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	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025 &#8211; evangelische aspekte</title>
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		<title>Dieter Thomä: POST-</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reinhold Münster]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Posthumanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 399 S., 28 EUR Dieter Thomä, Emeritus der Universität St. Gallen, kritisiert in dem Band Theorien, die als Vorsilbe „Post“ tragen. Heute begegnet die einfallslose Bezeichnung vor allem in Politik und Wissenschaft: Posthumanismus, postindustriell, Posthegemonie, postfaktisch und dergl. mehr. Der Autor möchte der Vorsilbe ihren Kultstatus streitig machen, denn das Präfix ... <a title="Dieter Thomä: POST-" class="read-more" href="https://www.evangelische-aspekte.de/dieter-thomae-post/" aria-label="Mehr Informationen über Dieter Thomä: POST-">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomae-Post.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-8758 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomae-Post-184x300.jpg" alt="Cover-Abbildung &quot;POST-&quot;" width="184" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomae-Post-184x300.jpg 184w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Thomae-Post.jpg 300w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a>Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 399 S., 28 EUR</strong></p>
<p>Dieter Thomä, Emeritus der Universität St. Gallen, kritisiert in dem Band Theorien, die als Vorsilbe „Post“ tragen. Heute begegnet die einfallslose Bezeichnung vor allem in Politik und Wissenschaft: Posthumanismus, postindustriell, Posthegemonie, postfaktisch und dergl. mehr. Der Autor möchte der Vorsilbe ihren Kultstatus streitig machen, denn das Präfix präge heute Weltbilder, spiegle aber keine komplexe Wirklichkeit. Es würden Wahrheiten verkündet, die ein Faible für Kontingentes und Fingiertes hätten. So rede man davon, dass die Geschichte an ein Ende gekommen sei, eine Pseudowahrheit, die diese Theorien verkündeten, doch ernährten sie sich gerade von dieser Vergangenheit. Es werde ein Epochenwechsel deklariert, ein historischer Vorläufer postuliert und ein Nachfolger aufgespürt. Satirisch notierte der Autor: „Wären die Wissenschaftler, die sich auf den <em>Post</em>-Weg begeben, Autofahrer, würden sie Vollgas geben und die ganze Zeit in den Rückspiegel schauen. Wären sie Seeleute, würden sie die Segel setzen und den Anker nicht lichten“.</p>
<p>Ausführlich bewertet Thomä die drei Konzepte von Posthistoire, Postmoderne und Postkolonialismus. Das Posthistoire verkünde mit dem Ende der Geschichte keine Apokalypse, sondern lasse die Endphase bis heute andauern, in welcher sich der Tod der Menschheit manifestiere. Zoowärter in dem derart erzeugten Menschenpark seien selbsternannte Eliten. In der postmodernen Denkweise entscheide nicht das schreibende Subjekt über Bedeutungen, sondern der Text verweise dominant auf eine Vielzahl von Sprachspielen. Es gehe um Differenz: Genau darauf berufe sich die heutige Identitäts- und Multioptionsbewegung.</p>
<p>Der neueste Trend sei der Postkolonialismus, der auch in der heutigen Theologie als Lehre verbreitet werde. Die Gräueltaten in der modernen Geschichte, besonders in der Welt der Kolonien, dienten einer Umwertung der Ereignisse. So konnte ein Monopol der moralischen Bewertung die konkrete Vergangenheit zum Verschwinden bringen. Postkolonialismus sei dann kein lokales, sondern ein globales Phänomen. Die Schuld für die weltweite Sklaverei trage die Epoche der Aufklärung, weshalb es für die gegenwärtigen, afrikanischen Eliten einfach sei, ihr Versagen zu <em>cachieren</em> und eine reine Identität der Indigenen als Rettung für die Zukunft zu verkünden. Höchste Zeit, meint Thomä, die Blickrichtung zu ändern.</p>
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		<title>Christopher Zarnow: Wer’s glaubt wird selig?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Niklas Henning]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Das vorliegende, schmale Buch macht sich zum Ziel, »große Worte« der christlichen Religion auf ihre heutige Lebensrelevanz hin auszulegen und dabei allgemeinverständlich zu bleiben, ohne theologisch banal zu werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zarnow_Wers-glaubt.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-8759 size-medium wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zarnow_Wers-glaubt-188x300.jpg" alt="Cover: Wer's glaubt, wird selig?" width="188" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zarnow_Wers-glaubt-188x300.jpg 188w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zarnow_Wers-glaubt.jpg 300w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" data-smartcrop-focus="[49,32]" /></a>Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2025, 192 S., 22 EUR </strong></p>
<p>Themen christlicher Dogmatik sind für viele Menschen schwer verständlich geworden. Eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen, besteht in deren Übersetzung. Das vorliegende, schmale Buch macht sich zum Ziel, »große Worte« der christlichen Religion auf ihre heutige Lebensrelevanz hin auszulegen und dabei allgemeinverständlich zu bleiben, ohne theologisch banal zu werden. Dies gelingt. Vor Augen hat Zarnow Menschen mit einem »– vielleicht nur losen – Draht zur Kirche«, die »aber beruflich sonst nichts weiter mit der akademischen Theologie zu tun« haben. Aber auch solchen sei es wärmstens ans Herz gelegt.</p>
<p>Auf je ca. acht Seiten legt Zarnow 24 Begriffe aus. Der Einstieg wird über popkulturelle Referenzen gefunden, aktuelle Forschungsergebnisse oder Kunst- und Kulturgeschichte. Es folgt eine Problematisierung des Begriffes, die Schwierigkeiten offen benennt. Unter Rückgriff auf klassische (oft: Luther) und moderne Positionen wird der Begriff theologisch differenziert und in warmem, unaufgeregtem Ton für eine christliche Position und Lebensdeutungs-Perspektive geworben.</p>
<p>Liest man das Buch als „kleine Dogmatik“, erschließt sich auch sein innerer Aufbau: Prolegomena lebensnah (Zweifel, Sehnsucht, Werte, Religion) – Gott (Gott, Schöpfung, Segen, Theodizee) – Mensch (Innerer Mensch, Demut, Sünde, Erlösung) – Christus (Jesus Christus, Kreuz, Auferstehung, Dreieinigkeit) – Geist und Gemeinschaft (Heiliger Geist, Reich Gottes, Kirche, Abendmahl) – Leben im Glauben (Glauben, Nächstenliebe, Hoffnung, Ewiges Leben).</p>
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		<title>Matthieu Arnold: Albert Schweitzer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:28:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Schweitzer]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Lambarene]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenswerk]]></category>
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					<description><![CDATA[Der in Straßburg lehrende evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Matthieu Arnold hat im Jubiläumsjahr 2025 eine Gesamtbiografie Albert Schweitzers (1875–1965) vorgelegt, nachdem er in den Jahren zuvor bereits mehrfach zu dessen Leben und Werk publiziert hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Schweitzer.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-8757 size-medium" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Schweitzer-197x300.jpg" alt="Cover-Abbildung &quot;Albert Schweitzer&quot;" width="197" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Schweitzer-197x300.jpg 197w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Schweitzer.jpg 300w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /></a>Fayard, Paris 2025, 512 S., 25 EUR, E-Book 16,99 EUR</strong></p>
<p>Der in Straßburg lehrende evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Matthieu Arnold hat im Jubiläumsjahr 2025 eine Gesamtbiografie Albert Schweitzers (1875–1965) vorgelegt, nachdem er in den Jahren zuvor bereits mehrfach zu dessen Leben und Werk publiziert hat. Die Besonderheit dieser neuen Studie liegt darin, dass Arnold zum einen über die Schriften, Predigten und Briefe Schweitzers hinaus auch auf unveröffentlichtes Material (8) zurückgreift und zum anderen Schweitzer durch alle Phasen seines Lebens hindurch bewusst als einen Elsässer darstellt, der von der französischen und der deutschen Kultur gleichermaßen geprägt ist (9). Nicht zuletzt deswegen ist dieser profunden und lebendig geschriebenen Biografie zu wünschen, dass sie wie frühere Werke Arnolds rasch eine deutsche Übersetzung an die Seite gestellt bekommt.</p>
<p>Auch wenn sich das Multitalent Schweitzer u.a. als Theologe, Organist, Musiktheoretiker und Prediger betätigt hat, streicht Arnold heraus, dass Schweitzer selbst sein wichtigstes Erbe einerseits in dem von ihm in Lambaréné gegründeten Krankenhaus und andererseits in seinem geistigen Vermächtnis und hier insbesondere in seiner „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ gesehen hat (389). Lebendig wird Arnolds Darstellung gerade dadurch, dass er vielfach die historischen Personen selbst zu Wort kommen lässt und in seinem eigenen Urteil ausgewogen bleibt – auch etwa, was kritische Rückfragen an Schweitzers vom Kolonialgedanken geprägtes Wirken in Afrika angeht, wie sie heute sowohl von afrikanischen als auch von europäischen Intellektuellen gestellt werden (366).</p>
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		<title>Adventliche Events</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Advent]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsmärkte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtssingen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtszirkus]]></category>
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					<description><![CDATA[Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland im Trend. Aber die Besinnlichkeit ist oft zum Geschäft geworden – das sich viele nicht mehr leisten können. Kirchliche Einrichtungen setzen dagegen auf Inklusion. Und der Zirkus entführt in eine wundersame Welt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland im Trend. Aber die Besinnlichkeit ist oft zum Geschäft geworden – das sich viele nicht mehr leisten können. Kirchliche Einrichtungen setzen dagegen auf Inklusion. Und der Zirkus entführt in eine wundersame Welt.</p></blockquote></div>
<p>Der Boom ist ungebrochen. Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland Besuchermagneten. Bei dem Trubel geht die viel beschworene Besinnlichkeit vielfach verloren. In den engen Gassen zwischen den Ständen bleibt bei großem Andrang kaum Zeit zum Verweilen. Auftritte von Kirchenensembles bei größeren Märkten bringen zumindest die Stimmen der Kirchen zum Erklingen. So sind an allen Wochenenden vom 26. November bis 23. Dezember 2025 während des Stuttgarter Weihnachtsmarktes Posaunenchöre von der Stiftskirche zu hören. Und an den Konzerten im Innenhof des Alten Schlosses sind auch Kirchenchöre beteiligt genauso wie beim Weihnachtsfest der Chöre am 21. Dezember auf dem Dresdner Striezelmarkt.</p>
<h2>Weihnachtsmärkte von Dresden bis Traben-Trarbach</h2>
<p>Längst hat die Tourismusbranche die Weihnachtsmärkte als Geschäftsmodell entdeckt. Zu den populären Weihnachtsmärkten in Stuttgart, Ulm, Nürnberg oder Dresden sind viele Busreisen schon ausgebucht. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es zur Weihnachtszeit eine unterhaltsame Abwechslung. Inzwischen werben Hotels und Reiseveranstalter mit außergewöhnlichen Weihnachtsmärkten. So lockt der Christkindlmarkt in Hauzenberg im Landkreis Passau, gelegen in der Dreiländerregion Deutschland, Österreich und Tschechien, mit dem „beeindruckenden Ambiente“ des „Stoabruchs“. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Steinbruch im Granitzentrum Bayerischer Wald.</p>
<p>Aufgelistet werden im Internet eine ganze Reihe ungewöhnlicher Weihnachtsmärkte. So geht es in Traben-Trarbach an der Mosel in die Unterwelt. Fünf ehemalige Weinkeller wurden dafür romantisch ausgestaltet. Direkt am Domplatz vor der Kulisse von Mariendom und Severikirche in der mittelalterlichen Altstadt Erfurts findet der größte Weihnachtsmarkt Thüringens statt. Und auf der Leuchtenburg in der Nähe von Jena gibt es den „Weihnachtsmarkt der Wünsche“. Hier kann jeder seinen Porzellanteller, auf den er vorher einen Wunsch geschrieben hat, in die Tiefe fallen lassen, weil die Scherben Glück bringen sollen.</p>
<h2>„Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg (NRW)</h2>
<p>So könnte man auf eine Weihnachtsmarktreise quer durch Deutschland aufbrechen. Auch in kleinen Orten locken Advents- und Weihnachtszauber. Dass Besucherinnen und Besucher einen gut gefüllten Geldbeutel mitbringen müssen, ist die Voraussetzung für einen gelungenen Besuch. Denn auch hier ist im Laufe der Jahre alles teurer geworden. Sei es Christbaumschmuck aus dem Erzgebirge oder der Glühwein und die rote Wurst. Weil Armut Ausgrenzung bedeutet, gibt es Aktionen an Weihnachten für Menschen mit geringem Einkommen.</p>
<p>Ein Beispiel ist der „Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg, einem Ort in Nordrhein-Westfalen. Die Idee zu sozial-inklusiven Weihnachten hatte vor drei Jahren Sebastian Walde, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde. Er wollte in Zeiten der Krise ein Zeichen des Zusammenhaltens setzen und Menschen mit kleinem Budget den Besuch des Marktes ermöglichen. Er fand schnell Freiwillige, die es möglich machen, dass Glühwein und Würstchen günstig angeboten werden. Auf dem Markt steht auch eine „Bonkasse“, in die Menschen mit genügend Geld in der Tasche Bons für diejenigen erwerben können, die gar nichts haben.</p>
<p>Da alles teurer geworden sei, fällt immer mehr Menschen die Teilhabe am sozialen Leben schwer, haben die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde festgestellt. Auch Kindergärten, Schulen und Musikgruppen beteiligen sich inzwischen an der Initiative. Es wurden extra Spendenaktionen ins Leben gerufen. Heute ist der Weihnachtsmarkt ein beliebter Treffpunkt.</p>
<h2>Feier für obdachlose Menschen</h2>
<p>Eine besondere Feier bereitet die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) jedes Jahr bedürftigen Menschen ohne Obdach. Mehr als tausend Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zu „eva’s Stall“. Traditionell beginnt dieser an Heiligabend mit einem Gottesdienst im Innenhof der diakonischen Einrichtung. Danach gibt es für alle Gäste Kaffee, Tee, Kuchen und Gebäck an einer festlich gedeckten Tafel.</p>
<p>Das Ensemble „Dein Theater“ sorgt mit Krippenspiel, Liedern und Texten aus der Weihnachtsgeschichte für eine besinnliche Stimmung. Danach serviert das Team der Stadtmission, unterstützt durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, das typisch schwäbische Heiligabend-Essen: Saitenwürstle mit Kartoffelsalat. Und weil auch Geschenke zu Weihnachten gehören, bekommen alle anschließend ein Weihnachtsgeschenk (<em>www.eva-stuttgart.de/spenden-helfen</em>).</p>
<p>Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der Stall noch einmal von mittags an geöffnet. Neben einem Gottesdienst, Festtagsessen und dem Weihnachts-Kaffee steht Musik auf dem Programm: Die Gäste singen gemeinsam weihnachtliche Lieder und lassen den Nachmittag feierlich ausklingen.</p>
<h2>Weihnachtssingen im Stadion</h2>
<p>Für einen feierlichen und besinnlichen Auftakt zum Weihnachtsfest, der zu Herzen geht, sorgt das Stuttgarter Weihnachtssingen. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn ein ganzes Fußballstadion gemeinsam festliche Lieder intoniert. Das Weihnachtssingen im Gazi-Stadion findet schon zum siebten Mal statt unter Leitung von Patrick Bopp, der früher im populären Vokalensemble die Füenf gesungen hat. Unterstützt wird er von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke. Inzwischen wird die Veranstaltung per <em>Live-Stream</em> an Kliniken übertragen, zum Beispiel in Stuttgart und Ulm. Gesungen wird am 21. Dezember ab 17 Uhr wieder zwei Mal 45 Minuten wie beim Fußballspiel.</p>
<p>Zu einer weihnachtlichen Tradition besonders für Familien ist der Besuch im Weihnachtszirkus geworden, den es inzwischen in jeder größeren Stadt bundesweit gibt. Der Zuspruch ist ungebrochen. Die Veranstalter wollen mit dem Gastspiel ein festliches Feuerwerk für die ganze Familie bieten in der Manege. Der größte Vertreter der Branche ist der Stuttgarter Weltweihnachtscircus. Spannung, Poesie und viel Emotionen ist für den holländischen Produzenten Henk van der Meijden die Erfolgsformel mit internationalen Artisten der Spitzenklasse.</p>
<h2>Fast in jeder größeren Stadt lockt ein Weihnachtszirkus</h2>
<p>Der dem Zirkus mit aller Leidenschaft verbundene Niederländer will die Menschen mit seiner Vorstellung entführen in eine wundersame Welt, die den Menschen eine Auszeit von den Alltagssorgen bietet. Dort, wo sie hemmungslos lachen dürfen über den tolpatschigen Clown oder den trickreichen Zauberer, der auch das Publikum hinters Licht führt und der die Uhren der Zuschauerinnen und Zuschauer unbemerkt vom Handgelenk verschwinden lässt. All das, was im hektischen Alltag keinen Platz mehr hat, kann man zum Jahreswechsel in einer Zeit, wenn die Uhren anders gehen, im Zirkus erleben.</p>
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		<title>Ökumene: Alles ist Geschenk</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:13:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus]]></category>
		<category><![CDATA[Schrifttradition]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Einheit im Wort und im Geist ist eine wichtige Grundlage der Ökumene. Sie speist sich aus der reichen Schrifttradition und lässt erfahren: Was der Mensch ist, was ihn und was die christliche Gemeinschaft ausmacht, das ist nicht selbstgemacht, das ist empfangen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Die Einheit im Wort und im Geist ist eine wichtige Grundlage der Ökumene. Sie speist sich aus der reichen Schrifttradition und lässt erfahren: Was der Mensch ist, was ihn und was die christliche Gemeinschaft ausmacht, das ist nicht selbstgemacht, das ist empfangen.</p></blockquote></div>
<p>Die Einheit der Kirche erwächst aus der Schrift, oder sie besteht nicht. Denn dass das Leben ein Geschenk ist und wie groß das Geschenk des Lebens, erfährt der Mensch gerade dort. Gleichzeitig gilt: Was ist der Mensch, dass ihn ein Gott beachtet: „Ist doch der Mensch gleich wie nichts, seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten.“ (vgl. Psalm 144,4; Echo zu Psalm 8). Sätze, die voller Lebensweisheit sind.</p>
<h2>Weisheit der Schrift</h2>
<p>Biblische Weisheit ist beliebt. Besonders bei Entscheidungsträgern, Führungskräften und bei Wirtschaftsleuten, bei Athleten und Familienoberhäuptern. (Kurz: Bei allen, die verlässlich Leistung bringen müssen.) Denn diese wissen um die Brüchigkeit, Unverfügbarkeit und Kurzlebigkeit von Erfolg und Gelingen. Sie kennen die Unwägbarkeiten. Und haben oft genug die Vergeblichkeit von auch größten Anstrengungen erfahren.</p>
<p>„Umsonst ist’s, wenn der Torhüter sich verausgabt“ (denn vielleicht steigt der Dieb über die Mauer hinein), „umsonst, bis spätabends über Plänen zu brüten“ (denn über Nacht kann sich die Welt verändern), vgl. Psalm 127. So bleibt es ein Wink von oben, wenn etwas glückt, und Gunst, wenn es Bestand hat.</p>
<p>Aufschlussreich ist, dass selbst in der weltweiten Ökumene es nicht ein Werk des Menschen ist, das zur Zielerreichung führt, sondern: „Wir erhoffen und erwarten das Wirken des Geistes Gottes.“ So ist es regelmäßig in den einschlägigen Dokumenten zu lesen. Sicher mehr als eine Floskel.</p>
<h2>Erfolge der Ökumene</h2>
<p>Gleichzeitig ist es erstaunlich, was bereits erreicht worden ist. So haben sich zahlreiche Kirchen und kirchliche Gemeinschaften über eine gegenseitige Anerkennung der Taufe verständigt. Eine grundlegende Einigung, die in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzen ist! Die Taufe bezeichnet den Eintritt in das Christenleben. Sie bewirkt die christliche Initiation. Sie belegt den Täufling mit dem Namen Gottes, und sichert ihm dessen Mitgehen und Begleiten zu.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Ein lebenslanger Rückruf in das Taufgeschehen.</p></blockquote></div>
<p>Viel mehr als ein lebenslanger Rückruf in das Taufgeschehen ist kaum möglich. Dass sich die weltweite Christenheit gerade auf diesen Rückruf besinnt, ist deshalb sehr bemerkenswert. Es ist der Geschenkcharakter des Lebens, der auch hierin bedacht und feierlich zugesprochen wird: Wie der Mensch sein Leben und seine Gottebenbildlichkeit ohne Vorleistung empfängt, so ebenfalls Gottes (auch biblisch verbürgte) Zusage. Darum kann und soll sie auch bedenkenlos bereits Kleinkindern gespendet werden. Auch – ja gerade – ihnen sollte sie nicht vorenthalten bleiben; das wäre biblisch weise.</p>
<h2>Ein Rabbi aus Israel</h2>
<p>Jemand, der ganz in der Weisheit der Schrift lebte, war Jesus von Nazareth. Nicht nur seine Gleichnisse und Erzählungen sind ganz schriftdurchtränkt. Auch sein gesamtes Wesen und Leben. Er legt die Schrift und die Propheten aus, mit Worten und mit Taten. Als „Meister“ wird er angesprochen: Ein Rabbi aus Israel.</p>
<p>„Lasst schon auch die Kinder zu mir kommen, denn wer nicht das Reich Gottes wie ein Kind empfängt, wird es kaum erlangen“, ist eine seiner Ansagen. Jesus lässt sich selber taufen als eine Zeichenhandlung. Ein Geist, ein Gott, eine Taufe wird auch später Kennzeichen der Einheit in der christlichen Urgemeinde sein (Eph 4,3-5; „auf dass sie eins seien“, Joh 17,20-22).</p>
<p>Das Eins-Sein im Geist: Es ist die Weisheit der Schrifttradition, die sich hier Bahn bricht und die vielleicht gerade in ihrer Vielseitigkeit erklärt, warum sie bei vielen so beliebt ist.</p>
<h2>Biblische Begriffe</h2>
<p>Denn nicht nur die biblische Weisheit im gesamten, auch einzelne biblische Begriffe sind sehr beliebt: Ob es die jüngst verbreitete Rede von einer „Kultur der Vergebung“ ist (Wien), von Lebensinhalt und Sinn (Berlin), oder der Begriff der Barmherzigkeit (Rom / Franziskus I.) &#8230; Biblische Worte und Begriffe schaffen Räume und induzieren Denkbewegungen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Auch die biblischen Begriffe sind bei vielen sehr beliebt.</p></blockquote></div>
<p>Sinn heißt auf Griechisch <em>Logos</em>, und so sind es nicht zufällig schon gerade auch diese einzelnen Worte und Begriffe, die sinnhaft prägend, richtungsweisend und auf Dauer traditionsstiftend sind. Die Schrift-Tradition im (christlich-)jüdischen Bereich erwies sich dabei über Jahrzehnte und Jahrhunderte immer wieder als so anpassungsfähig wie zeitkritisch, auch als in ihrem Kern beständig und in sich kraftvoll gegenüber Verwischungen, dass kaum Anlass zur Sorge besteht, dies solle in den nächsten Monaten oder Tagen einmal anders werden. Das Wort findet immer einen Weg.</p>
<p>Und schließlich: <em>Verbum dei manet in aeternum</em> – Gottes Wort besteht in Ewigkeit –, ebenfalls ein Satz biblischen Wissens und biblischer Weisheit (Psalm 119), der in beiden Testamenten wiederkehrt (1Petr 1,25; Lk 21,33).</p>
<h2>Der Paulinismus der frühen Kirche</h2>
<p>Hat aber die frühe Kirche die Schriftweisheit behütet und bewahrt? Das ließe sich erfragen, und anhand der Texte prüfen. In diesen Tagen wird der frühen Bekenntnisbildungen gedacht (Nicänisches Konzil). Die Dogmenbildungen (z.B. Dreieinigkeit, Zwei-Naturen-Lehre) und auch die Festlegungen zum biblischen Kanon (welche Texte gehören zur Heiligen Schrift) fanden schon früh in diesem Zeitraum statt.</p>
<p>Insgesamt ist die Frühzeit durchaus sachgemäß gerade auch hier im Westen für einen ausgeprägten Paulinismus bekannt (z.B. Augustinus). Wichtige Schlagworte sind der <em>Antidonatismus</em> (es kommt nicht auf eine Vorzüglichkeit des einzelnen Amtsträgers an für die Gültigkeit und für die Wirksamkeit seines Dienstes), die Ablehnung von <em>Synkretismus</em> (unstatthafte Vermischungen zu Irrlehren sind zu vermeiden) sowie die Ablehnung von <em>Synergismus</em> (Keine Mitwirkung des Menschen zu seinem Heil; etwa unter Hinweis auf 1Kor 4,7), und zwar sowohl in seiner groben (<em>Pelagianismus</em>) als auch in seiner subtilen Form (<em>Semi-Pelagianismus</em>).</p>
<p>Das sind wichtige Klärungen. Denn sie betreffen wichtige Fragen. Und sie wurden oft erst in mühevollen Denkoperationen, Abwägungen, im Durchdenken der Konsequenzen einzelner Sätze und deren Infragestellungen erreicht. Oft sind Antworten aber auch zeitbedingt, verraten ihre zufällig-kontingente historische Konstellation, und sind teilweise (nur) unter den Denkvoraussetzungen der jeweiligen Zeit, z.B. der philosophischen, aufgestellt und formuliert.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Für die Prüfung dogmatischer Sätze braucht es Textkompetenz.</p></blockquote></div>
<p>Es geht historisch gesehen bei etlichen dogmatischen Sätzen also nicht darum, dass ein bestimmtes Satzgebilde (z.B. eines aus dem verwickelten „monotheletischen Streit“) als heilsnotwendig erklärt würde („Diese oder jene Satzkonstruktion muss ein Mensch wissen und auswendig kennen“), sondern: Wenn diese Infragestellungen, wie zum Beispiel damals durch den Philosophen <em>Soundso</em>, auftreten, mit dieser oder jener Begrifflichkeit, dann sind diese oder jene von uns für richtig befundenen Sätze zutreffend und richtig! Es lässt sich hier mit einer Formulierung Ludwig Wittgensteins sagen, dass es bei Dogmen nicht um die Sätze (selbst), sondern um das Klarwerden von Sätzen geht.</p>
<p>Die biblisch folgerichtigen und denknotwendigen Satzbildungen z.B. von der Trinität sichern insoweit gerade die innere Wahrheit und Richtigkeit des biblischen Zeugnisses ab; denn von dort stammen sie. Das aber lässt sich nur belegen, wenn die notwendige Textkompetenz vorhanden ist. Ein Wissen um die Texte selbst; und ein Überprüfen, wie sie kirchenhistorisch und theologiegeschichtlich gewirkt haben. Für die Ökumene ist daher die Schrifttradition eine nie versiegende, unausschöpfliche Fundgrube und Quelle.</p>
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		<title>Wie ein Durchschnittstyp mit Ecken und Kanten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannah Bick]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:05:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Menschensohn]]></category>
		<category><![CDATA[Skulptur]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ (Mt 16,13)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ (Mt 16,13)</p></blockquote></div>
<p>Ich komme aus einer Kleinstadt in Nordhessen. Das schöne Bebra ist besonders als Eisenbahnerstadt bekannt und trägt seinen Namen aufgrund von hohen Biberpopulationen in vergangener Zeit. Getauft wurde ich in der Auferstehungskirche zu Bebra, von einem Pfarrer, der gerade zur Zeit meiner Taufe neu in unsere Gemeinde kam. Er war ein bisschen anders als die bisherigen Pfarrer. Er tanzte eher aus der Reihe und versuchte die Kirche als einen freien Ort für alle neu zu beleben und zu öffnen. Seine Arbeit stand unter dem Motto: „Gemeindearbeit ist etwas Gemeinsames!“ Mal spielte er in der Kirche Fußball, mal tanzte er wortwörtlich durch das große Kirchenschiff.</p>
<p>Im Laufe seiner Zeit in unserer kleinen Gemeinde schaffte er eine Jesusskulptur an. Ein Jesus aus Holz, angefertigt von einem hessischen Tischler. Dieser Jesus ist nicht glattpoliert, er hat Ecken und Kanten. Das Holz der Skulptur hat einen großen Riss, der sich durch den Kopf Jesu zieht. Er trägt Jeans und T-Shirt und saß von nun an neben unserem Altar. Er ist ein lässiger Typ, ähnlich wie unser Pfarrer. Er sitzt gemütlich auf dem Boden und wenn ich nicht wüsste, wer er ist, könnte er doch wirklich jeder sein. Jesus ein junger Mann, in einer großen Menschenmenge vielleicht gar nicht zu erkennen. Er sieht aus wie der Durchschnittstyp schlechthin und könnte mir überall begegnen. Er ist einer von uns.</p>
<p>Und Jesus fragte: „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“</p>
<p>Beim Nachdenken über „meinen persönlichen“ Jesus, hatte ich direkt das Lied von <em>Depeche Mode „Personal Jesus“</em> im Ohr. Vielleicht geht es gar nicht darum, wer die Leute sagen, dass der Menschensohn sei, vielleicht geht es mehr darum zu fragen, was der Menschensohn sei? Vielleicht geht es darum zu fragen, was Jesus für mein Leben und Handeln bedeutet.</p>
<p>Auf einer Hochzeit lerne ich nachts um halb vier Angie kennen, die Mutter des Bräutigams. Eine fränkische Frau mit einem großen Herz. Angie übt sich darin, jeden zu lieben und bei der Frage danach, wie sie das eigentlich macht, erzählt sie von dem Gottesfunken, der in jedem von uns steckt, der einen dazu befähigt, neu denken zu lernen, der einen dazu befähigt, immer wieder zu lieben und durch das erneute und neue Betrachten vom Leben und seinen Mitmenschen, Liebe zu schenken. Das geht und gilt ganz sicher nicht immer. Aber vielleicht ist es unter anderem das, was Jesus uns lehren will: Umdenken, üben, neu betrachten und lieben lernen.</p>
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		<title>Abschied vom religiösen Apriori</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Volker Jung]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 19:01:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenaustritte]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenmitgliedschaft]]></category>
		<category><![CDATA[KMU]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht nur die Kirchenbindung geht zurück, sondern Religiosität überhaupt. Das ist ein zentrales Ergebnis der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Nicht nur die Kirchenbindung geht zurück, sondern Religiosität überhaupt. Das ist ein zentrales Ergebnis der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). </p></blockquote></div>
<p>Die Umfrage wurde im letzten Quartal 2022 durchgeführt. Mittlerweile liegen detaillierte Auswertungen vor, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden. Erstmals beteiligte sich auch die römisch-katholische Kirche an der Untersuchung. Befragt wurden Menschen, die den beiden großen Kirchen angehören, sowie Mitglieder kleiner Kirchen, Konfessionslose und Menschen, die nicht-christlichen Religionen angehören. Die KMU ist deshalb für die gesamte Bevölkerung in Deutschland repräsentativ.</p>
<p>Der Rückgang der Religiosität zeigt sich darin, dass 56 Prozent sich selbst als nicht-religiös einstufen. In der Typologie der Untersuchung werden sie „Säkulare“ genannt. Besonders bemerkenswert ist, dass auch Menschen, die einer Kirche oder Religion angehören, sich selbst als religiös uninteressiert beschreiben. So sind 39 Prozent der Evangelischen säkular und 36 Prozent der Katholiken. Selbst in den Freikirchen verstehen sich elf Prozent als säkular. Eine genaue Auswertung zeigt, dass ein Wechsel in andere Konfessionen oder auch Religionen äußerst selten ist. Es ist nicht so, dass die Menschen, die einer der großen Kirchen den Rücken kehren, von der einen in die andere Kirche wechseln oder in Freikirchen. Sie orientieren sich auch nicht anders religiös. Die Ergebnisse der Umfrage machen auch deutlich: Es ist keineswegs so, dass viele Menschen auf einer religiösen Sinnsuche sind, die von Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht befriedigt wird.</p>
<p>Damit ist auch eine oft vertretene Grundannahme infrage gestellt – die Annahme nämlich, dass Religion zum Menschsein dazu gehört. Diese Annahme schließt ja in der Regel ein, dass ohne Religion wirkliches Leben verfehlt wird. Menschen, die sich selbst als nicht-religiös verstehen, erleben das hingegen nicht so. „Wir alle suchen doch nach einem tieferen Sinn im Leben“ ist nicht nur ein Satz, der für eine Predigt-Karikatur taugt, sondern ignoriert, wie viele Menschen sich und ihr Leben sehen. Der in Utrecht lehrende katholische Theologe Jan Loffeld hat das in seinem Buch <em>Wenn nichts fehlt, wenn Gott fehlt</em> sehr eindrücklich beschrieben. Er hat deutlich gemacht, dass damit ein vielfach angenommenes Paradigma der Theologie infrage gestellt ist. Religion wäre demnach kein anthropologisches Grunddatum, sondern ein kulturelles Phänomen.</p>
<p>Wenn die Kirchen das ernst nehmen, muss dies Konsequenzen haben – besonders für Grundhaltung und Sprache. Nach wie vor bleibt es Aufgabe der Kirchen, aus dem Evangelium heraus zu leben und das Evangelium zu bezeugen. Dabei sind die Kirchen auch herausgefordert, dies in erkennbarer ökumenischer Verbundenheit zu tun. Das wird nicht nur – auch das ist ein Ergebnis der KMU – von vielen Menschen in und außerhalb der Kirche erwartet. Menschen, die sich selbst als nicht religiös verstehen, darf man aber nicht mit einer Grundhaltung begegnen, die ihnen unterstellt, als würde ihnen etwas Entscheidendes zum Lebensglück fehlen. Es geht darum, das Evangelium als relevant für das eigene Leben zu bezeugen – in dem, was man sagt und was man tut. Und dann mit Menschen darüber zu reden, warum der Glaube eine Kraftquelle für dieses Leben ist. So kann sich dann auch ein neuer Blick auf die religiöse Dimension des Lebens öffnen – im eigenen Leben und im Leben anderer.</p>
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		<title>Von wahrer Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Werner Thiede]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 18:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 35. Jahrgang, Heft 4, November 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Auferstehung]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterik]]></category>
		<category><![CDATA[Ewigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Mystik]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Mystiker und Esoteriker aller Couleur beschwören die Tiefe der Gegenwart. Der Augenblick als solcher sei schon das Tor zur ewigen Glückseligkeit. Christliche Spiritualität unterscheidet sich davon in einem zentralen Punkt: Erfüllt wird der Augenblick nur durch den in ihm gegenwärtigen, in Christus offenbar gewordenen Gott.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Mystiker und Esoteriker aller Couleur beschwören die Tiefe der Gegenwart. Der Augenblick als solcher sei schon das Tor zur ewigen Glückseligkeit. Christliche Spiritualität unterscheidet sich davon in einem zentralen Punkt: Erfüllt wird der Augenblick nur durch den in ihm gegenwärtigen, in Christus offenbar gewordenen Gott.</p></blockquote></div>
<p>Menschliche Zeiterfahrung ist von unterschiedlichster Art. Für Mystiker stellt sich der Zeitbegriff ganz anders dar als etwa für Manager, für Kinder anders als für Erwachsene, für Eskimos anders als für Japaner, für frühere Generationen anders als für heutige. Demgemäß wird ganz verschieden erlebt, was man landläufig „Gegenwart“ nennt. Wie hinfällig ist sie von Mal zu Mal, welche Tiefe hat sie aber auch?</p>
<h2>Gegenwart im Horizont der Vergänglichkeit</h2>
<p>Tatsächlich ist das Phänomen der Gegenwart zunächst einmal ein stets schwindendes. Indem das dem Subjekt Präsente den Schnittpunkt von Vergangenheit und Zukunft darstellt, bedeutet „Gegenwart“ ein ständiges Kommen und Gehen, ein stetes Werden und Vergehen. Aber beides ist keineswegs gleichgewichtig: Schon die Dynamik der Zeit ist gekennzeichnet von der Zunahme der Vergangenheit einerseits und dem Gesetz andererseits, dass die Zukunft des Lebens immer knapper wird und irgendwann in Tod und Vergehen mündet. Der Schnittpunkt der Gegenwart ist also kein immerwährender Fluss, auch wenn viele Menschen so dahinleben, als gebe es immer wieder ein Morgen und unendlichen Fortschritt. In Wahrheit ist erlebte Gegenwart vom Horizont der Vergänglichkeit umzingelt.</p>
<h2>Der in jedem Augenblick gegenwärtige Gott</h2>
<p>Christlicher Gottesglaube aber weiß noch um einen ganz anderen Horizont: den der Ewigkeit. Unter diesem Aspekt gewinnt der Schnittpunkt „Gegenwart“ radikale Tiefe. Denn Vergangenheit und Zukunft, die sich augenblickshaft kreuzen, erweisen sich nicht bloß als Größen vergänglicher Zeit. Sondern die Horizonterweiterung des Glaubens blickt auf Gott, den Schöpfer und Vollender, den Richter und Erlöser. Das bedeutet eine enorme Bewusstseinserweiterung, ermöglicht durch den heiligen Geist. „Gott ist gegenwärtig“ heißt es in einem bekannten Kirchenlied, das Gerhard Tersteegen 1729 schuf. Doch die Schwierigkeit jener Worte besteht darin, dass sie den Eindruck erwecken könnten, Gottes Gegenwart sei auf den Gottesdienst im Kirchenraum begrenzt. Nimmt man indessen als Christenmensch ernst, dass ein halbwegs angemessenes Erfassen erlebter Gegenwart den in jedem Augenblick gegenwärtigen Gott einbeziehen muss, dann liegt es nahe, den kurzen Augenblick der Jetztzeit auf seine Tiefe hin zu durchleuchten – aufs sogenannte <em>nunc aeternum</em> hin.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Für Gott sind sämtliche Zeitläufe der Welt, also auch alle Lebensläufe stets präsent.</p></blockquote></div>
<p>Schon dem Kirchenvater Augustin war klar: Für Gott selbst sind sämtliche Zeitläufe der Welt, also auch alle Lebensläufe stets präsent. Im Rückschluss bedeutet das: Jede Gegenwart bildet den Schnittpunkt von Linien, die ihren Ursprung bei Gott als dem allwissenden Schöpfer und ihr Ende bei demselben Gott als dem herrlichen Vollender haben. Der glaubende Mensch darf von daher wissen, dass Gott bereits im Anfang der Erwählende war. Seine „Gnadenwahl“ (Karl Barth) am Beginn aller Dinge umfasst und überschaut dabei auch meinen gesamten Lebensgang. Auf die „Letzten Dinge“ bezogen heißt das wiederum: Dank der in Jesus Christus ergangenen Gnade bin ich bereits durchs Gericht hindurch (Joh 5,24). Meine jeweilige Gegenwart ist mithin der Schnittpunkt von Linien, die abgrundtief von Gottes Gnade zeugen, was auch immer geschehen mag – wie das schon der Apostel Paulus betont hat (Röm 8,34-39).</p>
<h2>Bewusstsein für die Tiefe der Gegenwart</h2>
<p>Zum Ausleuchten der Gegenwart hat der katholische Dichter Reinhold Schneider (1903‒1958) schöne Worte gefunden: „Ein Schimmer des Schöpfungsmorgens liegt auf der Welt und ist nicht auszulöschen, so wie ein Schatten des Untergangs auf ihr liegt; auf jedem Tage ruht der Abglanz des ersten und des jüngsten Tages: das Bewußtsein der Nähe dieser beiden Tage macht vielleicht das tiefste Bewußtsein der Zeit und der Geschichte aus“ (<em>Im Anfang liegt das Ende</em>, 1946, S. 64).</p>
<p>Die Besinnung auf die Tiefe der Gegenwart ermöglicht es, Abstand zu gewinnen von der verbreiteten Gegenwartsflucht. Diese ist ein besonderes Kennzeichen des digitalen Zeitalters, das mit seiner versuchten Beschleunigung aller Dinge immer mehr nach Erfüllung strebt und dabei die Gegenwart eigentlich zunehmend entleert (dazu Werner Thiede: <em>Digitaler Turmbau zu Babel,</em> <sup>2</sup>2021).</p>
<h2>Der Augenblick als Tor zur Ewigkeit?</h2>
<p>Insbesondere Mystiker und Esoteriker aller Couleur erahnen die Tiefe der Gegenwart. Exemplarisch sei hier nur der Best- und Longseller <em>Jetzt</em> von Eckhart Tolle (2010) erwähnt, der sich als „Leitfaden zum spirituellen Erwachen“ versteht. Es gebe „nur diesen Moment“; das Jetzt sei „der Eingang zu unserer tiefsten inneren Glückseligkeit, zu ewigem Sein, zu dem Frieden, den wir unser Leben lang ersehnen, verfolgen, jagen, verpassen“. Doch lässt sich so formal sagen, der Augenblick als solcher sei das Tor zur ewigen Glückseligkeit? Hier wird vorausgesetzt, dass die menschliche Natur in ihrem Kern von göttlicher Art ist – so etwa zu lesen bei Ingo Jahnke: „Ich beabsichtige, mich selbst vollkommen anzunehmen und zu achten, weil ich den einmaligen göttlichen Funken in mir trage“ (<em>72 Heilige Namen</em>, 2022, S. 50). Wird dieser göttliche Funke substantiell verstanden, so ist die logische Folge die, dass der Mensch als fähig, ja, als verpflichtet zur Selbsterlösung betrachtet wird. Schon zur Zeit des Urchristentums hat die interreligiöse, bis heute anhaltende Bewegung der „Gnosis“ Entsprechendes gelehrt. Hierin liegen entscheidende Konflikte mit der christlichen Gnadenbotschaft. Die Verwechslungsgefahr ist groß.</p>
<h2>Unbewusstes Gottesbewusstsein</h2>
<p>Wenn ich in Jahnkes esoterischem Büchlein lese: „Ich bin mir bewusst, dass in meinem Herzen ein heiliger Raum existiert“, dann könnte ich hier als Theologe durchaus zustimmen; denn ich weiß im dargelegten Sinne, dass Gott in meiner, in jeder Seele verborgen präsent ist. Wäre er es nicht, sähe es in meinem, ja, in jedem Bewusstsein noch einmal ganz anders aus – auch wenn sich das nur wenige Menschen bewusst machen. Paulus hat diesen Sachverhalt laut Apg 17 so formuliert: Gott „hat gewollt, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn vielleicht ertasten und finden könnten. Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe. Durch ihn leben wir doch, regen wir uns, sind wir! Oder wie es einige eurer Dichter ausgedrückt haben: ›Wir sind sogar von seiner Art‹.“ An dieses oft nur unbewusste Gottesbewusstsein (dazu Viktor E. Frankl: <em>Der unbewusste Gott</em>, 1948) denkt der Apostel hier und auch Röm 2,14 offenkundig.</p>
<h2>Das esoterische Missverständnis</h2>
<p>Indes – die Gegenwart Gottes bedeutet nicht schon, dass ich oder etwa mein „höheres Selbst“ als göttlich zu bezeichnen wäre. Das esoterische Missverständnis besteht darin, dass der Seelenkern in einem <em>substantiellen</em> Sinn als göttlicher Funke aufgefasst wird. Christlicher Sicht hingegen entspricht es, die Gegenwart Gottes relational und personal zu verstehen. Dabei ist freilich diese liebevolle Präsenz, ja die biblisch bezeugte Treue Gottes dermaßen stabil, dass sie in gewissem Sinne doch geradezu als „substanziell“ erscheinen kann.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>In christlicher Sicht ist die Gegenwart Gottes relational und personal zu verstehen.</p></blockquote></div>
<p>Der Unterschied liegt darin, dass Gott als Liebe tatsächlich <em>Beziehung</em> meint, statt dass menschlicher Selbstbezug in Gestalt einer spirituell verstandenen Subjektivität zur religiösen oder religionsphilosophischen Hybris wird und so den Gnadengedanken zerstört. Christenmenschen sprechen hingegen betont von der Gnade Gottes: Sie blicken auf Kreuz und Auferstehung Jesu als auf die Zentralereignisse, in denen sich Gottes Erbarmen und das Geschenk der Rechtfertigung realisiert haben, auf Christus als den gegenwärtig liebenden und künftig wiederkommenden Herrn – in dem Bewusstsein: Nachdem Gott Frieden gestiftet hat durch das Blut, das Jesus am Kreuz vergoss, sollte „alles, was auf der Erde und im Himmel lebt, geeint werden durch ihn und in ihm als dem letzten Ziel“ (Kol 1,20).</p>
<h2>Himmlische Freude und christliche Glückseligkeit</h2>
<p>Und so darf und soll lebendiger Glaube sich stets und immer wieder neu darauf besinnen, dass jede glückliche, banale oder auch bittere Gegenwart einen heiligen Schnittpunkt der himmlischen Linien zwischen Gottes Schöpfungs- und Erwählungsratschluss einerseits und seinem Gnaden- und Vollendungshandeln andererseits darstellt. Die Vergangenheit, von der wir herkommen, mag schuld- und schmerzbelastet sein; doch im Licht der <em>wahren Gegenwart</em> gilt es, sich die <em>wahre Vergangenheit</em> zu vergegenwärtigen: Da ist alle Schuld ausgelöscht und alles Leid dahinten gelassen. Die Zukunft in dieser Welt ist zweifellos von mancherlei Düsternis geprägt; doch im Licht der <em>wahren Gegenwart</em> kommt die <em>wahre Zukunft</em> in den Blick, die mit Gottes universaler Offenbarung sein Reich der Liebe bringen und auf ewig aufrechterhalten wird.</p>
<p>So bringt das Bewusstsein wahrer Gegenwart wahre Glückseligkeit mit sich. Selbst wenn vor uns der tiefe Abgrund des Nichts droht, dürfen wir uns doch stets an die Wahrheit erinnern: Gott ist im Kommen, ihm gehört die Zukunft. Und so dürfen wir uns auch immer wieder auf unsere Unsterblichkeit besinnen, die wir der Liebe und Gnade Gottes, der unauflöslichen Verbindung mit dem unsterblichen Vater und mit seinem auferstandenen Sohn verdanken. In solchem Glauben erfahren wir jene <em>wahre Gegenwart</em>, die bereits den Saum der Ewigkeit berührt.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<p>Werner Thiede: <em>Himmlische Freude. Vom tiefen Glück des Glaubens. </em>Leipzig, 2024; <em>Unsterblichkeit der Seele? Interdisziplinäre Annäherungen an eine Menschheitsfrage. </em>Berlin, <sup>2</sup>2022.</p>
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