliche Algorithmen „das Modell zur Problemlösung vor(ge)geben“ (S. 44). Die fundamentale Gefahr dabei ist, dass der Mensch zu seinem eigenen Totengräber wird. Aus seiner Selbstbestimmung wird zunächst die Pflicht zur Selbstoptimierung, indem er als Cyborg existiert und schließlich im Transhumanismus überwunden und zum Sklaven der Maschine wird. Das Prinzip Mensch, das nach dem Aufklärer Immanuel Kant darin besteht, dass das Individuum stets Zweck und nie Mittel ist, soll überwachungskapitalistisch und technologiepolitisch überstiegen werden.</p>
<p>Das Buch von Nemitz/Pfeiffer ist dagegen ein philosophisch, kommunikationstheoretisch, rechts-, bildungs- und wirtschaftspolitisch argumentierender Appell an seine Leser*innen, das Menschliche zu bewahren und zu verteidigen. Sie sehen die gemeinsame Grundlage der durchaus sehr unterschiedlichen Geschäftsmodelle von GAFAM im (rechtlich unzureichend regulierten) Internet. Je mehr Menschen im Netz unterwegs sind und je größer das Datenvolumen, das auf den von GAFAM beherrschten und in den USA befindlichen (und deren Gesetzgebung unterliegenden) Cloud-Speichern anfällt, um so größer die Möglichkeit, eine „Spanner-Wirtschaft“ (Al Gore 2013 über Google und Facebook) zu betreiben, die Nutzer zu stalken. Die Idee und die Praxis ist es, den Nutzern nachzustellen, sie zu manipulieren und auszubeuten. Um so mehr Bedeutung kommt der Weiterentwicklung der Cloud Gaia-X zu, um die technologischen Pfade für eine europäische digitale Souveränität zu ebnen.</p>
<h2>Instrumentelle Vernunft und Werte begründende, selbstbestimmte Vernunftleitung</h2>
<p>Um einen totalitären Technokapitalismus in US-amerikanischer Gestalt zu verhindern, wenden Nemitz und Pfeiffer sich insbesondere an das Verantwortungsgefühl von Ingenieur*innen und Programmierer*innen und schlagen die Einführung einer „Staatsprüfung“ vor. In dieser sollten sie „ihre Kenntnisse über das Zusammenwirken von Technologie, Demokratie, Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit“ (S. 345) nachweisen. Mit dem Soziologen Heinrich Popitz stimmen sie darin überein, dass „der Angelpunkt jeder Machtkontrolle in modernen Gesellschaften … die Kontrolle technischen Handelns“ ist (S. 23). Sie arbeiten die quasi-religiöse Allmachtsphantasie der kalifornischen Ideologie im Begriff des Dataismus heraus, für den „Sein nichts anderes als Daten ist“, wobei der „Datenspender Mensch in Information verwandelt … und durch Algorithmen bearbeitet und verfügbar gemacht werden“ (S. 150) kann. Wie eine Maschine sei auch der Mensch im Prinzip determiniert und nichts anderes als ein informationsverarbeitendes System nach dem Rückkoppelungseffekt der Kybernetik (Norbert Wiener), der den zukünftigen Soll- aus dem vergangenen Ist-Zustand heraus steuert. Das Schicksal des Einzelnen im Griff der Prädestination einer allwissenden und alles voraussehenden Suchmaschine, die auf Googles Webseite als „wirklicher Gott“ gefeiert wurde. Eine rein instrumentelle Vernunft ersetzt die eigene Vernunftleitung des sich selbstbestimmenden Individuums. Sie hat die Werte suchende und begründende, räsonierende Vernunft verdrängt. Dieser „Geist des Cyberspace“ hätte allerdings nichts gemein mit dem Geist, den der Gott der Bibel dem Menschen als seinem Ebenbild eingehaucht und zum <em>Cooperator Dei</em> auserkoren hat.</p>
<h2>Strukturen der öffentlichen Meinungsbildung</h2>
<p>Dem Gegenentwurf, dass das Netz prinzipiell Mittel einer Zwei-Wege-Kommunikation für demokratisch reife und aufgeklärte, sich bildende und ernsthaft in einen öffentlichen Diskurs miteinander tretende Staatsbürger*innen sein könnte, widmen die Autoren in Anknüpfung an Jürgen Habermas ein ausführliches Kapitel. Habermas untersucht die entscheidende Rolle einer funktionierenden Öffentlichkeit für die Demokratie und eines unabhängigen qualifizierten Journalismus der „stetige(n) Kommentierung und Kritik“ (S. 192). Dabei gilt eine freie Publizistik (Presse/Massenmedien/Verlagswesen) als vierte Gewalt in der Demokratie. Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt im öffentlichen Raum sollen durch die grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit hergestellt werden. Journalisten*innen, die ihr „Handwerk“ gelernt und einem ethischen Codex verpflichtet sind, liefern den täglichen Nachrichtenstoff aus geprüften Quellen, achten auf objektive Berichterstattung, trennen davon ihre subjektive Kommentierung und sorgen so für das Zeitgespräch der Bürger*innen.</p>
<p>In dieser (hier etwas knapp und idealisiert dargestellten) Struktur der Öffentlichkeit haben Letztere zwar nur den Status der Rezipienten aufgrund der One-to-many-Kommunikation, sind also Empfänger der <em>veröffentlichten</em> Meinung. Erreicht wird so aber ein breites Publikum mit gleichartiger Berichterstattung, deren Inhalte dann gemeinsam diskutiert werden. Vermittels dieser Resonanz bildet sich eine <em>öffentliche</em> Meinung. Die freie Presse tritt so verbindend und kontrollierend zwischen das Volk und Parlament und Regierung.</p>
<p>Social Media, die Distribution von Nachrichten jeden Inhalts und jeder Form durch das Internet (Many-to-many-Kommunikation), hat die so strukturierte Öffentlichkeit schon sehr aufgeweicht und prekär verändert. Krassestes Beispiel: Donald Trump und seine lügenhaften, hasserfüllten, das Volk polarisierenden, keiner Objektivität und Ausgewogenheit verpflichteten Tweets über Twitter, Facebook und Instagram direkt an seine Follower*innen, und die (rechtlich fragwürdige!) Retourkutsche dieser Kommunikationsdiensteanbieter, die Accounts des ehemaligen Präsidenten nach der Belagerung des Kapitols am 6. Januar zu sperren. Die Plattformen fördern die Bildung von Meinungsblasen anstelle gemeinsam geteilter Inhalte und bevorzugen durch ihre geheimen Algorithmen emotionalisierende Einlassungen. Die „scheinbar dezentralen Netzwerkstruktur des Internets“, resümieren Nemitz/Pfeiffer, „nutzen rechte Parteien und Populisten“ heute am wirkungsvollsten, sodass „Demokratie so in den Zangengriff von Technologie und Populismus“ gerät. Schuld seien „protokollierende und Informationsströme organisierende Anbieter…, die zunächst die Überwachung und dann die Vermarktung der Teilnehmer, ihrer Kommunikation und ihres gesamten lebensweltlichen Verhaltens ermöglichen“ (S. 198/199).</p>
<h2>Der Mensch ist mehr als eine kybernetische Maschine</h2>
<p>Kontrolle des Verhaltens in einer durchdigitalisierten Welt, die so weit geht, dass mit <em>prädiktiven</em> Algorithmen kriminelles oder nicht zu bestimmten machtpolitischen Interessen passendes Verhalten eines Einzelnen aufgrund seines errechneten Persönlichkeitsprofils <em>vorhergesagt</em> und prophylaktisch verhindert werden kann, indem man einen vermeintlichen Delinquenten/Abweichler aus dem Verkehr zieht, obwohl er noch gar nichts getan hat? Genau diese Möglichkeit ist das moralische Thema des eingangs erwähnten Tom Hillenbrand in seinem Krimi <em>Drohnenland</em>. Hier sind es EU-Parlamentarier, deren Abstimmungsverhalten zu einem neuen Vertrag über das Staatenkollektiv sich <em>trotz</em> aller KI (namens „Terry“ = Teiresias, der blinde Seher aus der griechischen Mythologie) nicht zuverlässig berechnen lässt. Hillenbrand begründet dies mit der „Markov-Anomalie“, die er als Romancier nicht erläutern muss; aber was er verteidigen will, ist klar: Das <em>Prinzip Mensch, das</em> allein mathematisch eben nicht erfassbar ist. Es ist eine Absage an den „mathematischen Idealismus“ der kalifornischen Ideologie, in dem das Universum nichts anderes als ein „riesiger Quantencomputer“ (S. 116) sei.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<p>Paul Nemitz / Matthias Pfeiffer: <em>Prinzip Mensch. Macht, Freiheit und Demokratie im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.</em> Verlag J.H.W. Dietz 2020, 432 Seiten, 26,00 Euro</p>
<p>Tom Hillenbrand: <em>Hologrammatica</em>; Ders.: <em>Qube</em>; Ders.: <em>Drohnenland</em>. Alle erschienen bei: Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, auch als Taschenbuch und E-Book erhältlich.</p>
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		<title>Frauen 4.0</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kathrin S. Kürzinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2020 13:09:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 30. Jahrgang, Heft 2, Mai 2020]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass sich grundlegende technische Umwälzungen in den letzten Jahrhunderten immer auch unterschiedlich auf die Arbeits- und Lebenswelt von Frauen und Männern ausgewirkt haben. Das gilt auch für die Digitalisierung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass sich grundlegende technische Umwälzungen in den letzten Jahrhunderten immer auch unterschiedlich auf die Arbeits- und Lebenswelt von Frauen und Männern ausgewirkt haben. Das gilt auch für die Digitalisierung.</p></blockquote></div>
<p>Kann eine neutrale Technik wie die Digitalisierung geschlechtsdiskriminierend wirken? Am historischen Beispiel des Sekretärberufs lässt sich nachvollziehen, wie es durch Technisierung zu einer Herabwürdigung eines ganzen Berufsstandes kommen kann: Galt der Sekretär früher als angesehener Männerberuf, so kam es im Zuge der Technisierung – hier durch die Einführung der Schreibmaschine – jedoch zu einer Abwertung des Berufs, der seither zunehmend und heute überwiegend von Frauen ausgeübt wird. Aktuell kommt es – bedingt durch die Digitalisierung – zu einer weiteren Verlagerung der klassischen Sekretariatsarbeit. Heutzutage übernehmen wissenschaftliche Mitarbeiter*innen an Universitäten oder Referent*innen in Kirchen, Verbänden und Organisationen diese klassischen Tätigkeiten immer öfter selbst. So werden beispielsweise Dienstreisen über die Bahn-App direkt selbst gebucht – eine unmittelbare Auswirkung der Digitalisierung, die uns freilich bereits sehr alltäglich und selbstverständlich erscheint.</p>
<h2>Absterbende und innovative Branchen „bevorzugen“ Frauen</h2>
<p>Die Entwicklung des Sekretärberufs stellt jedoch keinen Einzelfall dar. Generell dominieren Frauen in absterbenden Branchen, wie derzeit etwa in der Logistik – traditionell eher eine reine Männerdomäne. Doch auch in neuen Branchen, in denen noch kaum Standards wie beispielsweise zum Arbeitsschutz gesetzt sind und die auch gewerkschaftlich (noch) kaum organisiert sind, überwiegt der Frauenanteil. Dies lässt sich aktuell bei der sogenannten Plattformökonomie beobachten, wo in der Regel ohne Arbeitsverträge gearbeitet wird. Neue Serviceplattformen wie Airbnb, Uber oder Amazon Mechanical Turk fördern daher die Allein-Selbstständigkeit, die insbesondere durch die mangelnde Absicherung in Krisenzeiten – wie aktuell – gekennzeichnet ist.</p>
<p>Statt mit Beschäftigten sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse abzuschließen, werden Kleinstarbeitsaufträge schlicht über Angebot und Nachfrage abgewickelt, was zu extrem niedrigen Stundenlöhnen führt. Aus diesem Grund sind gerade Frauen ganz besonders von der sogenannten Prekarisierung, also von atypischen, befristeten sowie niedrig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen ohne Kündigungsschutz und Interessenvertretung, betroffen.</p>
<h2>Digitalisierung bedarf der arbeitspolitischen Regulierung</h2>
<p>Umso mehr überrascht, dass in der aktuellen Digitalisierungsdebatte das Kriterium Geschlecht überhaupt keine nennenswerte Rolle zu spielen scheint. Stattdessen wird das Thema Digitalisierung in der Regel geschlechtsneutral betrachtet. Sofern es Digitalisierungsprojekte in Unternehmen oder Regionen gibt, haben diese keine gleichstellungsorientierte Ausrichtung, da die Notwendigkeit bislang kaum jemandem bewusst ist. Vielmehr wird das Erschließen von Chancen durch Digitalisierung von Frauen als „Selbstläufermodell“ betrachtet, die Verantwortung also bei den Frauen gesehen, wobei Risiken bislang kaum thematisiert werden.</p>
<p>Es ist jedoch zu bedenken, dass keine Technologie per se zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führt. Die digitale Technik ist keine Naturgewalt, die über uns hereinbricht, sondern die konkrete Ausgestaltung bezüglich des Zugangs zu, des Einsatzes von und des Umgangs mit Digitaltechnik ist eine Frage gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse. Auch die Entgrenzung der Arbeit, die vor allem durch die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort und die allzeitige Erreichbarkeit befördert wird, ist keine direkte und notwendige Folge der Digitalisierung, sondern eine Frage von arbeitspolitischen Festlegungen. Das heißt, wie Digitalisierung die Arbeitswelt verändern wird, ist eine Frage von Interessen und bestehenden Kräfteverhältnissen, sodass ohne entsprechendes Gegenwirken Geschlechterdiskriminierung durch Digitalisierung zunächst verstärkt statt ausgeglichen wird.</p>
<h2>Frauen sind nicht weniger digital-<em>fähig</em>, nur digital-<em>unterversorgt</em></h2>
<p>Diese Tatsache lässt sich aktuell empirisch bereits nachweisen: So kommt der D21 Digital Index 2018/2019 zu dem Ergebnis, dass Frauen durchgängig einen geringeren Digitalisierungsgrad aufweisen als Männer und überdurchschnittlich häufig zu den digital Abseitsstehenden gehören, während Männer überwiegend zu den digitalen Vorreitern zählen – und das unabhängig von Alter, Bildung oder beruflichem Status. Bezogen auf die Arbeitswelt wurde nachgewiesen, dass Frauen, die in Vollzeit im Büro arbeiten, gegenüber der männlichen Vergleichsgruppe deutlich schlechter mit mobilen Geräten (Laptop, Smartphone) wie auch digitalen Anwendungen (Videokonferenzdienste und Kollaborationstools) ausgestattet sind. Noch schlechter versorgt sind Teilzeit arbeitende Frauen und dies, obwohl den digitalen Technologien gleichzeitig eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachgesagt wird.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Digitalisierung der Arbeitswelt verstärkt tradierte Rollenverteilungen statt sie auszugleichen.</p></blockquote></div>
<p>Ganz aktuell in der Corona-Krise ist dieses Missverhältnis in vielen Organisationen noch einmal besonders virulent geworden: Während viele Männer wie selbstverständlich das Büro im Unternehmen gegen das Homeoffice getauscht haben, standen viele Frauen aus Verwaltung und Sekretariaten zunächst ohne mobile Endgeräte da, die die Verlagerung der Arbeit in die eigene Wohnung erst ermöglichen. Konsequenterweise sehen daher vor allem vollzeitbeschäftigte Männer in der Digitalisierung eine Chance der besseren Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben. Diese Geschlechterdiskrepanz in der Chancenbewertung lässt sich also nicht nur auf die geringere Offenheit von Frauen für Digitalisierung, sondern auch auf die bislang schlechtere Ausstattung der Frauen mit Digitaltechnik zurückführen.</p>
<p>Gerade dieser Befund bestätigt die These, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt die tradierte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern eher noch verstärkt statt sie auszugleichen.</p>
<h2>Geschlechtssensible Digitalisierungsstrategien als Vorteil für Unternehmen</h2>
<p>Unternehmen und Verwaltungen könnten aus diesen Resultaten jedoch auch die Konsequenz ziehen, die Kriterien bei der Zuteilung von Digitaltechnik zu überdenken. Statt die Ausstattung wie bisher in der Regel an Status und Vollzeit auszurichten, läge mitunter eine Chance darin, gezielt Frauen nicht nur mit Digitaltechnik auszustatten, sondern auch entsprechend zu schulen, um in Zeiten von Fachkräftemangel gut ausgebildete Frauen in der Familienphase nicht zu verlieren, sondern ihnen beispielsweise den Wiedereinstieg zu erleichtern. Dies wäre als geschlechtssensible Digitalisierungsstrategie zu werten.</p>
<p>Auch bei der Weiterbildung kristallisiert sich bezüglich der Digitalisierung eine Verstärkung des Gendergap heraus. Zum einen besteht ein branchenspezifisches Ungleichgewicht bei den Angeboten sowie der Gewichtung von Weiterbildungen zur Digitalisierung. In eher technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungen und Berufen gab es bereits früh technisch ausgerichtete Weiterbildungen und Industrie 4.0-Initiativen, wohingegen ähnliche Maßnahmen in den stärker weiblich besetzten Branchen wie persönliche Dienstleistungen, Pflege, Soziale Arbeit oder Büro und Verwaltung erst deutlich später und mit weniger Engagement durchgeführt wurden. Zum anderen müssten Weiterbildungsangebote zur Digitalisierung selbst gendersensibel gestaltet werden. Solche zielgruppenorientierte Bildungskonzepte sollten auf Beschäftigte in weniger technikaffinen Berufsfeldern ausgerichtet sein und die Lehrinhalte an den Lebenswelten sowohl von Frauen als auch von Männern ausrichten. Durch eine lebensweltliche Perspektive wird vermehrt die Nutzenperspektive digitaler Technologien für Frauen einbezogen. Diese alltäglichen und sozialen Bezüge können daher als Türöffner für die Beschäftigung mit digitalen Technologien wirken und begünstigen gleichzeitig die Offenheit gegenüber neuester Digitaltechnik. Ebenso förderlich ist ein ausgewogenes Verhältnis an weiblichen und männlichen Lehrpersonen.</p>
<h2>Digitalisierung als Chance für Wohnen und Arbeiten in strukturschwachen Räumen</h2>
<p>Wird die Digitalisierung als förderlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Räume erörtert, werden die Sichtweisen auf Grenzen und Potentiale der Digitalisierung ebenfalls durch traditionelle Rollenbilder und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung geprägt. So sehen regionale, kommunale und wirtschaftliche Akteur*innen die Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeit häufig ausschließlich als Chance für Frauen, Reproduktions- und Erwerbsarbeit zu verknüpfen – nicht jedoch explizit für Männer. Viele Expert*innen setzen außerdem große Hoffnungen in die digitalisierte Selbstständigkeit für Frauen, ohne jedoch gleichzeitig Frauen diesbezüglich gezielt zu fördern und durch das Bereitstellen von Treffpunkten für Gründerinnen oder den Aufbau von Netzwerken zu unterstützen.</p>
<p>Nichtsdestotrotz begreifen manche Frauen auf dem Land aber auch die Digitalisierung als Chance, berufliche Alternativen zu finden, die ihren Familien das Leben auf dem Land überhaupt erst ermöglichen. So gilt in manchen sogenannten strukturschwachen Gegenden Deutschlands, dass diese sich für Familien zwar hervorragend zum Wohnen und Leben eignen, man sich seine Arbeit jedoch selber mitbringen müsse. Hier bietet die Digitalisierung durch die Flexibilisierung des Arbeitsortes also durchaus großes Potential.</p>
<p>Die aufgezeigten Entwicklungen und aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass es keinen Automatismus gibt, in dem digitale Technologien per se zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führen. Stattdessen ist deutlich geworden, dass in der Digitalisierung zwar durchaus Chancen für Frauen liegen können, das Erschließen dieser jedoch kein Selbstläufermodell ist und auch nicht – wie bisher – hauptsächlich allein im Verantwortungsbereich der Frauen selbst gesehen werden kann. Vielmehr bleibt die Kategorie Geschlecht auch in Zeiten der Digitalisierung relevant.</p>
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		<title>Sibylle Berg: GRM</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hermann Preßler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Nov 2019 11:34:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 29. Jahrgang, Heft 4, November 2019]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich bin ein eher langsamer Leser, aber GRM habe ich geradezu verschlungen. Zugegeben: in einer Mischung aus Ekel und Angst-Lust.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Berg-GRM.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-4660 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Berg-GRM-183x300.jpg" alt="" width="183" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Berg-GRM-183x300.jpg 183w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Cover_Berg-GRM.jpg 275w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a>Kiepenheuer &amp; Witsch, 2019, 634 S., 25,00 EUR</strong></p>
<p>Ich bin ein eher langsamer Leser, aber <em>GRM</em> (Grime, englisch für „Schmutz“, ein Musikstil aus Großbritannien) habe ich geradezu verschlungen. Zugegeben: in einer Mischung aus Ekel und Angst-Lust. Der Roman spielt in England, erzählt von einer schmutzigen, mehr und mehr von einer Künstlichen Intelligenz beherrschten und total überwachten Welt, von Kindern und Erwachsenen, Reichen und Armen, die allesamt zu einem würdelosen Leben verurteilt sind. In dem es am Ende nur Verlierer gibt und selbst die Manipulierer im Schlamassel ihrer technologischen und geistigen Hervorbringungen untergehen. Bergs (Roman-)Sprache spiegelt die Dekadenz ihrer Protagonisten, ist immer wieder derb und mit Kraftausdrücken gespickt.</p>
<p>Am Beispiel von vier pubertierenden Jugendlichen wird das Leben zerfallender Familien, einer im Marktradikalismus einer durchdigitalisierten und globalisierten Welt sich auflösenden Mittelschicht beschrieben. Rachepläne der Kinder, die sich um ihre Kindheit betrogen wissen, durchziehen die Handlung. Sie gehören der „neu definierten Generation Z“ an, am „Ende des Alphabets“, die „zweite Welle der Digital Natives“, perspektivlos und körperlich mit digitaler Technologie verbunden. Der Roman steht in einer Reihe mit Orwells <em>1984</em> oder Dave Eggers <em>The Circle</em>, will aber nicht als Dystopie oder Science-Fiction gelesen werden, sondern der Realität unseres Lebens auf der Spur sein, das von wachsender Gleichgültigkeit, Sexismus, Rassismus, politischem Despotismus und digitalen Allmachtsphantasien (Smartphone) geprägt ist.</p>
<p>Als Journalistin mit einer Kolumne im SPIEGEL schreibt Berg z.B. über den Klimawandel und die Verwandlung des Internets in ein antidemokratisches Herrschaftsinstrument, das uns zu „Klick-Vieh“ degradiert. GRM ist gut recherchiert, die Erzählebene enthält genügend Elemente unserer Wirklichkeit: In keiner anderen Stadt der Welt ist die Gesichtserkennung durch entsprechende Kameras in öffentlichen Bereichen so weit „fortgeschritten“ wie in London, und in China wird das (erwartete) Verhalten der „durchleuchteten“ BürgerInnen mit Credit Points belohnt, abweichendes bestraft. Im Roman gehört England faktisch den Chinesen. Ein aufgrund der wuchernden Arbeitslosigkeit eingeführtes Grundeinkommen kann durch entsprechendes Benehmen aufgebessert oder verspielt werden, für die Kontrolle sorgt ein implantierter Chip, der den Menschen überhaupt erst als existent ausweist.</p>
<p>Inzwischen kenne ich auch Leute, die das Buch nach gelesener Hälfte aus der Hand gelegt haben&#8230;, zu viel GRM?</p>
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		<title>Mitreden statt abtauchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Aug 2019 11:20:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 29. Jahrgang, Heft 3, August 2019]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hatespeech, nicht abreißende Datenskandale, undemokratische Wahlbeeinflussung, unkontrollierte Machtkonzentration – die Vorwürfe gegenüber Social Media Plattformen wie Facebook sind massiv. Sollte man sie deshalb boykottieren?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Hatespeech, nicht abreißende Datenskandale, undemokratische Wahlbeeinflussung, unkontrollierte Machtkonzentration – die Vorwürfe gegenüber Social Media Plattformen wie Facebook sind massiv. Sollte man sie deshalb boykottieren?</p></blockquote></div>
<p>Zehn Argumente, warum man seine Social Media Account sofort löschen sollte, hat der amerikanische Internet-Pionier Jaron Lanier im vergangenen Jahr in einem aufrüttelnden Essay zusammengestellt: Facebook &amp; Co. machen abhängig und unfrei, sie manipulieren unser Verhalten, missbrauchen unsere Daten und verschaffen einigen wenigen Menschen und Konzernen eine unkontrollierte, undemokratisch Machtfülle, so lauten einige seiner Thesen (<em>Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst.</em> Hamburg, 2018, 208 S.).</p>
<h2>Bye, bye, Facebook</h2>
<p>Wiederholte Datenskandale und die Instrumentalisierung Sozialer Netzwerke für politische Propaganda von rechts sowie aus dem Ausland haben das Misstrauen und die Kritik gegenüber Social Media seither verstärkt. Erst kürzlich hat sich der Apple-Mitbegründer Steve Wozniak dem Aufruf von Jaron Lanier zur Löschung von Facebook-Accounts angeschlossen. Und tatsächlich liest man in letzter Zeit immer wieder davon, dass nicht nur einzelne Personen, sondern auch Institutionen und Organisationen Social Media-Accounts bewusst aufgegeben haben – neben Angela Merkel und dem GRÜNEN-Vorsitzendem Robert Habeck z.B auch die Sächsische Staatskanzlei als bundesweit erste Regierungseinrichtung oder die Gesellschaft für Informatik, der größte Zusammenschluss von Informatikern im deutschsprachigen Raum.</p>
<h2>Boykott oder Beteiligung?</h2>
<p>Ob die Facebook-Account-Löschung – oder gar ein kompletter Social Media-Boykott – die richtige Reaktion auf Datenskandale und die skizzierten Risiken sind, wird seither viel diskutiert. Tobias Dienlin, Medienpsychologe an der Universität Hohenheim, findet den kompletten Rückzug gerade bei Politikerinnen und Politikern zu hart: „„Das ist schade, weil durch Social Media können wir viel einfacher mit Politikern und deren Team kommunizieren,“ kommentierte er Robert Habecks Entscheidung im Online-Magazin <em>jetzt</em> der <em>Süddeutschen Zeitung </em>(<em>www.jetzt.de/digital/warum-politiker-sich-von-facebook-abmelden</em>, 1.5.2019).</p>
<p>Gleichzeitig dienen Social Media längst nicht mehr nur der persönlichen Kommunikation, sondern haben sich als eine Instanz im öffentlichen Diskurs etabliert. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bringt diesen Wandel des einst passiven Konsumenten oder Rezipienten der Massenkommunikation zum aktiven Nutzer als Bürger einer demokratischen Gesellschaft auf den Punkt: „Die fünfte Gewalt besteht aus den vernetzten Vielen des digitalen Zeitalters, die längst zu einer publizistischen Macht geworden sind.“ Zwar hat der Medienwissenschaftler Thomas Friemel gezeigt, dass in allen Internet-Plattformen Kommentatoren politisch eher rechts stehen und dabei oft fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen zeigen. Doch gerade deshalb erscheint es als problematisch, wenn nun ausgerechnet der demokratisch, rechtsstaatlich und weltoffen eingestellte Nutzerkreis den Social Media den Rücken kehrt und das Feld damit dem rechten Klientel überlässt.</p>
<h2>Alte und neue Medien des öffentlichen Diskurses</h2>
<p>Parallel zur wachsenden Bedeutung der neuen „fünften Gewalt“ haben herkömmliche Akteure des öffentlichen Diskurses an Einfluss verloren. Zur vielzitierten Politikverdrossenheit ist eine Medienverdrossenheit hinzugekommen, die nicht zuletzt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und andere Qualitätsmedien mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ und des „Mainstream“-Journalismus konfrontiert. Unverkennbar leidet der etablierte Journalismus unter einem Glaubwürdigkeitsverlust. Die Beziehungskrise zu seinem Publikum in den neuen Formen der Öffentlichkeit, in den Sozialen Medien, schlägt sich dabei, so Pörksen, in „Entlarvungsarbeit bis hin zur brutalen Attacke“ der fünften Gewalt nieder.</p>
<p>Gleichwohl dominiert in den Redaktionen die Meinung, die Aktivitäten des Publikums (Leser, Zuschauer, Hörer) in den sozialen Netzwerken nicht übergehen zu können. In ihnen wird „sichtbar“, dass die Menschen über das sprechen, was die Medien ihnen vorsetzen, urteilt der Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt. Das läuft darauf hinaus, dass Journalisten zusätzlich zum eigenen Angebot angeschlossene Diskurse anbieten, ein Prozess, der positiv als „Dialogisierung“ beschrieben wird. „Die Einbahnstraße hat Gegenverkehr“, fasst der Medienwissenschaftler Christoph Neuberger das historisch Neue zusammen. (Zitate aus: Fritz Wolf: <em>„Wir sind das Publikum!“ Autoritätsverlust der Medien und Zwang zum Dialog.</em> Ffm., 2015, <a href="http://www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/publikationen"><em>www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/publikationen</em></a>).</p>
<p>Weit darüber hinausgehend, fast einem Kulturpessimismus des Digitalen das Wort redend, sieht der Psychologe Stefan Grünewald die neue Herausforderung (und zugleich das Grenzwertige) in einem „digitalen AppSolutismus“. Darunter versteht er die quasi religiöse Verheißung einer unbeschränkten Verfügbarkeit über Dinge und Menschen. Apps aller Art und soziale Kontaktforen ermöglichten, ohne sich bewegen zu müssen, überall präsent zu sein – und sich selbst bereitwilligst transparent zu machen. Aber immer wieder schlage diese „alltägliche Zeigelust“ und Verbindungssehnsucht schnell in Enttäuschung um, wenn die erhoffte zustimmende Resonanz ausbliebe oder die Menschen feststellten, dass ihnen ihre analoge Alltagswelt in beruflichen und privaten Kontexten schnellen Erfolg versagte. Die Folge wäre eine „Affektmasturbation“:  Was nicht leicht oder gleich ins eigene eingefahrene Denken, Handeln und Empfinden passe, werde rüde zurückgewiesen, wie die „oft wütenden und und unflätigen Leserkommentare in den digitalen Foren von Wochenzeitschriften oder Tageszeitungen“ offenbarten (Stefan Grünewald: <em>Wie tickt Deutschland? Psychologie einer aufgewühlten Gesellschaft.</em> Köln 2019, S. 151).</p>
<h2>Kritische und risikobewusste Nutzung statt Ausstieg</h2>
<p>Auch die <em>evangelischen aspekte</em> unterhalten eine Präsenz auf Facebook, Twitter und Instagram, und wir haben die Aktivität auf diesen Kanälen in der jüngeren Vergangenheit sogar intensiviert. Beiträge, die in den <em>aspekten</em> erscheinen, werden dort verlinkt und in laufende Diskussionen auf den Plattformen eingebracht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es auf diesem Wege gelingt, eine Zielgruppe anzusprechen, die wir mit der gedruckten Ausgabe unserer Zeitschrift nicht erreichen, um mit dieser Zielgruppe über die in den <em>aspekten</em> behandelten Themen und Positionen ins Gespräch zu kommen. Das belegen die steigenden Follower- und Interaktionszahlen v.a. auf Twitter (ca. 1.100 Follower) und Instagram (186 Abonnenten), aber auch die Besuche unserer kostenlosen Online-Ausgabe <a href="http://www.evangelische-aspekte.de"><em>www.evangelische-aspekte.de</em></a> über Facebook.</p>
<p>Die Entwicklung dieses Angebots ging mit intensiven Diskussionen in der Redaktion einher, bei denen die Einschätzungen durchaus weit auseinander lagen. Bei aller sichtbar gewordenen Ambivalenz erschien es uns im Ergebnis aber keine Lösung, uns Social Media einfach zu verweigern. Denn mit der aktiven Teilhabe kritischer Bürgerinnen und Bürger an der medialen Öffentlichkeit steht und fällt der Prozess der öffentlichen Meinungsbildung und damit ein Kernbestandteil der Demokratie. Allerdings folgen wir bei der Nutzung von Social Media folgenden Regeln und Einschränkungen, um negative Effekte möglichst zu verringern:</p>
<ul>
<li>Für Social Media werden keine originären Inhalte bereitgestellt, sondern nur Verweise auf anderweitig bereits online veröffentlichte Inhalte und Kommunikationsbeiträge in deren Kontext. Die Hoheit über die eigentlichen Inhalte verbleibt damit außerhalb der Social Media.</li>
<li>Persönliche Daten werden über Social Media nur soweit unbedingt nötig und nur mit Zustimmung der betroffenen Personen geteilt.</li>
<li>Die Redaktion stellt Inhalte auf Social Media nur in öffentlichen Bereichen ein. Sie nutzt keine geschlossenen Gruppen, sodass Interessenten nicht gezwungen werden, einen eigenen Account bei Sozialen Netzwerken anzulegen.</li>
</ul>
<p>Wir sind gespannt, wie unsere Leserschaft dieses Thema einschätzt. Schreiben Sie uns gerne an <a href="mailto:&#114;e&#100;&#97;&#107;&#116;i&#111;n&#64;&#101;&#118;&#97;n&#103;&#101;li&#115;c&#104;&#101;&#45;&#97;s&#112;&#101;&#107;t&#101;&#46;&#100;e">&#114;ed&#97;&#107;t&#105;&#111;&#110;&#64;e&#118;ang&#101;l&#105;&#115;&#99;&#104;&#101;&#45;asp&#101;&#107;&#116;e&#46;de</a>.</p>
<p><em>Für die Redaktion: Hermann Preßler und Bertram Salzmann</em></p>
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		<title>An Gott zu glauben, kann eigentlich nicht schaden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Nov 2018 13:18:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 28. Jahrgang, Heft 4, November 2018]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[EKD]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit einem neuen Youtube-Kanal will die EKD junge Menschen zum Nachdenken über Glaubensfragen anregen und für den Protestantismus begeistern. Wir haben eine junge Kommunikations-Wissenschaftlerin und begeisterte Youtube-Nutzerin um ihre Eindrücke gebeten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Mit einem neuen Youtube-Kanal will die EKD junge Menschen zum Nachdenken über Glaubensfragen anregen und für den Protestantismus begeistern. Wir haben eine junge Kommunikationswissenschaftlerin und begeisterte Youtube-Nutzerin um ihre Eindrücke gebeten.</p></blockquote></div>
<p>Eine junge Frau mit blonden Locken sitzt an einem Schreibtisch und erzählt aus ihrem Alltag, von ihrer Liebe zu Kaffee und vom Urlaub mit Freunden. Es mag verwundern, aber die junge Frau macht dies im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie heißt Jana Highholder, ist Medizinstudentin und seit April 2018 das junge Gesicht der EKD auf der Video-Plattform <em>Youtube</em>. Zusätzlich zu dem Youtube-Kanal ist das Projekt auch auf Facebook und Instagram vertreten.</p>
<h2>Der neue Ansatz: „Influcencermarketing“</h2>
<p>Knapp sechs Stunden pro Tag sind unter 30-Jährige durchschnittlich online. Dies zeigen die Ergebnisse der neusten Onlinestudie von ARD und ZDF. Deswegen muss Kirche auch im digitalen Raum präsent sein, vor allem, wenn sie Jugendliche und junge Erwachsene erreichen möchte.</p>
<p>Für das Projekt „Jana“ kooperiert das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej).  Für die Umsetzung wurde die Kölner Firma Mediakraft Networks beauftragt. Sie ist auf die Planung und Betreuung von Markenkanälen und das sogenannte Influencermarketing spezialisiert, also die Werbung durch bekannte Internetpersönlichkeiten. Bei der Planung der Videos ist neben Highholder und der Firma Mediakraft Networks auch der Theologe Dr. Thomas Dörken-Kucharz beteiligt. Er nimmt die geschnittene Fassung auch ab.</p>
<h2>Lebens- und Glaubensthemen im Gespräch</h2>
<p>Jana Highholder war bisher vor allem als christliche Poetryslammerin bekannt. Poetryslams sind Veranstaltungen, bei denen, meist junge Menschen, selbst geschriebene Gedichte vortragen und damit gegeneinander antreten. In ihren Videotagebüchern für die EKD, den sogenannten Vlogs, gibt Higholder Einblicke in ihren Alltag zwischen Vorlesungen, Auftritten als Poetryslammerin und Zeit mit Freunden und Familie. Man sieht sie, wie sie am Schreibtisch sitzt, mit Freunden Kaffee trinkt oder betet. Außerdem gibt es noch das Format „Wir“, in dem sie in einem Studio Fragen beantwortet, die meist mehr oder weniger mit ihrem Glauben zu tun haben, oder jemanden interviewt.</p>
<p>Im dritten Format „Kaffeedate mit Jana“, spricht Higholder fremde Menschen auf der Straße an und fragt sie, ob sie Lust haben, mit ihr einen Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Mit ihnen spricht sie darüber, was ihnen im Leben wichtig ist, und fragt ihre Gesprächspartner am Ende des Gespräches, an was sie glauben.</p>
<h2>Resonanz in den Medien</h2>
<p>Zum Start des Projekts war das Medienecho groß. So berichtete unter anderem die <em>Süddeutsche Zeitung</em> unter dem Titel „Gottes Influencerin“ über den Start des Projekts. Johanna Kügler kritisiert in einem Artikel für die <em>taz</em>, dass der in den Videos gezeigte Alltag von Jana oft wenig mit der Lebensrealität von Jugendlichen zu tun habe. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Lisa Ludwig, die für das Online-Magazin <em>Vice</em> schreibt. Sie kritisiert, dass die Zuschauer kaum mitbekommen, was Jana wirklich persönlich beschäftigt.</p>
<p>Auch in kirchlichen Kreisen wurde kritisiert, dass es dem Projekt „Jana“ an Authentizität fehle. Die theologische Prägung der Videos wird ebenfalls kritisiert. Und dass mit Jana Highholder eine Freikirchlerin Werbung für die EKD macht, ist schon etwas außergewöhnlich.</p>
<h2>Für einen christlichen Kanal ist die Reichweite beachtlich</h2>
<p>War die Reichweite von „Jana“ in den ersten Monaten noch ziemlich gering, so ist sie jetzt mit mehr als 3.800 Abonnenten und insgesamt über 138.000 Videoaufrufen für einen deutschsprachigen Youtube-Kanal relativ hoch. Im Vergleich zu Dagi Bee, eine der berühmtesten deutschen Influencerinnen, die über 3,9 Millionen Abonnenten hat, ist der Kanal allerdings eher unbedeutend. Vergleicht man ihn aber mit „Stay on fire“, einem bekannten deutschen evangelikalen Youtube-Kanal, der sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und etwas über 37.000 Aufrufe hat, wird deutlich, dass 138.000 Aufrufe in sechs Monate für einen deutschsprachigen Kanal mit christlichen Inhalten als sehr erfolgreich angesehen werden kann. Jana Higholder ist noch keine berühmte Influencerin geworden und wird es wahrscheinlich auch nicht werden. Aber trotzdem kann man sagen, dass das Projekt Jana schon viele Menschen erreicht hat.</p>
<h2>Einblicke in den Alltag einer überzeugten Christin</h2>
<p>Wie sieht es aber mit den Inhalten aus? Da gibt es, die sogenannten Vlogs, also die Videos in denen Jana zeigt, was sie an einem Tag oder innerhalb von einer Woche so macht. Auch wenn dieses Format inhaltlich oft wenig abwechslungsreich ist, sind Vlogs ein beliebtes Videoformat auf Youtube. Wer gerne Vlogs sehen möchte, kann zwischen zehntausenden deutschsprachigen Youtube-Kanälen wählen. Darunter gibt es auch einige Kanäle, in denen Einblicke in den Alltag Medizinstudierender gewährt werden.</p>
<p>Wer sich dennoch gezielt dazu entscheidet, Janas Videos zu schauen, macht dies vermutlich, weil er oder sie gerade Interesse daran hat, dass es eben eine Christin ist, die hier einen Einblick in ihren Alltag gibt und über ihren Glauben spricht. Deswegen könnten die Videos auch stärker auf theologische Fragen eingehen. Dafür spricht auch, dass viele Videos, bei denen der Videotitel darauf hinweist, dass es darin um das Thema Glauben geht, zu den besonders beliebten Videos auf dem Kanal „Jana“ gehören.</p>
<h2>Theologisch eher oberflächlich</h2>
<p>In dem Format „Wir“, das für eben diese theologische Fragen da zu sein scheint, geht Jana oft eher oberflächlich auf solche Fragen ein. Man bekommt das Gefühl vermittelt, dass es wohl nicht schaden kann, an Gott zu glauben, aber viel mehr oft auch nicht. Ein Kanal, der im Auftrag der EKD betrieben wird, sollte aber höhere theologische Ansprüche haben. Vor allem, da dem Projekt „Jana“ bisher auch im christlichen Bereich ein Alleinstellungsmerkmal fehlt. Zum Beispiel gibt es den Kanal von Hannah Löwenherz, einer 18-jährigen, jungen Christin, die ebenfalls Vlogs und Videos zu Glaubensfragen veröffentlicht. Solche Kanäle erreichen hauptsächlich Menschen, die sich mit dem christlichen Glauben schon beschäftigen.</p>
<h2>Das Interesse an Glaubensfragen reicht weiter</h2>
<p>Es gibt aber auch einige Youtuberinnen und Youtuber, die andere Hauptthemen haben, aber auf ihrem Kanal auch über ihren Glauben sprechen, wie zum Beispiel Annabel Gomes und Ceddotalk. Wenn man mit ihnen kooperieren würde, hätte dies sicherlich großes Potential, da sie einen hohen Bekanntheitsgrad haben und auch viele erreichen, die bisher kein Interesse an Glaubensfragen haben. Denn die Videos von solchen bekannten Youtubern schauen nicht selten mehr als einhunderttausend Menschen.</p>
<p>Klar ist, dass das Projekt „Jana“ nur ein Anfang sein kann, denn wenn Kirche bei den Menschen sein möchte, muss sie auch auf Youtube, Instagram, Facebook, Twitter und Co gut vertreten sein. Und vielleicht punktet das nächste Projekt ja mit etwas mehr Tiefgang, Theologie und weniger Angst vor heiklen Themen. Denn die jungen Menschen sind offen für Sinnfragen und für nicht immer einfache Antworten.</p>
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