Editorial: Sterbehilfe Ausgabe 4/2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

was fällt Ihnen spontan zum Stichwort „kurz und schmerzlos“ ein? Vielleicht der gleichnamige Kriminalfilm der in den 90-er Jahren sein Debüt gab? Oder der Frisörsalon im verrückten Schanzenviertel in Hamburg-Eimsbüttel? Vielleicht kommt Ihnen aber auch die Frage in den Sinn, wie Ihr Lebensende einmal aussehen soll? Kurz und schmerzlos, und vor allem – keinem zur Last fallen. Das wäre meine Antwort.

Wie denken Christinnen und Christen über die Sterbehilfe? – Selbst Repräsentanten der Evangelischen Kirche sind sich da nicht einig. Wenn der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in einem öffentlichen Interview formuliert: „Niemand soll am Leben bleiben müssen“ (Frankfurter Rundschau vom 30.09.2015) widerspricht er dem amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der sich uneingeschränkt gegen die (Selbst-)Tötung am Lebensende ausspricht und seine Begründung aus ethischer Sicht darlegt.

Anlässlich der aktuellen Bundestagsentscheidung hat die Diskussion zugenommen. Auch Argumente der menschlichen Selbstbestimmung tauchen dabei immer wieder auf. Die junge Schriftstellerin, deren Lebenssituation von den beiden Medizinern Sven Gottschling und Thomas Sitte beschrieben wird, steht vor dem Abgrund, aber nur bildlich gesprochen, denn stehen kann sie längst nicht mehr und zum Absprung, aus eigener Kraft, ist es zu spät. Müsste nicht ihrem letzten Willen: „Bitte töten Sie mich“ entsprochen werden? Der Palliativmediziner Thomas Schlunk zeigt auf, in welchen Gewissenskonflikt er selbst gekommen ist, die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griebe erläutert, warum Sterbehilfe nicht zur „Dienstleistung“ werden darf.

Doch damit an brandaktuellen Themen nicht genug: Kein Tag vergeht, an dem nicht weitere Flüchtlinge die Grenzen überwinden und Schutz in Deutschland suchen. Mit der Versorgung und Integration der Flüchtlinge kommt auf den Staat und die Gesellschaft eine gewaltige Aufgabe zu. Zwei profilierte Persönlichkeiten nehmen hierzu Stellung: Während Bundespräsident Joachim Gauck die „aktive Zivilgesellschaft“ mit Herz und Verstand in den Mittelpunkt rückt, fordert der LINKE-Bundestagsabgeordnete Oskar Lafontaine die Reichen in Deutschland auf, die Gemeinschaftsaufgabe nicht mehr länger zu verweigern, sondern auf die Benachteiligten unseres Landes zu achten.

Liebe Leserinnen und Leser, es mag sein, dass Sie sich durch den einen oder anderen Artikel in dieser Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen der evangelischen aspekte herausgefordert fühlen, Ihre Meinung zu äußern. Dann möchten wir Sie dazu ermutigen – tun Sie es. Über Reaktionen freuen wir uns sehr!

Es grüßt Sie im Namen der ganzen Redaktion

Andrea Wenz

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