Stichwort: Verbraucher-Siegel Orientierung im Wildwuchs der Label

Verbrauchersiegel gehören zu den wenigen Orientierungspunkten in der immer unübersichtlicher werdenden Warenwelt. Doch die verschiedenen Siegel besitzen eine unterschiedliche Aussagekraft und nicht alle verdienen gleichermaßen Vertrauen.

Angesichts der Unübersichtlichkeit winken viele entnervt ab. Die Vielzahl von Siegeln überfordert die Kunden und weckt eher Skepsis. Mancher glaubt lieber den idyllischen Bildern auf den Verpackungen als den Siegeln daneben. Dennoch gehören Siegel zu den wenigen Orientierungspunkten in der immer unübersichtlicher werdenden Welt. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung auf speziellen Internetseiten Informationen zur Verfügung stellt, die etwas Licht in den oft dunklen Siegeldschungel bringen (www.siegelklarheit.de).

Es gibt mehrere Gruppen von Siegeln: Die erste Gruppe bilden die staatlichen Siegel, wie das Bio-Siegel. Sie bezeugen, dass bestimmte Gesetze eingehalten werden. Dann folgen die Label von Interessengemeinschaften wie Fairtrade. Und schließlich gibt es die Zeichen von Unternehmen. Aber nicht alle sind so glaubwürdig wie ProPlanet von Rewe.

Allein im Nahrungsmittelbereich gibt es aktuell 600 Siegel. Jährlich kommen 50 dazu. Einerseits sorgt dies dafür, dass es Standards gibt. Andererseits hat dieser Wildwuchs Unübersichtlichkeit zur Folge, die auch an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt. Außerdem besteht die Gefahr, dass mancher dieser Siegel zu stark von Interessen der Industrieländer getrieben werden und deshalb eher green washing sind.

Welche positiven Wirkungen Siegel entfalten können, zeigt die indische Organisation Rugmark. Ihr Siegel bedeutet, dass in den Teppichen keine Kinderarbeit steckt. Dieses hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass Kinderarbeit geringer wird. Klare Kriterien stecken auch hinter Siegeln wie Demeter und Bioland oder auch dem europäischen Bio-Siegel auf dem Lebensmittelmarkt.

So eindeutig und klar sind die Siegel aber nicht immer und überall. Sie besitzen eine unterschiedliche Aussagekraft und nicht alle verdienen gleichermaßen Vertrauen. Um einen Überblick zu bekommen, muss man sich auf jeden Fall gründlich informieren und vergleichen. Besser wäre es, zentrale Standards zu formulieren, wie im Textilbereich immer wieder geplant.

Gerade auf dem Spendenmarkt zweifeln die Menschen oft an der Seriosität, besonders von großen Organisationen. Diese unterwerfen sich deshalb gern der Kontrolle und erhalten dafür das DZI-Spendensiegel. Schließlich spenden die Deutschen jedes Jahr geschätzte drei Milliarden Euro. In der Masse der Hilfswerke ist das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) so eine Art Leuchtturm.

Das Institut, das sich aus öffentlichen Mitteln finanziert, vergibt ein Spendensiegel an seriöse Organisationen. Dafür prüft es unter anderem die Verwendung der Mittel, die Werbeaktivitäten und die Verwaltungskosten. Seriosität und Vertrauen sind auf dem sensiblen Spendenmarkt zentrale Kriterien. Und da es nur ein so bedeutendes Siegel gibt, herrscht auch keine Unübersichtlichkeit.

Ein Beispiel für die Schwierigkeit bei der Orientierung sind die Umweltsiegel für nachhaltigen Tourismus. Weltweit soll es mehr als siebzig solcher Zertifikate geben für Hotels, Reiseagenturen, Campingplätze oder Bootsverleihe. Für Verwirrung sorgt jedoch, dass sich die Siegel bei den Kriterien unterscheiden. So legen manche besonderen Wert auf ökologische Standards, vergessen aber die sozialen. Manche Betriebe werden vor Ort kontrolliert, andere Zertifizierer prüfen lediglich das Webangebot der Bewerber auf Glaubwürdigkeit. So erklären sich auch manche der großen Unterschiede zwischen den Zertifikaten. Und immer dort, wo die Unübersichtlichkeit groß ist, herrscht auch bei den Verbrauchern Unsicherheit.

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