C.H. Beck, München 2025, 317 S., 29,90 EUR
Dass ihm anlässlich seines 150. Geburtstags gleich drei Biografen (auch F. Kießling und H. Löttel) die Ehre geben, hätte Adenauer zugesagt. Nach der Darstellung von Norbert Frei, die die eine oder andere Pointe oder Anekdote nicht missen lässt, verstand es vor allem der ältere Adenauer genaustens, seinen Geburtstag zu inszenieren. Der Historiker Frei führt gekonnt durch seine Biographie und die vier politischen Systeme, die der Rheinländer erlebte und gestaltete: Sein Aufstieg im Kaiserreich, das Amt als Kölner Oberbürgermeister in der Weimarer Republik, Distanz und Rückzug im „Dritten Reich“ und die Mitarbeit am Grundgesetz, die Organisation der CDU und die Bonner Kanzlerdemokratie. Der Schwerpunkt liegt auf Adenauers politischem Wirken nach dem „Zusammenbruch“, wie der Kanzler die Terrorherrschaft der Nazis verharmlosend nannte. Für Frei ist Adenauer nicht die makellose Lichtgestalt der jungen Bundesrepublik, sondern ein zuweilen skeptischer, häufig taktierender, eher opportunistisch, denn idealistisch handelnder und seinem Image stets gewahrer Pragmatiker. Ob wir gegenwärtig Abstand von dem historischen Kontinuum nehmen – oder zu nehmen gezwungen werden –, in dem die Politik Adenauers (Westbindung und NATO-Beitritt, Annäherung an Frankreich und Integration Europas, Aussöhnung mit Israel) ihre Wirkung entfalten konnte, werden die nächsten Jahrzehnte zeigen. Frei jedenfalls präsentiert ein kurzweiliges Portrait des heute nahezu alternativlos erscheinenden „Kanzler[s] nach der Katastrophe“, das in vielerlei Hinsicht als Mahnung verstanden werden kann.