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Christoph Engemann: Die Zukunft des Lesens

Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2025, 158 S., 11,99 EUR

Die Krise des Lesens ist ein alter Topos, meist so alt wie das Lesen selbst. Neu: Inzwischen übernimmt ChatGPT in Sekunden das Zusammenfassen komplexer Texte.

Digitale Technik verändert den Umgang mit Texten. Dabei nimmt die subjektive Kompetenz des Lesens ab, während die Anzahl der Texte wuchs. In diesem Prozess steuern Algorithmen die Wahrnehmung von Texten. Entscheidend ist, dass Lesen im Internet ein permanentes Sich-Sichtbar-Machen durch eine medienhistorische Genealogie, die von Firmen ausgewertet wird, als Spur hinterlässt. Längst sind weitere Schritte vollzogen: Es wird im digitalen Raum kaum mehr gelesen, sondern Maschinen lesen vor. Der stumme Akt des Lesens wurde beredt; es dient meist nur noch als Teil der sozialen Kommunikation. Die meiste Zeit verbringen Nutzer mit Podcasts und Videos. Häufiger zu beobachten: Dass durch Kopfhörer eine Abschließung von der Umwelt stattfindet. Das bedeutet z.B., dass sich der Unterricht an Hochschulen ändert: Die Vorlesung wird durch Podcasts und Videos ersetzt. Es kommt zu einer Diskrepanz zwischen Lesen-Können und Nicht-mehr-lesen-Wollen. Längere Texte lesen zu müssen, wird als Zumutung empfunden.

Durch die Konzentration auf das Internet entsteht ein Wandel in der Wahrnehmung der Welt. Die sog. „Große Erzählung“, in der Postmoderne stark kritisiert, kam zurück z.B. in Form des Narrativs vom Anthropozän oder der Geschichte vom Klimawandel. Diese Erzählungen von der gesellschaftlichen Entwicklung verbreiten sich in hoher Geschwindigkeit. Der informative Essay spricht daher von Lesern, die praktisch keine mehr sind.

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