Susann Sontag: Wege zur Selbstliebe

LebensSchritte Verlag 2020, 270 S., 14,99 EUR

Manchen, geübt im Lesen von Ratgeber-Literatur und neugierig darauf, aus psychologischer Perspektive etwas über sich selbst zu erfahren und das eigene Verhalten besser zu verstehen, mag es bei der Lektüre gehen wie mir: Zu schwanken zwischen der Neigung, bis zum Ende zu lesen, und dem Impuls, das Buch nach einigen Kapiteln wegzulegen.

Einerseits traut man den Ausführungen der Autorin, vom Fach Heilpraktikerin für Psychotherapie und Ernährungsberaterin, weil sie sehr alltagsbezogen und dabei immer die Lesenden zum eigenen Urteil ermutigend den Finger auf unsere seelischen Handicaps zu legen weiß. Vieles, von dem sie spricht, kennt man aus eigenem Erleben und dem Umgang mit anderen Menschen. Dass man sich allzu gerne selbst ausweicht, statt sich ins Zentrum der eigenen Persönlichkeit vorzuwagen; dass man sich mit äußerem Aktionismus (vom Eintreten für die gute Sache bis zur Erlebnissucht) über mangelnde innere Lebendigkeit hinwegtäuscht; dass das ständige sich vergleichend und urteilend in Beziehung setzen zu anderen uns fried- und auch freudlos machen kann; dass wir unsere durch Erziehung und Konvention erworbenen „Anker“ lichten und uns vertrauensvoll „dem Leben“ im „Hier und Jetzt“ überlassen dürfen – kurz: uns dem „Sein“ öffnen können, das uns liebt und uns ermächtigt, uns selbst zu lieben.

Das misstrauende Andererseits zum Schluss; Susann Sonntag spricht es explizit erst auf S. 249 aus: „Wir identifizieren uns mit unseren Lebensumständen“, und diese Verwechslung der „Ebenen“ sei das entscheidende Hindernis für ein gelingendes Leben aus dem eigenen inneren Zentrum heraus. Wer die Umstände unseres Lebens stärker gewichtet und kritisch sichten möchte, findet in dem Buch keine Hilfe.

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