Heimat ist da, wo mein Herz ist Von den Schwierigkeiten, ein neues Zuhause zu finden

Angelika Daniova ist Verkäuferin der Straßenzeitung „Trott-war“. Sie lebt mit ihren drei Kindern in einer Sozialunterkunft in Stuttgart. Wir sprachen mit ihr über ihren Alltag und ihre Wohnsituation.

Angelika Daniova lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Sie stammt aus Lučenec in der Slowakei. Als alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern sah sie dort für sich keine Zukunft: „Es gab keine Arbeit und wir mussten von 70 EUR im Monat leben“, berichtet sie. In Deutschland angekommen, stellte sich jedoch die Wohnungssuche als großes Problem heraus: Die Familie wohnte in wechselnden Behelfsunterkünften, die letzte musste sie wegen eines Brandes verlassen. Inzwischen sind zwei der fünf Kinder erwachsen und ausgezogen, mit den drei anderen, die noch zur Schule gehen, teilt sich Angelika Daniova eine Zwei-Zimmer-Sozialunterkunft in Stuttgart: Sie und ihr 17-jähriger Sohn in dem einen Zimmer, die beiden 11- und 13-jährigen Töchter im anderen. „Unseren Hund Benny mussten wir bei Bekannten unterbringen, weil Haustiere in der Sozialunterkunft nicht erlaubt sind“, erzählt sie.

Arbeit und Verdienst als Zeitungsverkäuferin

Angelika Daniova
Angelika Daniova

Trotz langer Suche findet Angelika Daniova keine andere bezahlbare Wohnung in Stuttgart. „Drei Zimmer wären ja genug“, sagt sie, „aber die Mieten dafür sind zu hoch oder die Vermieter nehmen lieber jemand anderes“. In Stuttgart möchte sie unbedingt bleiben, da sie als Verkäuferin der Straßenzeitung „Trott-war“ hier Arbeit gefunden hat. Mangels Berufsausbildung hat sie kaum Aussicht auf eine andere Beschäftigung. Die Mitarbeiter der Straßenzeitung, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, unterstützen sie auch bei der Wohnungssuche: „Wir haben bereits mehrere Aufrufe gestartet“, erzählt die Leitende Redakteurin Sylvia Rizvi, aber leider bislang ohne Erfolg. Auch sie möchte die engagierte und sympathische Verkäuferin auf jeden Fall halten.

An vier bis fünf Tagen in der Woche ist Angelika Daniova an mehreren Orten im Großraum unterwegs, um die Straßenzeitung zu verkaufen. Jeden Monat erscheint eine neue Ausgabe, sowohl von professionellen Journalist*innen als auch von Verkäufer*innen geschrieben. Mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren ist die Zeitung in zwanzig Städten im deutschen Südwesten erhältlich. Dafür sorgen über hundert Verkäufer*innen wie Angelika Daniova. Von den 2,60 EUR, die ein Heft kostet, erhält sie die Hälfte. Zusätzlich verdient sie sich etwas als Putzfrau. „Mit dem Geld kommen wir durch“, sagt sie, „aber dass wir keine andere Wohnung finden, ist schlimm.“

In Deutschland angekommen, aber noch nicht zuhause

Nach ihrer Heimat gefragt, antwortet Angelika Daniova spontan, das sei Lučenec in der Slowakei, denn dort sei sie geboren: „Aber ich empfinde nicht mehr viel dafür. Nur noch für meine Eltern und Geschwister, die dort leben.“ Dass sie inzwischen in Deutschland heimisch geworden sei, liege vor allem an den Freunden, die sie hier gefunden habe, und an der Unterstützung, die sie erfährt. „Mein Herz ist in Deutschland angekommen,“ sagt sie, „ich bin gerne unter den Menschen hier. Jetzt hoffe ich nur, dass ich auch noch eine richtige Wohnung finde. Dann bin ich hier richtig zuhause.“

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