Selig sind die Gewaltlosen Pazifismus-Konzepte von Bertha von Suttner bis zu christlichem Pazifismus heute

Pazifismus ist nicht gleich Pazifismus. Seit dem Aufkommen des Begriffs vor hundert Jahren verbinden sich damit z.T. durchaus unterschiedliche Konzepte. Diese Differenzen reichen bis in die aktuelle friedenspolitische Diskussion. Wodurch zeichnen sich die wichtigsten Strömungen aus? Und wie ist der christliche Pazifismus in diesem Kontext zu verorten?

Friedensdemonstrationen geben meistens ein buntes Bild ab: Regenbogenfahnen wehen neben Gewerkschaftstransparenten, Demonstrierende tragen rote oder grüne (und manchmal auch andere) Parteiabzeichen, Kirchentagsschals leuchten in unterschiedlichsten Farben. So vielfältig wie dieses Bild sind – bei aller Gemeinsamkeit in bestimmten Kernzielen – auch die Gründe für das jeweilige friedenspolitische Engagement. Selbst unter einem gemeinsamen Begriff wie „Pazifismus“ verstehen die Beteiligten teilweise ganz Unterschiedliches.

Diese Unterschiede zeigen sich auch in der aktuellen friedenspolitischen Diskussion um Waffenlieferungen oder Kampfeinsätze gegen den „Islamischen Staat“: Was die einen ihren ehemaligen Gefährten aus der Friedensbewegung als Verrat an der gemeinsamen Sache vorwerfen, ist für die anderen nur eine neue Konsequenz aus genau den Grundüberzeugungen, die sie vor dreißig Jahren auch an Friedensdemos und Menschenketten teilnehmen ließ.

Ein Blick zurück in die Geschichte des Pazifismus und der ihn prägenden Bewegungen zeigt, dass diese Ambivalenzen keineswegs neu sind, sondern den Begriff seit über hundert Jahren bestimmen.

1. Rechts-Pazifismus – die Anfänge der Friedensbewegung im 19. Jahrhundert

Die europäische Friedensbewegung hat ihre Wurzeln in den so genannten „Friedensgesellschaften“, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkamen. Träger und Mitglieder dieser Friedensgesellschaften waren Menschen aus dem aufstrebenden, liberalen Bürgertum. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bewegung und gewann mit den ersten großen Friedenskongressen in London (1843), Brüssel (1849), Paris (1849) und Frankfurt (1850) öffentlich an Aufmerksamkeit.

Bertha von Suttner steht als Gründerin der Österreichischen Friedensgesellschaft (1891) und der Deutschen Friedensgesellschaft (1892) für den Geist dieser Bewegung. Ihre Mitstreiter waren meist bürgerliche Freidenker. Im Unterschied zu den anglo-amerikanischen Friedensgesellschaften spielten christliche Beweggründe bei ihnen kaum eine Rolle. Vielmehr sah man sich v.a. als eine freisinnige Gemeinschaft, z.T. sogar als eine Art liberaler Club. Das Foto führender Mitglieder der Deutschen Friedensgesellschaft auf dem Weltfriedenskongress 1907 in München vermittelt einen guten Eindruck von der zutiefst bürgerlichen Prägung dieser Bewegung, die sich v.a. aus Industriellen, Kaufleuten, Bankiers, Anwälten, Beamten, Professoren und Pastoren rekrutierte und über reiche Mäzene finanzierte.

Arbeitsweise, Ziele und Pazifismus-Begriff der Friedensgesellschaften

Wichtigstes politisches Mittel der Friedensgesellschaften waren Eingaben, mit denen sie ihren Vorschlägen und Forderungen bei den jeweiligen Regierungen Gehör zu verschaffen suchten. Sie agierten also als eine Art friedenspolitische Lobby-Organisation, hatten aber keine Massenbasis. Auch mit Vorträgen, Zeitschriften und Kongressen erreichten sie immer nur eine relativ kleine Öffentlichkeit. Im Unterschied zur Breitenwirkung, die Bertha von Suttner mit ihrem Roman Die Waffen nieder! (1889) erzielt hatte, konnte sie über die Friedensgesellschaften deshalb auch kaum Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen.

Programmatisch ging es der Bewegung vor allem darum, künftige Kriege durch die Schaffung eines verbindlichen Völkerrechts und einer überstaatlichen Gerichtsbarkeit zu vermeiden. Der Begriff „Pazifismus“ selbst kam auf dem Friedenskongress 1901 in Glasgow auf und geht ursprünglich auf den Franzosen J. B. Richard de Radonvilliers zurück. Er sollte die Bezeichnung „Friedensfreund“ ersetzen und die „Gesamtheit individueller und kollektiver Bestrebungen bezeichnen, die eine Politik friedlicher, gewaltfreier zwischenstaatlicher Konfliktaustragung propagieren und den Endzustand einer friedlich organisierten, auf Recht gegründeten Staaten- und Völkergemeinschaft zum Ziel haben“ (Karl Holl).

Die Friedensgesellschaften vertraten also eine Form des „Rechts-Pazifismus“, der den Frieden durch internationale Instrumente der friedlichen Konfliktlösung sichern will.

Die Friedensgesellschaften vertraten also eine Form des „Rechts-Pazifismus“, der den Frieden durch internationale Instrumente der friedlichen Konfliktlösung sichern will. Gleichzeitig wurde der Ausweitung des internationalen Handels friedensfördernde Wirkung zugeschrieben und eine allgemeine Abrüstung gefordert. Eine grundsätzliche Ablehnung militärischer Gewalt war aber mit alledem nicht verbunden. Das Recht von Staaten, sich im Falle eines Angriffs auch militärisch zu verteidigen, stand ebenso wenig in Frage wie die Legitimität von Befreiungskriegen gegen ausländische Besatzer.

Teilerfolge der Bewegung und die Katastrophe des Ersten Weltkriegs

Einen Teilerfolg konnte die internationale Friedensbewegung 1899 auf der ersten Haager Friedenskonferenz erringen, an der insgesamt 26 Staaten teilnahmen und auf der auch Delegierte der Deutschen Friedensgesellschaft vertreten waren. Dort wurde ein Abkommen zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle abgeschlossen. Auf der Folgekonferenz 1907 wurde ein umfassendes Programm zur Friedenssicherung und zu Verhaltensregeln im Konfliktfall erarbeitet. Die Umsetzung mit Einrichtung einer obligatorischen internationalen Schiedsgerichtsbarkeit scheiterte jedoch an der deutschen Ablehnung, der sich auch Österreich-Ungarn und die Türkei anschlossen. Mit dem Wachsen imperialistischer Strömungen verloren die Friedensgesellschaften in den Folgejahren rasch wieder den vorübergehend gewonnenen Einfluss, und mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zerschlugen sich die Hoffnungen auf einen dauerhaften Erfolg ganz.

Trotzdem hat der von den Friedensgesellschaften vertretene Rechts-Pazifismus sehr nachhaltig gewirkt: Mit der Gründung des Völkerbunds, dem Deutschland 1926 beitrat, wurde nach dem Ersten Weltkrieg der Vorschlag eines Staatenverbands zur Friedenssicherung wieder aufgenommen und umgesetzt. Bis in unsere Tage ist diese Tradition mit den Vereinten Nationen und deren völkerrechtlichen Institutionen, u.a. dem Ständigen Schiedshof und dem Internationalen Gerichtshof, lebendig und wirksam, wenn auch noch weiter ausbaufähig.

2. Radikaler Pazifismus – die Entwicklungen der Zwischenkriegszeit

Wüsste Bertha von Suttner, was aus ihren pazifistischen Impulsen im Verlauf des 20. Jahrhunderts geworden ist, wäre sie vermutlich froh und stolz. Anders sieht es für eine Strömung des Pazifismus aus, der sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls aus den Wurzeln der Vorkriegszeit entwickelte: Für die Vertreter des so genannten „radikalen Pazifismus“ hatten sich die Ansätze der Friedensgesellschaften aus dem 19. Jahrhundert durch die Schreckenserfahrungen des Weltkriegs als völlig unzureichend erwiesen. Ihr Pazifismus ist nicht in erster Linie durch rechtliche Konzepte, sondern v.a. durch einen fundamentalen Antimilitarismus geprägt. Im Zentrum stehen Kriegsdienstverweigerung, Abrüstung, Abschaffung der Wehrpflicht und die Auflösung aller Armeen. Es geht darum, einem Krieg für alle Zukunft die Voraussetzungen zu entziehen, und zwar nicht durch Appelle und Resolutionen, sondern durch aktiven Widerstand.

Der radikale Pazifismus ist nicht in erster Linie durch rechtliche Konzepte, sondern v.a. durch einen fundamentalen Antimilitarismus geprägt.

Der radikale Pazifismus als Massenbewegung

Im Unterschied zur Friedensbewegung im 19. Jahrhundert wird der radikale Pazifismus eine Massenbewegung. Sie geht von ehemaligen Weltkriegssoldaten aus, die sich 1919 im „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ zusammenschließen. Die bekanntesten unter ihnen sind Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky. Der Friedensbund initiiert auch die „Nie-wieder-Krieg-Bewegung“, die in den frühen zwanziger Jahren zu den jährlichen Antikriegstagen gemeinsam mit anderen Friedensorganisationen, Gewerkschaften und Parteien bis zu 500.000 Menschen auf die Straße bringt. Diese Friedensbewegung ist, anders als die Friedensgesellschaften, nicht mehr eine Angelegenheit des Bürgertums, sondern der Arbeiterbewegung. Aber auch viele Künstler und Schriftsteller wie Käthe Kollwitz, Otto Dix oder Erich Kästner schließen sich an.

Dieser Pazifismus nimmt auch anarchische Strömungen des 19. Jahrhunderts auf, bei denen die Ablehnung von Herrschaft und Staat zur Auflehnung gegen Militarismus und Krieg führten. Mit Widerstandsmethoden wie Streik, Blockaden, Besetzungen oder Sabotageakten wendeten sich führende Anarchopazifisten wie Gustav Landauer und Erich Mühsam unter dem Motto „Krieg dem Kriege“ gegen den militärischen Komplex, wobei Gewalt gegen Menschen ausdrücklich ausgeschlossen war.

Zersplitterung und Schwächung der pazifistischen Bewegung

Mitte der zwanziger Jahre kommt es in links orientierten Gruppen zu einer weiteren Radikalisierung. Rund um den Schriftsteller und Aktivisten Kurt Hiller gründet sich 1926 die „Gruppe Revolutionärer Pazifisten“. Sie sehen im Sozialismus die notwendige Voraussetzung für einen Siegeszug des Pazifismus und treten deshalb für den politischen Umsturz auch unter Einsatz von Gewalt ein („militanter Pazifismus“). Ein gewaltloser Pazifismus könne allenfalls einen „Endzielzustand“ beschreiben, aber tauge nicht für den Weg dorthin.

Gegen Ende der zwanziger Jahre führt die zunehmende Radikalisierung zu einer Zersplitterung und gesellschaftlichen Isolierung der Friedensbewegung. Zugleich verschärfen sich die Repressalien gegen führende Pazifisten. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus wird die pazifistische Bewegung vollends geschwächt und in die Illegalität gedrängt. Hitler bezeichnet den Pazifismus in Mein Kampf 1924 als „Humanitätsduselei“. Mit der Machtübernahme der NSDAP werden die Führungspersonen zunehmend Opfer von Verfolgung. Sie werden umgebracht oder in KZs inhaftiert, andere können sich ins Exil retten.

3. Absoluter und relativer Pazifismus – Entwicklungen nach 1945

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Haltung vieler Menschen zunächst vom Grundsatz „Nie wieder Krieg“ bestimmt. Schon in der Frage der Wiederbewaffnung konnten sich die antimilitaristischen Tendenzen aber nicht durchsetzen. In der Folge richtete sich pazifistischer Protest v.a. gegen die atomare Aufrüstung („Kampf dem Atomtod“), einzelne Kriege (z.B. Vietnam-Krieg) und die Stationierung von Waffensystemen (z.B. atomare Mittelstreckenraketen).

Während der absolute Pazifismus Krieg und militärische Gewalt prinzipiell ablehnt, sind für den relativen Pazifismus die Umstände im konkreten Fall entscheidend.

Systematisch lässt sich nach 1945 vor allem der „absolute“ Pazifismus vom „relativen“ Pazifismus unterscheiden (andere Begriffspaare für diese Unterscheidung lauten „kategorisch vs. konditional“ oder „prinzipiell vs. pragmatisch“). Während Vertreter des absoluten Pazifismus Krieg und militärische Gewalt prinzipiell ablehnen, sind für den relativen Pazifismus die Umstände im konkreten Fall entscheidend – eine pazifistische Position wird z.B. nur dann bezogen, wenn durch militärische Maßnahmen die Gefahr eines Welt- oder Nuklearkriegs heraufbeschworen wird. Der absolute Pazifismus argumentiert v.a. damit, dass der Zweck nicht die Mittel heilige und kriegerische Gewalt grundsätzlich ungeeignet zur Lösung von politischen Konflikten sei. Dem halten Vertreter des relativen Pazifismus entgegen, dass der Einsatz militärischer Gewalt in bestimmten Fällen durchaus legitim und geboten sei, wenn dadurch z.B. ein Völkermord verhindert oder ein Aggressor gestoppt werden könne.

4. Christlicher Pazifismus

Christlicher Pazifismus wird oft zwangsläufig als absoluter Pazifismus verstanden, da ihm eine grundsätzliche Ablehnung von Gewalt zugrunde liege. Wichtigste biblische Grundlage dafür ist die Bergpredigt (Matthäus 5–7). Dabei wird die Seligpreisung für die von Luther so genannten „Sanftmütigen“ (Mt 5,5) heute vielfach als Seligpreisung der Gewaltlosen verstanden und übersetzt (Einheitsübersetzung, Zürcher Bibel, Gute Nachricht Bibel). Mit dem Wort: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ ruft Jesus seine Jünger in Mt 5,38 explizit zum Gewaltverzicht auf. Er selbst hat diese Haltung nach dem Vorbild des Gottesknechts aus dem Jesaja-Buch bis zu seinem Tod am Kreuz vorgelebt. Im Glauben an die in Christus geschehene Rettung wissen sich Christen berufen und befähigt, dem in ihrem Leben nachzufolgen.

Gewaltfreiheit als Gebot für Menschen in der Nachfolge Jesu

Allerdings hat Jesus die Existenz und den Einsatz von Militär nicht prinzipiell in Frage gestellt. Er wendet sich mit seiner Aufforderung und Ermutigung vielmehr gezielt an die Menschen in seiner Nachfolge. Sie können sich als Jünger/innen Jesu und im Vertrauen auf Gott anders verhalten als die meisten übrigen Menschen. Sie sind aufgerufen, durch ihr Verhalten die Liebe Gottes zu verkündigen und zumindest zeichenhaft das Reich Gottes schon jetzt in dieser Welt aufscheinen zu lassen. Dies kann jedoch, wie das Beispiel Jesu selbst zeigt, mit hohem Risiko für das eigene Leben verbunden sein. Christinnen und Christen können dieses Risiko bewusst eingehen, weil sie sich auch dabei in der Hand Gottes geborgen wissen.

Schwierig und teilweise sogar zynisch droht es zu werden, wenn aus dieser Selbstverpflichtung eine Forderung gegenüber anderen entsteht, die diese Glaubensgrundlage möglicherweise gar nicht teilen, wenn also z.B. anderen auf diesem Hintergrund prinzipiell das Recht auf Selbstverteidigung oder zur militärischen Nothilfe gegenüber einem Aggressor abgesprochen wird. Denn dies übersieht, dass es beim eschatologisch motivierten Aufruf Jesu zur Gewaltfreiheit nicht um eine beliebig verallgemeinerbare ethische Maxime, sondern um einen Aspekt der christlichen Existenz geht. So anerkennens- und ehrenwert es also ist, wenn Christinnen und Christen auf die Anwendung von (Gegen-)Gewalt verzichten und Konsequenzen an Leib und Leben dabei für sich in Kauf nehmen, so wenig können sie diese Entscheidung prinzipiell für andere oder gar für alle treffen. Als Christen ist uns denn auch nicht in erster Linie die Predigt der absoluten Gewaltfreiheit aufgegeben, sondern die Predigt der absoluten Liebe Gottes in Jesus Christus, durch die andere Menschen ebenfalls zu einem Leben in der Nachfolge Jesu mit den entsprechenden Konsequenzen eingeladen werden.

Ein absoluter politischer Pazifismus lässt sich aus dem christlichen Grundsatz der Gewaltfreiheit schwerlich ableiten.

Relativer politischer vs. absoluter persönlicher Pazifismus

Ein absoluter politischer Pazifismus, mit dem der Einsatz von Militär grundsätzlich und unter allen Umständen ausgeschlossen wird, lässt sich aus dem christlichen Grundsatz der Gewaltfreiheit also schwerlich ableiten. Konkret gesprochen heißt das: Christinnen und Christen in Deutschland sollten politische Entscheidungen für militärische Aktionen gegen den Vormarsch des IS in Irak und Syrien nicht einfach mit dem Hinweis auf das jesuanische Gebot der Gewaltfreiheit ablehnen, wenn sie nicht naiv oder überheblich erscheinen wollen. Dies liegt nicht etwa daran, dass dem IS mit gewaltfreiem Handeln nicht beizukommen wäre (dies ist eine Diskussion, die an anderer Stelle zu führen wäre), sondern schlicht daran, dass ja nicht sie die Konsequenzen der geforderten gewaltfreien Haltung an Leib und Leben zu tragen hätten, sondern die Opfer der IS-Gewalt vor Ort.

Gleichwohl kann es durchaus gute Gründe geben, sich auch als Christ/in gegen militärische Gewalt in der aktuellen Situation auszusprechen und einzusetzen. Ausschlaggebend dafür sollte allerdings die Abschätzung sein, inwieweit militärische Aktionen im konkreten Fall dazu beitragen können, das Leid der Menschen im Kriegsgebiet zu begrenzen und zu einem möglichst raschen und dauerhaften Ende der Kampfhandlungen beizutragen. Gleichzeitig ist zu klären, ob es andere, nicht-militärische Handlungsoptionen gibt, die erfolgversprechend(er) sind. Die Entscheidung fällt hier also nicht mehr auf der Basis von kategorischen Imperativen, sondern auf der Grundlage einer pragmatischen Einschätzung über die Zweckdienlichkeit militärischer oder anderer Mittel und sollte auch entsprechend begründet werden. Ein solch relativer Pazifismus ist für Christinnen und Christen in politischen Entscheidungssituationen eine verantwortungsvolle, evangeliumsgemäße Haltung, auch wenn sie sich im persönlichen Handeln zu einem absoluten Pazifismus aufgerufen wissen.

Bibliographische Angaben

Karl Holl: Pazifismus. In: Otto Brunner (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 4. Stuttgart 1978, S. 767–787; Barbara Bleisch, Jean-Daniel Strub (Hg.): Pazifismus. Ideengeschichte, Theorie und Praxis. Bern 2006.

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