Scheitern Ausgabe 4/2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

was denkt sich eine Redaktion eigentlich dabei ein verunglücktes Ei für die Titelseite der evangelischen aspekte zum Thema „Scheitern“ zu wählen. Ist das nicht ein bisschen banal?
Doch – denn wenn Lukas Waschbüsch die krassen Lebensgeschichten der Erfolgreichen und die daraus resultierenden der Gescheiterten beschreibt, dann gehen einem diese ganz schön unter die Haut. Keine Frage, die Konkurrenz im Showbusiness und Leistungssport ist groß und „je höher die Siegchancen, desto größer die Risiken zu scheitern“ – so der Sportpsychologe Oliver Schumann im Interview.

Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass sich hierzulande geradezu eine neue Trendbewegung zur „Kultur des Scheiterns“ abzeichnet und es nicht mehr peinlich zu sein scheint, über seine Misserfolge öffentlich zu sprechen. Im Gegenteil, mehr Mut zum Scheitern wird propagiert. Die Auswirkungen, nicht nur auf die MitarbeiterInnen in deutschen Unternehmen, nimmt Bertram Salzmann kritisch unter die Lupe.

In aller Offenheit spricht auch der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und SPD-Politiker Martin Schulz über nicht erreichte Ziele, wenn wir mit ihm auf die Europapolitik blicken. Für die Zukunft setzt er auf ein Bündnis der Liberalität und des Mutes zum Fortschritt und fordert heraus: „Wenn der Wille besteht, ist alles möglich!“

Das hört sich  ganz nach Auf-Gabe im Scheitern an, und das in doppeltem Sinne: etwas Altes, nicht zu Änderndes zurücklassen, im schlimmsten Falle sogar sterben lassen, und etwas Neues anpacken. Denn „die Ohnmacht im Scheitern kann Handlungsdruck erzeugen“, so der Theologe Christian Kern, der über das Thema „Scheitern“ seine Doktorarbeit schrieb.

Selbst bei Jesus am Kreuz, dem Gescheiterten schlechthin, stellt sich nach der Ohnmacht eine Wende ein. Aus dem Tod entsteht etwas nie Dagewesenes: die Auferstehung. Und ganz genau deshalb haben wir ein Ei als Titelbild gewählt: Weil das Ei bei Christen als das Symbol für die Auferstehungshoffnung der Menschen steht, und das schon jetzt und hier. Denn Scheitern muss nicht zwangsläufig das tragische Ende sein, sondern kann bei Menschen neue Perspektiven, Chancen und Persönlichkeitsentwicklungen herbeiführen, die sich im Leben dann oftmals erst im Nachhinein als das Gelbe vom Ei erweisen.

Ob uns diese Ausgabe – mit einer Fotostrecke von Christof Salzmann passend zum Schwerpunktthema – oder auch die vorigen Hefte gelungen sind, dürfen Sie nun selbst beurteilen. Wieder einmal haben Sie Gelegenheit, uns im Rahmen einer Leserumfrage Ihre Meinung zu sagen. Wir freuen uns über Lob, über konstruktive Kritik – über eine rege Beteiligung!

Aus der Redaktion grüßt Sie herzlich

Andrea Wenz

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