Brandon Bloch: Reinventing Protestant Germany Religious Nationalists and the Contest for Post-Nazi Democracy

Cover-AbbildungHarvard University Press, Cambridge 2025, 384 S., 47,00 EUR

Brandon Bloch untersucht die Entwicklung des deutschen Protestantismus vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik und zeigt dabei langfristige Kontinuitäten im Denken und im Selbstverständnis auf. Eine seiner zentralen Thesen lautet, dass ein national geprägter Protestantismus, der in der Kaiserzeit entstand und in den Jahren der Weimarer Republik sowie des Nationalsozialismus dominant war, sich auch nach 1945 unter veränderten politischen Bedingungen fortgesetzt habe.

Bloch beschreibt, wie führende Kirchenvertreter, Juristen und Theologen nach dem Krieg eine „Protestant public sphere“ bildeten, die sich zwar zunehmend mit der konstitutionellen Demokratie arrangierte, zugleich aber an bestimmten Denkmustern festhielt – etwa an patriarchalen Strukturen oder an antikatholischen und antijüdischen Haltungen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Bloch der Rolle protestantischer Juristen – etwa der von Rudolf Smend – bei der Einbindung protestantischer Wertvorstellungen in das neue Verfassungsverständnis der Bundesrepublik. Er zeigt, dass dabei häufig auf Narrative des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus zurückgegriffen wurde, um die eigene Argumentation moralisch zu legitimieren und zugleich historische Belastungen abzumildern.

Die Studie zeichnet so Wandlungen und Kontinuitäten des deutschen Protestantismus zwischen „religiösem Nationalismus“ und demokratischer Neuorientierung nach – ein spannend zu lesender und mutiger ideengeschichtlicher Entwurf, der neue Perspektiven auf die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts eröffnet.

Zum Weiterlesen

Schreiben Sie einen Kommentar