Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland im Trend. Aber die Besinnlichkeit ist oft zum Geschäft geworden – das sich viele nicht mehr leisten können. Kirchliche Einrichtungen setzen dagegen auf Inklusion. Und der Zirkus entführt in eine wundersame Welt.
Der Boom ist ungebrochen. Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland Besuchermagneten. Bei dem Trubel geht die viel beschworene Besinnlichkeit vielfach verloren. In den engen Gassen zwischen den Ständen bleibt bei großem Andrang kaum Zeit zum Verweilen. Auftritte von Kirchenensembles bei größeren Märkten bringen zumindest die Stimmen der Kirchen zum Erklingen. So sind an allen Wochenenden vom 26. November bis 23. Dezember 2025 während des Stuttgarter Weihnachtsmarktes Posaunenchöre von der Stiftskirche zu hören. Und an den Konzerten im Innenhof des Alten Schlosses sind auch Kirchenchöre beteiligt genauso wie beim Weihnachtsfest der Chöre am 21. Dezember auf dem Dresdner Striezelmarkt.
Weihnachtsmärkte von Dresden bis Traben-Trarbach
Längst hat die Tourismusbranche die Weihnachtsmärkte als Geschäftsmodell entdeckt. Zu den populären Weihnachtsmärkten in Stuttgart, Ulm, Nürnberg oder Dresden sind viele Busreisen schon ausgebucht. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es zur Weihnachtszeit eine unterhaltsame Abwechslung. Inzwischen werben Hotels und Reiseveranstalter mit außergewöhnlichen Weihnachtsmärkten. So lockt der Christkindlmarkt in Hauzenberg im Landkreis Passau, gelegen in der Dreiländerregion Deutschland, Österreich und Tschechien, mit dem „beeindruckenden Ambiente“ des „Stoabruchs“. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Steinbruch im Granitzentrum Bayerischer Wald.
Aufgelistet werden im Internet eine ganze Reihe ungewöhnlicher Weihnachtsmärkte. So geht es in Traben-Trarbach an der Mosel in die Unterwelt. Fünf ehemalige Weinkeller wurden dafür romantisch ausgestaltet. Direkt am Domplatz vor der Kulisse von Mariendom und Severikirche in der mittelalterlichen Altstadt Erfurts findet der größte Weihnachtsmarkt Thüringens statt. Und auf der Leuchtenburg in der Nähe von Jena gibt es den „Weihnachtsmarkt der Wünsche“. Hier kann jeder seinen Porzellanteller, auf den er vorher einen Wunsch geschrieben hat, in die Tiefe fallen lassen, weil die Scherben Glück bringen sollen.
„Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg (NRW)
So könnte man auf eine Weihnachtsmarktreise quer durch Deutschland aufbrechen. Auch in kleinen Orten locken Advents- und Weihnachtszauber. Dass Besucherinnen und Besucher einen gut gefüllten Geldbeutel mitbringen müssen, ist die Voraussetzung für einen gelungenen Besuch. Denn auch hier ist im Laufe der Jahre alles teurer geworden. Sei es Christbaumschmuck aus dem Erzgebirge oder der Glühwein und die rote Wurst. Weil Armut Ausgrenzung bedeutet, gibt es Aktionen an Weihnachten für Menschen mit geringem Einkommen.
Ein Beispiel ist der „Weihnachtsmarkt der Herzen“ in Heinsberg, einem Ort in Nordrhein-Westfalen. Die Idee zu sozial-inklusiven Weihnachten hatte vor drei Jahren Sebastian Walde, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde. Er wollte in Zeiten der Krise ein Zeichen des Zusammenhaltens setzen und Menschen mit kleinem Budget den Besuch des Marktes ermöglichen. Er fand schnell Freiwillige, die es möglich machen, dass Glühwein und Würstchen günstig angeboten werden. Auf dem Markt steht auch eine „Bonkasse“, in die Menschen mit genügend Geld in der Tasche Bons für diejenigen erwerben können, die gar nichts haben.
Da alles teurer geworden sei, fällt immer mehr Menschen die Teilhabe am sozialen Leben schwer, haben die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde festgestellt. Auch Kindergärten, Schulen und Musikgruppen beteiligen sich inzwischen an der Initiative. Es wurden extra Spendenaktionen ins Leben gerufen. Heute ist der Weihnachtsmarkt ein beliebter Treffpunkt.
Feier für obdachlose Menschen
Eine besondere Feier bereitet die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) jedes Jahr bedürftigen Menschen ohne Obdach. Mehr als tausend Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zu „eva’s Stall“. Traditionell beginnt dieser an Heiligabend mit einem Gottesdienst im Innenhof der diakonischen Einrichtung. Danach gibt es für alle Gäste Kaffee, Tee, Kuchen und Gebäck an einer festlich gedeckten Tafel.
Das Ensemble „Dein Theater“ sorgt mit Krippenspiel, Liedern und Texten aus der Weihnachtsgeschichte für eine besinnliche Stimmung. Danach serviert das Team der Stadtmission, unterstützt durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, das typisch schwäbische Heiligabend-Essen: Saitenwürstle mit Kartoffelsalat. Und weil auch Geschenke zu Weihnachten gehören, bekommen alle anschließend ein Weihnachtsgeschenk (www.eva-stuttgart.de/spenden-helfen).
Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der Stall noch einmal von mittags an geöffnet. Neben einem Gottesdienst, Festtagsessen und dem Weihnachts-Kaffee steht Musik auf dem Programm: Die Gäste singen gemeinsam weihnachtliche Lieder und lassen den Nachmittag feierlich ausklingen.
Weihnachtssingen im Stadion
Für einen feierlichen und besinnlichen Auftakt zum Weihnachtsfest, der zu Herzen geht, sorgt das Stuttgarter Weihnachtssingen. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn ein ganzes Fußballstadion gemeinsam festliche Lieder intoniert. Das Weihnachtssingen im Gazi-Stadion findet schon zum siebten Mal statt unter Leitung von Patrick Bopp, der früher im populären Vokalensemble die Füenf gesungen hat. Unterstützt wird er von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke. Inzwischen wird die Veranstaltung per Live-Stream an Kliniken übertragen, zum Beispiel in Stuttgart und Ulm. Gesungen wird am 21. Dezember ab 17 Uhr wieder zwei Mal 45 Minuten wie beim Fußballspiel.
Zu einer weihnachtlichen Tradition besonders für Familien ist der Besuch im Weihnachtszirkus geworden, den es inzwischen in jeder größeren Stadt bundesweit gibt. Der Zuspruch ist ungebrochen. Die Veranstalter wollen mit dem Gastspiel ein festliches Feuerwerk für die ganze Familie bieten in der Manege. Der größte Vertreter der Branche ist der Stuttgarter Weltweihnachtscircus. Spannung, Poesie und viel Emotionen ist für den holländischen Produzenten Henk van der Meijden die Erfolgsformel mit internationalen Artisten der Spitzenklasse.
Fast in jeder größeren Stadt lockt ein Weihnachtszirkus
Der dem Zirkus mit aller Leidenschaft verbundene Niederländer will die Menschen mit seiner Vorstellung entführen in eine wundersame Welt, die den Menschen eine Auszeit von den Alltagssorgen bietet. Dort, wo sie hemmungslos lachen dürfen über den tolpatschigen Clown oder den trickreichen Zauberer, der auch das Publikum hinters Licht führt und der die Uhren der Zuschauerinnen und Zuschauer unbemerkt vom Handgelenk verschwinden lässt. All das, was im hektischen Alltag keinen Platz mehr hat, kann man zum Jahreswechsel in einer Zeit, wenn die Uhren anders gehen, im Zirkus erleben.
