Urlaub, der bildet Bildungsreisen gehören zum Angebot der Kirchen

Spirituelle Auszeiten gehören inzwischen zur beliebten Art des Auftankens angesichts des hektischen und oft kräftezehrenden Alltags. Sie können auch Teil von Pilger- oder Studienreisen sein, die von den beiden großen Kirchen oder ihren Organisationen angeboten werden. Deshalb nutzen die Tourismusvertreter auch die großen Urlaubsmessen in Deutschland als eine Plattform.

Sowohl auf der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit, der CMT in Stuttgart, als auch auf der größten Reisemesse der Welt, der ITB in Berlin, sind die evangelische und die katholische Kirche vertreten. Und dabei stoßen sie auf reges Interesse. Bildungsreisen sind ein fester Bestandteil des kirchlichen Angebots.

Bildung als programmatisches Ziel

Bildung sieht die protestantische Kirche seit der Reformationszeit als eine ihrer zentralen Aufgaben. Schon Martin Luther hatte das Ziel, dass alle Menschen in der Lage sind, die Bibel selbst zu lesen. Der Glaube und die Mündigkeit des Menschen hängen für den Protestantismus eng zusammen. So war es kein Zufall, dass Herzog Christoph mit der Kirchenordnung von 1559 den Grundstein für ein geordnetes Schulwesen in Württemberg legte. Auch heute noch unterhält die evangelische Kirche Schulen und hat in den Landeskirchen auch ein umfangreiches Angebot an Studien- und Bildungsreisen. Dafür sollen im folgenden beispielhaft ein paar Angebote stehen.

Urlaubszeit und Erwachsenenbildung

So lädt das Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche Westfalen regelmäßig zu entsprechenden Reisen ein. Zum Beispiel geht es vom 20. bis 30. September in Bremen auf eine spirituelle Pilgerreise unter dem Motto „Mit dem Rad unterwegs auf dem Mönchsweg“. Auf dem ersten deutschen Radpilgerweg geht es von Bremen bis zur Ostseeinsel Fehmarn. „Diese Reise verbindet Bewegung, Gemeinschaft und spirituelle Erwachsenenbildung“, heißt es in der Ankündigung. Das heißt konkret, dass „einfache Rituale, kurze Andachten und meditative Elemente den Weg begleiten und Raum eröffnen für persönliche Fragen nach Sinn, Lebensweg und Glauben“.

Der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach lädt zu „evangelisch reisen“ ein. Das Angebot ist offenbar so attraktiv, dass nahezu alle Reisen ausgebucht sind. Noch Plätze frei waren bei einem Seminar im Frankfurter Haus auf Spiekeroog vom 6. bis 12. September 2026. Angekündigt wird ein „Bildungsurlaub zur Reflexion und Schulung der eigenen Sprache als hilfreiches Werkzeug bei Auseinandersetzungen und Konflikten in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz“.

Das Motto heißt dabei „Wortgefecht statt Prügelei“. Es ist ein Angebot an alle, die in ihrem Berufsleben viel kommunizieren. Beachtet werden soll nicht nur die Klarheit der Sprache, sondern auch wie über die Körperhaltung kommuniziert wird. „Ihr Körperausdruck unterstreicht den Inhalt Ihrer Rede, Sie kommunizieren eindeutig, werden besser und nachhaltig verstanden und unterstützen sich damit alltäglich in Ihrer beruflichen Rolle“, heißt es.

Reisen bildet

In Frankfurt am Main ist auch der Sitz von EEC-Studienreisen unter dem Motto „Kirchliches und Kulturelles Reisen“. Als einer der Schwerpunkte wird die Beratung und Planung von Pilgerreisen angegeben. Es geht hier um die Strahlkraft heiliger Orte. „Für unsere Pilgergruppen sind vor allem Rom, Jerusalem, Fatima, Santiago de Compostela und Assisi wichtige Reiseziele“, heißt es auf der Homepage. Aber offenbar sind auch Kurzreisen zu Wallfahrtsorten in Deutschland beliebt.

Bekannt für an der biblischen Tradition orientierte Angebote aus dem evangelischen Spektrum sind die in Stuttgart ansässigen Anbieter von „Biblische Reisen“. Ob spirituelle Pilgerreise, kulturell-thematische Studienreise oder individuell gestaltete Gemeindereise, alles wird den Angaben zufolge von Anfang bis Ende mit theologischer Expertise begleitet. Eine Bildungsreise begibt sich in der Türkei auf die Spuren von Paulus und Johannes.

Türkei als Reiseziel

Diese Reise führt zum Beispiel in die einstige römische Provinz Asia, deren Städte zu den bedeutenden Schauplätzen der frühen Christenheit zählen. Besucht werden Ephesus mit Theater, Celsus-Bibliothek, Marienkirche und Johanneskirche, das antike Smyrna mit der Polykarp-Kirche sowie Laodizea, eine der Gemeinden aus der Offenbarung des Johannes.

In Pamukkale verbinden sich die weißen Kalksinterterrassen mit den Ruinen von Hierapolis und frühchristlichen Erinnerungsorten. Milet erinnert an die Abschiedsrede des Paulus, Didyma an die große Orakeltradition Ioniens. Ein Tag in Şirince, am Marienhaus und an der Isabey-Moschee rundet die Reise mit dörflicher Atmosphäre, religiöser Verehrung und osmanischer Baukunst ab. Es werden jedoch auch Reisen nach Wunsch zusammengestellt. Auf Wunsch werden auch Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Religion, Politik, Kultur und Gesellschaft organisiert.

Studienreisen in Osteuropa und in Südamerika

Auch das Gustav-Adolf-Werk (GAW) ist bekannt für seine Studienreisen. Diese führen zu evangelischen Partnerkirchen und Diasporagemeinden im Ausland. Spannend sind zum Beispiel Einblicke in das Leben und Wirken von Diasporagemeinden in Brasilien, Argentinien oder Chile. Dabei lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel über die Geschichte deutscher Auswanderer und darüber, wie sich ihre Religion und Sprache erhalten hat. Zum Teil pflegen die älteren Menschen noch ein altertümliches Deutsch, so wie gesprochen wurde, als ihre Vorfahren das Land verlassen hatten. Deutlich wird aber auch, wie sich Traditionen verändern.

Die jüngere Generation spricht kaum noch Deutsch. Beim Besuch der örtlichen Schulen wird die Landessprache gesprochen. Deshalb sind auch deutsche Diasporagemeinden inzwischen gezwungen, Gottesdienste sowohl in Deutsch als auch in der Landessprache zu halten. Sonst könnten die Jüngeren nicht mehr folgen und würden ganz wegbleiben. Dennoch wir deutlich, dass noch deutsche kulturelle Traditionen, wie Festlichkeiten, auch im südamerikanischen Umfeld weiter gepflegt werden.

In Württemberg pflegt das GAW auch enge Kontakte zu den Partnerkirchen in Osteuropa, zum Beispiel in Polen, der Slowakei sowie in Rumänien. Es sind Kirchen, die klein und überschaubar sind. Gerade bei einer Reise nach Rumänien kann man viel lernen über die Tradition der Siebenbürger Sachsen. Die Spuren der deutsch geprägten Vergangenheit sind noch überall zu sehen. Aber der Terror der Nazis im Zweiten Weltkrieg hat auch hier tiefe Spuren hinterlassen. Auf den Spuren der Siebenbürger Sachsen zu reisen, bietet interessante Einblicke in eine frühe Migrationsgeschichte. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang auch einen Blick auf das literarische Erbe der Rumäniendeutschen zu werfen.

Abenteuerliche Zeitreisen auf alten Pfaden

Spannend ist auch eine Reise nach Österreich. Von Bad Kleinkirchheim in Kärnten kann man zum Beispiel die alten Bibelschmuggelpfade entdecken. Es war zur Zeit der Gegenreformation, als die Protestanten in der Gegend schweren Verfolgungen ausgesetzt waren. Ihnen war es verboten, ihren Glauben zu pflegen. Das bedeutete auch, dass es ihnen untersagt war, die Bibel zu lesen. Aber dies wurde im Geheimen in Bibelkreisen zu Hause gepflegt. Ihren Glauben wollten die Menschen nicht aufgeben. Auf abenteuerlichen Wegen wurden deshalb über schmale Bergpfade Bibeln aus Deutschland nach Kärnten geschmuggelt. Eine spannende Zeitreise kann man hier erleben.

Zum Weiterlesen

Schreiben Sie einen Kommentar