Kösel, München 2025, 208 S., 20 EUR, E-Book 12,99 EUR
Wer (wie ich selbst) die weitgehende Geistlosigkeit der evangelischen Kirche nicht mehr erträgt, wer an und in dieser Kirche aufrichtig leidet oder sie bereits wegen ihrer zunehmenden Banalität und Infantilität resigniert verlassen hat – für diejenigen Christenmenschen ist Hannah Bethkes gut recherchiertes Buch zumindest eine (weitere) Bestätigung dafür, dass sie mit ihrer Wahrnehmung und ihren Erfahrungen nicht allein sind. Kirchenleitungen werden voraussichtlich auch diesen kritischen Beitrag einer gebildeten Protestantin ignorieren, selbstzufriedene Kirchenmitglieder sowie die kirchenferne Mehrheitsgesellschaft sich nicht für ihn interessieren. Schade für die Kirche, schade für die Mehrheitsgesellschaft! Der erste Satz des Buches: „Die Kirche in Deutschland ist am Ende.“ Im letzten Kapitel verortet die Autorin die evangelische Kirche dann doch noch „an einem Scheideweg“. In drei Teilen mit jeweils drei Kapiteln analysiert sie ihren gegenwärtigen Zustand, dabei stets die ultimative Alternative im Blick:
Entweder agiert die evangelische Kirche weiter so wie bisher mit „seichten Botschaften des Trostes“, die menschliche Verfehlungen, Schrecken und Trauer zukleistern, als eine „Lehranstalt für politische Korrektheit nebst Unterweisung in christlich angehauchtem Wohlfühlglauben“, als eine politisch tendenziell linke Nichtregierungsorganisation ohne Glaubenstiefe („Vom Glauben abgefallen“) und somit gesellschaftlich bedeutungslos. Das wäre „der sicherste Weg in ihren Untergang.“
Oder aber sie vollzieht die Umkehr zu einer glaubenden, theologisch fundiert predigenden, Transzendenz ermöglichenden, in ihrer Eigenart die Gesellschaft störenden, dabei selbstkritischen Institution, deren Mitglieder religiös gebildet sind und im Rahmen des demokratischen Spektrums unterschiedliche und auch gegensätzliche politische Ansichten vertreten (dürfen). Diese Institution würde sich nicht mehr als „Volkskirche“ verstehen, wäre aber als relativ kleine stabile Glaubensgemeinschaft eine gesellschaftlich ernst zu nehmende Größe.
Hannah Bethke ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Ihr Buch ist reich an Zitaten, auch von namhaften Theologen. Dass sie deren gedanklicher Tiefe dabei nicht immer gerecht wird, ist durch ihr aufrichtiges Anliegen entschuldigt.