Stichwort: Mehrgenerationen-Siedlung Bunt, generationenübergreifend, quirlig

Mehrgenerationen-Wohnprojekte weisen ganz unterschiedliche Konzepte und Historien auf. „Mehr“ Nachbarschaft und Sharing-Gedanken haben aber bei allen Priorität. Gemeinsame Aktivitäten, die Hilfe untereinander sowie Feste sind nur einige Beispiele des gemeinschaftlichen Wohnens im Wohnprojekt „W.I.R. auf Phoenix“ in Dortmund-Hörde.

Bunt, generationenübergreifend, quirlig: so stellt sich das Wohnprojekt für andere dar. Seit fast zehn Jahren wohnen 40 Menschen in 20 genossenschaftlichen Mietwohnungen am Rande des ehemaligen Hörder Stahlwerkstandorts. Um Garten, Spielgeräte und Ausgestaltung gemeinschaftlicher Räumlichkeiten kümmern sich die Bewohner*innen (zwischen 1 und 97 Jahren – darunter zehn Kinder) gemeinsam. Es entstand als viertes Projekt des W.I.R. e.V. in Dortmund; aktuell ist Nr. 9 in Planung. Nach dem Abbau der lokalen Stahlindustrie vor 20 Jahren war mit dem Strukturwandel viel in Bewegung und neue Ideen willkommen.

Gartentage, Geburtstage – unter Corona dann draußen – große Essensrunden, kurze und lange Diskussionen, Geburten, Beerdigungen, Yoga, Rudel-Gucken – nicht alle Aktionen werden von allen aktiv unterstützt, aber gemeinsam getragen. Umklammert wird das alles durch monatliche Treffen zur Besprechung neuer Ideen und Aufgabenverteilung – bereits seit der Planungs- und Gruppenfindungsphase ab 2009.

Seit Beginn wird darauf geachtet, dass die Wohnungen möglichst zu je einem Drittel auf Familien, unter 60 ohne Kinder und auf Bewohner*innen über 60 verteilt werden. Da auch die „Belegschaft“ von selbst altert, versucht eine Belegungsgruppe bei einer Neubesetzung möglichst Familien bzw. jüngere Personen hinzuzugewinnen. Dieses Zusammenleben ermöglicht Kontakte, die sich sonst nicht so leicht ergeben hätten. So unterhält sich die Abiturientin mit der 75-jährigen Nachbarin über Berufspläne oder der 2-Jährige lässt sich spontan von einer 10-Jährigen etwas vorlesen. Gelegenheiten schaffen, lautet das Motto.

Auch wenn es manchmal knistert, liegt das nicht unbedingt an Generationsgrenzen, sondern an der Meinungsvielfalt. Aber wie so oft, zeigen sich die wahren Eigenarten und Pluspunkte erst in der Krise, wie z.B. mit dem Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Im ersten Lockdown organisierten sich die Eltern der kleinen Kinder untereinander eine gemeinsame Betreuung, um im Homeoffice arbeiten zu können. Andere kochten abwechselnd für Kinder und die jeweils Betreuenden das Mittagessen. Die Treffen finden bei passender Witterung draußen statt und auch mit Abstandsregeln bleibt die Nachbarschaft lebendig. „Ich bin so froh, dass ich hier wohne,“ lautet ein Statement einer im März 2020 eingezogenen Nachbarin, „hier fällt mir nicht die Decke auf den Kopf.“

Öffentlich sichtbar im Quartier sind u.a. die Beteiligung am jährlichen Atelierfest, der Gemeinschaftsraum als Wahllokal und die Foodsharing-Aktivitäten. Hier ist der Gemeinschaftsraum Kernstück vieler Aktivitäten und auch Treffpunkt für ganz unterschiedliche Runden wie Arbeitsgruppen, Vorstandsitzungen oder Treffen zukünftiger Wohnprojekte. Mit Zuversicht, geboostert und voller Planungsdrang bereiten sie alle das 10-jährige Jubiläum im Frühsommer vor. Feste feiern gehört schließlich zum Programm.

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