Generationen Ausgabe 1/2022

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der aktuell jüngsten Generation der bis 10-Jährigen, der Generation Alpha, geht das Alphabet von vorne los, diesmal auf Griechisch. Mit der Nachkriegsgeneration, den Baby-Boomern, den Generationen X (40–54-Jährige), Y (25–39-Jährige) und Z waren wir am Ende des ABC angelangt. Über die Einteilung der Generationen und deren Sinnhaftigkeit kann man streiten. Klar ist: Innerhalb einer Generation gibt es durchaus größere Unterschiede, die sogenannte Intragenerationvarianz. Und doch lassen sich Merkmale und Werte feststellen, durch die sich verschiedene Generationen unterscheiden: Menschen einer Generation haben zum etwa selben Zeitpunkt innerhalb ihrer Entwicklung Ähnliches erlebt, so wie die Generation X zum Beispiel durch die Wirtschaftskrise und die aufkommende Scheidungsrate geprägt wurde, die Generation Y (die sogenannten Millenials), durch aufkommende Digitalisierung und Globalisierung.

Die Pandemie hat die Generationengrenzen besonders sichtbar gemacht: Die älteren Generationen wurden als Risikogruppe ausgerufen und sollte sich separieren. Sie wurden bei der Impfung als erstes berücksichtigt, erst jüngst kamen die Empfehlung und der Impfstoff für die Fünf- bis Zwölfjährigen, und für die Kleinsten gibt es derzeit noch keinerlei Schutz. Es werden Gräben offenbar, wenn es um Corona-Maßnahmen geht, bei denen die Generationen oft unterschiedlich behandelt und geschützt werden. Die Präsenzpflicht an Schulen wird inzwischen recht offen über wirtschaftliche Interessen begründet. Insgesamt sind die Menschen sich gerade gegenseitig fern. Man separiert sich, öffentliches Leben ist merklich zurückgefahren, sogenannte Tiny Weddings (Hochzeiten im kleinsten Kreis) werden zum Trend erhoben.

Die Generationen sind sehr unterschiedlich „stark besetzt“. Vielen, sehr aktiven Großeltern stehen recht wenige Enkel gegenüber. Darin liegt laut Eckart Hammer auch eine Chance. Das Ungleichgewicht der Generationen wirft aber noch mehr Fragen auf. So gewinnen die Älteren politisch an Gewicht, während in der Politik mehr und mehr Zukunftsfragen zu entscheiden sind, also die Angelegenheiten vor allem der Jüngeren. Über Generationengerechtigkeit lesen Sie im Beitrag von Jörg Tremmel. Und was wird eigentlich aus unserer Kirche? Ist sie für die Anforderungen der aktuellen Zeit gerüstet?

Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig zuhören. Die Generationen müssen sich verständigen. Über unterschiedliche Interessen, aber auch über Gemeinsamkeiten. Über Zukunft und Gegenwart. Das Stichwort über die Mehrgenerationensiedlung macht Lust auf diesen Austausch!

Ich hoffe, wir können mit diesem Heft einige intragenerative Diskussionen anstoßen – für eine gute, gemeinsame Zukunft.

Mit herzlichen Grüßen aus der Redaktion

Ihre Heike Schmidt-Langer

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