Im Wohnzimmer die Welt erkunden Auch die Kirchen setzen verstärkt auf virtuelle Führungen durch sakrale Gebäude

In Zeiten von Corona ist Reisen keine Selbstverständlichkeit mehr. Das ist schwer für die reiseverwöhnten Deutschen. Als Kompensation für das reale Erleben sind im Internet immer mehr Angebote für virtuelle Reisen zu finden.

Die Deutschen können zwar nicht mehr den Titel als Reiseweltmeister für sich reklamieren, aber immerhin lag Deutschland 2019 hinter den USA und China auf Platz drei der Länder mit den meisten Reisenden ins Ausland. Dies ging aus dem Bericht Global Destination Cities Index von Mastercard hervor. Dabei überholten sie die Briten nicht nur im Gesamtranking, sondern auch bei den Reisen in das Hauptreiseziel beider Nationen: Palma de Mallorca.

Ein virtueller Besuch auf Mallorca oder in Stockholm

Trotz Corona bieten die „reisereporter“ auf ihrer Internetseite einen Urlaub auf Mallorca an (www.reisereporter.de). „Zum Glück gibt es auch virtuell jede Menge Einblicke in die Welt der Balearen-Insel“, heißt es auf der Internetseite. Sie empfehlen Rundumblicke auf der Website „360 Cities“. Auch Touren auf virtuellen Helikopterflügen sind möglich.

Ebenso kann man einen virtuellen Kurzurlaub auf einer Reise von Stockholm nach Helsinki und Tallinn erleben. Es ist eine virtuelle Reise mit dem Schiff über die Ostsee. Nach einem Rundgang durch Stockholm am Bildschirm wird auf der Silja Serenade eingecheckt.

Ohnehin wird Reisen mit der Virtual Reality-Brille zu einem immer realistischeren Erlebnis. Experten sagen voraus, dass Virtual Reality im Segment Reisen wohl am stärksten wachsen wird. So kann man zum Beispiel Gorillas schon heute hautnah erleben bei einem Besuch mit einer VR-Brille. Der Trend wird sicherlich durch Corona enorm beschleunigt.

Kirchen virtuell entdecken

Kirchengemeinden haben den Trend zu virtuellen Kirchenführungen schon vor Corona entdeckt und können nun in Zeiten der Pandemie für Interessierte diesen Service anbieten. Im Internet können Besucherinnen und Besucher inzwischen zahlreiche sakrale Gebäude besichtigen. Auf virtuellen Rundgängen lassen sie sich am Computer oder auch am Smartphone auf eigene Faust oder auch von Experten geführt erkunden. In Zeiten von Versammlungsverbot und Kontaktsperre haben viele religiöse und kulturelle Institutionen ihre Angebote in dieser Hinsicht ausgeweitet.

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers zum Beispiel lädt dazu ein, Kirchen virtuell zu entdecken unter dem Motto „Verlässlich geöffnete Kirchen laden zum Besuch ein“. Konkret läuft das so ab, dass Detlef Neuhaus und andere zertifizierte Kirchenführerinnen und Kirchenführer Kurzfilme über ihre Kirchen drehen und auf einer Online-Plattform veröffentlichen. So lassen sie die Gäste an ihren „Schätzen“ teilhaben (www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/offene-kirchen/Kirchen_virtuell_entdecken).

„Wir haben auf der Plattform virtuelle Kirchenbesichtigungen für Gäste zusammengetragen, die man sich wie ein Appetithäppchen ansehen kann“, so Antje Wachtmann, Referentin für Kirche im Tourismus im HkD, die das neue Format der digitalen Kirchenführung entwickelt hat und die ehrenamtlichen Kirchenführer in der Videoerstellung unterstützt.

Ob es die evangelische Kirche in Saalfeld und in Neustadt ist oder Kirchengebäude im Erzbistum München und Freising, überall sind inzwischen virtuelle anstatt der analogen Besuche möglich. Und wer nicht nach Rom reisen und die Vatikanstadt besuchen kann, der kann die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle virtuell besuchen.

5.500 Bilder einer Kirche ergeben einen virtuellen Rundgang

Dass dahinter viel Arbeit steckt, stellt der katholische St. Michaelsbund am Beispiel des Fotografen Tibor Hlozanek dar, der in einer Nacht den kompletten Innenraum der Münchner Jesuitenkirche St. Michael mit der Kamera dokumentierte. Dazu ließ er sich mitten in der Stadt in das berühmte Gotteshaus einsperren.

5.500 Bilder waren es am Ende, aus denen der Fotograf am Computer eine virtuelle Kirchenführung aus verschiedenen 360-Grad-Panoramen der Kirche erstellte (panorama.erzbistum-muenchen.de/Dekanat-Innenstadt/jesuitenkirche-st-michael-muenchen.html). Das heißt, dass sich die Kirche von jedermann am heimischen Rechner aus allen möglichen Perspektiven betrachten und „begehen“ lässt – von links nach rechts oder von oben nach unten, inklusive Text und unterlegter Musik. Rund 40 Stunden waren nötig, um die riesige Kirche dafür abzulichten. Dabei benutzte der 52-Jährige einen Roboter mit Fotoapparat, den er auf ein Stativ schraubte, das sich bis zu fünf Meter hoch ausfahren lässt. Der Roboter dreht und wendet die Kamera automatisch in alle Richtungen.

Menschen, die auf Reisen gern Kirchen besuchen, nutzen die virtuellen Möglichkeiten gerne. Sie können sich die sakralen Gebäude ins Wohnzimmer holen und so durch ganz Deutschland nach Lust und Laune surfen. Die Angebote sind unterschiedlich ausgestaltet, je nach den technischen und finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden. Aber auf jeden Fall sind sie eine Bereicherung des kirchlichen Lebens.

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