EVA, Leipzig 2025, 384 S., 45 EUR
Der Friedensdenkschrift der EKD wird nun ein „Lesebuch“ zur Seite gestellt. Es sei gewarnt: „Lesebuch“ bedeutet nicht, dass man sich gemütlich abends an den Strand setzt und darin ein wenig herumblättert. Es handelt sich vielmehr um wissenschaftliche Aufsätze.
Die neue Friedensdenkschrift ist in dem Sinne besonders, dass sie in Reaktion auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine aus Sicht der evangelischen Kirche formuliert, dass das Recht auf Selbstverteidigung, auf territoriale Grenzen und selbst Aufrüstung aus dem Nächstenliebegebot in einer gefallenen Welt zu rechtfertigen sei. Dadurch wendet sie sich noch deutlicher vom radikalen Pazifismus ab, dem nur noch eine „Wächterfunktion“ zukomme.
Der Vorteil dieses „Lesebuchs“ ist, dass aus dem Redaktionsteam rund um Anselm und Krippner Beitragende nun namentlich hervortreten. Und somit wird wieder diskursiv, was sonst im Politikberatungsstil einer Denkschrift verwischt, die letztlich auch nicht von der aktuellen Regierungsposition abweicht. Dem manchmal distanzierten Ton wäre noch mehr Position zu wünschen gewesen – und mehr Klarheit in Bezug auf praktische Konsequenzen einer Theologie des Friedens. Selbst Parteizugehörigkeiten werden z.B. im Autor_innenverzeichnis nicht erwähnt. In einer Welt, die die Denkschrift kurz nach dem Erscheinen mit neuen Kriegen überholt hat, und bei Themen wie Wehrpflicht, Abschreckung, Aufrüstung, Klimakatastrophe, Wirtschaft braucht es mehr Streit statt einer vorschnellen „Befriedung“ der Debatte.
Caspar de Boor