Deutschland verfügt über zahlreiche imposante Bibliotheken. Die historischen Bauten sind oft prunkvoll ausgestattet. Moderne Bibliotheken überraschen dagegen mit einem futuristischen Profil. Das belegen einige Beispiele von einer Bibliothekstour durch Deutschland.
Längst sind Bibliotheken weit mehr als eine Ausleihstelle für Bücher. Sie sind zu Lern- und Begegnungsorten geworden. Großartige Räume für Bücher sind im Mittelalter in den Klöstern entstanden, später haben Fürsten Orte des Wissens erbaut. Ihre Faszination ist bis heute ungebrochen. Sie sind restauriert worden und strahlen eine ehrfurchtsvolle Pracht aus. Sie beherbergen wertvolle Handschriften und prunkvolle Druckwerke in riesigen Regalwänden und in architektonisch opulent ausgestalteten Gebäuden. Sie sind zu touristischen Attraktionen geworden.
Anna Amalia Bibliothek
Im Zentrum der deutschen Klassik in Thüringen befindet sich eine der berühmtesten deutschen Bibliotheken. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar ist nicht nur in Deutschland eine der bedeutendsten, sondern sie gehört auch zum Unesco-Welterbe. Sie wurde im Jahr 1691 von Herzog Wilhelm Ernst gegründet, der mit diesem Schritt die 1400 Bände in seinem Besitz öffentlich zugänglich machte. Mehr als drei Jahrzehnte später wurde sie von Johann Wolfgang von Goethe geleitet. 2004 fielen zahlreiche historische Bestände einem Brand zum Opfer. Der berühmte ovale und über drei Geschosse reichende und reich verzierte Rokokosaal konnte jedoch wieder restauriert werden. Seit 2007 ist die Bibliothek wieder für die Öffentlichkeit zugänglich (www.klassik-stiftung.de/herzogin-anna-amalia-bibliothek).
Klosterbibliothek Maria Laach
In Rheinland-Pfalz erwartet die Besucherinnen und Besucher eine der prächtigsten historischen Büchersammlungen Deutschlands. Die Klosterbibliothek Maria Laach ist ein Ort von überwältigender Schönheit. Bücherregale erstrecken sich hier auch über mehrere Ebenen. Die Holztöne verbreiten eine warme einladende Atmosphäre für Lesefans. Die Bibliothek wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von den Jesuiten erbaut. 1892 wurde das Kloster von den Benediktinern übernommen, die den Buchbestand auf 260.000 Bände wachsen ließen. Der Kuhstall wurde deshalb zum Magazin umgebaut und die historische Jesuitenbibliothek saniert. Die geschwungene Treppe inmitten des Raumes bildet das beeindruckende Zentrum. Klosterführungen können gebucht werden unter www.maria-laach.de/klosterfuehrung-inklusive-bibliothek.
Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel
Als achtes Weltwunder wurde einst die Herzog August Bibliothek im niedersächsischen Wolfenbüttel bezeichnet. Die umfangreiche Büchersammlung von Herzog August dem Jüngeren ist bis zu seinem Tod im Jahr 1666 schon auf etwa 135.000 Titel in 35.000 Bänden angewachsen. Sie galt als die größte Büchersammlung nördlich der Alpen. Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bot 1769 Gotthold Ephraim Lessing die Leitung der Bibliothek an. Der schon zu Lebzeiten berühmte Dichter nahm an und leitete die Bibliothek ab 1770. Heute gilt sie als eine der weltweit führenden Zentren für kulturgeschichtliche Forschung (www.hab.de).
Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften
Das an der Grenze zu Polen gelegene Görlitz ist bekannt wegen seiner vielen Kultur- und Baudenkmale. Dazu gehört auch die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften, die mehr als 150.000 Bücher besitzt. Der älteste Band stammt aus dem 11. Jahrhundert. Der handschriftliche Kodex enthält Werke des römischen Historikers Sallust, der die Krise der römischen Repubik beschrieben hat, zum Beispiel in seinem bekannten Werk Die Verschwörung des Catilina. Auch Flugschriften aus der Zeit der Reformation oder Atlanten des Kartografen Gerhard Mercator gehören zum Bestand. Der Bibliothekssaal gilt als besonders schönes Beispiel für die zurückhaltende und geradlinige Eleganz des frühen Klassizismus.
Bibliothekssaal Kloster Schussenried
Das Kloster Schussenried im oberschwäbischen Landkreis Biberach beherbergt einen der prunkvollsten Bibliothekssäle. Der festliche Büchersaal gilt als Juwel des Rokoko, das ausgestaltet wurde von dem Maler Franz Georg Hermann mit einem Deckenfresko von 1757. Es stellt Weisheit und Wissenschaft in 14 Bildabschnitten dar. Sporer vollendete seine Skulpturen 1766. Die Bibliothek diente seit 1844 der evangelischen Gemeinde auch als Kirche, weshalb Ende des 19. Jahrhunderte eine Orgel eingebaut wurde (www.kloster-schussenried.de).
Stadtbibliothek in Stuttgart
Neben der Universitätsbibliothek Cottbus-Senftenberg gilt die Stadtbibliothek in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart als herausragendes Beispiel für eine moderne Bibliotheksgestaltung. Die futuristisch anmutende Form wurde von dem koreanischen Star-Architekten Eun Young Yi entworfen. Es ist ein Kubus mit acht Ebenen, dessen aus Glasbausteinen und Beton bestehende Außenfassade schon von weitem auffällt.
Nach Stuttgart sind inzwischen übrigens auch die kirchliche Bestände aus Baden gewandert. Die Archive und Bibliotheken der württembergischen und badischen evangelischen Landeskirche haben nach ihrer Fusion ihren Sitz in Stuttgart-Möhringen und firmieren unter „Evangelische Hochschul- und Zentralbibliothek Baden und Württemberg“. Sie verfügt nach der Zusammenlegung über einen umfangreichen Bestand. Untergebracht ist sie in einem funktionalen Betonbau (www.ehz-bibliothek.elk-wue.de).
