Wenn pazifistische Ansichten verhöhnt werden Der Streit um Margot Käßmanns Thesen

An Margot Käßmann scheiden sich die Geister. In der deutschen Öffentlichkeit hat sie eine Debatte über Pazifismus losgetreten, die in ihrer Vehemenz aufhorchen lässt. Dabei können ihre Thesen auch als konstruktive Anstöße für die Friedensdebatte genutzt werden.

Ungewöhnlich ist die Wucht der Ablehnung, die Häme, ja, die Wut, die der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und jetzigen Beauftragten der EKD für das Reformationsjubiläum entgegenschlägt. Was hat die Theologin gesagt? Sie hat zum einen den Wunsch nach Abschaffung der Bundeswehr geäußert: „Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica“. Die ehemalige Bischöfin ist auch der Auffassung, dass Krieg niemals gerecht sein könne. Dazu zählt sie auch den Kampf der Alliierten gegen das Nazi-Regime. Käßmann ist der Ansicht, dass es Aufgabe der Religionen sei, zum Frieden aufzurufen. In diesem Zusammenhang hat sie sich auch gegen Waffenlieferungen in den Nordirak ausgesprochen, womit sie in der Kirche übrigens nicht allein ist. Gegen Waffenlieferungen hat sich auch der Friedensbeauftragte der EKD Renke Brahms (Bremen) gewandt.

Pazifismus als individuelle Haltung

Es war durchaus zu erwarten, dass sich gegen Käßmanns so genannten Radikalpazifismus Widerspruch erhebt. Ihr Vorgänger im Amt als Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, widerspricht Käßmann vehement. Er tritt für Waffenlieferungen in den Nordirak ein: „Aus Gründen der christlichen Friedensethik ist es nach meiner festen Überzeugung ausgeschlossen, auf das Terrorregime der IS-Milizen im Irak mit Untätigkeit zu reagieren“, sagte er. Man müsse vielmehr das Leben und die elementaren Rechte der Betroffenen schützen. Der Gewalt kann seiner Ansicht nach nur mit Gegengewalt Einhalt geboten werden. Nicht nur das kategorische Nein Käßmanns gegen deutsche Rüstungsexporte hält Huber für falsch, sondern auch den Vergleich mit Costa Rica. Deutschland hätte ohne Bundeswehr keine Chance, Hilfe für bedrängte Menschen militärisch abzusichern: „Wir können nicht die Verantwortung für Frieden und Menschenrechte ganz oben auf unsere kirchliche Agenda setzen und dasselbe von der Politik verlangen, aber gleichzeitig außer Acht lassen, wie humanitäres Handeln überhaupt möglich wird“, so der 72-Jährige.

Käßmanns Haltung lässt Huber in einem persönlichen Rahmen durchaus gelten. Er sagt, dass jeder Christ das gute Recht und gegebenenfalls auch starke Gründe habe, für sich einen individuellen Pazifismus zu vertreten. Von der Politik müsse man aber einen „Verantwortungspazifismus“ erwarten, bei dem es auch darum gehe, andere Menschen vor Gewalt zu bewahren.

Militäreinsätze als letztes Mittel der Politik

Interessanterweise fügt sich die Debatte um Käßmanns Pazifismus in einen größeren Zusammenhang um Deutschlands Verantwortung in der Welt. Diese müsse die Bundesrepublik stärker wahrnehmen, hatte Bundespräsident Joachim Gauck betont und Militäreinsätze als letztes Mittel der Politik dabei nicht ausgeschlossen. Gemeinsam mit 67 ostdeutschen Pfarrern hatte Käßmann diese Positionierung kritisiert und damit massiven Widerspruch ausgelöst, unter anderem von ihrem Nachfolger im Amt des Ratsvorsitzenden, Nikolaus Schneider, der Gauck verteidigte. Nach Schneiders Ansicht kann ein Militäreinsatz gerechtfertigt sein, wenn dadurch massive gewalttätige Auseinandersetzungen gestoppt werden. Er verwies auf eigene Eindrücke aus dem Südsudan: „Wenn man die Lage in einem solchen Land erlebt, dann begreift man, dass es so etwas wie ein Wüten des Bösen und der Gewalt gibt – und dass man auch militärische Kraft braucht, um für einen Raum zu sorgen, in dem sich anderes entwickeln kann“.

Käßmann hatte kurz nach dem 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie gesagt, dass es „einen gerechten Krieg nicht geben kann“. Dies hält der Wiener Theologe Ulrich Körtner für ein moralisches Fehlurteil: „Wer aber bloß die Rhetorik des gerechten Friedens bemüht, handelt nicht nur politisch unverantwortlich, sondern gerät auch theologisch ins Abseits“. Mit ihren Äußerungen stelle Käßmann die ethische Rechtmäßigkeit des Krieges gegen Hitler infrage, kritisiert Körtner. Er verweist darauf, dass sich die Theologin immer wieder auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 berufe. Diese biete jedoch für eine radikalpazifistische Lesart keinen Anhaltspunkt, so Körtner. Die EKD stelle zwar klar, dass man mit militärischen Mitteln keinen Frieden gewinnen könne. Ebenso deutlich sei darin aber auch vom militärischen Einsatz zur Erhaltung oder Wiederherstellung des Rechts die Rede.

Die Friedensdebatte wird in den Kirchen seit dem Zweiten Weltkrieg intensiv geführt. Deshalb sind die Argumente auf beiden Seiten hinlänglich bekannt. Auffallend ist an der jetzigen Diskussion um Käßmanns Thesen die Art der Kritik. Diese geht bis zur persönlichen Desavouierung, Dämonisierung und Diffamierung der Theologin. So wurde die Anti-Kriegspolemik der „Pastorin Margot Käßmann auf dem Kirchentag in Dresden als banal und falsch“ kritisiert. Dort hatte Käßmann nach dem tragischen Bombardement von zwei Tanklastwagen in Afghanistan gesagt, man solle beten mit den Taliban, statt sie zu bombardieren. Käßmann wird vorgeworfen, dass sie auf Demagogie setze, und das „mit frommem Augenaufschlag“. Anlässlich ihrer Pazifismus-Äußerungen wird ihr „vor Selbstgerechtigkeit triefende Hybris“ vorgeworfen, wie dies der Militärpfarrer von Speyer, Ulrich Kronenberg, tat. Beschworen werden „die Kollateralschäden der Gesinnungsethik“: Genozid, Mord, Leid und Elend. Ihre Ansichten werden als naiver Kinderglaube der Lächerlichkeit preisgegeben.

Generalabrechnung mit der Theologin

Es fällt auf, wie in den Kritiken durchweg die sachliche Ebene mit der persönlichen vermischt wird. In der Rückschau wirkt dies wie ein Kreuzzug gegen die Theologin, um diese aus jeglicher ernsthaften Debatte auszuschließen. Käßmann soll dadurch zur persona non grata gestempelt werden. Und da ist es nur folgerichtig, dass die Kritik auch auf die möglichen Sympathisanten Käßmanns ausgedehnt wird.

In Spiegel-online kommt Jan Fleischhauer in seiner Kolumne zu dem Schluss, die Theologin stehe mit ihrem „Costa-Rica-Pazifismus“ in der Mitte der Gesellschaft. In Käßmanns „Sehnsucht nach einem Land ohne Armee“ sieht Fleischmann das Ergebnis von 69 Jahren fortgesetztem Frieden, der nicht nur satt und glücklich, sondern auch „furchtbar provinziell“ machen könne. Käßmann attestiert er eine „fröhliche Unempfindlichkeit“ für die moralischen Dilemmata des Gewaltverzichts. Geblieben sei statt eines Verständnisses des Teuflischen nur die Verteufelung von allem, was schieße. Fleischhauer macht hier eine Generalabrechnung: „Hinter der deutschen Friedensliebe stand immer die Vorstellung, dass jeder Mensch auf den rechten Weg zurückgebracht werden könne, man müsse ihm nur gut zureden. Aber der Gewalttäter im eigentlichen Sinn will nicht verhandeln“. Ihm sei jedes Mittel recht, um die Demütigung und Vernichtung der Opfer zu erreichen. Ein Kommentar im Tagesspiegel geht noch weiter. Margot Käßmann predige Pazifismus und verhöhne damit das „UN-Prinzip der Schutzverantwortung“. Das „Prinzip Käßmann“ wird rundweg abgelehnt.

Kritik an Käßmanns Thesen mag durchaus berechtigt sein. Aber diese wütenden Attacken sind bedrückend, vor allem wenn man auf die Geschichte des Pazifismus in Deutschland im 20. Jahrhundert zurückblickt. Da sind Pazifisten immer wieder verleumdet worden. Diese unselige Tradition wurde im Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben. In der Nazi-Doktrin kulminierte die aus traditionellen, konservativen und rechtsradikalen Ideologie-Elementen gebündelte Pazifismuskritik in einer totalen Verneinung des Pazifisten, wie Karl Holl schreibt. Wichtige Vertreter der deutschen Friedensbewegung mussten ins Exil gehen. Kriegsdienstverweigerern wurde die Todesstrafe angedroht. Zahlreiche Pazifisten wurden inhaftiert und in Konzentrationslagern interniert, wie Carl von Ossietzky, dem angesichts seiner Leiden 1935 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde (vgl. den Beitrag von Bertram Salzmann in diesem Heft).

Konstruktiver Umgang mit Käßmanns Anstößen

Angesichts dieser schlimmen Vergangenheit sollte im Blick auf die Verdammung von pazifistischen Positionen Vorsicht angebracht sein. Mit Käßmanns Anstößen könnte man durchaus anders umgehen, selbst wenn man sie nicht teilt. Man kann sie auch als konstruktive Kritik annehmen, die Anlass gibt, um neue Wege zu eröffnen, sich aus den eigenen Dilemmata und den eigenen Denkwelten zu befreien und die eigenen Positionen weiter zu entwickeln. Denn die Mehrheit der kirchlichen Vertreter ist sich einig darin, dass Krieg nicht das geeignete Mittel ist, um dauerhaften Frieden zu schaffen. Er wird in der konkreten Situation als notwendiges Übel angesehen.

Deshalb lohnt es sich, Käßmanns Radikalkritik als Ausgangspunkt zu nehmen, um an die Friedensinitiativen und besonders auch an die kirchliche Friedensdebatte anzuknüpfen. Diese ist ja angesichts der nuklearen Bedrohung nach dem Zweiten Weltkrieg von der Anti-Atombewegung in eine Bewegung zur generellen militärischen Abrüstung übergegangen. Gerade in den letzten Jahren sind in den Landeskirchen Gruppierungen auf stärkere Resonanz der Kirchenleitungen gestoßen, die sich für die Konversion von Rüstungsbetrieben einsetzen und den Waffenexport Deutschlands ablehnen. Diese Schritte sind aber weitestgehend im Verborgenen geschehen. Noch häufig ist dieses Thema in den Kirchen zu brisant, um öffentlich verhandelt zu werden.

Im Blick auf die Friedensdebatte sind durchaus interessante Fortschritte zu verzeichnen. Zum Beispiel hat die Evangelische Landeskirche in Baden ein Positionspapier zur Friedensethik erarbeitet, das Wege aufzeigt zu einer friedlicheren Welt (vgl. den Beitrag von Karen Hinrichs in diesem Heft). Es wird hier auf die biblischen Grundlagen verwiesen: „Überwinde das Böse mit dem Guten“, heißt es zum Beispiel im Römerbrief. Jesus ruft in der Bergpredigt zur aktiven Gewaltfreiheit auf. Er preist die Friedensstifter selig und warnt bei seiner Festnahme vor dem Gebrauch militärischer Gewalt.

Konzept des gerechten Friedens

Grundsätzlich ist in den Kirchen eine Abkehr vom Konzept des gerechten Krieges erfolgt. Vielmehr ist heute das Konzept des gerechten Friedens zur Grundlage der christlichen Friedensethik geworden. Man solle auf gewaltfreie Konzepte und Instrumente der Krisenprävention setzen, heißt es auch bei den kirchlichen Hilfswerken. Die Lösung zentraler ökologischer, sozialer, ökonomischer und friedenspolitischer Probleme sei die Voraussetzung für eine friedliche Zukunft.

Auch im Positionspapier der Evangelischen Landeskirche in Baden werden ganz konkrete Ansätze genannt, um Wege zu einer friedlichen Welt zu eröffnen. Diese Ansätze müssen weiterentwickelt werden, anstatt in den Dilemmata aktueller Krisen gefangen zu bleiben. Diese Kriege und Krisen haben politische, soziale, ökonomische und ökologische Ursachen, die man gemeinsam angehen muss. Dieser Forderung gegenüber verschließt aber die Mehrheit die Augen. Erst wenn sich hier neue Denkansätze durchsetzen, gewinnt die Friedensdebatte in den Kirchen auch breiteren Raum und wirkt in die Öffentlichkeit hinein.

Es ist traurig, wie wenig Resonanz der „ökumenische Aufruf zum gerechten Frieden“ von 2011 in den deutschen Kirchen und in der deutschen Öffentlichkeit hatte. Hier wird Grundsätzliches gesagt: „Der Weg des gerechten Friedens unterscheidet sich grundlegend vom Konzept des gerechten Krieges und umfasst viel mehr als den Schutz von Menschen vor ungerechtem Einsatz und Gewalt; außer Waffen zum Schweigen zu bringen, schließt er soziale Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenrechte und Sicherheit für alle Menschen ein“. Dieser Aufruf erscheint drei Jahre später aktueller denn je. Es geht darum, die globalen Herausforderungen ernsthaft anzugehen.

Seit längerem wird dagegen in der öffentlichen Debatte die mangelnde Akzeptanz militärischer Gewalt in der deutschen Öffentlichkeit beklagt und der „diffuse Ganzkörperpazifismus“ in der deutschen Gesellschaft vehement kritisiert. So heißt es in einem Kommentar im „Tagesspiegel“ aus dem Jahr 2012: „Statt also immer von Neuem die pazifistische Melodie zu singen wäre es klug, eine politische zu intonieren – weil eben militärische Gewalt nicht an sich schlecht, sondern nur als falsche Politik schlecht ist. Das aber setzt voraus, dass die Deutschen wieder eine Tatsache akzeptieren lernen, die Bismarck in seiner Regierungserklärung als preußischer Ministerpräsident 1862 in die berühmten Worte fasste: ‚Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut‘“. Da wird an den Eisernen Kanzler Bismarck angeknüpft, um Deutschland größeres Gewicht in der EU zu verschaffen. Und das soll durch militärische Stärke geschehen.

Rüstungsexport zum Thema machen

Aufmerksamkeit verdient im Blick auf die Debatte um Frieden und Pazifismus die 2011 gegründete Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“. Margot Käßmann ist Schirmherrin der Kampagne, die von einem sechzehn Organisationen umfassenden Trägerkreis gestützt wird. Dabei sind wichtige kirchliche Organisationen wie Brot für die Welt, Misereor, Pax Christi, die Aktion Hoffnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart oder der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Auf der Homepage heißt es: „Um zu zeigen, wo in Deutschland Waffen produziert werden, welche Manager diese Rüstungsunternehmen leiten, wem sie gehören und wer die Nutznießer sind, wurden seit 2011 zahlreiche Aktionen direkt vor Ort bei den Rüstungsfirmen durchgeführt. Dadurch wurde der Rüstungsexport auch zu einem öffentlichen Thema gemacht“. Außerdem hat Jürgen Grässlin, einer der Kampagnensprecher, mit seinem im Juni 2013 erschienen Schwarzbuch Waffenhandel tiefe Einblicke in die Rüstungsgeschäfte eröffnet.

Ganz oben auf der Agenda steht die Forderung nach einem Verbot des Kleinwaffenexports. Diese werden von den Vereinten Nationen als wahre Massenvernichtungswaffen bezeichnet, denen pro Jahr 400.000 Menschen zum Opfer fallen. Ein Kernthema der „Aktion Aufschrei“ ist die Forderung nach einem grundsätzlichen Rüstungsexportverbot. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurden rund 95.000 Unterschriften gesammelt, die am 25. Februar 2014 dem Deutschen Bundestag überreicht wurden. Auf jeden Fall soll aus der Zivilgesellschaft heraus Druck gegen die deutsche Praxis des Rüstungsexportes aufgebaut und Alternativen zur Rüstungsproduktion aufgezeigt werden. Vom Stuttgarter Bürgerprojekt AnStifter wurde die „Aktion Aufschrei“ übrigens 2012 mit dem Stuttgarter Friedenspreis ausgezeichnet.

Konflikte ohne Gewalt lösen

Argumente für den Verzicht auf Gewalt liefert eine Studie, deren Ergebnis ist, dass gewaltfreie Kampagnen sowohl erfolgreicher als auch nachhaltiger sind. Die Untersuchung von Maria J. Stephan und Erika Chenoweth, einer ausgewiesenen Terrorismusexpertin, von 2011 hat den Titel The strategic logic of conflict. Chenoweth und Stephan haben nicht nur festgestellt, dass gewaltfreie Kampagnen erfolgreicher sind, sie haben auch die Gründe und Bedingungen dafür analysiert. Dafür haben sie vier Fallbeispiele herangezogen: Iran wischen 1977 und 1979, die erste palästinensische Intifada von 1987 bis 1992, das Philippine People Power Movement von 1983 bis 1986 und noch der Aufstand von Burma von 1988 bis 1990.

Gewaltfreie Kampagnen sind laut der Studie dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, breite Bevölkerungskreise anzusprechen. Diese sollten mit unterschiedlichen Methoden Widerstand leisten, aber auch bereit sein, die politischen Repressionen des Regimes auszuhalten. Grundsätzlich erscheint es wichtig, gewaltfreie Konfliktlösungsmodelle auf allen Ebenen, vom lokalen bis zum internationalen Bereich, zu entwickeln und Wege zu einer möglichen Entmilitarisierung aufzuzeigen.

Schließlich sind die Versuche, durch militärisches Eingreifen, Konflikte zu entschärfen, gründlich fehlgeschlagen, wie Afghanistan, Irak und Libyen auf grausame Art und Weise zeigen. Sie bringen vielmehr Gewalt hervor, die wiederum durch Gegengewalt bekämpft wird. So schaukeln sich die Konflikte gegenseitig hoch. Die Spirale der Gewalt dreht sich damit immer schneller. Libyen ist zum Kampffeld der Milizen geworden, der Irak ist zum Aufmarschfeld der IS-Terroristen, die ein grenzüberschreitendes Kalifat ausgerufen haben. Es herrscht Ratlosigkeit, wie die mit aller Brutalität gegen Andersgläubige vorgehenden Kämpfer des Islamischen Staats zu stoppen sind.

Man würde gern, wie dies Bertha von Suttner vor mehr als einem Jahrhundert getan hat, auch heute laut in die Welt hineinrufen: „Die Waffen nieder“. Damals hatte die Autorin den Nerv der Gesellschaft getroffen, die heftigste Diskussionen über Militarismus und Krieg führte. Suttner beschrieb den Schrecken des Krieges aus einer persönlichen Sicht. Heute sind wir durchaus in einer vergleichbaren Position. Mütter sind verzweifelt, weil ihre Söhne in den Krieg ziehen müssen. Gewaltsame Konflikte breiten sich wie ein Flächenbrand aus. Das zeigt, wie dringlich die Debatte über eine aktive Friedenspolitik und die Möglichkeiten ihrer Umsetzung ist.

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