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	<title>evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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	<title>evangelische aspekte</title>
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		<title>Evangelischer Kirchenbau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Uwe Kai Jacobs]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 12:05:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenbau]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenraum]]></category>
		<category><![CDATA[Spritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Würde]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen Würde und Bürde – so lässt sich der Umgang mit dem kirchenbaulichen Erbe in vielen evangelischen Gemeinden beschreiben. Ein Blick auf das Wesentliche kann helfen, das bauliche Erbe nicht nur als (finanzielle) Belastung anzusehen, sondern vor allem als spirituelle Ressource – und Veränderung als Chance, sie neu zu entdecken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Zwischen Würde und Bürde – so lässt sich der Umgang mit dem kirchenbaulichen Erbe in vielen evangelischen Gemeinden beschreiben. Ein Blick auf das Wesentliche kann helfen, das bauliche Erbe nicht nur als (finanzielle) Belastung anzusehen, sondern vor allem als spirituelle Ressource – und Veränderung als Chance, sie neu zu entdecken. </p></blockquote></div>
<p>Was ist das Proprium des gottesdienstlichen Raums? Ist die Rede von der Würde des Kirchenraums eine angemessene Zuschreibung oder verstellt sie den Blick auf das Eigentliche und erschwert notwendige Veränderungen? Nicht nur der <a href="https://kirchbautag.de/" target="_blank" rel="noopener">31. Evangelische Kirchbautag</a>, der im September 2025 in Berlin stattfindet, ruft zur Diskussion auf.</p>
<h2>Christliche Deutung von „Würde“</h2>
<p>Wenn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in seinem ersten Artikel die Würde des Menschen für unantastbar erklärt, dann setzt es einen Begriff von Würde voraus, dem diese Unantastbarkeit innewohnt. Denn eine Definition von Menschenwürde gibt das Grundgesetz nicht. Seine Würde kann der Mensch aber schwerlich selbst definieren, auch die Interpreten des Grundgesetzes können ihre Mühe kaum verbergen, die auf ihren Schultern liegt, wenn sie eine religiös neutrale, nicht unmittelbar auf den christlichen Gott verweisende Definition der Menschenwürde konstruieren wollen.</p>
<p>Nach christlicher Auffassung liegt die Würde des Menschen darin, dass er Gottes Geschöpf und Ebenbild ist. Seine Würde ist Reflex der Würde Gottes, wie des Menschen „Heiligkeit“ mit der Heilszusage Gottes korrespondiert. Die Heiligen, wie die Evangelien und Paulusbriefe (und mit ihnen das Glaubensbekenntnis und das Augsburger Bekenntnis) diejenigen Menschen nennen, die auf das Reich Gottes setzen, sind – wiewohl Sünderinnen und Sünder – geheiligt in Gott.</p>
<p>Menschenwürde ist Geschenk Gottes und Attribut der Gottesebenbildlichkeit in einem. Das Christentum labelt den Begriff der Würde. Zugleich bindet es ihn an eine personale Beziehung, die Beziehung Gott-Mensch und die Beziehung der Menschen untereinander, die von der Achtung der Würde jedes Einzelnen geprägt sein soll – wiederum als Folge und Reflex der Achtung der Würde Gottes (erstes Gebot) durch seine Ebenbilder. Eine Würde von – naturgemäß seelenlosen &#8211; Sachen kann es daher nicht geben, jedenfalls keine Würde im aufgezeigten Sinn. Dies ist wichtig, um den Charakter des Gotteshauses zu bestimmen. Ist es eine Stätte mit eigener Würde, einer vorfindlichen Dignität?</p>
<h2>Kirchengebäude als Stätten der Würde?</h2>
<p>Die katholische Auffassung wird zur Bejahung der Frage neigen, zumal sie im Kirchengebäude eine heilige Sache sieht. Es ist heilig als Gefäß der göttlichen Gaben. Der Tabernakel macht es zur heiligen Sache, die Weihe von Grundstein, Altar und Kirche als Gesamtsache antworten darauf. Das Gebäude ist die Membran, die den Gläubigen einer Pfarrei zur Feier der Eucharistie als wesentlichem Vollzug des katholischen Glaubens offen steht. Denn „Eucharistie ist die Grundform der Kirche“ (Joseph Ratzinger in der Festschrift Stimpfle 1991).</p>
<p>Die evangelische Antwort zu suchen, ist wichtig, um einen Kompass für den Transformationsprozess der evangelischen Kirche zu finden, der ganz wesentlich, wenn auch aus diversen Gründen, in einer Reduktion des Gebäudebestandes bestehen wird. In der Vergangenheit wurde dem evangelischen Kirchengebäude eine fast fraglose Würde zugesprochen, was nicht daran hinderte, im Zuge der Kirchenunionen nach 1817 überflüssig gewordene Kirchengebäude aufzugeben (Baden, Pfalz). Die Kirchenbauprogrammatik und -literatur des 19. und 20. Jahrhunderts bietet zahlreiche Beispiele für die Zuschreibung einer „Würde der Kirche“ (Thesen des Kirchentags von Barmen 1860, Eisenacher Regulativ 1861, O. Stahl im Pfälz. Kirchenlexikon 1962), was von normativen Festlegungen des evangelischen Kirchenrechts unterfangen wird oder wurde (Kirchenverfassung Pfalz 1920, Grundordnung Baden in der Fassung von 2006), von kirchlichen Lebensordnungen ganz zu schweigen, die auf eine „würdige Gestaltung“ des Gottesdienstraums Wert legen (Lippe).</p>
<p>Die Vorstellung, dass einem gebauten Raum eine Würde eignet, mit der das Ausstattungsprofil („würdige Gestaltung“) korrespondiert, bezieht sich nicht allein auf kirchliche Gebäude. Man assoziiert sie mit dem Parlamentsgebäude (Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages) oder dem Friedhofsgelände (Bestattungsgesetz Baden-Württemberg; Friedhofssatzung Landau in der Pfalz). Nicht von ungefähr umweht den Begriff der Würde des Ortes eine gewisse Strenge; er fordert Respekt ein. Die besondere Zweckbestimmung für die Gesellschaft wird die Würde dieser offenen oder umbauten Räume begründen. Im Falle der Friedhöfe korreliert die Würde-Zueignung mit dem Postulat der allgemeinen Menschenwürde, hier in der Ausprägung postmortaler Würde, die wiederum nicht ganz ohne den Verweis auf das christlich-jüdische Menschenbild auskommen wird.</p>
<h2>Würde und Relationship</h2>
<p>Wenn aber der christliche Würdebegriff an eine Korrelation gebunden ist, vor allem an die basale Mensch-Gott-Beziehung, dann „klebt“ er nicht am Gebäude. Er umfängt das Gebäude nur insoweit, als es Begegnungsstätte mit Gott und Versammlungsstätte der christlichen Gemeinde ist, was in eine Tautologie mündet, sichert doch Gott selbst seine Anwesenheit zu, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Der Gebrauch des Gebäudes als Versammlungsstätte „unter seinem Wort“ ist konstitutiv für die Vorstellung, dass dem umbauten Raum, auch dem evangelischen, eine Würde oder Heiligkeit zukomme, und zwar als Reflex auf die Heiligkeit, die von Gott selbst den zum Gottesdienst Versammelten zugesprochen wird. Es handelt sich um einen Zirkelschluss. Eine immanente, durch die Indienststellung ein für alle Mal gegebene Würde eignet dem „Gotteshaus“, in dem Gott nicht wohnt, sondern sich zeigt (wie auch an anderen Orten), allerdings nicht. Jedes evangelische Kirchengebäude kann durch kontradiktorischen Akt, nämlich Außerdienststellung (Entwidmung) seinen Charakter verlieren. Ob es damit jegliches bauliche Zeugnis verliert, steht auf einem anderen Blatt, das hier nicht aufgelesen und gedeutet werden kann.</p>
<h2>Mittel zum Zweck</h2>
<p>Eines scheint aber klar zu sein: Evangelische Gottesdienststätten sind Mittel zum Zweck der Verkündigung des Glaubens und zur Beheimatung von Gemeinden, sei es solcher von Dauer, sei es solcher auf Zeit („wanderndes Gottesvolk“, „pilgerndes Gottesvolk“). Dies mag die Verantwortung derjenigen, die über den Fortbestand evangelischer Versammlungsstätten (oder ihre Transformation zu multifunktionalen Räumen) zu entscheiden haben, nicht gering ausfallen lassen. Aber um Sein- oder Nichts-Sein einer Religionsgemeinschaft geht es nicht, schon gar nicht nach dem Selbstverständnis der Evangelischen. Besteht die Zukunft des Kirchbaus in Wanderbauten für das wandernde Gottesvolk (Karin Berkemann im Deutschen Pfarrblatt 4/2025), so dass sie ihren Einsatzort nach Bedarf wechseln? Die Diversität der religiösen Räume könnte jedenfalls zunehmen, wenn es der Zweckerreichung dient.</p>
<p>So gesehen eignet der Würde des religiösen Raums nichts Statisches. Besteht die Würde ihrer Versammlungsstätten in ihrem Potential, Gotteserfahrung zu ermöglichen, dann ist die Würde dieser Stätten nicht an die kulturgeschichtliche Konnotation des Würdebegriffs und schon gar nicht an die Assoziation einer gewissen Strenge, sondern an die zeichenhafte Bedeutung des gebauten und ausgestatteten religiösen Raums gebunden. Dieser Raum ist weder Selbstzweck noch heilig, er verweist auf Gottes Präsenz in Geist, Wort und Sakrament. Er <em>gibt</em> Raum &#8211; der persönlichen Andacht, dem Gottesdienst, dem Suchen, der Stille, dem Gleichnis in Gestalt der Kirchenkunst.</p>
<p>Der Raum predigt. Damit ist er ein dynamischer Raum. Er kommuniziert mit denjenigen, die ihn aufsuchen. Wiewohl als liturgischer Ort eine Stätte der Gemeinschaft, ist er zugleich ein Ort stiller Zwiesprache – oder lauter Klage. Die Versammlungsstätte ist auch Stätte der (inneren) Sammlung. Das prägt ein qualitatives, kein quantitatives Merkmal des Kirchenbaus aus. Nicht die Anzahl der Gebäude in einer Landeskirche ist entscheidend, sondern ihre Aussage, ihre Dienlichkeit für den Verkündigungsauftrag und das Christsein heute, wobei zur Dienlichkeit auch Erreichbarkeit und Nutzbarkeit zählen. Zur Würde mag dem Gebäude gereichen, wenn es Denjenigen Würde zurückgibt, denen es an gesellschaftlicher Würdigkeit mangelt (Vesperkirche). Würde und Wert(-schätzung) bilden ein gedankliches Paar.</p>
<h2>Die Würde des Kirchenraums ist spirituell</h2>
<p>Diese Skizze sei nicht missverstanden, weder als Plädoyer zugunsten rein pragmatischer Reduktion des Baubestands noch als Einwurf zugunsten religiös reduzierter Ausdrucksformen im Bestand. Nicht kryptische Semiotik ist das „Allheilmittel“ religiöser Raumaussage, sondern eine durchaus differenzierte Ausdruckssprache, die zum Suchen und Schauen einlädt. Die Bildsprache der Bibel, die nicht nur in Bildern (Gleichnissen) redet, sondern auch Bilder (im Kopf) erzeugt, bedarf der Hermeneutik im gebauten Raum. Die Kunst, den Strahlen Gottes und den Melodien der Bibel einen Resonanzkörper zu bieten, ohne sie einzukapseln, gehört zu den Uraufgaben jedes Kirchenbaus, der seinem Auftrag würdig ist, ohne eigene Würde in Anspruch zu nehmen, die ihm kirchlich oder gesellschaftlich zugeschrieben wird. Die wahre Würde christlicher Versammlungsstätte ist spirituell. Ihre Morphologie ist vergänglich. Ihr Auftrag ist es nicht.</p>
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		<title>Lamorna Ash: Don&#8217;t Forget We&#8217;re Here Forever</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Niklas Henning]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 12:03:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[empirische Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Jahr 2021 brach die Journalistin Lamorna Ash zu einer dreijährigen Reise auf, um zu erkunden, warum und wie ihre britischen Altersgenoss:innen heute als Christen leben und glauben. Don’t Forget We’re Here Forever ist das buchgewordene Ergebnis dieser Reise durch Großbritanniens zeitgenössisches Christentum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Ash-Dont-forget.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8938 alignleft" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Ash-Dont-forget-195x300.jpg" alt="" width="195" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Ash-Dont-forget-195x300.jpg 195w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Ash-Dont-forget.jpg 300w" sizes="(max-width: 195px) 100vw, 195px" /></a>Bloomsbury Publishing, London 2025, 352 S., 25,99 EUR, E-Book 14,99 EUR</strong></p>
<p>Im Jahr 2021 brach die Journalistin Lamorna Ash zu einer dreijährigen Reise auf, um zu erkunden, warum und wie ihre britischen Altersgenoss:innen heute als Christen leben und glauben. <em>Don’t Forget We’re Here Forever</em> ist das buchgewordene Ergebnis dieser Reise durch Großbritanniens zeitgenössisches Christentum.</p>
<p>Was Ash uns Leser:innen hier in 14 Kapiteln und je zwei ein- und ausleitenden Begleittexten bietet, ist weit mehr als eine Aneinanderreihung von Personenportraits. In Ashs Buch begegnen wir zunächst Menschen aus dem konservativen, orthodoxen, evangelikalen und charismatischen Zweig des Christentums (Teil I). Dann führt ihr persönlicher Weg durch Glaubensformationen sie zu abgelegenen Gemeinschaften: zu einer Gruppe von Quäkern, zur Abtei auf Iona, zu katholischen Nonnen nach Walsingham und zu jesuitischen <em>Exerzitien</em> in St. Beuno (II). Zuletzt kommen Menschen zu Wort, deren Christsein sich radikal verändert hat, z.B. durch einen Ausstieg, eine Konversion oder ein mystisches Erlebnis (III). Ash reichert diese dichten Beschreibungen durch informierende Hintergrundrecherchen weiter an. Eine authentische Tiefe erreichen die Texte aber auf zwei weiteren Ebenen: Ash rekontextualisiert ihre Beobachtungen vertiefend durch Bezugnahmen auf biblische Erzählungen; dazu verwebt sie poetische <em>Renarration</em> und theologische Interpretation miteinander zu anspruchsvoll eingängiger Theopoesie, ein Genuss. Zudem lässt Ash stetig ihre eigenen Erfahrungen, Irritationen und Beobachtungen zufließen, sodass für uns Leser:innen Stück für Stück auch Ashs persönlicher Weg an Kontur gewinnt: von einer dem Christentum gegenüber klar distanzierten Haltung hin zur Andeutung eines persönlichen Ausdrucks christlichen Glaubens.</p>
<p>Liest man Ashs Darstellung der vielfältigen Formen gegenwärtigen Christseins in UK als journalistisch-qualitative Studie und vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Phänomene sich verändernder Ansprechbarkeit auf traditionelle Formen des Christentums, gerade auch bei jungen Erwachsenen, so erschließt sie uns explorativ ebenjene Wege, auf denen sie ins und im Christentum unterwegs sind. Mit Gewinn wird dieses Buch lesen, wer interessiert ist an empirischer Theologie, an biographischen Glaubensgeschichten oder auch einfach an herausragender journalistischer Literatur.</p>
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		<title>Claudia Paganini: Der neue Gott</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Selina Fucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 12:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Autorin stellt darin die These auf, dass die vom Menschen erschaffene Künstliche Intelligenz als Gott gedacht werden kann. Dieser These widmet sich die Philosophin und Theologin anhand von neun Eigenschaften, die Menschen Gott zuschreiben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Paganini-Der-neue-Gott.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8936 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Paganini-Der-neue-Gott-189x300.jpg" alt="" width="189" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Paganini-Der-neue-Gott-189x300.jpg 189w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Paganini-Der-neue-Gott.jpg 300w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" data-smartcrop-focus="[49,39]" /></a>Herder, Freiburg 2025, 192 S., 20,00 EUR, E-Book 15,99 EUR</strong></p>
<p>„Zum ersten Mal in der Religionsgeschichte haben Menschen sich ihren Gott nicht nur ausgedacht, sondern zugleich erschaffen“, dieses Postulat steht auf dem Buchdeckel des Buchs <em>Der neue Gott – Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche</em> von Claudia Paganini.</p>
<p>Die Autorin stellt darin die These auf, dass die vom Menschen erschaffene Künstliche Intelligenz als Gott gedacht werden kann. Dieser These widmet sich die Philosophin und Theologin anhand von neun Eigenschaften, die Menschen Gott zuschreiben: Einzigartigkeit, Allgegenwärtigkeit, Allwissenheit, Allmächtigkeit, Transzendenz, Nahbarkeit, Gerechtigkeit, Sinnstiftung und Fürsorglichkeit.</p>
<p>Die Kapitel sind dabei zweigeteilt und widmen sich je einer Eigenschaft: Zunächst entfaltet Paganini eine kurze, aber sehr informative Religionsgeschichte der jeweiligen Eigenschaft. Anschließend betrachtet sie, inwiefern diese Eigenschaft auch der KI zugeschrieben wird. Dabei thematisiert sie Fragen wie: Ist Künstliche Intelligenz allmächtig? Oder: Ist KI gerecht?</p>
<p>Bei der Lektüre des Buches wird deutlich, dass viele Ängste und Hoffnungen, die Künstlicher Intelligenz entgegengebracht werden, religiöse Bezüge haben. Die klare Struktur und allgemein verständliche Sprache machen das Buch für alle Interessierten zugänglich und leicht zu lesen. Eine Empfehlung für alle, die sich für die religiösen Bezüge der Hoffnungen, die Künstlicher Intelligenz entgegengebracht werden, interessieren.</p>
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		<title>Christoph Engemann: Die Zukunft des Lesens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reinhold Münster]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:58:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Mediennutzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Krise des Lesens ist ein alter Topos, meist so alt wie das Lesen selbst. Neu: Inzwischen übernimmt ChatGPT in Sekunden das Zusammenfassen komplexer Texte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Engemann-Zukunft-des-Lesens.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8934 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Engemann-Zukunft-des-Lesens-167x300.jpg" alt="" width="167" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Engemann-Zukunft-des-Lesens-167x300.jpg 167w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Engemann-Zukunft-des-Lesens.jpg 300w" sizes="(max-width: 167px) 100vw, 167px" data-smartcrop-focus="[49,76]" /></a>Matthes &amp; Seitz Verlag, Berlin 2025, 158 S., 11,99 EUR</strong></p>
<p>Die Krise des Lesens ist ein alter Topos, meist so alt wie das Lesen selbst. Neu: Inzwischen übernimmt <em>ChatGPT</em> in Sekunden das Zusammenfassen komplexer Texte.</p>
<p>Digitale Technik verändert den Umgang mit Texten. Dabei nimmt die subjektive Kompetenz des Lesens ab, während die Anzahl der Texte wuchs. In diesem Prozess steuern Algorithmen die Wahrnehmung von Texten. Entscheidend ist, dass Lesen im Internet ein permanentes Sich-Sichtbar-Machen durch eine medienhistorische <em>Genealogie</em>, die von Firmen ausgewertet wird, als Spur hinterlässt. Längst sind weitere Schritte vollzogen: Es wird im digitalen Raum kaum mehr gelesen, sondern Maschinen lesen vor. Der stumme Akt des Lesens wurde beredt; es dient meist nur noch als Teil der sozialen Kommunikation. Die meiste Zeit verbringen Nutzer mit Podcasts und Videos. Häufiger zu beobachten: Dass durch Kopfhörer eine Abschließung von der Umwelt stattfindet. Das bedeutet z.B., dass sich der Unterricht an Hochschulen ändert: Die Vorlesung wird durch Podcasts und Videos ersetzt. Es kommt zu einer Diskrepanz zwischen Lesen-Können und Nicht-mehr-lesen-Wollen. Längere Texte lesen zu müssen, wird als Zumutung empfunden.</p>
<p>Durch die Konzentration auf das Internet entsteht ein Wandel in der Wahrnehmung der Welt. Die sog. „Große Erzählung“, in der Postmoderne stark kritisiert, kam zurück z.B. in Form des Narrativs vom Anthropozän oder der Geschichte vom Klimawandel. Diese Erzählungen von der gesellschaftlichen Entwicklung verbreiten sich in hoher Geschwindigkeit. Der informative Essay spricht daher von Lesern, die praktisch keine mehr sind.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Aktuelle Kirchentöne: Erfreuliches und Unerfreuliches</title>
		<link>https://www.evangelische-aspekte.de/aktuelle-kirchentoene-erfreuliches-und-unerfreuliches/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:37:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Basisbibel]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Gesangbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus]]></category>
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					<description><![CDATA[Schaut man auf Weltebene und lokal vor Ort die kürzlich abgeschlossenen oder derzeit laufenden Großprojekte an, kann von kirchlicher Krise keine Rede sein. Weltsynode und neu erwachte Bibelbewegung sind nur zwei von mehreren Beispielen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Schaut man auf Weltebene und lokal vor Ort die kürzlich abgeschlossenen oder derzeit laufenden Großprojekte an, kann von kirchlicher Krise keine Rede sein. Weltsynode und neu erwachte Bibelbewegung sind nur zwei von mehreren Beispielen.</p></blockquote></div>
<p>Krisen sind immer gute Zeiten für den Glauben und für Glaubensfragen. Denn wenn es glatt läuft, es an nichts fehlt, denkt der Mensch: So geht es immer weiter. Schlägt dann das Stündchen unversehens, ist der Jammer groß. Zwickt und zwackt es jedoch beizeiten, macht man sich frühzeitig Gedanken. Überflüssiges lässt man beiseite. Besinnt sich auf das Eigentliche. Man kann sich vorbereiten und weiß die Sachen einzuordnen.</p>
<p>„Mensch, werde wesentlich!“, ist ein alter Ratschlag. Beherzigt wird er oft in Krisenzeiten, weil man in satten Zeiten noch zu träge war. Was so vom Menschen zu konstatieren ist, gilt nicht weniger von großen Organisationen und Gebilden. Und so zählt es zum Erfreulichen im Unerfreulichen, dass in fast allen krisenhaften Phänomenen in der Kirche – den echten wie den eingebildeten – eine Neubesinnung auf „das Wesentliche“ stattfindet.</p>
<h2>Krise? Welche Krise?</h2>
<p>Da wäre zunächst das große <em>Mantra</em> vom „Niedergang der Religion“. Das gebetsmühlenartig in schier jeder Stellungnahme rund um Theologie und Kirche aufzutauchen scheint. Dabei meldeten Medien schon zu Corona-Zeiten in Großbritannien: Die Menschen beten häufiger. Für Deutschland meldete DER SPIEGEL Ende 2024, dass längst Gegenbewegungen zur Krisenrhetorik im Gange sind (Detlef Pollack). Weihnachten hat seinen gesellschaftlichen Status trotz Coronakrise – nicht nur beim Kirchbesuch – behalten. Adventsmärkte haben sich zu verteidigungswürdigen und schützenswerten Kulturgütern entwickelt. Und Ostern hat in den letzten Jahren sogar noch eine Aufwertung erhalten.</p>
<h2>Blick in die Weltkirche</h2>
<p>„Wenn du Angst vor dem Tod hast, liebe die Auferstehung“, erklang aus Rom im Jahr 2026. Ostern als „das höchste Fest der Christenheit“ (Quelle: ARD) ist das Anti-Krisenfest schlechthin. In unsicheren Zeiten lenkt es den Blick auf das, was oberhalb und außerhalb der weltlichen Geschicke Bestand verspricht: „Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht / So fällt der Zufall weg, das Wesen, <em>das</em> besteht.“ Alle weltkirchlichen Konfessionen und <em>Denominationen</em> sind in der Osterfeier einträchtig vereint.</p>
<p>Und es gibt viel Erfreuliches aus der Weltchristenheit aufzuzählen. Etwa das von den Verantwortlichen vor Ort sehr würdig gestaltete 1700-Jahr-Jubiläum des <em>Nicäno-Constantinopolitanum</em> an der Küste Izniks, das im Herbst vergangenen Jahres begangen wurde. Nach der erfolgreich verlaufenen Weltsynode 2021–2024 werden im Lauf des Jahres 2026 für die katholische Kirche wichtige Ergebnisse gebündelt und umgesetzt. Und aus der <em>una sancta </em>ist noch mehr Erwähnenswertes festzuhalten.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>In der Weltchristenheit zeichnet sich eine neue Paulus-Renaissance ab.</p></blockquote></div>
<p>So wissen wir seit Juni 2025, dass es in Rom mindestens einen Bischof gibt, der schon einmal einige Verse von Paulus gelesen hat. Die jüngste Paulus-Renaissance ist viel versprechend in fast jeder Hinsicht. Es zeichnet sich auf zahlreichen Ebenen wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine neue vielschichtig wirkende und breit aufgestellte Bibelbewegung ab. Dazu trägt sicher bei, dass die christlichen Traditionen des nord- und südamerikanischen Kontinents in den vergangenen Monaten und Jahren an Einfluss auf die Weltkirche insgesamt gewonnen haben. Dort hat die Schriftauslegung seit langem einen besonders hohen Stellenwert.</p>
<p>Da trifft es sich, dass mit dem 250-Jahr-Jubiläum der USA ebenfalls, zumindest teilweise, diese Traditionsstränge neu in den Blick geraten. Ein <em>El Dorado</em> für alle Exegeten tut sich auf.</p>
<h2>Blick nach Deutschland</h2>
<p>Fast könnte man von Deutschland aus ein wenig neidisch werden. Schaut man genauer hin, ist die Lage jedoch ebenfalls nicht unerfreulich. Die Art und Weise wie es gelang, mit der <em>Basisbibel</em> innerhalb kürzester Zeit eine neue Bibelübersetzung erfolgreich am Markt zu etablieren, macht manchen passionierten Kulturpessimisten staunen. Seit knapp fünf Jahren legt die Übersetzung einen beeindruckenden Siegeszug nicht nur in Hinblick auf die Auflagenzahlen hin. Und dies in einem Land, in der mit der <em>Einheitsübersetzung</em> aus dem Jahr 2016 im katholischen Bereich eine in vielerlei Hinsicht gelungene Neu-Übersetzung eingeführt wurde, und ebenfalls im Jahr 2016 im evangelischen Bereich die gelungene revidierte <em>Lutherübersetzung</em>.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Vier markante Bibel-Editionen innerhalb weniger Jahre sprechen für sich.</p></blockquote></div>
<p>Dass es evangelischerseits im Abstand von vier Jahren möglich war, zwei biblische Großprojekte diesen Umfangs zum Abschluss zu bringen, spricht durchaus für eine gewisse Solidität und Qualität nicht nur im Personalbestand. Nicht zu vergessen, dass im selben Zeitraum die <em>Stuttgarter Erklärungsbibel </em>neu herausgegeben wurde und etliche weitere inspirierende Bibel-Editionen das Licht der Welt erblickten. Ein Mangel an aktuell gut lesbaren Bibelausgaben ist hierzulande jedenfalls nicht zu konstatieren.</p>
<p>Woher also die Krise? Vielleicht ist doch eher von einer <em>gefühlten</em> Krise zu sprechen, denn von einer realen. Zum Unerfreulichen im Erfreulichen würde dann zählen, dass sich die allgemeinen Kirchentöne so schnell von zugespielten Misstönen durcheinanderbringen lassen. Die eigene Melodie zu halten, hätte sicher auch etwas für sich.</p>
<h2>Großprojekt Gesangbuch</h2>
<p>Von noch einem weiteren Großprojekt lässt sich harmonisch an dieser Stelle schreiben – und dass die Großprojekte (es gibt noch mehr) sich so leicht wie die Perlen einer Schnur aneinanderfügen lassen, sagt doch auch etwas – und zwar vom geplanten neuen evangelischen Gesangbuch. Das im Sommer 2026 in die nächste entscheidende Phase übergeht. Seit März des Jahres ist die vorläufige Liederliste nun publik: Für die einen tatsächlich die versprochene „Aufzählung des Schreckens“, für andere ein neugierig machender Neuaufschlag. Mindestens ebenso wichtig wie die Lieder sind indes die eingeplanten Kurztexte und Anhänge, die das projektierte kirchliche Hausbuch ja erst komplett machen.</p>
<p>Leider war in der bisherigen Erprobungsphase nur ein Bruchteil der Rubriken (z.B. Weihnachten) offen zugänglich und die durchdachte Gesamtanlage, die sich ja sehen lassen kann, und in der durchaus einmal ein Gesangbuch zehn oder zwanzig Jahre lang im Gebrauch sein könnte. In mancher Hinsicht konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass von der Steuerungsgruppe ein wenig Geheimniskrämerei betrieben wurde, Zeitfenster bewusst knapp gehalten werden  und entgegen anderer Verlautbarungen für den einfachen Kirchengenossen längst nicht alles ganz durchschaubar und transparent vonstatten ging, und gehen sollte – sicher mit dem ehrenwerten Ziel, ein kühnes Projekt nicht vorzeitig zerreden zu lassen. Nun aber mit dem Risiko, dass das Paket am Ende doch noch einmal aufgeschnürt, und auf ein Neues befüllt werden müsste. Man darf gespannt bleiben.</p>
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		<title>Der Mond bleibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sabrina Fabian]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:31:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Beständigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Mond]]></category>
		<category><![CDATA[Verlässlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>
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					<description><![CDATA[Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer. (Hebr 13,8)</p></blockquote></div>
<p>Obwohl ich jedes Mal scheitere, knipse ich immer ein Bild, wenn mich der Mond besonders beeindruckt. In dieser Juni-Nacht um 22:52 Uhr lief es wie schon so viele Male: Ich erinnere mich an das intensive Tintenblau des Himmels, den Kontrast der Wolken, die vom am Mond abprallenden Licht konturiert wurden, und an diesen klaren Himmelskörper, auf dem sich selbst die Krater abzeichneten. Auf meiner Fotografie ist nichts davon gelandet. Weder die beeindruckenden Farben noch die starken Kontraste. Wenn ich das Bild ansehe, dann frage ich mich heute, ob ich da Mond oder Sonne fotografiert habe. Das Naturschauspiel, das sich mir geboten hat, konnte ich nicht verewigen. Ich konnte es nicht einfangen für einen unbestimmten Moment in der Zukunft, in dem ich mich wieder so ergriffen fühlen möchte.</p>
<p>Eine Moment-Aufnahme muss eben im Moment passieren, ein Moment kann nicht konserviert werden für später. Und doch versuche ich immer wieder, solche Mond-Momente festzuhalten. Ertappt denke ich beim Scheitern an die Anekdote von einem Mönch, dem es gelingt, immer im Moment zu leben. Wenn er isst, isst er. Wenn er geht, geht er. Wenn er sitzt, sitzt er. Nichts anderes. Mit Blick auf seine ständig beschäftigten Zeitgenossen soll er gesagt haben: „Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr geht, seid ihr schon angekommen; wenn ihr sitzt, dann strebt ihr schon weiter; wenn ihr schlaft, dann seid ihr schon beim Erwachen; wenn ihr esst, dann seid ihr schon fertig; wenn ihr trinkt, dann kostet ihr nicht genug; wenn ihr sprecht, dann antwortet ihr schon auf Einwände; wenn ihr schweigt, dann seid ihr nicht gesammelt genug.“ Nie im Moment selbst sein und immer auf den nächsten Moment fokussiert. Darin sah der Mönch eine Gefahr: Wer sich nicht auf das Jetzt konzentriert, der ist nicht achtsam. Der erfasst weder, was seine Umwelt braucht, noch was er selbst braucht. Der kriegt nichts mit, der lebt nicht. Der empfängt nicht. Der erlebt nicht. Der speichert nur ab für später.</p>
<p>Dabei ist das gerade beim Mond besonders unnötig. Es gab ihn schon lange, bevor ein Mensch ihn bestaunen konnte, es wird ihn auch noch geben, wenn wir von der Erdoberfläche einmal verschwinden. Dieser Mond wird mir noch viele zauberhafte Sommernächte bescheren. Darauf vertrauen, den Moment genießen – das ist die Devise des Augenblicks, anstatt am Handy zu sein, zu <em>zoomen</em> und Kameraeinstellungen auszuprobieren.</p>
<p>Etwas ähnliches sagt der Hebräerbrief über Christus: „Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer.“ (Hebr 13,8) Darauf vertrauen und auf dieser Basis leben, das gelingt mir auch nicht immer. Ich mache mir Sorgen, verfolge Pläne, lege Sicherheitsnetze an, und verpasse dadurch, mich von dem Leben, das gerade stattfindet, berühren zu lassen.</p>
<p>Aber seitdem mir diese Parallele zwischen Mond und Jesus aufgefallen ist, erinnert mich auch immer mal wieder der Nachthimmel daran: Er ist derselbe, gestern und heute und für immer. Mond wie Jesus. Darauf kann ich vertrauen.</p>
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		<title>Mut zum Generalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Ausdifferenzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Exnovation]]></category>
		<category><![CDATA[Generalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Spezialistentum]]></category>
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					<description><![CDATA[Es entspricht der Logik wachsender Organisationen, dass sie sich immer weiter ausdifferenzieren. Diese Herangehensweise hatte ihre Berechtigung und zweifellos auch ihre Vorteile, sie hat aus meiner Sicht aber aus mehreren Gründen an Plausibilität verloren. In Zukunft wird stattdessen ein kompetenter Generalismus gefragt sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Es entspricht der Logik wachsender Organisationen, dass sie sich immer weiter ausdifferenzieren. Lange hat daher in vielen Bereichen von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche das Paradigma der Spezialisierung und Professionalisierung vorgeherrscht. Immer neue Ministerien, Abteilungen und Aufgabenbereiche wurden gebildet. Diese Herangehensweise hatte ihre Berechtigung und zweifellos auch ihre Vorteile, sie hat aus meiner Sicht aber aus mehreren Gründen an Plausibilität verloren. In Zukunft wird stattdessen ein kompetenter <em>Generalismus</em> gefragt sein.</p></blockquote></div>
<p>Angesichts des demographischen Wandels, der zunehmenden Verrentung der zahlenmäßig starken <em>Babyboomer</em>-Generation, der eine deutlich kleinere Zahl an jungen (Fach-)Arbeitskräften nachfolgen wird, ist das Paradigma der ständigen Ausdifferenzierung und Spezialisierung schon allein aufgrund des ausbleibenden personellen „Wachstums“ fraglich geworden. Die seit mittlerweile mehreren Jahren stagnierende Wirtschaft in Deutschland und die entsprechend hohen Personalkürzungen tun ihr Übriges. Auch die notwendige Entbürokratisierung wird etwa in den Verwaltungen dazu führen, dass Menschen wieder für mehr Aufgabenbereiche zuständig sein werden.</p>
<p>Deutlich machen sich die „Grenzen des Wachstums“ auch im Staatshaushalt bemerkbar: Steuergelder sind eine endliche Ressource. Die Strategie, klaffende Haushaltslöcher durch immer weitere Steuern und Schulden (bzw. „Sondervermögen“) zu stopfen, wird man nicht ewig fortsetzen können. Man wird um einschneidende Kürzungen auch im Personalbereich nicht herumkommen. Dass mit dem Antritt jeder Regierung der Beamtenapparat in den Ministerien und der Stab der Mitarbeitenden in den Abgeordnetenbüros ausgeweitet wird, ist angesichts der notwendigen Einsparungen nicht mehr zeitgemäß.</p>
<p>In den Kirchen hat man noch bis weit in die 1990er- und 2000er-Jahre am Paradigma der Spezialisierung festgehalten und fortwährend neue Sonderstellen geschaffen – obwohl schon damals der massive Rückgang an Mitgliedern (und Finanzen) durch den demographischen Wandel und die hohen Austrittszahlen absehbar waren. In Zeiten sprudelnder Finanzen ist es schön und vielleicht sogar sinnvoll, sich speziellen Aufgaben durch eine eigene Stelle widmen zu können – doch diese Zeiten sind vorbei. Im Unterschied zum Staat kann die Kirche keine Schulden machen, um ein eigentlich schon nicht mehr finanzierbares System am Laufen zu halten, weshalb sie etwas früher als der Staat gezwungen ist, diese Stellen wieder abzubauen und Aufgabenbereiche wieder zusammenzulegen.</p>
<p>Der Prozess der „<em>Exnovation“</em>, der Schrumpfung und Zusammenlegung wird dazu führen, dass Menschen unterschiedlichster Professionen für mehr statt für weniger Aufgaben verantwortlich sein werden. Andernfalls werden wir gerade in der Fläche einen Einbruch in der Versorgung erleben. Das gilt für die Kirchengemeinden vor Ort ebenso wie für die Krankenhäuser und Hausarztpraxen auf dem Land. Sie dürfen nicht weiterhin die Verliererinnen im Spiel um knapper werdende finanzielle und personelle Ressourcen sein. Freilich steht der zunehmend notwendig werdende <em>Generalismus</em> in einer gewissen Diskrepanz dazu, dass über die letzten Jahrzehnte die Anforderungen an die Arbeit in vielen Bereichen gestiegen sind, weil wir in einer komplexer werdenden Welt leben. Die Abkehr von der stetigen Spezialisierung erfordert also keineswegs weniger Kompetenz, sondern eher mehr. Und es braucht dringend einen anderen, gnädigeren Umgang damit, dass Menschen Fehler machen.</p>
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		<title>Akademien in der Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:05:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 36. Jahrgang, Heft 2, Mai 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Süden Deutschlands ist der idyllisch gelegene Ort Bad Boll zur Keimzelle der Evangelischen Akademien in Deutschland geworden, die viele Jahrzehnte dem öffentlichen Diskurs Impulse gegeben haben. Die glanzvollen Zeiten scheinen vorbei. Es ist von Niedergang und „Sinkflug“ die Rede.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Im Süden Deutschlands ist der idyllisch gelegene Ort Bad Boll zur Keimzelle der Evangelischen Akademien in Deutschland geworden, die viele Jahrzehnte dem öffentlichen Diskurs Impulse gegeben haben. Die glanzvollen Zeiten scheinen vorbei. Es ist von Niedergang und „Sinkflug“ die Rede.</p></blockquote></div>
<p>Es ist schwierig, in Kreisen der evangelischen Kirche jemanden zu finden, der sich an eine aktuelle Bestandsaufnahme der evangelischen Akademien wagt. Einige erleben hautnah eine handfeste Krise mit rapidem Bedeutungsverlust, andere sehen keinen Grund für ständige Klagen, sondern wollen die Arbeit zukunftsfest machen. Unbestritten ist, dass der Stellenwert der Einrichtung in den Medien lang nicht mehr so hoch zu sein scheint wie früher.</p>
<p>Deutlich ist, dass in den meisten Fällen die Stellung der Akademien als Orte des Diskurses längst nicht mehr so herausgehoben ist wie früher. Sie konkurrieren inzwischen mit anderen Einrichtungen auf einem breit gefächerten Bildungsmarkt und sind eingebunden in ein vielstimmiges Konzert. Unverkennbar ist auch, dass sich die Sparzwänge bei den Kirchen an vielen Orten niederschlagen. Die Finanzierung wird immer schwieriger.</p>
<h2>Diskurskultur und politische Bildung</h2>
<p>Von Seiten der Kirchen wird dagegen immer wieder die Bedeutung der Bildungsarbeit betont. Der Dachverband der Akademien spricht von der Unverzichtbarkeit des Diskurses als Beitrag der Kirche für eine demokratische Gesellschaft. Die Akademien sollen Orte sein, an denen die Teilnehmenden konfliktfrei ihre Positionen austauschen können und sich auch mit kritischen Themen wie dem Rechtsruck in der Gesellschaft auseinandersetzen können. Dahinter steckt die Idee vom herrschaftsfreien Diskurs, der von dem kürzlich verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas entwickelt worden ist. Für die Skeptiker stellt sich jedoch die Frage, ob Akademien diesen Ansprüchen überhaupt noch genügen können.</p>
<p>Schon im Jahr 2013 haben die beiden ZEIT-Autoren Wolfgang Thielmann und Andreas Öhler in einem Artikel in der ZEIT-Beilage <em>Christ und Welt</em> über die Krise der evangelischen Akademien berichtet. Öffentlichkeitswirksam geführte Debatten gebe es schon lange nicht mehr, hieß es damals. Gründe sahen die Autoren unter anderem in der „Krise der Religion“ und der „Marginalisierung der Kirchen“ sowie dem Wegbrechen des klassischen evangelischen Bildungsmilieus.</p>
<p>Dennoch zählten die Autoren die Akademien noch zu den größten Akteuren der Zivilgesellschaft. Sie kritisierten, dass die Akademien mit Aktionismus auf die veränderte Situation reagieren. „Doch mit Event-Rezepten kann man die Akademien genauso wenig retten, als wenn man sie zu Pilgerstätten für Einkehr und Besinnung umfunktionieren würde“, so Thielmann und Öhler. Ihre Feststellungen sind immer noch aktuell. Programme der Akademien strahlen inzwischen eine gewisse Beliebigkeit aus. Auch andere Bildungsstätten wie die Volkshochschulen oder Familienbildungsstätten haben entsprechende Angebote. Die evangelischen Akademien sind ein Akteur unter vielen und werden nicht mehr unbedingt als Aushängeschild der kirchlichen Bildungsarbeit in Deutschland wahrgenommen.</p>
<h2>Gründungsära in den 50er und 60er Jahren</h2>
<p>Vor drei Jahrzehnten war die Welt noch in Ordnung. Da wurde in der Keimzelle der evangelischen Akademien in Bad Boll nicht nur groß gefeiert. Auf gut 300 Seiten wurde in einem Jubiläumsband die Arbeit der Einrichtung gewürdigt. Der damalige Direktor Manfred Fischer erinnerte an „ein denkwürdiges Ereignis nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs“. Von 29. September bis 12. Oktober 1945 fand eine zweiwöchige Tagung für Männer des Rechts und der Wirtschaft statt. Das war auch der Gründungstermin für die Akademie, der bewusst auf den 29. September fiel. Dies war der Michaelistag, der an den Erzengel Michael erinnert, der den Drachen und die Dämonen besiegt.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Inseln einer demokratischen Debattenkultur</p></blockquote></div>
<p>Mit der Einladung zu einem öffentlichen Dialog sei ein neuer Arbeitszweig der Kirche entstanden, beschreibt Fischer die aus seiner Sicht „bedeutendste kirchliche Neuerung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts“. Bewusst habe die Kirche damals Mitverantwortung für die Gestaltung des öffentlichen Lebens in den verschiedenen Arbeitsbereichen übernommen. Die Akademie hat nach Fischers Worten nach Gründung der Bundesrepublik bei den wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen mitgewirkt und mitgemischt. Da ging es um die Wiederbewaffnung, Eigentums- und Vermögensfragen, Unternehmen und Gewerkschaften. Politiker gingen ein und aus. Für Wirbel sorgte auch der Besuch des führenden Kopfs der 68er-Studentenbewegung Rudi Dutschke.</p>
<p>Später kamen grundsätzliche Themen dazu, wie das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie, Ökumene und Kirchenreform oder Entwicklungspolitik. Frauen-, Umwelt- und Friedensbewegung oder Bürgerinitiativen fanden in den Akademien Diskursräume.</p>
<h2>Aktuelle Sparzwänge</h2>
<p>Doch diese Zeiten, als die Akademie den öffentlichen Diskurs geprägt hat, sind vorbei. Wie in einem Brennglas scheinen sich die Probleme der Akademiearbeit in Bad Boll zu konzentrieren. Bis zum Jahr 2011 wurde die Zahl der Studienleiter um ein Drittel auf 25 gekürzt. Ende 2025 waren es noch zehn. 2025 wurde ein radikales Sparprogramm von der württembergischen Landeskirche beschlossen. Danach muss die Akademie zwischen 2026 und 2028 jährlich 1,2 Millionen Euro einsparen, was 35 % ihres Budgets entspricht. Damit ist von der einst stolzen Akademie, die einst Pionierarbeit geleistet hat in Deutschland, nur noch ein Schatten geblieben.</p>
<p>Dass die Situation in vielen Landeskirchen ernst ist, zeigt sich auch an diesen finanziellen Zwängen, die bei den Akademien immer deutlicher werden. Es scheint eine Parallelität zu geben. Je leiser die Stimme der Kirche in der Gesellschaft wird, um so weniger sind die Akademien Resonanzkörper der aus den Reihen der Kirchen angestoßenen gesellschaftlichen Debatten. Auf die seit Jahren anhaltende kritische Diskussion über ihre Rolle haben die 16 Akademien mit einem Positionspapier reagiert mit dem Titel „Diskurskultur und politische Bildung – Die Evangelischen Akademien in einer Zeit der Transformation“. Es ist das Ergebnis einer mehrjährigen Diskussion, die „den Gründungsauftrag der Akademien angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen aktualisiert“, wie es in einer Mitteilung des Dachverbands heißt.</p>
<p>„Evangelische Akademien sind ein sichtbarer und wirksamer Ausdruck kirchlicher Verantwortung für Gesellschaft und Demokratie. Sie wurden gegründet, um gesellschaftliche Diskurse zu organisieren, protestantische Perspektiven einzubringen, Kontroversen ein Forum zu geben und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Demokratisierung unserer Gesellschaft zu leisten. Das gilt bis heute“, sagt Udo Hahn, Vorsitzender des Dachverbands „Evangelische Akademien in Deutschland e. V.“ (EAD) und Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.</p>
<p>Damit entwirft Hahn eine optimistische Zukunftsperspektive, die an den ursprünglichen Auftrag der Akademien anknüpft. Der Jugendarbeit wird ein hoher Stellenwert eingeräumt. Doch für diesen Bereich hat erst jüngst der Bund Fördermittel gekürzt.</p>
<p>„Die Evangelischen Akademien stehen ein für eine auf Zukunft ausgerichtete Kirche, die Verantwortung für die Gesellschaft und die Demokratie übernimmt, eine Kirche, die sich öffnet für Neues und für die Vielfalt der Menschen“. Dies ist nach Angaben des Dachverbands ein Kernsatz des Positionspapiers.</p>
<h2>Zukunftsperspektiven</h2>
<p>Die Bilanz der evangelischen Akademien lässt sich immer noch sehen. Beeindruckend ist die Breite und Vielfalt der Programme. In jährlich rund 1.700 Veranstaltungen erreichen die Evangelischen Akademien nach Angaben ihres Dachverbands über 50.000 kirchennahe wie kirchenferne Menschen aller Generationen und Berufsgruppen. Sie bieten laut EAD auch jenen Kirchenmitgliedern eine Kontaktfläche, die sich neuen oder unkonventionellen Formen kirchlichen Handelns zuwenden. Der Anteil junger Menschen unter 27 Jahren liegt bei 20 Prozent, nach Ansicht des Dachverbands eine wichtige Zukunftsressource für die Kirche.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Der Anteil junger Menschen liegt bei 20 Prozent.</p></blockquote></div>
<p>Skeptiker sind jedoch der Ansicht, dass das „Geschäftsmodell“, mit dem die Akademien einst angetreten sind, nicht mehr funktioniert. Selbst so große Institutionen wie die Kirche finden immer weniger Widerhall in der Öffentlichkeit, während sich die allgemeine Meinungsbildung in Kommunikationsblasen verlagert hat, in denen es vor allem darum geht, Aufmerksamkeit zu erzeugen und weniger darum, Hintergründe zu erklären.</p>
<p>Dass der Anteil junger Menschen bei den Teilnehmenden höher ist als in der Gesamtbevölkerung, darauf weist auch Hanna-Lena Neuser hin, Vorständin der EAD und Direktorin der Evangelischen Akademie Frankfurt. Sie blickt genauso zuversichtlich in die Zukunft wie ihre Kollegin aus Berlin. „Wir sind eine wichtige zivilgesellschaftliche Akteurin, mit der auch zukünftig zu rechnen ist“, betont Dr. Friederike Krippner, Vorständin der EAD und Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin. Generell von einer Krise der Einrichtungen zu reden, lehnt sie strikt ab. „Mich interessiert rollengemäß eher, wie sich die Akademien für die Zukunft fit machen. In Berlin haben wir in den letzten fünf Jahren eine Teilnehmenden-Steigerung um über 300 Prozent erlebt“, betont sie auf Anfrage der <em>evangelischen aspekte</em>.</p>
<p>Deshalb stimmt sie auch der Krisen-Diagnose so generell nicht zu. „Wir erheben die Teilnehmendenzahlen intern, aber sie sind valide“, sagt Krippner. Zurückzuführen ist das auf mehrere Faktoren: Rund ein Drittel sind <em>Online-Veranstaltungen</em>. Daher konnte der Teilnehmendenkreis erweitert werden. Dazu kommen mehrere durch unterschiedliche Bundes- und Landesmittel geförderte Projekte. Dadurch gibt es mehr Projektleitende und mehr Veranstaltungen und mehr Teilnehmende. „Ich würde gegen die These des Bedeutungsverlust aber auch andere Faktoren anführen: Wir sind offensichtlich ein attraktiver Partner für die Durchführung von Projekten, was sich daran zeigt, dass es uns gut gelingt, Mittel auch für langjährige Prozesse einzuwerben (derzeit insgesamt vier Projekte in den Bereichen <em>Antiziganismus</em>, Kirchliche Transformation im ländlichen Raum; Demokratie im ländlichen Raum; Antisemitismuskritik). Wir sind von der Landeskirche und EKD immer wieder für die Strukturierung großer Prozesse angefragt (EKD-Denkschrift, EKBO-rassismuskritischer Prozess der Synode).“ Und weiter: „Die Frage ist ja: Ist der Maßstab die Akademie der 60er Jahre, wo Politiker noch mehrere Tage nach Tutzing kamen – was heute kein Politiker irgendwohin mehr tut. Oder was ist eine Akademie mit Strahlkraft im Jahr 2026? Ich vertrete sehr selbstbewusst die Meinung, dass die Kirche uns braucht, weil die Gesellschaft eine in dieser Weise wirkende Kirche braucht.“</p>
<p>Trotz des unübersehbaren Ansehensverlustes, den Sparzwängen und der oft ungünstigen Lage gibt es positive Ansätze für die Zukunft, wie Frankfurt und Berlin zeigen. Es sind wichtige Debatten, die in den Akademien geführt werden, sei es über Konflikte in Syrien oder den Rechtsruck in der Gesellschaft, das zeigt sich an den Programmen. Ein generelles Rezept, wie es im Positionspapier dargelegt wird, scheint es nicht zu geben, vielmehr Konzepte, die an die örtlichen Gegebenheiten angepasst sind. Hier sollte weitergedacht werden. Denn die Akademien sind immer noch Inseln einer demokratischen Debattenkultur.</p>
<p><em>Im Dachverband „Evangelische Akademien in Deutschland e. V.“ (EAD) sind 16 Evangelische Akademien zusammengeschlossen. Sie bieten Diskurs- und politische Bildungsangebote zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Gesellschaft, Religion, Kultur und Wissenschaft. Weitere Informationen unter: <a href="https://www.evangelische-akademien.de">www.evangelische-akademien.de</a>.</em></p>
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