Altes Urlaubsziel, neu entdeckt Zu Besuch am Balaton, dem größten Binnensee Mitteleuropas

Der in Westungarn gelegene Balaton, in Deutschland bekannt als Plattensee, ist über Jahrzehnte für zahllose deutsche Urlauber zu so etwas wie einer zweiten Heimat geworden. Heute ist er auch eine beliebte Gesundheitsdestination.

Am größten Binnensee Mitteleuropas verbrachten seit den 60er Jahren sowohl Ostdeutsche als auch Westdeutsche ihren Sommerurlaub. Ganze Kolonnen mit vollgepackten Trabis kamen aus der DDR, deren Bürger hier im relativ freien und wohlhabenden ungarischen „Gulaschkommunismus“ Abwechslung vom tristen Alltag zu Hause fanden und sich ungezwungen mit Besuchern aus der Bundesrepublik austauschen konnten, die den preiswerten Urlaub in landschaftlich reizvoller Umgebung genossen.

Viele Gäste kamen jedes Jahr. Es entstanden trotz der deutsch-deutschen Teilung Freund- und Liebschaften. Auch wenn man sich heute zum Balaton aufmacht, schwingt etwas von dieser Erinnerung mit. Die Architektur der großen Hotels ist noch geprägt vom sozialistischen Monumentalstil, der schon wieder eine Art Retroschick ausstrahlt. Das Gebiet rund um den Plattensee ist neben der Hauptstadt Budapest die beliebteste Ferienregion in Ungarn.

Am größten Thermalsee der Welt

Eines der Hauptziele ist bis heute das sechs Kilometer westlich des Plattensees gelegene Bad Héviz. Schon seit längerem liegt die Zahl der Wellnessurlauber bei mehr als einer Million pro Jahr, wovon 80 Prozent Stammgäste sind. Die Stadt ist bekannt für ihren ausgezeichneten Ruf bei klassischen Kuren und Wellness-Anwendungen. Ein Grund für den hohen Zuspruch ist der größte natürliche und biologisch aktive Thermalsee der Welt.

Dieser machte Bad Héviz bereits vor 200 Jahren zum bekanntesten Heilbad an der ungarischen Bäderstraße. Spezielle Heilmethoden wurden hier entwickelt. Der Thermalsee wurde auch zum „Hungarikum“ erklärt und in die Liste der besonderen Nationalwerte Ungarns aufgenommen. Europaweit einzigartig ist die Tatsache, dass Kurgäste das ganze Jahr unter freiem Himmel in dem natürlich temperierten Badesee schwimmen können. Das Bad Hévizer Heilwasser ist reich an Schwefelwasserstoff, Kohlensäure und Methan, ideal für Bade- und Trinkkuren. Zum Teil übernehmen Krankenkassen in Deutschland die Behandlungskosten.

Bekannt für Natur, Kultur und Gastronomie

Der Heilsee ist umgeben von einem Naturschutzgebiet. Transdanubien mit seiner abwechslungsreichen von Wald und Hügeln geprägten Landschaft eignet sich besonders für Ausflüge zu Fuß oder mit dem Rad. Am Plattensee gibt es viele Freizeitmöglichkeiten. Weinkeller und Weinwirtschaften in Bad Héviz sind bekannt für ihre regionalen Spezialitäten.

Die Ursprünge des heutigen Bad Héviz gehen zurück bis ins zweite Jahrhundert. Das belegen römische Münzfunde und der römische Ruinengarten. Ende des 17. Jahrhunderts ließ Graf György Festetics, der das barocke Schloss Festetics in Keszthely errichtete, die Heilwirkung des Sees erstmals untersuchen und die ersten Kuranlagen um den See errichten. Das György-Haus und die Ella-Villa im Rheumakrankenhaus erinnern an die Gründerzeit.

Zu den kulturellen Highlights gehören die alte Bäderarchitektur und der Stadtteil Egregy mit seiner Weinbaukultur und romantischen Kellergassen. Ein Museum, das Grabmal des römischen Soldaten und die mittelalterliche Árpáden-Kirche befinden sich dort.

Árpádenkirche in Egregy

Der Hévizer Stadtteil Egregy war ein mittelalterliches Dorf, das in den Türkenzeiten zerstört wurde und von deutschen Siedlern im 17. Jahrhundert neugebaut wurde. Hier befindet sich eine der Perlen der Stadt: die aus dem 13. Jahrhundert stammende Árpádenkirche. Die genaue Bauzeit ist nicht bekannt. 1341 wurde sie zum ersten Mal in schriftlichen Urkunden erwähnt. Das Gebäude wurde im 16. bis 17. Jahrhundert stark beschädigt und später in der Barockzeit 1731 renoviert. Die erste Schutzheilige der Kirche war die Heilige Katharina von Alexandrien. Nach dem Neubau wurde die Kirche wieder geweiht, und ihre neue Patronin wurde die Heilige Magdalena. Seitdem wurde die Kirche noch mehrmals restauriert. Die Egregyer Kirche ist eine der drei erhaltenen Kirchen aus der Árpádenzeit in der Balaton-Umgebung.

Viele Besucher kommen aus den deutschsprachigen Nachbarländern. Sie schätzen die Nähe von Bad Héviz, das nur 75 Kilometer von der österreichisch-ungarischen Grenze entfernt ist. Einen Shuttleservice gibt es zum Flughafen und zum Hauptbahnhof nach Wien. Mit Deutsch kommt man in dem Kurort gut zurecht. Das lässt bei manchem Gast heimatliche Gefühle aufkommen.

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