Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2025, 224 S., 20 EUR
Henze nennt sie „Gotteskrieger“, „MAGA-Gläubige“ oder „Theokraten“ und spricht von „Pseudo-“ oder „pervertiertem Christentum“: Der Theologe und Journalist untersucht die „Symbiose“ zwischen Trump und dem christlichen Nationalismus. Er plädiert für die „Bejahung von Staat und Politik im Raum des Säkularen“ und gegen die religiöse Aufladung gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.
Der erste Teil skizziert den christlichen Nationalismus in den USA und porträtiert Kriegsminister Pete Hegseth, Vizepräsident J. D. Vance und den ermordeten Charlie Kirk. Trumps geistliche Berater, die der Autor spöttisch eine „eitle Riege frömmelnder Schmeichler“ nennt, verfolgen mit dem Seven Mountains Mandate eine theokratische Agenda zur Kontrolle gesellschaftlicher Machtzentren. Eine historische Rückschau zeigt, wie Trump zum gottgesandten Rächer für die religiöse Rechte wurde. Im zweiten Teil fragt Henze, ob Analogien zum Nationalsozialismus legitim sind. So vergleicht er den „MAGA-Kult“ mit den „Deutschen Christen“. Im gegenwärtigen deutschen Kontext thematisiert Henze die AfD, rechte „Christfluencer“ und den Fall Frauke Brosius-Gersdorf. Der dritte Teil schließt mit einem Worst– und einem Best-Case-Szenario.
Das Werk besticht durch seinen scharfen Ton und leidenschaftliche Thesen. Der mitunter polemische Stil scheint angesichts der „religiösen Freakshow“, wie Henze sie nennt, vielfach angemessen. Der inflationäre Gebrauch von Superlativen wirkt aber bisweilen ermüdend. Henze schreibt z.B., man könne Hartmut Rosas Demokratie braucht Religion „gar nicht deutlich genug widersprechen“ und stellt dessen resonanztheoretischen Ansatz verkürzt dar. Auch die Aussage, es finde sich „nirgends ein Beleg“ für demokratiefördernde Ressourcen der Religion, wirkt einseitig.
Das Buch überzeugt, wo es historische Analyse, politische Diagnose und theologische Reflexion verbindet. Damit ist es ein wichtiger und informativer Beitrag über einen christlichen Nationalismus, der sich religiöses Endzeitpathos zur rücksichtslosen Durchsetzung seiner Ziele dienstbar macht. Henze kritisiert die politische Instrumentalisierung von Religion zurecht und behandelt Themen am Nerv der Zeit. Die Grenzen des Buches liegen in pauschalisierenden Schlussfolgerungen, die das ambivalente Phänomen Religion auf seine Anfälligkeit für Missbrauch reduzieren, statt mögliche demokratieförderliche Potenziale zu würdigen.