
Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart 2024, 272 S., 18,00 EUR
Von manchen wurde er als Heiliger mystifiziert, andere begegneten ihm mit Vorurteilen. Wer aber war der Mensch Albert Schweitzer? Alois Prinz begibt sich auf Spurensuche und stellt das Leben des Urwalddoktors in all seiner Widersprüchlichkeit und seiner Vielfalt dar, seine Visionen, seine Größe, Akribie und seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Er lässt uns die Gründe des jungen Theologen nachvollziehen, zusätzlich Medizin zu studieren und schließlich sein Leben in Sicherheit und Wohlstand aufzugeben, um nach Afrika zu gehen.
Ein beeindruckendes Leben, das in seiner Fülle auch für mehrere Menschen gereicht hätte. Ein beeindruckender Mensch, der seine Vorstellungen nicht nur als Theorie formuliert hat, sondern auch radikal danach gelebt hat. Aber eben ein Mensch und kein Heiliger.
Auch das Zusammenspiel der öffentlichen Wahrnehmung von Schweitzers „guten Taten“ in Afrika bei gleichzeitiger kollektiver Verdrängung der Verbrechen des Kolonialismus wird reflektiert.
Alois Prinz ist bekannt als hochkarätiger Biograf und hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk. Die Altersempfehlung des Verlags für dieses Buch lautet 12–99 – es ist so spannend zu lesen, dass es alle gleichermaßen fesseln dürfte und weist im Mittelteil einige Bilder auf, die das Leben (nicht nur) im Urwald gut veranschaulichen.
Was hat uns Albert Schweitzer heute noch zu sagen? Etwas sehr Wichtiges: menschlich bleiben, Leben achten und aus einer Haltung der Liebe heraus ins Tun kommen!