Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1944

Fischer, Frankfurt 52025, 762 S., 34,00 EUR

Die Frage, warum sich viele Millionen Deutsche nach 1933 für Adolf Hitler begeistern konnten und ihm bis zum bitteren Ende die Treue hielten, ist angesichts der aktuellen Bedrohung unserer Demokratie durch neonazistische Kräfte nicht nur von historischem, sondern von höchstem aktuellem Interesse.

Als maßgebliche Faktoren, für die auch andere politische Systeme anfällig sind, benennt Aly am Ende seiner umfangreichen Untersuchung der Mechanismen der nationalsozialistischen Herrschaft die Benachteiligung oder Aussonderung von Menschengruppen, die als störend erachtet werden, sowie das Interesse daran, den eigenen Wohlstand auf Kosten anderer zu mehren. „Die Kombination aus verbesserten Sozialleistungen, sozialer Mobilisierung, kollektiver Selbsterhöhung und selbst Ermächtigung, begleitet von nach innen und außen gerichteter Aggression wird es immer und unter vielerlei Vorzeichen geben“ (S. 666).

Auch eine demokratische Gesellschaft ist davor nicht gefeit. Das Buch von Aly bietet umfangreiches Anschauungsmaterial dafür, wohin es führt, wenn radikalen Kräften die Macht überlassen wird, in dem Irrglauben, man könne sie durch die Beteiligung an der politischen Macht bändigen oder „entzaubern“. Widerstand ist keine Frage des Heroismus, sondern des Zeitpunkts, wie das Ende der Weimarer Republik nachdrücklich gezeigt hat. Das sollte uns eine Lehre sein.

Jörg Winter

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