Raum Ausgabe 3/2025

Liebe Leserin, lieber Leser,

gibt man bei Google „Kirchengebäude“ ein, lautet der erste Suchvorschlag „Kirchengebäude kaufen“. Wussten Sie, dass es eigene Immobilienseiten für Kirchengebäude gibt? Aber auch auf ebay-Kleinanzeigen kann man fündig werden. Es ist Ausverkauf. In ganz Deutschland müssen sich Kirchengemeinden von lieb gewonnenen Räumen trennen, an denen Herzen hängen. Kirchen und Gemeindehäuser verkauft und „umgenutzt“ zu sehen, in denen die eigene Taufe oder Konfirmation gefeiert wurde – das tut weh, da ist Trauerarbeit nötig.

Mancher und manche versucht, dennoch positiv in die Zukunft zu schauen und den Blick darauf zu richten, was aus dieser Situation vielleicht entstehen und neu wachsen kann. Aber Veränderungen brauchen Zeit.

Und dennoch: Nicht selten fehlen jetzt Räume für kirchliches Engagement. Wo Leute sich treffen, eine Gruppe entstehen lassen wollen, braucht es Platz.

Doch manchmal gibt es auch heute noch Wunder. Zum Beispiel in meinem kleinen Dorf, wo die fast 450 Jahre alte Pfarrscheuer derzeit aufwändig saniert wird (Wunder Nr. 1, dass das genehmigt wurde!). Die Scheune ist seit Jahrzehnten baufällig. Jetzt hat man das noch intakte Fachwerk gerettet, das Dach angehoben, das Ganze wird unterkellert und dann wieder aufgebaut, um als neues Gemeindehaus genutzt zu werden. Es sind kleine Räumlichkeiten, berechnet, auch bei uns, für eine kleiner werdende Gemeinde.

Wunder Nr. 2: Das Gemeindehaus meines Dorfes sollte seit 2016 verkauft werden. Aber alle Verkaufsbemühungen gingen ins Leere, niemand war ernsthaft interessiert. Eine sanierungsbedürftige Immobilie im Ortskern, aber eben mit nur eingeschränkter Nutzung, kurz: wirtschaftlich uninteressant. Einer aus der Gemeinde (bzw. seine GbR) kaufte das Haus schließlich – zu einem Preis, den hier keiner mehr zu erhoffen wagte. Ein Vorhaben, das von Anfang an nicht auf Gewinn aus war, sondern den Erhalt der Räumlichkeiten für die Gemeinde bezweckte. Denn die Nutzungsvereinbarung mit der Kirchengemeinde sieht eine mietfreie Nutzung vor, mindestens, bis die Pfarrscheuer bezugsfertig ist. Auch darüber hinaus soll es möglich sein, den Gemeindesaal zu nutzen, wenn die Pfarrscheuer mal aus allen Nähten platzt. Das schafft auch im Kopf Platz für Szenarien jenseits von „die Kirchenmitgliedszahlen schrumpfen“. Und das wünsche ich auch Ihnen und Ihren Kirchengemeinden: Dass das Prinzip Hoffnung siegt. Das ist schließlich eine Kernkompetenz in der Nachfolge Jesu.

Auch wir haben versucht, in den Beiträgen des Hefts dem Thema „Raum“ mit einem positiven Blick zu begegnen – viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

Herzlich grüßt

Heike Schmidt-Langer

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