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	<title>Kolumne &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>Kolumne &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Distanzlos oder engagiert?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Friedrich-Lang und Tobias Friesen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 14:40:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 3, August 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftstheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[Was wäre eigentlich eine Theologie, der die Zukunft von Kirche und Gesellschaft gleichgültig ist? Niemand wünscht sich das. Dennoch flammt immer wieder die Debatte auf, sobald Wissenschaften – und die Theologie als eine davon – energisch darauf drängen, aus ihren Erkenntnissen politische und gesellschaftliche Konsequenzen zu ziehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Was wäre eigentlich eine Theologie, der die Zukunft von Kirche und Gesellschaft gleichgültig ist? Niemand wünscht sich das. Dennoch flammt immer wieder die Debatte auf, sobald Wissenschaften – und die Theologie als eine davon – energisch darauf drängen, aus ihren Erkenntnissen politische und gesellschaftliche Konsequenzen zu ziehen. </p></blockquote></div>
<p>Schnell fällt dann das Wort „Aktivismus“ – meist als Vorwurf gemeint. Dies führt zu einem drängenden Problem: Wo verläuft die Grenze zwischen legitimem Engagement und problematischer Kompetenzüberschreitung?</p>
<p>Wissenschaftstheoretisch ist die Grenze schnell gezogen. Aktivismus wird dort zum Problem, wo er die Begründungsrichtung wissenschaftlicher Arbeit umkehrt und Forschungsergebnisse nicht mehr aus einem kontrollierbaren Erkenntnisweg erwachsen, sondern politische Positionierungen im Gewand wissenschaftlicher Sprache auftreten. Damit ist aber nur ein Teil der Frage beantwortet – die wissenschaftspraktische Frage lautet nämlich: Welchem Zweck dienen Wissenschaften?</p>
<p>Die Theologie ist seit jeher mittendrin in der Aushandlung, welche Funktion sie im Gegenüber zu Kirche, Staat, Öffentlichkeiten und Wissenschaften erfüllen kann. Das Repertoire möglicher Antworten reicht von der Theologie als „kritischer Funktion der Kirche“ (Karl Barth), „positiver Wissenschaft“ zur Befähigung der Kirchenleitung (Friedrich Schleiermacher) bis hin zur Mitgestalterin gesellschaftlicher Verständigung (Wolfgang Huber). Theologie hat immer einen Bezugs- und Anwendungsrahmen ihrer Reflexionsleistung. Wie weit ist aber dieser Rahmen? Und finden sich politische Aktivismus- und Protestbewegungen darin wieder?</p>
<p>Unsere Gesellschaft leistet sich das Unternehmen der Wissenschaften (und die Theologie als Teil davon), weil sie sich davon einen gesellschaftlichen Mehrwert verspricht. Könnte es nicht sein, dass Forschungsvorhaben, die als aktivistisch wahrgenommen werden, sich gerade darum einem Vorwurf ausgesetzt sehen, weil sie meinen, diesen Mehrwert möglichst unmittelbar realisieren zu können? Was aber als Mehrwert gilt, dafür gibt es keinen einfachen Konsens; und in einer pluralistischen Gesellschaft wäre der vielleicht auch gar nicht wünschenswert. Daher kann Theologie die Kirche, die Gesellschaft und das Christentum von morgen nicht so gestalten, als verfügte sie über deren Richtung. Aber sie kann diese mitverhandeln.</p>
<p>Theologische Forschungsvorhaben, die sich den evidenten Krisen von Ökologie, Demokratie und sozialer wie ökonomischer Gerechtigkeit stellen, entkommen dieser Spannung nicht. Denn die Tatsache dieser Krisen lässt sich weder diskursiv auflösen noch durch energische Positionierung bewältigen. Was Theologie aber beitragen kann, ist Reflexionsarbeit, die eine Position überhaupt erst ermöglicht, aus der heraus sich Handlungs- und Denkoptionen entfalten lassen. Unterwirft sich diese Arbeit denselben Qualitätsmaßstäben wie jede Wissenschaft, dann ist ihr Engagement keine Distanzlosigkeit, sondern genau jener gesellschaftliche Beitrag, um dessentwillen sich eine Gesellschaft die Wissenschaften leistet: ein Wissen, das in der Aushandlung um die Zukunft etwas zu sagen hat.</p>
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		<title>Mut zum Generalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Ausdifferenzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Exnovation]]></category>
		<category><![CDATA[Generalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Spezialistentum]]></category>
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					<description><![CDATA[Es entspricht der Logik wachsender Organisationen, dass sie sich immer weiter ausdifferenzieren. Diese Herangehensweise hatte ihre Berechtigung und zweifellos auch ihre Vorteile, sie hat aus meiner Sicht aber aus mehreren Gründen an Plausibilität verloren. In Zukunft wird stattdessen ein kompetenter Generalismus gefragt sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Es entspricht der Logik wachsender Organisationen, dass sie sich immer weiter ausdifferenzieren. Lange hat daher in vielen Bereichen von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche das Paradigma der Spezialisierung und Professionalisierung vorgeherrscht. Immer neue Ministerien, Abteilungen und Aufgabenbereiche wurden gebildet. Diese Herangehensweise hatte ihre Berechtigung und zweifellos auch ihre Vorteile, sie hat aus meiner Sicht aber aus mehreren Gründen an Plausibilität verloren. In Zukunft wird stattdessen ein kompetenter <em>Generalismus</em> gefragt sein.</p></blockquote></div>
<p>Angesichts des demographischen Wandels, der zunehmenden Verrentung der zahlenmäßig starken <em>Babyboomer</em>-Generation, der eine deutlich kleinere Zahl an jungen (Fach-)Arbeitskräften nachfolgen wird, ist das Paradigma der ständigen Ausdifferenzierung und Spezialisierung schon allein aufgrund des ausbleibenden personellen „Wachstums“ fraglich geworden. Die seit mittlerweile mehreren Jahren stagnierende Wirtschaft in Deutschland und die entsprechend hohen Personalkürzungen tun ihr Übriges. Auch die notwendige Entbürokratisierung wird etwa in den Verwaltungen dazu führen, dass Menschen wieder für mehr Aufgabenbereiche zuständig sein werden.</p>
<p>Deutlich machen sich die „Grenzen des Wachstums“ auch im Staatshaushalt bemerkbar: Steuergelder sind eine endliche Ressource. Die Strategie, klaffende Haushaltslöcher durch immer weitere Steuern und Schulden (bzw. „Sondervermögen“) zu stopfen, wird man nicht ewig fortsetzen können. Man wird um einschneidende Kürzungen auch im Personalbereich nicht herumkommen. Dass mit dem Antritt jeder Regierung der Beamtenapparat in den Ministerien und der Stab der Mitarbeitenden in den Abgeordnetenbüros ausgeweitet wird, ist angesichts der notwendigen Einsparungen nicht mehr zeitgemäß.</p>
<p>In den Kirchen hat man noch bis weit in die 1990er- und 2000er-Jahre am Paradigma der Spezialisierung festgehalten und fortwährend neue Sonderstellen geschaffen – obwohl schon damals der massive Rückgang an Mitgliedern (und Finanzen) durch den demographischen Wandel und die hohen Austrittszahlen absehbar waren. In Zeiten sprudelnder Finanzen ist es schön und vielleicht sogar sinnvoll, sich speziellen Aufgaben durch eine eigene Stelle widmen zu können – doch diese Zeiten sind vorbei. Im Unterschied zum Staat kann die Kirche keine Schulden machen, um ein eigentlich schon nicht mehr finanzierbares System am Laufen zu halten, weshalb sie etwas früher als der Staat gezwungen ist, diese Stellen wieder abzubauen und Aufgabenbereiche wieder zusammenzulegen.</p>
<p>Der Prozess der „<em>Exnovation“</em>, der Schrumpfung und Zusammenlegung wird dazu führen, dass Menschen unterschiedlichster Professionen für mehr statt für weniger Aufgaben verantwortlich sein werden. Andernfalls werden wir gerade in der Fläche einen Einbruch in der Versorgung erleben. Das gilt für die Kirchengemeinden vor Ort ebenso wie für die Krankenhäuser und Hausarztpraxen auf dem Land. Sie dürfen nicht weiterhin die Verliererinnen im Spiel um knapper werdende finanzielle und personelle Ressourcen sein. Freilich steht der zunehmend notwendig werdende <em>Generalismus</em> in einer gewissen Diskrepanz dazu, dass über die letzten Jahrzehnte die Anforderungen an die Arbeit in vielen Bereichen gestiegen sind, weil wir in einer komplexer werdenden Welt leben. Die Abkehr von der stetigen Spezialisierung erfordert also keineswegs weniger Kompetenz, sondern eher mehr. Und es braucht dringend einen anderen, gnädigeren Umgang damit, dass Menschen Fehler machen.</p>
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		<title>Mit Bibel und Grundgesetz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Angela Rinn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 20:06:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 1, Januar 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pfarrer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Nach Hitler – Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.“: Eine Ausstellung im Haus der Geschichte, die ich gerade besucht habe. Die Auseinandersetzung mit Transgenerationaler Traumaweitergabe habe ich für die Ausbildung künftiger Pfarrpersonen als festen Bestandteil in mein Curriculum integriert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Nach Hitler – Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.“: Eine Ausstellung im Haus der Geschichte, die ich gerade besucht habe. Die Auseinandersetzung mit Transgenerationaler Traumaweitergabe habe ich für die Ausbildung künftiger Pfarrpersonen als festen Bestandteil in mein <em>Curriculum </em>integriert.</p></blockquote></div>
<p>Wie wirken sich die Traumata des Terrorregimes der Nationalsozialisten und des 2. Weltkriegs auf die Kinder- und Enkelgeneration aus? Tatsächlich spielt das in vielen Seelsorgebegegnungen eine Rolle, und auch manche Vikar*innen entdecken Folgen in ihrem eigenen Leben, obgleich sie schon der 4. Generation nach dem Krieg angehören.</p>
<figure id="attachment_8841" aria-describedby="caption-attachment-8841" style="width: 201px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/NH24_Bueste-Hitler_Thuenker_2000px.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8841 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/NH24_Bueste-Hitler_Thuenker_2000px-211x300.jpg" alt="Hitlerbüste der Bildhauerin Hedwig Maria Ley aus dem Jahr 1932" width="211" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/NH24_Bueste-Hitler_Thuenker_2000px-211x300.jpg 211w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/NH24_Bueste-Hitler_Thuenker_2000px.jpg 400w" sizes="(max-width: 211px) 100vw, 211px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8841" class="wp-caption-text">Hitlerbüste der Bildhauerin Hedwig Maria Ley aus dem Jahr 1932 (Foto: Stiftung Haus der Geschichte / Axel Thünker)</figcaption></figure>
<p>Besonders beeindruckt hat mich in der Ausstellung die Geschichte einer Hitlerbüste der Bildhauerin Hedwig Maria Ley. Ley hatte 1932 die erste von Hitler autorisierte Büste angefertigt, die vielfach kopiert wurde. Nach dem Krieg hat Ley eine dieser Büsten in ihrem Garten vergraben. 1967 entdeckt ein Gärtner bei Arbeiten in Leys Garten den Hitlerkopf, die Künstlerin schenkt sie dem Mann, der den bronzenen Hitler bei sich zuhause auf den Kaminsims stellt. Heute kann man den Kopf in der Ausstellung besichtigen.</p>
<p>Für mich ist die Geschichte dieser Büste wie ein Symbol für die Auseinandersetzung vieler Deutscher mit der NS-Vergangenheit und dem gefährlichen Potential rechten Gedankenguts. Vergraben, aber weder vergessen noch vermodert, jederzeit kann es ausgegraben und im privaten Rahmen präsentiert werden, ohne dass sich jemand groß aufregt. Unbelehrt ist Ley 1978 gestorben. Wer mag, kann für 4.800 Euro gerade eine von Ley geschaffene Büste von Gottfried Daimler erwerben. In der Information des Händlers wird ganz offen auf das nationalsozialistisch-künstlerische Wirken von Ley hingewiesen. Offenbar ist der Händler der Ansicht, dass dies dem Verkauf eher nutzt als schadet.</p>
<p>Auch damit setzen wir uns in der Seelsorgeausbildung auseinander: Wie begegnen wir Menschen, die offen eine menschenverachtende politische Meinung vertreten? Was kann eine Vikarin sagen, wenn beim Geburtstagsbesuch nationalsozialistische Memorabilien auf dem Kaminsims stehen?</p>
<p>Übernachtet habe ich in Bonn übrigens im Gustav-Stresemann-Haus, das auch einen Hotelbetrieb hat. Auf dem Zimmer gab’s keine Bibel, dafür aber das Deutsche Grundgesetz. Mit einem Vorwort von Frank-Walter Steinmeier, also immerhin ein evangelischer Akzent. Übrigens war Gustav Stresemann auch evangelisch. Seine evangelische Witwe musste mit den Kindern aus Nazideutschland in die USA emigrieren, da sie eine jüdische Herkunft hatte – für die Stresemann Zeit seines Lebens immer wieder angefeindet wurde. Auch der Antisemitismus ist in vielen Familien lediglich vergraben, nicht aber überwunden worden. Gerade wird wieder fleißig ausgegraben. Ein Skandal!</p>
<p>Ein Grundgesetz statt der Bibel? Ich finde, man kann in beiden Werken mit Gewinn lesen, um sich gegen braunes Gedankengut zu wappnen. Nach Ausstellungsbesuch und Hotelübernachtung habe ich überrascht festgestellt: Ich war stolz. Stolz auf unsere Demokratie. Auf Menschen, die sich mit Kopf, Herz und Kräften dafür einsetzen, dass in unserem Land immer noch die Menschenrechte gelten. Stolz auf ein Deutschland, das eine Wiedervereinigung geschafft hat und in dem man sich, immer noch, auf den Rechtsstaat verlassen kann, trotz aller Leute, die ihre rechte Gesinnung nur vergraben, nicht aber verarbeitet haben und seltsame Büsten ausstellen oder kaufen.</p>
<p><em>(Beitrag zuerst erschienen in <a href="http://zeitzeichen.net" class="autohyperlink">zeitzeichen.net</a>, Abdruck mit freundlicher Genehmigung)</em></p>
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		<title>Abschied vom religiösen Apriori</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/abschied-vom-religioesen-apriori/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Volker Jung]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:01:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenaustritte]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenmitgliedschaft]]></category>
		<category><![CDATA[KMU]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht nur die Kirchenbindung geht zurück, sondern Religiosität überhaupt. Das ist ein zentrales Ergebnis der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Nicht nur die Kirchenbindung geht zurück, sondern Religiosität überhaupt. Das ist ein zentrales Ergebnis der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). </p></blockquote></div>
<p>Die Umfrage wurde im letzten Quartal 2022 durchgeführt. Mittlerweile liegen detaillierte Auswertungen vor, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden. Erstmals beteiligte sich auch die römisch-katholische Kirche an der Untersuchung. Befragt wurden Menschen, die den beiden großen Kirchen angehören, sowie Mitglieder kleiner Kirchen, Konfessionslose und Menschen, die nicht-christlichen Religionen angehören. Die KMU ist deshalb für die gesamte Bevölkerung in Deutschland repräsentativ.</p>
<p>Der Rückgang der Religiosität zeigt sich darin, dass 56 Prozent sich selbst als nicht-religiös einstufen. In der Typologie der Untersuchung werden sie „Säkulare“ genannt. Besonders bemerkenswert ist, dass auch Menschen, die einer Kirche oder Religion angehören, sich selbst als religiös uninteressiert beschreiben. So sind 39 Prozent der Evangelischen säkular und 36 Prozent der Katholiken. Selbst in den Freikirchen verstehen sich elf Prozent als säkular. Eine genaue Auswertung zeigt, dass ein Wechsel in andere Konfessionen oder auch Religionen äußerst selten ist. Es ist nicht so, dass die Menschen, die einer der großen Kirchen den Rücken kehren, von der einen in die andere Kirche wechseln oder in Freikirchen. Sie orientieren sich auch nicht anders religiös. Die Ergebnisse der Umfrage machen auch deutlich: Es ist keineswegs so, dass viele Menschen auf einer religiösen Sinnsuche sind, die von Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht befriedigt wird.</p>
<p>Damit ist auch eine oft vertretene Grundannahme infrage gestellt – die Annahme nämlich, dass Religion zum Menschsein dazu gehört. Diese Annahme schließt ja in der Regel ein, dass ohne Religion wirkliches Leben verfehlt wird. Menschen, die sich selbst als nicht-religiös verstehen, erleben das hingegen nicht so. „Wir alle suchen doch nach einem tieferen Sinn im Leben“ ist nicht nur ein Satz, der für eine Predigt-Karikatur taugt, sondern ignoriert, wie viele Menschen sich und ihr Leben sehen. Der in Utrecht lehrende katholische Theologe Jan Loffeld hat das in seinem Buch <em>Wenn nichts fehlt, wenn Gott fehlt</em> sehr eindrücklich beschrieben. Er hat deutlich gemacht, dass damit ein vielfach angenommenes Paradigma der Theologie infrage gestellt ist. Religion wäre demnach kein anthropologisches Grunddatum, sondern ein kulturelles Phänomen.</p>
<p>Wenn die Kirchen das ernst nehmen, muss dies Konsequenzen haben – besonders für Grundhaltung und Sprache. Nach wie vor bleibt es Aufgabe der Kirchen, aus dem Evangelium heraus zu leben und das Evangelium zu bezeugen. Dabei sind die Kirchen auch herausgefordert, dies in erkennbarer ökumenischer Verbundenheit zu tun. Das wird nicht nur – auch das ist ein Ergebnis der KMU – von vielen Menschen in und außerhalb der Kirche erwartet. Menschen, die sich selbst als nicht religiös verstehen, darf man aber nicht mit einer Grundhaltung begegnen, die ihnen unterstellt, als würde ihnen etwas Entscheidendes zum Lebensglück fehlen. Es geht darum, das Evangelium als relevant für das eigene Leben zu bezeugen – in dem, was man sagt und was man tut. Und dann mit Menschen darüber zu reden, warum der Glaube eine Kraftquelle für dieses Leben ist. So kann sich dann auch ein neuer Blick auf die religiöse Dimension des Lebens öffnen – im eigenen Leben und im Leben anderer.</p>
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		<title>DDR: Aufarbeitung Fehlanzeige?</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/ddr-aufarbeitung-fehlanzeige/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 3, August 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Aufarbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
		<category><![CDATA[Unrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Die juristische wie auch die gesellschaftliche Aufarbeitung staatlich begangenen Unrechts in der DDR gelang nur äußerst unzureichend. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die juristische wie auch die gesellschaftliche Aufarbeitung staatlich begangenen Unrechts in der DDR gelang nur äußerst unzureichend. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.</p></blockquote></div>
<p>Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Deutschland kann rückblickend als eine der großen Errungenschaften der bundesrepublikanischen Gesellschaft angesehen werden. Danach sah es in den ersten Jahren nach dem Ende dieses Regimes kaum aus: Weiterhin aktive Netzwerke in den Funktionseliten verhinderten oftmals, dass Programme der Entnazifizierung wirklich greifen konnten. „Persilscheine“ wurden massenhaft ausgestellt, selbst schwer belastete Personen gelangten schnell wieder in einflussreiche Positionen. Im Taumel des Wirtschaftswunders wandten sich zudem viele lieber den schönen Dingen des Lebens zu – statt der eigenen Vergangenheit.</p>
<p>Es ist mutigen Menschen wie dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu verdanken, dass es letztlich doch noch zur juristischen Aufarbeitung vieler Nazi-Verbrechen kam. Zudem trug die 68er-Bewegung dazu bei, dass nicht nur gesellschaftlich, sondern auch innerhalb der Familien hartnäckiger die Frage gestellt wurde, wer für die Gräuel der NS-Zeit verantwortlich war. 1985 war man immerhin so weit, dem Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zuzustimmen, dass der 8. Mai 1945 auch für Deutschland ein „Tag der Befreiung“ gewesen ist. Heute ist eine vielgestaltige Erinnerungskultur lebendig: KZ-Gedenkstätten, Stolpersteine, Zeitzeugengespräche und ein entsprechender Stellenwert in der Schulbildung. Das zeigt, dass wir es in beispielhafter Weise gelernt haben, mit der eigenen (beispiellosen) Schuld in Hinsicht auf die Verantwortung für die Zukunft umzugehen.</p>
<p>Doch haben wir aus der Geschichte gelernt? Leider nur bedingt. Denn im Umgang mit dem zweiten deutschen totalitären Unrechtsstaat, der DDR, scheinen sich dieselben Versäumnisse zu wiederholen. Ein Staat, der Menschen über Jahrzehnte in seinen Mauern einsperrte und unterdrückte. Überwacht von einem perfiden Spitzelsystem namens Stasi, das Menschen körperlich und seelisch folterte und viele in den Suizid trieb. Ungerechtfertigte Verurteilungen, bis hin zur Todesstrafe, unmenschliche Straflager und Umerziehungsanstalten – all das gab es in der DDR. Je mehr man sich in die Geschichte dieses Regimes vertieft, desto deutlicher wird: Die medial noch einigermaßen präsenten Mauertoten sind nur die sichtbare Spitze eines gewaltigen Eisbergs.</p>
<p>Doch leider gelang sowohl die juristische als auch die gesellschaftliche Aufarbeitung nur äußerst unzureichend. Mich hat es nachhaltig schockiert, als ich neulich gelesen habe, dass von den damals angeklagten hauptamtlichen und inoffiziellen Stasi-Mitarbeitern nicht einmal 1 Prozent (!) verurteilt worden ist. Selbst Erich Mielke wurde lediglich wegen eines Verbrechens in der NS-Zeit, nicht aber für sein Wirken als Hauptverantwortlicher der Stasi zur Rechenschaft gezogen.</p>
<p>Bald wird die DDR genauso lange vergangen sein, wie sie existiert hat: 40 Jahre. Vieles gerät zunehmend in Vergessenheit, und auch an Schulen scheint die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit keine zentrale Rolle zu spielen. Kaum ein heutiger Schüler weiß noch, wer Erich Honecker war. Nicht zuletzt angesichts aktueller politischer Entwicklungen – warum sind gerade die sogenannten neuen Bundesländer so anfällig für Radikalisierung? – halte ich es für dringend geboten, die Aufarbeitung dieser Vergangenheit deutlich zu intensivieren. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe – von Bildungseinrichtungen, Wissenschaft, Justiz, Politik und der gesamten Gesellschaft.</p>
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		<item>
		<title>Perfekte Plastikwelten</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/perfekte-plastikwelten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yasmin Vetter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 13:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 2, Mai 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Perfektionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstwert]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Geschichten von Held:innen, die ihre eigene Stimme entdecken und sich gegen den konventionellen Perfektionismus ihrer Gesellschaft stellen, haben schon immer für große Faszination gesorgt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Geschichten von Held:innen, die ihre eigene Stimme entdecken und sich gegen den konventionellen Perfektionismus ihrer Gesellschaft stellen, haben schon immer für große Faszination gesorgt.</p></blockquote></div>
<p>In den letzten Jahren haben Filme wie <em>Barbie</em> oder das Musical <em>Wicked</em> ihr Publikum begeistert. Dass dem so ist, ist gerade im Anbetracht des immer größer werdenden Perfektionsdrangs – vor allem in den sozialen Netzwerken – keine Überraschung. Den Narrativen, Bildern und Videos der sozialen Medien folgend, ist ein Großteil der Menschen dort äußerst schön, erfolgreich und vor allem perfekt. Die dort dargestellten Welten erinnern an die perfekte rosa Welt von <em>Barbie</em> oder die glänzende Smaragdstadt in <em>Wicked</em>. Schlechte Tage und Misserfolge scheint es kaum zu geben.</p>
<p>Dass die sozialen Netzwerke so funktionieren, ist keine große Neuigkeit. Schon lange ist bekannt, wie schädlich der ständige Vergleich mit scheinbar perfekten Menschen auch für die psychische Gesundheit ist. Er führt zu Neid und dazu, dass man sich für seine Schwächen schämt. Manche Menschen ziehen sich deshalb regelrecht aus der Gesellschaft zurück, vereinsamen oder/und entwickeln Depressionen.</p>
<p>Dabei ist den meisten Menschen bewusst, dass es sich dabei in der Regel um eine aufgesetzte Fassade handelt. Vieles versteckt sich so hinter Filtern wie der Zauberer von Oz hinter seinem mechanischen Kopf. Kein Mensch ist perfekt. Wir Menschen sind keine Barbiepuppen aus Plastik, die immer das perfekte Lächeln auf den Lippen haben und immer erfolgreich sind. Dennoch spiegeln diese perfekten Selbstdarstellungen uns unsere eigenen Verfehlungen wider. Vielleicht ist der Perfektionsdrang der sozialen Netzwerke aber weniger eine narzisstische Selbstdarstellung als vielmehr ein Versuch, von der eigenen Fehlbarkeit abzulenken. Verpackt in erfolgreichem Storytelling. Denn der Wunsch nach Perfektion und der äußerliche Druck sind groß. Er hat eigentlich schon immer existiert. Aber in unserer medialen Gesellschaft ist es schwer, sich dem zu entziehen.</p>
<p>In Momenten, in denen ich an mir selbst und meinen eigenen bisherigen Erfolgen zweifle, hilft es mir, mich an die befreiende Erkenntnis, dass Gott uns bedingungslos liebt, zu erinnern. Nicht umsonst hat Martin Luther dies als Tor zum Paradies bezeichnet. Ähnlich geht es mir mit dem Gebot der Nächstenliebe. Häufig bringen wir es nur mit der Liebe zum Nächsten in Verbindung und vergessen: „wie dich selbst“. Das schließt ja auch die Liebe zu mir ein. Ich selbst bin ein geliebtes Geschöpf Gottes. Ein Teil der Schöpfung, die Gott als „gut“ bezeichnet hat, und ich soll mich als dieses lieben. Ich selbst erwarte auch von anderen Menschen keinen Perfektionismus. Warum sollte ich mich dann nicht selbst so lieben, wie ich bin? Warum kann ich mit mir selbst nicht etwas nachsichtiger sein? Die Erkenntnis, dass ich selbst einen Wert habe, ist wie ein riesengroßer Befreiungsschlag. Deswegen werden auch popkulturelle Lieder wie „Defying Gravity“ aus dem Musical <em>Wicked</em> geradezu zu Hymnen.</p>
<p>Gott erwartet keinen Perfektionismus. Er blickt durch jede noch so geschickt aufgebaute Scheinwelt und sieht unser wahres Ich. Durch die christliche Botschaft haben wir eine Möglichkeit, uns und andere immer wieder daran zu erinnern, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind, die keinen Perfektionismus braucht. Stattdessen hilft sie uns, unsere eigenen Held:innen zu werden und uns von dem Drang des ständigen Perfektionismus der medialen Plastikwelt zu befreien.</p>
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		<title>Zwischenräume, Zwischentöne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kerstin Söderblom]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 12:26:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 1, Februar 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Versöhnung]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Jahr 2025 sind die Grenzstädte Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Das EPIC-Projekt arbeitet die Geschichte der beiden Städte aus unterschiedlichen Perspektiven auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Jahr 2025 sind die Grenzstädte Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Das EPIC-Projekt arbeitet die Geschichte der beiden Städte aus unterschiedlichen Perspektiven auf. </p></blockquote></div>
<p>Gorizia in Italien und Nova Gorica in Slowenien sind Grenzstädte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Grenze von den Besatzungsmächten 1947 mitten durch die Stadt gezogen. Sie wurden damit zu einem Symbol für die Grenze zwischen der westlich-kapitalistischen und der sozialistischen Welt. Die Stadt Nova Gorica wurde auf der slowenischen Seite neu gegründet als ein urbanes Bauprojekt des ehemaligen Jugoslawiens.</p>
<p>Im Jahr 2025 sind die beiden Nachbarstädte gemeinsam Kulturhauptstädte Europas. Ein zentrales Projekt der Kulturhauptstädte ist die Aufarbeitung der Geschichte der beiden Städte, die einst zusammengehörten. In einer ehemaligen Lagerhalle entsteht eine gemeinsame Ausstellung über das 20. Jahrhundert. Sie heißt <em>EPIC-Projekt</em>. Ziel der Ausstellung ist es, die einseitigen Sichtweisen auf den 1. und 2. Weltkrieg und die Zeit danach zu überwinden und eine gemeinsame vielschichtige Geschichtserzählung zu schaffen. Bisher waren die Geschichtsmuseen stets nur an den nationalen Narrativen des jeweiligen Landes orientiert. Das soll sich nun ändern. Gemeinsam soll an alle Opfer des Faschismus unter Mussolini, an alle Toten der Partisanenkämpfe und an die Verluste durch die Städteteilung gedacht werden. Das Leid, der Verlust und der Schmerz beider Seiten wird durch die Erinnerung Überlebender, durch Biografie-Darstellungen und ganz unterschiedliche Dokumente vielschichtig aufgearbeitet. Und die Besucher*innen werden eingeladen, sich den verschiedenen Interpretationen der Zeitgeschichte und den Leiderfahrungen der anderen zu öffnen und sie zu verstehen.</p>
<p>Es geht aber um mehr. Mit dem EPIC-Projekt wird ein offener Raum geschaffen für die lokale Bevölkerung und für Besucher*innen weltweit, um ganz verschiedene Sichtweisen und Deutungen nicht nur von Geschichte, sondern auch von aktuellen Entwicklungen und Ereignisse wahrzunehmen und sich darüber auszutauschen. Dafür sind Videoinstallationen, gemeinsame Konzerte, interkulturelle Veranstaltungen und interaktive Events geplant.</p>
<p>Für mich ist das EPIC-Projekt ein ermutigendes Beispiel dafür, Mehrdeutigkeiten und komplexe Zusammenhänge darzustellen und Vielschichtigkeit auszuhalten, statt sie durch einfache Schwarz-Weiß-Narrative zu verkürzen. In einem konkreten Grenzgebiet werden damit Zwischenräume und Zwischentöne erlebbar, die in zunehmend extremistisch und fundamentalistisch aufgeladenen politischen Debatten immer mehr verloren gehen. Diese Zwischenräume gilt es nicht nur in Gorizia-Nova Gorica herauszuarbeiten und zu stärken. Sie müssen überall gesucht und gestaltet werden. Fachleute nennen diese Fähigkeit Ambiguitätstoleranz. Es ist die hohe Kunst zu akzeptieren, dass es mehr gibt unter der Sonne als richtig oder falsch, gut oder böse, schuldig oder unschuldig, schwarz oder weiß. Es geht dabei aber nicht um Beliebigkeit. Im Gegenteil: Verschiedene Perspektiven respektieren heißt, die eigene Perspektive zu schärfen und ins Gespräch zu bringen, ohne den anderen ihre Positionen abzusprechen. Kontextuell und konkret verortete theologische Beiträge können genau dazu beitragen.</p>
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		<title>Ok Boomer?!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 15:06:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 4, November 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Generationen]]></category>
		<category><![CDATA[Generationenkonflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ok Boomer“, diese Phrase gewinnt im Wortschatz der Generationen Y und Z (ca. Jahrgänge von 1981 bis 2009) in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Meist wird sie verwendet, um auf eine Aussage von eine*r Babyboomer*in (ca. die Jahrgänge von ca. 1955 bis 1968) ablehnend und oft auch abwertend zu reagieren. Damit steht diese Phrase sinnbildlich für den Konflikt der Generationen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Ok Boomer“, diese Phrase gewinnt im Wortschatz der Generationen Y und Z (Jahrgänge von ca. 1981 bis 2009) in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Meist wird sie verwendet, um auf eine Aussage von eine*r Babyboomer*in (die Jahrgänge von ca. 1955 bis 1968) ablehnend und oft auch abwertend zu reagieren. Damit steht diese Phrase sinnbildlich für den Konflikt der Generationen. </p></blockquote></div>
<p>Die Themen, entlang denen sich Generationenkonflikte erstrecken, sind u.a. Klimaschutz, Rente, Ehrenamt und vor allem die Arbeitswelt. Als jemand, dessen Geburtsjahr an der Grenze der Generationen Y und Z liegt, erlebe ich den Generationenkonflikt häufig. Beide Seiten machen einander Vorwürfe. So heißt es z.B., den Babyboomern sei das Klima egal und die Jungen wollten sich nicht mehr engagieren. Dabei versuchen auch viele Babyboomer, mehr Rad statt Auto zu fahren. Und die junge Generation engagiert sich, ist aber zahlenmäßig viel kleiner und bis zur Familiengründung oft sehr mobil. Temporäre Ehrenämter sind für sie daher deutlich attraktiver als eine Verpflichtung auf mehrere Jahre. Mir persönlich ermöglichen hybride Arbeitsweisen übrigens, dass ich seit zehn Jahren im Vorstand eines Vereins tätig sein kann.</p>
<p>In der Arbeitswelt wissen wir Jungen, dass wir dringend gebraucht werden. Die Worte „Fachkräftemangel“ und „Transformation“ begleiten uns meist schon seit der Schulzeit. Ob Rechtschreibreform, Umstellung auf G8, die Einführung des Euros und 9/11, bei manchen der Mauerfall – all diese Veränderungen passierten, als wir sehr jung waren, und waren dadurch für uns „normal“. Das prägt wahrscheinlich den Blick auf Veränderungen. Veränderung ist die Normalität der jungen Generation. Zumindest legen verschiedene Studien nahe, dass die Generationen Y und Z Veränderungen offen gegenüberstehen, während etwa die Hälfte der Babyboomer Angst vor Veränderungen hat. In der Arbeitswelt fordern junge Menschen oft Veränderungen vehement ein. Ihre Haltung zu den Arbeitszeiten ist hier besonders auffällig. Die junge Generation arbeitet öfter Teilzeit und gilt daher bei den Babyboomern als faul. Warum? Meine These ist, wir haben die Generationen vor uns bis zur Erschöpfung arbeiten sehen und wünschen uns mehr Zeit für uns und die Familie. In kirchlichen Berufen ist der Konflikt in der Arbeitswelt besonders stark, weil die Nachwuchszahlen nicht nur aufgrund der niedrigeren Geburtenrate, sondern auch durch die geringere religiöse Sozialisation weiter gesunken sind. Da gehen Pfarrer*innen und Kantor*innen in den Ruhestand, die froh waren, wenn sie damals wenigstens eine halbe Stelle bekamen oder die sich als Ehepaar eine Stelle teilen mussten – während jetzt eine Generation kommt, deren Seminare an den Universitäten hin und wieder ausfallen, weil sich zu wenige Teilnehmer*innen gefunden haben.</p>
<p>Wie können wir den Kreislauf an gegenseitigen Vorwürfen beenden? Ich rate zu einem offenen Dialog. Wenn die Generationen die Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der anderen verstehen, kann die Zusammenarbeit viel besser funktionieren. Das geht am besten ohne Phrasen wie „Ok Boomer“ oder „Stell dich nicht so an! Du kannst froh sein, überhaupt einen Job zu haben“. Wir können viel voneinander lernen und Gemeinsamkeiten entdecken. Die Teilzeit wird gerade z.B. bei der jungen Generation und bei den Babyboomern (oft als Altersteilzeit) immer beliebter. Ich persönlich bin froh über meine Freundschaften mit Menschen unterschiedlichster Generationen.</p>
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