Stefan Brunnhuber: Die offene Gesellschaft Ein Plädoyer für Freiheit und Ordnung im 21. Jahrhundert

oekom 2019, 176 S., 20,00 EUR, eBook 15,99 EUR

Mit Karl Poppers Theorien der Falsifikation von Hypothesen und einer sozialen Stückwerkstechnologie sowie der Konflikttheorie Ralf Dahrendorfs im Gepäck stellt sich der Autor in seinem Plädoyer einer problematisch gewordenen Gegenwart. In einer vorläufigen Definition, mehr lasse sich über ein Projekt der Zukunft nicht sagen, wird die Offene Gesellschaft als ein Maximum an Freiheit für alle Mitglieder aufgefasst. Die künftige Formation sei weder mit Demokratie, noch mit dem Rechtsstaat oder dem (freien) Markt identisch, verfüge aber über Werte wie sie im Säkularismus, im Liberalismus sowie in den Checks and Balances einer Republik zu finden seien.

Den hohen Anspruch, einen Weg aufzuzeigen, wie sich die Gesellschaften der Welt zu einer Offenen Gesellschaft entwickeln könnten, untersucht Brunnhuber in zwei Aspekten. Auf einer Landkarte der Zukunft findet der Autor vier gesellschaftliche Bereiche. Linke und rechte politische Positionen erwiesen sich als unfähig, über die kommende Gesellschaft zu entscheiden. Wichtiger scheint ihm die Bekämpfung der Scheindebatten durch Feinde der Offenen Gesellschaft zu sein, die sich in einem Pankritizismus, Relativismus, Fundamentalismus, Populismus, oder (unkritischem) Holismus zeigten. Am heftigsten aber müssten politische Reduktionisten widerlegt werden, da sie die Komplexität von Gesellschaft, Ökonomie und Natur verneinten. Brunnhuber kritisiert aus solchen Wertvorstellungen auch den Neoliberalismus; an die Stelle der Shareholder-Values müsse eine Stakeholder-Value treten.

In der Gegenwart benötige der Einsatz für die Offene Gesellschaft ein Metanarrativ, eine große Erzählung. Abgelehnt werden visionäre oder utopische Vorstellungen von Gesellschaft aufgrund eines notwendigen Pragmatismus und (kritischen) Rationalismus. Diese Ideen erzeugten falsche Bilder im Kopf, da eine Offene Gesellschaft keinen teleologischen Gesetzen folge. Die Narrative müssten sinnstiftend, nicht identitätsstiftend wirken. Bürgerliche Tugenden, ein starker Nationalstaat, der Ordnungsrahmen setze, die Balance zwischen Mensch und Natur, pluralistisches und konfliktorientiertes Denken sowie der Einsatz des kritischen Rationalismus empfiehlt der Autor als Königsweg zur Offenen Gesellschaft. Dem Anliegen dienen sehr anregende Fragen am Ende des Buches.

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