Stichwort: Eliport Das Evangelische Literaturportal

2024 titelte die Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V. zur Pisa-Studie: „Das Unbehagen am Lesen steigt.“ Konzentriertes Lesen wird durch die Verlockungen von kurzen WhatsApp-Nachrichten und dem schnellen Scrollen in Social-Media-Kanälen immer seltener. Die ständige Abrufbarkeit von Informationen und der schnelle Zugriff auf „Snack-Content“ prägen zunehmend die Lesepraxis – und damit auch das Denken.

In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der Informationsflüsse fragmentiert sind, wird es immer wichtiger, Räume zu schaffen, in denen das Lesen längerer Texte und der Spaß an ihnen wieder zur Erfahrung werden kann. Hier setzt das Evangelische Literaturportal e.V. (Eliport) an. Unser Ziel: gute Bücher zu gesellschaftlich relevanten Themen sichtbar machen und Menschen damit erreichen.

Wie man Leseförderung in der eigenen Gemeinde betreiben kann, zeigen die Ideen und Vorschläge auf der Website eliport.de: Wie wäre es z.B. damit, einmal einen Literaturgottesdienst oder eine Lesenacht für Kinder und Jugendliche zu gestalten? Oder in der Jungschar eine biblische Geschichte mithilfe von Emoji-Piktogrammen zu erzählen? Oder ein literarisches Speeddating auszurichten, bei dem die Teilnehmenden statt sich selbst ein Herzensbuch mündlich oder mit kreativem Equipment anpreisen. Das sorgt immer für viel Freude, Gesprächsthemen und mögliche neue Kontakte. Vielleicht entsteht draus sogar ein fester Lesekreis!

Mit den Buchprojekten „Willkommen in Gottes Welt“ und „Lesen in Gottes Welt“ werden junge Familien in Umbruchphasen angesprochen. Die Erfahrung zeigt: Werden Neugeborene in der Gemeinde z.B. mit dem Willkommens-Buchbeutel begrüßt und zugleich zu einem Angebot eingeladen, ist die Chance hoch, dass dieses von den Familien angenommen wird. Für ein Eltern-Kind-Angebot haben wir ein Konzept für Eltern mit Kleinstkindern entwickelt, in dem das Kennenlernen von Pappbilderbüchern im Mittelpunkt steht. Das Konzept ist ebenfalls auf der Website zu finden.

Die Angebote wollen zeigen, dass Lesen Spaß macht, und gleichzeitig niedrigschwellige Impulsgeber für Bildung, Wertevermittlung und den Dialog zwischen Literatur, Gesellschaft und Glaube sein. Für mich gibt es wenig Motivierenderes, als die Wirkung unserer Arbeit hautnah mitzubekommen: Zu sehen, wie ein anfangs desinteressiertes Kind sich beim Vorlesen plötzlich aufmerksam aufrichtet: Da ist was in der Geschichte, was ich kenne, was mich angeht! Oder der Anruf von einem Pastor, der seine Konfis förmlich in die Lesung unseres Buchpreisträgers tragen musste, um am Ende von den begeisterten Jugendlichen zu hören: „Können wir sowas nochmal machen?“ Oder die Erzieherinnen, die nach einem Workshop zum Thema „Tod im Bilderbuch“ das Vertrauen haben, mir von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Thema zu berichten.

Der anhaltende BookTokTrend zeigt: Leseförderung gelingt dort, wo sie gemeinschaftlich erlebt wird. Die von Eliport vertretenen 700 überwiegend ehrenamtlich geführten evangelischen öffentlichen Büchereien zählen gerade im ländlichen Raum zu den wenigen Orten, die die Freude am Buch in Gemeinschaft erfahrbar machen: Mit Angeboten von Bilderbuchkino und Comictauschbörse über Wein-Lese bis zum Krimigottesdienst. Es gibt sie also, die Trotzkräfte, die sich dem wachsenden Unbehagen am Lesen entgegenstellen und mit viel Einfallsreichtum wieder Lust aufs Lesen machen!

Leicht ist das Geschäft mit der Leseförderung nicht – aber genau diese Momente zeigen mir: Es lohnt sich dranzubleiben!

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