Dave Eggers: Der Circle Roman

Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, 560 S., 10,99 EUR, E-Book 9,99 EUR

„Du und deine Leute beim Circle… ihr werdet alle Seelen retten. Ihr werdet sie alle sammeln, ihr werdet sie alle das Gleiche lehren. Es wird eine einzige Moral geben, ein einziges Regelwerk… Jetzt werden alle Menschen die Augen Gottes haben… Jetzt sind wir alle Gott.“

So zollt ein älterer Ex-Priester der jungen Hauptperson Mae Holland in Dave Eggers Roman Respekt: Das, was der Theologie nie gelungen sei, verwirkliche jetzt das globale Unternehmen Circle mit seinem Ziel der völligen Transparenz jedes seiner Nutzer – bereits ein Großteil der Weltbevölkerung.

Thema und These des Romans: Selbstoptimierung durch Datentransparenz. Das fiktive Unternehmen Circle in Kalifornien ist die utopische Zusammenführung und logische Weiterentwicklung von Datengiganten wie Google, Facebook und Co. Die Elite-Uni-Absolventin Mae Holland macht Karriere beim Circle. Sie hilft dabei, dass der Circle immer mehr ein totalitäres System der absoluten Überwachung – „Transparenz“ genannt – aufbaut. Vor Milliarden Augen und Ohren live zugeschalteter Nutzer prägt sie die Leitsätze des Unternehmens: 1. Geheimnisse sind Lügen, 2. Teilen ist Heilen und 3. Alles Private ist Diebstahl.

Dass die Vermeidung von sozialen und politischen Verbrechen durch weltweite Kameraüberwachung im Totalitarismus enden wird, ahnt der Leser; lässt aber die Protagonistin unberührt. Die Optimierung („Erlösung)“ der Welt durch Technologie – die Fortschrittsgläubigkeit wird hier auf die Spitze getrieben: „Ich bin von der Fähigkeit der Menschen zur Vollkommenheit überzeugt… Wir können jedes Problem lösen.“

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