Stichwort: Theologische Ästhetik Dass Gott schön werde

„Theologische Ästhetik“ zeigt die Schönheit Gottes, lässt den Menschen wiedergeboren sein aus Wasser und Geist (Joh 3,5) und verleiht der geschundenen Kreatur die Hoffnung, heil zu werden an Seele und Leib, anstatt verloren ins Nichts zu stürzen.

Der Heidelberger Praktische Theologe Rudolf Bohren hat mit seinem 1975 erschienen Buch Dass Gott schön werde das Feld der Theologischen Ästhetik erschlossen. Mit seiner eigenwilligen Predigtlehre 1971 hat er dieses Feld zuvor umschrieben und darauf mit seinen bohrungen (1967), seiner heimatkunst (1987) und mit dem Buch texte zum weiterleben fröhlich Aussaat gehalten – Letzteres wurde mit dem Literaturpreis des Kantons Bern 1988 ausgezeichnet. Was aber ist „Theologische Ästhetik“?

Das griech. aísthēsis heißt eigentlich nur „Wahrnehmung“. Aber daraus entwickelt sich eine „Lehre vom Schönen“ und – antik-naturwissenschaftlich betrachtet – eine Harmonielehre. Harmonie umschreibt das vollkommene Zusammenspiel von Tönen, Maßen, Farben etc., dann aber auch der Erkenntnis. Und die Harmonie reicht bis zur „Harmonie der Sphären“. Der Vater dieser philosophischen Ästhetik ist Aristoteles. „Theologische Ästhetik“ steht – vermittelt – in dieser Tradition.

„Dass Gott schön werde“ lässt sich am christlichen Glaubensbekenntnis entlang schreitend erläutern. Zuerst kommt die vollkommene Schöpfung in den Blick, wenn auch – auf uns gekommen – gebrochen durch die Sünde und gemeinsam mit dem Menschen sich sehnend nach der Erlösung (Röm 8,20-21). Der moderne Anspruch des Christentums, Bewahrer der Schöpfung zu sein und nunmehr das berühmte „Machet sie euch untertan“ (Gen 1,28) neu zu interpretieren, hat nur dann einen tiefen Sinn, wenn der Mensch durch die Schöpfung hindurch den Schöpfer erkennt und dadurch dessen Fürsorge ehrt, dass er im „Fressen und Gefressen-werden“ das vollkommen Schöne wiederentdeckt und dass schließlich im „Werden und Vergehen“ Vollkommenheit erreicht wird.

Dem Glaubensbekenntnis folgend, tritt nun an die zweite Stelle der vollkommene Mensch, der neue Adam – Ecce homo (Joh 19,5) –, der segnend seine Arme ausbreitet am Kreuz von Golgatha. In seiner Zerrissenheit birgt er die ganze Erlösung und verkörpert die Offenbarung der Kabod JHWH (Herrlichkeit Gottes). Die singende Gemeinde preist ihn im Lied: „Schönster Herr Jesu“ (EG 403). Für die Welt ist es verstörend, die Schönheit Gottes im „Schmerzensmann“ erblicken zu sollen. Denn stellen der Tod und die vom Leid gebrandmarkte Welt nicht alle Existenz grundsätzlich in Frage? Die Antwort darauf ist in der biblisch-jüdischen Tradition der leidende Gerechte („ohne schöne und edle Gestalt“, Jes 53,2), der – christlich – im Gekreuzigten erkannt und geglaubt wird:  als Gottes niemanden ausgrenzende, schönmachende Liebe.

Diese – neue – Gotteserfahrung erweckt Gottes Geist. In ihr erschließt sich das Miteinander von Herrlichkeit Gottes und Sünde und Kreuz auf der Seite des Menschen. Den Glaubenden gehen jetzt schon neue Horizonte des Schönen auf: der neue Himmel und die neue Erde (Offb 21,1), die Hütte Gottes bei den Menschen. Diese österliche Erfahrung des Schönen eröffnet dieser Welt eine Perspektive und lässt den ganzen Christus in Brot und Wein in der sündenkranken Seele einwohnen.

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