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	<title>evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024 &#8211; evangelische aspekte</title>
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	<description>Die evangelische Zeitschrift im Internet</description>
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		<title>Luther (mehr) verstehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Oct 2024 07:35:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Heutige der Reformation wird immer wieder unterschätzt: Luther ist gerade als Bibelausleger zeitlos relevant, bleibend am Puls der Zeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das Heutige der Reformation wird immer wieder unterschätzt: Luther ist gerade als Bibelausleger zeitlos relevant, bleibend am Puls der Zeit.</p></blockquote></div>
<p>„Die Menschenwürde ist unantastbar.“ – „Unsere Würde wird uns geschenkt; sie ist weder eingefordert noch verdient.“ Zwei Sätze zum heutigen Menschenbild, beide zeigen wie aktuell die biblische Rechtfertigungs- und Schöpfungstheologie ist. Denn: Die Würde gilt unbedingt. Bedingungslos! Sie ist nicht geleistet, noch erworben. Nach dem Schöpfungsbericht der Bibel fällt diese Bestimmung jedem Menschen zu.</p>
<p>Eine solche Bestimmung (ihr „Logos“) kann Menschen dankbar leben lassen; eine das Sichtbare transzendierende Sinnzusage. Luther als Vertreter dieses Menschenbildes wirkt mal als Verfechter von Gewissen und Vernunft (1521 in Worms), mal als Übersetzungskünstler (1522 auf der Wartburg). Luther war es ernst. Sein Anliegen war, aus dem Geist der Schrift seine Zeit und die Kirche zu gestalten.</p>
<h2>Ein Ökumeniker: Luther der Bibelexperte</h2>
<p>Weil Luthers Theologie biblisch begründet ist, bleibt sie durch die Jahrhunderte ergiebig, anregend für das theologische Denken jeder Zeit, auch unsere. Luther ist zuerst, was man heute einen Bibel-Experten nennen würde: Er übersetzt das Neue Testament (aus dem Griechischen, auch dem Lateinischen der Vulgata), übersetzt den Tanach (aus dem Hebräischen, auch Aramäischen, Lateinischen, Griechischen). Ganze Passagen kennt und zitiert er auswendig. Er ist vielseitiger Exeget (Auslegungen zu Genesis, Galaterbrief, Psalmen…). Nicht zuletzt: Er predigt über diese Schriften, oft mehrmals die Woche.</p>
<p>Dem Schriftausleger geht es zeitlebens um Verheutigung, um ein Aggiornamento des biblischen Textes für die Adressaten. Es stimmt für Luthers Bibelanwendung im Besonderen, was Dietrich Bonhoeffer im Allgemeinen über die Wirkung auf Verweltlichung der Kirche und klerikale Sonderleistung sagte: „Als Gott durch seinen Knecht Martin Luther in der Reformation das Evangelium“ neu erweckte, führte er ihn aus dem Bereich religiöser „Sonderleistungen“ heraus (D. Bonhoeffer, <em>Nachfolge</em>). Luthers Rückholung der Schrift aus den Sonderbereichen klerikaler Zirkel zurück in den Lebensalltag der Menschen „bedeutete den schärfsten Angriff, der seit dem Urchristentum“ auf kirchliche Schriftvergessenheit geführt wurde. Nun traf das Wort mit voller Wucht: Das Befreiende wie Verpflichtende galt es nun „mitten in der Welt“ zu hören.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Wider die Schriftvergessenheit</p></blockquote></div>
<p>Dabei bleibt Luther zeitlebens „dran“ an der Übersetzung, immer bereit zu Verbesserungen und Korrekturen. Von der Fertigstellung des NT 1522 bis zur Bibelübersetzung letzter Hand 1545 sehen wir den Schriftübersetzer im Ringen um die bestmögliche Wiedergabe des biblischen Buchstabens im den Sinn treffenden Geist. <em>Die Schrift entbirgt den Geist; der Geist entspringt dem Wort.</em> Entsprechend galt es, sich mit dem Geist der Zeit auseinanderzusetzen, wie etwa der zeitgenössischen Mystik, dem entstehenden Frühkapitalismus, zentralisierenden Tendenzen in der Kirche – was vielfältige Folgen hatte.</p>
<h2>Die Rede von Reform</h2>
<p>Tatsächlich ist es ist ja so, dass der Bibeltheologe mit den Reform-Anfragen keineswegs alleine war. Luther war in keiner Weise der erste, der den Reformbedarf in der Kirche erkannt und angemeldet hätte. Seit Jahrzehnten war eine „Reform an Haupt und Gliedern“ Dauerthema. Es gab die seit 1456/58 routinemäßig vorgebrachten <em>Gravamina</em>, gesammelte Beschwerden. Und die Einberufung von Reformkonzilen war jahrhundertelang gang und gäbe – oft aber ergebnislos.</p>
<h2>Luther für Katholiken</h2>
<p>Luther war Katholik – die Kirche der Gegenwart ist indes natürlich nicht mehr dieselbe wie im 15. oder im 8. Jahrhundert. Der katholische Kirchenbegriff ist nicht statisch, er unterliegt erklärtermaßen der Entwicklung („Schrift und Auslegung“; <em>lebendige Tradition steht nicht über dem Wort, sondern dient ihm, sie gibt schlicht weiter, was gegeben ist, </em>lautet die Maßgabe dazu). Selbst die Sicht auf einzelne Gestalten bleibt fluid. Manche späteren Lichtgestalten sind lebens- und jahrzehntelang verachtet, bis sie doch zu Ehren kommen; Orden werden verboten, dann wieder zugelassen. Konstellationen wechseln, Denkmuster drehen sich; siehe Galiläo Galilei.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Besser gemeinsam statt getrennt</p></blockquote></div>
<p>Und so wenig die Art und Weise, in der das Jubiläumsgedenken der Reformation 2017 begangen wurde, die einzig denkbare scheint, war es doch eine mögliche, und darin sehr bemerkenswert. Das betont Ökumenische, das Begehen in geschwisterlicher Verbundenheit (statt in gesuchter Konfrontation), war schon in sich ein Ergebnis und galt vielen das erfreuliche Hauptmoment des 500-Jahr-Gedenkens. Evangelischerseits wurde das Jahr bewusst nicht angelegt in einer Luther-Überhöhung: Es wurde eher die kleine, mittelgroße Lutherfigur des Künstlers Ottmar Hörl („gerade noch unter den Arm zu klemmen“) zu einem der Symbole von 2017, denn monumentale Inanspruchnahmen, Gemälde oder Statuen. Und es gibt heutzutage wahrlich genug Gründe, dass die christlichen Gemeinden besser gemeinsam, statt getrennt, auftreten.</p>
<h2>Theologie des Tanach</h2>
<p>Weil der biblische Tanach die Menschenwürde jedem Menschen zuspricht (<em>Du bist Gottes Ebenbild!</em> Genesis 1,27), wäre es nur menschlich, dass jeder entsprechend lebt. Grundlos und frei ins Leben gerufen; voraussetzungslos das Licht der Welt erblickt. Von diesem Wort erfüllt, die gegebene Lebenszeit absolvierend.</p>
<p>Alles, was Du bist und hast, ist – von Gott – empfangen. So heißt es in den Schöpfungspsalmen: „Herr, mein Gott, überaus groß bist du… Du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt&#8230;“ (Ps 104; vgl. Ps 33). „Mein Gott! Die Seele, die du mir rein gegeben, du hast sie geschaffen, du hast sie gebildet, du hast sie mir eingehaucht, und du hütest sie in mir“ (jüd. Morgengebet). Darum: „Wer sich einer Sache rühmt, der rühme sich seines Schöpfers.“ (Vgl. 1Kor 1,32; Jer 9,23)</p>
<p>Weder „Sonderleistungen“ noch Leistungen überhaupt sind folglich relevant, wo es um die Taxierung des Menschen, von Menschlichkeit im Gesamten geht. Sondern – im Sinn der biblischen Autoren – um eine Betrachtung im Lichte des Ewigen, Lebendigen, Unendlichen und Höchsten&#8230;!</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Gottsucher und existenzielle Fragen</p></blockquote></div>
<p>Entsprechend dieser Anthropologie, der gesamt-biblischen Rede vom Menschen, ist die Glaubens- und Gottesfrage etwas, das jedem in gleicher Weise eigen ist: Jeden in irgend einer Weise umtreibt, angeht und – sei es auch nur undeutlich, vage und leise&#8230; – betrifft. Schon Paulus, Schüler des Schrift-Gelehrten Gamaliel und „untadelig nach der Tora“ (Phil 3,5f), rechnet damit, dass jede und jeder den allbarmherzigen, den alles durchwaltenden Gott (er)kennt bzw. erfahren kann: <em>Ist Gott denn nur der Gott eines Volkes oder nicht vielmehr der eine Gott aller Völker?!</em> (Röm 3,29f; mit Ps 67,4; Ps 47,10; u.ö.). Der Apostel rechnet damit, dass jeder Mensch, auch diejenigen, die vom mosaischen Gesetz oder von Heiliger Schrift bisher nichts gehört haben, „sich selbst Weisung“ sein können. Ihr Gewissen lässt sie klar genug erahnen, was richtig wäre.</p>
<p>Nur dass von sich aus kaum einer damit weit kommt&#8230; Eher gelingt es, wenn von außen, sei es durch Ratschläge kundiger Leute, sei es durch lebhafte Interventionen, gar „himmlische Boten“ (!?), durch mitgeteilte Weisheiten eine Hilfestellung kommt.</p>
<p>Und ist nicht dies das Leben der Erzeltern, angefangen vom Glaubensleben des Abraham, über Isaak, Jakob und Lea bis hin zu Josef in Ägypten (im Buch Genesis)? Und so spricht David in seinen besten Tagen (1Chr 29,10-18), so Salomo. In einer Theologie der Psalmen lässt sich dieser existenziell-lebensnahe, erfahrungsgesättigte Glaube als Grundtypologie biblischer Anthropologie beschreiben. Wie Luther notiert: „Daher kommt es auch, dass… jeder,“ „in was für Sachen er auch ist, Psalmen und Worte darin findet, die sich auf seine Sachen reimen und ihm so angemessen sind, als wären sie allein um seinetwillen so gesetzt, wie er selbst sie nicht besser setzen, finden oder wünschen könnte.“ (2. Vorrede zum Psalter, 1528) Die Psalmen bieten so treffliche Worte der Freude wie der Traurigkeit, von Hoffnung oder Furcht, „dass dir kein Maler so könnte die Furcht oder Hoffnung abmalen und kein Cicero oder Redekundiger so vorbilden.“ In ihrer variablen Form der Rede und Inhalte, aus der Geschichte des Gottesvolks, zu allerlei Situationen, Anlässen und Themen bieten sie so etwas wie ein Kompendium und kurzen Auszug, so dass der Psalter „wohl eine kleine Bibel heißen könnte, in der alles aufs Schönste und Kürzeste, was in der ganzen Bibel steht, zusammengefasst und zu einem feinen Enchiridion oder Handbuch gemacht und aufbereitet ist.“</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>um seinetwillen so gesetzt</p></blockquote></div>
<p>Wobei die Psalter-Theologie, als des in langer Zeit gereiften Gebetsbuches Israels, tatsächlich <em>pars pro toto</em> für die Gesamt-Theologie des Tanach weithin repräsentativ gesehen werden kann – wie auch heutige Exegeten bestätigen. Ihre Lebens-Weisheit der Geschichten, der Beispiele von „Gnade und Barmherzigkeit“ (Ps 103,8), göttlicher Sinnzusage und -erfüllung, von Güte, Abwegen und Errettung, kurz: Schuld und Vergebung (vgl. z.B. die Geschichtspsalmen) sind ein Generalthema des Tanach, von Adam und Eva bis zum Buch Daniel, auch wenn uns als Leser das immer wieder einmal unangenehm ist. Es ist zugleich der innere Kern, geradezu ein „Marken-Kern“ sämtlicher Überlieferungen im Tanach, in allen Schichten und Formen, nur hier eben besonders komprimiert im Psalter: Psalmen bieten das gesammelte Tanach-Verständnis göttlicher Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit des Höchsten.</p>
<h2>Psalmen-Theologie</h2>
<p>Psalmen zeigen anschaulich und exemplarisch die Suche nach Gotterkenntnis und Gottes-Schau des Gottsuchers und existentiell Fragenden: <em>Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, nach Dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? (Ps 42)</em> Psalmen fordern Gerechtigkeit ein. Bejubeln die Schönheit der Welt. Stellen die Frage nach dem Sinn: <em>Warum?</em> <em>Wozu?</em> <em>Bis wann?</em> Geben aber auch Antworten: Führen im Wechsel der Psalmen von einer Thematik zur anderen; relativieren so auch manches, was im einen Augenblick wichtig, im nächsten Moment schon wieder nachrangig sein kann. Sie geben, auch wo sie dich nicht betreffen, zugleich „Anschauungsmaterial“ und Vorlagen für Fälle und Zeiten, in denen eine ähnliche Situation dann doch einmal entsteht.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Lebens-Weisheit des Tanach</p></blockquote></div>
<p>Die Psalmen enthalten damit ein vollständiges Summarium biblischer Schöpfungs- und Rechtfertigungslehre – ja, mehr: Eine vollständige theologische Beschreibung der menschlichen Existenz vor Gott und in der Welt. „Ich jedenfalls bin der Ansicht, dass in den Worten dieses Buches [im Psalter] das ganze menschliche Leben, sowohl die geistlichen Grundhaltungen als auch die jeweiligen Regungen und Gedanken, umfasst und enthalten sind. Nichts kann darüber hinaus im Menschen gefunden werden.“ (Athanasius)</p>
<h2>Frohbotschaft statt Drohbotschaft</h2>
<p>Worte sind wie eine Herberge! Manche Worte wohnen selbst in uns, sagt Luther, sprechen zu passender Zeit vom Elementaren, vom jetzt Richtigen und Wichtigen, weisen eine Richtung („Sinn“; dabei lässt sich definieren: Sinn heißt, Grund und Ziel zu haben). Offenbar liegt gerade an ihrer Viel-Gestaltigkeit, dass die Bibeltexte durch alle Zeiten, erst recht in der vielgestaltigen Post- und Spätmoderne, als eine ansprechende, aus sich heraus sprechende Großerzählung vernommen werden. Kinder z.B. lieben gerade die Geschichten des Tanach („weil da so viel passiert“), Luther redet von der göttlichen „Äneis“: Man wandert mit Mose und Elia durch die Wüste, sitzt mit den Gottesleuten in den Kerkern ihrer Zeit, freut sich wie ein Kesselflicker am Erfolg des Jona und zieht wonnestrahlend mit ein in das verheißene, versprochene Reich der himmlisch-glänzenden Stadt. <em>Es ist gerade das viel-seitige Bibel-Buch, das den vielseitigen Erfahrungs-Welten jeder Zeit gewachsen bleibt. </em>Der Leser wird dabei in eine schier unübersehbare, unauslotbare Vielzahl an Geschichten und möglicher Geschichtsperspektiven eingeführt.</p>
<p>Mit der Übersetzung auf der Wartburg überträgt der Bibelexperte Luther diese Worte mitten in seine Zeit. Und die Wiederentdeckung der Schrift löst Klärungsprozesse aus. Die Absurdität, Kirchenablass oder Vergebung zu verhökern, scheint denn doch zu offensichtlich&#8230; Der Papst (Pius V.) selbst räumt dies 1569 ein und untersagt Ablassverkauf bei schärfsten Strafen. Luther stritt also 1517 für eine heute gültige – wahrlich selbstverständliche – katholische Wahrheit; ja, hat diese kirchenhistorisch <em>erstritten </em>und gültig <em>durchgesetzt</em>. Luther in der Tat ein ökumenischer Kirchenvater (Walter Kasper).</p>
<p>Die Aussage des Papstes (Johannes Paul II.), dass Martin Luther „ein großer Glaubenslehrer war“, verwundert daher nicht. Und es gibt heutzutage wahrlich nicht nur viele Gründe für die Christenheit, gemeinsam statt getrennt voranzugehen, sondern statt sich in Negationen oder Negativitäten zu versenken, davon zu sprechen, was an der christlichen Botschaft positiv und hilfreich ist!</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Was positiv und hilfreich ist</p></blockquote></div>
<p>Sinnigerweise zählt eine der Kardinalstellen für Luthers exegetische Entdeckungen, Röm 1,17, als Beleg, mit dem Paulus das Evangelium dem <em>biblischen Tanach gemäß</em> nachweist: Für den Satz „der Gerechte lebt aus Glauben“, bzw. „der aus Glauben Gerechte wird leben“ nutzt der Apostel ein Tanach-Zitat („wie geschrieben steht“, Habakuk 2,4). Die Kernstelle der reformatorischen Entdeckung bezeugt die beanspruchte Tanach-Frömmigkeit des Paulus. Viele Ausleger sehen heute „Paulus innerhalb des Judentums“ (z.B. Paula Frederikson). Dass 1,17 nicht nur das Gerechtigkeits-Verständnis des Römerbriefs ist (Röm 4,5), sondern auch des Galaterbriefes (2,16), des Briefs an die Philipper (3,9), des Epheserbriefes (Eph 2,8), des Titus-Briefes (3,4f) u.a.m., ebenso des Johannes (Joh 15,3) und der Evangelien (Lk 17,10; Mk 2,17), wie schon der Psalmen, s.o., hatten die Reformatoren ausführlich vorgeführt. Dass (nur) eben dies dem Schöpfungswort bedingungslos geschenkter Würde gemäß ist, leuchtet ein. Und dass hierin aus heutiger Sicht eine lutherisch-katholische Übereinstimmung in vielen Grundwahrheiten besteht, wurde zuletzt (z.B. 1999) auch lehramtlich verbindlich festgestellt.</p>
<h2>Zwischenergebnis: Gebildeter Glaube</h2>
<p>Drei Ergebnisse lassen sich bis hierhin festhalten:</p>
<ol>
<li>Wie die Menschenwürde ist der Glaube ein unverdienbares Geschenk.</li>
<li>Es hat die Form schlichten Gottvertrauens; eine wortbezogene Zuversicht.</li>
<li>Glaube ist literarisch gebildeter Glaube.</li>
</ol>
<h2>Glaube als die richtige Relation zu Gott</h2>
<p>Was ist also biblisch gesehen der Kern des Glaubens? Der Glaubende lebt schlicht im richtigen Verhältnis zum Schöpfer; er ist in der richtigen Relation zu Gott. Er vertraut ihm; sowie dem, was von ihm überliefert ist. Auch Luther hat wie Paulus und Jesus (s.u.) zum Tanach ein intensives und affirmatives Verhältnis, er lebt geradezu aus, mit und in der Bibel; im Tanach findet er die schönsten Exempel des Glaubens und theologischer Erkenntnis. Zu seiner Sprache äußert er sich in superlativischen Zuschreibungen. „Es ist die hebräische Sprache so reich, dass keine Sprache sie kann genugsam erlangen […] dass sie wohl billig eine heilige Sprache heißen mag.“ (1. Vorrede zum Psalter, 1524). Intensiv geht er sprachlich-philologischen Wortstudien und Begriffs-Erörterungen nach.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Biblische Begriffsbestimmungen</p></blockquote></div>
<p>„Im Psalter […] begegnen oft diese zwei Worte bei einander: <em>Barmherzigkeit</em> und <em>Wahrheit</em> […]. Die habe ich verdeutscht also: Güte und Treue; und ist eigentlich, was wir auf frei deutsch sagen: Liebe und Treue; wenn wir pflegen zu sagen: Er hat mir Liebe und Treue bewiesen.“ Und weiter: „So heißt Wahrheit Treue, dass man sich auf einen verlassen darf und Zuflucht zu ihm habe, und derselbe halte, was er geredet und wes man sich zu ihm versiehet. [&#8230;] Solche Treue und Wahrheit heißt Emeth. Daher kommt Emuna, welches S. Paulus selbst aus Habakuk verdolmetscht: Glaube, Röm 1(17): »Der Gerechte lebet seines Glaubens«, [&#8230;], so dass die zwei Worte Wahrheit und Glaube im Hebräischen fast gleich, und schier eins für das andere genommen wird.“ (1524, zitiert nach Heinrich Bornkamm, <em>Luthers Vorreden zur Bibel</em>). Wir sehen, wie Luther hier in und mit den feinsinnigen Begriffsbestimmungen dem Geist der Schrift nachspürt.</p>
<h2>Buchstabe und Geist</h2>
<p>Weil die Bedeutung des Geistes in internationalem Kontext immer wieder betont wird, scheint es lohnend, auf diese genauer einzugehen: Eine klassische Unterscheidung im rabbinischen Judentum ist die zwischen schriftlicher und mündlicher Weisung (schriftliche und mündliche Tora). Sie zeigt Ähnlichkeiten zur Unterscheidung des Paulus zwischen Buchstabe und Geist. Dass die Unterscheidungen zusammenhängen, könnte u.a. daraus erhellen, dass beide im selben Kulturraum der Levante etwa zeitgleich aufkommen: In den Briefen des Paulus haben wir um die Mitte des 1. Jahrhunderts den frühen Beleg für die Unterscheidung von Geist und Buchstabe. Und mit Entstehung rabbinischen Judentums etwa ab dem selben Zeitraum gewinnt die Unterscheidung von schriftlicher und mündlicher Unterweisung ihre maßgeblichen Trägerkreise.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Der Geist der Schrift</p></blockquote></div>
<p>Über Buchstabe und Geist schreibt Paulus: Schriftlichkeit und Buchstabe sind wichtig – sie taugen gleichwohl nicht(s) ohne den richtigen Geist. Um den Buchstaben zu verstehen, ist Geist nötig! Buchstabe ohne Geist würde zum toten Ding; es ist der Tod im Topf, wo jemand ohne Geist mit Buchstaben umgeht. Geist kommt auf Dauer aber auch nicht ohne Buchstaben, ohne die Schrift aus, soll der Geist Bestand haben.</p>
<p>Und so lobt und pflegt schon das alte Israel die Fülle und den Reichtum schriftlicher Überlieferung (Ps 119,105). Glaube und „Frömmigkeit“ aus jüdischem Geist ist Schrift-Frömmigkeit! Dabei hat <em>das Heute der Schrift</em> immer den Vorrang: Die Gegenwart ist im hebräischen Denken die wichtigste Zeit. Um jeweils das Gotteswort (bzw. den damit verknüpften Gotteswillen) der jeweiligen Gegenwart auszulegen, dient z.B. ein deutender <em>Maschal</em>, damit sein Inhalt leichter begreifbar wird (hebr. <em>maschal</em> meint: deutender Spruch; Deutewort mit Vergleich; ein ausdeutendes Gedankenbild: „Bei diesem ist es so wie…“).</p>
<h2>Biblischer Begriff von Gerechtigkeit und Freiheit</h2>
<p>Über die klassischen Begriffe des Tanach wie Versöhnung oder Befreiung, Vergänglichkeit und Weisheit, über die zehn Gebote verstanden als positive Lebensweisung, über die Fülle der Psalmen, auch die zu „Gottes Königtum“ (bzw.: „Reich Gottes“), über die Schalom-Prophetie lässt sich so ein erkennender Zugang finden in den Geist der Schrift. Viele Fragen auch heutiger Gegenwart werden in den Psalmen in vielfacher Hinsicht behandelt (klassisch z.B. die Gottesfrage, Fragen nach Gerechtigkeit, nach dem <em>Wo</em> des Reiches Gottes, nach persönlicher Lebensführung&#8230;).</p>
<p>Selbst das individuelle (Schalom-, Wohlstands-, Heils- und) Glücks-Streben – engl: Pursuit – verhandelt der Psalter (z.B. Ps 91,16). Denn, sooft es auch kollektive Wir-Aussagen gibt, finden sich in den Psalmen unzählige exemplarische Ich-Aussagen und Ich-Reflexionen, die jeden Einzelnen betreffen (können) und in denen sich jeder Einzelne (s.o.) wiederfinden kann. Die später für die Neuzeit reklamierte Prinzipialisierung, Ausweitung oder Zuspitzung religiöser Fragen auf Individualität bzw. Individualisierung ist für Psalmbeter ein alter Hut!</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Individualisierung ist für Psalmbeter ein alter Hut</p></blockquote></div>
<p>Geschichtliche Erfahrungen, Gottesworte, ins Versmaß gesetzte poetische Verdichtungen sind im Psalter gesammelt. „Summa, der Psalter ist eine rechte Schule“, in der das menschliche Gewissen und der Gottesglaube „sich bildet“, übt und stärkt (Martin Luther, Nachwort zum Psalter, 1525). Luther und die reformatorische Singe-Bewegung werden mit ihrer Hochschätzung des Psalters ab 1523/24 so auch zum Erfinder oder Vorbildgeber für volkssprachliche Psalmenvertonungen im Lied (z.B. zu Ps 124; Ps 67; Ps 130; u.a.).</p>
<p>Wir merken dabei immer mehr schon schlicht an der Vielzahl der Themen, Begriffe und Perspektiven, wie weitreichend, universell und vielschichtig die biblische Tradition insgesamt ist.</p>
<p>Diese Fülle der Themen ließe sich auch zeigen an den Zeitpsalmen und ihren Reflexionen auf die große ethische Bedeutung der zufallenden „Zeit“ (vgl. z.B. nur „Meine Zeit steht in deinen Händen, Ps 31,16):</p>
<p>Die Psalmen sehen den Menschen, wie er mit dem Lebensgeist ausgestattet wird (Ps 104,30), als geborgenes Kind in Obhut der Eltern aufwachsend, zu Großem bestimmt und gerufen, mit heilsamen Grenzen begrenzt, von der Jugendzeit bis ins Altern durch magere wie erfüllte Jahre (Ps 90); immer wieder der erhaltenden und erneuernden Zuwendung des Höchsten bedürftig, morgens und abends (Ps 4,9) – jeden Tag neu; schließlich die Existenz und Seele zur Vollendung seinem Schöpfer befehlend (Ps 31,6).</p>
<p>Dem entspricht das Eingeständnis, die Lebenszeit und die Welt eben nicht selbst in der Hand zu haben (eigentlich eine Plattitüde…), zugleich ist es eine entlastende und befreiende Erkenntnis – und um ehrlich zu sein, ist es ja einfach realistisch und wahr.</p>
<p>Wie schon ähnlich das 1. Buch Mose eine in sich gerundete Inclusio bietet, vom „Siehe, es war alles sehr gut“ der Schöpfung (Gen 1) bis zum Schluss des Josef: Es ist einiges schiefgelaufen, aber Gott hat es wieder gut gemacht (Gen 50,20). Und so gilt: „Herr aller Welten! Nicht ob unserer Frömmigkeit legen wir unser Bitten vor dir nieder, sondern ob deines großen Erbarmens“ (jüd. Morgengebet).</p>
<h2>Die Weisung der Schrift</h2>
<p>Die Schriften des Tanach waren zur Zeit Jesu noch nicht kanonisiert: Auch wenn der Großteil der dann zum Kanon werdenden Schriften sich schon abzeichnet, ist vieles noch im Fluss – eine verbindliche Festlegung entsteht erst später. Wenn der Rabbi Jesus also vom <em>Gesetz und den Propheten</em> spricht, ist zwar einerseits die überlieferte Heilige Schrift im Blick. Deren genauer Umfang stand allerdings noch gar nicht fest.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Tora und Weisung</p></blockquote></div>
<p>Dabei kann Gesetz (Nomos/Tora) zwar <em>Gesetzesinhalte</em> und <em>Gesetzliches</em> meinen, aber genauso <em>Weisung</em> oder die <em>Mosebücher</em> in ihrer Gesamtheit (den Pentateuch). Wenn man in der Bergpredigt Mt 5 Vers 18 <em>Tora</em> mit Weisung (oder auch: „die Summe des Pentateuch“, o.ä.) übersetzt, anstatt mit Gesetz, erübrigen sich eine Vielzahl exegetischer Auslegungsfragen!</p>
<p>Dies zu beherzigen, entspräche dem „Grundsatz“ Johannes des Täufers: Dieser muss mehr werden, ich aber weniger werden.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Der Mensch als ein geistiges Wesen</p></blockquote></div>
<p>Die Schrift ist geist-lich auszulegen… Weil der Mensch ein Geist-Wesen ist und auch Gott wesentlich „Geist ist“ (so Paulus), kann auch Glauben (nur) ein lebendiges Geist-Geschehen sein. Dies ist mit Luther sogar eine Wesensbestimmung (Glauben <em>ist ein göttliches Werk und Wirken</em> in uns, ein Wirken des Geistes; so dass es (mit Paulus) sogar heißen kann: <em>Bitte Gott, dass er seinen Geist dir gebe und (so) „den Glauben in dir wirke“, </em>sonst bleibst du gewisslich ohne denselben.</p>
<h2>Ein Rabbi aus Nazareth</h2>
<p>Mehr noch als Paulus sehen viele heutzutage Jesus von Nazareth im Judentum verwurzelt. Spannenderweise ist die Ehrenbezeichnung Jesu im Neuen Testament als Rabbi sogar der erste schriftliche Beleg überhaupt, dass einzelne Lehrer und Personen mit diesem Titel angesprochen wurden.</p>
<p>Dabei zitiert der Rabbi Jesus laut Neuem Testament regelmäßig die Psalmen. Wie überhaupt Psalmen zu den im NT am häufigsten zitierten Texten des Tanach gehören. Oft wird ein Psalmwort zu einem ausdeutenden <em>Maschal</em> verbunden. Auch etliche Gleichnisse Jesu haben ihre Wurzel direkt im Tanach (Mk 4). Psalmen zeigen wie Gleichnisse schon durch die literarische Form ihren poetisch-schöpferisch ansprechenden Charakter. Auch das trägt sicherlich zu ihrer besonderen Wirkung bei.</p>
<p>Schon daran, dass kontinuierlich Bezug auf die Psalmen genommen wird (siehe z.B. nur Ps 119,176), ließe sich Jesu Lehre klar als schriftbezogen charakterisieren. Auch insoweit erweist sich Rabbi Jesus als ein „klassisch“ zu nennender Repräsentant des Tanach. Wir sehen ihn Psalmen rezitierend, Gesetz und Propheten auslegend; und auch „sein“ Lehrgebet (das Vaterunser) ist ein durch und durch vom Geist des Tanach geprägtes Gebet. (Vgl. 3. Vorrede auf den Psalter, 1545, zur engen Verbindung von Psalter und Vaterunser. Man könnte das Vaterunser als eine Zusammenfassung der Psalmen auffassen.)</p>
<p>Nun ist es ja so: Luther lebte vor 500 Jahren, seine Übersetzung sprach natürlich zuerst zu den Menschen seiner Zeit. Die Übersetzung wird freilich nach wie vor verwendet (mit einigen Anpassungen an den veränderten Sprachgebrauch), und von nicht wenigen als besonders ansprechend erlebt. Es lässt sich aus seiner Übersetzungspraxis daher viel für unsre, wie jede, Gegenwart lernen. Nicht zuletzt an der Psalmenübertragung hat er demonstriert, dass kontinuierliches Verbessern nützlich ist, „wie man beim Dolmetschen näher und näher kommt“ (Nachwort zum Psalter, 1531), er und sein Übersetzerteam haben immer wieder aufs neue die „Worte auf die Goldwaage gelegt“, ein Wort durch ein anderes, besseres ersetzt. Was macht gutes Übersetzen aus?</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Übersetzungstheorien</p></blockquote></div>
<p>Eine heutige Definition lautet:</p>
<p>„Translating consists in reproducing in the receptor language the closest natural equivalent of the source language message, first in terms of meaning and secondly in terms of style“ (Nida/Taber, zitiert nach R. Stolze, <em>Übersetzungstheorien</em>):</p>
<p>Übersetzen besteht im Nachproduzieren des in der Rezipienten-Sprache treffendsten Äquivalents zu der Intention in der Originalsprache: erstens im Sinn, zweitens im Stil.</p>
<p>Dass es auf solches Übersetzen im umfassenden Verständnis auch bei der Begegnung und Inkulturation der christlichen Werte und Worte in einer fremden Kultur ankommt, ist leicht einzusehen. <em>Übersetzen in Sprache und Kultur</em> ist ein komplexes Unterfangen. Beim Übersetzen der Bedeutung und des Sinns, auch von einer Zeit in eine andere, gilt es vieles zu beachten.</p>
<p>Eine Möglichkeit im Umgang mit <em>Einzeltexten</em> ist ein Skopus-orientierter, d.h. man sucht und bedenkt die jeweils hauptsächliche Aussageintention – anders gesagt: den wesentlichen Gedankeninhalt, resp. „Geist“ – eines Textes. (Vgl. dazu die Empfehlung und ergänzenden Auskünfte über die Übersetzungsprinzipien Luthers in den <em>Summarien über die Psalmen und Ursachen vom Dolmetschen, </em>1531/33.)</p>
<p>Beim Übersetzen der Bedeutung und des Sinns einer Figur, auch hier von einer Zeit in eine andere, ist besonders abzuwägen: Was ist unaufgebbarer Kernbestand, was nur äußerliche Begleiterscheinung. Die Wort- und Schrift-Frömmigkeit ist kein Biblizismus, nicht einmal beim Übertragen und Übersetzen. Auslegeinstanz und -kriterium ist die Person und Lehre des Rabbi Jesus aus Nazareth. Der sagte: Liebe sei das Wichtigste. (Vgl. Joh 15,12; vgl. 1Kor 13,13.)</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Das exemplarische Ich des Psalters</p></blockquote></div>
<p>Dies entspricht der päpstlichen Aussage, dass im Mittelpunkt der Christenheit mehr noch als ein <em>Buch</em> genau genommen <em>eine</em> <em>lebendige</em> <em>Person</em> zu sehen ist: Ein ur-lutherischer Satz! (Vgl. etwa <em>Ein kleiner Unterricht, was man in den Evangelien suchen und erwarten soll,</em> 1522.) Noch genauer formuliert: <em>Die Mitte der Schrift ist eine Person</em>. Was sich zumal schon rein äußerlich demonstrieren lässt: Würde man etwa im NT alle Sätze von oder mit Bezug zu Jesus von Nazareth streichen – was würde übrigbleiben?</p>
<h2>Der Sinn für uns</h2>
<p>Auch für die Frage nach dem Sinn, worin der Geist und „Logos“ dieses „Rabbi und Menschensohnes“ – bzw. überhaupt des menschlichen Lebens – (heute) zu sehen sei, worin eine Relevanz „für uns, für dich, für mich“, ist die Antwort ja nicht immer offensichtlich. Was sollte es <em>für dich</em> bedeuten, wenn vor 2000 Jahren ein Wanderprediger in Galiläa die Gleichnisse <em>Vom Verlorenen</em> erzählte (Lk 15), das <em>Von den Arbeitern im Weinberg</em> (Mt 20) oder das <em>Von den Talenten</em>?</p>
<p>Beim <em>für uns</em> ist zu klären: Warum kann eine Erzählung von vor Tausenden von Jahren heute Bedeutung haben, Relevantes sagen? Sinn machen, Sinn haben? Wie könnte ein Wort Versöhnung stiften? Vergebung zusprechen? Naja, das ist leicht, werden Sie antworten, und Sie hätten damit recht. Doch stellen sich weitere Fragen.</p>
<p>Inwiefern kann behauptet werden, dass dessen gesamte Existenz zu unserem Vorteil und unseren Gunsten (d.h.: für uns) stattgefunden hat? Wie sollte das mit seinem Lebensende zusammenhängen? Für das Neue Testament etwa ist der Bericht vom Ende auf der Schädelstätte – Golgatha – nichts, das man verschweigen sollte oder dessen man sich schämen müsste; sondern ist hoffnungsstiftend, neues Leben begründend und eine „Kraft“. Denn es besagt doch: Selbst wenn innerweltlich manches – Sinn, Erfüllung, das Ziel oder der Grund – verborgen, für uns unkenntlich im Dunkeln liegt, ja selbst bei völligem Abbruch jeder Logik, ist der Logos<em> Gottes</em> keineswegs am Ende. <em>Er hat auch und gerade dazu viel zu sagen</em>. In der dauerhaften <em>Erlösung</em> von scheinbaren Sinnlosigkeiten, von Vergeblichkeit und Todesschrecken, von Vergänglichkeit („ewiges Leben“) hatte das Auftreten und Leben des Wanderpredigers ja Grund und Ziel. Und so wird sein Auftreten und Kommen in die Welt in der Schrift zurecht als Schalom-bringend gesehen und eingehend begründet.</p>
<p>Er vermittelt; ist der Mittler zwischen der göttlichen-himmlischen Sphäre und der menschlichen. Er vermittelt zwischen der oft unfertigen, fragmentarischen, sinn-offenen (Menschen-)Welt und der vollkommenen, vollständigen und heilvollen göttlichen Welt. Vermittlung heißt: Versöhnung. Es ist die – in biblischen Begriffen – Rettung und Überwindung einer todesverfallenen Welt.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Vermittlung ist Versöhnung</p></blockquote></div>
<p>Und dies gilt selbst, wenn davon nicht gleich etwas zu sehen ist. Unser Leben sei ein <em>Leben im Glauben nicht im Schauen</em>, sagt die biblisch-apostolische Tradition. Zu diesem Glaubensbegriff passen Sätze wie<em> Glaube scheint vergeblich zuweilen; der </em>Glaube<em> hat alles in Fülle; „Glaube wächst in der Wüste“; Glaubens-Zeit und Prüfungs-Zeit sind wie die Gezeiten eines und desselben Meeres. </em>Denn Glaube hat teils mit (noch) Unsichtbarem zu tun (… <em>uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; </em>2Kor 4,18), wie gleichfalls mit dem der Welt sichtbar einwohnenden Logos (Joh 1). Es ist eine Sinn-Zusage „höherer Ordnung“, eben nicht im Menschlichen und seinen Möglichkeiten begründet oder realisierbar, sondern allein von Gott selbst garantiert, und herbeigeführt.</p>
<h2>Literarisch gebildeter Glaube</h2>
<p>Kirchlicher, traditionsgemäßer Glaube ist literarisch gebildeter Glaube. Im doppelten Sinn: Erstens ist es nicht ein in luftleerem Raum gebildeter, sondern von einem bestimmten Logos gebildeter und genährter Glaube. Der Glaubende fängt nicht „bei Null“ an. Er ist nicht der erste so Glaubende. Er wird auch nicht der letzte sein. Zum zweiten: Es ist ein gebildeter Glaube, weil er seine angebbaren Quellen hat. Diese sind literarisch vermittelt (lat.: littera), in Buchstaben und Büchern überliefert: „in der Schrift.“ Der Glaube kann an diesem schriftlichen Maßstab gemessen und geprüft werden.</p>
<h2>Friedliche Reformation</h2>
<p>Für die Reformatoren sollte die Schrift der Maßstab sein: Entlang dem biblischen Menschenbild formulierten die Wittenberger ihre Vorschläge. Dass es friedliche Möglichkeiten ihrer Umsetzung gab, zeigt die von Luther publizistisch vorangetriebene Ordnung kommunaler Sozialkassen, modellhaft in der Leisniger Ordnung, die manche das <em>erste Sozialpapier der Neuzeit</em> nennen. Die Bürgerkasse, 1520 von Luther angeregt, 1521/22 in Wittenberg eingeführt, vergibt Stipendien für mittellose Familien, regelt die Versorgung von Witwen und Waisen, Schulunterricht, und organisiert weitere kommunale Investitionsvorhaben (vgl. <em>Luthers Pazifismus</em>, <em>evangelische aspekte</em> 4/2022). Für Hamburg soll sie einer der Hauptgründe gewesen sein, zur Reformation überzugehen.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Mitten in der Welt</p></blockquote></div>
<p>Nach der von Luther 1523 vorgestellten Musterordnung sind für die Verwaltung der Kasse zuständig: Bauern, Bürger, Stadtbewohner. Wohlgemerkt: Ohne Beteiligung der Geistlichkeit. Die Musterordnung erscheint noch 1523 in acht Auflagen. Die Landesherren reagieren jedoch alles andere als begeistert. Mehrfach muss sich Luther dafür einsetzen. Bürgerkassen und Äquivalente wurden eingeführt z.B. 1523/29 (Leisnig), 1523 (Straßburg), 1524 (Magdeburg), 1524 (Windsheim), 1525 (Stralsund), 1526/29 (Hamburg), 1531 (Lübeck).</p>
<h2>Gewissensfreiheit und Vernunft</h2>
<p>In der reformatorischen Anerkennung zugesagter Menschenwürde, als „Kind und König in Personalunion“ (Oswald Bayer, <em>Vernunft und Vertrauen</em>, vgl. die <a href="https://www.evangelische-aspekte.de/oswald-bayer-vernunft-und-vertrauen/">Rezension</a>), die Luther aus den Psalmen (z.B. Ps.-Vorlesungen) und weiteren biblischen Schriften aufgegangen war, wurzelte zugleich seine eigentümliche Freiheit zum Wort, die er z.B. in Worms 1521 unter Beweis stellte. Solange das exegetisch Vorgetragene nicht durch „Zeugnis der Schrift“ oder „klare Vernunftgründe“ widerlegt wäre, könne und wolle er dies auch „nicht widerrufen … wider das Gewissen“ (WA 7, 838). Diese Berufung auf Gewissen und Vernunft hat Luther auch nicht in den tagelangen Verhandlungen vor den kurialen und kaiserlichen Vertretern im Reichsausschuss aufgegeben. Er war bereit, dafür auch verbannt zu werden.</p>
<h2>Stellvertreter, ambassadors</h2>
<p>Nun ist es aber doch so: Kirchliche Nachfolger der apostolischen Tradition (z.B. Bischöfe, Pastoren &#8230;) sollen gemäß kirchlicher Lehre Nachfolger und Stellvertreter ja nicht eigentlich des Petrus, sondern des Meisters (Rabbi) selber sein. (Engl.: Sie sind <em>ambassadors</em>: – Repräsentant, Stimme und dessen Vertreter.) Mit der jüngsten Kurienreform ist diese Bestimmung sogar in einer Stadt wie Rom als Zielvorstellung formuliert, was kaum hoch genug einzuschätzen ist.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Nachfolger und Vertreter des Meisters selber sein</p></blockquote></div>
<p>So hast Du hier eine leichte Regel, mit der Du bestimmen kannst, wann die Aussage eines Bischofs, Pastors oder Kurienmitarbeiters Bestand haben wird. Lehrt und vertritt es, was der Meister vertritt: So kann es Bestand haben und Du kannst es bewahren. (Wo nicht, da nicht…)</p>
<h2>„Gerecht und ungerecht zugleich“</h2>
<p>Nimmt man Notiz von einer Aussage wie „Gott ist Liebe“, wie sie im 1. Johannesbrief zu finden ist, und den dort gleichzeitig aufgestellten strukturellen Analysen – z.B. wer liebt, der ist in Gott, und Gott ist in ihm; wer nicht liebt, in dem ist Gott nicht, etc., (1Joh 4,7f.12.18b; u.ö.) – dürfte man kaum daran vorbeikommen, dass hier eine Beschreibung des Christenmenschen vorliegt, die ihn in gewisser Hinsicht als <em>gerecht und ungerecht zugleich</em> charakterisiert: <em>simul iustus et peccator</em>. Schon wenn stimmt, dass wir täglich das Vaterunser zu sprechen haben mit der Bitte um Vergebung, erklärt Luther sinngemäß bei der Auslegung des Herrengebets im Großen Katechismus, 1529, ist das Wahrheitsmoment dieser Formel kaum zu leugnen. Auch wenn diese Kurzformel keine Prämisse „<em>sine qua non</em>“ darstellt, besitzt sie doch einen Erkenntnisgewinn vermittelnden, und (kirchliche) Realitäten erschließenden Kern. Sie ist in der Lage, die Gestalt und Physiognomie des Petrus (z.B. im Matthäus-Evangelium) genauso zu erklären, wie die des keineswegs Fehlerlosigkeit für sich beanspruchen könnenden (oder wollenden) Reformators Martin Luther: Jedes Gewissen kann fehlgehen und sich täuschen – gerade deshalb ist der Maßstab des literarisch überlieferten und literarisch ermittelbaren Logos: des Geistes und Sinnes der ursprünglichen Stifterintention des Meisters so zentral und wichtig (Kanonsregel).</p>
<h2>Luther als Anwalt frühmoderner Rechtsentwicklung</h2>
<p>Wie aber stand es um das Gewissen bei der Forderung nach Menschenrechten 1524/25, als sich die Bauern auf den Bibeltext beriefen? In der Bauern- und Bürgerkriegs-Frage war für die Reformation zu klären, von einem übergeordneten Standpunkt aus: (Wie) lässt sich das (lange eingebürgerte) Fehde-Unwesen, das Faustrecht, überwinden und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten etablieren? Der „Ewige Landfrieden“ von 1495 hatte versucht, die ewigen Kleinkriege selbst zwischen kleinsten Grafen, Parteien, Gruppen zu stoppen. Und an deren Stelle eine verrechtlichte Konfliktbewältigung zu setzen. Gemäß Verfügung des Kaisers (Maximilian I.) – nach Beratungen und Zustimmung der Reichsstände – soll und darf im gesamten Reich hinfort niemand, von welchen „Würden, Stands oder Wesens“ auch immer, die anderen „befechten, bekriegen, berauben&#8230;“ (Ewiger Landfrieden, § 1). Ein wichtiger Schritt der Rechtsentwicklung. Eine Vorstufe zum staatlichen Gewaltmonopol. Reichsrechtlich gültig setzt § 4 die Verpflichtung, jeden des Friedbruches Verdächtigen anzuzeigen, zu stellen, ihm zu wehren und diesen der Reichsacht Verfallenen zu richten. Wer dies nicht befolgt, verliert selber seine Rechte. Die aufständischen Bauern mussten – unbesehen wie zustimmungsfähig, innovativ oder bahnbrechend die Forderungen waren – als Landfriedensbrecher gelten.</p>
<p>Luther bot sich zur Vermittlung an; gegenüber aufwiegelnden Stimmen, und mit Hinweis auf die biblische Weisheit „Wer zum Schwert greift, kann um so leichter dadurch umkommen“, ist aber die durchgehende Absicht und Zielsetzung der Rechtssicherung, Schutz der einfachen Bevölkerung und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in Luthers Äußerungen erkennbar.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Das jeweilige Gewissen zu beachten</p></blockquote></div>
<p>Grundsätzlich bleibt zu bedenken, dass Luther im Frühjahr 1525 in keiner Weise eine echte Entscheidungs-Funktion hatte. (Wie überhaupt kaum während seines Lebens je einmal, meist war er unverbindlicher Ratgeber, der Vorschläge machte – denen dann manche folgten.) Ein lutherisch geprägtes Landesterritorium gab es 1524/25 nirgends; und innerhalb der reformatorischen Bewegung meldeten sich heftigste Kontroversen an, z.B. was die Schnelligkeit von Reformen betraf. Luther optierte für ein die jeweiligen Gewissen beachtenden langsames Voranschreiten, anderen wiederum ging es kaum schnell genug. Wie ließe sich das lösen? Es zeigte sich, damals wie heute kann und konnte es nur so gehen, dass beide, Reformer und Bewahrer, den Weg und die Weisung des Meisters beachten. Wofür die Vorschläge der Wittenberger ein Angebot waren.</p>
<h2>Volkssprachliche Bibelübersetzung trotz kirchlichem Verbot</h2>
<p>Autorität besaß Luther in erster Linie als meistgelesener Autor dieser Zeit, als mutiger Worttheologe auf dem Wormser Reichstag und besonders „frisch“: als Übermittler und „Offenbarer“ des Wortlauts der Heiligen Schrift. Trotz kirchlichem Verbot veröffentlichte er 1522 den Bibeltext in volkssprachlicher Übersetzung. (Denn jeder sollte in der Lage sein, nachzuprüfen, was im Wort Gottes steht.) Die Empörung bei nicht wenigen war dann groß, weil viele Kirchensätze und -gesetze sichtlich so gar nicht dem Wort Gottes entsprachen … ! Auch ein Teil der Vehemenz der Bauernbewegung ist mit aus dieser Empörung zu verstehen.</p>
<p>Tatsächlich war ja erst Luthers Bibelübersetzung der Grund gewesen, dass Bevölkerungs-Schichten wie die des „Gemeinen Mannes“ sich auf die Bibel überhaupt berufen konnten: Dass sie ihren Wortlaut in größerem Umfang kannten. Gemeinsamkeiten zwischen Luther und Bauern- sowie Bürger-Interessen bestanden des Weiteren darin, dass Gemeinden ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Prediger- oder Pfarrstellen haben sollten (programmatisch vorgesehen mit der Leisniger Musterordnung), ferner in der Bestimmung des Menschen als grundlegend frei: „Ein Christenmensch ist [im Glauben] ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“ – wobei der zweite Satz der lutherischen Doppelthese sogleich mitzuhören ist, dass diese Freiheit nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Gemeinwohl, zum Wohle anderer Menschen (des „Nächsten“: christliche Nächstenliebe) verwendet werden solle: „Ein Christenmensch ist [in der Liebe] ein dienstbarer Knecht aller Dinge“, und jedermann gern zu Diensten, Hilf und Nutzen; <em>Von</em> <em>der Freiheit eines Christenmenschen</em>, 1520, lat. <em>De libertate christiana</em>. Mit seiner zweisprachigen Freiheits-Schrift hat Luther zugleich Anliegen der Mystik „demokratisiert“ (vgl. Eph 3,17).</p>
<p>Übrigens dürfte sich in der auffälligen Bezeichnung „Christenmensch“ – ein markantes Lutherwort – das Anliegen wiederfinden, Frauen und Männer in gleicher Weise anzusprechen …</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Politische Ethik</p></blockquote></div>
<p>Weiter setzt Luther sich für soziale Durchlässigkeit der Gesellschaft ein, indem er sich für Bildung <em>aller</em> Schichten ausspricht. Die überkommene starre Einteilung der Gesellschaft in drei Blöcke („Stände“; Nähr-/Wehr-/ und Lehr-Stand) wird bei Luther im Grundsatz aufgebrochen. (Das lässt sich schon daran sehen, dass er alle drei Dimensionen jedem Menschen systematisch zuteilt. Nach Luther hat jeder Mensch qua Geburt auf seine Weise Anteil sowohl am „Haus“ (in dem er wohnt: die ökonomische Dimension im weitesten Sinne, <em>status oeconomicus</em>), damit direkt oder abgeleitet an der (Stadt-)Politik (Polis / Politik als der die Umstände gestaltenden Dimension,<em> status politicus</em>), als auch an der Dimension des Glaubens (Kirche / „Religion“,<em> status ecclesiasticus</em> ; vgl. Oswald Bayer, <em>Freiheit als Antwort</em>). In seiner Magnifikat-Auslegung (1521) und dem Fürstenspiegel (1523) hatte er ein klares Bild guter Regierungsführung gegeben: „dass er ihnen nützlich und dienlich sei, und nicht so denke: Land und Leute sind mein, ich will’s machen, wie mir’s gefällt; sondern so: Ich bin des Landes und der Leute, ich soll’s machen, wie es ihnen nützlich und gut ist.“ Zentrale Leitbegriffe seiner politischen Ethik sind Billigkeit (im Sinne von Angemessenheit und Ausgewogenheit) und Gemeinwohl: die allgemeine Wohlfahrt der Bürger.</p>
<p>Und früh hat er sich gegen Wucherzinsen eingesetzt (z.B. 1519; 1524), und somit gegen die strukturellen Gegebenheiten, die in der Tendenz den kleinen Mann „aussaugten“ – also gerade eines der Grundprobleme benannt, das als eine Ursache für die zunehmenden Probleme der Bauernschaft gesehen werden kann (Teuerung; Zins-Abhängigkeiten&#8230;). Manche nennen Luther den Begründer oder Erfinder des Kapitalismus; linke Theoretiker schätzen ihn als Nationalökonom, oder sehen seine Kritik an kapitalen Auswüchsen als willkommenes Korrektiv. Ein Ansatz unter Subsidiaritätsprinzipien wie bei der Leisniger Ordnung wird nicht zuletzt als Impulsgeber für die <em>Soziale Marktwirtschaft </em>bewertet (mit ihrer Balance aus kompetitivem Wettbewerb und ausgleichenden Elementen), bekanntermaßen ein wirtschaftliches Erfolgsmodell: Auch in wirtschaftsethischer Hinsicht hat lutherisches Reformdenken langfristig und vielseitig gewirkt.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Soziale Durchlässigkeit</p></blockquote></div>
<p>Insgesamt ist bei Luthers Reformbestrebungen oft übersehen, dass von 1512 bis 1517 ja gerade erst ein fünfjähriges Konzil stattgefunden hatte (das V. Laterankonzil): und zwar wieder einmal ohne nennenswerte Wirkungen&#8230;</p>
<p>Nun verhält es sich mit zu versteinerten Heroen erhöhten Figuren (wie Luther) manchmal so, dass, wenn man sie vom hohen Sockel herunternimmt und in neue, veränderte Kontexte setzt, sie anfangen, sich zu vervielfachen, zu multiplizieren, „mehr“ zu werden. Man darf also weiter gespannt sein.</p>
<p>Luther hat mit seiner friedlichen Reformation einen gangbaren Weg gewiesen, Bauern- und Bürgerrechte <em>erfolgreich</em> durchzusetzen. Luther war definitiv ein „Katalysator“ für Veränderung (Mischa Kuball) – dies aus biblisch gewonnenen Einsichten heraus, die Entwicklung frühmoderner Rechtlichkeit schützend sowie fördernd und gerade so ein Anwalt von Gewissensfreiheit, Redefreiheit, generell gesagt als („Parrhesia“): Freiheit zum (biblischen) Wort. Dieses Wort lässt sich auch heute vernehmen.</p>
<p><em>Eine Kurzfassung dieses Beitrags findet sich in der gedruckten Ausgabe der evangelischen aspekte 3/2024, sowie <a href="https://www.evangelische-aspekte.de/luther-verstehen/">hier</a>.</em></p>
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		<title>Elisabeth Zoll (Hg.): Wir bleiben!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rainer Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:20:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man die Liste der Frauen anschaut, die Elisabeth Zoll für ihren Sammelband gewonnen hat, findet sich ein breites Spektrum prominenter Namen, von der Schriftstellerin Nora Gomringer bis zur CDU-Politikerin Annette Schavan, die Botschafterin am Heiligen Stuhl war. Es sind Beispiele, die weiblichen katholischen Gläubigen eine Stimme geben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zoll-Wir-bleiben.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8167 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zoll-Wir-bleiben-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zoll-Wir-bleiben-200x300.jpg 200w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Zoll-Wir-bleiben.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" data-smartcrop-focus="[49,26]" /></a>Hirzel, Stuttgart 2023, 22,00 EUR (E-Book 19,00 EUR)</strong></p>
<p>Wenn man die Liste der Frauen anschaut, die Elisabeth Zoll für ihren Sammelband gewonnen hat, findet sich ein breites Spektrum prominenter Namen, von der Schriftstellerin Nora Gomringer bis zur CDU-Politikerin Annette Schavan, die Botschafterin am Heiligen Stuhl war. Es sind Beispiele, die weiblichen katholischen Gläubigen eine Stimme geben.</p>
<p>Es ist aller Ehren wert, dass bei den aktuellen Skandalen die Frauen trotzig sagen „Wir bleiben“. Insgesamt berichten 17 prominente katholische Frauen über ihre Beweggründe. „Es braucht gerade jetzt Frauen – und Männer –, die sich selbstbewusst bekennen“, sagt die CDU-Politikerin Monika Grütters. Als Privilegierte erhält sie auch in der Kirche die Wertschätzung, die anderen Katholikinnen versagt bleibt. Gerlinde Kretschmann, Frau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, hatte z.B. das Gefühl, dass die Kirche „versuchte, mich klein zu machen“.</p>
<p>Trotzdem gibt es Argumente dafür weiterzukämpfen. Es gibt den Synodalen Weg. Maria 2.0 setzt sich ein für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs sowie die Zulassung von Frauen zum Amt. Diese Bemühungen unterstützen die Autorinnen des Buches ausdrücklich. Sie wollen in ihrer Kirche bleiben und haben die Vision einer Gemeinschaft von Gleichberechtigten nicht aufgegeben. „Wenn unsere katholische Kirche sich nicht öffnet, sich nicht modernisiert, wird sie große Probleme bekommen. Und sie wird einen großen Teil der jungen Generation verlieren“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Katrin Budde.</p>
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		<title>Ulinka Rublack: Dürer im Zeitalter der Wunder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lennart Schulz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:17:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Albrecht Dürer]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
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					<description><![CDATA[Kennen wir Albrecht Dürer heute, weil er ein Ausnahmekünstler war? Oder ist er uns als Ausnahmekünstler bekannt, weil er es wie kein zweiter verstand, den um seine Werke entstehenden Markt anzukurbeln?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Duerer.png"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8164 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Duerer-201x300.png" alt="" width="201" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Duerer-201x300.png 201w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Duerer.png 300w" sizes="(max-width: 201px) 100vw, 201px" data-smartcrop-focus="[49,23]" /></a>Klett-Cotta, Stuttgart 2024, 640 Seiten, 42,00 EUR (E-Book 33,99 EUR)</strong></p>
<p>Kennen wir Albrecht Dürer heute, weil er ein Ausnahmekünstler war? Oder ist er uns als Ausnahmekünstler bekannt, weil er es wie kein zweiter verstand, den um seine Werke entstehenden Markt anzukurbeln?</p>
<p>›Beides hängt voneinander ab‹, könnte man nach der Lektüre antworten. Die Frühneuzeithistorikerin Ulinka Rublack untersucht nicht nur Dürers handwerkliches Geschick und seine Kreativität, sondern sein Verhältnis zu den Auftraggebern, seine Selbst-Inszenierung und sein Selbst-Marketing.</p>
<p>Rublack zeichnet in ihrer Betrachtung den Kunsthandel in den Luxusgütermarkt der Frühen Neuzeit ein und liefert en passant erkenntnisreiche Details über das Schaffen des Marktphänomens Dürer. Beim Auftrag des Kaufmanns Jakob Heller zur künstlerischen Gestaltung einer Altartafel verkalkulierte er sich. Dürer und Heller gerieten über die Ausgaben aneinander und Dürer zog daraus eine Lehre: Er sollte fortan seine Kunst hauptsächlich unter ökonomischen Gesichtspunkten schaffen.</p>
<p>Am Beispiel Dürers stellt Rublack die kapitalistische Durchdringung der Kunst dar: „Die Renaissance war ein Zeitalter, in dem in einem neuen globalen Maßstab die Märkte die Kultur schufen und die Kultur umgekehrt die Märkte“ (S. 19). Die von Rublack ausführlich skizzierten etwas mehr als hundert Jahre zwischen dem Tod Dürers und dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, in denen die Sammlungswut der Oberen ungeahnte Formen angenommen hatte, gehören zur Geschichte des von ökonomischer Ratio getriebenen Künstlers und prägen unser Bild der Zeit.</p>
<p>In Anbetracht heutiger Kritik an der Aufmerksamkeitsökonomie, der Annäherung von künstlerischem Ausdruck an den <em>mainstream</em>, des fehlenden Gespürs für Kunst und Kultur liest sich Rublacks Geschichte der Kunstproduktion Dürers und des frühneuzeitlichen Handelns und Sammelns von Dürer-Kunst erfrischend kulturoptimistisch. Große Kunst entstehen zu lassen, heißt zu wissen, was sich vermarkten lässt. Das gilt für Dürer wie für uns heute.</p>
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		<title>Oswald Bayer: Vernunft und Vertrauen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:16:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Systematik]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>
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					<description><![CDATA[Anspruchsvoll und herausfordernd gibt sich die Aufsatzsammlung; etwa wenn der Vf. Grundzüge einer „Vernunftreligion“ unter die Lupe nimmt. Virtuos wird es, wo in immer neuen Anläufen die Pointe der göttlichen Promissio (Zusage) zugespielt wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bayer.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8161 alignleft wpsmartcrop-image" src="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bayer-202x300.jpg" alt="" width="202" height="300" srcset="https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bayer-202x300.jpg 202w, https://www.evangelische-aspekte.de/wp-content/uploads/Bayer.jpg 300w" sizes="(max-width: 202px) 100vw, 202px" data-smartcrop-focus="[50,22]" /></a>De Gruyter, Berlin/Boston 2023, 608 Seiten, 149,95 EUR (Paperback 2024, 29,95 EUR)</strong></p>
<p>Anspruchsvoll und herausfordernd gibt sich die Aufsatzsammlung; etwa wenn der Vf. Grundzüge einer „Vernunftreligion“ unter die Lupe nimmt. Virtuos wird es, wo in immer neuen Anläufen die Pointe der göttlichen Promissio (Zusage) zugespielt wird. Der Autor zeigt sich wie gewohnt als Meister des Understatements, der Diskurse auf einen oder den springenden Punkt mit einem ausgesuchten Zitat verdichtet oder gleich einer Lösung zuführt. Die Texte sind sprachlich präzise und virtuos, erzählen vom Menschen „als Innenarchitekt eines schon fertigen Hauses“, von der Seele als deinem Gesamtleben, vom „Windelwicht“, vom Schneckenhaus.</p>
<p>Vieles ist meditativ zu lesen – etwa die Kapitel zu Menschenwürde oder Anerkennung; eine kleine Offenbarung ist der Abschnitt zu Versöhnung (295 ff.). Was zum Ziel des Buches passt, einen Theologie-Begriff zu fördern, dem Schrift- und Textmeditation zentral ist. Für Bayer-Kenner liefert der Band einen wunderbaren Durchgang und Schlüssel zum Werk des international renommierten Hamann- und Luther-Forschers. Dialogpartner sind u.a. Klepper, Horkheimer, Aristoteles, Schleiermacher. Für Einsteiger, die bei allzu kernigem Theologen-Latein dies einfach überspringen und weiterlesen, böte sich simultan der frühe Grundriss <em>Aus Glauben leben</em> (1984/90) an: Aus dessen dort schon wegweisenden Ansatz ein mehr als reich gefülltes, unverdrossen erfrischendes, wahres Füllhorn theologischer und philosophischer Einsichten sich materialisiert, ja inkarniert hat.</p>
<p>Prädikat: Wärmste Leseempfehlung – mit Themenspektrum von Wittenberg bis Königsberg.</p>
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		<title>Luther verstehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:08:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Protestantismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Heutige der Reformation wird immer wieder unterschätzt: Luther ist als Bibelausleger zeitlos relevant, bleibend am Puls der Zeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Das Heutige der Reformation wird immer wieder unterschätzt: Luther ist als Bibelausleger zeitlos relevant, bleibend am Puls der Zeit.</p></blockquote></div>
<p>„Die Menschenwürde ist unantastbar.“ – „Unsere Würde wird uns geschenkt; sie ist weder eingefordert noch verdient.“ Zwei Sätze zum heutigen Menschenbild, beide zeigen wie aktuell die biblische Rechtfertigungs- und Schöpfungstheologie ist. Denn: Die Würde gilt unbedingt. Bedingungslos! Sie ist nicht geleistet, noch erworben. Nach dem Schöpfungsbericht der Bibel fällt diese Bestimmung jedem Menschen zu.</p>
<p>Eine solche Bestimmung (ihr „Logos“) kann Menschen dankbar leben lassen; eine das Sichtbare transzendierende Sinnzusage. Luther als Vertreter dieses Menschenbildes wirkt mal als Verfechter von Gewissen und Vernunft (1521 in Worms), mal als Übersetzungskünstler (1522 auf der Wartburg).</p>
<h2>Ein Ökumeniker: Luther der Bibelexperte</h2>
<p>Weil Luthers Theologie biblisch begründet ist, bleibt sie durch die Jahrhunderte ergiebig, anregend für das theologische Denken jeder Zeit, auch unsere. Luther ist zuerst, was man heute einen Bibel-Experten nennen würde: Er übersetzt das Neue Testament (aus dem Griechischen, auch dem Lateinischen der Vulgata), übersetzt den Tanach (aus dem Hebräischen, auch Aramäischen, Lateinischen, Griechischen). Ganze Passagen kennt und zitiert er auswendig. Er ist vielseitiger Exeget (Auslegungen zu Genesis, Galaterbrief, Psalmen…). Er predigt über diese Schriften, oft mehrmals die Woche.</p>
<p>Dem Schriftausleger geht es zeitlebens um Verheutigung, um ein Aggiornamento des biblischen Textes für die Adressaten. Es stimmt für Luthers Bibelanwendung im Besonderen, was Dietrich Bonhoeffer im Allgemeinen über die Wirkung auf Verweltlichung der Kirche und klerikale Sonderleistung sagte: „Als Gott durch seinen Knecht Martin Luther in der Reformation das Evangelium“ neu erweckte, führte er ihn aus dem Bereich religiöser „Sonderleistungen“ heraus (D. Bonhoeffer, <em>Nachfolge</em>). Nun traf das Wort mit voller Wucht: Das Befreiende wie Verpflichtende galt es nun „mitten in der Welt“ zu hören.</p>
<h2>Luther für Katholiken</h2>
<p>Luther war Katholik – die Kirche der Gegenwart ist indes natürlich nicht mehr dieselbe wie im 15. oder im 8. Jahrhundert. Der katholische Kirchenbegriff ist nicht statisch, er unterliegt erklärtermaßen der Entwicklung („Schrift und Auslegung“). Selbst die Sicht auf einzelne Gestalten bleibt fluid. Konstellationen wechseln, Denkmuster drehen sich; siehe Galiläo Galilei.</p>
<p>Und so wenig die Art und Weise, in der das Jubiläumsgedenken der Reformation 2017 begangen wurde, die einzig denkbare scheint, war es doch eine mögliche, und sehr bemerkenswert. Das betont Ökumenische, das Begehen in geschwisterlicher Verbundenheit (statt in gesuchter Konfrontation), war schon in sich ein Ergebnis und galt vielen das erfreuliche Hauptmoment des 500-Jahr-Gedenkens. Evangelischerseits wurde das Jahr bewusst nicht angelegt in einer Luther-Überhöhung: Es wurde eher die kleine, mittelgroße Lutherfigur des Künstlers Ottmar Hörl („gerade noch unter den Arm zu klemmen“) zu einem der Symbole von 2017, denn monumentale Inanspruchnahmen, Gemälde oder Statuen.</p>
<h2>Theologie des Tanach</h2>
<p>Weil der biblische Tanach die Menschenwürde jedem Menschen zuspricht (<em>Du bist Gottes Ebenbild!</em> Genesis 1,27), wäre es nur menschlich, dass jeder entsprechend lebt. Grundlos und frei ins Leben gerufen; voraussetzungslos das Licht der Welt erblickt. Von diesem Wort erfüllt, die Lebenszeit absolvierend.</p>
<p>Alles, was Du bist und hast, ist – von Gott – empfangen. So heißt es in den Schöpfungspsalmen: „Herr, mein Gott, überaus groß bist du… Du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt&#8230;“ (Ps 104; vgl. Ps 33). „Mein Gott! Die Seele, die du mir rein gegeben, du hast sie geschaffen, du hast sie gebildet, du hast sie mir eingehaucht, und du hütest sie in mir“ (jüd. Morgengebet). Darum: „Wer sich einer Sache rühmt, der rühme sich seines Schöpfers.“</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Um seinetwillen so gesetzt.</p></blockquote></div>
<p>Und ist nicht dies das Leben der Erzeltern, angefangen vom Glaubensleben des Abraham, über Isaak, Jakob und Lea bis hin zu Josef in Ägypten (im Buch Genesis)? Und so spricht David in seinen besten Tagen (1Chr 29,10-18), so Salomo. In einer Theologie der Psalmen lässt sich dieser existenziell-lebensnahe, erfahrungsgesättigte Glaube als Grundtypologie biblischer Anthropologie beschreiben. Wie Luther notiert: „Daher kommt es auch, dass… jeder,“ „in was für Sachen er auch ist, Psalmen und Worte darin findet, die sich auf seine Sachen reimen und ihm so angemessen sind, als wären sie allein um seinetwillen so gesetzt, wie er selbst sie nicht besser setzen, finden oder wünschen könnte.“ (2. Vorrede zum Psalter, 1528) Die Psalmen bieten so treffliche Worte der Freude wie der Traurigkeit, von Hoffnung oder Furcht, „dass dir kein Maler so könnte die Furcht oder Hoffnung abmalen und kein Cicero oder Redekundiger so vorbilden.“ In ihrer variablen Form der Rede und Inhalte, aus der Geschichte des Gottesvolks, zu allerlei Situationen, Anlässen und Themen bieten sie so etwas wie ein Kompendium und kurzen Auszug, so dass der Psalter „wohl eine kleine Bibel heißen könnte, in der alles aufs Schönste und Kürzeste, was in der ganzen Bibel steht, zusammengefasst und zu einem feinen Enchiridion oder Handbuch gemacht und aufbereitet ist.“</p>
<h2>Frohbotschaft statt Drohbotschaft</h2>
<p>Worte sind wie eine Herberge! Manche Worte wohnen selbst in uns, sagt Luther, sprechen zu passender Zeit vom Elementaren, vom jetzt Richtigen und Wichtigen, weisen eine Richtung („Sinn“). Offenbar liegt gerade an ihrer Viel-Gestaltigkeit, dass die Bibeltexte durch alle Zeiten, erst recht in der Post- und Spätmoderne, als eine ansprechende, aus sich heraus sprechende Großerzählung vernommen werden. Kinder z.B. lieben gerade die Geschichten des Tanach („weil da so viel passiert“), Luther redet von der göttlichen „Äneis“: Man wandert mit Mose und Elia durch die Wüste, sitzt mit den Gottesleuten in den Kerkern ihrer Zeit, freut sich wie ein Kesselflicker am Erfolg des Jona und zieht wonnestrahlend mit ein in das verheißene, versprochene Reich der himmlisch-glänzenden Stadt. <em>Es ist gerade das viel-seitige Bibel-Buch, das den vielseitigen Erfahrungs-Welten jeder Zeit gewachsen bleibt.</em></p>
<p>Mit der Übersetzung auf der Wartburg überträgt der Bibelexperte diese Worte mitten in seine Zeit. Und die Wiederentdeckung der Schrift löst Klärungsprozesse aus. Die Absurdität, Kirchenablass oder Vergebung zu verhökern, scheint denn doch zu offensichtlich&#8230; Der Papst (Pius V.) selbst räumt dies 1569 ein und untersagt Ablassverkauf bei schärfsten Strafen. Luther stritt also 1517 für eine heute gültige – wahrlich selbstverständliche – katholische Wahrheit; ja, hat diese kirchenhistorisch <em>erstritten </em>und gültig <em>durchgesetzt</em>. Luther in der Tat ein ökumenischer Kirchenvater (Walter Kasper).</p>
<p>Sinnigerweise zählt eine der Kardinalstellen für Luthers exegetische Entdeckungen, Röm 1,17, als Beleg, mit dem Paulus das Evangelium dem <em>biblischen Tanach gemäß</em> nachweist: Für den Satz „der aus Glauben Gerechte wird leben“ nutzt der Apostel ein Tanach-Zitat („wie geschrieben steht“, Habakuk 2,4). Die Kernstelle der reformatorischen Entdeckung bezeugt die beanspruchte Tanach-Frömmigkeit des Paulus. Viele Ausleger sehen heute „Paulus innerhalb des Judentums“ (so Paula Frederikson). Dass 1,17 nicht nur das Gerechtigkeits-Verständnis des Römerbriefs ist (Röm 4,5), sondern auch des Galaterbriefes (2,16), des Epheserbriefes (Eph 2,8), des Titus-Briefes (3,4f) u.a.m., ebenso des Johannes und der Evangelien, wie schon der Psalmen, s.o., hatten die Reformatoren ausführlich vorgeführt. Dass (nur) eben dies dem Schöpfungswort bedingungslos geschenkter Würde gemäß ist, leuchtet ein. Und dass hierin aus heutiger Sicht eine lutherisch-katholische Übereinstimmung in vielen Grundwahrheiten besteht, wurde zuletzt (z.B. 1999) auch lehramtlich verbindlich festgestellt.</p>
<h2>Friedliche Reformation</h2>
<p>Entlang dem biblischen Menschenbild formulierten die Wittenberger ihre Vorschläge. Dass es friedliche Möglichkeiten ihrer Umsetzung gab, zeigt die von Luther publizistisch vorangetriebene Ordnung kommunaler Sozialkassen, modellhaft in der Leisniger Ordnung, die manche das <em>erste Sozialpapier der Neuzeit</em> nennen. Die Bürgerkasse, 1520 von Luther angeregt, 1521/22 in Wittenberg eingeführt, vergibt Stipendien für mittellose Familien, regelt die Versorgung von Witwen und Waisen, Schulunterricht, und organisiert weitere kommunale Investitionsvorhaben (vgl. <em>Luthers Pazifismus</em>, <em>evangelische aspekte</em> 4/2022). Für Hamburg soll sie einer der Hauptgründe gewesen sein, zur Reformation überzugehen. Nach der von Luther 1523 vorgestellten Musterordnung sind für die Verwaltung der Kasse zuständig: Bauern, Bürger, Stadtbewohner. Wohlgemerkt: Ohne Beteiligung der Geistlichkeit. Die Musterordnung erscheint noch 1523 in acht Auflagen. Die Landesherren reagieren jedoch alles andere als begeistert. Mehrfach muss sich Luther dafür einsetzen. Bürgerkassen und Äquivalente wurden eingeführt z.B. 1523/29 (Leisnig), 1523 (Straßburg), 1524 (Magdeburg), 1524 (Windsheim), 1525 (Stralsund), 1526/29 (Hamburg), 1531 (Lübeck).</p>
<h2>Gewissensfreiheit und Vernunft</h2>
<p>In der reformatorischen Anerkennung zugesagter Menschenwürde, als „Kind und König in Personalunion“ (Oswald Bayer, vgl. die Rezension auf S. 42), die Luther aus den Psalmen (z.B. Ps.-Vorlesungen) und weiteren biblischen Schriften aufgegangen war, wurzelte zugleich seine eigentümliche Freiheit zum Wort, die er z.B. in Worms 1521 unter Beweis stellte. Solange das exegetisch Vorgetragene nicht durch „Zeugnis der Schrift“ oder „klare Vernunftgründe“ widerlegt wäre, könne und wolle er dies auch „nicht widerrufen … wider das Gewissen“ (WA 7, 838). Er war bereit, dafür auch verbannt zu werden.</p>
<h2>Luther als Anwalt frühmoderner Rechtsentwicklung</h2>
<p>Wie aber stand es um das Gewissen bei der Forderung nach Menschenrechten 1524/25, als sich die Bauern auf den Bibeltext beriefen? In der Bauern- und Bürgerkriegs-Frage war für die Reformation zu klären, von einem übergeordneten Standpunkt aus: (Wie) lässt sich das (lange eingebürgerte) Fehde-Unwesen, das Faustrecht, überwinden und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten etablieren? Der „Ewige Landfrieden“ von 1495 hatte versucht, die ewigen Kleinkriege selbst zwischen kleinsten Grafen, Parteien, Gruppen zu stoppen. Und an deren Stelle eine verrechtlichte Konfliktbewältigung zu setzen. Gemäß Verfügung des Kaisers (Maximilian I.) soll und darf im gesamten Reich hinfort niemand, von welchen „Würden, Stands oder Wesens“ auch immer, die anderen „befechten, bekriegen, berauben&#8230;“ (Ewiger Landfrieden, § 1). Ein wichtiger Schritt der Rechtsentwicklung. Eine Vorstufe zum staatlichen Gewaltmonopol. Reichsrechtlich gültig setzt § 4 die Verpflichtung, jeden des Friedbruches Verdächtigen anzuzeigen, zu stellen, ihm zu wehren und diesen der Reichsacht Verfallenen zu richten. Wer dies nicht befolgt, verliert selber seine Rechte. Die aufständischen Bauern mussten – unbesehen wie zustimmungsfähig, innovativ oder bahnbrechend die Forderungen waren – als Landfriedensbrecher gelten. Luther bot sich zur Vermittlung an; gegenüber aufwiegelnden Stimmen, und mit Hinweis auf die biblische Weisheit „Wer zum Schwert greift, kann um so leichter dadurch umkommen“, ist aber die durchgehende Absicht und Zielsetzung der Rechtssicherung, Schutz der einfachen Bevölkerung und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in Luthers Äußerungen erkennbar.</p>
<p>Luther hat mit seiner friedlichen Reformation einen gangbaren Weg gewiesen, Bauern- und Bürgerrechte <em>erfolgreich</em> durchzusetzen. Luther war definitiv ein „Katalysator“ für Veränderung (Mischa Kuball) – dies aus biblisch gewonnenen Einsichten heraus, die Entwicklung frühmoderner Rechtlichkeit schützend sowie fördernd und gerade so ein Anwalt von Gewissensfreiheit, Redefreiheit, generell gesagt als („Parrhesia“): Freiheit zum (biblischen) Wort.</p>
<p><em>Eine stark erweiterte Fassung dieses Beitrags, die nur online erschienen ist, findet sich <a href="https://www.evangelische-aspekte.de/luther-mehr-verstehen/">hier</a>.</em></p>
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		<title>Gezählte Tränen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Natascha D. Gillenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 10:07:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
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					<description><![CDATA[„Mein Umherirren hast du gezählt: sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du hast sie gezählt.“ (Psalm 56,9)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>„Mein Umherirren hast du gezählt: sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du hast sie gezählt.“ (Psalm 56,9)</p></blockquote></div>
<p>Rotz und Wasser heulen, sich die Augen aus dem Gesicht weinen, heulen wie ein Schlosshund, flennen, losplärren: Für die großen Emotionen, die sich im Weinen ausdrücken, finden sich in unserer Sprache selten schöne Worte. Weinen ist mit Scham verbunden, und oft genug auch mit Beschämung. Weinen wird in unserer westlichen Kultur nicht selten als „unmännlich“ gebrandmarkt und gilt als Zeichen emotionaler Instabilität und mangelnder Selbstbeherrschung.</p>
<p>Zwar wird zunehmend auch auf TikTok und Co öffentlich geweint – immerhin leben wir, so der Soziologe Andreas Reckwitz, in einer „radikal emotionalisierten“ Kultur –, doch Tränen werden eher im Privaten vergossen, wo niemand außer einem vertrauten Menschen sie zu sehen bekommt. Weinen ist ein intimer Moment, in dem innere emotionale Zustände plötzlich sehr körperlich nach außen auch für andere sichtbar werden. Ein Augenblick höchster Verletzlichkeit für alle Beteiligten.</p>
<p>Und an einen solchen Augenblick erinnert mich auch das Bild. Es zeigt den Ausschnitt eines Frauenantlitzes aus nächster Nähe; die Haut blass, die auffällig langen, geschwungenen Wimpern deutlich betont und in Kontrast zur blassen Haut, der Blick suchend und traurig in die Ferne gerichtet. Auf der Wange glänzt eine fließende Träne. Kunstvoll fängt sie das umgebende Licht ein und bannt den Schmerz, den das Bild ausdrückt, in einen Moment ewigen Stillhaltens. Das Weinen wird hier ästhetisiert und betont, die fließende Träne zum eigentlichen Motiv und Kunstwerk erhoben.</p>
<p>Auch die Bibel hat kein Problem mit Tränen, wie es scheint, und schon gar nicht mit weinenden Männern. In Psalm 56 soll es David selbst sein, der in einer Situation von Verfolgung, Gewalt und Todesangst Tränen der Verzweiflung vergießt. Tränen, die er vor G-tt nicht verbirgt, sondern die er von G-tt ganz ausdrücklich gesehen und anerkannt haben will: „Sammle meine Tränen in deinen Krug“ fordert David G-tt auf. Das hebräische Wort dafür ist נֹאד: ein Schlauch aus Tierhaut, in dem Trinkwasser sicher über weite Strecken transportiert werden kann. Keine Tränen aus (Blatt-)gold, aber doch unendlich wertvoll für den, der sie vergießt. Etwas, das in der gemeinsamen Beziehung zwischen David und G-tt unverzichtbar ist, und das David bei G-tt sicher aufgehoben und bewahrt weiß. „Ohne Zweifel, Du hast sie gezählt.“</p>
<p>David kann in seinem intensiven Gespräch mit G-tt seine Tränen hinhalten und mitgeben. Er weiß seine Erfahrung von Gewalt, von Verlassenheit und Perspektivlosigkeit bei G-tt in sicheren Händen. In seinen Tränen wird bei David etwas lebendig, gerät in Fluss und in Kommunikation mit G-tt. Seine Tränen werden gezählt, sein Schmerz erfährt Anerkennung – von G-tt bei der gemeinsamen Lebensreise sicher erinnert und gehütet.</p>
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		<title>Wach bleiben, digitale Kirche!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Zager]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 09:58:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ich an die digitale Kirche denke, dann fällt mir die Snooze-Taste ein. Die digitale Kirche war mal wach, aufgeweckt durch die Covid-Pandemie. So viel war plötzlich möglich, was lange undenkbar war.
Doch jetzt droht sie wieder einzuschlafen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>6:15 Uhr. Unbarmherzig klingelt mein Wecker. Ich drücke auf die Snooze-Taste. Nochmal fünf Minuten Ruhe, bevor der Alltag losgeht. Nochmal kurz zurück ins Land der Träume. Doch man kann es auch übertreiben mit der Snooze-Taste. Dann ist es plötzlich viel zu spät, alles wird hektisch: kein guter Start in den Tag.</p>
<p>Wenn ich an die digitale Kirche denke, dann fällt mir die Snooze-Taste ein. Die digitale Kirche war mal wach, aufgeweckt durch die Covid-Pandemie. Äußere Zwänge haben die Kirche dazu genötigt, endlich digitaler zu werden. Gestreamte Gottesdienste, digitale Seelsorge, Vorträge und Gemeindeveranstaltungen per Zoom. Viele Haupt- und Ehrenamtliche haben Zeit und Energie investiert, technisches Equipment wurde angeschafft. So viel war plötzlich möglich, was lange undenkbar war.</p>
<p>Doch die digitale Kirche droht einzuschlafen. Wieder und wieder wird die Snooze-Taste gedrückt. Gehen Sie mal auf YouTube und suchen Sie nach aktuellen Gottesdiensten! Es gibt kaum noch Gemeinden, die ihre Gottesdienste regelmäßig streamen und digital verfügbar machen. Diese Lücke wird von anderen gefüllt: Unter den ersten zehn Suchergebnissen finde ich allein viermal den unsäglichen Hassprediger aus Bremen, Olaf Latzel.</p>
<p>Natürlich kann ich es nachvollziehen, dass durch die Gemeinden ein buchstäbliches Aufatmen ging, als man die Masken endlich abziehen konnte, wieder gemeinsam feiern, singen und sich treffen konnte. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die reale, ›analoge‹ Begegnung nicht durch digitale Formate ersetzt werden kann.</p>
<p>Doch diese Erleichterung darf nicht übergehen in ein „Alles wieder so wie früher“. Denn im Verharren im Analogen liegt m.E. einer der Gründe, warum es Kirche heute so schwer hat, Menschen zu erreichen. Hat sich doch durch die fortschreitende Digitalisierung ein erheblicher Teil gesellschaftlichen Lebens in den Raum des Digitalen verlagert. Durch die digitalen Angebote ist es den Gemeinden während der Pandemie gelungen, Menschen anzusprechen, die im analogen Gemeindeleben nicht oder nicht mehr vorkamen. Ich denke hier an die Senioren mit eingeschränkter Mobilität, die sehr dankbar waren, durch digitale Angebote wieder an ihrem vertrauten Gemeindegottesdienst teilnehmen zu können. Ich denke aber auch an die jüngere Generation, die mit digitalen Medien und in sozialen Netzwerken aufgewachsen ist. Kurzum: Ich denke an an all jene Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen gerne die digitalen Formate ihrer Gemeinden genutzt haben und dies nun nicht mehr können. Die digitale Kirche hat Barrieren abgebaut und für mehr Inklusion gesorgt.</p>
<p>Es wäre fatal, würde Kirche sich wieder aus dem digitalen Raum zurückziehen. Ich habe meine Zweifel, ob es der richtige Weg ist, nun einige Sonderstellen für digitale Kirche zu schaffen, zumindest wenn man meint, damit die Gemeinden aus ihrer Verantwortung zu entlassen, selbst digitaler zu werden. Zukunftsfähige Gemeindearbeit sollte heute hybrid sein, d.h. analoge und digitale Formate anbieten: Wir sind als Kirche dazu aufgerufen, den Menschen dort zu begegnen und mit ihnen in eine religiöse Kommunikation zu treten, wo sie sich aufhalten – und das ist heute nun mal verstärkt der digitale Raum.</p>
<p>Also, digitale Kirche: Wach bleiben! Und Finger weg von der Snooze-Taste!</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Kirche und der Klimawandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Foltin und Volker Teichert]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2024 09:41:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[evangelische aspekte, 34. Jahrgang, Heft 3, August 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Diakonie]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe staatlicher Gesetzgebung, sondern auch Gegenstand des kirchlichen Auftrages. Evangelische Kirche und Diakonie haben einen Fahrplan entwickelt, um möglichst bald klimaneutral zu werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe staatlicher Gesetzgebung, sondern auch Gegenstand des kirchlichen Auftrages. Evangelische Kirche und Diakonie haben einen Fahrplan entwickelt, um möglichst bald klimaneutral zu werden.</p></blockquote></div>
<p>Die vergangenen Sommer haben den globalen Klimawandel in seinen Folgen für Deutschland sichtbar gemacht. Diese Entwicklungen werden sich künftig tendenziell verstärken. Die Jahresdurchschnittstemperaturen werden kontinuierlich ansteigen, Hitzewellen im Sommer länger anhalten und damit eine verbundene Trockenheit häufiger auftreten. Zusätzlich drohen häufigere Starkregenniederschlägen, Gewitter mit Hagel und damit Hochwassergefahren.</p>
<h2>Das Pariser Klima-Abkommen 2016</h2>
<p>Zur Stärkung einer nachhaltigen Entwicklung und der internationalen Klimapolitik hat im Dezember 2015 die 21. Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention (COP21) in Paris ein neues Übereinkommen zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels angenommen. Mit der Ratifizierung des so genannten Pariser Abkommens vom 5. Oktober 2016 unterstützt auch die Bundesregierung das nun völkerrechtlich verbindliche Ziel, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu beschränken. Dafür dürfen nur noch so viele Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, wie gleichzeitig in Senken gebunden werden können.</p>
<h2>BVerfG-Urteil zwingt Bundesregierung zum Handeln</h2>
<p>Mit dem im Dezember 2019 in Kraft getretenen Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) will die Bundesregierung die Pariser Vorgaben erfüllen und Deutschland bis 2050 zur Treibhausgas-Neutralität führen. Als Zwischenziele wurden eine Reduktion um mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2020 und um mindestens 55 Prozent bis 2030 festgelegt. Infolge von Verfassungsbeschwerden von Fridays for Future und vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland urteilte im April 2021 das Bundesverfassungsgericht, dass das Bundes-Klimaschutzgesetz gegen Grundrechte verstoße. Da Treibhausgas-Minderungsmaßnahmen ab 2030 in der ursprünglichen Fassung des Gesetzes nicht festgelegt wurden, käme es zu einer Verschiebung heutiger Verantwortlichkeiten auf künftige Generationen. Sie würden mit höheren Kosten und ungünstigeren Klimabedingungen belastet und ihre Freiheitsbedürfnisse und -rechte dadurch unverhältnismäßig eingeschränkt. Deshalb wurde die Bundesregierung verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2022 die Minderungsziele ab dem Jahr 2031 fortzuschreiben.</p>
<p>Dieser Vorgabe ist die Bundesregierung im Juni 2021 mit einer Änderung des ursprünglichen Bundes-Klimaschutzgesetzes und einer Verschärfung der Reduktionsziele gefolgt: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 jetzt um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent schrittweise gemindert werden, jeweils gegenüber dem Basisjahr 1990. Damit wurde das Ziel für 2030 um 10 Prozentpunkte erhöht; das Ziel für 2040 kam neu hinzu. Bis 2045 ist dann Klimaneutralität vorgesehen.</p>
<h2>Nachhaltigkeitsleitlinien für die Diakonie</h2>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-right pullquote-border-placement-left"><blockquote><p>Bis zum Jahr 2035 strebt die Diakonie das Erreichen der Klimaneutralität an.</p></blockquote></div>
<p>Im Oktober 2021 hat die Konferenz „Diakonie und Entwicklung“ – das höchste Beschlussgremium des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung (EWDE) – Nachhaltigkeitsleitlinien für die Diakonie verabschiedet. Diese betreffen auf Grundlage der UN-Nachhaltigkeitsziele eine ganze Reihe von Handlungsfeldern wie etwa Immobilien, Mobilität, Land und Forstwirtschaft, Kapitalanlagen, Beschaffung und Bildung. Die Leitlinien haben für die Mitglieder einen empfehlenden Charakter, „ihr Handeln an den Nachhaltigkeitszielen zu orientieren und einen Beitrag zu deren Umsetzung zu leisten“ (Pressemeldung von „Brot für die Welt“ zur Verabschiedung der Leitlinien). Bis zum Jahr 2035 strebt die Diakonie selbst das Erreichen der Klimaneutralität an. Hierzu heißt es in den Nachhaltigkeitsleitlinien: „In Anbetracht der Klimakrise und des Artensterbens setzt sie sich getreu ihres Auftrags ›Bewahrung der Schöpfung‹ national und international für einen ambitionierten und sozial gerechten Klimaschutz sowie den Erhalt der Biodiversität ein“ (Diakonie Deutschland, <em>Nachhaltigkeitsleitlinien</em>, 2021). Die Nachhaltigkeitsleitlinien empfehlen den diakonischen Unternehmen, Einrichtungen, Diensten und Verbänden, zu deren Umsetzung „erprobte, anerkannte Instrumente wie zum Beispiel den Deutschen Nachhaltigkeitskodex, die Gemeinwohlbilanz, EMAS“ zu nutzen (Diakonie Deutschland, <em>Nachhaltigkeitsleitlinien</em>, 2021).</p>
<h2>Nachhaltiger Gebäudebetrieb</h2>
<p>Einen Schwerpunkt sieht die Diakonie im Gebäudebereich. Hier gilt es für die diakonischen Rechtsträger durch energetische Sanierungen und Verzicht auf fossile Heizungssysteme die Treibhausgasemissionen bis zum Zieljahr 2035 möglichst vollständig zu reduzieren – gerade vor dem Hintergrund des auf europäischer Ebene verabschiedeten und ab 2027 geltenden Emissionshandelssystems für Gebäude, das auch Betreiber von Sozialimmobilien betreffen wird. Für die Erfassung des jeweiligen Umsetzungsstandes wird den diakonischen Einrichtungen generell eine standardisierte Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Basis des Deutschen Nachhaltigkeitskodex empfohlen, um „den gesetzlichen Anforderungen im Zusammenhang mit der EU-Taxonomie“ genüge zu tun (Diakonie Deutschland, <em>Nachhaltigkeit messbar machen,</em> 2022).</p>
<p>Eine Bestandsanalyse des Energieverbrauchs in den Bereichen Gebäude und Mobilität sowie die Ermittlung des Ist-Standes der THG-Emissionen liegt für die Gesamtheit der Diakonie Deutschland bislang nicht vor. Für eine Roadmap mit dem Ziel verbandlicher Treibhausgasneutralität ist eine solche „Baseline“ jedoch unverzichtbar. Bislang werden die notwendigen Daten vor allem auf der Ebene der einzelnen Rechtsträger erhoben und dokumentiert. Eine umfassende Bestandsaufnahme und Zusammenführung dieser Zahlen ist auf dem Weg zur THG-Neutralität entscheidend. Erst die Bestimmung des Ausgangspunktes und die Operationalisierung des beschlossenen Klimaschutzziels kann innerhalb der verbandlichen Ebenen der Diakonie für mehr Verbindlichkeit und damit die flächendeckende Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen sorgen.</p>
<h2>Die Klimaschutzrichtlinie der EKD</h2>
<p>Seit 2008 hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) insgesamt acht Beschlüsse mit klimarelevanten Empfehlungen an die Landeskirchen auf den Weg gebracht. Diese Beschlüsse weisen eine in sich schlüssige Kontinuität auf. Das Einsparziel für die Gliedkirchen war zunächst eine Reduktion der Treibhausgasemissionen (THG) um 25 Prozent bis 2015. In einem zweiten Schritt wurde das Ziel mit einer Reduktion um 40 Prozent bis 2020 fortgeschrieben, jeweils gemessen am Niveau des Jahres 2005.</p>
<div class="perfect-pullquote vcard pullquote-align-left pullquote-border-placement-right"><blockquote><p>Die Klimaschutzrichtlinie der EKD legt den Weg zu einer treibhausgasneutralen Kirche fest.</p></blockquote></div>
<p>Der EKD-Synodenbeschluss vom November 2021 sieht die Treibhausgasneutralität bis 2035 vor. Die im Oktober 2022 in Kraft getretenen Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Erreichung der Netto-Treibhausgasneutralität (Klimaschutzrichtlinie-EKD) hat den Fahrplan zu einer treibhausgasneutralen Kirche festgelegt. Die Richtlinie begründet in ihrer Präambel kirchlichen Klimaschutz aus der Verantwortung des christlichen Glaubens zur Bewahrung der Schöpfung und zur Wahrung der Lebensrechte aller Menschen der gegenwärtigen ebenso wie der künftigen Generationen. In ihrem Hauptteil entwickelt sie einen Standard für den kirchlichen Klimaschutz, an dem künftig die rechtlichen Regelungen der Landeskirchen gemessen werden können. Ziel ist eine Reduktion der THG-Emissionen um 90 Prozent bis 2035 und um 100 Prozent (Netto-Treibhausgasneutralität) bis zum Jahr 2045, jeweils ausgehend vom Basisjahr 2023. In der Richtlinie wird hierfür ein besonderes Augenmerk auf Gebäude und Mobilität gelegt und wichtige Aspekte verbindlich benannt. Damit bietet sie eine Grundlage für einheitliche und überprüfbare Regelungen.</p>
<h2>Umsetzungsroadmap mit regelmäßiger Berichterstattung</h2>
<p>Ergänzt wird die Richtlinie durch eine Roadmap: Während die Klimaschutzrichtlinie die rechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigt, skizziert die Roadmap die wissenschaftlichen Vorgaben, unter denen die Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden kann. Treibhausgasemissionen und umgesetzten Maßnahmen in EKD und Landeskirchen werden ab 2024 jährlich erhoben und an die vom Rat der EKD beauftragte Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) übermittelt. Dadurch wird eine Auswertung des erreichten Klimaschutzniveaus in der EKD und ein regelmäßiger Bericht an die Synode ermöglicht.</p>
<p>Im Zuge der Umsetzung der EKD-Klimaschutzrichtlinie hat eine Arbeitsgruppe an der FEST in enger Abstimmung mit den evangelischen Landeskirchen ein Konzept erarbeitet, um die kirchlichen Treibhausgasemissionen entsprechend der Richtlinie zu bilanzieren. Ab der EKD-Herbstsynode 2024 werden künftig im Wechsel zwei Berichtsformate vorgelegt, nämlich ein jährlich erscheinender Fortschrittsbericht und ein zweijähriger datenbasierter Fortschritts- bzw. Klimaschutzbericht. Dieser enthält sowohl die qualitativen Auswertungen als auch die Ergebnisse der Treibhausgas-Bilanzierung in den Bereichen Gebäude und Mobilität.</p>
<h3>Literatur</h3>
<p>Bundesamt für Justiz (2021) Bundes-Klimaschutzgesetz. URL: <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/ksg/BJNR251310019.html">www.gesetze-im-internet.de/ksg/BJNR251310019.html</a></p>
<p>Bundesverfassungsgericht (2021) Verfassungsbeschwerden gegen das Klimaschutzgesetz teilweise erfolgreich. URL: <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html">www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html</a></p>
<p>Diakonie, Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung (2021a) Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die Diakonie verabschiedet. URL: <a href="http://www.brot-fuer-die-welt.de/pressemeldung/2021-konferenz-diakonie-und-entwicklung-bekennt-sich-zu-un-nachhaltigkeitszielen">www.brot-fuer-die-welt.de/pressemeldung/2021-konferenz-diakonie-und-entwicklung-bekennt-sich-zu-un-nachhaltigkeitszielen</a></p>
<p>Diakonie, Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung (2021b) Nachhaltigkeitsleitlinien für die Diakonie. Berlin. URL:<a href="http://www.diakonie.de/diakonie_de/user_upload/diakonie.de/PDFs/Publikationen/Nachhaltigkeit_Nachhaltigkeitsleitlinien_fuer_die_Diakonie_2021.pdf">www.diakonie.de/diakonie_de/user_upload/diakonie.de/PDFs/Publikationen/Nachhaltigkeit_Nachhaltigkeitsleitlinien_fuer_die_Diakonie_2021.pdf</a></p>
<p>Diakonie, Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung (2022) Nachhaltigkeit messbar machen. URL: <a href="http://www.diakonie.de/informieren/infothek/2022/oktober/nachhaltigkeit-messbar-machen">www.diakonie.de/informieren/infothek/2022/oktober/nachhaltigkeit-messbar-machen</a></p>
<p>Diakonie, Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung (2023): Klimaschutz in der Sozialwirtschaft: Je später, desto teurer für die Allgemeinheit. URL: <a href="http://www.diakonie.de/informieren/infothek/2023/mai/klimaschutz-in-der-sozialwirtschaft-je-spaeter-desto-teurer-fuer-die-allgemeinheit">www.diakonie.de/informieren/infothek/2023/mai/klimaschutz-in-der-sozialwirtschaft-je-spaeter-desto-teurer-fuer-die-allgemeinheit</a></p>
<p>EKD, Evangelische Kirche in Deutschland (2020) Klimabericht für die Evangelische Kirche in Deutschland 2020. URL:<a href="http://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/07-TOP-VII-Klimabericht.pdf">www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/07-TOP-VII-Klimabericht.pdf</a></p>
<p>EKD, Evangelische Kirche in Deutschland (2021) Beschluss der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer 2. Tagung zu Die Zeit ist jetzt – Auf dem Weg zur Klimaneutralität vom 10. November 2021. URL: <a href="http://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Beschluss-zu-Die-Zeit-ist-jetzt-Auf-dem-Weg-zur-Klimaneutralitaet.pdf">www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Beschluss-zu-Die-Zeit-ist-jetzt-Auf-dem-Weg-zur-Klimaneutralitaet.pdf</a></p>
<p>EKD, Evangelische Kirche in Deutschland (2022) Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Erreichung der Netto-Treibhausgasneutralität (Klimaschutzrichtlinie-EKD). URL: <a href="http://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Klimaschutzrichtlinie_Begruendung_Roadmap.pdf">www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Klimaschutzrichtlinie_Begruendung_Roadmap.pdf</a></p>
<p>FEST, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (2024): THG-BILANZIERUNGS-FAQ – Empfehlungen zur Berechnung der THG-Emissionen in Landeskirchen und Diözesen. URL: <a href="http://www.ekd.de/THG-Bilanzierungs-FAQ">www.ekd.de/THG-Bilanzierungs-FAQ</a></p>
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