An Gott zu glauben, kann eigentlich nicht schaden Zum neuen Youtube-Kanal „Jana“ der EKD

Mit einem neuen Youtube-Kanal will die EKD junge Menschen zum Nachdenken über Glaubensfragen anregen und für den Protestantismus begeistern. Wir haben eine junge Kommunikationswissenschaftlerin und begeisterte Youtube-Nutzerin um ihre Eindrücke gebeten.

Eine junge Frau mit blonden Locken sitzt an einem Schreibtisch und erzählt aus ihrem Alltag, von ihrer Liebe zu Kaffee und vom Urlaub mit Freunden. Es mag verwundern, aber die junge Frau macht dies im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie heißt Jana Highholder, ist Medizinstudentin und seit April 2018 das junge Gesicht der EKD auf der Video-Plattform Youtube. Zusätzlich zu dem Youtube-Kanal ist das Projekt auch auf Facebook und Instagram vertreten.

Der neue Ansatz: „Influcencermarketing“

Knapp sechs Stunden pro Tag sind unter 30-Jährige durchschnittlich online. Dies zeigen die Ergebnisse der neusten Onlinestudie von ARD und ZDF. Deswegen muss Kirche auch im digitalen Raum präsent sein, vor allem, wenn sie Jugendliche und junge Erwachsene erreichen möchte.

Für das Projekt „Jana“ kooperiert das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej).  Für die Umsetzung wurde die Kölner Firma Mediakraft Networks beauftragt. Sie ist auf die Planung und Betreuung von Markenkanälen und das sogenannte Influencermarketing spezialisiert, also die Werbung durch bekannte Internetpersönlichkeiten. Bei der Planung der Videos ist neben Highholder und der Firma Mediakraft Networks auch der Theologe Dr. Thomas Dörken-Kucharz beteiligt. Er nimmt die geschnittene Fassung auch ab.

Lebens- und Glaubensthemen im Gespräch

Jana Highholder war bisher vor allem als christliche Poetryslammerin bekannt. Poetryslams sind Veranstaltungen, bei denen, meist junge Menschen, selbst geschriebene Gedichte vortragen und damit gegeneinander antreten. In ihren Videotagebüchern für die EKD, den sogenannten Vlogs, gibt Higholder Einblicke in ihren Alltag zwischen Vorlesungen, Auftritten als Poetryslammerin und Zeit mit Freunden und Familie. Man sieht sie, wie sie am Schreibtisch sitzt, mit Freunden Kaffee trinkt oder betet. Außerdem gibt es noch das Format „Wir“, in dem sie in einem Studio Fragen beantwortet, die meist mehr oder weniger mit ihrem Glauben zu tun haben, oder jemanden interviewt.

Im dritten Format „Kaffeedate mit Jana“, spricht Higholder fremde Menschen auf der Straße an und fragt sie, ob sie Lust haben, mit ihr einen Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Mit ihnen spricht sie darüber, was ihnen im Leben wichtig ist, und fragt ihre Gesprächspartner am Ende des Gespräches, an was sie glauben.

Resonanz in den Medien

Zum Start des Projekts war das Medienecho groß. So berichtete unter anderem die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel „Gottes Influencerin“ über den Start des Projekts. Johanna Kügler kritisiert in einem Artikel für die taz, dass der in den Videos gezeigte Alltag von Jana oft wenig mit der Lebensrealität von Jugendlichen zu tun habe. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Lisa Ludwig, die für das Online-Magazin Vice schreibt. Sie kritisiert, dass die Zuschauer kaum mitbekommen, was Jana wirklich persönlich beschäftigt.

Auch in kirchlichen Kreisen wurde kritisiert, dass es dem Projekt „Jana“ an Authentizität fehle. Die theologische Prägung der Videos wird ebenfalls kritisiert. Und dass mit Jana Highholder eine Freikirchlerin Werbung für die EKD macht, ist schon etwas außergewöhnlich.

Für einen christlichen Kanal ist die Reichweite beachtlich

War die Reichweite von „Jana“ in den ersten Monaten noch ziemlich gering, so ist sie jetzt mit mehr als 3.800 Abonnenten und insgesamt über 138.000 Videoaufrufen für einen deutschsprachigen Youtube-Kanal relativ hoch. Im Vergleich zu Dagi Bee, eine der berühmtesten deutschen Influencerinnen, die über 3,9 Millionen Abonnenten hat, ist der Kanal allerdings eher unbedeutend. Vergleicht man ihn aber mit „Stay on fire“, einem bekannten deutschen evangelikalen Youtube-Kanal, der sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und etwas über 37.000 Aufrufe hat, wird deutlich, dass 138.000 Aufrufe in sechs Monate für einen deutschsprachigen Kanal mit christlichen Inhalten als sehr erfolgreich angesehen werden kann. Jana Higholder ist noch keine berühmte Influencerin geworden und wird es wahrscheinlich auch nicht werden. Aber trotzdem kann man sagen, dass das Projekt Jana schon viele Menschen erreicht hat.

Einblicke in den Alltag einer überzeugten Christin

Wie sieht es aber mit den Inhalten aus? Da gibt es, die sogenannten Vlogs, also die Videos in denen Jana zeigt, was sie an einem Tag oder innerhalb von einer Woche so macht. Auch wenn dieses Format inhaltlich oft wenig abwechslungsreich ist, sind Vlogs ein beliebtes Videoformat auf Youtube. Wer gerne Vlogs sehen möchte, kann zwischen zehntausenden deutschsprachigen Youtube-Kanälen wählen. Darunter gibt es auch einige Kanäle, in denen Einblicke in den Alltag Medizinstudierender gewährt werden.

Wer sich dennoch gezielt dazu entscheidet, Janas Videos zu schauen, macht dies vermutlich, weil er oder sie gerade Interesse daran hat, dass es eben eine Christin ist, die hier einen Einblick in ihren Alltag gibt und über ihren Glauben spricht. Deswegen könnten die Videos auch stärker auf theologische Fragen eingehen. Dafür spricht auch, dass viele Videos, bei denen der Videotitel darauf hinweist, dass es darin um das Thema Glauben geht, zu den besonders beliebten Videos auf dem Kanal „Jana“ gehören.

Theologisch eher oberflächlich

In dem Format „Wir“, das für eben diese theologische Fragen da zu sein scheint, geht Jana oft eher oberflächlich auf solche Fragen ein. Man bekommt das Gefühl vermittelt, dass es wohl nicht schaden kann, an Gott zu glauben, aber viel mehr oft auch nicht. Ein Kanal, der im Auftrag der EKD betrieben wird, sollte aber höhere theologische Ansprüche haben. Vor allem, da dem Projekt „Jana“ bisher auch im christlichen Bereich ein Alleinstellungsmerkmal fehlt. Zum Beispiel gibt es den Kanal von Hannah Löwenherz, einer 18-jährigen, jungen Christin, die ebenfalls Vlogs und Videos zu Glaubensfragen veröffentlicht. Solche Kanäle erreichen hauptsächlich Menschen, die sich mit dem christlichen Glauben schon beschäftigen.

Das Interesse an Glaubensfragen reicht weiter

Es gibt aber auch einige Youtuberinnen und Youtuber, die andere Hauptthemen haben, aber auf ihrem Kanal auch über ihren Glauben sprechen, wie zum Beispiel Annabel Gomes und Ceddotalk. Wenn man mit ihnen kooperieren würde, hätte dies sicherlich großes Potential, da sie einen hohen Bekanntheitsgrad haben und auch viele erreichen, die bisher kein Interesse an Glaubensfragen haben. Denn die Videos von solchen bekannten Youtubern schauen nicht selten mehr als einhunderttausend Menschen.

Klar ist, dass das Projekt „Jana“ nur ein Anfang sein kann, denn wenn Kirche bei den Menschen sein möchte, muss sie auch auf Youtube, Instagram, Facebook, Twitter und Co gut vertreten sein. Und vielleicht punktet das nächste Projekt ja mit etwas mehr Tiefgang, Theologie und weniger Angst vor heiklen Themen. Denn die jungen Menschen sind offen für Sinnfragen und für nicht immer einfache Antworten.

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