Amos Oz: Liebe Fanatiker Drei Plädoyers

Suhrkamp Verlag, Berlin, 2018, 143 S., 18,00 EUR (auch als e-Book)

Amos Oz, Patriot, Poet und Kritiker der Politik Benjamin Netanjahus, hat einmal mehr vergeblich seine Stimme erhoben: für einen Nationalstaat des jüdischen Volkes, dessen demokratischer Charakter über jeden Zweifel erhaben sein müsse – im mittleren seiner drei Plädoyers.

Mitte Juli (2018) verabschiedete die Knesset ein Gesetz für einen „Nationalstaat für jüdische Menschen“ mit dünner Mehrheit. Diese Abstimmung spiegelte einmal mehr die faktische Gespaltenheit der Bürger wider, die Oz beklagt als Folge diverser Fanatismen im eigenen Land und in den besetzten Gebieten. „Der Staat Israel“, so zeigt Oz, „entstand aus einer Mischehe, … aus der Sehnsucht, nach Zion heimzukehren, mit dem Völkerfrühling in Europa…“. Und er kritisiert die „seltsamen Gelehrten“ mit ihrer Polemik, Judentum und Demokratie gegeneinander auszuspielen, mit seinem ausführlich begründeten Statement, bestenfalls von „jüdischen Charakteren“ sprechen zu können. Kaum eine Kultur sei liberaler als das ursprünglich vielstimmige Judentum, das sich in dem theologischen Selbstverständnis artikuliere: „Dies und auch jenes sind lebendige Worte Gottes.“

Diesen jüdischen Pluralismus/Humanismus wieder stark zu machen, ist die Leitidee von Oz, die sich durch seine Plädoyers zieht. Im ersten Plädoyer konfrontiert er uns mit Grundzügen fanatischen Denkens und Verhaltens, die – älter als die Weltreligionen – sich einem „schlechten Gen“ verdankten. Im zweiten entfaltet er die Geschichte der jüdischen Kultur. Deren Grundtext findet er auf einer 3000 Jahre alten Tonscherbe, der zur Sorge für den Sklaven, die Witwe, den Fremden und andere Schutzbedürftige verpflichte.

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