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	<title>evangelisch aktiv &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelisch aktiv &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Orte der Demokratie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Feb 2026 20:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 1, Januar 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hotel Silber]]></category>
		<category><![CDATA[Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Paulskirche]]></category>
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		<category><![CDATA[Wartburg]]></category>
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					<description><![CDATA[Demokratie ist nicht nur über die Geschichte politischer Ideen nachvollziehbar, sondern lässt sich in Deutschland auch verorten. Dafür ist sogar eine Stiftung ins Leben gerufen worden, die eine Landkarte zu über ganz Deutschland verteilten Orten der Demokratiegeschichte erstellt hat, auf deren Grundlage sich demokratische Reisen planen lassen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Demokratie ist nicht nur über die Geschichte politischer Ideen nachvollziehbar, sondern lässt sich in Deutschland auch verorten. Dafür ist sogar eine Stiftung ins Leben gerufen worden, die eine Landkarte zu über ganz Deutschland verteilten Orten der Demokratiegeschichte erstellt hat, auf deren Grundlage sich demokratische Reisen planen lassen.</p></blockquote></div>
<p>Jedes Jahr im Januar hat die Reiselust ein Zentrum. Das befindet sich in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Zehn Tage lang präsentieren auf der Landesmesse in Stuttgart rund 2500 Aussteller alles rund um Tourismus und Freizeit. Es geht vor allem um Spaß und Unterhaltung, aber die Destinationen bieten viel mehr. Angesichts der Krisen und Konflikte und des Vordringens von rechtem Gedankengut weltweit ist es wichtig, daran zu erinnern, dass es sich lohnt, Orte der Demokratie aufzuspüren. Dabei hilft ein Blick auf die Homepage der Stiftung „Orte der Demokratiegeschichte“, die über ganz Deutschland verteilt Gedenkorte auflistet, die mit demokratischen Traditionen in Verbindung gebracht werden (<em>www.demokratie-geschichte.de/karte/</em>).</p>
<p>Da ist zum Beispiel die Stadt Stuttgart selbst, die mit zahlreichen Angeboten, vom Musical über Oper und Theater bis zum zoologischen Garten Wilhelma, wirbt. Doch da gibt es auch das Wohnhaus des ersten Bundespräsidenten, das zum Museum umgebaut worden ist. Träger ist die Stiftung „Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus“, für die das ehemalige Wohnhaus mehr als ein Zeitzeugnis ist. Sie spricht von einem „Ort der Demokratie und der offenen Gesellschaft“.</p>
<h2>Wohnhaus des 1. Bundespräsidenten Theodor Heuss</h2>
<p>Nicht nur Vorträge, Gespräche, Workshops und Filmvorführungen stehen auf dem Programm. In den beiden Dauerausstellungen geht es anhand der Biografie von Theodor und Elly Heuss-Knapp um „Demokratie als Lebensform“ und unter dem Motto „Nummer 1 – das Staatsoberhaupt“ um die Institution des Bundespräsidenten. Für den Protestanten war auch der Glaube ein wichtiger Anker. Das zeigte sich auch bei seiner Wahl am 12. September 1949 in Bonn. Seine Antrittsrede beschloss er mit dem Vers aus dem 14. Kapitel der Sprüche Salomons „Gerechtigkeit erhöhet ein Volk“.</p>
<p>Der am 31. Januar 1884 in Brackenheim geborene Theodor Heuss war einer der Mitgestalter des Grundgesetzes. Er starb am 12. Dezember 1963 in Stuttgart, wo er auf dem Waldfriedhof beerdigt ist. Der liberale Politiker hat über ein breites Wissen verfügt. Er studierte Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Staatswissenschaften an den Universitäten von München und Berlin und arbeitete später als Journalist, Publizist und Politikwissenschaftler.</p>
<h2>Paulskirche und Gasthof Badischer Hof</h2>
<p>Als Vorbild des Grundgesetzes gilt die so genannte Paulskirchenverfassung. Diese wurde in Frankfurt am Main in einem Gotteshaus ausgearbeitet, das bis 1944 als evangelisch-lutherische Hauptkirche Frankfurts diente. In der Paulskirche tagte in den Jahren 1848 und 1849 mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste demokratisch gewählte Parlament in Deutschland. Heute ist der Bau im Zentrum Frankfurts Gedenk-, Ausstellungs- und Versammlungsort, der als Erinnerungsort der deutschen Demokratie und als nationales Symbol gewürdigt wird.</p>
<p>Im Gasthof Badischer Hof in Heidelberg findet man die Wurzeln der Nationalversammlung. Dort kamen am 5. März 1848 insgesamt 51 liberale und demokratische Abgeordnete aus Baden, Württemberg, der Rheinpfalz, Hessen und Rheinpreußen zusammen. Der hier eingerichtete „Siebener-Ausschuss“ richtete ab dem 31. März 1848 das Vorparlament in Frankfurt am Main aus, das die Wahlen für die Nationalversammlung vorbereitet und das erste gesamtdeutsche Parlament einberief (<em>www.demokratie-geschichte.de/karte/11135</em>)</p>
<h2>Lern- und Gedenkort „Hotel Silber“</h2>
<p>Ein besonderer demokratischer und auch beklemmender Gedenkort ist das „Hotel Silber“ in Stuttgart, das zum Haus der Geschichte Baden-Württemberg gehört. In der ehemaligen Gestapo-Zentrale ist ein Lern- und Gedenkort entstanden, in dem an die Untaten der NS-Zeit erinnert wird. Lohnenswert ist auch der Weg an den südlichen Zipfel von Baden-Württemberg. In Freiburg ist jetzt ein NS-Dokumentationszentrum entstanden, das nicht nur die Historie beleuchtet, sondern die Spur des rechten Denkens bis in die Gegenwart verfolgt. In einem eindrucksvollen Gedenkraum sind alle bekannten Opfer des NS-Terrors namentlich aufgelistet.</p>
<h2>Erinnerungsort zum Aufstand des Armen Konrad</h2>
<p>Wieder zurück in der Region Stuttgart geht es weiter zurück in die Geschichte bis in die Zeit des Bauernkriegs. Diesem ist ein eigenes Museum gewidmet im Württemberg-Haus in Beutelsbach im Remstal. Dort wird an den Aufstand des Armen Konrad im Jahr 1514 erinnert. Es heißt, dass damals die Untertanen zum ersten Mal das Gefühl hatten, dass Protestaktionen gegen Maßnahmen „von oben“ erfolgreich sein können. So entstand eine massenhafte Aufstandsbewegung, die ihren Unmut artikulierte und politische Teilhabe einforderte. Als Folge bekam der Landtag gegenüber dem Herzog, der auch die Steuern zurücknehmen musste, mehr Mitbestimmungsrechte.</p>
<h2>Lernort in Mönchengladbach zur katholischen Sozialbewegung</h2>
<p>An sozialpolitische Reformer erinnert ein Gedenkort in Mönchengladbach, der an die katholische Sozialbewegung erinnert. Die so genannte Brandts-Kapelle ist von Franz Brandts, dem ersten Vorsitzenden des „Volksvereins für das katholische Deutschland“, gestiftet worden. Mit dem Verein setzte sich der Fabrikant für den sozialpolitischen Katholizismus ein. Brandts (1834 – 1914) ließ die Kapelle in Gedenken an seinen an Tuberkulose verstorbenen Sohn am Rande des früheren Fabrikgeländes errichten. 1896 wurde sie eingeweiht. Die erste Messe hielt der junge Priester Franz Hitze (1851 – 1921). Brandts und Hitze gründeten 1890 mit den Zentrumspolitikern Ludwig Windthorst und Franz von Ballestrem den Volksverein.</p>
<h2>Wartburg Eisenach</h2>
<p>Die Wartburg bei Eisenach ist bis heute fest verankert als zentraler Ort der deutschen Demokratie- und Kirchengeschichte. Zum Wartburgfest von 1817 zogen knapp 500 Studenten aus ganz Deutschland. Sie wollten hier für die Einheit Deutschlands und eine gemeinsame Verfassung mit Grundrechten demonstrieren. Hier bildete sich erstmals der Wille zum einheitlichen und freien Nationalstaat heraus.</p>
<p>Die Festveranstaltung fand am 17. und 18. Oktober 1817 im Zeichen von 300 Jahren Reformation und dem vierten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig auf der Wartburg und in Eisenach statt mit patriotischen Reden und freiheitlichen Liedern. Aber auch in der Kirchengeschichte ist die Wartburg ein denkwürdiger Ort. Sie ist berühmt als Zufluchtsort und Arbeitsplatz des Reformators Martin Luther während seines Exils (1521/22), wo er sich unter dem Decknamen „Junker Jörg“ versteckte und das Neue Testament in nur elf Wochen aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Damit trug er nicht nur maßgeblich zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache bei, sondern machte die Bibel erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Die Burg, die auch als zentraler Ort der Reformation gilt, steht seit 1999 auf der UNESCO-Welterbeliste.</p>
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		<title>Adventliche Events</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Advent]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsmärkte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtssingen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtszirkus]]></category>
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					<description><![CDATA[Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland im Trend. Aber die Besinnlichkeit ist oft zum Geschäft geworden – das sich viele nicht mehr leisten können. Kirchliche Einrichtungen setzen dagegen auf Inklusion. Und der Zirkus entführt in eine wundersame Welt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland im Trend. Aber die Besinnlichkeit ist oft zum Geschäft geworden – das sich viele nicht mehr leisten können. Kirchliche Einrichtungen setzen dagegen auf Inklusion. Und der Zirkus entführt in eine wundersame Welt.</p></blockquote></div>
<p>Der Boom ist ungebrochen. Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland Besuchermagneten. Bei dem Trubel geht die viel beschworene Besinnlichkeit vielfach verloren. In den engen Gassen zwischen den Ständen bleibt bei großem Andrang kaum Zeit zum Verweilen. Auftritte von Kirchenensembles bei größeren Märkten bringen zumindest die Stimmen der Kirchen zum Erklingen. So sind an allen Wochenenden vom 26. November bis 23. Dezember 2025 während des Stuttgarter Weihnachtsmarktes Posaunenchöre von der Stiftskirche zu hören. Und an den Konzerten im Innenhof des Alten Schlosses sind auch Kirchenchöre beteiligt genauso wie beim Weihnachtsfest der Chöre am 21. Dezember auf dem Dresdner Striezelmarkt.</p>
<h2>Weihnachtsmärkte von Dresden bis Traben-Trarbach</h2>
<p>Längst hat die Tourismusbranche die Weihnachtsmärkte als Geschäftsmodell entdeckt. Zu den populären Weihnachtsmärkten in Stuttgart, Ulm, Nürnberg oder Dresden sind viele Busreisen schon ausgebucht. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es zur Weihnachtszeit eine unterhaltsame Abwechslung. Inzwischen werben Hotels und Reiseveranstalter mit außergewöhnlichen Weihnachtsmärkten. So lockt der Christkindlmarkt in Hauzenberg im Landkreis Passau, gelegen in der Dreiländerregion Deutschland, Österreich und Tschechien, mit dem „beeindruckenden Ambiente“ des „Stoabruchs“. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Steinbruch im Granitzentrum Bayerischer Wald.</p>
<p>Aufgelistet werden im Internet eine ganze Reihe ungewöhnlicher Weihnachtsmärkte. So geht es in Traben-Trarbach an der Mosel in die Unterwelt. Fünf ehemalige Weinkeller wurden dafür romantisch ausgestaltet. Direkt am Domplatz vor der Kulisse von Mariendom und Severikirche in der mittelalterlichen Altstadt Erfurts findet der größte Weihnachtsmarkt Thüringens statt. Und auf der Leuchtenburg in der Nähe von Jena gibt es den „Weihnachtsmarkt der Wünsche“. Hier kann jeder seinen Porzellanteller, auf den er vorher einen Wunsch geschrieben hat, in die Tiefe fallen lassen, weil die Scherben Glück bringen sollen.</p>
<h2>„Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg (NRW)</h2>
<p>So könnte man auf eine Weihnachtsmarktreise quer durch Deutschland aufbrechen. Auch in kleinen Orten locken Advents- und Weihnachtszauber. Dass Besucherinnen und Besucher einen gut gefüllten Geldbeutel mitbringen müssen, ist die Voraussetzung für einen gelungenen Besuch. Denn auch hier ist im Laufe der Jahre alles teurer geworden. Sei es Christbaumschmuck aus dem Erzgebirge oder der Glühwein und die rote Wurst. Weil Armut Ausgrenzung bedeutet, gibt es Aktionen an Weihnachten für Menschen mit geringem Einkommen.</p>
<p>Ein Beispiel ist der „Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg, einem Ort in Nordrhein-Westfalen. Die Idee zu sozial-inklusiven Weihnachten hatte vor drei Jahren Sebastian Walde, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde. Er wollte in Zeiten der Krise ein Zeichen des Zusammenhaltens setzen und Menschen mit kleinem Budget den Besuch des Marktes ermöglichen. Er fand schnell Freiwillige, die es möglich machen, dass Glühwein und Würstchen günstig angeboten werden. Auf dem Markt steht auch eine „Bonkasse“, in die Menschen mit genügend Geld in der Tasche Bons für diejenigen erwerben können, die gar nichts haben.</p>
<p>Da alles teurer geworden sei, fällt immer mehr Menschen die Teilhabe am sozialen Leben schwer, haben die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde festgestellt. Auch Kindergärten, Schulen und Musikgruppen beteiligen sich inzwischen an der Initiative. Es wurden extra Spendenaktionen ins Leben gerufen. Heute ist der Weihnachtsmarkt ein beliebter Treffpunkt.</p>
<h2>Feier für obdachlose Menschen</h2>
<p>Eine besondere Feier bereitet die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) jedes Jahr bedürftigen Menschen ohne Obdach. Mehr als tausend Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zu „eva’s Stall“. Traditionell beginnt dieser an Heiligabend mit einem Gottesdienst im Innenhof der diakonischen Einrichtung. Danach gibt es für alle Gäste Kaffee, Tee, Kuchen und Gebäck an einer festlich gedeckten Tafel.</p>
<p>Das Ensemble „Dein Theater“ sorgt mit Krippenspiel, Liedern und Texten aus der Weihnachtsgeschichte für eine besinnliche Stimmung. Danach serviert das Team der Stadtmission, unterstützt durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, das typisch schwäbische Heiligabend-Essen: Saitenwürstle mit Kartoffelsalat. Und weil auch Geschenke zu Weihnachten gehören, bekommen alle anschließend ein Weihnachtsgeschenk (<em>www.eva-stuttgart.de/spenden-helfen</em>).</p>
<p>Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der Stall noch einmal von mittags an geöffnet. Neben einem Gottesdienst, Festtagsessen und dem Weihnachts-Kaffee steht Musik auf dem Programm: Die Gäste singen gemeinsam weihnachtliche Lieder und lassen den Nachmittag feierlich ausklingen.</p>
<h2>Weihnachtssingen im Stadion</h2>
<p>Für einen feierlichen und besinnlichen Auftakt zum Weihnachtsfest, der zu Herzen geht, sorgt das Stuttgarter Weihnachtssingen. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn ein ganzes Fußballstadion gemeinsam festliche Lieder intoniert. Das Weihnachtssingen im Gazi-Stadion findet schon zum siebten Mal statt unter Leitung von Patrick Bopp, der früher im populären Vokalensemble die Füenf gesungen hat. Unterstützt wird er von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke. Inzwischen wird die Veranstaltung per <em>Live-Stream</em> an Kliniken übertragen, zum Beispiel in Stuttgart und Ulm. Gesungen wird am 21. Dezember ab 17 Uhr wieder zwei Mal 45 Minuten wie beim Fußballspiel.</p>
<p>Zu einer weihnachtlichen Tradition besonders für Familien ist der Besuch im Weihnachtszirkus geworden, den es inzwischen in jeder größeren Stadt bundesweit gibt. Der Zuspruch ist ungebrochen. Die Veranstalter wollen mit dem Gastspiel ein festliches Feuerwerk für die ganze Familie bieten in der Manege. Der größte Vertreter der Branche ist der Stuttgarter Weltweihnachtscircus. Spannung, Poesie und viel Emotionen ist für den holländischen Produzenten Henk van der Meijden die Erfolgsformel mit internationalen Artisten der Spitzenklasse.</p>
<h2>Fast in jeder größeren Stadt lockt ein Weihnachtszirkus</h2>
<p>Der dem Zirkus mit aller Leidenschaft verbundene Niederländer will die Menschen mit seiner Vorstellung entführen in eine wundersame Welt, die den Menschen eine Auszeit von den Alltagssorgen bietet. Dort, wo sie hemmungslos lachen dürfen über den tolpatschigen Clown oder den trickreichen Zauberer, der auch das Publikum hinters Licht führt und der die Uhren der Zuschauerinnen und Zuschauer unbemerkt vom Handgelenk verschwinden lässt. All das, was im hektischen Alltag keinen Platz mehr hat, kann man zum Jahreswechsel in einer Zeit, wenn die Uhren anders gehen, im Zirkus erleben.</p>
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		<title>Wie Architektur den Lebensraum gestaltet</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/wie-architektur-den-lebensraum-gestaltet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:25:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bauausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[IBA27]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensraum]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Sobeck]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Internationale Bauausstellung 2027 will Beispiele für das Wohnen und Arbeiten in einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt schaffen. Dabei muss sich nach Ansicht von Stararchitekt Werner Sobek Ästhetik und Nachhaltigkeit verbinden. Kultur bringt der Würth-Konzern mit seinen Museumsbauten den Menschen nahe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Internationale Bauausstellung 2027 will Beispiele für das Wohnen und Arbeiten in einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt schaffen. Dabei muss sich nach Ansicht von Stararchitekt Werner Sobek Ästhetik und Nachhaltigkeit verbinden. Kultur bringt der Würth-Konzern mit seinen Museumsbauten den Menschen nahe.</p></blockquote></div>
<p>Ein idyllischer Ort in Baden-Württemberg zwischen Weinbergen und Wäldern. Der Weg ins historische Zentrum führt über die Neubauviertel am Stadtrand. Sie machen einen eher trostlosen Eindruck. Dicht an dicht stehen sterile moderne Mehrfamilien-Wohnblocks. Die Ästhetik scheint über der pragmatischen Form verloren gegangen zu sein. Und ob das alles nachhaltig ist, bezweifeln Experten inzwischen. Angesichts von Klimawandel und von ungeheuren Mengen an Bauschutt, die täglich anfallen und einen enormen CO<sub>2</sub>-Ausstoß zur Folge haben, ist die Frage nach zukunftsfähigen Wohnformen ohnehin aktueller denn je. Wie kann die Stadt in einen lebenswerten und zukunftsfähigen Raum verwandelt werden? Diese Frage stellt sich die IBA’27. Die internationale Bauausstellung will „mit vielfältigen experimentellen Projekten Antworten geben“ (<em>www.iba27.de</em>).</p>
<h2>Vorbild Weissenhofsiedlung – Architektur als Gestalterin des Lebensraums</h2>
<p>Die IBA’27 in der Region Stuttgart kann an die Tradition anknüpfen. Vor 100 Jahren ist in Baden-Württembergs Landeshauptstadt die Weissenhofsiedlung entstanden, die bis heute Interessierte aus aller Welt anzieht. Sie gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des Neuen Bauens. Sie war Teil einer Bauausstellung, die der Deutsche Werkbund 1927 mit der Stadt Stuttgart ausrichtete. Damit war eine Vision verbunden, nämlich die radikale Abkehr von althergebrachten Wohnformen. Ziel war zeitgemäßes Wohnen für berufstätige, mobile und gesundheitsbewusste Großstadtmenschen.</p>
<p>Die damalige Architektur-Avantgarde unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe wollte mit neuen Ansätzen kostengünstigen Wohnraum durch industriell gefertigte Materialien, typologische Bauteile und modulare Konstruktionen schaffen. Der Bau des Weissenhof-Forums als Besucher- und Informationszentrums ist eines der zentralen Projekte der IBA’27. Bauingenieur Nathanael Over plädiert angesichts explodierender Preise in seinem Buch <em>Die Wohnwende</em> für bezahlbare und nachhaltige Wohnlösungen. Dazu zählen die serielle Bauweise genauso wie gemeinschaftliches Wohnen, wie im Projekt Annagarten in Oranienburg nördlich von Berlin.</p>
<h2>Innovative ökologische Baukonzepte</h2>
<figure id="attachment_8681" aria-describedby="caption-attachment-8681" style="width: 205px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8681 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg-215x300.jpg" alt="Werner Sobeck" width="215" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg-215x300.jpg 215w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Sobek_Werner-Copyright-Andreas-Balon-Altenberg.jpg 300w" sizes="(max-width: 215px) 100vw, 215px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8681" class="wp-caption-text">Stararchitekt Werner Sobeck (Foto: © Andreas Balon, Altenberg)</figcaption></figure>
<p>Mit klugen und mutigen Bauprojekten will auch die Internationale Bauausstellung zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukünftig funktioniert. Die Architektur gilt als Gestalterin des menschlichen Lebensraums. Der international renommierte und preisgekrönte Stuttgarter Architekt Werner Sobek, der auch IBA-Projekte mit auf den Weg gebracht hat, bezieht sich auf Ernst Bloch. „Architektur ist der Produktionsversuch menschlicher Heimat“, sagte der frühere Tübinger Philosoph. Im Anschluss an ihn fordert Sobek, dass zum Beispiel auch industrielle Zweckbauten ästhetischen Anforderungen genügen müssen, weil „diese Umwelt uns prägt“.</p>
<p>Die Angabe der Internationalen Energieagentur, dass der Beitrag des Bauwesens zu den klimaschädlichen CO<sub>2</sub>-Emissionen etwa 40 Prozent beträgt, hält Sobek für zu niedrig. Er geht von bis zu 53 Prozent aus. Deshalb hält er ökologische Konzepte für unabdingbar. Vor allem müssen alle Materialien recycelbar sein. Dafür dürfen sie aber nicht so verbaut werden, dass man sie später nicht mehr auseinander bekommt, wie auf Hauswände geklebte Styroporplatten zur Dämmung oder alle unter Putz verlegten Leitungen. Ziel sei die Wiederverwertung. Dafür müsse man jedoch die gesamte Bautechnik ändern, so Sobek im Juli 2025 in der Radiosendung <em>SWR Leute</em>.</p>
<h2>Die Abschaffung des Schornsteins?</h2>
<p>Der Architekt und Bauingenieur fordert „die Abschaffung aller Schornsteine“. Trotz energetischer Maßnahmen von 500 Milliarden Euro von 2012 bis 2022 in Gebäuden ist der Energieverbrauch laut Sobek konstant geblieben, obwohl auch die Winter wärmer waren. Als Experimentalgebäude hat er ein komplettes Glashaus geschaffen, das ohne Schornstein auskommt. In Stuttgart-Bad Cannstatt hat er ein Wohnheim für Ärzte und Schwestern geplant, das zu 90 Prozent recyclebar und dazu ein Plus-Energiehaus ist.</p>
<p>International bekannt ist Sobek auch durch Projekte wie den Testturm für ThyssenKrupp Elevators in Rottweil oder die Experimentaleinheit UMAR (Urban Mining and Recycling) im Schweizerischen Dübendorf.</p>
<h2>Innovationszentrum im Hohenlohischen</h2>
<p>Ein vorbildliches Innovationszentrum hat auch der Weltmarktführer für Montage- und Befestigungstechnik Würth in Künzelsau errichtet. Die Arbeitsplätze wurden so gestaltet, dass sie sich zur Natur hin und in die Landschaft Hohenlohes öffnen. Ohnehin hat sich Unternehmerlegende Reinhold Würth, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden ist, zum Ziel gesetzt, die Arbeits- und Lebenswelt für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Menschen in der Umgebung mit architektonisch ansprechend gestalteten Gebäuden und viel Kultur zu bereichern. Mit dem Carmen-Würth-Forum am Stammsitz in Hohenlohe ist ein in seiner Form einmaliges Kultur- und Kongresszentrum entstanden, in dem die Würth Philharmoniker mit Stardirigenten aus aller Welt gefeierte Konzerte geben.</p>
<figure id="attachment_8694" aria-describedby="caption-attachment-8694" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-8694 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg" alt="Blick auf das Museum Würth 2, das mit dem Carmen Würth Forum verbunden ist." width="1024" height="479" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Mueum_Wuerth-300x140.jpg 300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8694" class="wp-caption-text">Blick auf das Museum Würth 2, das mit dem Carmen Würth Forum verbunden ist. Der Bereich wird jedes Jahr beim Würth Opne Air zum Festival-Gelände für 10.000 Menschen. (Foto: Rainer Lang)</figcaption></figure>
<p>Würth ist auch beteiligt am Kocherwerk in Forchtenberg-Ernsbach. Das historische Gebäude-Ensemble beheimatet seit 2021 eine Dauerausstellung, die am Kocher- und Jagst-Radweg liegt. So können auch viele Urlauberinnen und Urlauber die besondere (Industrie-)Geschichte der Region kennenlernen.</p>
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		<title>Zu Besuch bei Albert Schweitzer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 12:37:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Schweitzer]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungsstätten]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätten]]></category>
		<category><![CDATA[Jubiläum]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer ins elsässische Kaysersberg kommt, stößt unweigerlich auf die Spuren des berühmten deutsch-französischen Humanisten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt. Aber auch an anderen Orten ist Albert Schweitzer präsent.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Wer ins elsässische Kaysersberg kommt, stößt unweigerlich auf die Spuren des berühmten deutsch-französischen Humanisten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt. Aber auch an anderen Orten ist Albert Schweitzer präsent.</p></blockquote></div>
<h2>Der Geburtsort Kaysersberg</h2>
<p>Schweitzers Geburtshaus in Kaysersberg ist mit einem Schild kenntlich gemacht. Sein Vater ist in dem Ort Pfarrer gewesen. Man findet dort auch ein modernes Museum, das in einer ansprechend gestalteten Ausstellung ausführlich über Leben und Wirken des Arztes, Theologen und Philosophen informiert. Ein Besuch lohnt sich!</p>
<p>Die meisten Touristen wählen Kaysersberg nicht als Ziel, um mehr über Schweitzer und die Umgebung zu erfahren, in der er aufgewachsen ist. Die Gäste interessieren sich meist eher für die pittoreske Szenerie mit den historischen Fachwerkgebäuden sowie die elsässische Küche, die hier mit einer ganzen Reihe von Spitzenköchen vertreten ist. Umso erstaunter ist mancher, am Wegesrand Gedanken und Sprüche Schweitzers zu entdecken. So wird man auf dem etwas beschwerlichen Weg zur Burgruine oberhalb der Stadt begleitet von den Weisheiten Albert Schweitzers.</p>
<p>Es ist eine gute Idee der Kommune, auf diese niedrigschwellige Weise den unterschiedlichsten Personen den Friedensnobelpreisträger nahezubringen. Das Elsass ist ohnehin eine beliebte Urlaubsregion für deutsche Touristen, bekannt für Wein und Genuss. Und im Urlaub haben die Menschen auch Zeit für einen Museumsbesuch. Ohnehin werden die wenigsten nach Gabun reisen und dort in Lambarene den zum Museum umgestalteten historischen Teil des Geländes der heute noch im Geiste Schweitzers arbeitenden Klinik zu besuchen.</p>
<h2>Gunsbach, Straßburg und Grimmialp</h2>
<p>Eine weitere Station im Elsass ist Gunsbach, wo Schweitzers Vater bis 1925 fünfzig Jahre lang Pfarrer war. In dem 1928 erbauten früheren Haus Schweitzers, wo er sich von seiner Tätigkeit in Afrika erholte, befindet sich heute ein Archiv und ein Museum. Erhalten geblieben sind rund 10.000 eigene Briefe und ca. 70.000, die er erhalten hat. Auch Manuskripte und Predigten gehören zu den aufbewahrten Dokumenten, ebenso wie Zeitungsausschnitte, Dias, Filme, Tonband- und Videokassetten sowie Schallplatten. Von der L’Association Internationale pour l’œuvre du Docteur Albert Schweitzer de Lambaréné (AISL) wurde auch das Alte Pfarrhaus erworben.</p>
<p>Der Albert-Schweitzer-Weg führt anhand von 16 Tafeln auf den Spuren Albert Schweitzers durch das Dorf Gunsbach und auf den Kanzrain. Am Weg befindet sich auch ein von dem Künstler Fritz Behn geschaffenes Monument aus dem Jahr 1969. Auch Straßburg war eine wichtige Station Schweitzers. Dort hat er studiert und war Vikar an der Nikolaikirche. Ebenso wird in der Schweiz an den bekannten Arzt und Theologen erinnert. Am 1. August 2013 wurde ein fünf Kilometer langer Albert-Schweitzer-Rundweg eröffnet. Ausgangspunkt ist das Kurhaus Grimmialp, wo Schweitzer seine Ferien verbrachte.</p>
<h2>Schweitzers Haus in Königsfeld</h2>
<p>Auch in Deutschland gibt es genügend Spuren und Gedenkorte, die man bei Besuchen kennenlernen kann. Da ist zum Beispiel Königsfeld im Schwarzwald. Schweitzer zog 1923 in den für sein Heilklima bekannten Ort. Bewohnt wurde das vom Historischen Verein Königsfeld geführte Haus vor allem von seiner Frau Helene und Tochter Rhena, die die Zinzendorfschulen der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld besuchte.</p>
<p>Schweitzer erinnerte sich gern an seine Zeit im Schwarzwald: „Die Zeit in Königsfeld war die schönste meines Lebens: In Königsfeld konnte ich ruhig arbeiten, hatte eine Orgel, konnte im Wald gehen, hatte viele Freunde. Tief bewegt mich, dass meine Weltanschauung der Ehrfurcht vor allem Leben ihren Weg in der Welt macht. Mit dieser Philosophie habe ich mich schon in Königsfeld beschäftigt, im Walde von Königsfeld.“</p>
<h2>Albert-Schweitzer-Gedenkstätten in Weimar</h2>
<figure id="attachment_8554" aria-describedby="caption-attachment-8554" style="width: 224px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Albert-Schweitzer-Denkmal_Weimar_Lucas-Friese-Wikipedia.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-8554 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Albert-Schweitzer-Denkmal_Weimar_Lucas-Friese-Wikipedia-234x300.jpg" alt="Albert-Schweitzer-Denkmal in Weimar. Es zeigt die lebensgroßen Bronzefiguren eines afrikanischen Mädchens, den Urwalddoktor mit Tropenhut und eine afrikanische Mutter, die ein Kind auf dem Arm hält" width="234" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Albert-Schweitzer-Denkmal_Weimar_Lucas-Friese-Wikipedia-234x300.jpg 234w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Albert-Schweitzer-Denkmal_Weimar_Lucas-Friese-Wikipedia.jpg 600w" sizes="(max-width: 234px) 100vw, 234px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8554" class="wp-caption-text">Albert-Schweitzer-Denkmal in Weimar Foto: Lucas Friese via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0</figcaption></figure>
<p>Obwohl der Urwalddoktor niemals selbst in Weimar gewesen ist, hat ihn die Stadt der deutschen Klassiker mit einem Denkmal geehrt. Als Theologe, Philosoph und Humanist war er natürlich geistig eng mit den Weimarer Klassikern verbunden. Das Denkmal, das 1968 auf Initiative der Ost-CDU auf dem Kegelplatz errichtet wurde, gehört zu den ersten weltweit. Schweitzer genoss in der ehemaligen DDR hohes Ansehen, weil er von dort ausgehende Friedensinitiativen unterstützte.</p>
<p>Das Albert-Schweitzer-Denkmal zeigt die lebensgroßen Bronzefiguren eines afrikanischen Mädchens, den Urwalddoktor mit Tropenhut und eine afrikanische Mutter, die ein Kind auf dem Arm hält. Auf der steinernen Bodenplatte sind die Lebensdaten Schweitzers zu lesen. Das von dem Bildhauer Gerhard Geyer entworfene Denkmal wurde von der Leipziger Firma Noack gegossen. Daneben ist dem Humanisten auch ein Haus gewidmet, das Anfang der 1980er Jahre vom 1963 gegründeten Albert-Schweitzer-Komitee erworben wurde.</p>
<p>Dieser Verein hat das ebenfalls am Kegelplatz gelegene ehemalige Wohnhaus des Märchendichters Carl Musäus (1735–1787) zur Schweitzer-Gedenkstätte gemacht, die eine Ausstellung beherbergt sowie eine Albert-Schweitzer-Bibliothek mit Archiv. In dem Haus werden Konzerte, Lesungen und Vorträge veranstaltet.</p>
<h2>Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum in Offenbach</h2>
<p>Wer sich ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit machen will, ist beim Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum in Offenbach am Main richtig. Es gibt hier ein Museum, eine Bibliothek, ein Archiv und eine Mediathek sowie Angebote für Schüler, Studierende und Lehrende. Orgelkonzerte in Verbindung mit Vorträgen, Lesungen oder Themengottesdiensten haben im Jubiläumsjahr einen besonderen Stellenwert. Als Organist und Bachinterpret war Albert Schweitzer international hoch anerkannt. Seine friedensethische Neuinterpretation des Bachschen Werkes gewinnt in unserer heutigen friedlosen Zeit eine herausragende Bedeutung und Aktualität, heißt es auf der Homepage des Zentrums: „Es ist gerade die Musik, die vielen Menschen jeden Alters Albert Schweitzer, sein Wirken und Nachwirken im Lichte der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben nahe bringen kann“.</p>
<h2>Aktuelle Jubiläumsprojekte</h2>
<p>Daneben sind die Albert-Schweitzer-Schulen aufgerufen, sich mit Jubiläumsprojekten zu beteiligen. „Vor allem für Kinder und Jugendliche gibt die Bedeutsamkeit und Aktualität von Albert Schweitzers ethischem Denken und Wirken eine zukunftsweisende Lebensorientierung“, schreiben die Verantwortlichen. Auch die rund 130 Albert-Schweitzer-Kinderdörfer in ganz Deutschland erinnern an den Humanisten. Im Jahr 1957 erfolgte im baden-württembergischen Waldenburg die Gründung des ersten Albert-Schweitzer-Kinderdorfs durch Margarete Gutöhrlein. Für dieses übernahm Albert Schweitzer persönlich die Patenschaft. Daraus entwickelte sich ein deutschlandweites Netzwerk.</p>
<p>Weitere Informationen zu den Gedenkorten finden sich unter folgenden Links: <a href="http://www.centreschweitzer.org/"><em>www.centreschweitzer.org</em></a><em>; </em><a href="http://www.museeprotestant.org/"><em>www.museeprotestant.org</em></a><em>; </em><a href="http://www.albert-schweitzer.ch/"><em>www.albert-schweitzer.ch</em></a><em>; </em><a href="http://www.albertschweitzer-haus.de/"><em>www.albertschweitzer-haus.de</em></a><em>; </em><a href="http://www.albert-schweitzer-heute.de/"><em>www.albert-schweitzer-heute.de</em></a></p>
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		<title>Vom Rabbinatsmuseum bis zum Schnapsmuseum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 11:55:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Museen]]></category>
		<category><![CDATA[Museumswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachwuchssorgen]]></category>
		<category><![CDATA[Schnapsmuseum]]></category>
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					<description><![CDATA[Das freiwillige bürgerschaftliche Engagement prägt das Museumswesen in weit stärkerem Maße als bekannt. Aber die Suche nach jüngeren Menschen, die sich in diesem Bereich ehrenamtlich engagieren, gestaltet sich schwierig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das freiwillige bürgerschaftliche Engagement prägt das Museumswesen in weit stärkerem Maße als bekannt. Aber die Suche nach jüngeren Menschen, die sich in diesem Bereich ehrenamtlich engagieren, gestaltet sich schwierig.</p></blockquote></div>
<p>„Ohne Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement wäre die Mehrzahl der Museen in der Vergangenheit nicht gegründet worden, vielfach heute nicht zu unterhalten und auch zukünftig in ihrer Existenz nicht gesichert“. So steht es schon 1999 in einer Erklärung des Deutschen Museumsbundes. Schließlich sind die meisten der rund 6500 Museen in Deutschland Heimatmuseen, von denen viele ehrenamtlich betrieben werden. In Niedersachsen sind dies von insgesamt 700 immerhin 450.</p>
<p>Auch die evangelische Kirche baut z.B. bei ihrer Ausstellungsarbeit in vielen Gemeinden auf die Arbeit von Ehrenamtlichen. Dafür braucht es Menschen, die bereit sind, ihre Freizeit einzusetzen: Fotos, Bilder, Texte werden benötigt, teilweise gibt es auch Gespräche mit Zeitzeugen oder es werden alte Kirchenbücher und Archive befragt.</p>
<h2>Nachwuchssorgen bei den ehrenamtlich geführten Museen</h2>
<p>Doch es ist nicht leicht, heutzutage Menschen zu finden, die bereit sind, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Die tragenden Kräfte sind häufig betagt und die Werbung um die Nachfolge gestaltet sich schwierig. Dies war auch Thema auf der jüngsten Jahrestagung der ehrenamtlich geführten Museen. Der Arbeitskreis, der seit 2003 jährlich an einem anderen Ort tagt, hat rund 100 Mitglieder, für die der Austausch wichtig ist. Er widmet sich bei seinen Jahrestagungen unterschiedlichen Schwerpunktthemen – dieses Mal dem jüdischen Leben in Deutschland. Dieses steht nach Ansicht aller Teilnehmenden der Jahrestagung unter Druck. Gastgeber der Tagung war denn auch das von Elisabeth Quirbach und Hans Schulz ehrenamtlich geführte Rabbinatsmuseum in Braunsbach. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in der ehemaligen Synagoge des Ortes im Landkreis Schwäbisch Hall im Norden Baden-Württembergs zusammen.</p>
<figure id="attachment_8446" aria-describedby="caption-attachment-8446" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S40_Museum-ehrenamtlich.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8446 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S40_Museum-ehrenamtlich.jpg" alt="Foto der Teilnehmer an der Tagung der ehrenamtlichen Museumsleiter" width="1024" height="603" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S40_Museum-ehrenamtlich.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/S40_Museum-ehrenamtlich-300x177.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8446" class="wp-caption-text">Tagung der ehrenamtlichen Museumsleiter (Kurt Sartorius vorn links neben Elisabeth Quirbach ganz links), Foto: Daniel Seybold</figcaption></figure>
<p>Von etwa 1200 Museen in Baden-Württemberg werden über 800 ehrenamtlich geführt. Vor diesem Hintergrund würdigte Susanne Opfermann von der Landesstelle für Museen, die Fachberatung bietet, das Ehrenamt. Auch Quirbach und Schulz haben mit dem Rabbinatsmuseum in ihrem Ruhestand ehrenamtlich eine weltweit anerkannte Einrichtung aufgebaut. Wie diese weitergeführt wird, ist jedoch unklar – die Suche nach einer Nachfolge war bislang nicht erfolgreich.</p>
<h2>Museumsarbeit mit Expertise und Leidenschaft</h2>
<p>Vorsitzender und Sprecher des Arbeitskreises ehrenamtlich geführter Museen ist Kurt Sartorius. Die Leidenschaft des 76-Jährigen ist beispielhaft. Er hat nicht nur das Schnapsmuseum in Bönnigheim aufgebaut, das nun seit drei Jahrzehnten die Geschichte alkoholischer Getränke darstellt, sondern auch als Hobbyarchäologe Bahnbrechendes geleistet. Der Museumsleiter hat auch ein Talent, andere zu begeistern. Er würzt seine Führungen gern mit Späßen, damit die Besucherinnen und Besucher die Fülle an Informationen und Geschichten besser verdauen können.</p>
<p>Sartorius ist stolz, dass er das einzige Museum dieser Art in Baden-Württemberg leitet, das die größte alkoholgeschichtliche Museumssammlung Deutschlands besitzt. Untergebracht ist es im ältesten Gebäude der Stadt im Herzen Bönnigheims. In dem 1296 errichteten Steinhaus sollte nach dessen Renovierung ursprünglich ein Heimatmuseum untergebracht werden. Dann fanden die Verantwortlichen ein Weinmuseum für den Weinort angemessener. Doch als der Historische Verein unter Federführung von Kurt Sartorius feststellte, dass es schon zahlreiche Einrichtungen dieser Art im Land gibt, kam die Idee mit dem Schnapsmuseum auf, zumal es wegen eines süddeutschen Sonderrechts in Baden-Württemberg eine lange Tradition des Schnapsbrennens gibt.</p>
<h2>Mehr als eine Schnapsidee</h2>
<p>Dass daraus „mehr als eine Schnapsidee“ geworden ist, bestätigt das Ergebnis. Insgesamt 108 Gerätschaften zum Brennen hat Kurt Sartorius im Verlauf der vergangenen drei Jahrzehnte zusammengetragen. „Die habe ich alle selber herangekarrt, entweder mit dem PKW-Anhänger oder mit dem Transporter von der Stadt“. Heute wundert er sich selbst, wie er das alles geschafft hat.</p>
<p>Da steht zum Beispiel eine mächtige Anlage von 1923 aus schwerem Gusseisen aus dem Odenwald. „Es war Schwerstarbeit, bis die Dinger auf dem Transporter waren“, erinnert sich der ehemalige Elektrotechnik-Lehrer. Auch Urlaube hat er genutzt, um alte Geräte aufzustöbern, zum Beispiel in Österreich. Kein Wunder, dass ihn das dann auch mal ein paar Stunden am Zoll gekostet hat, bis er den verdutzten Zöllnern alles erklärt hatte. Die Geräte im Museum stehen übrigens alle unter der strengen Aufsicht des Zolls. Als Sartorius einmal in Göppingen mit Wasser vorführte, wie ein Gerät funktioniert, kam der Zoll zu einer unangemeldeten Kontrolle.</p>
<h2>Überraschende Funde zur Nachgeburtsbestattung</h2>
<p>Mit seiner Hartnäckigkeit ist er auch im Gebiet der Archäologie zum Pionier geworden. Anfangs wurde er spöttisch belächelt, als er 1984 in einem Keller in Bönnigheim erstmals Nachgeburtstöpfe entdeckte. „Neue Forschungsthemen stoßen oft auf Skepsis, wie bei der Nachgeburtsbestattung“, betont der Heimatforscher. Jetzt sind es vier Jahrzehnte her, dass er die im Keller vergrabenen Töpfe mit dem Brauch der Nachgeburtsbestattung in Verbindung brachte. Ein vergleichbarer Fund war damals unbekannt. „Zwischenzeitlich liegen Funde aus ganz Deutschland vor“, betont Sartorius.</p>
<h2>Essenzielle Bedeutung für die Kulturlandschaft</h2>
<p>Das Ehrenamt ist nicht nur Garant für den Fortbestand zahlreicher kleiner Museen, es gilt auch als unverzichtbare Stütze der Museumslandschaft in Deutschland. Dies weiß auch die sächsische Landesregierung zu schätzen. Nach ihren Worten ist die Vielfalt und Qualität der sächsischen Museums­landschaft ohne bürgerschaftliches Engagement kaum denkbar. Von den Ausstellungsvorbereitungen über die Gästebetreuung und die Pflege der Räumlichkeiten bis zum Sponsoring, der Museumspädagogik, Forschung und Restaurierung gibt es kaum eine Arbeit, die von Ehrenamtlichen nicht übernommen wird. „Der ehrenamtlichen Arbeit im sächsischen Museumswesen kommt eine essenzielle Bedeutung für unsere Kulturlandschaft zu“, heißt es auf der Homepage der Landesregierung.</p>
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		<title>Reisen in die Vergangenheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 07:59:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenken]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Shoa]]></category>
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					<description><![CDATA[Erinnerung hat in Deutschland einen besonderen Stellenwert, vor allem im Blick auf die Geschichte der Juden in Deutschland und den schrecklichen Holocaust. Auch an unscheinbaren Orten halten Gedenkstätten die Erinnerung wach, damit diese nicht verblasst und solches nicht wieder geschieht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Erinnerung hat in Deutschland einen besonderen Stellenwert, vor allem im Blick auf die Geschichte der Juden in Deutschland und den schrecklichen Holocaust. Auch an unscheinbaren Orten halten Gedenkstätten die Erinnerung wach, damit diese nicht verblasst und solches nicht wieder geschieht.</p></blockquote></div>
<p>Das zentrale Mahnmal zur Erinnerung an das unvorstellbare Verbrechen ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Es beeindruckt durch die schiere Größe und gibt so einen Widerschein des Unvorstellbaren. Eine kleine Gedenkstätte, die leicht übersehen wird, ist in Baden-Württemberg neben dem Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental. Jüngst hat dort ein eindrucksvoller Besuch stattgefunden.</p>
<h2>Rückkehr an den Ort des Grauens</h2>
<p>Eigentlich hatte sie niemals nach Deutschland oder Polen kommen wollen. „Aber Avihay kann man einfach nicht widersprechen“, meint seine Schwester Mirit Haviv Golan. Avihay und sein Bruder Matan Haviv haben schon 2019 die KZ-Gedenkstätte Hessental besucht, die letzte Leidensstation ihres Großvaters, des polnischen Juden Aron Ajzenmann. Jetzt haben die beiden Enkel, die bei seinem Tod 1984 erst drei und neun Jahre alt waren, ihre Schwester Mirit und ihre Mutter Pnina Haviv mitgebracht. Wie vor fünf Jahren haben sie in Begleitung von Mitgliedern der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental die Orte besucht, wo Ajzenmann in Schwäbisch Hall gelebt hat. Es war ein Besuch mit vielen aufwühlenden Emotionen, bei dem auch Tränen geflossen sind, besonders als sich die Familie auf dem früheren Appellplatz des Konzentrationslagers versammelte, wo Stelen mit 700 Namen an die Häftlinge erinnern. Im Gespräch mit den Angehörigen kamen viele Erinnerungen hoch.</p>
<h2>Ein Einzelschicksal, stellvertretend für viele</h2>
<p>Der 1923 im polnischen Warschau geborene Pessach Aron Ajzenmann kam als Jude mit 17 Jahren mit seiner Familie ins Warschauer Ghetto und dann ins Ghetto Radom, wo er in der ZAL Waffenfabrik arbeitete. Nach einer Selektion in Auschwitz kam er ins Konzentrationslager Vaihingen/Enz und danach mit 21 Jahren ab Oktober 1944 ins KZ Hessental. Er überlebte den Hessentaler Todesmarsch im April 1945 nach Dachau-Allach und wurde dort von den Amerikanern befreit. Später lebte er im DP-Lager Negev in Steinbach, in dem heimatlose befreite Flüchtlinge als <em>displaced persons</em> unterkamen. Dort lernte er seine spätere Frau Jenta Sajkiewicz (1930–2001) aus Polen kennen, mit der er im Juni 1948 ins neu gegründete Israel auswanderte.  Über die Zeit in Hessental wurde innerhalb der Familie meist geschwiegen. Sendungen über den Holocaust durften nicht angeschaut werden. Diese seien im Vergleich zur Wirklichkeit doch nur eine Komödie, habe der Großvater kurzerhand erklärt, sagen die Enkel. Ajzenmann starb 1985.</p>
<h2>KZ, Schrottplatz, Gedenkstätte</h2>
<p>Das KZ Hessental wurde ab Mitte 1944 in einem früheren Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes am Bahnhof Hessental als Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof im Elsass eingerichtet. Die ersten der insgesamt rund 800 Häftlinge kamen am 14. Oktober 1944 an, unter ihnen Pessach Aron Ajzenmann. Die zumeist polnischen Juden mussten Zwangsarbeit leisten. Wegen des Vormarsches der US-Streitkräfte räumte die SS das Lager am 5. April 1945 und trieb die Insassen in Richtung KZ Dachau. Dabei gab es wieder Morde und Todesfälle durch Entkräftung. Nach dem Ende des Krieges wurde das Gelände in Hessental als Schrottplatz genutzt. 2001 wurde dort die Gedenkstätte eingerichtet mit einer Ausstellung in einem Eisenbahnwaggon, getragen von der Initiative Gedenkstätte KZ Hessental.</p>
<h2>Vergessene Orte mit jüdischer Tradition</h2>
<p>Unweit von Schwäbisch Hall entfernt liegt Forchtenberg. Im Ortsteil Ernsbach erinnert das dortige Heimatmuseum auch an die Geschichte der Juden im Ort, aber auch an die Bedeutung der Migration nach dem Krieg. Auch Ernsbach hat eine jüdische Tradition. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 235 jüdische Mitbürger im Ort, sie hatten einen Anteil von rund 30 Prozent an der Bevölkerung. Da sie schon frühzeitig wieder wegzogen, steht die Synagoge in Ernsbach noch. Nach der Abwanderung hatte sich die jüdische Gemeinde 1925 aufgelöst. Die ersten Juden waren 1675 nach Ernsbach gekommen. Graf Wolfgang Julius hatte sie geholt, um den Handel am Ort zu beleben. Bestattet wurden die Toten auf dem Judenfriedhof zwischen Ernsbach und Berlichingen. Auch Migration ist an diesem Ort ein Thema: Nach dem Krieg kamen Heimatvertriebene, darunter viele Ungarndeutsche. Daran wird ebenso erinnert. Infos unter <a href="http://www.forchtenberg.de"><em>www.forchtenberg.de</em></a><em>.</em></p>
<h2>Erinnerung an Flucht und Vertreibung</h2>
<p>Erinnerung war auch ein wichtiges Thema auf dem diesjährigen Kirchentag der Neuapostolischen Kirche (NAK) Süddeutschlands, zu dem rund 12.000 Besucherinnen und Besucher nach Karlsruhe kamen. Die Mitglieder der ACK Baden-Württemberg, bei der die NAK Gaststatus hat, erinnerten an die gemeinsamen biblischen Wurzeln der Kirchen. Bei dem Glaubenstreffen waren auch Krieg und Vertreibung Thema mit dem Verlust der Heimatkirche und dem Gedenken daran. Zum Beispiel wurde das vorher blühende Leben im Bezirk Königsberg mit mehr als 20.000 Mitgliedern völlig ausgelöscht.</p>
<p>Zu diesen nun heimatlosen Menschen, die im Westen Deutschlands ankamen, gehörten auch viele neuapostolische Christen. Die erste Unterkunft für die vielen Flüchtlinge waren Massenquartiere, meist Barackenlager. Im landwirtschaftlich geprägten Schleswig-Holstein war die Bevölkerung durch die heimatlosen Menschen innerhalb weniger Monate um 70 Prozent angewachsen – noch im Jahr 1950 gab es in Schleswig-Holstein 728 Lager, in denen rund 130.000 Personen recht behelfsmäßig untergebracht waren. Auch in Dänemark waren am Kriegsende viele Flüchtlinge gestrandet. Im Westen Deutschlands verlief die Integration der neuapostolischen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten fast von alleine: Diese Christen besuchten bestehende neuapostolische Gemeinden oder gründeten selbst neue. Auch in einigen Flüchtlingslagern entstanden neuapostolische Gemeinden, in denen regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden. Ein Forschungsprojekt sucht Zeitzeugen und Dokumente rund um Kriegs- und Nachkriegszeit. Einsendungen unter <a href="mailto:hi&#115;t&#111;&#114;y&#64;nak&#46;&#111;rg"><em>h&#105;&#115;&#116;&#111;&#114;&#121;&#64;na&#107;.org</em></a>.</p>
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		<title>Wo die Musik spielt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 18:42:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 2, Mai 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Konzerte]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Musikfestivals locken an vielen Orten. Ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender belegt die Vielfalt. Genauso wie Kunstinteressierte durch Museen tingeln, können Musikliebhaber die Konzertsäle und andere Spielstätten auf einer musikalischen Reise erkunden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Musikfestivals locken an vielen Orten. Ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender belegt die Vielfalt. Genauso wie Kunstinteressierte durch Museen tingeln, können Musikliebhaber die Konzertsäle und andere Spielstätten auf einer musikalischen Reise erkunden.</p></blockquote></div>
<p>Es gibt Orte in Deutschland, die einen klingenden Namen haben. Gemeint ist dies im übertragenen Sinn. Ihre Namen stehen für Musik. Zum Wallfahrtsort für Wagner-Fans ist Bayreuth geworden. Dort trifft sich alljährlich die bundesdeutsche Prominenz (oder wer sich dafür hält) zur Eröffnung der Wagner-Festspiele.</p>
<h2>Hamburg: Musicals und Philharmonie</h2>
<p>Hamburg stand lange Zeit für ambitionierte Musical-Produktionen. Seit es die Elbphilharmonie gibt, gehört ein Besuch dieses imposanten Bauwerks zum touristischen Pflichtprogramm. Tickets für die Aussichtsplattform kann man einfach bestellen. Glücklich kann sich jedoch schätzen, wer in den Genuss einer Karte für den außergewöhnlichen Konzertsaal kommt. Wie Bayreuth und Hamburg gibt es viele Orte, bei denen sich ein musikalischer Besuch lohnt. Es sind bekannte und weniger bekannte Namen darunter.</p>
<h2>Stuttgart: Ballett und Oper</h2>
<p>Weltruhm genießt zum Beispiel das Stuttgarter Ballett. Und dies schon seit sechs Jahrzehnten. Zu einem weltweit führenden Ensemble geworden sind die Tänzerinnen und Tänzer in der baden-württembergischen Landeshauptstadt unter Ballettdirektor John Cranko, der von 1961 bis zu seinem Tod 1973 mit seinen Choreografien die Kritiker überzeugte. In der Nachfolge haben weitere bekannte Persönlichkeiten die Stuttgarter Compagnie geleitet, von Glen Tetley über Marcia Haydée und Reid Anderson bis zu Tamas Detrich. Für Ballettfans ist der Besuch der Vorstellungen ein Genuss (<em>www.stuttgarter-ballett.de</em>). Der Nachwuchs wird in der John Cranko-Schule ausgebildet, die vor wenigen Jahren einen imposanten Neubau bezogen hat. Daneben ist die Staatsoper Stuttgart ein musikalisches Aushängeschild der Stadt, die mit ihren großen Veranstaltungshallen aber auch viele internationale Popstars zu Gast hat. Und die Bach-Tage der Internationalen Bachakademie zählen inzwischen zu den musikalischen Highlights im Jahresverlauf.</p>
<h2>Leipzig: Thomanerchor und Gewandhausorchester</h2>
<p>Der musikalische Großmeister Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Figur in einer anderen sehr von Musik geprägten Stadt: Leipzig. Bach, der hier begraben ist, wirkte als Thomaskantor. Und es ist für Besucher ein erhebendes Gefühl, einen Auftritt des Thomanerchors zu erleben. Der älteste Knabenchor Deutschlands kann auf eine 800-jährige Geschichte zurückblicken. Zur Aufführung kommen Chorwerke von Bach und von weiteren Komponisten.</p>
<figure id="attachment_7997" aria-describedby="caption-attachment-7997" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7997 size-full" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor.jpg" alt="" width="1024" height="600" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor.jpg 1024w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomanerchor-300x176.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-7997" class="wp-caption-text">Thomanerchor (Foto: Gerda Arendt, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)</figcaption></figure>
<p>Bach ist nur einer von vielen Komponisten, die Leipzig zur Musikhauptstadt Deutschlands gemacht haben. Sie genießt auch international einen hervorragenden Ruf wegen ihrer Tradition und lebendigen Musikszene. Neben Bach haben hier bedeutende Musiker wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Edvard Grieg, Gustav Mahler, Clara und Robert Schumann gewirkt. Außerdem wurden Hanns Eisler und Richard Wagner in der sächsischen Stadt geboren, in der man sich auf den Spuren der bekannten Musiker bewegen kann.</p>
<p>Neben dem Thomanerchor ist ein weiteres international hoch angesehenes Ensemble in Leipzig beheimatet: das Gewandhausorchester. Jährlich würdigt die Stadt ihren bekanntesten Sohn und richtet ein Internationales Bachfest aus (<em>www.bachfestleipzig.de</em>). Alle zwei Jahre gibt es einen Internationalen Bach-Wettbewerb. Ebenfalls in Sachsen ist ein weiterer bekannter Musiktempel zu finden. In Dresden ist die Semper-Oper ein kultureller Mittelpunkt. Doch nicht alle Aufführungen können hier den hohen Erwartungen gerecht werden, mit denen Besucher oft anreisen.</p>
<h2>Bad Wildbad im Schwarzwald: Belcanto Opera Festival</h2>
<p>Doch nicht alle Orte, die sich zu musikalischen Zentren gemausert haben, sind auch für ein internationales Publikum solche Touristenmagnete wie Leipzig und vor allem auch Dresden, wo der Wiederaufbau der Frauenkirche ein großes internationales Echo ausgelöst hat. Bad Wildbad im Schwarzwald ist ein eher verträumtes Städtchen, das durch Attraktionen wie einen Baumwipfelpfad oder eine abenteuerliche Hängebrücke Besucher anlocken will. Aber auch die Musik spielt inzwischen eine nicht unerhebliche Rolle. Zwar hat es Diskussionen im Gemeinderat gegeben, ob angesichts hoher städtischer Zuschüsse das Musikfestival „Rossini in Wildbad“ überhaupt weitergeführt werden soll. Aber nachdem man sich auf einen Höchstzuschuss von 135.000 Euro geeinigt hat, können die Macher des Belcanto-Opernfestivals weiter planen.</p>
<p>Die Stadt freut sich, dass inzwischen Besucher aus aller Welt kommen. Schließlich ist der künstlerische Leiter Jochen Schönleber jedes Jahr auf der Suche nach neuen jungen Stimmen. Das Rossini-Festival ist den Angaben zufolge „weltweit bekannt für seine Neuentdeckungen im Belcanto-Opernrepertoire und für seine Sängerentdeckungen, die zu zahlreichen CD-Produktionen mit Referenzcharakter geführt haben“. Mit ihnen gibt es mitten im Nordschwarzwald große Oper. Die Spielstätten sind ungewöhnlich. Im Kurpark liegt nicht nur das Königliche Kurtheater, das als Schweizer Chalet mit neobarocken Elementen beschrieben wird, sondern auch die im neusachlichen Stil gebaute Trinkhalle. Weitere Spielstätten stehen noch zur Verfügung.</p>
<p>Der Grund für das Festival liegt in der Geschichte. Im Juni 1856 weilte der damals sehr erfolgreiche Opernkomponist Gioachino Rossini für mehrere Wochen in der Schwarzwaldidylle Wildbad und genoss die beruhigende Wirkung der Thermen in den fürstlichen Bädern. Der Erfolg blieb nicht aus. Schon 1857 nahm er nach jahrzehntelanger Unterbrechung das Komponieren wieder auf. So entstanden Werke, die der Komponist selbst mit Augenzwinkern als „Sünden des Alters“ bezeichnete. In Erinnerung an diesen denkwürdigen Aufenthalt werden bis heute Rossinis Werke aufgeführt, bewusst auch die weniger bekannten.</p>
<p>Das Opern- und Musikfestival wurde 1989 ins Leben gerufen. Seit 1991 steht es unter der künstlerischen Leitung von Schönleber, der seit 2000 auch Intendant ist. Nachdem es anfänglich den Untertitel „Das musikalische Sommerfest“ getragen hat, wird es heute mit dem Hinweis „Belcanto Opera Festival“ versehen. In der 2004 gegründeten Belcanto-Akademie gibt es jedes Jahr Kurse mit renommierten musikalischen Vorbildern. In europäischen Opernmetropolen wie Berlin, Florenz oder Madrid wird jedes Jahr zum Vorsingen für die Einschreibung bei der Akademie eingeladen. In diesem Jahr findet das Festival vom 18.-28. Juli statt (<a href="http://www.bad-wildbad.de"><em>www.bad-wildbad.de</em></a>).</p>
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		<title>Besuche bei bedrohten Arten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 13:23:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 1, Februar 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[orang-utan]]></category>
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					<description><![CDATA[Tierliebe ist oft auch ein Grund fürs Reisen. Der Besuch von Nationalparks steht dabei hoch im Kurs. Begehrt sind Besuche der Reservate in Afrika, Asien oder Lateinamerika, wo man wilden Tieren und bedrohten Arten Auge in Auge gegenüberstehen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Tierliebe ist oft auch ein Grund fürs Reisen. Der Besuch von Nationalparks steht dabei hoch im Kurs. Begehrt sind Besuche der Reservate in Afrika, Asien oder Lateinamerika, wo man wilden Tieren und bedrohten Arten Auge in Auge gegenüberstehen kann.</p></blockquote></div>
<p>In freier Wildbahn können sie meist nur noch in Nationalparks in Ruhe leben. Gemeint sind Tiere wie Orang-Utans, Giraffen, Elefanten, Löwen, Leoparden, Eisbären oder Schildkröten, bei denen Menschen hierzulande das Herz aufgeht. Sie gehören zu den bedrohten Arten und sind in Deutschland meist nur noch im Zoo zu sehen. Inzwischen haben viele Kommunen in Deutschland für Zirkusse ein Wildtierverbot ausgesprochen. Ältere können sich noch daran erinnern, wie die Artisten mit Elefanten und Kamelen durch die Straßen gezogen sind. Aus Mitgefühl mit den oft auf engstem Raum angeketteten Tieren sind Tierschützer gegen solche Zustände mit ihrem Protest an die Öffentlichkeit gegangen.</p>
<h2>Das Beispiel Orang-Utans</h2>
<p>In Indonesien leben vom Aussterben bedrohten Orang-Utans noch vielfach unter erbärmlichen Verhältnissen. Es ist zwar illegal, aber immer noch halten viele Menschen diese Menschenaffen als Haustiere. Wenn sie nach Jahren befreit werden, müssen sie erst wieder lernen, in freier Wildbahn zu leben. Dort sind sie in den vergangenen Jahrzehnten Zug um Zug zurückgedrängt worden. Denn ihr Lebensraum ist bedrohlich geschrumpft. Gründe sind die Abholzung der Regenwälder, die Anpflanzung von Palmölplantagen in großem Stil und die Zerschneidung der Rückzugsgebiete durch Siedlungen und Straßen.</p>
<p>In der Provinz Kalimantan im indonesischen Teil der Insel Borneo können Besucherinnen und Besucher die Primaten hautnah erleben. Orang-Utans sind die größten Baumbewohner im ganzen Tierreich und gelten als Einzelgänger. Die Borneo-Orang-Utans sind kräftig und stämmig und weisen ein zotteliges Fell auf. Sie ernähren sich vor allem von Früchten. Auch Blätter, Rinde und Insekten stehen auf ihrem Speiseplan. Sie leben im indonesischen und im malaysischen Teil Borneos. Ihr Lebensraum umfasst Tieflandregenwälder Borneos sowie Sekundärwälder und so genannte degradierte Wälder in bis zu 500 Metern Höhe.</p>
<h2>Stiftung zum Schutz der Menschenaffen</h2>
<p>Die Borneo-Orang-Utan Survival Foundation (BOS Stiftung), die in Deutschland einen Sitz in Berlin hat, setzt sich für den Schutz der Menschenaffen ein. Nach Angaben der WWF schwindet der Bestand dramatisch. Die Weltnaturschutzunion IUCN weist darauf hin, dass rund 60 Prozent der Orang-Utans zwischen 1950 und 2010 verschwunden sind. Bis 2025 wird ein Verlust von weiteren 22 Prozent prognostiziert, wenn sich nichts ändert. Im Jahr 2016 schätzte der WWF den Bestand der Borneo-Orang-Utans auf rund 54.000 Tiere.</p>
<p>Die Stiftung betreibt nach eigenen Angaben auf Borneo in Samboja Lestari in Ost-Kalimantan sowie in Nyaru Menteng in Zentral-Kalimantan nahe der Stadt Palangka Raya zwei Auffang- und Rehabilitationsstationen für Orang-Utans. Viele von ihnen werden von Polizei und Naturschutzbehörde aus privater Gefangenschaft befreit. Oft werden auch verwaiste Jungtiere in Ölplantagen und in der Nähe von Siedlungen aufgegriffen. In Nyaru Menteng können sich Interessierte über die Bedrohung und den Schutz der Tiere sowie über die Arbeit der BOS-Stiftung informieren. Diese kooperiert auch mit der auf Wiederaufforstung spezialisierten Organisation <em>Fairventures International</em> mit Sitz in Stuttgart, die in Kalimantan tätig ist. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts wurden von <em>Fairventures</em> Nist- und Nahrungsbäume gepflanzt.</p>
<h2>Orang-Utan-Safari auf Borneo</h2>
<p>Im Süden der Insel Borneo kann man bei einer Orang-Utan-Safari die Tiere beobachten. Nur mit dem Flussboot lässt sich der Tanjung-Puting-Nationalpark erkunden. So können Besucherinnen und Besucher den Orang-Utans ganz nahe kommen. In dem rund 4150 Quadratkilometer großen Schutzgebiet, dessen Ausmaß größer als Mallorca ist, leben schätzungsweise rund 7000 Menschenaffen. Weil die Nahrung im Wald im Sommer knapp wird, füttern Ranger auf hölzernen Plattformen mit Bananen, Zuckerrohr und anderen Früchten zu. Auf diese Weise können Sichtungen mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit garantiert werden.</p>
<h2>Meeresschildkröten in Zypern</h2>
<p>Wer einen nicht so weiten Weg auf sich nehmen und doch spannende Tierbeobachtungen machen will, ist auf Zypern am richtigen Ort. Die Insel im östlichen Mittelmeer ist dafür bekannt, dass dort an bestimmten Stränden die Meeresschildkröten ihre Nistplätze haben. Sie kommen nur an Land, um ihre Eier abzulegen. Ein Weibchen gräbt eine Grube im Sand und legt zwischen 100 und 200 Eier hinein.</p>
<p>Als wichtige Nistplätze gelten die Strände von Lara Bay und Toxeftra im Akamas-Nationalpark sowie die Strände von Alagadi und Kap Greco. Sie haben eine ausreichende Größe, sind frei von Hindernissen und bieten von der Sandbeschaffenheit den Tieren die Möglichkeit zum Graben der Nester. Die Strände werden von den Behörden in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen überwacht, um Störungen zu vermeiden.</p>
<h2>Sea Turtle Conservation Project</h2>
<p>Für Touristen gibt es die Möglichkeit, sich im <em>Sea Turtle Conservation Project</em> in Lara Bay über das Leben der Tiere zu informieren. Trotz der Schutzbemühungen ist das Leben der Meeresschildkröten bedroht. Als Gründe werden der Klimawandel und die Verschmutzung der Meere genannt. Deshalb wird dazu aufgerufen, sich für den Schutz dieser faszinierenden Tiere zu engagieren. Die Tiere sind tief in der zypriotischen Kultur verankert. Sie symbolisieren Weisheit, Langlebigkeit und Beständigkeit. Die Anstrengungen zum Schutz erweisen sich offenbar als erfolgreich. Es heißt, dass in manchen Gebieten die Populationen wieder zunehmen.</p>
<p>Dass sich dies auch positiv auf den Tourismus auswirkt, wissen auch Franz Bauernhofer und seine Partnerin Nelin Tunç. Die beiden haben in Wien Architektur studiert und bieten heute mit <em>FSA Travel</em> Langzeitaufenthalte auf Zypern an. Sie wissen, dass sich Besucherinnen und Besucher nicht nur für die Schildkröten begeistern, sondern auch eine intakte Natur vorfinden wollen. Diese wird bei Ausflügen genauso erkundet wie die interessanten architektonischen aus allen Jahrhunderten.</p>
<h2>Refugium für vom Aussterben bedrohte Arten</h2>
<p>Natur und Tierwelt lassen sich aber auch vor Ort erfahren. Vor zehn Jahren ist der Nationalpark Schwarzwald entstanden als erster seiner Art in Baden-Württemberg. Dort wird die Natur sich selbst überlassen. Dort ist auch der vom Aussterben bedrohte Auerhahn wieder heimisch geworden. Auch einzelne Luchse wurden gesichtet. Es wird vermutet, dass hier mehrere Tausend Insektenarten leben. Der Nationalpark gilt als zusätzlicher Anreiz für Touristen, den Schwarzwald zu besuchen.</p>
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